Das Wirtschaftswort der Woche: Libor

Sag beim Abschied leise Servus… Der Libor, kurz für „London Interbank Offered Rate“, wird Ende 2021 eingestellt. Wie der Libor-Skandal 2013 zeigte, ist er zu anfällig für Manipulationen. Täglich melden Banken, zu welchen Zinssätzen sie sich von anderen Banken über Nacht Geld leihen können. Auf dieser Basis wird der Libor, ebenfalls täglich, berechnet. Der Libor selbst wiederrum ist Basiswert für Finanzprodukte in aller Welt im Wert von rund 500 Billionen Euro. Die Versuchung, den Liborsatz so anzupassen, dass er die eigenen Finanzspekulationen unterstützt, war für Derivate- und Geldmarkthändler offensichtlich zu groß. Das Bekanntwerden der Manipulationen trat eine Lawine von Klagen los, der Libor selbst wurde mehreren Anpassungen unterzogen. Offenbar erfolglos.

Was nach dem Libor kommt ist noch nicht klar. Offen bleibt auch, was mit den noch am Libor hängenden Finanzprodukten nach seiner Einstellung werden soll. Doch die britische Finanzansicht FCA ist sich sicher, dass der Übergang „planbar und reibungslos bewältigt werden kann.“ Die Bank of England favorisiert Sonia als Nachfolgerin. Die Abkürzung steht für „Sterling Overnight Index Average“. Sonia wurde von einer von der Bank of England einberufenen Arbeitsgruppe von Großbanken als bevorzugter Referenzzins für auf Pfund lautende Derivate und Kontrakte auserkoren. Die Schweizerische Nationalbank verlautete, man werde rechtzeitig eine Alternative bekannt geben. Die EZB verlässt sich auf Eonia, den „Euro Overnight Index Average“. Experten gehen davon aus, dass letztlich der Markt entscheiden wird, welche Alternative den Libor ab 2021 ersetzen wird.

Quellen:
Börsen-Zeitung, 28.07.2017, S. 1: „London ruft Ende des Libor als Referenzzins aus“
Börsen-Zeitung, 28.07.2017, S. 3: „Andrew Bailey versetzt Libor den Todesstoß“
FAZ, 28.07.2017, S. 29: „Skandalzins Libor soll ersetzt werden“
Manager Magazin, 27.07.2017: „Libor wird abgeschafft - Finanzaufseher drängen auf neues System“. http://tinyurl.com/y6v9sowt
Handelsblatt, 27.07.2017: „Tod einer Legende“. http://tinyurl.com/ybhhyth3
FAZ, 6.11.2013: „So manipulieren die Banken den Libor-Zins“. http://tinyurl.com/pwzm5jb




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