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Das Gedächtnis der Nation
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Was war… die Schulze-Boysen/Harnack-Gruppe („Rote Kapelle“)

Als Hitler am 30. Januar zum Reichskanzler ernannt wurde, formierten sich erste Widerstandsgruppen gegen das nationalsozialistische Regime. Mehr als 150 Personen sammelten sich um Oberleutnant Harro Schulze-Boysen aus dem Reichsluftfahrtministerium und Arvid Harnack aus dem Reichswirtschaftsministerium. Ihre Anhänger gehörten unterschiedlichen Gesellschaftsschichten an und hatten unterschiedliche Weltanschauungen. Sie waren Wehrmachtsangehörige und Ministerialbeamte, Künstler, Arbeiter, Christen, Kommunisten und Liberale. Sie schmiedeten Widerstandspläne, dokumentierten Gewaltverbrechen, verfassten und verteilten illegale Schriften und Flugblätter, versteckten Verfolgte.

Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges traten die Anhänger enger miteinander in Verbindung, um Hitler abzusetzen, den Krieg zu beenden und Deutschland als Staat zu sichern. Da Schulze-Boysen von Hitlers Angriffsplan auf die Sowjetunion wusste, nahmen er und zwei Mitglieder seiner Gruppe 1940 Kontakt zu sowjetischen Diplomaten auf. Sie erhielten Funkgeräte, um mit Moskau zu kommunizieren. Doch Stalins Geheimdienst sah darin eine Desinformationskampagne und nahm die Warnungen nicht ernst.  

Der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) gelang es 1942 schließlich, den Funkspruch eines sowjetischen Agenten zu dechiffrieren. Über hundert Anhänger der Schulze-Boysen/Harnack-Gruppe nahm die Gestapo daraufhin im Sommer fest, mehr als die Hälfte von ihnen wurde zum Tode verurteilt. Damit war die größte Widerstandsgruppe des Dritten Reichs zerschlagen. Die Nationalsozialisten bezeichneten die Gruppe um Schulze-Boysen und Harnack als von Moskau aus gelenkte, sowjetische Spionageorganisation und gaben ihr den Namen „Rote Kapelle“. Diese Propagandalüge prägte ihr Bild noch nach 1945: In der Bundesrepublik sahen viele Westdeutsche die Mitglieder um Schulze-Boysen und Harnack als Landesverräter, während sie in der DDR als antifaschistische Helden gefeiert wurden.

Auf unserer Seite http://www.gedaechtnis-der-nation.de/bilden/schulen/Widerstand_im_NS finden Sie weitere Informationen zum Thema „Widerstand im Nationalsozialismus“. Das Unterrichtspaket entstand gemeinsam mit dem Verband Deutscher Geschichtslehrer und richtet sich an Schulen aber auch an alle Interessierten.
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Andreas Abendroth's profile photoLittlebricksfusion's profile photo
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Was geschah am… 1. Juli 1990
Die Währungsunion

Die DDR im Frühjahr 1990: Täglich verlassen Tausende ihre Heimat, um im Westen neu anzufangen. Viele Bürger sind ungeduldig und sehnen sich nach dem Wohlstand, der nach dem Mauerfall zum Greifen nahe scheint. Lothar de Maizière, der letzte Ministerpräsident der DDR, erinnert sich, wie er Helmut Kohl vor dem Ausbluten Ostdeutschlands warnte: „Wenn das so weitergeht, müssen Sie mir zu Weihnachten die Bundeswehr nach Leipzig schicken, damit ich noch jemanden habe, der die Straßenbahn fährt.“ 1990: Die D-Mark kommt

Die Einführung der D-Mark soll den Massenschwund beenden. Die Währungsunion zwischen der Bundesrepublik und der DDR tritt am 1. Juli 1990 in Kraft. Der Umtauschkurs ist nach Alter gestaffelt: Bürger ab 60 Jahren dürfen bis zu 6.000, andere Erwachsene bis zu 4.000 und Kinder bis 14 Jahren bis zu 2.000 DDR-Mark zum Kurs von 1:1 umtauschen. Wer mehr Sparguthaben hat, kann zum Kurs 2:1 wechseln. Zeitzeuge Heinz Just verlor so große Teile seines Ersparten, wie er im Clip „Währungsunion (1)“ erzählt: Heinz Just: Währungsunion (1).

Die Währungsumstellung wirkte sich unmittelbar auf die DDR-Wirtschaft aus. Das bekam auch der damalige Ingenieur Just zu spüren: Die Maschinen, die sein Betrieb herstellte, waren nun für die bisherigen Kunden aus den ehemaligen Ostblockstaaten durch die neuen D-Mark-Preise unerschwinglich worden. Die Produkte jener Firmen wiederum, die für den Binnenmarkt herstellten, waren in den Regalen der Läden schon bald von Erzeugnissen aus der Bundesrepublik verdrängt.

War die gemeinsame Währung zu schnell gekommen? Der Journalist Hans-Ulrich Jörges meint: Ja. Die Sehnsucht nach der D-Mark hätte „alles wahnsinnig beschleunigt“ – und dadurch viele in die Arbeitslosigkeit katapultiert sowie die wirtschaftlichen Strukturen des Landes zerstört, wie er im Interview anmerkt: Hans-Ulrich Jörges: Einigungsprozess der Deutschen als Zukunftsaufgabe . Lothar de Maizière hingegen glaubt auch rückblickend nicht, dass Währungsunion und Deutsche Einheit zu früh kamen. Er zitiert Václav Havel: „Man kann über den Graben nur mit einem Sprung springen, nicht mit zwei.“
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Was war… der Deutschland-Besuch John F. Kennedys
 
Auf Einladung von Bundeskanzler Konrad Adenauer kam der amerikanische Präsident John F. Kennedy im Juni 1963 zu seinem ersten und einzigen Staatsbesuch in die Bundesrepublik.
 
Seine Reise war in den USA heftig umstritten. Der kurz zuvor geschlossene Freundschaftsvertrag zwischen Deutschland und dem amerikaskeptischen Frankreich belastete die deutsch-amerikanischen Beziehungen ebenso wie die weiterhin angespannte  Lage zwischen den Großmächten nach der Kuba-Krise.
 
Doch Kennedy kam und besuchte neben unter anderem Köln und Bonn auch Frankfurt und Wiesbaden. In allen Städten empfingen ihn die Bürger herzlich. Seinen größten Triumphzug erlebte er am 26. Juni in West-Berlin http://tinyurl.com/mavzfwz. In den Berliner Schule fiel der Unterricht aus, Mitarbeiter im öffentlichen Dienst und andere Arbeitnehmer erhielten während des Kennedy-Besuchs eigens frei. Mehr als eine Million Menschen, so auch der 15-jährige Joachim Szymanski http://tinyurl.com/lnm49w3, bejubelten ihn. Dass die West-Berliner sich nach dem Mauerbau am 13. August von ihm im Stich gelassen fühlten, wie Jerry Gerber bemerkt http://tinyurl.com/lg8cdrh, war nun vergessen. Sein legendärer Satz „Ich bin ein Berliner“ vor dem Schöneberger Rathaus gab ihnen laut Günter Schliepdiek wieder Mut und Hoffnung, dass West-Berlin von den USA nicht aufgegeben wird http://tinyurl.com/ohvafa7. Umso größer war der Schock für die Deutschen, als sie nur wenige Monate später von der Ermordung Kennedys am 22. November erfuhren.
 
Der Verband der Geschichtslehrer Deutschlands e.V. bietet in Kooperation mit dem „Gedächtnis der Nation“ ein Unterrichtspakt zum Thema „Kennedy-Besuch 1963“ an, siehe http://tinyurl.com/qdj6xd5.
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Malacigla's profile photo
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Was waren… die Ständigen Vertretungen in Ost-Berlin und Bonn

Heute erinnert vor allem der Name einer Kneipe am Schiffbauerdamm an die ehemalige „Ständige Vertretung“ der Bundesrepublik in der DDR. Dass die diplomatische Einrichtung vor vierzig Jahren in Ost-Berlin ihre Arbeit aufnahm und Günter Gaus am 20. Juni 1974 offiziell als Diplomat akkreditiert wurde, ist fast vergessen. Anderthalb Jahre zuvor hatten die Bundesrepublik und die DDR den Grundlagenvertrag unterzeichnet. Er sah vor, dass in Ost-Berlin und Bonn diplomatische Dependancen der jeweiligen Staaten eingerichtet werden sollen.  Obgleich beide Einrichtungen von Anfang an wie Botschaften arbeiteten, hießen sie offiziell nur „Vertretungen“. Denn der Titel „Botschaft“ hätte bedeutet, dass Bundesrepublik die DDR offiziell als Ausland anerkennt.
 
Während die DDR hauptsächlich die internationale Anerkennung ihrer staatlichen Souveränität erreichen wollte, bemühten sich die westdeutschen Diplomaten in Ost-Berlin um die humanitäre Verbesserung für die DDR-Bürger. Bei Fragen zum Reiseverkehr oder zu Familienzusammenführungen oder zur Häftlingsbetreuung war das Haus in der Hannoverschen Straße, dem heutigen Bildungsministerium, die erste Anlaufstelle. Mit Kunstausstellungen, Jazz-Konzerten oder Dichterlesungen hielten sie das Fenster zum Westen offen und beförderten den Kulturaustausch.

Die Ständige Vertretung war aber auch Zufluchtsort und letzte Hoffnung für all jene, die in den Westen wollten. 1984 musste sie erstmals ihre Pforten schließen, als über 50 DDR-Bürger das Gebäude „besetzten“ und so schließlich ihre Ausreise erzwangen. Fünf Jahre später im August 1989 wiederholten sich die Szenen. Diesmal mussten alle „Besetzer“ das Gelände wieder verlassen. Doch schon wenige Monate später änderte sich die politische Großwetterlage. Die Mauer war gefallen, die Menschen durften ausreisen und der letzte Ständige Vertreter der Bundesrepublik verließ im Juli 1990 die DDR.

Im folgenden Interviewausschnitt berichtet Barbara Große, wie Mitarbeiter der Ständigen Vertretung sie und ihren Mann berieten, nachdem mehrere Ausreiseanträge abgelehnt wurden.

Barbara Große: Hilfesuche bei der Ständigen Vertretung
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Katharina Antonia Heder's profile photo
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Im Porträt
Kirsten Külker: Durchhalten aus Liebe

Kirsten Külker wuchs in einem systemkritischen Elternhaus in Weimar auf. Mit kleineren Aktionen widersetzte sich die Familie den Vorschriften in der DDR. Das widerständige Verhalten kostete sie schließlich den beruflichen Aufstieg: Külker durfte trotz ihres Einser-Abiturs nicht Germanistik studieren. Um ihren Traumberuf als Lektorin zu verwirklichen, volontierte die 19-Jährige erst einmal im Weimarer Böhlau-Verlag. Währenddessen kämpfte sie weiter um einen Studienplatz und bewarb sich immer wieder aufs Neue. Ihre Hartnäckigkeit zahlte sich aus, 1982 schrieb sie sich in Jena als Germanistikstudentin ein.
 
Mitte der 80er Jahre lernte Külker über Freunde ihren späteren Mann aus Westdeutschland kennen und lieben. Sie „fand ihn spannend, weil er nach Afrika wollte und vorher [schon] in der Entwicklungshilfe war.“ Nach einem gemeinsamen Urlaub in Ungarn war den Beiden klar, dass sie zusammen bleiben und heiraten wollten.
 
Zusammen mit dem Gesuch um Eheschließung mit einem bundesdeutschen Bürger stellte Külker 1986 einen Antrag auf Ausreise in die Bundesrepublik. Unmittelbar meldete sich das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) bei ihr. In unregelmäßigen Abständen lud sie das Ministerium des Innern (MdI) vor. Dort verhörten sie die Mitarbeiter mehrfach und setzten Külker so stark unter Druck, dass sie in kürzester Zeit zehn Kilo abnahm. Doch „aufgeben wollte sie nie“. Die junge Frau hielt durch. Kurz nach ihrer Hochzeit in Ost-Berlin durfte Külker 1989 in die Bundesrepublik übersiedeln.
 
Im Westen angekommen, fiel bereits ein paar Wochen später die Mauer. So sah Külker ihre Familie schneller wieder, als sie es sich erträumt hatte. Bald nach diesem freudigen Ereignis reiste die junge Frau zu ihrem Mann in den Kongo und musste sich erneut in einem sozialistischen Land arrangieren.
 
Alle Videos mit Kirsten Külker finden Sie unter
Kirsten Külker: Gegen "Rotlichtbestrahlungen"
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Christel Krüger's profile photo
 
Super!
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Was war... die Barschel-Affäre

Am 12. September 1987, einen Tag vor der Landtagswahl in Schleswig-Holstein, brachte der „Spiegel“ in einer Vorabmeldung einen der größten Politskandale der Bundesrepublik ans Licht: Ein Mitarbeiter des CDU-Ministerpräsidenten Uwe Barschel hatte dem Blatt erzählt, eine „Schmutzkampagne“ gegen den SPD-Spitzenkandidaten Björn Engholm geführt zu haben. So gab Barschels Medienreferent Reiner Pfeiffer unter anderem an, Engholm von Detektiven beschattet und ihn anonym wegen Steuerhinterziehung angezeigt zu haben – angeblich auf Veranlassung Barschels. Die Enthüllungen bescherten dem nördlichsten Bundesland ein Patt beim Wahlausgang und der CDU, die hier seit 1950 regierte, damit den Verlust ihrer absoluten Mehrheit.

Auf der eine Woche später stattfindenden Pressekonferenz wies Barschel die Anschuldigungen zurück. Sein „Ehrenwort“, dass die gegen ihn erhobenen Vorwürfe haltlos seien, schrieb Pressegeschichte. Nachdem sich seine Parteifreunde und auch der mögliche Koalitionspartner FDP von ihm abwandten, gab Barschel am 25. September seinen Rücktritt bekannt.

Im Oktober betritt der „stern“-Reporter Sebastian Knauer Barschels Zimmer im Genfer Hotel „Beau Rivage“. Er hatte von seiner Redaktion erfahren, dass Barschel einen „wesentlichen Beitrag zur Aufklärung“ leisten wolle und versuchte, ein Interview von ihm zu bekommen. Doch zu dem Gespräch kommt es nicht mehr. Der Journalist findet den ehemaligen Ministerpräsidenten tot in der Badewanne.

Die Frage, ob Barschel sich umgebracht hat oder ermordet wurde, beschäftigt die Öffentlichkeit bis heute. Und auch der genaue Hergang der Aktionen gegen Engholm konnte bis heute nicht gänzlich aufgeklärt werden. Sicher ist: Engholm wusste schon viel früher von den Aktionen Pfeiffers, als er im September 1987 angab. Dies brachte ihn schließlich 1993 als Ministerpräsidenten, SPD-Vorsitzenden und Kanzlerkandidaten zu Fall.

Im Clip „Barschels Tod“ erzählt Zeitzeuge Sebastian Knauer, wie er den toten Uwe Barschel im Genfer Hotelzimmer entdeckt hat: Sebastian Knauer: Barschels Tod (1)
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Jochen Brandt's profile photoGudrun Rehbein-Lehnart's profile photoChristel Krüger's profile photo
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Zulangeher!
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Im Porträt
Günter Stoppa: Kind des Ruhrgebiets

Günter Stoppa stammt aus einer typischen Bergarbeiterfamilie im Ruhrgebiet. In Essen verlebte er bis zu den Luftangriffen 1943 eine schöne Kindheit. Als die Alliierten die Stadt immer stärker bombardierten, kam der Zehnjährige per Kinderlandverschickung ins Protektorat Böhmen und Mähren.
 
In speziell eingerichteten Lagern bereitete das nationalsozialistische Regime die Kinder weiter auf den Endsieg vor. Schwäche zu zeigen, war verpönt und wurde mit öffentlicher Demütigung bestraft. Stoppa begriff schnell, dass hier nur der Stärkere überleben konnte.
 
Kurz vor Kriegsende mussten die Schüler von Heute auf Morgen ihre Sachen packen und das Lager räumen. Im niederbayrischen Zwiesel fanden sie Obdach in einem ehemaligen Arbeitslager. Doch bereits nach wenigen Tagen marschierte der „amerikanische Feind“ ins Lager. Ganz von der NS-Propaganda verblendet, ängstigte sich Stoppa sehr vor den Fremden. Doch die US-Soldaten begegneten ihm überaus freundlich und hilfsbereit, so dass aus den Feinden bald Freunde wurden.
 
Als sich schließlich einige vom Lagerpersonal entschlossen, in die Heimat zurückzukehren, ergriff Stoppa die Chance auf Heimkehr. Zusammen mit seinen anderen Kameraden gelangte er auf Umwegen und dank vieler glücklicher Fügungen endlich wieder in seinen Ruhrpott.
 
Im Gegensatz zu anderen Essener Bürgern musste die Familie Stoppa unmittelbar nach Kriegsende kaum Hunger leiden, da sein Vater als Bergmann eine gesonderte Essensration erhielt. Darüber hinaus besaßen sie Land, das sie bewirtschaften konnten. Doch das Geld für Konsum- und Luxusgüter sowie Miete war knapp. So musste Stoppa bereits mit 14 Jahren selbst Geld verdienen und begann eine Lehre als Maurer.
 
Nach seiner Ausbildung fand Stoppa 1954 Arbeit bei der „Essener Steinkohlen-Bergwerk Ruhrkohle AG“. Dort stieg er in relativ kurzer Zeit zum Bauführer auf. Nach knapp 30 Dienstjahren kam für Stoppa schließlich das Aus. Seine Zeche wurde geschlossen. Nach seiner Frühpensionierung ist er seinem Arbeitgeber weiterhin treu geblieben und macht heute Führungen auf Zollverein.
 
Alle Videos mit Günter Stoppa finden Sie unter
Günter Stoppa: Trennung von den Eltern
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Im Porträt
Alfred von Hofacker: In Sippenhaft

Alfred von Hofacker hörte mit seiner Mutter am 20. Juli 1944 im Radio vom missglückten Attentat auf Adolf Hitler. Sofort verließ sie das Haus und verbrannte im Garten Briefe und andere Unterlagen, die ihren Mann als Verschwörer hätten belasten können. Doch noch am gleichen Abend nahm die Geheime Staatspolizei seine Mutter und die beiden ältesten Kinder fest. Eine Mitarbeiterin der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt nahm sich des Neunjährigen und seiner beiden anderen verbliebenen Geschwister an. Wenige Wochen später kamen sie in ein Kinderheim nach Bad Sachsa im Südharz.

Die Kinder in Bad Sachsa waren zwischen wenigen Monaten und 15 Jahren alt. Die älteren Familienangehörigen der Hitlerattentäter wurden in Konzentrationslager oder ins Gefängnis gebracht. Reichsführer SS, Heinrich Himmler wollte die Familien „bis ins letzte Glied“ auslöschen. Die unmittelbar am Attentat beteiligten Offiziere ließ er unmittelbar oder in den Monaten darauf hinrichten.

Der Plan Himmlers, die jüngeren Kinder per Adoption in die Obhut linientreuer Familien zu geben und ihnen ihre Identität zu nehmen, ging bei den von Hofackers nicht auf. Ein Bombenangriff verhinderte ihren Transport zum KZ. Mitte Mai 1945 befreiten sie US-Soldaten aus dem Kinderheim.

Seine Tante hatte die Kinder der von Stauffenbergs und der von Hofackers ausfindig gemacht und holte sie dort mit einem Omnibus ab. Im Juli 1945 sah Alfred von Hofacker seine Familie wieder. Seine Mutter und seine beiden älteren Geschwister hatten die Zeit im KZ überlebt. Jetzt erst erfuhr er von der Teilnahme seines Vaters, Cäsar von Hofacker, am Hitlerattentat und auch von dessen Hinrichtung im Dezember 1944. Für Alfred von Hofacker begann nun die Zeit der Auseinandersetzung mit dem 20. Juli 1944 und dem Wirken seines Vaters.

Alfred von Hofacker: Erinnerung an den 20. Juli 1944
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Andreas Abendroth's profile photoGudrun Rehbein-Lehnart's profile photoAnna Maria Zehentbauer's profile photo
 
Wie schrecklich muß die Zeit für die Kinder dort gewesen sein, überhaupt, die Zeit damals, ich kann mir das nicht so richtig vorstellen, aber es ist für uns jüngeren doch sehr interessant, das von Menschen, die betroffen waren direkt zu hören und zu lesen.
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Im Porträt
Luise Nordhold: Keine „Goldenen 20er Jahre“

Luise Nordhold kam 1917 als Tochter eines Werftarbeiters und einer Näherin im Bremer Stadtteil Gröpelingen zur Welt. Die „Goldenen 20er“ gab es für die Familie nicht, stattdessen wurden Werte wie Sparsamkeit und Zusammenhalt hochgehalten. Ihr Vater war gewerkschaftlich organsiert und arbeitete bei der Schiffswerft AG Weser. Schon früh sprach der Sozialdemokrat mit seinen Kindern über Politik.

Nach Hitlers Machtübernahme 1933 sammelte Nordholds Vater Geld für die Angehörigen jener Genossen, die von den Nationalsozialisten ins Konzentrationslager gebracht worden waren. Auch Luise Nordhold hatte sich früh den Sozialdemokraten angeschlossen und bekam den Druck der Rechten zu spüren. Sie erinnert sich, wie sie und einige ihrer Mitstreiter kurz vor der letzten Reichstagswahl im März 1933 von der SA angegriffen wurden.

Während des Zweiten Weltkriegs arbeiteten Luise Nordhold und ihr Mann ebenfalls bei der AG Weser. Zu dieser Zeit wurden dort vor allem Kriegsschiffe und U-Boote gebaut. Auf der einen Seite hatte das Ehepaar dadurch „unheimlich viel Glück gehabt“. Ihrem Mann blieb aufgrund seiner Kenntnisse als Werkzeugmacher der Einsatz an der Front erspart. Auf der anderen Seite war die Werft als kriegswichtiger Betrieb mit dem anliegenden Arbeiterviertel Gröpelingen ein bevorzugtes Ziel alliierter Bomber. Als die Eheleute im Juli 1944 von einer Faltbootreise zurückkamen, lag ihr Wohnhaus in Trümmern.

Luise Nordhold und ihr Mann konnten mit ihrem Sohn in ein rasch errichtetes Behelfsheim in Ihlpohl bei Bremen ziehen. Auf dem gleichen Grundstück wohnt die 97-Jährige auch heute noch. Mittlerweile ist sie seit über 80 Jahren SPD-Mitglied und war unter den Ehrengästen, als die Partei im Mai 2013 ihr 150. Jubiläum in Leipzig feierte.

Alles Videos mit Luise Nordhold finden Sie in dieser Playlist: Luise Nordhold: Aufwachsen im Arbeiterviertel
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Der "Jahrhundertbus" ist im Grenzdurchgangslager Friedland und freut sich auf weitere spannende Zeitzeugen aus der ganzen Welt!

Hier die ersten Impressionen. Kommen Sie uns bis einschließlich Samstag besuchen und lernen Sie das deutschlandweit einzigartige Projekt kennen.
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Das GdN interviewt Zeitzeugen an der ehemaligen innerdeutschen Grenze - hier mit zwei Grenzschützern aus Ost u. West.

Besuchen Sie uns noch bis morgen im Grenzlandmuseum Eichsfeld.
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Im Porträt
Rolf Wiese: Als Spion verdächtigt

Rolf Wiese wollte zeitlebens ein wiederaufgerüstetes Deutschland verhindern. Während des Zweiten Weltkriegs hatte er in Leipzig Tod, Zerstörung und Hunger erlebt. Als nur wenige Jahre nach der deutschen Teilung der Westen den Bundesgrenzschutz (1951) und der Osten die Kasernierte Volkspolizei (1952) ins Leben rief, spürte der 17-jährige Gleissteller die ständige Bedrohung. Wiese traf sich in West-Berlin mit Vertretern der Aktionsgemeinschaft „Freie Deutsche Jugend“. Von ihnen erhielt er Flugblätter, die er in Leipzig verteilte. Auf der einen Seite war eine Friedenstaube zu sehen, auf der anderen die Worte „Ohne uns“.
 
Die größte Flugblattaktion sollte kurz vor Weihnachten 1952 stattfinden. Wiese plante mit Freunden die Druckschriften mittels einer selbstgebauten Rakete über Leipzig abzuwerfen. Kurz davor suchten ihn zwei Männer an seiner Arbeitsstelle auf. Sie baten ihn mitzukommen, da seine Mutter angeblich einen Unfall erlitten hätte. Wie sich herausstellte, war sie wohlauf und er soeben von Mitarbeitern der Staatssicherheit verhaftet worden. Seinen Arbeitskollegen erzählte die Stasi jedoch, Wiese hätte eine sexuelle Beziehung zur leiblichen Mutter, wie er Jahre später erfuhr. In Wirklichkeit verdächtigte ihn die Stasi, für die Amerikaner zu spionieren. Das Gericht verurteilte ihn zu zehn Jahren Haft. Vier Jahre musste er am Ende davon verbüßen. Während dieser Zeit schwor er sich, so bald wie möglich in den Westen zu flüchten.
 
Nach seiner Haftentlassung 1956 übertrat der 22-Jährige illegal die Grenze nach West-Berlin. Einige Monate dauerte es, bis ihn die Bundesrepublik als politischen Flüchtling anerkannte. Nachdem ein Gericht seinen Status schließlich bestätigte, konnte er sich im Westen eine neue Existenz aufbauen. Wenige Jahre später folgte seine Familie. Während seine Eltern und sein Bruder zu Besuch waren, wurde am 13. August 1961 die innerdeutsche Grenze abgeriegelt. Sie nutzten die Gelegenheit und blieben bei Rolf Wiese in der Bundesrepublik.

Rolf Wiese: FDJ-Verwirrung
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Daniela Dietrich's profile photo
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Geschichte lebt durch Geschichten.
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Geschichte lebt durch Geschichten. Durch persönliche Erfahrungen und Erlebnisse. Sie in Interviews einzufangen und für spätere Generationen zu bewahren, ist das Ziel des Vereins "Unsere Geschichte. Das Gedächtnis der Nation". Das bundesweit einmalige Projekt sammelt Erzählungen von Zeitzeugen zu Alltagserfahrungen und zentralen Momenten der deutschen Geschichte. Vor der Kamera berichten Jung und Alt über ihre ganz individuellen Erinnerungen an historische Ereignisse und Entwicklungen. Sie bilden die Mosaiksteine im Geschichtsbild einer Nation und prägen das Selbstverständnis einer Gesellschaft. Erzählen auch Sie uns Ihre Geschichte und werden Teil eines facettenreichen Archivs der Erinnerungen!