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Das Gedächtnis der Nation
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Im Porträt
Georg Girardet: Der Mann für die Kultur
 
Georg Girardet begann nach erfolgreichem Jura-Studium 1973 als Referent in der Abteilung Berufsbildung des Bundesministeriums für Bildung und Wissenschaft, wo er unter anderem das Ausbildungsförderungsgesetz mitgestaltete. Nach vier Jahren erhielt Girardet das Angebot, als Bundesbeamter von Bonn nach Ost-Berlin zu wechseln. Und zwar als Mitarbeiter in der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland in der DDR. „Ich habe dann spontan zugesagt“, erinnert sich Girardet, der sich damals noch als „DDR-Analphabet“ empfand. „Als ich dort ankam, musste ich erstmal DDR lernen“, sagt er heute.
 
Girardet merkte schnell, wie sehr ihn die neue Aufgabe mental und menschlich forderte. Anfangs arbeitete er in der Rechtsabteilung der Ständigen Vertretung und kam mit vielen ausreisewilligen DDR-Bürgern in Kontakt. „Ich hatte viele Albträume auch danach von diesen Gesprächen, weil mir das doch sehr nahe ging“, erzählt er. Dies änderte sich erst, als er 1980 das Kulturreferat übernahm und Ausstellungen, Lesungen sowie Filmvorführungen mit bekannten Künstlern aus Ost und West organisierte. Da die Ständige Vertretung als Quasi-Botschaft nicht als Kulturveranstalter auftreten durfte, wandte Girardet einen Trick an: „Wir haben eingeladen und so getan, als sei es ein diplomatischer Empfang. Aber es war eine Vernissage.“
 
1985 kehrte Girardet wieder in den Westen zurück und organisierte zahlreiche kulturelle Großprojekte, so etwa die „750 Jahr-Feier-Berlin 1987“. Sechs Jahre später zog es ihn wieder in den Osten Deutschlands. Als Bürgermeister und Beigeordneter für Kultur der Stadt Leipzig engagierte er sich unter anderem für den Neubau des Museums der bildenden Künste, die Renovierung des Grassimuseums sowie den Ausbau des Leipziger Zoos. Nach fast 18 Jahren schied er aus dem Amt aus und erklärt heute, dass der Osten der Republik nach dem Mauerfall auch „sein Land wurde, für das er nun Verantwortung trug“. Bis heute stellt er sich dieser Herausforderung und engagiert sich ehrenamtlich für die Kultur in Leipzig.
 
Alle Videos mit Georg Girardet finden Sie unter
https://www.youtube.com/watch?v=B5JN8TT0rKQ&list=PL6i8ItscgHTtv8HAnBrJGvJYXRTbLrMQ-
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Birgit Kiesel's profile photo
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Im Porträt
Detlef Spahn: Leben für die Zeche

Eigentlich wollte er „nicht auf der Zeche anfangen“, erinnert sich Detlef Spahn. Er wollte unbedingt etwas anderes machen, als seine Schulkameraden. Und so absolvierte der gebürtige Essener nach der Schule zunächst eine Lehre als Stahlbau-Schlosser. Doch als sein Ausbildungsbetrieb 1960 Insolvenz anmelden musste, zog es den 17-Jährigen schließlich doch zur  Zeche Zollverein, wo seine Familie schon seit drei Generationen „malochte“.    

Gut ausgebildete Handwerker waren auf der Zeche Anfang der 60er Jahre gefragt und so begann Spahn in der Kohlenwäsche, wo der Brennstoff maschinell sortiert, klassifiziert und verteilt wurde. Eine zur damaligen Zeit gefährliche Arbeit. Spahn und seine Kollegen trugen anfangs noch Mützen statt Helme und hatten weder feuerfeste Handschuhe noch robustes Schuhwerk. Gegen den Lärm stopften sie Putzwolle in ihre Ohren bis sich im Laufe der Zeit die Arbeitssicherheit doch verbesserte.

Den Respekt der älteren und erfahreneren „Füchse“ erarbeitete sich Spahn rasch durch Leistung und Schlagfertigkeit. Kurze Zeit später absolvierte er seinen Wehrdienst bei einer Panzereinheit der Bundeswehr, die während der Kuba-Krise in Alarmbereitschaft versetzte wurde und im militärischen Ernstfall zum Einsatz gekommen wäre. Spahn war erleichtert, als die  kritischste Phase des Kalten Kriegs einen friedlichen Ausgang nahm und er schon bald wieder an seinen alten Arbeitsplatz zurückkehren konnte.

Trotz seiner jungen Jahre stieg Spahn rasch zum Vorarbeiter auf und übernahm Verantwortung für 18 Handwerker. Der berufliche Aufstieg, die Nachtschichten und die Wochenendarbeit ließen jedoch selten ein normales Familienleben zu. Dennoch meisterten er, seine Frau und Kinder den unregelmäßigen und außerplanmäßigen Arbeitsalltag. Genauso wie seine Kumpels, mit denen Spahn die Maschinen in der Kohlenwäsche jederzeit am Laufen hielt. Mit ihnen ging er Mitte der 60er Jahre auch auf die Straße, um in der damaligen Bundeshauptstadt Bonn gegen die ersten Zechenschließungen zu demonstrieren.

Blieb Spahn damals von den Schließlungen noch verschont, musste er nach der Stilllegung der Zeche Zollverein Ende 1986 nochmal seinen Arbeitsplatz wechseln und auf der Gelsenkirchener Zeche Hugo fast von vorne beginnen. Dreizehn Jahre später ging Spahn mit 55 Jahren in den vorzeitigen Ruhestand. Seiner ersten Arbeitsstätte blieb er dennoch treu und führt bis heute interessierte Besucher durch die seit 2001 zum UNESCO-Welterbe zählenden Zeche Zollverein.  

Alle Videos mit Detlef Spahn finden Sie unter: http://tinyurl.com/lp4xd69
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Im Porträt:
Peter Klinkenberg: Der letzte „Traumtänzer“
 
„Deutschland ist in Helmstedt nicht zu Ende“, lautete das Credo des Journalisten Peter Klinkenberg. Als Redakteur der „Frankfurter Rundschau“ übte er während der deutschen Teilung immer wieder scharfe Kritik am politischen System der DDR und glaubte stets an die deutsche Einheit. 1934 in Berlin-Schönberg geboren und infolge der Kriegswirren und der Flucht vor der Roten Armee in Naumburg/Saale gestrandet, verbrachte er seine Jugend in der ungeliebten DDR, wo er 1952 am Domgymnasium sein Abitur machte.

Kurz darauf zog es ihn nach Westberlin, wo er ein weiteres Jahr die Schule besuchen musste, um an der Freien Universität Publizistik und Geschichte studieren zu können. Mit einem Stipendium und harter körperlicher Arbeit finanzierte er sich sein Studium, das er in Marburg an der Lahn fortsetzte und 19598 schließlich erfolgreich abschloss. Seine ersten praktischen Erfahrungen im Journalismus sammelte er wenig später als Volontär bei der „Frankfurter Neuen Presse“ (FNP) in der Mainmetropole. Nach seiner Lehrzeit bewarb sich der Jungredakteur mit Erfolg bei der linksliberalen „Frankfurter Rundschau“, wo er von Anfang an kritisch über die DDR berichtete.

Hintergrundinformationen für seine Artikel besorgte sich Klinkenberg oft auf Privatreisen in den östlichen Teil Deutschlands. Dabei geriet er seit den 70er Jahren zunehmend ins Visier des Ministeriums für Staatssicherheit. Aus seinen Einreisepapieren konnten die Behörden schnell schließen, dass der Privatmann zugleich Journalist einer großen deutschen Tageszeitung war. Wer konkret auf ihn angesetzt war, erfuhr Klinkenberg nach der Wende aus seiner Stasi-Akte. So hat ihn ein ehemaliger Klassenkamerad aus Naumburg/Saale bei einem persönlichen Treffen intensiv über seine Arbeit und seine Haltung zur DDR ausgehorcht.

Obgleich er im Fokus des Geheimdiensts stand und es weitere heikle Zwischenfälle gab, blieb er von Verhören und Verhaftungen der Stasi verschont. Klinkenberg schrieb in der Frankfurter Rundschau bis 1986 über das politische Unrecht in der DDR und den wirtschaftlichen Verfall der osteuropäischen Staaten. Wegen seiner auf Wiedervereinigung abzielenden und die Realitäten angeblich nicht anerkennenden Artikeln geriet er jedoch in Konflikt mit der Redaktion. Nach eigenen Aussagen als letzter „Traumtänzer“ bezeichnet, sind seine Artikel nur noch selten gedruckt worden. Nach seinem Ausscheiden aus der Frankfurter Rundschau kehrte er zurück nach Berlin, wo er bis heute als freiberuflicher Journalist tätig ist. 
 
Alle Videos mit Peter Klinkenberg finden Sie unter: https://www.youtube.com/watch?v=fXrTkEkXMdA&list=PL6i8ItscgHTubYiMaKG1y8NQrhbzvSSgO
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Im Porträt
Franz Müntefering: Genosse mit Rückgrat
 
Franz Müntefering wollte eigentlich Fußball-Profi werden. Doch sein Talent reichte, wie er selber sagt, nicht aus. Fortan engagierte sich der 18-Jährige politisch. Sieben Jahre später trat er schließlich in die SPD ein und legte den Grundstein für eine lang anhaltende Karriere.
 
Nach verschiedenen lokalpolitischen Ämtern in Nordrhein-Westfalen zog er mit 35 Jahren in den Bundestag ein. Als junger Abgeordneter hatte er vor Ideen nur so „gestrotzt“ und sie dem SPD-Fraktionsvorsitzenden Herbert Wehner in einem Vieraugengespräch sofort mitteilen müssen. Doch der erfahrene Wehner antwortete nur knapp: „Ja, okay, also fang‘ mal an und pass auf, dass Du nicht austrocknest.“ Anfangs wusste Müntefering mit dieser Botschaft wenig anzufangen. Nach und nach aber begriff er: „Man muss, wenn man Politik machen will, einen Impuls haben. Man muss etwas verändern wollen. Man muss etwas besser machen wollen. Wenn man das nicht mehr hat, dann sollte man herausgehen.“
 
Er beherzigte Wehners Ratschlag und engagierte sich mit vollem Einsatz für die SPD. Bei Wahlniederlagen und innerparteilichen Streitigkeiten war es Müntefering, der zur Geschlossenheit mahnte, damit das Ansehen der Partei in der Öffentlichkeit verbesserte und Wählerstimmen zurückgewann. Bei den vorgezogenen Bundestagswahlen 2005 musste sich der Krisenmanager kurzfristig geschlagen geben. Die SPD verlor die Regierungsmehrheit und die rot-grüne Koalition zerbrach. Der Sauerländer bemühte sich nun, eine „Ampel hinzubekommen“. Doch der FDP-Bundesvorsitzende Guido Westerwelle „wollte mit der SPD nicht reden“, sagt Müntefering rückblickend. So stand die Große Koalition schließlich am Ende aller Verhandlungen.
 
Nach einer politischen Auszeit 2007 kehrte Müntefering ein Jahr später in die Bundespolitik zurück. Mit Blick auf den Wahlkampf 2009 war es der damalige Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier, der ihn überzeugte und ihm den SPD-Vorsitz antrug. Doch nach der Wahl war, so Müntefering, „die Zeit in Funktionen vernünftigerweise zu Ende.“ Als „Elder Statesman“ mischt er sich aber bis heute in aktuelle politische Debatten ein.
 
Alle Videos mit Franz Müntefering finden Sie unter
https://www.youtube.com/watch?v=YkFHw2zYOrA&list=PL6i8ItscgHTsfL_W5xshhzDD9-m87u6Kc
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Frank “euroweld” Hartmann's profile photoMichael N.'s profile photoSabine Barth's profile photo
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...Ich selbst arbeite heute "im Kuhstall"
und bin aber froh dass er in D ist und nicht in GR ist...
Münte ist nicht Schuld....

...ABER ICH DANKE DIR 😍
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Im Porträt
Markus Rindt: „Grenzgänger“
 
Der Magdeburger Markus Rindt studierte Mitte der 80er Jahre an der Musikhochschule in Dresden das Instrument Horn, um in der DDR Berufsmusiker zu werden. Wenige Monate vor seinem Examen, im Sommer 1989, spielte er jedoch mit dem Gedanken zu fliehen. Als Ungarn am 11. September 1989 seine Grenze zu Österreich geöffnet hatte, wurden seine Pläne konkreter. „Wir schlagen uns durch bis in die Slowakei, zelten an dem Zeltplatz direkt an der Theiß, pusten nachts unsere Luftmatratzen auf, packen das Gepäck darauf und schwimmen rüber und dann haben wir es geschafft“, erzählt Rindt, der auf diese Weise mit seiner Freundin über Ungarn in den Westen kommen wollte.
 
Der Vater des jungen Hornisten fuhr die Beiden schließlich zur deutsch-tschechischen Grenze, wo sie ohne Angabe von Gründen kurzfristig festgehalten wurden. Letztlich durfte das Paar passieren und konnte bis Prag weiterreisen. Dort hatten unterdessen Tausende DDR-Bürger Zuflucht in der westdeutschen Botschaft gefunden. Auch Rindt und seine Freundin steuerten die diplomatische Vertretung an, die auf keinem Stadtplan verzeichnet war. Eine bayerische Reisegruppe zeigte ihnen schließlich den Weg, auf dem sich bereits unzählige andere Ausreisewillige befanden. Es war „wie eine Völkerwanderung“, sagt Rindt rückblickend.
 
Voller Hoffnung erreichten sie die längst überfüllte Botschaft. Nach stundenlangem Warten erfuhren sie aus dem Radio, dass „alle in und außerhalb der Prager Botschaft befindlichen Flüchtlinge […] in die Bundesrepublik ausreisen“ können. Tags darauf durften Rindt und die anderen DDR-Bürger mit den Sonderzügen das Land in Richtung Westen verlassen. Am 5. Oktober erreichten sie das bayerische Hof. Ihre Flucht war geglückt. Wenn auch anders als ursprünglich geplant.
 
Alle Videos mit Markus Rindt finden Sie unter
https://www.youtube.com/watch?v=0Sml6wGFy4Y&list=PL6i8ItscgHTvGUBXBC7Ltixr1Tx33Y2b7
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Im Porträt
Oskar Negt: Für Gerechtigkeit und Würde

„Risse und Widersprüche aufzudecken“, betrachtet Oskar Negt als zentrale Aufgabe des politischen Intellektuellen. Als solcher hat er die gesellschaftlichen Umbrüche in der Bundesrepublik fünf Jahrzehnte lang kritisch begleitet. Schon während seines Studiums der Soziologie und Philosophie an der Universität in Frankfurt am Main mischte er sich in sozialpolitische Debatten ein. 1956 trat er dem Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) bei und versuchte, zwischen der marxistischen Linken und den Gewerkschaften Brücken zu bauen. Wie sein Vater war Negt auch Mitglied der SPD, die ihn jedoch 1961 wegen seiner angeblich radikalen Positionen aus der Partei ausschloss. Ein Jahr später promovierte Negt beim „Vater der Kritischen Theorie“, Theodor W. Adorno, und blieb acht Jahre Assistent des Philosophen Jürgen Habermas, bevor er 1970 als Soziologieprofessor nach Hannover berufen wurde.

Während der 60er Jahre engagierte er sich zugleich in der politischen Bildungsarbeit der Gewerkschaften, für die er ursprünglich auch als Lehrer tätig werden wollte. Mit Beginn der Studentenunruhen wuchs er immer mehr in die Rolle des „Mentors“ der 68er-Bewegung, deren emanzipatorische Forderungen er intellektuell und moralisch unterstützte. Dem gewaltbereiten Flügel der Protestbewegung erteilte er 1972 eine klare Absage. Negt verurteilte die Rote Armee Fraktion (RAF) wegen ihrer wirklichkeitsfremden und zerstörerischen Revolutionsideale, auch wenn er mit dieser Kritik viele seiner früheren Weggefährten verprellte.

Negt sah damals die „Organisationsformen der Protestbewegung zerfallen“ und machte sich Anfang der 70er Jahre für das Sozialistische Büro in Offenbach am Main stark. Mithilfe dieser Organisation wollte der undogmatische Linke die nach 1968 verbliebene Protestenergie in aktive politische Arbeit umwandeln. Die Mitglieder des Büros sollten ein „überfraktionelles Bewusstsein“ entwickeln, das im Andersdenkenden nicht sofort den Gegner sieht, sondern produktiv und kreativ die gesellschaftlichen Prozesse mitgestaltet.

In diesem Sinne hat er sich die folgenden Jahre immer wieder für eine modernisierte Gewerkschaftsarbeit und gegen konservative und neoliberale Ideologien eingesetzt. „Gerechtigkeit und Würde als normative Zielvorstellungen“ sind bis heute die Maximen seines politischen und akademischen Wirkens.

Alle Videos mit Oskar Negt finden Sie unter http://tinyurl.com/moluc45
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GdN-Zeitzeuge Hüseyin Kaya auf Arte

Die Geschichte unseres Zeitzeugen Hüseyin Kaya stand Pate für den Kurzfilm „Schweinemilch“, der jetzt auf Arte zu sehen ist.
Am Schluss (19:30 min) sehen Sie ihn beim Interview in unserem Jahrhundertbus.
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Am Abend ihrer Ankunft in der schwäbischen Provinz, von der man ihnen als „gelobtes Land der Arbeit“ vorgeschwärmt hat, treffen die drei jungen Türken Erol, Mehmet und Ümmet i...
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Im Porträt
Peter Brinkmann: Der „Maueröffner“
 
Peter Brinkmann hatte im Frühjahr 1975 sein Jurastudium gerade abgeschlossen, als er in der Zeitung auf die Stellenanzeige „Redakteure gesucht“ stieß. Der 30-Jährige war sofort Feuer und Flamme. Das geplante Referendariat beim Bundessortenamt war ihm doch „zu langweilig“, erinnert er sich. So bewarb er sich bei der Tageszeitung „Die Welt“ in Bonn und konnte bereits drei Wochen später seine neue Stelle antreten.
 
Fünf Jahre schrieb Brinkmann für das überregionale Blatt. Es war eine „wunderbare Zeit, aber nicht spannend genug“, sagt er rückblickend und ging zur Boulevardzeitung „Bild“, wo er von 1980 bis 1987 das Ressort „Wirtschaft“ leitete. Seine Artikel kreisten nicht allein um bundesdeutsche Themen. Immer wieder zeichnete er auch ein Stimmungsbild der DDR. Zweimal im Jahr fuhr der „Bild“-Redakteur zur Leipziger Messe und wohnte bei ein und derselben Wirtin. Dass sie ihn während seines Aufenthalts fleißig bespitzelte, habe er damals nicht gewusst und erst nach der Wiedervereinigung mit Erstaunen erfahren.
 
Im Sommer 1989 wurde Brinkmann nach der Eröffnung eines Ost-Berliner „Bild“-Büros „vom Reisekorrespondenten für die DDR ein Korrespondent in der DDR“. In dieser Funktion nahm er am 9. November 1989 an der legendären Pressekonferenz mit dem ZK-Sekretär der SED für Informationswesen, Günter Schabowski, teil. Genau wie der „Bild“-Redakteur hatten auch andere Medienvertreter von einem neuen Reisegesetz erfahren. „Der Saal war brechend voll“, erzählt Brinkmann, denn alle „wollten über das neue Reisegesetz etwas erfahren und dann sagt der nüscht, kein Wort.“ Als schließlich ein italienischer Journalist nach der neuen Regelung fragt, verliest Schabowski den Text zur neuen, aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht vom ZK beschlossenen Reiseregelung. Brinkmann stellte daraufhin die entscheidenden Fragen: „Ab sofort?“ und „Gilt das auch für West-Berlin?“ Als Schabowski dies letztlich bejahte, war die Maueröffnung nur noch eine Sache von Stunden.
 
Nach der Wiedervereinigung berichtete Brinkmann als „Bild“-Korrespondent unter anderem aus dem Irak und von Kuba. Während des Zweiten Golfkriegs wurde er schwer verwundet und kehrte 1994 nach Deutschland zurück, wo er noch ein Jahr lang das Bonner Büro der „Bild“-Zeitung leitete. Danach war er bis 2010 für verschiedene Boulevardzeitungen im Einsatz und ist seit 2001 auch immer wieder als Moderator bei „tv.berlin“ zu sehen.
 
Alle Videos mit Peter Brinkmann finden Sie unter
https://www.youtube.com/watch?v=dL1nwBi9ezo&list=PL6i8ItscgHTuFMIo0mIhZuH0ubSm7XFkf
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Im Porträt
Theodor Bergmann: Kommunist in allen Lebenslagen

Am frühen Morgen des 7. März 1933 klopfte es bei den Bergmanns in Berlin an der Tür. Vor ihrer Wohnung standen SA-Männer, die bei ihnen versteckte Waffen vermuteten. Theodor Bergmann und seine Familie waren Kommunisten und standen schon lange im Visier der Nationalsozialisten. Nach der Machtübernahme Adolf Hitlers im Januar wollten sie ihre politischen Gegner nun endgültig beseitigen. Der damals 17-Jährige hatte Glück. Die Mutter wendete die Durchsuchung mit einer Ausrede kurzfristig ab und dank der Vorbereitungen seiner Eltern konnte er sich noch am gleichen Tag nach Palästina absetzen.           
 
Nun, kurz nach seinem Abitur, fand er sich in Tel Aviv und wenig später im Kibbuz wieder. Dort lernte der Jungkommunist aus der Großstadt erstmals die schwere Arbeit auf dem Lande kennen. Der Landwirtschaft sollte er fortan ebenso treu bleiben wie dem Kommunismus. 1935 zog es ihn in die Tschechoslowakei, wo er in Tetschen (heute Děčín) ein Studium der Agrarwissenschaften begann. Bevor die Wehrmacht 1938 in das Land einmarschierte, floh Bergmann nach Schweden und fand lange Zeit Arbeit und Unterschlupf auf einem Bauernhof. Dort empfing er politische Gesinnungsgenossen und schleuste im Kampf gegen den Nationalsozialismus illegal Flugblätter nach Deutschland.
 
1946 kehrte der Exilkommunist in seine Heimat zurück, schloss in Bonn sein Landwirtschaftsstudium ab und promovierte 1955 an der Universität Hohenheim in Stuttgart. Bergmann setzte seine akademische Laufbahn in den 60er Jahren fort, obgleich er als politisch aktiver Kommunist die Anfeindungen vieler seiner Kollegen überwinden musste. Als Professor für international vergleichende Agrarpolitik untersuchte er unter anderem die landwirtschaftlichen Strukturen asiatischer Länder und sozialistischer Staaten. Vor dem Hintergrund des Radikalenerlasses unterstützte Bergmann seit 1975 marxistische Studenten, denen er kritisches, niemals extremistischen Denken lehren wollte.
 
Auch nach seiner Emeritierung im Jahr 1981 blieb er dieser Haltung verbunden, äußerte sich kritisch gegenüber der SED-Herrschaft und setzte sich für einen reformierten Kommunismus ein. „Ich möchte nicht den Kommunismus vernichten, sondern, dass er besser wird“ lautet seine Devise, mit der er sich bis heute sowohl in zahlreichen Publikationen als auch parteipolitisch zu Wort meldet.  
  
Alle Videos mit Theodor Bergmann finden Sie unter https://www.youtube.com/watch?v=RiZvMIPgg3A&list=PL6i8ItscgHTvhi5vLKhAkl71cuGno5UqJ
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Im Porträt
Rik De Lisle: Der alte Ami
 
Viele kennen seine Stimme aus dem Radio, doch seinen Namen Rik De Lisle kennt kaum jemand. Woher auch. Kündigte sich der ehemalige Kultmoderator von AFN und RIAS doch mit typisch amerikanischem Akzent als der „der alte Ami“ an.
 
Eher zufällig landete der US-Amerikaner beim Radio. Mit 17 Jahren meldete er sich freiwillig zur US-Airforce. Doch der Militärdienst allein war ihm zu langweilig und so bewarb De Lisle sich auf die Zeitungsanzeige „Moderatoren gesucht bei AFN!“. Nach seiner Ausbildung ging er 1971 für „American Forces Network“ nach Vietnam. Im April 1976 versetze ihn die Armee ins rheinland-pfälzische Ramstein. Für ihn ein Schock, hatte er sich doch schon auf einen AFN-Einsatz auf den Philippinen gefreut. Ohne ein Wort Deutsch zu sprechen, kam er auf der Ramstein Air Base an. Nach sechs Monaten ging es für den GI weiter nach Frankfurt am Main. „Dort war es noch schlimmer“ als in Ramstein, erinnert sich De Lisle. „Amerikaner waren nicht gerne gesehen“, sagt er. Trinkgelage und Schlägereien waren nicht selten, so dass „in Sachsenhausen die Gastwirte selber ‚Off Limits‘-Schilder an die Kneipen rangeschraubt“ haben.
 
Als De Lisle 1978 nach West-Berlin abkommandiert wurde, war die Freude zunächst groß. Als er jedoch hörte, dass sein neuer Einsatzort „120 Kilometer innerhalb von Ostdeutschland lag“ und er erst durch „Feindgebiet“ reisen musste, kamen ihm plötzlich Zweifel. Unbeschadet dort angekommen, lebte der US-Amerikaner sich schnell ein und „fühlte sich wohl“. Zwar gab es auch hier „Ami go home“-Sprüche, doch waren die meisten West-Berliner dankbar für den Schutz durch die Besatzungsmächte.
 
Wenn man „bei AFN gearbeitet hat, da warst du König von Deutschland, also in Berlin, also ein AFN-Discjockey kannte jeder, es war unfassbar“, sagt De Lisle rückblickend. Auch wenn ihm die deutsche Musikszene damals nicht viel sagte, lernte er Nina Hagen und viele andere Künstler schnell kennen. Als „Typ von AFN“ bekam De Lisle 1984 ein Angebot von RIAS 2 und wurde dort Musikchef und Radiomoderator für die Sendung „Frühstart“. „Mein Auftrag war, dass American Way of Life zu verbreiten, zu widerspiegeln im Radio das Beste, was Amerika anzubieten hat, optimistisch positiv, gut drauf, einfach zuverlässig“, sagt der Radiomoderator. Doch manchen deutschen Kollegen ging dies „auf den Senkel“ und als er von seinem Studio im West-Berliner Stadtteil Schöneberg salopp den Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen mit „Hey Ebby, wie geht’s“ grüßte, waren viele entsetzt. Doch „der alte Ami“ machte weiter wie bisher und der Erfolg gab ihm Recht.
 
Alle Videos mit Rik De Lisle finden Sie unter https://www.youtube.com/watch?v=XeJ7r18C-eU&list=PL6i8ItscgHTuH8X-iiYP7iff1Vv1ednQ9
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Im Porträt
Klaus Töpfer: Der Umwelt zuliebe

„Vor Ihnen sitzt der Gelbe Sack“, sagt Klaus Töpfer gerne und spielt humorvoll auf eine der nachhaltigsten Errungenschaften seiner politischen Karriere an. Als Bundesumweltminister hat er neben der Mülltrennung unter anderem das FCKW-Verbot und die niedrigsten Grenzwerte für Dioxin in Deutschland eingeführt. Nicht nur national auch international setzte der Volkswirtschaftsprofessor umweltpolitische Akzente: Angefangen bei seiner erfolgreichen Teilnahme an der Umweltkonferenz in Rio de Janeiro 1992 über sein späteres Engagement für das Umweltprogramm der Vereinten Nationen Ende der 90er bis hin zu seiner jetzigen Tätigkeit als Exekutivdirektor des Institute for Advanced Sustainability (IASS) in Potsdam.

Doch weder Umweltschutz noch Politik standen am Beginn seiner beruflichen Laufbahn. Der 1938 im schlesischen Waldenburg geborene Töpfer wuchs nach der Flucht vor der Roten Armee in Höxter (Westfalen) auf. Obgleich die finanziellen Verhältnisse seiner Eltern es kaum zuließen, durfte er 1959 das Abitur machen und während der 60er Jahre in Mainz, Frankfurt am Main und Münster Volkswirtschaft studieren. Töpfer schlug zunächst eine akademische Karriere ein und wandte sich in den folgenden Jahren als Professor der Raumforschung und Landesplanung zu. Schließlich wurde die christdemokratische Landesregierung in Rheinland-Pfalz auf das CDU-Mitglied aufmerksam und ernannte ihn zum Staatssekretär im Ministerium für Soziales, Gesundheit und Umwelt. Sagte er anfangs lediglich aus „Neugier“ zu, wurde das Thema Umwelt zu seiner Lebensaufgabe.

Nach „Lehrjahren“ als Umweltminister in Mainz wechselte er 1987 nach Bonn, um sich auf Bundesebene für Natur und Umwelt stark zu machen. Nach dem Reaktorunglück im ukrainischen Tschernobyl plädierte Töpfer in der CDU für den langfristigen Ausstieg aus der Atomenergie. Obgleich er diese Idee innerparteilich nicht durchsetzen konnte, leitete er mit dem Dualen System („Grüner Punkt“) und dem Verbot von Treibhausgasen (FCKW) Anfang der 90er Jahre entscheidende Reformen ein. Nach dem Mauerfall trieb er den „Ökologischen Aufbau“ in Ostdeutschland voran und wechselte 1995 als Bundesbauminister kurzfristig das Ressort, bevor er 1998 für die UN die internationale Bühne betrat und die globalen Herausforderungen des Umweltschutzes thematisierte, sich unter anderem für eine weltweite Wasserversorgung stark machte und für ein ökologisch verträgliches Wachstum eintrat.

Diesen Zielen blieb er bis heute treu. Erst vor kurzem hat er sich auf dem „Tag des Wassers“ für erneut für energiesparende Techniken und einen schonenden Umgang mit den überlebenswichtigen Ressourcen ausgesprochen. Der Umwelt und den Menschen zuliebe.  

Alle Videos mit Klaus Töpfer finden Sie unter https://www.youtube.com/watch?v=E4tiM9cwUFw&list=PL6i8ItscgHTv7Ix_OBOzsfOgnzWSlGYao
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Gut so, das man daran mal wieder erinnert wird, dank an Herrn Töpfer.
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Im Porträt
Karin Enke: Flott auf Kufen
 
Schon mit viereinhalb Jahren stand Karin Enke das erste Mal auf dem Eis. Den Trainern und Sportfunktionären der DDR fiel ihr Talent schon bald auf. Dank einer umfassenden Förderung gewann die Dresdnerin mit 13 Jahren die DDR-Spartakiade und die „Jugendwettkämpfe der Freundschaft“. Das harte Training forderte jedoch schon drei Jahre später seinen Tribut. Abgesplitterte Knochen im Ellenbogen hatten die Beweglichkeit ihres Arms so stark eingeschränkt, dass die 16-Jährige operiert werden musste.
 
Entgegen ärztlicher Empfehlungen kehrte Enke 1978 auf das Eis zurück. Doch dieses Mal als erfolgreiche Eisschnellläuferin. Rückblickend sagt Enke, dass sie diese Disziplin eigentlich nicht mochte, sie aber nur so auf der Kinder- und Jugendsportschule bleiben konnte.
 
Mit 18 Jahren durfte das Ausnahmetalent zu ihren ersten Olympischen Winterspielen ins US-amerikanische Lake Placid fahren. Wie alle anderen DDR-Sportler erhielt sie zuvor noch eine ideologische Schulung. Der damalige Präsident des Deutschen Turn- und Sportbundes (DTSB), Manfred Ewald, schwor die Mannschaft auf die nichtsozialistischen Gegner ein. „Das oberste Ziel ist dem Klassenfeind eine vernichtende Niederlage zuzufügen!“, erinnert Enke seine Worte. Als sie in den USA ankam, lernte die junge DDR-Athletin „ein Land [kennen], wo alle total freundlich, offen, hilfsbereit [waren] und alles für die Sportler“ machten. Doch solange „ich im System drin war, hatte alles eine gewisse Normalität, weil ich es nicht anders kannte“, erklärt sie heute.
 
In den 80er Jahren schmückte sich die DDR mit der mehrfachen Olympiasiegerin und Weltmeisterin im Sprint-Vierkampf sowie im Mehrkampf. Immer öfter war sie Gast bei offiziellen Empfängen, wo sich mit dem Staats- und Parteichef Erich Honecker zeigen musste. Als die Eisschnellläuferin nach drei olympischen Goldmedaillen und sechs WM-Siegen eine Pause einlegen wollte, versuchten die Sportfunktionäre des DTSB sie mit allen Mitteln umzustimmen. Mit Erfolg. Bis zur Geburt ihres Sohnes 1985 nahm sie weiter an internationalen Wettbewerben teil, pausierte dann für ein Jahr, um erneut an die Weltspitze im Eisschnelllauf zurückzukehren.
 
Enke fuhr weiter von Sieg zu Sieg. Doch der Druck, immer die Beste sein zu müssen, machte sie langsam mürbe. Nach der gewonnenen Weltmeisterschaft im norwegischen Skien verabschiedete sie sich 1988 vom Leistungssport. Mit 27 Jahren fing ein neues Leben für sie an. Nach verschiedenen beruflichen Stationen arbeitet die studierte Diplom-Pädagogin heute in einer Dresdner Gemeindepsychiatrie mit Behinderten.
 
Alle Videos mit Karin Enke finden Sie unter
https://www.youtube.com/watch?v=gwMmAZh9u5g&list=PL6i8ItscgHTvEfXYeI5SCxRfioVz8ZKuv
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Geschichte lebt durch Geschichten. Durch persönliche Erfahrungen und Erlebnisse. Sie in Interviews einzufangen und für spätere Generationen zu bewahren, ist das Ziel des Vereins "Unsere Geschichte. Das Gedächtnis der Nation". Das bundesweit einmalige Projekt sammelt Erzählungen von Zeitzeugen zu Alltagserfahrungen und zentralen Momenten der deutschen Geschichte. Vor der Kamera berichten Jung und Alt über ihre ganz individuellen Erinnerungen an historische Ereignisse und Entwicklungen. Sie bilden die Mosaiksteine im Geschichtsbild einer Nation und prägen das Selbstverständnis einer Gesellschaft. Erzählen auch Sie uns Ihre Geschichte und werden Teil eines facettenreichen Archivs der Erinnerungen!