Post has attachment
STREIFZUG DURCH FRÖDINGS WERK
STRÖVTÅG I FRÖDINGS VERK

Im Jahr 1890 hält sich ein junger Mann aus Schweden als Patient in einer Nervenklinik am Fuße des Riesengebirges auf. Um über seine Krankheit, eine tiefgehende ... https://www.anacreon.de/froeding/froeding.php

På året 1890 vistades Gustaf Fröding på ett sanatorium i Riesengebirge. Där skrev han, i Heinrich Heines spår , den tyska diktcykeln Lieder der Langeweile – ett försök att lindra ... https://www.anacreon.de/se/froeding/froeding.php

Post has attachment
PÄDAGOGISCH KONSEQUENT.

„Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod" — dieser so treffende wie originelle Titel eines Buches von Bastian Sick hat mich zu folgenden Verszeilen angeregt:

Es spricht der Pädagoge von Meuffels:
„Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod,
und das ist gut; der Genitiv ist doch ‘des Teufels’,
da er die Note 1 in Deutsch bedroht,
ich sags mal so: Der Genitiv ist out,
weil er die Deutschnote versaut."
Noch ist der Pädagoge selbst bedrängt vom Mief
eines unsäglichen überflüssigen Genitiv,
während seine Schüler doch schon porentief
von Mief und Muff gereinigt sind, dativ-zertifiziert!
So will der Pädagoge von Meuffels nicht ruhn,
bis die Einheit erreicht ist von Reden und Tun,
denn noch gibts einen Genitiv in seinem Namen!
Und wegen dem, hols der Teufel,
nennt sich der Pädagoge jetzt „von Meuffel".
Photo

Post has attachment
Dan Andersson (1888-1920)
SPIELMANNS ERDFAHRT.

Sieh! noch eh der Morgen rosig glimmt am Himmelmora Kamm,
trägt man einen Toten fort von Berga By.
Über Hügel, über Blumen kommt der stille Zug voran,
in dem kühlen Himmelsdom in fahler Früh.
Schwere Stiefel stapfen hart, über Gras und Rosen rot,
schwere Häupter sind gebeugt wie im Gebet.
Fort von Ödeland und Not trollt ein Träumender sich tot,
auf der Au, die unterm Tau grün glitzernd steht.

Er war wunderlich und einsam, hört man sagen, und er litt,
ach, er litt oft Not an Wohnraum und an Brot.
– Sieh, ein König! klagen Rosen unter hartem Stiefeltritt,
– sieh! ein Träumender und König ist nun tot.
Und es klagen die vier Träger: Dieser Weg ist Meilen weit,
und wenn’s heißer wird am Tage, sind wir platt.
– Schreitet achtsam! jammert leise! braust die Pappel, zischt die Weid’,
wo manch Blume einen Tritt erlitten hat.

Wenn die Kiste schaukelt schwarz durch den frühlinggrünen Wald,
wird es still im morgenmunteren Gefild,
und der Westwind, um zu lauschen, macht bei Rosenblättern Halt:
Wem der Trauerzug am Rosenraine gilt?
– Ach, es ist nur Spielmann Olle, raunt die Föhre, rauscht die Tann’,
ausgelebt sind seine heimatlosen Jahr’.
– Lustig war’n sie, haucht der Wind, und wär’ ich flink wie ein Orkan,
ich würde spielen allerwege um die Bahr’!

Über Heidekraut und Moose schaukelt lebloses Gebein,
über Lichtungen, wo stumm die Sonne glost.
Legt der Abend sich dann kühlend über Preiselbeer und Stein,
hört man Schritte schwer im Himmelmora Moos:
Schritte vierer müder Träger, die in Trauer heimwärts ziehn.
Und sie gehen tief gebeugt wie im Gebet,
doch unter ihren groben Schuh’n können Rosen nimmer blühn
auf der Aue, die im Abendglanze steht.

Und sie sagen: Es ist düster, für die Mutter aber mehr,
die im Armenhaus ihr karges Lager hat.
– Warum treten sie mit Hacken auf uns nieder kreuz und quer?
jammern Rosen, und geknickt ist jedes Blatt.
– Ja, der Tod, der hat getanzt über Himmelmora Moos,
flüstern Disteln zu dem Wiesenklee am Rain.
Denn mit Schuhen, särgegroß, trat er nieder manche Ros’,
da er tanzte mit dem leblosen Gebein.

Über Gras und Häuser grau fliegt die Nacht, zeigt ihr Gesicht,
fahle Sterne glimmern schwach am Himmelsdach.
Über Heide sinkt im Westen nun am Teich herab ein Licht,
streicht ein Singen über Seerosenblätter sacht.
Und johlend über Härnaön hebt ein Sturmwind an zum Lauf,
tosen Wogen und erzählen Ödlands Not.
Über grimmen schwarzen Fluten spielt die Nacht zur Andacht auf,
denn ein Spielemann und Träumender ist tot.


Dan Andersson. Svarta ballader
Übersetzung © 2013. Klaus-Rüdiger Utschick

Originaltitel des Gedichts: En spelmans jordafärd.
Mit schwedischem Originaltext:
https://www.anacreon.de/dichter/dan-andersson-en-spelmans-jordafard-2.php

Post has attachment
CARL MICHAEL BELLMAN (1740-1795)

DANKSAGUNG EINES BAUERN
an das Kommerz-Kollegium, das die Konfiszierung seines Roggenfasses aufhob
(s.a. Beitrag "Wohltätiger Dichter", der die denkwürdige Vorgeschichte zeigt.)

Ihr Herren, hochgelehrt, Kommerzes edle Väter,
seid mit gerechtem Spruch des armen Bauern Retter,
der auf dem morschen Karrn, gekarrt von magrem Vieh,
hat kaum auch nur ein Huhn zum Lohn der Richtermüh.
Ihr edlen Richterherrn! Ich schwör bei meiner Asche,
daß all mein Reichtum lag vereint in meinem Fasse.
Ein jedes Korn fürs Brot, das die Natur mir bringt,
mit Tränen war gesät und dann mit Schweiß gedüngt.
Mein kleines Ackerstück, seit eh und je belegen,
bedrängt von Nachbars List und Staub von Ackerwegen.
Mal habe ich gefüllt die Scheuer bis zum Rand
und mal, der Himmel weiß, mit meiner groben Hand
kaum einen Sack gefüllt. Nun, Euer Gnad’ mag denken
dem Bauern seine Schuld nicht ohne Fug zu schenken;
drum dacht’ ich, mit Verlaub, ihr Herren vom Gericht,
nach Stockholm jetzt zu fahrn — und das im Dämmerlicht.
Doch damals, wie gesagt, nahm ich Gerät und Fässer —
zuerst das Roggenfaß — und schirrte unsre Blesse,
tat auf den Bock den Sack mit Saatgut und mit Streu,
mit Kümmelkäs und Korn und ein paar Happen Heu.
Im Karren, wie gesagt, war Proviant zum Futtern,
saß Mutter auf dem Faß und ich just neben Muttern —
und war ich nicht dabei, und auch die Mutter nicht?
Ein Schelm, wer solches sagt, ein Schelm auch, wer es glaubt!
Der Karren stob dahin, die Räder pfiffen schrille,
die Achse schrie im Sand, doch hielt die Bless nicht stille.
So ging ’s bergauf und -ab in atemloser Hast,
als ritte Rundborg selbst, durch Dickicht und Morast.
Dann auf den Leuchtturm zu, hinab zur ersten Mole,
schwupp, gnädger Herr, saß ich und Mutter schon beim Zolle,
dieweil das Roggenfaß an seinem Platze war,
und niemand dacht’ im Traum an nahende Gefahr.
Ich nahm ‘nen wackren Schluck und Mutter ihre Dose,
als justament schlug sechs die Uhr am Turm in Trosa.
Ich löste von der Bless die Deichsel, Zaum und Trens’ —
in diesem Augenblick, verehrte Exzellenz,
kam so eine Kerl heraus, verschnupft und ungeraten,
aus einem Holzverschlag, vernagelt mit Plakaten,
und nahm mein Alles mir, doch gnädger Herr, und so
gebt Ihr es mir zurück — und ich bin frei und froh!

✧ ✧ ✧

StU 10, Nr. 2, Mai 1785. Übersetzung: k-r u
Photo

Post has attachment
WOHLTÄTIGER DICHTER.

Der Redakteur der Standardausgabe von Carl Michael Bellmans Werken (StU, Bände 8 bis 12), Professor Olof Byström, berichtet nach Durchsicht von Gerichtsakten, daß Bellman „sich zum Fürsprecher eines Bauern machte, dessen Roggenfaß vom Zoll der Stadt Trosa konfisziert worden war, und daß er sein Eingreifen schließlich von Erfolg gekrönt sah." Der Bauer Nils Ericsson hatte gemäß Bericht des Zollbeamten „ein Faß Roggen verschwiegen", das folglich beschlagnahmt worden war. Die Sache wurde am 12. April 1785 beim Zollgericht in Trosa verhandelt, wo der Bauer sich damit verteidigte, daß die Zollschranke zur fraglichen Zeit offen stand und daß der Roggen nur durch die Stadt geführt werden sollte. Das Gericht erklärte das Roggenfaß für ‘confiscabel’ und verwies den Bauern, der diesen Spruch nicht hinnehmen wollte, auf eine Klage bis spätestens 27. April beim Kommerzkollegium in Stockholm. Bereits am 27. April verhandelte das Kollegium über die Sache. Dem Antrag des Bauern, gegen gestellte Bürgschaft sein Roggenfaß bereits jetzt auslösen zu dürfen, wurde wohlwollend stattgegeben. Bellman hatte in seiner Verssupplik vom vergangenen Tag erklärt, in dieser Sache zu bürgen:

Für Nils Ericsson samt Tonne,
deren Wert kam an die Sonne
und in einen Zollverschlag,
als die Stadt war zu durchqueren
um zur Kate heimzukehren,
bürge ich an diesem Tag,
für ihn bitt’ und steh ihm bei,
dessen Name steht daneben,
ihm sein Brot zurückzugeben!
Zwei wie einer und einer wie zwei.

Die Entscheidung des Kollegiums fiel am 24. Mai: Die Beschlagnahme wurde aufgehoben. „Wie hat nun der bedrängte Bauer den Kontakt mit Bellman bekommen und seine wertvolle Mitwirkung in dem Rechtsstreit erworben?" fragt Olof Byström und wagt eine Vermutung:
„Ganz in der Nähe von Ericssons Heimatort lag das Schloß Tullgarn, wo Herzog Fredric Adolph mit seiner schönen Geliebten Sophie Hagman residierte, und an sie kann der arme Bauer sich sehr wohl über einen Dritten gewandt haben. Mit Bellman hatte Mamselle Hagman gute Verbindungen und für sie dürfte es ein Leichtes gewesen sein, den Dichter dazu zu bewegen, seine Feder für die schmerzvolle Angelegenheit zur Verfügung zu stellen."

Quelle: StU 10, Gedicht Nr. 1 und Komm. S. 9 f.
Photo

Post has attachment
Heute entdeckte ich Kajenns Verse von 1990 zu Bellmans 250. Geburtstag. http://www.bellman.org/HB/HWB_1501.pdf. Hier in meiner Übersetzung.

BELLMAN

Denk, unser Nationalpoet,
nicht irgend ein Normalpoet
und braver Sozialpoet
und so’n Kulturstipendiat,
o nein! unser Totalpoet,
Trinkbruder, Karnevalpoet,
Rausch-, Reue-, Lust- und Qualpoet,
des bleichen Todes Spielkamerad,
- is’ ja komisch - is’ noch da!
Er lebe hoch. Hurra, hurra.

✧ ✧ ✧

Übersetzung: k-r u

Bild: Peter Dahl. Aus der Farblitho zu Carl Michael Bellman, Fredmans Epistel 33.
Photo

Post has attachment
HANS HÖGVÖRDIGHET BISKOPEN I VÄXJÖ

Der Bischof, der 1865 im brennenden Karlstad „fluchte und löschte" war Anton Niklas Sundberg (* 1818 + 1900). Ihm voraus ging Carl Adolph Agardh (* 1785 + 1859), Theologe, Politiker, Mathematiker, Botaniker und Nationalökonom. Mitglied der Schwedischen Akademie. Großvater von Gustaf Fröding.

Bevor Agardh (Bild unten) 1840 Bischof von Karlstad wurde, stand er 1829 auf der Vorschlagsliste für die Wahl zum Bischof von Kalmar, ein Bistum, das 1915 dem benachbarten Bistum Växjö [sprich: Väckschö] zugeschlagen wurde.

Man kann wohl annehmen, daß Gustaf Fröding in seinem köstlichen Gedicht über SEINE EMINENZ DEN BISCHOF VON VÄXSJÖ Charakterzüge dieses freisinnigen und charismatischen Mannes gezeichnet hat:

✧ ✧

Man ißt und trinkt beim Bischofsmahle,
der Bischof klopft mit dem Ring am Pokale
und schäumenden Wein füllt bis oben hin
und heimlich blinzelt zum Freunde Hörlin.
Die Pröbstinnen und die Pastorinnen schweigen,
und fromme, mürrische Stoßseufzer steigen
aus pröbstlichen Kehlen halbsatt hinan,
zum Teller blicken Adjunkt und Kaplan,
in Wolken der Andacht ist jeder und jede
in stiller Erwartung der heiligen Rede,
in welcher der Bischof den Glauben verziert
und ihn mit Bildern und Klängen garniert.

Doch Phöbus Apollo mit Wagen und Pferd
olympisch und licht über Thule fährt,
der strahlende Gott den Saal läßt erschimmern,
die wirren Locken des Bischofes glimmern
und schenken den Anschein von griechischem Stil
dem bischöflich vornehmen feinen Profil.
Der Bischof erhebt sich mit feurigem Schwunge,
die Augen lodern von trotzigem Schein,
und attisches Salz belebt seine Zunge
und gibt athenische Reden ihm ein.

Wie feurig die nackten Charitinnen springen
vom Munde des Bischofs und feurig sich schwingen
im Bischofssaal in Anakreons Takt,
wie edel und stolz schreibt Clio Geschichte
und zeigt uns die Wahrheit im klaresten Lichte,
wie schön kommt Eros in all seiner Macht!
Der Bischof redet von heldischem Leben,
von Freiheit und Anmut, die immerfort weben
ein schimmerndes Licht, das alles umfließt,
vom Gott in der Traube, im Sange und Tanze,
vom Blicke des Siegers im Lorbeerkranze,
von weiblicher Grazie, die ewiglich ist,
von Geist und Stoff, die in Gott sich vereinen,
der herrschet im All und atmet im Kleinen,
vom Leben als Glückes- und Siegesbahn
im Schutze des großen und mächtigen Pan.
Es ist, als ob selige Chöre singen
und Phöbus Apollo die Lyra läßt klingen,
das Plektron in göttlicher Hand,
es tönt in der Luft, es dröhnt in der Erde,
Zentauren stampfen in mächtiger Herde,
Mänaden tanzen auf Blumen und Sand.

Die Worte aus Klüften die Waldbauern locken
und machen Faune und Nymphen erschrocken
und schocken die wackere Priesterschaft.
Der Bischof verstummt, die Pröbste sich ducken,
Pastorinnen gucken und Pröbstinnen schlucken,
und jeder mit offenem Munde gafft.

Doch bald geht ein Tuscheln und Flüstern im Saal:
“Herr Bischof schaute zu tief in ’n Pokal,
wenn das geschieht, so ist es fatal!”
Von Haus zu Haus geht der große Skandal
im ganzen småländischen Jammertal.

✧ ✧ ✧

Originaltext parallel
https://www.anacreon.de/froeding/Gedichte-Seine-Eminenz.php
Photo

Post has attachment
„Borgmästaren grät och bad. Biskopen svor och släckte." (Notis om stadsbranden som härjade i Karlstad den 2 juli 1865)

"Der Bürgermeister weinte und betete. Der Bischof fluchte und löschte." Diese Notiz über den Stadtbrand 1865 ist an der Wand von Karlstads Stadtmuseum zu lesen.
Photo

Post has attachment
BELLMAN ÜBER DAS EVANGELIUM AM DREIKÖNIGSTAG.

In des Sternes sanften Strahlen,
die im Wolkensaume glühn,
sieht man dreie Wandrer ziehn,
trotzen Wüstensand und Qualen.
Bethlehem ist bald erreicht!
Not sie tausendfach begleitet,
doch das Feuer, das sie leitet,
macht den schweren Atem leicht.

Zwar Gefahr läßt sie erschauern,
und sie spüren Todes Hauch,
fürchten, daß beim kleinsten Strauch
mordbereite Räuber lauern -
aber vorwärts drängt ihr Blut,
trotzet Kälte, duldet Hitze,
Löwengrimm und Tigers Blitze;
denn der Stern gibt ihnen Mut.

Sieh, das Licht, das sie umfließet,
unversehens stille steht
und auf Heilands Majestät
sich mit hellem Schein ergießet,
in dem Stalle, karg und kalt!
Sieh! wie aus den breiten Fugen
Armut und Entbehrung lugen
und ein Esel klein und alt.

Drinnen kauert im Gebete,
eine Frau aus Juda-Land,
und es brennt auf Brust und Hand
schon die junge Morgenröte,
zeigt in ihrem goldnen Licht
auch ein Kind, in Stroh gebettet,
dessen Blick Verzagte rettet
und des Abgrunds Ketten bricht.

Ach, wie schön die Flammen zeigen
dieses Bild, so göttlich rein!
Und die Männer treten ein
und glückselig sich verneigen;
denn sie kommen von weit her,
nicht um Reichtum zu begehren,
sondern Himmels Ruhm zu mehren
durch Entsagung und Beschwer.

Und sie breiten ihre Gaben,
vor dem Kinde, zart und hold,
Myrrhen, Weiherauch und Gold,
ehren königlich den Knaben,
ob auch Neid Herodes sticht.
Sieh! der Stern noch heller strahlet
und mit Saphirfarben prahlet,
eh er stirbt im Sonnenlicht.

Laßt uns Gott ein Loblied singen,
eilen zu dem Stall im Feld!
Dort ging auf das Licht der Welt,
allen Menschen Trost zu bringen
und zu enden alles Weh.
Tod steht machtlos auf der Schwelle,
sieglos bleibt der Fürst der Hölle.
Engel jubeln in der Höh.

✧ ✧ ✧

Übersetzung: k-r u

C. M. Bellman. Zions Högtid. Nr. 21: Över Evangelium på Trettonde Dag Jul. (Matth. 2,1)

Das ganze Gedicht (Original/Deutsch):
http://anacreon.de/se/bellman/relig/rd21.php
Photo

Post has attachment
BELLMAN ÜBER DAS EVANGELIUM AM 2. WEIHNACHTSTAG

Wir sahen Himmels Glanz in dieser Nacht der Stille,
befriedet war die Welt, beglückt der gute Wille.
Wir sahn im linden Licht das weite Himmels-All
umwölben hoheitsvoll ein Feld und einen Stall.
Wir fanden dort im Stroh ein Kindlein neugeboren,
das auf die Erde kam, zu retten, die verloren,
und mit der Unschuld Kraft und zartem Herzensschlag
die Erde zu erfreun bereits am ersten Tag.
Wir sahen Engelscharn sich brausend niederschwingen
und hörten Lobgesang aus tausend Kehlen singen!
Gewaltig da erklang in diesem Engelheer
der selge Jubelschrei: Gott in der Höh sei Ehr!
Wie strahlte diese Nacht, da die Natur erblühte,
die stille Woge glomm, der bleiche Mond erglühte,
der lichte Himmelsraum darüber sich erhob,
und jedes Hirtenzelt erglänzt im Freudenlob.
Doch ach! Das All erbebt ... nun kehrt sich Lust in Schrecken,
der goldne Schein verblaßt, der Tod droht ihn zu decken.
In Ohnmacht fällt die Welt ... Wir hören dich, o Gott,
der du die Sünde dämmst und leidest Pein und Spott.
Welch grausames Geschlecht, das deine Gnade höhnet,
das frech und ungestraft den bösen Lüsten frönet,
im Sündenpfuhl sich suhlt, in frechem Übermut,
das übel will und tut und sich befleckt mit Blut.
Im Auge Blitz und Harm, im Sinne Sturm und Eile,
im Atem Haß und Gift, in Händen Speer und Pfeile,
Verwirrung überall! Sie würfeln, gierig, scharf,
wer in dein Kreuz zuerst den Nagel schlagen darf,
bei jedem blutgem Stich sich brüllend niederhocken
und weiden sich am Schmerz und lachen und frohlocken.
Der schüttelt hier sein Haupt, und dort, von Bosheit matt,
lacht jener und verstirbt nach letzter Missetat.
Und ausgemergelt hier ein Hals und eine Stirne,
ein schöner Mund flucht dort, ob Scherge oder Dirne.
Und Lanzen ohne Zahl! Welch Sturm und Volkeswut!
Ja! Krieger ernten Sold für jeden Tropfen Blut.
Das allerkleinste Kind in seiner Mutter Arme
schon stammelt Haß und Mord und weint in heißem Harme...
Entsetzliches Geschehn .... Höre, Jerusalem,
du steinigst heute den und du tust Unrecht dem,
der Frieden sucht bei Gott und dir zeigt Jesu Pfade:
In Zions Kirche kommt der Spötter selbst zur Gnade,
und auch der Sündenknecht erringt des Lebens Land,
erhält die Krone einst aus seiner Liebe Hand.
Sieh! Liebe aber muß die Kinder dazu zwingen,
daß sie versammeln sich unter der Gnade Schwingen!
O! daß die Rührung nicht erstickt in Seel und Leib
durch Häme und durch Hohn, durch schnöden Zeitvertreib!
O Seele, prüfe dich! Entzünd dein heilges Feuer,
Gott suche im Gebet! Schau Gnade, reich und teuer!
Daß nicht dein Haus wird leer, elendig und zerstört,
und nicht der Höllenschlund dein heisres Rufen hört,
soll deine harte Brust in Demut sich bekehren!
So geh zum Gnadenmahl, tritt an den Tisch der Ehren!
Fort Trug und Gaukelspiel! Merk und vergiß es nicht:
Je größer Seine Gnad, je größer deine Pflicht!

✧ ✧ ✧

Übersetzung: k-r u

C. M. Bellman. Zions Högtid. Nr. 16: Över Evangelium på Annan Dag Jul.

Original/Deutsch auf http://anacreon.de/se/bellman/relig/rd16.php
Photo
Wait while more posts are being loaded