Heveling! Ich lach mich halb tot!
Mein Applaus gilt Ansgar Heveling. Und zwar, weil ich finde, dass er "die Internet-Gemeinde" so wunderbar am Nasenring durch die digitale Arena führt. Und ich lehne mich zurück und grinse. Um ganz ehrlich zu sein: Ich hätte einen Riesen-Spaß gehabt, den Artikel "Netzgemeinde, ihr werdet den Kampf verlieren!" genau so zu schreiben (http://bit.ly/ycbxCU) - und dann amüsiert zuzuschauen, wie die Netzgemeinde wieder einmal genau das tut, was sie immer tut: "Sie schlägt zurück" (SpON).

Der Artikel zeigt perfekt, wie berechnbar diese "Netzgemeinde" ist. Da macht der Heveling einen auf Schmetterling, aber man muss nicht die Chaos-Theorie zu bemühen um zu wissen, dass der kleine Flügelschlag einen "Sturm" (ein Stürmchen?) entfacht. "Die Netzgemeinde" ist fast schlimmer als die NSA - braucht man dort nur ein leises "Al Quaida" in die US-amerikanischen Telefone zu hauchen, um ein SWAT-Kommando zu aktivieren, reicht im Internet meist schon ein leises geflüstertes "zensieren!", um die das SBAB-Team ("Special Blogger and Basher") auf den Plan zu rufen. Und alle machen sie mit...

Heveling hat mit vielem Recht, was er sagt. Die zeitweise Überheblichkeit, die Selbstverliebtheit und die Hybris der "Gemeinde" ist tatsächlich bedenklich. Und indem Heveling das Maß verliert, spiegelt er nur eben diese Netzgemeinde, die in so vielem, was sie tut, ebenso maßlos agiert. Zumindest dann, wenn sie als machtvoll wahrgenommen wird, oder besser:. wahrgenommen werden will. Es gibt wunderbar differenzierte Beiträge in dieser Gemeinde, aber das sind meist die leisen. Hat sich Heveling tatsächlich "zum Gespött gemacht", wie SpON schreibt (http://bit.ly/xALrxM)? Oder macht sich die "Netzgemeinde" nicht gerade lächerlich, wenn sie wieder, einem stumpfen Automatismus folgend, auf alles einbasht, was (scheinbar) ihre Freiheit, ihre hohen Werte gefährdet? Da kommt wahrscheinlich Thomas Knüwer schon näher an die Wahrheit, wenn er vermutet, dass das Handelsblatt damit einen CC, ein Click-Coup, landen wollte. http://bit.ly/w6W0Mw.

Ich weiß nicht, ob es wirklich diese Netzgemeinde gibt. Vielleicht sind es wirklich (in Deutschland) immer dieselben 1.000, 2.000 oder 3.000 Menschen, die einen Krach machen wie Millionen. Die nicht einmal, zweimal oder dreimal, sondern die gleich einhundert Mal posten, kommentieren, bloggen und twittern - und so den Eindruck entstehen lassen, als ob Hunderttausende, ja sogar Millionen reagieren. Und die Welt zuckt zusammen: Hilfe, das Netz "schlägt zurück". Das ist eben das schöne im Social Web: Man kann vieles mächtig aufblasen.

Aber vielleicht ist das ja auch ganz anders. Vielleicht basht die Netzgemeinde gar nicht. Und vielleicht ist sie auch gar nicht politisch. Vielleicht hat sie einfach einen Riesen-Spaß daran haben, sich zu verabreden, zu organisieren und sich gegenseitig aufzustacheln ("Hurrah, unser Hashtag ist in den trending topics!"). Da geht es nicht mehr um Inhalte, sondern nur darum, wer den nächsten, den am meisten zitierten Anachronismus Tweet mit dem Hashtag #hevelingfacts landet. Ist die Netzgemeinde darin auch nur um einen Deut besser als das Handelblatt?

Das Lustige ist nur: Mit dem, was sie tun, geben sie Heveling recht: "Die mediale Schlachtordnung der letzten Tage erweckt den Eindruck, wir seien im dritten Teil von „Der Herr der digitalen Ringe“ angekommen, und der Endkampf um Mittelerde stehe bevor." Nun ist die Netzgemeinde erneut - in perfekter Schlachtordnung - ausgezogen um den nächsten Feind zu schlachten. Bis dann Morgen (oder übermorgen) der nächste kommt.

Ich weiß nicht, die Netzgemeinde muss m.E. aufpassen, dass sie irgendwann niemand mehr ernst nimmt. Die "Shit-Storms" und "Hashtag-Tornados" sind irgendwann kontraproduktiv. So wie ein lustiges Pupskissen, was immer unflätige Geräusche macht, wenn man sich draufsetzt. Heveling hat sich auf das Kissen gesetzt - und wie erwartet pupst es ein Kot-Lüftchen. Aber irgendwann dient das auch nicht mehr als Party-Gag, weil man zu sehr dran gewohnt ist.

Geht es Hevelling wirklich um Sopa und Pipa, wie SpON vermutet? Oder ist Heveling nur im Zusammenhang mit SOPA und Pipa aufgefallen, wie hölzern und berechenbar "die Netzgemeinde" manchmal daherkommt? Nicht, dass mich jemand missversteht: Ich habe weder was mit Heveling noch mit der CSU noch mit SOPA am Hut. Ich glaube, SOPA ist ebenso falsch wie Nicht-SOPA. Zumindest ein "Nicht Sopa" zu diesem Zeitpunkt. Ich glaube weder an einfache Lösungen noch an Revolutionen. Denn die frisst immer ihre Kinder. Die Art, wie "die Netzgemeinde" versucht, ihre Macht auszuüben, ist genau das Spiegelbild der Machtausübung der scheinbaren aktuellen Herrscher. Sie ist in keinem Deut intelligenter, geschickter oder nachhaltiger. Nur eben anders herum.

Auf dass die intelligenten Menschen die Oberhand gewinnen - hüben wie drüben. Mal schauen, ich lasse mich gerne überraschen ;-)
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