"Was also Risikogesellschaft angeht, gehe ich zunächst erstmal davon aus das Risiken unvermeidbar sind. Das heißt immer dann wenn Entscheidungen negative Folgen haben können, entsteht ein Risiko für den Entscheider. Und das damit weiter zusammenhängt, das andere von Entscheidungen betroffen sind, die selbst nicht mitentscheiden, also das Risiko als von außen kommend und gefährlich erleben. Entscheiden ist notwendig und zugleich für andere gefährlich. Und das ist der Punkt in dem ich nicht sehe, wie man diese Diskrepanz zwischen riskantem Entscheiden, unvermeidlich riskantem entscheiden, und Betroffenheit durch eine ethische Regel lösen könnte. Mir scheint das damit Anforderungen vor allem auf Politik zukommen, jedenfalls in der jetzigen Situation. Auch auf das Recht. Z.B.muss das Recht bestimmte Aktivitäten verbieten und/oder erlauben, ohne zu wissen ob sie letztlich schädlich oer unschädlich sein werden. Letztentscheidung ist, das schädliche wird verboten, das nützliche wird erlaubt. Da man es noch nicht weiß, muss man trotzdem schon jetzt. Und dafür müssen Rechtsfiguren entwickelt werden. Das Recht muss also an den Problemen lernen, und bestimmte Kategorien wie Vorsatz oder Fahrlässigkeit entwickeln, umdefinieren. Und das ist beispielsweise eine Sache, die man kaum der Gasetztgebung zumuten wird, das muss juristische Kunstfertigkeit sein. Und so in allen Funktionssystemen. In welches Funktionssystem man immer schaut, die Probleme des Risikos nehmen eine andere Färbung an, aber letztlich geht alles darauf zurück, das wir sehr viel mehr entscheiden, sehr viel mehr bewirken, und damit eine sehr viel unsichere Zukunft erzeugen können. Und ich stelle mir vor, das in der momentanen Situation doch die, ..die Frage immer wieder auf die Politik zuläuft und das wir den liberalen Verfassungsstaat, ebenso wie den sozialen Wohlfahrtstaat unter ganz neue politische Anforderungen stellen, wenn wir sagen: ihr müsst zwischen notwendigen Risiken und Betroffenheiten balancieren und sozusagen das Risiko einer politischen Entscheidung übernehmen, dem einen wehzu tun oder dem anderen, aber nicht das Volkswohl gleichsam insgesamt anzuheben und für alle etwas Gutes zu tun. Das ist eine andere Situation als die Freiheitskonzepte des liberalen Verfassungsstaates, die immer davon ausgingen, das man frei handeln könnte ohne anderen zu schaden, den Fall gibt es nicht. Die ganze Prämisse des liberalen Verfassungsstaates ist weg, das gibt es unter Risikoaspekten nicht. Immer schadet möglicherweise ein Verhalten anderen. Und auch der Wohlfahrtstaat, in dem es einfach nur um Verteilung von Guten Dingen ging ist irreal angesichts der   Risikosituation. D.h. nicht das diese Einrichtungen abgeschaffen werden könnten, aber es kommen neue Probleme auf die Politik zu. Und es ist ein Test für die Demokratie in gewisser Weise, ob wir das schaffen. " (Luhmann, N. () Beobachter im Krähennest, ab min. 34:15 )"
Shared publicly