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Frau Holla und der Flötenbauer

"Ich habe viele Namen" sagte die Frau. "Nenn mich Frau Elhorn, Frau Holla oder Frau Percht, wenn dir das gefällt". Ich war verwirrt, in einem Augenblick dachte ich ein junges, freundliches Mädchen vor mir zu haben, dessen Haare mit den Strahlen der Sonne zu verschmelzen schienen, im nächsten Moment sah ich mich einer greisen, alten Frau mit langen schneeweißen Haaren gegenüber, deren Körper von der Last unzähliger Jahre gekrümmt war, aber dennoch den Eindruck von erhabener Würde und Güte vermittelte.
"Ich bin die Muttergöttin. Als Königin der Erde und des Himmels gebiete ich über die Elemente, das Wetter und die Jahreszeiten. Wenn ich mein goldenes Haar kämme, schenke ich dir Sonnenschein, wenn ich ein Feuer anzünde um zu kochen, ist deine Welt in Nebel gehüllt. Die Wolken, die Du am Himmel ziehen siehst, sind meine Schafe. Es regnet, wenn ich meine Wanne ausleere und Schnee fällt auf Erden, wenn ich meine Federbetten ausschüttele.
Du bist also zu mir gekommen um meinen Rat zu suchen, mich um Erlaubnis zu bitten. Der Holunderbusch unter dem Du dich niedergelassen hast, trägt im Frühling duftende, weiße Blüten in verschwenderischer Fülle. Wenn das Jahr voranschreitet ist er voll von Früchten, deren dunkler Saft die Farbe des Blutes hat. Ein Füllhorn an Jugend und Lebenskraft. So begehrenswert und schön wie die junge, weiße Frau. Im Herbst vergilben seine kräftig grünen Blätter in fleckig, fahlem Gelb. Schließlich im Winter sind seine krummen Äste kahl. Meist morsch und von knorriger Rinde wulstig überwallt. Kein Leben scheint mehr darin zu wohnen. Nun gleicht er einer zusammengefallenen, greisenhaften Frau.
Nimm dir von meinem Holz und bringe es zu der unermüdlichen Quelle, tief in dir. Erwecke deine schöpferische Schaffenskraft, die Du nur vergessen hast. Das soll mir genügen, solange Du nicht vergisst mich zu grüßen, wenn Du mein Heim betrittst."
Am strahlend blauen Himmel  grasten die Schäfchen der Göttin als ich blinzelnd meine Augen öffnete. Ich musste unter dem Hollerbusch eingeschlafen sein. Die weiße Frau war nicht mehr da. Ich dankte Frau Holla und nahm mir einen Ast um daraus eine Flöte zu bauen.

C. Maron
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Pilze

Wir richten unseren Blick zu den Sternen und lauschen in das Weltall, mit der Absicht uns unbekanntes Leben zu entdecken.
Während wir das tun sind Sie ständig um uns.
Wesen des Zwielichts, Boten des Todes, Wegbereiter des Lebens und Motiv für Kinderfreuden.
Testimonium initia vitae - weder Tier noch Pflanze erscheinen Sie uns fremd.
Wir beschreiben Sie meist von geringer Größe, unwissentlich Ihrer immensen Gestalt.
Im Herbst, wenn wir uns bewusst werden, dass wir uns längst nicht der Natur enthoben haben, neigen wir dazu in ihren Erscheinungsformen etwas mystisches zu sehen. Ganz so wie es unsere Urväter taten, wenn Sie sich die Welt nicht erklären konnten.
Auf dieser Bühne bietet sich dem aufmerksamen Betrachter seit je ein Schauspiel, dessen Darsteller oft nicht von dieser Welt zu sein scheinen.
Eine Darbietung bei der wir nur neue Gäste sind.

C. Maron
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Nachhall

Süß und schwer, wie das Parfüm älterer Frauen, liegen Äpfel im reif bedeckten Gras.
Tosend verschlingt ein Feuersturm das Land in Fülle.
Was an Gaben den Herbst erblickt fällt der Fäulnis anheim.
Im Nachhall des Sommers ist Gaias erdiger Ruf zu vernehmen.
Einige unter Ihnen sind schwarz, wie verbrannt liegen Sie an der von Feuchte schwangeren Luft.
Das weiße Leichentuch des Winters wird Sie mich fast vergessen lassen bis ein bekannter Ton die Hoffnung auf das nahende Tosen in Gewissheit um die Wiederkehr der Fülle wandelt.

C. Maron
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Der alte Kraemersche #Landschaftsgarten in St. Ingbert im #Saarland

Im Jahre 1803 begann die damalige Besitzerin der St. Ingberter Eisenwerke Sophie #Kraemer mit der Realisierung einer ausgedehneten #Gartenanlage im Stile der englischen #Landschaftsgärten jener Zeit, auf dem Besitz der Familie. 
Mit dem Ende der Ära Kraemer im Saarland im Jahre 1914 war auch der fortschreitende Zerfall des kraemerschen Landschaftsgartens besiegelt.
Die Weltkriege und die Nutzung in den Folgejahren taten ihr übriges dazu.
Wer sich heute auf die #historischen #Pfade der #Anlage begibt, muss schon seinen Blick dafür schulen zwischen all dem #Unterwuchs   und Totholz die Überreste von #Kleinarchitekturen , #Wegeeinfassungen und #Stützmauern zu erkennen. Mancher Orts überrascht den #Besucher auch ein blühendes #Gehölz , das er in diesem fast #verwunschen anmutenden #Waldstück nicht erwartet hätte.

Hier ruht ein saarländisches Stück #Gartenkultur im Dornröschenschlaf!

Mit den vorhandenen Möglichkeiten wäre es realisierbar, den alten Kraemerschen Landschaftsgarten so weit in Stand zu setzen, dass er für eine breitere Schicht von Besuchern in seiner historischen #Entwicklung erlebbar wird.
In diesem Zusammenhang sind die Bemühungen der "Initiative Alte Schmelz" zu nennen, die sich aber leider fast ausschließlich auf das #industrielle #Erbe des Eisenwerks beschränken.
Begründet liegt dies nicht in mangelndem Interesse sondern in der Haltung der Saarstahl AG. Die Saarstahl AG als kultureller Erbe der Anlage verfügt heute über circa ein Drittel der Fläche des noch vorhandenen Landschaftsgartens. Auf diesem Grund ist das Betreten offiziell nicht gestattet. Der Konzern nimmt wohl diese Haltung ein um erst gar keine Diskussionen über den Umgang mit dem #Kulturgut einzugehen.
Zwar wäre es absolut erstrebenswert, die kraemersche Anlage wieder ins #Bewusstsein der #Bevölkerung zu rücken, aber es ist wohl auch gerade dieser #Reiz des #Verbotenen und der #Zerrissenheit zwischen unterschiedlichen #Interessengruppen , der dem #Areal eine fast #mystische #Stimmung verleit, in die man sich unmittelbar eingewoben fühlt.

#Genius #loci #sehenswerte #Orte  
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2015-09-16
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Der alte #Kalksteinbruch am #Birzberg, #Bübingen, #Saarland.

Heute wertvolles #Naturschutzgebiet mit seltenen #Orchideen, die ab Ende Mai auf #Kalkmagerrasen blühen. Hier lässt sich einiges #entdecken. Steinerne Klippen und #Rippelmarken #urzeitlicher #Meere, neben #Zeugen der vergangenen #industriellen #Nutzung.

#Genius #loci #sehenswerte #Orte  
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2015-09-13
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