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Clemens Nimscholz
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Scheibendolch mit ausgekehlter Klinge
Germanisches Nationalmuseum Nürnberg
Um 1400
Der Griff ist aus Buchsbaum geschnitzt und die Scheiben des Dolches weisen nur einen sehr kleinen Durchmesser auf. Die Klinge ist dreikantig und stark ausgehöhlt.
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10.09.17
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Scheibendolch mit dreiviertel Klinge
Germanisches Nationalmuseum Nürnberg
2. Hälfte 15. Jahrhundert
Komplett aus Eisen gefertigt. Der obere Teil der Klinge, etwa ein Viertel der Klingenlänge weist ein flaches, leicht ausgehöhltes Profil auf. Der Rest der Klinge hat ein drei, vielleicht auch vierkantiges Profil. Die Scheiben sind ziemlich hoch und an den Seiten mit durchbrochener Verzierung versehen.
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10.09.17
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Hodendolchmesser mit Lederscheide
Veste Coburg
15. Jahrhundert Bamberg
Die Flachklinge ist einschneidig und sehr spitz zulaufend. Die Lederscheide ist auf der Rückseite vernäht und weist auf der Vorderseite eine Zierprägung auf. Im oberen Bereich der Vorderseite befindet sich ein aufgebrachtes Fach.
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10.09.17
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Die Fußarbeit bei Joachim Meyer und Achilles Marozzo

Sowohl Joachim Meyer als auch Achilles Marozzo, ein italienischer Zeitgenosse von Joachim Meyer, weichen in Ihrer Fußarbeit von der früherer Fechtmeister ab.
Die Fechtmeister des 15. Jahrhunderts stehen in der Ober-, und Mittelhut mit dem linken Fuß vorn und halten ihren Dolch dabei hinten. Um aus dieser Hut zu attackieren führen sie einen Passierschritt aus, bei dem der rechte Fuß und die Waffe nach vorn kommen.
Joachim Meyer und Achilles Marozzo dagegen haben in diesen beiden Huten den rechten Fuß, und ihren Dolch vorn. Wenn sie aus diesen Huten attackieren, tun sie das mittels eines Gleitschritts, bei dem der rechte Fuß vorn bleibt.
Auch wenn sie aus diesen Huten mit Ihrer Waffe versetzen, bleibt ihr rechter Fuß vorn.
Als ich mich anfänglich mit Joachim Meyer beschäftigte, dachte ich das dies eine Eigenart von ihm sei und ihm das halt einfach zuträglicher erschien.
Wobei ich jedoch nicht glaubte das dies einen gravierenden Unterschied zwischen seinem Dolchfechten und dem der Fechtmeister des 15. Jahrhunderts darstellte. Zwar ergibt sich dadurch zunächst eine abweichende Ausgangssituation. Aber ist der Angriff und damit der Stich erfolgt, haben wir die gleiche Situation wie in den Stücken des 15. Jahrhunderts. Waffenhand und rechter Fuß befinden sich nach dem Stich vorn. Abgesehen davon gehe ich davon aus, das es den Fechtmeistern des 15. Jahrhunderts nicht unvertraut war, sich in einer Stellung wiederzufinden in denen ihr rechter Fuß und die Waffe vorn sind. Einfach weil sich das in einem Gefecht ergeben kann, wenn man sich verstochen hat oder der Attackierte dem Angriff nach hinten ausweicht. Diesen Umstand werden sie nicht ignoriert haben.

Nachdem ich mich aber gerade vermehrt mit Dolchmessern beschäftige, glaube ich nicht mehr das es sich dabei um eine Eigenart von Joachim Meyer handelt. Vielmehr glaube ich das die Veränderung der Auslage den veränderten Waffeneigenschaften geschuldet ist.
Dafür spricht das sowohl Joachim Meyer als auch Achilles Marozzo sich nicht mehr vorrangig mit dem Dolch, sondern mit Dolchmessern beschäftigen.
Bei Achilles Marozzo ist offensichtlich das er sich mit dem Dolchmesser beschäftigt. Er schreibt von Schnitten und die Abbildungen lassen über die verwendete Waffe keinen Zweifel aufkommen.
Bei Joachim Meyer sieht das ein wenig anders aus. Sieht man sich die Abbildungen in seinem Werk „Gründliche Beschreibung der freyen Ritterlichen unnd Adelichen kunst des fechtens in allerley gebreuchlichen Wehren“ an, identifiziert man eindeutig einen Scheibendolchsimulator. Schaut man sich in dessen Dolchteil jedoch auf Tafel D das Paar ganz links an, sieht man das sie Dolchmesser verwenden. Ich vermute deshalb das Joachim Meyer, wie es zu seiner Zeit passen würde, sich auf Dolchmesser bezieht und die Scheibendolchsimulatoren lediglich als Trainingsinstrument verwendet wurden.

Die Fechtmeister des 15. Jahrhunderts dagegen beschäftigten sich vorrangig mit dem Dolch, einer reinen Stichwaffe. Zwar liest man unter anderem im MS 2732a das die Stücke für den Dolch und das kurze Messer sind, aber das ist kein Widerspruch.

Der degen / ader das kurcze mess° das czu kamp stiche /

Denn natürlich sind die Dolchstücke von Hans Talhoffer und Kollegen auch für das kurze Messer oder Dolchmesser geeignet. Nicht umsonst findet man identische Techniken bei Hans Talhoffer, Joachim Meyer und Achilles Marozzo.
Aber das Zufechten verändert sich doch erheblich wenn ein Dolchmesser verwendet wird.

Steht der Verteidiger mit seinem linken Bein vorn und hat seinen Dolch nebst dem rechten Bein hinten, ist seine erste Verteidigung gegen einen rechten Ober- oder Mittelstich sein linker vorderer Arm. Was gegen einen Dolchstich auch praktikabel und sinnvoll ist. Denn ein Stich lässt sich so gut versetzen.
Hat der Angreifer jedoch ein Dolchmesser und wir auch, ist das nicht mehr ganz so ideal. Der linke vordere Arm wird so schnell zum Ziel für schnell vorgetragene Schnitte des Gegenüber.
Diesen lässt sich besser begegnen wenn wir unseren rechter Fuß und das Dolchmesser vorn haben. So haben wir die Möglichkeit mit gegen schnitten, oder Klinge gegen Klinge zu kontern. Abgesehen davon das wir selbst viel schneller mit Schnitten attackieren können wenn sich unsere Waffe vorn befindet.

Ich denke das ist der Grund für die Veränderte Auslage.Die Fußarbeit bei Joachim Meyer und Achilles Marozzo

Sowohl Joachim Meyer als auch Achilles Marozzo, ein italienischer Zeitgenosse von Joachim Meyer, weichen in Ihrer Fußarbeit von der früherer Fechtmeister ab.
Die Fechtmeister des 15. Jahrhunderts stehen in der Ober-, und Mittelhut mit dem linken Fuß vorn und halten ihren Dolch dabei hinten. Um aus dieser Hut zu attackieren führen sie einen Passierschritt aus, bei dem der rechte Fuß und die Waffe nach vorn kommen.
Joachim Meyer und Achilles Marozzo dagegen haben in diesen beiden Huten den rechten Fuß, und ihren Dolch vorn. Wenn sie aus diesen Huten attackieren, tun sie das mittels eines Gleitschritts, bei dem der rechte Fuß vorn bleibt.
Auch wenn sie aus diesen Huten mit Ihrer Waffe versetzen, bleibt ihr rechter Fuß vorn.
Als ich mich anfänglich mit Joachim Meyer beschäftigte, dachte ich das dies eine Eigenart von ihm sei und ihm das halt einfach zuträglicher erschien.
Wobei ich jedoch nicht glaubte das dies einen gravierenden Unterschied zwischen seinem Dolchfechten und dem der Fechtmeister des 15. Jahrhunderts darstellte. Zwar ergibt sich dadurch zunächst eine abweichende Ausgangssituation. Aber ist der Angriff und damit der Stich erfolgt, haben wir die gleiche Situation wie in den Stücken des 15. Jahrhunderts. Waffenhand und rechter Fuß befinden sich nach dem Stich vorn. Abgesehen davon gehe ich davon aus, das es den Fechtmeistern des 15. Jahrhunderts nicht unvertraut war, sich in einer Stellung wiederzufinden in denen ihr rechter Fuß und die Waffe vorn sind. Einfach weil sich das in einem Gefecht ergeben kann, wenn man sich verstochen hat oder der Attackierte dem Angriff nach hinten ausweicht. Diesen Umstand werden sie nicht ignoriert haben.

Nachdem ich mich aber gerade vermehrt mit Dolchmessern beschäftige, glaube ich nicht mehr das es sich dabei um eine Eigenart von Joachim Meyer handelt. Vielmehr glaube ich das die Veränderung der Auslage den veränderten Waffeneigenschaften geschuldet ist.
Dafür spricht das sowohl Joachim Meyer als auch Achilles Marozzo sich nicht mehr vorrangig mit dem Dolch, sondern mit Dolchmessern beschäftigen.
Bei Achilles Marozzo ist offensichtlich das er sich mit dem Dolchmesser beschäftigt. Er schreibt von Schnitten und die Abbildungen lassen über die verwendete Waffe keinen Zweifel aufkommen.
Bei Joachim Meyer sieht das ein wenig anders aus. Sieht man sich die Abbildungen in seinem Werk „Gründliche Beschreibung der freyen Ritterlichen unnd Adelichen kunst des fechtens in allerley gebreuchlichen Wehren“ an, identifiziert man eindeutig einen Scheibendolchsimulator. Schaut man sich in dessen Dolchteil jedoch auf Tafel D das Paar ganz links an, sieht man das sie Dolchmesser verwenden. Ich vermute deshalb das Joachim Meyer, wie es zu seiner Zeit passen würde, sich auf Dolchmesser bezieht und die Scheibendolchsimulatoren lediglich als Trainingsinstrument verwendet wurden.

Die Fechtmeister des 15. Jahrhunderts dagegen beschäftigten sich vorrangig mit dem Dolch, einer reinen Stichwaffe. Zwar liest man unter anderem im MS 2732a das die Stücke für den Dolch und das kurze Messer sind, aber das ist kein Widerspruch.

Der degen / ader das kurcze mess° das czu kamp stiche /

Denn natürlich sind die Dolchstücke von Hans Talhoffer und Kollegen auch für das kurze Messer oder Dolchmesser geeignet. Nicht umsonst findet man identische Techniken bei Hans Talhoffer, Joachim Meyer und Achilles Marozzo.
Aber das Zufechten verändert sich doch erheblich wenn ein Dolchmesser verwendet wird.

Steht der Verteidiger mit seinem linken Bein vorn und hat seinen Dolch nebst dem rechten Bein hinten, ist seine erste Verteidigung gegen einen rechten Ober- oder Mittelstich sein linker vorderer Arm. Was gegen einen Dolchstich auch praktikabel und sinnvoll ist. Denn ein Stich lässt sich so gut versetzen.
Hat der Angreifer jedoch ein Dolchmesser und wir auch, ist das nicht mehr ganz so ideal. Der linke vordere Arm wird so schnell zum Ziel für schnell vorgetragene Schnitte des Gegenüber.
Diesen lässt sich besser begegnen wenn wir unseren rechter Fuß und das Dolchmesser vorn haben. So haben wir die Möglichkeit mit gegen schnitten, oder Klinge gegen Klinge zu kontern. Abgesehen davon das wir selbst viel schneller mit Schnitten attackieren können wenn sich unsere Waffe vorn befindet.

Ich denke das ist der Grund für die Veränderte Auslage.
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Der Griff am Scheibendolch in den verschiedenen Stichen

In den bebilderten Fechthandschriften finden sich verschiedene Möglichkeiten den Dolch zu ergreifen. Die verschiedenen Griffvarianten sind nicht beliebig, sondern werden passend zum entsprechenden Stich, Versatz oder einer anderen Aktion gewählt. Sie sollen dem Dolch so in unserer Hand positionieren, das er über die bestmögliche Händelbarkeit in der geplanten Aktion verfügt.
Da man die Griffweise in den Schriften Hans Talhoffers sehr schön sehen kann, zeige ich die verschiedenen Griffmöglichkeiten anhand seiner Schriften.


Den Dolch kurz gefasst

Sowohl im Oberstich, im Unterstich und bei Knaufstößen wird der Dolch kurz gefasst. So das die Dolchklinge am kleinen Finger steht. Dabei legt man die Hand einfach zwischen die Scheiben und umschließt das Griffstück mit der Faust. Diese Griffart wird in den Dolchstücken am häufigsten verwendet wird.


Den Dolch kurz gefasst – Die Scheibe mit dem Daumen halten

Der Dolch wird kurz gefasst und der Daumen auf die Scheibe gelegt. So kann man die Hand, genauer vier Finger öffnen und dabei den Dolch mit dem Daumen halten. Dies ermöglicht es den Gegner mit der Waffenhand zu ergreifen und den eigenen Dolch dabei nicht los zu lassen.


Den Dolch lang gefasst

Der Grundgriff für den Mittelstich. Analog zum kurz fassen wird das Griffstück einfach mit der Faust umschlossen. Nur das diesmal die Klinge am Daumen steht. Diese unverfeinerte Griffweise eignet sich vor allem für den Herzstich. Für den geraden Mittelstich ist sie eher suboptimal.


Lang gefasst mit auf die Scheibe aufgelegtem Daumen

Der Dolchgriff wird wie im eigentlichen „Lang gefasst“ mit der Faust umschlossen. Nur das hier der Daumen vom Dolchgriff genommen, und auf den Rand der unteren Scheibe gelegt wird. Dadurch kommt man mit der Hand etwas näher an die untere Scheibe heran und gewinnt so etwas mehr Bewegungsspielraum im Handgelenk.


Lang gefasst mit auf die Klinge aufgelegtem Daumen

Eigentlich nicht wirklich anders als “Lang gefasst mit auf die Scheibe aufgelegtem Daumen“. Nur das der Daumen nicht auf die Scheibe, sondern darüber hinaus auf die Klinge gelegt wird.


Lang gefasst mit beiden Händen

Diese Griffweise habe ich bisher nur bei Hans Talhoffer gesehen. Ich habe aber auch in noch keiner andere Schrift einen Dolch mit einem derart langem Griffstück gesehen.
Es gibt auch noch weitere Abbildungen in Talhoffers Schriften, in denen der Griff mit beiden Händen umfasst wird. Dabei handelt es sich jedoch um kürzere Griffe und die Hände werden im Griff übereinander gelegt.


Den Dolch gewappnet gefasst

Mit der rechten Hand wird der Dolch lang gefasst und die linke Hand greift in die eigene Klinge. Diese Griffweise wird vornehmlich zum ausführen eines Schilds verwendet.

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10.07.17
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Warum die meisten Dolchstücke von einem kurz gegriffenem Dolch ausgehen

Oft wird erzählt das es daran liegt das der Dolch rechts am Gürtel getragen wurde. Woraus sich die kurze Griffhaltung ergibt, wenn man den Dolch mit der rechten Hand zieht.
Dieser Umstand soll dann dazu geführt haben das man vor allem von Situationen ausging, in denen der Angreifer mit einem kurz gehaltenem Dolch angriff.
Sieht man sich aber historische Abbildungen an, auf denen die dargestellten Personen einen Dolch tragen, erkennt man schnell das es daran nicht liegen kann. Denn der Dolch wurde mit Nichten stets rechts getragen, sondern an allen erdenklichen Stellen am Gürtel. Wenn auch fast nie links.

Die Antwort liegt denke ich eher an der in den Dolchstücken meist verwendeten Waffe. Dem Scheibendolch. Denn der Scheibendolch möchte gerne kurz gegriffen werden. Er lässt sich auch lang greifen, aber lieber ist es ihm wenn man ihn kurz greift.
Die Entscheidung wie wir einen Dolch ergreifen, beruht entweder auf dem was wir mit der Waffe gerade zu tun gedenken und an ihren Eigenschaften.
Will ich einen Ober- oder Unterstich führen, halte ich die Waffe kurz gegriffen. Möchte ich einen Mittelstich führen, ergreife ich die Waffe lang. Ober im Fall das ich einen Schild ausführen möchte, mit beiden Händen.
Bei den Eigenschaften der Waffe ist natürlich die Art der Klinge durchaus eine Überlegung wert. Verfügt die Waffe über eine Schneide gibt es durchaus Gründe dafür die Waffe lieber lang als kurz zu ergreifen. Hat man bei einem lange gehaltenem Dolch doch einen Reichweitenvorteil gegenüber einem kurz gehaltenem.

Dennoch entschieden sich die Fechtmeister bei Verwendung eines Scheibendolch oder Scheibendolchmessers, meist für die kurze Griffweise.
Denn den größten Einfluss darauf wie ein Dolch am liebsten ergriffen werden möchte, ist die Ausformung seines Griffstücks.
Ich habe zwei Dolchrepliken. Einen dreikantigen Scheibendolch und einen einschneidigen Hodendolch.
Der Scheibendolch war zuerst bei mir. Als ich ihn bekam habe ich ihn natürlich gleich ausgepackt und damit rumgespielt. Instinktiv habe ich ihn dabei zum größten Teil kurz gefasst. Mir dabei jedoch erst mal nichts gedacht. Denn in den Fechtbüchern wir er ja auch meist kurz gefasst.
Später habe ich mir dann das Hodendolchmesser zugelegt. Natürlich habe ich mit dem Hodendolchmesser auch gleich nach dem Auspacken rumgespielt. Und wie durch das Training konditioniert, habe ich ihn auch gleich kurz gefasst ….. Was sich aber irgendwie nicht so gut angefühlt hat. Also habe ich ihn lang gefasst, und mich damit viel wohler gefühlt.

Der Scheibendolch und auch das Scheibendolchmesser lassen der Hand zwischen den beiden Scheiben nicht allzu viel Raum. So das die Hand zwischen den beiden Scheiben nicht viel Platz hat um sich zu bewegen. Was bei einem kurz gehaltenem Dolch in der Ausführung eines Ober- oder Unterstich nicht unangenehm oder hinderlich ist. Im Gegenteil. Die untere Scheibe verleiht der Hand bei der Ausführung kräftiger Stiche einen sicheren Halt.
Anders sieht es aus wenn man den Dolch lang gefasst hat. Für einen Mittelstich erfordert im Handgelenk mehr Bewegung als im Oberstich. Den für die Bewegung nötigen Platz lassen uns die beiden Scheiben aber nur sehr bedingt, wobei sich vor allem die hintere Scheibe als störend erweist. Sie hebelt uns den Dolchgriff bei einer gerade Stichführung etwas aus der Hand. So das wir im Stich entweder auf einen festen Griff verzichten, oder die Stiche bogenförmig führen müssen. Entscheidet man sich für die Bogenförmige Stichführung, verzichtet man dafür auf die Schnelligkeit und Unberechenbarkeit der geraden Mittelstiche.

In den Schriften Hans Talhoffers kann man sehen wie er die mangelnde Bewegungsfreiheit kompensiert hat. Er hat im Mittelstich den Daumen auf den Rand der unteren Scheibe, bzw. den Daumen über die Scheibe auf die Klinge gelegt. So gewinnt man etwas mehr Platz und kann das Handgelenk besser strecken, ohne den Griff um den Dolch zu sehr lockern zu müssen.
Interessanterweise hat die Replik meines Scheibendolches an der unteren Scheibe eine Stelle an der ein verlängertes Stück der Scheibe Richtung Klinge umgebogen und nach der Biegung parallel zur Klinge verläuft. Bevor es zungenartig ausläuft.
Als ich den Schmied fragte ob er wisse wozu diese abgeflachte Stelle diene, konnte er auch nur Vermutungen aussprechen. Er vermute das es der Steigerung des Tragekomforts diene.
Das könnte durchaus sein, denn die abgeflachte Stelle liegt auf jeden Fall angenehmer am Körper an als die Kante einer Scheibe.
Es könnte aber auch gut sein das die Zunge dazu diente den Daumen darauf zu legen. Von der Form und der Größe her fühlt sie sich ideal dafür an.

Zusammenfassend finde ich persönlich das sich der Scheibendolch besser fechten lässt wenn man ihn kurz fasst.

Den Hodendolch kann man natürlich ebenso wie den Scheibendolch kurz gegriffen führen. Wie man es auch auf den Abbildungen einzelner Fechthandschriften dargestellt findet. Wobei es sich meiner Ansicht nach bei den dargestellten Hodendolchen ausschließlich um Hodendolchmesser handelt.
Aber irgendwie fühlt sich ein kurz gegriffener Hodendolch nicht ganz so gut an wie ein kurz gegriffener Scheibendolch. Den Hodendolch lang zu greifen fühlt sich für mich einfach besser an.
Da die Hand am Griff des Hodendolchs nicht durch die Scheiben beengt wird wenn man ihn lang greift, kann das Handgelenk mit dem Hodendolch seinen vollen Bewegungsspielraum ausnutzen.
Was es ermöglicht den Gegenüber mit direkt geführten Mittelstichen zu attackieren.
Auch die Schneide des Hodendolchmessers ist für mich ein Argument die Waffe lang zu führen. Zwar kann man auch mit einem kurz gegriffenem Dolchmesser Schnitte ausführen, aber im Vergleich zu einem lang gegriffenem Dolchmesser, hat man mit einem kurz gegriffenen Dolchmesser eine wesentlich geringere Reichweite. Auf engem Raum dagegen mag eben das von Vorteil sein.

Aus diesen Überlegungen heraus würde ich sagen: Die Dolchstücke der Fechthandschriften behandeln vor allem deshalb zum überwiegenden Teil Situationen mit einem kurz gehaltenem Dolch, weil in ihnen ein Scheibendolch verwendet wird.
Und, darüber ob wir einen Dolch kurz oder lang ergreifen, hängt vor allem von der Gestaltung seines Gehiltzes ab.

Auch Achilles Marozzo untermauert das die Gestaltung des Griffs den Ausschlag für die Griffweise gibt. Und zwar durch Verzicht der kurzen Griffs. Er greift seinen Dolch überwiegend lang ... weil er keinen Scheibendolch verwendet.

Mann könnte einwerfen das eine kurze Griffweise auch fechterische Vorteile bringt. Das stimmt, so lässt sich z.B. mit einem kurz gegriffenen Dolch besser aus der eigenen Aktion heraus auf eine unerwartete gegnerische Aktion reagieren. Indem man dem Gegenangriff z.B mit der eigenen Waffe versetzt. Mit einem lang gegriffenen Dolch ist das wesentlich schwieriger.
Dafür sind Stiche mit einem kurz gehaltenem Dolch in ihrer Stichbahn recht vorhersehbar. Und durch ihren leichten Bogen, den aufgrund der störenden Scheibe beschreiben, relativ „langsam“.
Ein Mittelstich dagegen ist durch seinen direkten Weg wesentlich schneller. Zwar ist seine Bahn auch relativ klar, aber die Höhe des Stichs lässt sich sehr schwer einschätzen. Da sich der Ausführende erst ziemlich spät entscheiden muss ob er den Stich hoch oder tief treffen lässt.
Die Überlegung welche Griffweise welche Vorteile mit sich bringt könnte man noch fortsetzen. Ich denke jedoch nicht das die Vorteile der kurzen Griffweise derart überwiegen, das sie deren Dominaz in den Dolchstücken erklären.
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09.07.17
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Ein einschneidiges Hodendolchmessser das ich am Wochenende im Neuen Museum in Berlin gesehen habe. Dabei handelt es sich um eine Leihgabe des Deutschen Historischen Museums.
Das Dolchmesser ist auf das 14. bis 15. Jahrhundert datiert und wurde in Berlin Köpenick gefunden.
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06.05.17
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Die linke verkehrte Hand und der Kreuzversatz

Die linke verkehrte Hand ist im Dolchfechten einer der Standardversätze, viele Techniken in den Handschriften werden aus diesem Versatz heraus ausgeführt.
Zumindest scheint es so, wenn auf den Abbildungen zu sehen ist das der gegnerische Arm mit der linken verkehrten Hand ergriffen wurde.
Deshalb ging ich ursprünglich davon aus das es sich dabei um einen relativ einfachen Versatz handelt, den ein jeder, unabhängig von Statur und Kraft ausführen kann.
Als wir jedoch damit begannen mit immer mehr Druck zu trainieren, stellte ich fest das es ganz so einfach nicht ist.
Auf der anderen Seite war da der Versatz mit gekreuzten Händen. Er wird von den Verfassern vieler Fechthandschriften erwähnt. Jedoch empfand ich ihn lange Zeit als so lala. Funktioniert zwar, aber so richtig begeistern konnte mich der Versatz nicht. Ich empfand es als suboptimal beide Hände gleichzeitig für den Versatz zu nutzen. Und damit auf ein unabhängiges Arbeiten meiner beiden Hände zu verzichten. Aber wie schon oben gesagt, mit steigendem Druck im Training musste ich beides neu überdenken.

Zunächst zur linken verkehrten Hand: Als wir noch ausschließlich kooperativ mit einander trainiert haben, reichte es den Arm aufzuwerfen um den Oberstich aufzuhalten und den Arm zu greifen. Als wir die Intensität der Angriffe dann steigerten, merkten wir das es nur bedingt ausreicht.
Ist der Angreifer uns an Masse und Kraft unterlegen, reicht es aus einfach nur den Arm gegen seinen Stich aufzuwerfen. Ist der Angreifer uns jedoch gleich an Masse und Kraft, oder hat sogar noch ein wenig mehr davon, müssen wir alles dagegen setzen was wir haben.
Dazu muss die Kraft für den Versatz aus dem gesamten Körper geholt werden. (In Hans Talhoffers Cod. Icon. 394A kann man an der Darstellung der Oberhut sehen wie der Körper nach rechts eingedreht ist, um Vorspannung für den Versatz aufzubauen. Um dann im Versatz die Hüfte voll mit einsetzen zu können.) Tritt man im Versatz ein Stück nach links aus der Linie heraus, legt man auch noch das eigene Körpergewicht mit hinein.
Im Idealfall bringt uns der Tritt nach links aus der Angriffslinie heraus. So das wir anschließend in einem Winkel zu dem Angreifer stehen, der uns ein Eintreten und Ringen erlaubt.
Im Idealfall deshalb, weil das nur bis zu einem gewissen Masseverhältnis von Verteidiger / Angreifer funktioniert.
Aber auch mit vollem Körpereinsatz ist irgendwann Schluss, und es reicht nicht mehr. Ist es uns bei einem Stich durch einen uns körperlich etwas an Masse überlegenen Angreifers schon nicht mehr möglich nach links raus zu treten – fegt ein wesentlich an Masse überlegener Angreifer unseren Versatz mit seinem Stich einfach hinweg, und der Stich geht ins Ziel.

Es ist also nicht sehr erfolgversprechend den Oberstich eines körperlich überlegenen Angreifers mit der linken, oder auch rechten verkehrte Hand versetzen zu wollen.

An der Stelle kommt der Kreuz Versatz ins Spiel. Zwar bündelt der unsere beiden Hände am Waffenarm des Angreifers. Dafür ermöglicht er es uns jedoch dem Angriff die vereinte Kraft beider Arme entgegenzusetzen.
Da der Kreuzversatz sowohl die linke, also auch die rechte verkehrte Hand beinhaltet, kann man nach dem Blocken des Stichs je nach gegnerischem Druck mit Techniken aus der linken, oder rechten verkehrten Hand weiter machen.

Möchte ich damit sagen das die verkehrte Hand uneffektiv ist und man sich statt dessen lieber auf den Kreuzversatz konzentrieren sollte? Nein, möchte ich nicht. Die verkehrte Hand ist ein toller Versatz. Man sollte nur nicht blind ein Werkzeug wählen weil man es gewohnt ist, oder man es mag. Sondern man sollte stets ein geeignetes Werkzeug wählen.
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Dolchseminare mit Clemens

Solltet Ihr Interesse haben ein Dolchseminar / Kurs von mir zu besuchen, habt Ihr hier die Gelegenheit. Sollten sich weiter Termine ergeben wird die Liste aktualisiert.

Dolchkurs bei, Swordtrip the Gathering in München
8. und 9. April 2017
Thema: Durchwechseln, Umstechen und Zucken.
http://swordtrip.com/the-gathering


Dolchkurs beim Treffen historischer Fechter 2017
22. und 23. Juli 2017
Thema: Die zweite Hand
Anmeldung unter vorstand@Twerchhau.de
Informationen zu der Veranstaltung könnt Ihr unter der selben Mailadresse erhalten.
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Achilles Marozzo

Schon eine Weile habe ich nach Quellen zum Dolchmesser gesucht die auf das setzen von Schnitten eingehen. Zu meiner Überraschung habe ich, bis auf eine kurze Erwähnung von zwei Versetzen bei Paulus Kal, dazu so gut wie nichts gefunden. Bis ich den Tipp bekam mir mal Achilles Marozzo anzusehen.

Heute sind wir endlich mal dazu gekommen uns die Dolchstücke von Achilles Marozzo anzusehen und ich bin ziemlich begeistert. Kurz, schnörkellos und effektiv.

Im folgenden wollen wir Euch unsere ersten Interpretationen gern vorstellen. Wie gesagt, erst mal die Interpretationen. Für einen flotten Ablauf fehlt es noch ein wenig an Übung.
An der Stelle meinen Herzlichen Dank an Ariane für die Zeit und Mitarbeit.


Kapitel 53. Der erste Teil mit dem Dolch.

Begib dich mit dem rechten Fuß vorn in die Coda Lunga e Stretta. Setze
deinem linken Fuß nah zu dem rechten Fuß und wende deinen Blick
niemals von dem gegnerischen Dolch deines Feindes ab.
In dieser Position führe mit deiner rechten Hand zuerst einen Hieb
zu seiner rechten ungeschützten Hand. Egal ob er schlechter steht oder nicht,
setze aus dieser Position heraus einen Hieb in die Mezzo Mandritto.
Dein Dolch endet in der Porta di ferro alta, setze deinen rechten Fuß ein
bisschen vorwärts in Richtung seiner rechten Seite. Bei diesem Schritt bietet
sich dir die Möglichkeit seinen Angriff mit der rechten Schneide deines
Dolches, die sich in der Guardia di intrare befindet, zu versetzen.
Setze deinen linken Fuß mit einem großen Schritt vorwärts in Richtung seiner
rechten Seite. Und ergreife seinen rechten Arm von außen mit deiner linken Hand.
So kannst du ihm einen Roverso zu seinem Kopf oder mit einem Stich zur Brust versetzen.
Achte aber darauf das er seine linke Hand nicht zu deinem Waffenarm aufwirft.
Wenn du das erledigt hast, ziehe dich vier oder fünf Schritte zurück und begib dich in die vorgenannte Hut.

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