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Das Gedächtnis der Nation
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Burger und Pommes statt Sauerbraten und Knödel
 
„Einer der Soldaten saß da im Jeep […] und winkte mit so einem Snickers. Ich wusste nicht, was ein Snickers ist. Aber ich wusste, das war eine Verführung“, erinnert sich Hans D. Schreeb, der sieben Jahre alt war, als US-amerikanische Soldaten in seine Stadt kamen (https://goo.gl/AzXGZV). Mit den Westalliierten kamen 1945 nicht nur fremde Menschen, sondern auch neue Lebensmittel nach Deutschland. Noch heute erinnern sich die Zeitzeugen an „chewing gum“ oder wie die Stuttgarterin Elfriede Lögler an einen besonderen Brotaufstrich. „Das war was Ungeheures, das man plötzlich so ein Stück Erdnussbutter bekam und das hat geschmeckt wie himmlische Ambrosia“ (https://goo.gl/dn01XE).
 
Ein paar Jahre später kamen die West-Berliner aus neuer Not heraus in den Genuss amerikanischer Leckereien. „Wir hatten uns gerade so ein bisschen erholt von den Schrecken des Krieges […] und wir hofften auf Normalisierung und dann passierte das auf einmal mit dieser Blockade“, erzählt Zeitzeuge Helmut Walz. Als Reaktion auf die Währungsreform in Westdeutschland sperrten die Sowjets 1948 fast ein Jahr lang alle Land- und Wasserwege nach West-Berlin. Rettung kam aus der Luft. Westalliierte Transportflugzeuge versorgten die Eingeschlossenen mit „Care-Paketen“, in denen so manche Überraschung steckte. „Schokolade gab’s in diesen amerikanischen Dosen“, erinnert sich etwa Sigrid Ebert (https://goo.gl/axqry7).
 
Waren Lebensmittel aus Übersee in der ersten Nachkriegszeit noch etwas Besonderes, standen sie Anfang der 60er Jahre schon auf fast jedem Speisezettel in der Bundesrepublik. Denn die Westalliierten blieben und mit ihnen ihr Essen. „Coca-Cola, Hamburger, das hatte ich alles“, erzählt die Wiesbadenerin Elisabeth Jost-Dahlhoff mit Blick auf jene Zeit (https://goo.gl/8yT1HE). Bis heute trinken elf Millionen Deutsche mehrmals pro Woche Coca-Cola und auch der Burger zählt hierzulande immer noch zu einem der beliebtesten Fast Food-Gerichte.
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Lyra Morgaine's profile photo
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Loolich
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Halb türkisch, halb deutsch

Wie sieht eine erfolgreiche Integration aus? Verständnis von der einen Seite und Anpassung von der anderen? All das gehört dazu. Doch das wahre Leben ist viel komplizierter und zeigt die unterschiedlichsten Wege zur gelungenen Eingliederung. So wie bei Umut Dilbaz. Er ist Kind türkischstämmiger Eltern, die in den 60er Jahren als Gastarbeiter nach Deutschland gekommen sind. Die Lehrer trauten ihm anfangs nur den Hauptschulabschluss zu. Doch Dilbaz war ehrgeizig, wurde oft gelobt und schaffte es über die Realschule schließlich zu Abitur und Studium (https://goo.gl/Gfvnn2). Seine Eltern unterstützten ihn dabei ebenso wie ein befreundetes deutsches Ehepaar, wo er tagsüber Hausaufgaben machte und lernte, während Vater und Mutter im Schichtdienst gearbeitet haben.

Heute ist Dilbaz IT-Projektleiter und fühlt sich in beiden Kulturen auf seine Art zu Hause, auch wenn der Weg dorthin bisweilen steinig war (https://goo.gl/TuuUJh). Auch der Deutsch-Türkin Engul Köhler gelang mit Fleiß und Begabung der Sprung aufs Gymnasium. Ursprünglich wollte sie danach nur eine Banklehre machen. Doch ihr deutscher Freund bestärkte sie darin, Chemie zu studieren (https://goo.gl/cXQF2Q). Nach anfänglicher Skepsis akzeptierten ihre Eltern, dass sie Karriere machen würde und einen Deutschen liebte. Als sich die Eltern der Beiden kennenlernten, war schnell klar, wie sich deutsche und türkische Werte ergänzen können (https://goo.gl/siDnCS). Köhler fühlt sich heute als „türkische Schwäbin“ und hat ihren eigenen Platz in der deutschen Gesellschaft gefunden.                                      
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Fahrt ins Ungewisse

Wer in der DDR im Gefängnis saß, musste oftmals Demütigungen und Schikanen erleiden. Das fing mit intimen Leibesvisitationen an, setzte sich mit Schlafentzug, Akkordarbeit sowie Einzelarrest fort und hörte auch beim Gefangentransport nicht auf. In umgebauten Reisezugwagen der Deutschen Reichsbahn mussten sich mehrere Häftlinge winzige Zellen teilen. „In einem Abteil waren vier Sitze und zehn Frauen […] es war total eng und es gab kaum Toiletten und Essen und Trinken sowieso gar nicht“, erzählt die aus Sachsen stammende Angelika Feustel (https://goo.gl/VHtMcj). 1977 wegen versuchter Republikflucht zu 18 Monaten Haft verurteilt, blieb ihr wie vielen anderen Mitgefangenen das Ziel der Zugfahrt bis zum Schluss unbekannt.     

Die Gefangenen nannten den Spezialwaggon nur bitter-ironisch „Grotewohl-Express“, benannt nach dem ersten Staatspräsidenten der DDR. Zu lachen gab es auf den oft stundenlangen Fahrten quer durch die Republik nichts. Der Thüringer Karl Heinz-Böttcher, verurteilt wegen angeblichen Geheimnisverrats, erinnert sich an einen Mitgefangenen, der im völlig überfüllten Abteil plötzlich zusammenbrach und vom Wachmann einfach ignoriert wurde (https://goo.gl/qeEETl).

Barbara Große hat ähnliche Beobachtungen auf ihrer tagelangen Fahrt ins Frauengefängnis Hoheneck machen müssen. „Man saß da eingepfercht und die Fenster konnten nicht geöffnet werden und ohne Luft wurde es einem schlecht“, erzählt Große, die wegen ihrer Kontakte zur bundesdeutschen Botschaft zweieinhalb Jahre inhaftiert war (https://goo.gl/nOi6E2). Am Bahnhof angekommen, wurde sie wie die meisten Häftlinge vor und nach ihr in Handschellen abgeführt und zum Gefängnis gebracht, wo neue Erniedrigungen ihren Anfang nehmen sollten (https://goo.gl/4AZpTE).
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Die Wahrheit muss ans Licht

Schwarzer Rauch (https://goo.gl/RT1Zzi) stieg Ende 1989 aus den Schornsteinen der Stasi-Bezirksverwaltung in Erfurt. Die Geheimdienstmitarbeiter der DDR begannen nach dem Mauerfall, die Spuren ihrer jahrzehntelangen Spitzelarbeit zu beseitigen. Barbara Sengewald und andere engagierte Erfurter Bürger stoppten die Vernichtung der Mikrofilme und Akten. Anfang Dezember stürmten sie das Gebäude und schauten dem Agentenapparat nun genau auf die Finger.

Als Mitbegründerin des Neuen Forums in Erfurt beteiligte sich Sengewald maßgeblich an der Auflösung der Stasi (https://goo.gl/uDmiqJ). Sie organisierte die Bürgerwachen auf dem Gelände der Staatssicherheit und erstritt mit Gleichgesinnten die Sicherung der Geheimdienstakten in den jeweiligen Bezirken sowie das Recht der Bürger auf Einsicht in ihre Unterlagen. Von Februar bis zur Kommunalwahl im Mai 1990 war sie Mitglied eines Interimsparlaments und kümmerte sich um die Sorgen und Nöte der Erfurter in der Wendezeit.

Heute engagiert sich Sengewald erinnerungspolitisch in der „Gesellschaft für Zeitgeschichte“ und hat die erfolgreiche Errichtung der Gedenk- und Bildungsstätte in der ehemaligen Stasi-U-Haft Andreasstraße mit vorangetrieben. 

Warum sie sich zeitlebens politisch engagiert hat, erfahren Sie hier im GdN-Interview (https://goo.gl/VHMOkP). 
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Aller Anfang muss nicht schwer sein

Niemand flüchtet freiwillig. Die Einen fliehen vor Krieg, Gewalt und Diskriminierung, andere vor Hunger, Arbeitslosigkeit oder Umweltkatastrophen. Diese Menschen verlassen ihre Heimat, ohne eine neue vor Augen zu haben. Anders die Russlanddeutschen. Sie reisen aus ihrem Land, um eine verloren gegangene Heimat wiederzufinden. Doch Flüchtlinge wie Aussiedler eint die Herausforderung, in der neuen Gesellschaft ihren Platz zu finden, neue Regeln zu verstehen, zu akzeptieren und sie auch zu leben.

Die Abstammung macht es den Russlanddeutschen in der neuen Heimat nicht immer leichter. Ella Kühl ist das Kind schwabendeutscher Eltern, die Stalin 1941 nach Sibirien deportieren ließ. Sie selbst ist in den 60er Jahren im Kaukasus aufgewachsen und entschloss sich, wegen ihrer familiären Wurzeln 1987 in die Bundesrepublik auszureisen. Der Empfang im Grenzdurchgangslager Friedland war herzlich, die Willkommenskultur anfangs sehr groß.

Als jedoch in den 90er Jahren immer mehr Aussiedler nach Deutschland kamen, lernte sie  auch andere Seiten kennen. Manche Bürger ihres neuen Heimatortes  beklagten, dass es immer wieder „Probleme mit Aussiedlern“ gebe. Kühl wusste nur zu gut um die Gründe. Das Gefühl der Entwurzelung und Ausgrenzung, aber auch Anfeindungen verunsichern vor allem die Jugendlichen der russlanddeutschen Gemeinde. Um zwischen den „Welten“ zu vermitteln und Integration zu fördern, gründete sie 2001 den „Freundeskreis der Deutschen aus der ehemaligen Sowjetunion e.V.“ Seitdem sind die Probleme nicht unbedingt weniger, aber der Anfang für viele Aussiedler leichter gemacht worden.   
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Das „Gedächtnis der Nation“ macht Winterpause!

„Das Gedächtnis der Nation“ macht vom 21.12.2015 bis 4.1.2016 Winterpause.

Der Verein widmete sich 2015 vorrangig der Auswertung und Veröffentlichung Hunderter von Interviews, die in den letzten Jahren entstanden. Kontakt zum breiten Publikum fand das GdN-Team beim „Tag der offenen Tür“ der Bundesregierung in Berlin und den offiziellen Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit in Frankfurt/Main. Hier konnten die Besucher im „Jahrhundertbus“ einen Blick hinter die Kulissen werfen und sich über unsere Zeitzeugenarbeit informieren.

Ganz herzlich bedanken wir uns bei den Zeitzeugen und Kooperationspartnern, die unser Projekt so tatkräftig unterstützt haben.

Wir wünschen Ihnen allen ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Start ins neue Jahr.
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Im Porträt
Von der Aktrice zur Aktivistin

Barbara Rütting hat viele Gesichter und alle prägen sich beim Publikum ein. In den 50er und 60er Jahren glänzte sie als ebenso attraktive wie talentierte Schauspielerin in Film, Fernsehen und auf der Bühne. Der Schritt ins Rampenlicht bedeutete für sie damals, in einer Traumwelt versinken und der Realität entfliehen zu können. Doch schon wenige Jahre nach Beginn ihrer Karriere schärfte sich ihr Blick für die politische und gesellschaftliche Wirklichkeit der Adenauer-Ära.

Bereits 1958 demonstrierte die damals 29-Jährige in München gegen die Wiederaufrüstung in der Bundesrepublik. Lange bevor sie sich Anfang der 80er Jahre den Grünen anschloss und ihre Laufbahn beendete, war sie überzeugte Pazifistin (https://goo.gl/lCEqwz). Mit ihrem Protest gegen die Aufstellung atomarer Mittelstreckenraketen im schwäbischen Mutlangen stellte sie ihr Friedensengagement immer wieder unter Beweis.

Sie erinnert sich noch gut, wie unterschiedlich die Einheimischen auf die Demonstranten reagierten. Zeigten die einen Verständnis und schlossen sich dem Protest an, beschimpften sie andere als „arbeitsscheues Gesindel“ oder „Kommunistenschweine“ (https://goo.gl/9gMT22). Auch mit der Polizei machte Rütting ganz eigene Erfahrungen. Waren manche Beamte bisweilen von der Masse der Aktivisten eingeschüchtert, gab es auch einen Polizisten, der ihr verächtlich den Satz zuraunte: „Sie habe ich mal verehrt!“ (https://goo.gl/NCG1In).

Solche Anfeindungen brachten Rütting nicht davon ab, sich bis heute für Frieden, aber auch für den Tier- und Umweltschutz einzusetzen. Über die Höhen und Tiefen ihres Engagements berichtet sich in diesen Videos: https://www.youtube.com/watch?v=7vRUzVdgjuU&list=PL6i8ItscgHTtt9ts5UvSsyRF9UYPw2gMS
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Mosu  Cocosu Viton's profile photo
 
Soxhxci
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Außer Rand und Band
„Rock Around The Clock“ lautet der Titel des ersten Rock ’n‘ Roll-Films, der 1956 in die Kinos kommt und Jugendliche auf der ganzen Welt begeistert. So auch die deutschen Teenager, die sich sofort mit dem „one, two, three o’clock, four o’clock, rock“-Virus infizieren.
 
Rock ’n’ Roll wird zu ihrem musikalischen Sprachrohr, um gegen „das Miefige und Spießige“, gegen die bürgerlichen Normen und Zwänge zu rebellieren. „Im Takt der schrägen Rhythmen aus Übersee sucht die Jugend ihre eigene Freiheit“ heißt es in folgendem Clip (https://goo.gl/ob6cNS). Die DDR hingegen duldet die „Feindmusik“ nicht. „Die Genossen erfinden [sogar] einen sozialistischen Tanz namens ‚Lipsi‘“. Doch der neue Musikstil lässt sich nicht verbieten oder austauschen. Auch die Jugend in der DDR schwingt fortan ihre Beine zu den Rhythmen aus dem Westen (https://goo.gl/5q1Itg). „Den Lipsi“, so der frühere DDR-Medienwissenschaftler Lothar Bisky „tanzt wahrscheinlich nur das Politbüro, das ließ sich nicht durchsetzen“ (https://goo.gl/ob6cNS).
 
Hautnah miterleben können den Rock ’n’ Roll aber nur die Westdeutschen. Als der US-amerikanische Sänger Elvis Presley 1958 seinen Wehrdienst in der Bundesrepublik ableisten muss, bejubeln ihn Hunderte weibliche Fans bei seiner Ankunft am Flughafen in Bremerhaven. Angelika Springlauf ist auch dabei und kommt mit dem „King of Rock ’n‘ Roll“ sogar auf Tuchfühlung. Und weil „er mir über die Wange gestreichelt hat, habe ich mich eine Woche lang nicht mehr gewaschen“, sagt sie noch heute voller Begeisterung (https://goo.gl/ob6cNS).
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Im Porträt
Wolfgang Templin: Der Verräter
 
„Ich war überzeugt vom Sozialismus“, begründet Wolfgang Templin seinen Beitritt zur SED, als er 1970 zu studieren begann. Das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) wurde auf den engagierten Thüringer aufmerksam und kontaktierte ihn bereits ein Jahr später in seiner Studentenbude. „Wir brauchen, suchen Dich als Verbündeten. Wir wissen, dass Du kritisch bist, dass Du Veränderungen an der Uni anstrebst. Manchmal tut man uns auf die falsche Seite. Wir sind eigentlich für diese Veränderungen. Wir sind genau wie Du gegen Bürokratie, gegen Schlendrian, nur dass wir konspirativ arbeiten müssen“, machten die Stasi-Mitarbeiter ihn im Gespräch glauben. Templin war dabei.
 
1973 begann Templin als „IME Peter“ (Inoffizieller Mitarbeiter im besonderen Einsatz) seine Arbeit für das MfS. Ab sofort berichtete er über das „Unileben, das Sektionsleben“ und damit auch über seine Kommilitonen. Im Oktober 1975 war Schluss damit. Templin ließ seine Tarnung auffliegen. Als seine studentische Gesprächsgruppe Stasi-Mitarbeiter in ihren Reihen vermutete, gab er sich als „IME“ zu erkennen. Er versprach ihnen, seine Tätigkeit aufzugeben. „Sie glaubten mir“, erzählt Templin. Mit den Worten „Überlastung, Familiensituation, ich krieg das nicht mehr hin“, kündigte er die Zusammenarbeit mit der Stasi auf, blieb aber daraufhin unter ihrer Beobachtung.
 
Seit Mitte der 70er Jahre engagierte sich Templin nun offen in der DDR-Opposition. 1985 gründete er mit Gleichgesinnten die Menschenrechtsgruppe „Initiative Frieden und Menschenrechte“ (IFM) und veröffentlichte kritische Artikel in ihrer Samisdat-Zeitschrift „grenzfall“. Nach zahlreichen Zersetzungsmaßnahmen holte das MfS am 25. Januar 1988 zu einem letzten Schlag aus. Templin und seine Frau wurden wegen „landesverräterischer Agententätigkeit“ zur Ausreise in die Bundesrepublik gezwungen. Knapp zwei Jahre später konnte er wieder zurückkehren und beim Vereinigungsprozess mitwirken.
 
Alle Videos mit Wolfgang Templin finden Sie unter
https://www.youtube.com/watch?v=5TbBYSc9YGk&list=PL6i8ItscgHTtJLkq_74s0s4tHiTf-Hgpo
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Im Porträt
Holger Kulick: Brennpunkt Deutschland
 
Die Themen lagen quasi vor seiner Haustür. In West-Berlin fand der Journalist Holger Kulick genügend Stoff für seine Arbeit in der Redaktion des Politmagazins „Kennzeichen D“. Seit 1972 berichtete das ZDF in dieser Sendung über das Leben in beiden deutschen Staaten und beschäftigte sich aber auch mit gesamtdeutschen Fragen. Schon wegen seiner Familiengeschichte richtete Kulick seinen Blick vorwiegend nach Ostdeutschland, war doch sein Vater 1956 aus der DDR in den Westen geflohen.
 
„Mein erster Bericht […] drehte sich um Einreiseverbote für kritische Geister aus'm Westen, die auch kritisch über die DDR berichteten, die sehr schnell nicht mehr in die DDR einreisen konnten“, erinnert sich der Journalist in einem Interview. Danach folgten Berichte über die Erstürmung der Umwelt-Bibliothek (UB) im Gemeindehaus der Ost-Berliner Zionskirche im November 1987, den regimekritischen Liedermacher Stefan Krawczyk und die Umweltverschmutzung in der DDR. Doch Kulick wollte auch die Stimmung in der Bevölkerung einfangen. Aber „wie sollten wir als westdeutsches Fernsehteam an DDR-Bürger kommen, die so neutral als möglich berichteten“, erzählt der Journalist. Die Lösung war simpel. Kulick setzte sich mehrere Tage in den Interzonenzug und interviewte die Rentner aus dem SED-Staat, die in die Bundesrepublik reisen durften.
 
Immer wieder bedurfte es solcher und ähnlicher Tricks, um Material beschaffen und senden zu können. Denn westdeutsche Journalisten standen bei ihrer Einreise in die DDR unter ständiger Beobachtung des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS). Nicht selten beschlagnahmten die Behörden die Filme, sodass die Journalisten mit leeren Händen in die Redaktion zurückkehrten. Am 9. November 1989 war endlich Schluss damit. Die Mauer fiel. Kulick erinnert sich an diesen Tag, als wäre er gestern gewesen. Er war hautnah dabei, als DDR-Bürger die Grenzübergänge stürmten, Grenzer die Schlagbäume öffneten und die ersten Trabis Richtung Westen rollten.
 
Alle Videos mit Holger Kulick finden Sie unter
https://www.youtube.com/watch?v=WtG1BqpiiOg&list=PL6i8ItscgHTuHWssKwxXlnUfl_jqQ55pU
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Die Macht der Panzer
 
„Es war schrecklich für mich zu wissen und zu sehen, dass russische Soldaten mit Panzern durch meine Stadt Prag fahren“, erinnert sich der Tscheche Jiri Cap an die Nacht zum 21. August 1968. Für den damals 21-jährigen Rekruten der tschechoslowakischen Armee kam der Einmarsch Hunderttausender Soldaten des Warschauer Paktes völlig überraschend (https://www.youtube.com/watch?v=SVHlwppruCo#t=15 ). Der militärische Eingriff sollte der Reformpolitik des damaligen Generalsekretärs der tschechoslowakischen Kommunisten Alexander Dubček schließlich ein Ende setzen.
 
Dubček hatte seiner Vision vom „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ Taten folgen lassen und die bis dahin repressive Politik korrigiert. So schaffte er die Vorzensur ab und machte Ernst mit der Rede- und Versammlungsfreiheit. Während viele Tschechoslowaken diesen Kurs begrüßten, stieß er bei den Regierenden der anderen Warschauer-Pakt-Staaten auf massive Kritik. Aus Furcht vor einer möglichen Konterrevolution in den eigenen Ländern, gingen sie mit ganzer Härte gegen die demokratische Entwicklung im Bruderstaat vor.
 
So musste der junge Soldat Cap hilflos mitansehen, wie „die Russen die Macht in seiner Heimat übernahmen“ (https://www.youtube.com/watch?v=dUcwYac142w#t=17). Knapp 100 Menschen starben bei dem Versuch, sich gegen die Invasion und das Ende des so genannten Prager Frühlings zu wehren. Dubček wurde seines Amtes enthoben und viele seiner Reformen rückgängig gemacht. Das sowjetische Militär behielt bis 1991 die Kontrolle im Land.
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Im Porträt
Wolfram Buddensieg: Die gelbe Versuchung
 
Wolfram Buddensieg begann mit 20 Jahren eine Ausbildung bei der Deutschen Bundespost. Nach bestandener Prüfung musste er sich entscheiden: Flughafen Frankfurt am Main, Auslandsstelle im Hauptbahnhof Frankfurt am Main oder Bahnpostdienst. „Ich war sofort Feuer und Flamme“, gesteht er, „und ich wählte Letzteres, auch wenn mir damals noch nicht bewusst war, was dies für mein Familienleben […] bedeutete.“
 
1960 trat der Wahl-Hesse den Dienst an. Seine so genannte Hausstrecke wurde Frankfurt – Basel. Pünktlich um 21 Uhr hatte er sich auf dem Bahnsteig im Frankfurter Hauptbahnhof einzufinden. „Zuerst wurde Post eingeladen […] und gegen 0 Uhr war Abfahrt“, erinnert sich Buddensieg. Fünf Stunden hatte er nun Zeit, auf engstem Raum mehrere Tonnen Briefe und Pakete nach dem jeweiligen Bestimmungsort zu sortieren. „Postleitzahlen gab es erst ab 1961 und so waren Kenntnisse in Postgeografie wichtig“, betont der Bahnpostler in einem Interview 2014. Auch der Transport von Wertgegenständen wie Goldbarren fiel in seine Zuständigkeit. Im Gegensatz zu ihm konnten „einige von seinen Kollegen der Versuchung nicht widerstehen und veruntreuten, andere wiederum wurden Opfer von Überfällen“, erzählt Buddensieg und resümiert: „Es war schon eine gefährliche Sache.“
 
Gefahren lauerten aber auch im Transportgut. Die Bahnpost beförderte nicht nur Briefe und Pakete mit Schriftgut, sondern auch Lebewesen. So kam es auch mal vor, dass im Bahnpostwagen Hasen aus ihren Käfigen entkamen und aufgeregt umher hoppelten, sich hinter den schweren Postsäcken versteckten und ein heilloses Durcheinander anrichteten. „Auch eine Schlange steckte mal in einem Eilsendungsbeutel“, berichtet der ehemalige Bahnpostler schmunzelnd. Doch ein herbeigerufener Reptilienexperte aus dem Karlsruher Zoo gab schnell Entwarnung: Die Schlange war nicht giftig.
 
Ein Jahr vor dem „Aus“ der Bahnpost ging Buddensieg nach mehr als drei Jahrzehnten 1996 in den Vorruhestand. Doch an seine Dienstzeit erinnert er sich immer wieder gerne. Der einstige Zielort Basel ist mittlerweile zu seiner zweiten Heimat geworden, den er als Pensionär immer wieder gerne besucht.
 
Alle Videos mit Wolfram Buddensieg finden Sie unter
https://www.youtube.com/watch?v=yTv8aKPzsCA&list=PL6i8ItscgHTvm3nQerWVnIT48m5nUJt8D
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MARLON SCHMITTER's profile photo
 
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Geschichte lebt durch Geschichten.
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Geschichte lebt durch Geschichten. Durch persönliche Erfahrungen und Erlebnisse. Sie in Interviews einzufangen und für spätere Generationen zu bewahren, ist das Ziel des Vereins "Unsere Geschichte. Das Gedächtnis der Nation". Das bundesweit einmalige Projekt sammelt Erzählungen von Zeitzeugen zu Alltagserfahrungen und zentralen Momenten der deutschen Geschichte. Vor der Kamera berichten Jung und Alt über ihre ganz individuellen Erinnerungen an historische Ereignisse und Entwicklungen. Sie bilden die Mosaiksteine im Geschichtsbild einer Nation und prägen das Selbstverständnis einer Gesellschaft. Erzählen auch Sie uns Ihre Geschichte und werden Teil eines facettenreichen Archivs der Erinnerungen!
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