34 Photos - Jun 28, 2014
Photo: Ziel unserer Reise ist das Land jenseits der Alpen:
(…) "wo die Zitronen blühn,
Im dunklen Laub die Gold-Orangen glühn,
Ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht,
Die Myrte still und hoch der Lorbeer steht,
Kennst du es wohl? Dahin! Dahin
Möcht ich mit dir, o mein Geliebter, ziehn.“
Von wem mögen diese Zeilen wohl stammen?Photo: Richtig! Kein geringerer als unser Dichterfürst Giovanni Wolfgango Goethe schrieb sie nieder als Quintessenz seiner dreijährigen Italienreise  (1786 - 88), von München kommend, mit der Postkutsche über den Brenner, Bozen, Gardasee, Verona, Padua nach Venedig (Quelle: Wikipedia).
Seitdem träumen die Deutschen vom Paradies  südlich der Alpen. Das Meer, die Küche, der Wein, „l'amore“; diese Bilder sind in unserer Fantasie verankert. Sie erzeugen eine immerwährende Sehnsucht nach der mediterranen Leichtigkeit des Seins, an das "dolce far niente", an Sonne und Glückseligkeit.Photo: Doch bevor wir das Land unserer Sehnsüchte erreichen, muss zunächst diese Barriere überwunden werden, nicht mehr mit der Postkutsche wie zu Goethes Zeiten, sondern wie es euch gefällt: > Fahrrad > Nachtzug > Auto(bus) oder > Flieger.
Alles eigenständig getestet und für gut befunden.
Die folgende Präsentation beginnt mit einer Anreise per Nachtzug ab Düsseldorf und endet mit einem Rückflug von Venedig.Photo: Am Abend besteigen wir ohne viel Stress den Nachtzug nach Mailand.Photo: Um Mitternacht werden die Liegen umgeklappt. Wir passieren die durchtunnelte Schweiz.
Die Fahrgeräusche werden als angenehm empfunden, da Nachtzüge relativ langsam rollen. 
Am Morgen geht in Mailand die Sonne auf: Umsteigen in den Regionalexpress nach Venedig.Photo: Gegen Mittag sind wir am Ziel: Venezia, Stazione Santa Lucia. Willkommen in der Lagunenstadt Venedig!Photo: Unser erste Expedition führt uns ganz konventionell über die „Leimrouten“ des modernen Tourismus: vom Bahnhof via Rialtobrücke zum Markusplatz (blaue Linie); einfach den Menschenmassen oder den gelben Schildern folgen.Photo: An der Brücke der Barfüßigen überqueren wir den Canal Grande.Photo: Cappuccino-Pause an einer der schönsten Plätze Venedigs, dem Campo San Giacomo.
Man beachte: In Venedig heißen die Plätze „campo“, und nicht „piazza“ (wie sonst in Italien);
ausgenommen der Markusplatz (= Piazza San Marco).Photo: Der Name Rialto kommt von einem tiefen Bach (lat. rivus altus / ital. rio alto), der einst die Lagune durchfloss.
Früher war die Gegend um Rialto ein sumpfiger und schwer erreichbarer Ort; deshalb als Rückzugsort von den Ureinwohnern geschätzt. Hier entsteht ab dem Jahre 800 das Zentrum des modernen Venedig.Photo: 1591 wird – nach nur 3 Jahren Bauzeit – die alte Holzkonstruktion durch eine solide Steinbrücke ersetzt. Wobei auch diese Steinbrücke auf Holz beruht, aber nur im Fundament, welches auf 12.000 Eichenpfählen in den Schlamm getrieben wurde.
Der gelbe Pfeil zeigt auf den Campo San Giacomo di Rialto, wo der Markt untergebracht ist. Hier findet man den Sottopórtico del Banco di Giro.Photo: Im Mittelalter treffen sich dort die Kaufleute zum „giro“; so heißt die Geldüberweisung von einer Bank (la banca) zur anderen.
Hier wurde das Buchgeld erfunden (banco giro) und Rückversicherung von Handelsgeschäften, die Basis für die Ausweitung des Handels und die Anhäufung von Reichtum. Die Wiege unserer europäischen Kultur, die Sprache der Kaufleute und Händler, sie wurde hier in Oberitalien geprägt.Photo: Heute sind wir es, die in der Bar BANCOGIRO einen Transfer vornehmen:  leckerer Spritz... direttamente von der Bank in die Kehle.
Wir achten dabei, dass wir nicht zu viel Geld ausgeben, sonst sind wir bankrott, d.h. die Bank ist zerbrochen (oder „rotta“, wie man in Italien sagt).Photo: Schließlich erreichen wir den Markusplatz mit der imposanten Basilica di San Marco und dem angrenzendem Dogenpalast.
Bei Hochwasser (acqua alta) kann dieser Ort auch mit dem Bötchen angesteuert werden.
Am Markusplatz kann man eine andere Form des Reichtums studieren, die durch Diebstahl zustande kommt, z.B. im Jahre 828 der Raub der Gebeine des Evangelisten Markus, entwendet von venezianischen Kaufleuten aus dem ägyptischen Alexandria; verständlich, dass man diese wertvolle Beute nicht einfach in einen Schrein packen wollte, sondern eine mächtige Basilika drum herum gebaut hat.Photo: Oder Reichtum entsteht durch Raub und Plünderung, wie im Jahr 1204, während des vierten Kreuzzugs, als das von Venedig angeführte Kreuzfahrerheer nicht bis Jerusalem kommt, aber auf dem Weg dorthin das mächtige Konstantinopel (heute Istambul) erobert und ausplündert. Anschließend wird das Diebesgut hier in Venedig ausgestellt, u.a. die Quadriga mit den 4 mächtigen Bronzepferden über dem Eingang.Photo: „Tod in Venedig“ ist auch der Titel eines berühmten Romans von Thomas Mann (als Reise-Lektüre sehr empfehlenswert).
Dieser Roman, 1911 entstanden, gehört zum Genre der Dekadenz-Literatur, zu Deutsch „Verfall“.
Gemeint war damit die Fäulnis und der Verfall der bürgerlichen Gesellschaft; symbolhaft dargestellt durch den Tod eines alten Menschen in einer untergehenden Stadt.Photo: Rosso di sera, bel tempo si spera; auf deutsch: Abendrot = Gutwetterbot‘; das Signal zum Aufbruch, um unser Quartier anzusteuern.
Es kann sich in der Stadt befinden… (sehr zu empfehlen, weil man dadurch Venedig bei Nacht erleben kann)Photo: … oder wir entscheiden uns für ein Quartier in Montegrotto am Fuße der Euganäischen Hügel (mit der Bahn in weniger als 1 Stunde bequem erreichbar)Photo: Kurhotel heißt Wellness und Regeneration, wobei das warme Heilwasser ideal ist für Knochen und Gelenke. Die Bäder können – falls gewünscht – schon vor dem Frühstück benutzt werden.
Bedächtig und ruhig beginnen wir den Tag…Photo: Hier der furiose Schlussakkord, eine Champagner-Siegesfeier nach dem Venedig-Marathon 2004.
4 Aktive und 10 Betreuer können gemeinsam ausrufen: „Wir haben gesiegt!“; die Sportler beim Ablaufen der Strecke, die Betreuer/innen beim Anfeuern: Gemeinsam sind wir stark.Photo: Man kann sich auch eine Fango-Kur verschreiben lassen. Früher gab‘s dafür noch Zuschüsse von der Krankenkasse.
Die fielen mittlerweile dem Rotstift zum Opfer. Geblieben ist aber der hohe Wert für die Fitness… auch am Abend.Photo: Drehscheibe für alle Touren ist das Glasmonument (Via Roma 1) im Spannungsfeld zwischen Rathaus und Kirche (wie bei Don Camillo und Peppone).
Gegenüber bei BROMBIN kann man gute Räder zu zivilen Preisen ausleihen, wodurch das Reisegepäck entlastet wird. Start jeweils 10 h (nach einem opulenten Frühstück)
Heute ist eine Sightseeing-Tour nach Padua angesagt (wer will kann auch mit dem Bus anreisen).Photo: Schon Wilhelm Busch dichtete: In Padua war groß Gedränge… der andachtsvollen Christenmenge. Denn Padua rangiert als Fünf-Sterne-Pilgerziel damals wie heute ganz weit oben in der Liste der „top ten“.
Die Basilika San Antonio (im Volksmund auch „il santo“ genannt) wurde 1301 fertiggestellt.
Der Zweck war, die Gebeine des Heiligen Antonius aufzunehmen, der hier in Padua 1231 gestorben ist.
Angeblich soll er viele Wunder vollbracht haben. Er gilt als Universalheiliger, an den sich jeder wenden kann; insbesondere aber Leute, die etwas verloren haben, z.B. die Liebe, den Glauben oder den Haustürschlüssel.Photo: Vor der Basilika das Reiterstandbild GATTAMELATA von DONATELLO. Es ist ein Meisterwerk der Renaissance und zeigt den modernen Menschen: lässig selbstbewusst, ohne heroische Attitüde.Photo: Vom kirchlichen Zentrum zum weltlichen Zentrum
Der Pallazzo della Ragione (Justizpalast),
entsteht 1218 als Gerichtssitz der freien Bürgerstadt (comune libero).Photo: Man trifft sich auf den Plätzen um den Pallazzo, z.B. auf dem Gemüsemarkt (Piazza delle Erbe).Photo: Die Wissenschaft und die 65.000 Studenten sorgen dafür, dass Padua eine junge Stadt geblieben ist, trotz mehr als 3000 Jahre  Geschichte.
Mit lauten Gesängen „Dottore, dottore“ und witzigen Wandzeitungen feiern Studenten hier gerade ihren akademischen Abschluss.
Gegründet 1222 gehört diese Universität zu den ältesten in der Welt.
Ihre erfolgreiche Entwicklung verdankt sie der Tatsache, dass Padua als freie Stadt (comune libero) sich der Zensur der Kirche erfolgreich widersetzen konnte.Photo: Dadurch waren in Padua wissenschaftliche Pionierleistungen möglich. Bei einer Besichtigung entdecken wir...
• einen theaterförmig angelegten Hörsaal, 1594 erbaut, in dem - streng konspirativ – erste wissenschaftliche Autopsien (Leichenöffnungen) durchgeführt wurden;
• das Katheder des Professore Galileo Galilei, der 1610 in Padua mit einem verbesserten Fernrohr den Erdschatten auf der Mondoberfläche beobachtet sowie Jupitermonde und Saturnringe entdeckt. Dadurch kann er wissenschaftlich beweisen, dass wir uns in einem Planetensystem befinden mit der Sonne als Mittelpunkt. Solche umwälzenden Thesen dürfen in Padua verbreitet werden, damals zur Republik Venedig gehörend, wo eine gewisse Religionsfreiheit herrscht.
Probleme bekommt Galilei erst, als er als Hofmathematiker nach Florenz überwechselt, dort in die Fänge der Inquisition gerät und – um seinen Kopf zu retten – widerruft. Was ihn aber nicht von dem Satz abgehalten hat: „Eppure si muove“ (und sie bewegt sich doch)…
• und schließlich eine Gedenktafel. Sie erinnert an die erste Frau der Welt (Elena Piscopia), die hier 1678 ihr Studium mit einem Doktortitel abschließt.Photo: Nach so viel hochkarätiger Wissenschaft haben wir uns etwas Abwechslung verdient: ein Ausflug in den Naturpark „Euganäische Hügel“.
Auf dem Programm steht eine Radtour zur Villa Sceriman.Photo: Die Sportler unter uns umfahren die Hügel via Bataglia Terme.Photo: In Arqua passieren wir den Altersruhesitz des großen Humanisten Francesco Petrarca.
* 1304 in Arezzo/Toscana, † 1374 in Arquà Petrarca, italienischer Dichter und Geschichtsschreiber; zählt zusammen mit Dante Alighieri und Boccaccio zu den wichtigsten Vertretern der frühen italienischen Literatur.
Sein erstes Werk "De Monte Ventoso" schildert in lateinischer Sprache die Besteigung des Mont Ventoux (1336).
Ein kulturhistorischer Schlüsselmoment an der Schwelle vom Mittelalter zur Neuzeit, weil hier zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit ein alpiner Berg bestiegen und darüber berichtet wird.Photo: Voila, die Villa Sceriman, unser Ausflugsziel hinter den Bergen mit kleiner Stärkung und stilvoller Weindegustation.
Im 16. Jahrhundert errichtet am Westrand der Euganäischen Hügel, ein Nebenprodukt des berühmten Architekten Andrea Palladio,
einer der bedeutendsten Architekten der Renaissance in Oberitalien, dem Klassizismus verpflichtet.Photo: Ein Blick in die Schatzkammer: „Boah eyh !“ Die Schatzsuche kann beginnen.
Die edelsten Exponate lassen wir uns per Spediteur an den Nordrhein schicken, um an grauen Winterabenden unser Gemüt aufzuhellen.Photo: Und wieder ein Gedicht von Wilhelm Busch: „Rotwein ist für alte Knaben, eine von den besten Gaben. Richtig oder falsch? Schaun wir mal… oder „vedremo“, wie man in Italien sagt.
Nachdem wir uns bei einem guten Tropfen regeneriert haben, machen wir einen Ausflug "Auf den Spuren von Commissario Brunetti"; weiter mit "Venedig und sein Hinterland"
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