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MEIN INTERESSE

Auf der Webseite https://lyricstranslate.com/en/titania-titania.html-0 wo ich dann und wann eine Liedübersetzung plaziere, soll man als Übersetzer auch über seine Interessen schreiben. Ich schrieb:

"Ich habe ein brennendes Interesse für Lyrik, insbesondere für Gedichte und Lieder von der Romantik über den Expressionismus bis in unsere Zeit. An der Lyrik aus Schweden fasziniert mich das, was man dort Wortmusik nennt: Reime und Rhythmen, die den Text selbst zum Lied machen. Schweden war und ist ein Land der Lieder! Lyrische Texte übersetzen heißt für mich auch: Wortmusik bzw. Sangbarkeit bewahren."

Bild: Sigrid Hjertén (1885-1948). Im Garten, Fontenay-aux-Roses. 1920
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Ein Lied, das an Carl Michael Bellmans Dichtung von Lust und Qual und Todesahnung anschließt, so faszinierend tiefempfunden und eindringlich schön vorgetragen, daß es mir Schauerwogen über den Rücken jagt.
Mit Originaltexthttps://lyricstranslate.com/en/fredrik-%C3%A5kares-morgonpsalm-fredrik-%C3%A5kares-morgengebet.html

Cornelis Vreeswijk:
FREDRIK ÅKARES MORGENGEBET

Streu Tannreis auf mein Bett.
Laß mich geboren werden
als neuer Spross auf Erden,
noch sorglos, nackt und nett.
Tief in den bittren Schächten
bebt Angst vor dunklen Mächten.
Wenn Frost mich hüllt in Eis,
ins Bett leg Tannenreis.
Ins Bett leg Tannenreis.

Streu Tannreis auf mein Pult
und meine Tinte schlecke.
Komm unter meine Decke
und schenk mir Trost und Huld
und sei mir zu Gefallen
und dein Visier laß fallen.
Mach daß ein Lichtlein gleiß’
und streue Tannenreis.
Und streue Tannenreis.

Streu Tannreis vor mein Tor.
Den Schlüssel häng an’n Nagel.
Bewahr das Buch vor Hagel
und schadlos bring’s retour.
Du großer Friedensstifter
mit Knaller und Gelichter,
du Schnee vom letzten Jahr,
legt Tannreis zum Altar.
Legt Tannreis zum Altar.

Leg Tannreis an mein Grab.
Laß keinen Pfaffen hören,
tu was mag zugehören,
der Marschall bricht mein’n Stab,
dann fallen letzt herab noch
drei Schaufeln Erd ins Grabloch,
meine Hülle sinkt hinab.
Leg Tannreis an mein Grab.
Leg Tannreis an mein Grab.

Übersetzung © Klaus-Rüdiger Utschick
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Evert Taube
FRITIOF OCH CARMENCITA

Samborombon, ein kleines Dorf und ohne Straße
und nicht so weit entfernt von Rio de la Plata,
hart an der Kante eines blauen Atlantik,
hinter Pampas und hundert grünen Meilen war mein Ziel.
Dorthin geritten kam ich abends im April
und ich wollte tanzen Tango.

Fiedel und Ziehharmonika
klangen im Krug, und ich betrat den großen Saal,
dort alleine auf der Bank mit roter Rose auf der Brust
saß die bezaubernde kleine Carmencita.
Mamma stand auf von ihrem Stuhl,
nahm meinen Mantel, meine Peitsche und Pistol.
Vor dem Tanze Carmencita sagt:
“Sí, gracias, Señor, vamos a bailar este tango!”

“Carmencita Augenstern,
hast du mich noch immer gern?
Lass mich heute noch mit deinen Eltern sprechen
und zum Traualtar dich führen, Carmencita!”
“Nein, Don Fritiof Andersson,
kommt nicht nach Samborombon,
wenn Ihr etwas andres plant, soweit es mich betrifft,
als zu tanzen Tango!”

“Lass, Carmencita, unsre Liebe nicht im Stiche,
ich will besorgen einen Job in der Boutique,
stapeln die Waren, wacker schaffen und sparen,
nimmer spielen und trinken, dich immer lieben nur.
Ach, Carmencita, komm und flüstre mir ins Ohr
und dann lass uns tanzen Tango.”

“Nein, Fritiof, Ihr versteht Musik,
doch glaub ich nicht, Ihr könntet stehn in der Boutique,
und zum andern sagt mein Pappa, dass er just jemand wüsste,
einen der seine Tochter freien würde,
der zwanzigtausend Kühe hat
und ‘ne Enstancia, so groß wie eine Stadt,
er hat preisgekrönte Stiere, er hat Ochsen, Schaf’ und Schwein’,
und er tanzt ganz wunderbar Tango.”

“Carmencita Augenstern,
bleib den reichen Männern fern!
Denn das Glück wohnt nicht in Kälbern oder Küh’n
und das kann keiner für Dukaten sich kaufen.
Meine Liebe macht dein Glück!
Schaffe mir ’nen Job in der Boutique!
Und nach unsrer Hochzeit wirst du süße Kinder hab’n,
die bald tanzen Tango.”

Übersetzung: © Klaus-Rüdiger Utschick
https://anacreon.de/dichter/taube-fritiof-och-carmencita.php?art=2
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Evert Taube
FRAGANCIA

In Cubas Nacht ein Hauch von der Estancia
Mit deinem Duft von Rosen lockt mich: Komm!
Schweift zu mir her als Bote... oh Fragancia ...
Und zu mir spricht im liebenden Idiom

So ist mein Sein erfüllt von deiner Einsamkeit
Zwar bist du fort und doch hab ich dich hier
In meiner Seele spür ich deine Herrlichkeit
Blühend und duftend ist sie ganz bei mir

Und selbstvergessen dein bin in Gedanken
Doch du verbirgst dich und du bist mir ach so fern
Himmel! du kommst zum Bett der Blumenranken!
Still ist Gitarr... und sinken Mond und Stern

Übersetzung: © Klaus-Rüdiger Utschick
https://anacreon.de/dichter/taube-fragancia.php?art=2
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NILS FERLIN WAR EIN MEISTER DER REIMKUNST. Die 16 Zeilen dieses Gedichts haben zusätzlich einen Inreim auf 1. und 3. Taktteil: „Kuckelikú, min frú ...”
Die Aufnahme mit NILS FERLIN und ANDERS BÖRJE fand ich in einer Filmszene aus dem Jahr 1947. Tadellose Bild- und Tonqualität!

https://lyricstranslate.com/de/kuckeliku-kikeriki.html
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NILS FERLIN ...

„Der Dichter war gerade bei einer kleinen Landzeitung angestellt", steht in Klammern bei Nils Ferlins satirischem Gedicht „Dragande kall". Darin erzählt er, wie er von „Großhändler Borgs” Begräbnis berichten soll, und infolge Nässe und Kälte nur eine kurze Notiz in der Zeitung erscheint: „Der Referent, der im Regen harrt | folgt seiner allerletzten Fahrt, | holt sich ’ne Lungeninflammation | und hütet das Bett als kranke Person. | Das kann das Blatt berichten, | andres jedoch mitnichten.” Ein bedeutender Teil der Komik entsteht durch die Reimkaskaden des Gedichts. Um sie zu behalten, habe ich einige Verszeilen ziemlich frei übersetzt.

ZUGIGER LEICHENZUG

So stehn wir nun alle hier aufgereiht
mit Blumen und Zweigen, im Trauerkleid.
Der Pfarrer ist wie ein gedeckter Tisch
mit Bibelworten und Psalmen frisch.
Ich nehme mich der Verbreitung an;
ich bin, wie ihr wißt, ein Zeitungsmann.

So stehen die Männer und stehen die Fraun,
und still zu den Grüften der Großen schaun,
die Worte des Pfarrers hernieder taun
im Morgengraun
und fallen auf herbstliche Blätter.
Mein Bleistift zittert in klammen Klaun,
und wär’s nicht für Presse und Letter,
und wär nicht der Leserkreis mir lieb,
ich fragte, warum ich hier kletter,
und was durch Morast mich so rastlos trieb
fernab von dem, was Paulus schrieb,
und fern dem himmlischen Retter . . .
Hier muß ich stehen, vergrämt und schief,
berichten in Wind und Wetter:
Nun decken Bretter
Großhändler Borg
dem Dorf zur Sorg,
zu den Vätern gefahren,
relativ jung an Jahren.

Der Referent, der im Regen harrt,
[...]

Nils Ferlin, Im Labyrinth des Lebens. Ausgewählte Gedichte, übersetzt von Klaus-Rüdiger Utschick. © 2003
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Evert Taube
CALLE SCHEWENS VALS

Auf der Insel in Roslagens blumigem Gau,
wo die Wogen glucksen zum Strand,
wo Schilfgras sich wiegt und das trocknende Heu
schickt Sommerduft über das Land,
dort in meiner Laube ich sitz auf der Bank,
schau Möwen und Seeschwalben zu,
die dort in der Förde, so glitzernd und blank,
sich stürzen in Gischt ohne Ruh.

Dort mische ich friedlich mit Aquavit den Kaffee
für angenehm starken Geschmack
und lausch dem Akkordeon wieder wie eh,
das tönt vom Gemach unterm Dach.
Dort bin ich ein Junge, doch Großvater gar,
der Rosbengel regt sich in mir!
Es wird ja nur schlimmer für Jahr und für Jahr
mit Tanz und mit Jungfern und Zier.

Die Möwe mit Weißfisch im Schnabel, sieh hier –
doch ich krieg ‘nen Arm um den Hals!
O ewige Jugend, mein Herz gehört dir.
Spiel auf, daß ich tanze und walz.
Es duftet, es singt über Förde und Heid,
heut nacht sollst du werden mein Gast!
Hier tanzt Calle Schewen mit Roslagens Maid,
und die Sonne begibt sich zur Rast.

Und still meine blühende Insel dann liegt
und dunkelblau windstill die Bucht,
und Juninachtdämmerung wärmend sich schmiegt
an den schlafenden Strauch oder Busch.
Meine Elfe, du tanzest und lauschst unverwandt
und denkst, jeder Kerl ist ein Troll.
Und da ich geküßt deine kindliche Hand,
verklingt unser Walzer in Moll.

Bis morgen, o Freunde, willkommen aufs neu,
ich sag meinen nüchternen Dank.
Beim Morgengraun häng ich auf Reiter das Heu
und zweihundert Haken mach blank.
Und wenn sich die Dämmerung legt auf das Moos,
der Himmel so feuerrot glost,
dann tanzt Calle Schewen mit Roslagens Ros
und tanzt bis es glimmt in Nordost!

Übersetzung: (c) Klaus-Rüdiger Utschick
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Es ist wie die Aufführung eines klassischen Dramas im modernen Gewand. Frödings Erzähltext "SIE waren ihr gram... sie stachen..." wird hier zu einer schmerzvollen und reuevollen Beichte: "WIR waren ihr gram ... wir stachen...". Und darum umso herzbewegender die Betroffenheit der "Täter" und ihre verzweifelte Suche nach Ingalill und eindrucksvoll und einbrennend die blauen Bilder von der Suche auf und im nächtlichen See.

Original | Übersetzung ↘ https://lyricstranslate.com/en/s%C3%A4v-s%C3%A4v-susa-schilf-schilf-rausche.html
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Ein Gedicht von Gustaf Fröding, das von der schwedischen Gruppe Mando Diao "wieder"-entdeckt wurde; da es in meiner Fröding-Anthologie "Schilf, Schilf, rausche" (1999) nicht enthalten ist, liefere ich es hier nach:

TITANIA
von Gustaf Fröding. Übersetzung: K. Utschick

Ein Klang wie von winzigen Geigen
flirrt schwach im Haselgesträuch am Rain,
der Mond und der Sternhimmel zeigen
die Lichtung im Mitternachtsschein.
Es glimmt, als ob goldene Haare wehn,
es schwirrt und es tanzt auf ätherischen Zeh’n.
Ti ta! Ti ta! Ti ta!

Es glimmt wie von Hälsen und Brüsten,
es lüpfen sich Schleppen von Seide und Flor,
es wedelt und walzt in den Lüften
in hübschen, beflügelten Schuhn.
Wer ist es, der gibt seinen windleichten Ball
zur Mitternachtstunde im Silbermond-Saal?
Ti ta! Ti ta! Titania!

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GUSTAF FRÖDINGS GEDICHT ATLANTIS (Nya dikter, 1894) ist natürlich nicht die Geschichte von Atlantis, sondern so etwas wie die Kassandra-Warnung an die Adresse der ”Atlanter” der Gegenwart: Hört her, das kann euch blühen, wenn ihr Fluchtursachen erzeugt statt wirksam zu bekämpfen!

In Folge der Zerstörung von Nahrungsgrundlagen sind schon jetzt weltweit bis zu 65 Millionen Menschen auf der Flucht. Der klimabedingte Anstieg der Meeresspiegel (bis zum Jahr 2100 um mehr als einen halben Meter) wird die nutzbare Landfläche erheblich verringern und weitere Millionen Menschen in die Flucht treiben.

”Einst geht das Meer über Lande | geht über Stadt, über Damm, | über uns brausen, | über uns wogen | Völker von anderem Stamm.”

✧✧

Lebenslust pulst am Gestade,
klingt wie Musik und wie Krieg auf Bastei,
hoch aus der dumpfen Kaskade
spritzt es heraus wie ein Schrei.
– Nun ist es stille,
still liegt das Wasser
hier in der schweigenden Bai.

Öde und still sind die Räume,
fern von den Lebenden, fern ihrem Strand,
irrlichternd schweben die Träume,
Wasser umwebend und Land.
Lehn deine Schläfe
an meine Schulter,
sieh über Reling und Rand!

Schemen erscheinen am Grunde
scheinen wie Riffe und Reusen im Neer
– siehst du im schimmernden Schrunde
Schlösser und Türme und Wehr?
Das ist Atlantis,
das war Atlantis,
Sage, versunken im Meer.

Glänzende mächtige Wälle
rahmten den marmornen Burgpalast,
Statuen in schimmernder Helle,
Gärten in flimmerndem Glast!
Nun sind sie öde,
und ihr Gedenken,
wandernd durch Gassen, verblaßt.

Gold schuf die Macht und die Tücke,
und eine Kaste von vornehmem Rang
raubte Millionen ihr Glücke,
prasste Jahrhunderte lang,
siegreich in Kriegen
– Nöte gediehen,
Sieg auf Sieg, der gelang.

Doch in der Blüteperiode
schwand und versank der Atlanter Macht,
da sie sich selber zu Tode
hatten am Ende gebracht,
herrlich Begabte
fielen und sanken
in ihres Untergangs Pracht.

Meeresgrund läßt die Korallen
bunt in der Stadt der Entschlafenen blühn,
Sonne mit glimmenden Strahlen
matt läßt die Gräber erglühn,
wogende Algen,
grünliche Netze
Säulen und Häuser beziehn.

Einmal, ja einmal für uns auch
ist eine Stunde des Endes gemacht,
einmal, ja einmal auf uns auch
fällt wohl der Schlummer der Nacht,
wiegen die Wogen,
glimmen die Strahlen,
schimmern im Wellenreich sacht.

Stadt mit Gebrause vom Strande
steht auf dem Grunde von Lehm und von Schlamm.
Einst geht das Meer über Lande
geht über Stadt, über Damm,
über uns brausen,
über uns wogen
Völker von anderem Stamm.

✧✧✧

© Gustaf Fröding. Schilf. Schilf, rausche. Ausgewählte Gedichte, übersetzt und herausgegeben von Klaus-Rüdiger Utschick. München 1999 (Anacreon).

https://anacreon.de/froeding/Gedichte-Atlantis.php
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