Shared publicly  - 
 
[Bitte sharen/reposten, wenn gefällt! :-) ]

Ja, dieser Abend war eine interessante Lektion in Sachen "Urheberrecht". Oder sollten wir lieber sagen: "neue Medien"?

Von Anfang an: unterwegs im Auto hörte ich das verlinkte Telefoninterview mit Sven Regener. Nicht wörtlich zitierte, eventuell hineininterpretierte Kurzaussage: "Alle Leute, die sich über die GEMA aufregen, bzw. der Meinung sind dass die aktuelle Sperrung von Musik(videos) auf Youtube Nonsens ist, sind scheisse und verlogen.Sie treten den Künstler und sein Werk mit Füssen. Die GEMA hat völlig Recht, und wir als Komponisten sind die GEMA."

Schön gesagt. Leider muss ich sagen, so wertkonservativ/kapitalistisch ich auch veranlagt bin - und der Zündfunk-Moderator deutet es auch sehr deutlich an - da ist wohl jemand beleidigt dass er in der digitalen Welt nicht mitspielen darf und seine Felle davon schwimmen.

Sehr geehrter Herr Regener, ich gebe zu, ich bin kein Fan ihrer Musik. Allerdings bin ich selbst GEMA-Mitglied - zum Glück nicht auf irgendwelche Geldflüsse darauf angewiesen. Ich bin bekennender Viel-Musik-Hörer-Und-Altmodisch-Kaufer (in meinem Schrank stehen CDs im Kaufpreis von geschätzt 6000-7000 Euro), und regelmässiger Konzertgänger (jährlich mehrere hundert Euro allein für Tickets). Und heute Abend, als ich Ihr Interview hörte, war ich unterwegs zu einem Konzert. Ich darf, grob übersetzt, einen Ausschnitt des Konzertes in der gut gefüllten Münchner Tonhalle rezitieren: "Wer ist auf uns im Radio aufmerksam geworden?" - einige melden sich. "Wer ist über MTV auf uns aufmerksam geworden?" - sehr wenige melden sich, zum Teil sehr zögerlich. "Und wer kennt uns von Youtube?!?" - etwa 90% des Saales heben die Hände.
Sie sehen, es ist nicht zwingend schlecht, nur weil sie es nicht gut finden, oder vielleicht auch nicht verstehen. Und es ist äusserst anmassend, dass die GEMA für alle von ihr vertretenen Künstler "definiert", dass ihr Standpunkt der richtige ist. Es ist ihr gutes Recht, dass Sie nicht an dieser Kostenlos-Mentalität teilnehmen wollen. Allerdings finde ich, dass wenn Sie glauben Ihr Standpunkt sei der einzig richtige, und automatisch auch der Einzig Wahre(TM) für alle (GEMA-vertretenen) Künstler, dann muss ich sagen: Sie leiden an akuter Selbstüberschätzung.

Noch ein kleiner finanzieller Überschlag:
Die GEMA verlangt einen öffentlich nicht genauer spezifizierten Betrag im Cent-Bereich pro Klick von Youtube. Seien wir konservativ - sagen wir 1Cent. Bei einem Song von 4 Minuten Länge entspräche das einer Ausschüttung von 0.25Cent pro Minute pro Klicker(sprich: Hörer)
Im Rundfunkbetrieb ist eine der GEMA anverwandte Institution zuständig, die GVL. hier beträgt der Vergütungssatz, den die Radiostation abführen muss (je nach Art des Senders usw.) im Allgemeinen 4Euro pro Sendeminute eines Songs. Dadurch ergibt sich sogar für winzige Lokalradiostationen mit 10000 Hörern für den selben Song mit 4 Minuten: (4 Min x 4Euro/Min) / 10000 Hörer = 0.016 Euro pro Minute pro Hörer! Und der Sender mit 10k Hörern ist mickrig, keine Station wie Antenne Bayern oder Bayern, mit Publikum im Millionenbereich.
Soviel dazu.
3
2
Add a comment...