Ulrich Schödlbauer: Unter Brüdern

»Du erinnerst mich daran, dass du gehen wolltest. Ich lasse dir den Vortritt. Du musst es wollen. Der erste Schritt ist der schwerste. Glaub mir, ich weiß, wovon ich rede. Danach ist alles halb so schlimm. Man steigt nicht zweimal in denselben Fluss: Geschwätz. Ich bin schon weg. Ich warte hinter dem Vorhang. Wenn du mich nicht brauchst: ich bin immer da. Du sollst es wissen, denn ich mag dich. Nie konnte ich mich von dir lösen. Gern habe ich dich getötet und dein Blut getrunken. Gib doch zu, es hat dir nicht geschadet. Es hat dich stark gemacht. Wie heißt es noch? Die Erde untertan... Das war mein Werk. Du hättest doch keinen Finger gekrümmt. Das wird sich nie ändern, alles wird immer schon geschehen sein. Du lebst von mir. Ich gebe dir ab. Ich bin großzügig. Du bist kleinmütig. Ich bin die Macht, du bedienst dich ihrer. Ich bin die Ohnmacht, du glaubst, es sei meine. Ich begehre auf, schon spielen deine Kräfte. Ich füge mich, schon hast du Ordnung geschaffen. Ich wachse nach, du verzehrst. Dann verzehre ich mich und du wechselst das Thema. Ich schreie nach dir. Du siehst mich an. Wer bist du überhaupt? Was nimmst du dir heraus? Habe ich es erlaubt? Wo ist dein Gedächtnis? Ich registriere alles. Glaubst du, ich bin dein Buchhalter?«
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