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In drei Wochen geht's an derZHAW‬ wieder los. Hier das Begrüssungsvideo für Studierenden im Modul "Physik und Systemwissenschaft in ‪Aviatik‬" http://youtu.be/HBYhbrwrGo8

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Wozu Didaktik?

Verknüpfungen von Gedanken und Quellen

Nach dem gestrigen Hangout habe ich mir nächtliche Gedanken zum Begriff Didaktik in MOOC gemacht. Geht man vom Konnektivismus aus, wie ihn Stephen Downes in der Lektüre der Woche http://silkehinrichs.wordpress.com/2009/08/07/was-ist-konnektivismus/ darlegt und berücksichtigt man die Erkenntnisse, die Nicholas A. Christakis in seinen Experimenten gewonnen hat, wie sie Heinz Wittenbrink in der Lektüre der Woche http://wittenbrink.net/lostandfound/2012/10/dynamische-soziale-netzwerke-verhindern-die-tragedy-of-the-commons/ berichtet, dann kommt man tatsächlich zum Schluss, dass Didaktik im modernen Lernen eine höchstens untergeordnete Rolle spielen wird.

Der Konnektivismus sagt, dass alles Lernen mit dem Knüpfen von Verbindungen steht und fällt. Verbindungen im Gehirn, wo Neues mit Bekanntem verknüpft wird und Verbindungen zwischen Menschen, die Altes neu sehen oder Neues aus verschiedenen Blickwinkel betrachten. Dass nur so mit Begeisterung gelernt werden kann, erklärt auch Gerald Hüther sehr eindrücklich in Prof. Gerald Hüther - "Discover your potential" - Entrepreneurship Summit 2012 in Berlin. Heinz Wittenbrink berichtet in seinem Blog auch noch von Christakis Erkenntnissen, dass in sozialen Netzwerken nur dann effektiv gelernt wird, wenn sie auf freiwilligen Verknüpfungen beruhen, d.h. wenn jede Person selber bestimmen kann, mit wem sie in Dialog treten will und mit wem nicht. Das spricht also eindeutig gegen das herkömmliche Schulklassenkonzept.


Dekonstruktionen

Denkt man diese Ansätze zu Ende, dann erübrigen sich Didaktik, Schulklassen und sogar Bildungsinstitute in der Tat. Starten wir mal mit einer Klasse im Fach "BWL". Der Lehrer stellt höchstens das Thema z.B. "Managementmodelle" in den Raum. Nun müssen die Studierenden zunächst Dialogpartner suchen. Nicht nur innerhalb der Klasse, sondern weltweit. Das geschieht via verschiedene Web 2.0 Kanäle. Schliesslich hat jeder Studierende sein soziales Lernnetzwerk gefunden und stellt nun den Begriff "Managementmodelle" zur Diskussion. Unglücklicherweise hat der Lehrer anderer Bildungsinstutitionen im Fach "BWL" just einen anderen Begriff vorgegeben. Man kommt also nicht ins Gespräch.

Entweder müssen somit alle Bildungsinstitutionen inhaltlich normiert und gleichgetaktet sein oder man verzichtet gänzlich auf Bildungsinstitutionen. Die jegliche akademische Freiheit tötende Bolognareform wollen wir ja nicht noch weiter treiben. Also müssten die Studierenden lediglich ein Inhaltsverzeichnis mit den zu lernenden Themen erhalten und können dann irgendwann zur Prüfung antreten. Dazwischen sollen sie unabhängig jeglicher Institutionen soziale Netzwerke aufbauen, in denen sie die Themen mit Genuss und Begeisterung dialogisieren, ausleuchten und einander motivieren. Allenfalls gibt es Dialoghelfer und Lerncoaches im Netz, die sie anrufen können. 

@lisarosa twittert denn auch zutreffend: Didaktik ist an Unterrichten und Lehren gebunden, wie die Gewerkschaften an den Kapitalismus. Da wir in Zeiten des Internets und des lebenslangen Lernens erleben, dass Lernen nicht an Unterricht und Lehre gebunden ist, ist Didaktik unpassen

Denkt man diesen Ansatz zu Ende, landen wir ganz klar beim Konzept der cMOOC.


Grenzen

So könnte in der Tat die Lernzukunft ausschauen - oder auch nicht, wir vermögen es nicht zu sagen. Mir scheint die Vision zu idealistisch, da kann man sich streiten. Hingegen sei mir erlaubt, auf drei Tatsachen aufmerksam zu machen:

- Es gibt Dinge, die man nicht im Dialog lernen kann, nämlich alles, was auf Konventionen aufgebaut ist, wie z.B. die Schrift. Dass wir für den Laut 'a' das Zeichen 'a' verwenden, kann die best funktionierende Gruppe kommunikativ nicht herausfinden. Vermittlung ist die einzige Möglichkeit. Jemand muss mir einmal sagen, welche Zeichen die Menschen verabredeten, um gewisse Laute festzuhalten.

- Wissen, zu dem die Menschen nach jahrhundert- und vielleicht sogar nach jahrtausendlangem Nachdenken gelangt sind, kann nicht in einigen Monaten oder Jahren im Dialog nachvollzogen werden. Wer z.B. etwas über die homogenen Räume mit der Kohomologie von Sphärenprodukten und kompakten Faserbündeln wissen will, tut sich schwer, dies ausschliesslich kommunikativ und dialogisierend zu tun, ohne auf die didaktisch wertvolle Hilfe eines Lehrers zurück zu greifen.

- Es stellt sich notabene die Frage, was Didaktik denn ist. Hier einige Tweets von gestren Abend:

Definition von "Diadaktik": da bekommen sie gelernt (@lisarosa)
Dialogische Prozesse sind nicht didaktisch planbar (@dieGoerelebt)
Didaktik ist bloss mechanische "Unterrichtstechnologie" (@dieGoerelebt)
Didaktik ist die reflektierende Begleitung von Lernprozessen und nicht das Kochrezept des Lernbegleiters (@herrlabrig)

Auch die Auswahl der "Lektüren der Woche" des #MMC13 ist eine didaktische Entscheidung. Jede Entscheidung und Handlung hat eine didaktische Komponente.

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Was Stephen Downes zum Aushandeln eines gemeinsamen Wissensnenners in MOOCs zu sagen hat... Ich würde diese Gedanken gern mal am Beispiel des #MMC13 durchdeklinieren.
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