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Nicola Straub
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Der Verkehr in Georgien

Grundsätzlich kann man sagen, dass die Georgier begnadet gute Autofahrer sind. Wir haben nur ganz wenige Unfälle gesehen. Und das, obwohl die Straßen meist abendteuerlich sind, auch dort, wo es Asphaltbelag gibt. Denn auch hier gibt es Dellen, Löcher, Gräben mitten auf den Straßen, Gullis liegen oft sehr (SEHR!) tief und es kann auch vorkommen, dass ein Gullideckel komplett fehlt, also der Schacht offen liegt (das hatten wir in Kutaisi auf einer der Straßen, die zu unserem Hotel führten). Wenn man das in der brennenden Sonne, zwischen dem dichten und chaotisch wirkenden Verkehr oder nachts nur einmal übersieht, rappelt es nicht bloß, sondern man kann sein Auto womöglich dezent wegwerfen.

Man muss sich also in jedem Moment wirklich sehr auf die Straße konzentrieren, um sein Auto (und besonders so einen anfälligen "VIP-Car" wie unseren Hochglanz-BMW) heil über die Pisten zu bekommen.

Aver dann kommt der Verkehr hinzu. Der wie gesagt -- auf den ersten Blick völlig chaotisch wirkt. Das ist er aber nicht, denn es gibt durchaus Regeln. Fangen wir mit den Regeln an, die unsereiner kennt:

In den großen Städten gibt es Ampeln. Zwar dominieren auch hier Kreisverkehre, aber manchmal gibt es doch auch Ampeln. Und die sind oft echt genial gemacht, sie tragen nämlich Count-down-Anzeigen. Die zeigen die Sekunden an, die die jeweilige Farbe noch leuchtet. Ich sehe also schon von weitem, dass die nächste Ampel in 38 Sekunden auf rot springen wird und kann dann entscheiden, ob ich lieber Gas gebe, oder schon mal vom Gas gehe. Und während ich dann stehe, kann ich entscheiden, ob ich noch was trinke -- 26 Sekunden dürften dafür wohl reichen -- oder lieber doch nicht mehr (bis Vinnie- die Flasche vom Rücksitz geangelt und geöffnet hatte, blieben nur noch 11 Sekunden, Mist!). Das ist eine tolle Sache udn ich würde mir solche Count-down-Anzeigen auch für Deutschland wünschen!

Vorfahrtsregelungen: Bei manchen Kreisverkehren gibt es aufgemalte Vorfahrtszeichen. Die meist, aber nicht immer, zeigen, dass der Verkehr IM Kreisverkehr Vorfahrt hat gegenüber den einmündenden Straßen. Aber wie gesagt, nicht immer. Allerdings, diese Vorfahrtsregelungen sind von nur sehr untergeordneter Relevanz. Denn generell läuft der Verkehr nach diesen drei Grundregeln:

1.) Pragmatismus
Grundregel: Man fährt so, dass es passt.

Georgier kennen die Abmessungen ihrer Autos auf den Zentimeter. Und sie können Entfernungen und Lücken ebenfalls auf den Zentimeter abschätzen. Das ist ernst gemeint! Wie schon früher beschrieben, passen auf eine zweispurige, enge Straße mit Berg- und Talseite beim Überholen recht routiniert auch drei Autos nebeneinander, ohne dass dies jemandem den Puls hochtreibt (während ich auf dem Beifahrersitz fast gestorben bin vor Angst).

Vor allem aber ist dieses Können notwendig, weil weniger nach starren Vorfahrtsregeln gefahren wird, sondern eher nach dem Pragmatismus: Was passt wo durch. Für den Kreisverkehr bedeutet das, dass jeder einfach mal reinfährt, wo gerade noch ein Fitzel Platz ist und dann guckt man mal, wie man wieder rauskommt auf der anderen Seite. Bei sehr dichtem und langsamen Verkehr -- wie im Video -- ist das einfach nur irritierend, aber keine Herausforderung (solange es einen kalt lässt, dass die Autos aus allen Richtungen auch mal nur wenige Zentimeter Abstand haben, man muss dafür also nur einfach Optimist sein).

Über den Kreisverkehr in Batumi im Video mussten (oder wollten) wir an diesem Nachmittag gleich drei Mal: Zuerst noch mit Notrad hinten links und den neuen Reifen auf dem Rücksitz in Richtung Flughafen, um uns dort in einer Werkstatt die Reifen montieren zu lassen. Da floss der Verkehr praktisch exakt wie auf dem Video, kam aber nicht zum Stehen, sondern man kämpfte sich halt munter 'irgendwie' über die Kreuzung. Halt so, dass es für alle je nach Raumangebot, Platzbedarf und Richtung aufgeht. Das ist echt stressig und gleichzeitig wundersam. Weil es eben auch irgenwie immer passt. Beim zweiten Mal waren wir mit den neu montierten Reifen auf dem Rückweg. Ich hatte aber kurz vor der Kreuzung die wunderbaren Autowäscher entdeckt und beschlossen, deren Dienste in Anspruch zu nehmen. Darum fuhr ich nicht geradeaus über den Kreisverkehr, sondern nutzte ihn, um zu wenden. Und was soll ich sagen: Das klappte ebenfalls in dieser Form eines chaotisch wirkenden, aber irgendwie doch ideal ineinandergepuzzelten Tanzes.

Das Video machte Vinnie- dann bei der dritten Überquerung, also als das Auto frisch gewaschen war und wir nun tatsächlich auf dem Rückweg waren. Mittlerweile hatte der Verkehr noch weiter zugenommen. Und zum (späten) Abend hin kommt in Batumi dann eine Rush-hour auf, die irgendwie schon außerirdisch wirkt, vor allem wenn man bedenkt, wie wenige Einwohner die Stadt eigentlich hat.

2. Empathie
Grundregel: Man fährt so, dass es auch für die anderen passt.

Damit es passt, muss es auch für die anderen Teilnehmer passen. Georgier fahren vorausschauend und versetzen sich in die anderen hinein. Wenn man gerade überholt und weiter vorn eine Kuh halb auf der Spur steht, weiß man, der neben einem wird herüberziehen müssen. Also zieht man auch selbst schon passend herüber. So muss das Überholmanöver nicht abgebrochen werden und der Überholte muss nicht verlangsamen -- win/win!

Wenn ich in den Kreisverkehr hineinziehe, dann stimme ich mein Tempo und/oder meine Spur so ab, dass der, der gleichzeitig geradeaus hindurchschießt eben genau hinter oder genau vor mir vorbeischießt. Je nachdem, wie es besser hinkommt. Win/win!

Ganz entscheidend, um heil durch den Verkehr zu kommen, ist daher Optimismus. Oder Gottvertrauen. Oder beides. Und vor allem muss man berechenbar fahren. Wenn man zögerlich fährt oder nicht weiß, wohin man will, dann ist man auch für die anderen Fahrer nicht "lesbar". Dann wird es gefährlich. Also immer eindeutig fahren. Alles ist besser, als zögerlich zu fahren oder sich gar urplötzlich umzuentscheiden. Wobei Georgier mit ihrem siebten Sinn auch auf plötzliche Richtungswechsel oft bewunderswert schnell reagieren. Aber besser ist es, notfalls einfach falsch abzubiegen. Und zwar nicht nur, wenn man einen Irrtum zu spät bemerkt, sondern u.U. auch einfach aus Rücksicht auf den Verkehr:

In Kutaissi mündet die Einbahnstraße, in der unser Hotel steht, leicht schräg auf eine der Hauptverkehrsstraßen. Die ist aktuell im Bau, also abschnittsweise aufgerissen und geschottert, wird aber je nach Verkehrslage meist pro Richtung dreispurig befahren. Rechts Richtung Zentrum in diese Hauptstraße einbiegen, ist meist ganz ok, weil -- Empathie! -- der anrauschende Verkehr ein wenig Platz macht und man sich dann sozusagen seitlich in den Autostrom hineinschummeln kann. Links abbiegen ist ebenfalls erlaubt, aber zum einen wegen des Einmündungswinkel schwierig, vor allem aber, weil ja praktisch nie alle sechs Spuren der insgesamt vierspurigen Straße frei sind (oder wenigstens vier/fünf). Weil schräg versetzt gegenüber unserer Einmündung auch eine Straße abgeht, gibt es den Trick, erst rechts zu fahren und dann direkt links abzubiegen, um auf dieser gegenüberliegenden Einmündung zu wenden und sich danach wieder rechts abbiegend dann in der gewünschten Richtung zu befinden. Das bedeutet aber, dass man sich durch alle vier Straßenspuren der Hauptstraße (also sehs Autoreihen) kämpfen muss und dann noch auf der kleineren Straße wenden (also durch im Schnitt drei Autoreihen, die die einen überholen sowie zwei Gegenspuren.

Als wir mit dem Taxi zum Flughafen fuhren, setzte unser Taxifahrer kurz an, um diese Methode des links Abbiegens anzuwenden. Aber er sah praktisch sofort, dass das nicht wirklich praktikabel ist. Ich glaube in Deutschland hätte es Leute gegeben, die sich wirklich irgendwie in die Mitte gestellt hätten und darauf gepocht, dass linksabbiegen möglich sein müsse -- was eine schöne S(t)auerei gegeben hätte. Unser Taxifahrer sah aber sofort, dass er beim aktuellen Verkehr keine Chance haben würde und brach seinen Versuch sofort ab. Er wählte stattdessen einfach eine andere Route aus der Stadt heraus. Sehr pragmatisch und vor allem Einsichtig, was die Gesamtsituation betrifft.

Wir mussten drei mal nach links aus unserer Straße heraus. Beim ersten Mal war es wie bei der Taxifahrt, keine Chance für den Wende-Trick und schon gar keine für ein direktes Linksabbiegen. Auch wir wählten daher die pragmatische Lösung, eine ganz andere Route aus der Stadt zu nehmen. Auch beim zweiten mal gab es keine Chance und ich versuchte mein Glück gar nicht erst. Stattdessen fuhren wir einfach bei nächster Gelegenheit zweimal links und kamen so über eine Einmündung in gewünschter Richtung zurück auf die Hauptstraße. Beim dritten mal, als wir uns auf den Weg machten, vor der Abgabe unseres Wagens noch eine Wäsche für ihn zu suchen, hatte ich aber Glück -- warum auch immer kam eine Lücke im Gegenverkehr auf und ich konnte durchhuschen und per anschließender U-Wendung direkt auf die Hauptstraße drauf. Fazit: Man muss einfach immer flexibel sein, und auf die momentane Verkehrslage stets so reagieren, dass es für alle optimal passt.

3. Die realen Vorfahrtsregeln
Grundregel: Es gibt ungeschriebene Vorfahrtsregeln.

Auch wenn es so scheint, als würde einfach jeder so drauflos fahren, gibt es doch sozusagen ungeschriebene -- aber dennoch klar erkennbare -- Vorfahrtsregeln, die festlegen, wer im laufenden Verkehr Vorrechte hat und wer wenn nötig den Weg freigibt. Die Vorrechte sind, soweit ich das beobachtet habe, wie folgt gestaffelt:

- Wer forscher (und schneller) fährt, hat Vorrecht
- Wer das schnellere Auto hat, hat "vorrechter"
- Wer das teurere Auto hat, hat "am Vorrechtesten"

Darum hatte ich mit unserem Luxusauto eigentlich auch wenige Probleme: Der BMW war ein VIP-Car und schnell und hatte allein dadurch schon "höhere Rechte" im Verkehr. Solange ich nicht zögerlich fuhr, bin ich nur sehr, SEHR selten in Situationen gekommen, wo ich mich bedrängt, geschnitten oder ähnliches gefühlt habe. Eigentlich hielten sich nur die Kühe, Esel und Sauen nicht dran, mir Platz zu machen.

4. Kommunikation (und Hilfe)
Hupen ist freundliche Kommunikation

Es hupt ständig um einen herum. Man darf aber nicht den Fehler machen, dies als "Motzen" misszuverstehen. Hupen ist vielmehr normale Kommunikation und durchaus freundlich gemeint. Denn allein mit Tele- und Empathie ist das Chaos nicht sicher beherrschbar, nicht einmal für Georgier. Darum wird gehupt. Wer hupt, sagt damit, "Achtung, ich fahre jetzt durch". Das bedeutet auch, dass alle anderen dann entsprechend ausweichen oder verlangsamen müssen.

Das klingt jetzt unpraktikabel und anfangs ist es auch sehr verwirrend, weil ja im dichten Verkehr ständig irgendwer hupt. Aber in der Realität funktioniert es ganz gut und ich habe mich auch hin und wieder der Hupe bedient, wenn ich nicht ganz sicher war, ob die Größe und der Glanz unseres Fahrzeuges allein ausreichen, zu dokumentieren, dass ich jetzt einfach durchfahren werde. (Leider ist die Hupe des BMW echt schwergängig gewesen, da muss echt nachgebessert werden für den Export!)

Manchmal wird aber auch nur gehupt, um jemanden zu grüßen. Das ist aber weniger verwirrend, als man denkt. Denn derjenige achtet in dem Moment eh auf den zu Grüßenden und man tut darum sowieso gut daran, ihm sicherheitshalber die Vorfahrt zu lassen.

Und schließlich gibt es auch die Helfer: Wo es echt schwierig wird, findet sich meist jemand, der hilft -- und beispielweise einen aus Parklücken in den fließenden Verkehr winkt. Oder wie am Mtirala-Nationalpark, wo uns auf der einspurigen Schotterpiste am Hang direkt hinter einer Metallplatten-Brücke eine Walze entgegen kam. Vor der Brücke befand sich ein Honig-Verkaufsstand und der Verkäufer, der usn soeben noch über die wackelige Brücke gewunken hatte, eilte aus seinem Stand, lotste uns den kleinen Hang zurück, organisierte das weitere Vorgehen der Walze und ermunterte uns später zum erneuten hochfahren.

Gut das war jetzt alles nicht soooo hilfreich gewesen, denn seine erste Winkerei hatte uns ja fast in die Walze getrieben und die zweite Winkerei brachte uns dann am Berg zwar etwas weiter und tatsächlich wurde es dort auch etwas breiter -- dafür standen wir dann sowohl Walze als auch noch Gegenverkehr gegenüber. Aber das ließ sich dann in "direkter Kommunikation" (Licht- und normale Hupe sowie Gestik) auflösen.

5. Einbahnstraßen
In den Städten sind viele Straßen Einbahnstraßen

Das ist eigentlich nur noch eine Randinformation: Wegen der Verkehrsdichte in Kombination mit der Enge der Straßen sind in den Städten sehr viele Straßen Einbahnstraßen. Das ist selbst bei etwas breiteren Straßen sinnvoll, schließlich braucht man ja die Breite, um den versunkenen oder offenen Gullis bzw. sonstigen Löchern auszuweichen, zu überholen etc.

Tipp: Man sollte sich nur eben darauf einstellen und seine Routen vorher entsprechend planen (Stichwort 'forsches, berechenbares Fahren'). Google Maps ist da übrigens keine Hilfe, die Richtungen werden dort oft falsch angezeigt. OpenStreetMap ist da besser.

Fazit:

Generell hat mir das Fahren in Georgien eigentlich richtig viel Spaß gemacht. Und hätten wir einen echten Offroader gehabt, wie wir ihn ja auch bestellt hatten, und nicht den super empfindlichen BMW X5, hätte ich auch wenig Nerven gelassen. Leider aber war der BMW eben KEIN Offroad-Auto, sondern in Wirklichkeit nur ein SUV, der vorgibt, ein Offroader zu sein. Dafür hat er sich mit Ausnahme der völlig ungeeigneten Reifen sogar gar nicht so schlecht geschlagen! Aber diese Reifen waren eine Katastrophe, nicht nur komplett desaströs für den Pass, sondern auch für die anderen Straßen. Ob es zum Mtirala-Park hoch ging, ins Gebirge des großen Kaukasus, ja eben sogar für die aufgerissenen Straßen in Kutaissi: Allzu oft konnten wir uns nur im Schritttempo vorwärts tasten und mussten dabei dennoch ständig zittern und bangen, ob die Reifen halten.

Und das Aufziehen des Notreifens auf dem Goderzi-Pass und das Herunterhoppeln auf eben diesem Minirad noch in der Nacht bis nach Batumi war rückblickend ein rieisiges Abenteuer. Mittendrin aber echt kein Spaß.

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Kutaissi — Der Abschied

Den letzten Nachmittag in Georgien verbrachten wir am Fluss in unserem Lieblingsrestaurant. Leider wurde an der Weißen Brücke gearbeitet, genauer: Sie wurde sandgestrahlt. Was für ein Höllenlärm, manchmal sogar lauter als die Singzikaden, die sonst immer die Geräuschkulisse dominieren hier und auch den Fluss mit Leichtigkeit übertönen.

Als der Vergnügungspark öffnete, fuhren wir noch einmal hinauf. Zuerst musste Vinnie- noch ein Klo-Abenteuer bestehen, aber dann endlich ging es auf das Riesenrad! Eine schöne Runde durch den lauen Frühabend mit einem tollen Blick über die Stadt.

Schon ging es mit der Seilbahn wieder herunter, einige letzte Einkäufe standen an (Antidurchfallkapseln für den Flug!!!) und nun gibt es noch eine letzte Runde Cocktails zum Abschied...

ნახკამდის Kutaissi 😘
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07.08.18
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Kutaissi hat uns wieder!

Der Reifen hat gehalten, die Fahrt war nicht so schlimm wie befürchtet und — tadaa! — hier sind wir wieder.

Es ist ein bisschen wie heimkommen...
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06.08.18
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Tag 19 — Hoch über Mestia

Endlich richtig gutes Wetter, nun wollen wir aber endlich wandern! Immerhin ist es auch die letzte Chance, denn morgen ist ja schon die Rückfahrt nach Kutaissi angesagt.

Mit Rücksicht auf Nels wenig belastbare Kondition (und weil auch ich mich vor der morgigen laaaangen Fahrt nicht völlig verausgaben möchte), verzichten wir auf die Gletschertour und wählen eine einfachere Route: In rund 8 km Entfernung gibt es einen Sessellift auf den Berg, von dort aus gibt es eine schöne, rund vierstündige Wanderung über den Berggrat und hinunter zur Talstation. Die Straße zum Lift ist ordentlich (geteert) und somit ist der Plan, mit dem eigenen Auto zu fahren.

Schnell noch Wasser gekauft, Auto beladen, Motor an — piiiiiep...

Eine bekannte Warnung erscheint: Achtung, niedriger Reifendruck

Diesmal vor links. Und: Gottseidank ist der Reifen NICHT platt! Statt nach Hatsvali zum Sessellift ging es daher erst einmal vorsichtig zur Tankstelle. Nach einiger Warterei dort bekamen wir den Reifen aufgeblasen. Wobei zunächst Verwirrung herrschte, weil niemand den Soll-Druck kannte. Der junge Mann maß also einfach rechts vorn und füllte dann links auf denselben Wert (2,1).

Zwischenzeitlich befragte Vinnie- den Bordcomputer, der bereits grünes Licht gab für alle Reifen. Dabei entdeckte ein anderer Kunde einen Infoaufkleber in der Fahrertür. Also wurde noch einmal nachgepumpt auf die dort angegebenen 2,2 bar — und nun heißt es hoffen und beten, dass der Druck hält.

Darum parkten wir unser Auto und stiegen EINMAL MEHR vorsorglich um auf ein Taxi, das uns dann nach einigem Verhandeln für 40 GEL zum Lift brachte.
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05.08.18
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Tag 17 — Mestia im Regen

So ein Mist: Wir sitzen in den Bergen und es schüttet wie aus Kübeln.

Nach gemütlichem Ausschlafen gehen wir noch guter Dinge zum Dorfplatz, um in einem Cafe zu frühstücken, das im Reiseführer empfohlen wird. Die Kinder sind zu träge und wollen nicht mit, aber als wir 50 m die Dorfstraße runter sind, kommt uns der Herr Li doch hinterher. Brrr, bei nur rund 18 Grad holt er sich noch schnell einen Pulli.

Im Cafe wähle ich einen Tisch direkt an der Hauswand. Der ist zwar niedrig und die kleinen Bänke daran sind eng, aber er hat den Vorteil, dass er unter dem Vordach geschützt steht. Nach unserem Erlebnis beim Essen gestern...

Und als hätte ich es geahnt, kaum steht der leckere Käsekuchen vor uns, bricht der Himmel auseinander. Na super. Wenigstens sitzen wir trocken, das Vordach hält. Allerdings wird es noch etwas enger, denn die herumstreifenden Streunerhunde suchen nun ebenfalls unter dem Vordach und unter unserem Tisch Schutz vor dem Regen. Es bildet sich sozusagen eine Schutzgemeinschaft und wir müssen die Füße einziehen.

Bei dem Gepladder kommen wir hier auch nicht mehr weg. Am Ende sitzen wir über drei Stunden fest. Genügend Zeit, um mit zwei Deutschen am Nebentisch (auch mit Hundebedrängung) ins Gespräch zu kommen und Reiseerlebnisse auszutauschen.

Wir bekommen Wandertipps — sie haben den nigelnagelneuen Rother — und erfahren, dass die Wanderstrecke zum Gletscher derzeit gesperrt ist. Doppelter Mist, das ist genau DIE Wanderung, für die wir hergekommen sind.

Als der Regen endlich so dünn wird, dass wir gehen können, versuchen wir, nähere Infos in der Tourist-Info zu bekommen. Die aber hat „Pause“ — um drei Uhr???!!!

Also geht es zurück zur Pension. Vorher halten wir an einer Bäckerei. Hier wird das super leckere Fladenbrot gebacken: Der Teig wird in ein längliches Oval auf ein Kissen gelegt und dann darauf in der Mitte etwas breit gezogen. Dann klatscht der Bäcker das Brot mithilfe des Kissens mit einer energischen Bewegung innen an die Wand eines runden, in den Boden eingelassenen Ofens. Er muss sich dabei ganz schön weit in den Ofen hinunterbeugen. Und es ist super heiß darin...!

Dort an der Ofenwand klebend backt das Brot, bis der Bäcker es nach wenigen Minuten mit einer langen Stange mit Haken dran herausfischt.

Wir wollten nur ein Brot, aber wir mussten warten. Denn die Frau und ein Polizist vor uns kaufte 14 Stück. Wir hatten dadurch genügend Zeit, den Bäcker zu beobachten.

Zwischendrin gab es etwas Verwirrung: Ein Tourist kam nämlich hinzu und fragte nach Fisch. Man erklärte ihm, dass dies ein Bäcker sei. Ja, wo es denn dann Fisch gäbe, fragte er weiter. Das konnte offenbar nicht einmal der Polizist beantworten, nur Vinnie- gab geistesgegenwärtig den Tip: „Perhaps in the river?“, was den Touristen aber sichtlich nicht zufrieden stellte.

Dass es wenig ratsam ist, an diesem Fluss — oder sind es eigentlich sogar zwei — auch nur irgendwas zu versuchen, zeigte sich uns dann später am Nachmittag: Als es später weiter aufklarte, machten wir uns nämlich auf eine kleine Erkundungstour durch den Ort.

Dabei wagten wir uns auch über zwei Brücken. Unter ihnen, tief eingeschnitten in Fels, tobt das Wasser. Ich glaube, ich habe noch nie solch tobende Wasser gesehen, ziemlich gruselig und faszinierend zugleich.

Vom anderen Ufer hatten wir auch endlich einen schönen Blick auf den alten Ortskern mit den berühmten Türmen. Und weil die Wolken sich gehoben haben, können wir sogar sehen, dass der Fluss oberhalb des Ortes breit ist und wir erkennen auch den Schnee auf den Bergen.

Und die Info hat offen. Aber die Auskunft ist niederschmetternd: Der Weg zum Gletscher muss freigeräumt werden und wird auf absehbare Zeit nicht geöffnet. Und auch aus der alternativen Wanderung, die uns die deutschen Urlauber im Cafe empfohlen haben, wird evtl. nichts: Die Seilbahn fährt wetterbedingt nicht, man muss an jedem Morgen neu nachfragen.

Allerdings ist es gerade mit dem Wandern auch aus einem anderen Grund schwierig: Vinnie- hat eine engere Beziehung zum Klo aufgebaut. Auch die Dorfrunde müssen wir schließlich recht eilig beenden, weil es ihn zunehmend dringlich nach dem Örtchen sehnt. Wir holen schnell noch Bier und Bananen im Supermarkt, dann müssen wir eilen. „Er erreicht den Ort mit Müh und Not...“

Abends essen wir darum am Buffet in der eigenen Pension. Zum Schluss die gute Idee: Zur Darmsanierung muss ein Dschdscha her!

Es dauert etwas, bis eine Bedienung an der Bar auftaucht. Und dann, bis diese den Dschdscha findet: In der großen Wasserflasche im Bar-Kühlschrank ist nämlich irritierenderweise kein Dschdscha, sondern... Wasser! Sie geht dann in den hinteren Bereichen suchen und findet den Klaren in einer 2-Liter-Bierflasche.

Eingeschenkt ist rasch, dann beginnt die nächste Suche: die nach Wechselgeld!

Als Vinnie- endlich mit dem begehrten Stoff zum Tisch kommt, sind gefühlt 20 min rum. Aber nun wird ja alles gut!

Doch dann: Ihgitt! Dieser Dschdscha, gebraut hier im Ort, wie Vinnie- stolz erklärt worden war, riecht extrem wie Uhu. Also wie das alte, echte Uhu. Das mit den echten Lösungsmitteln.

Und das Schlimmste: Er schmeckt auch so. Brr. Vinnie- beschließt, dass das Gebräu um so besser den Darm desinfizieren werde und kämpft sich durch beide Portionen. Vermutlich wird der Darm dann aber aseptisch sein.

Der Rest des Abends steht für den Wins aber erst einmal ganz herzlich m Zeichen der „Landflucht“ — trotz Banane und Dschadscha.

Morgen werden wir dann auf die Suche gehen nach „guten Bakterien“, die in das dann leergefegte Land einziehen und es wieder urbar machen wollen. So wie mittlerweile draußen der Regen wieder tobt, kann es allerdings sein, dass wir dafür ein Boot brauchen...
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03.08.18
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Tag 13, Montag, 30.7.: Wanderung zum Wasserfall und zum Bergsee

Zuerst ging es auf dem anständig präparierten Pfad fröhlich voran. Der Park beherbergt eine tolle Vegetation. Jeden Tag hängen Wolken in den weiter oben an den Hängen stehenden Bäumen und es regnet auch täglich — daher der Name „Heulsuse“: Die vom Meer aufsteigenden, dick beladenen Wolken fangen sich hier an den Berghängen und laden ihre Fracht dann dort ab.

Laut Infotafel gibt es hier noch den Colchischen Waldtypus. An einem einmaligen „Rhododrendron-Grove“, bei Walnuss- und Esskastanienbäumen stehen Infotafeln, irgendwo fließt Wasser in und über einen kleinen Tank und überall wachsen Farne hüfthoch. Am gegenüberliegenden Hang dampft der Wald Wolken aus.

Bald geht es auf Steinen über einen kleinen Bach, vorbei an jungen Leuten, die an „Zipleinen“ durch den Wald „fliegen“, und dann geht es fortlaufend steil hinauf.

Zu steil, zu heiß, zu schwül - ein Kreislauf macht das nicht gut mit. Nachdem Pausen auch nicht gut helfen, hilft unterhaken und rhythmisches Quatsch-Reimen.

Und dann hört man das Rauschen und eine Kurve weiter, noch über einen Baumstamm geklettert: Da ist der Wasserfall!

Hübsch ist er! Vier Engländerinnen klettern schon im Wasserbecken herum, stellen sich unter den Wasserfall und machen Fotos. Man sieht ihnen an, dass das Wasser eisig sein muss.

Egal! Vinnie- ist der Schnellste beim Umziehen und schon steht er am Wasserfall. So richtig drunter mag er gar nicht, aber was tut man nicht alles für ein Foto! Übrigens ist es auch schwer, es genau unter dem Guss auszuhalten. Das Wasser kommt mit einen Mörderschlag herunter dort...

Auch ich schaffe es irgendwann unter den Wasserfall — brrrr. Und wie lange es dauert, bis schließlich auch Nel fertig und dann für das Foto zumindest hinter dem Wasserfall ankommt. Knips, knips, und schnell raus aus dem eisigen Guss!

Nur der Herr Li verweigert sich: Zu viel Hudel mit dem Umziehen, zu unwirtlich die Wassertemperatur und die nächste Besuchergruppe — diesmal Russen — ist auch schon da.

Jetzt wollen wir noch zum „nahegelegenen“ See. Ist ja direkt um die Ecke, also geht es im Badeanzug los. Doch der Weg ist viel länger als gedacht und auch schwieriger zu gehen, vor allem in Bade-Flip-Flops. Das gibt zwei blöde Stürze, Aua!

Und die Mücken schwirren... Endlich ist der kleine See erreicht, hier gibt es noch etwas mehr Trubel als am Wasserfall, aber alles noch in einem netten Ausmaß. Auch die Engländerinnen sind hier wieder zugange. Diesmal ziert sich Vinnie- (der Herr Li sowieso), aber Nel und ich trauen uns.

Und es ist einfach HERRLICH!!

Kalt, ja. Aber auch so klar, so erfrischend, weich, gegen die Strömung schwimmen und dann auf dem Rücken liegend zurücktreiben lassen, die vorüberziehenden Baumkronen ansehen dabei... wir beide wollen gar nicht mehr heraus. Aber die Vernunft siegt.

Auch Vinnie- tauchte kurz in den See. Und gerade als alle heraus sind, beschließt auch Herr Li, den See zu testen. Solidarisch gehen Nel und ich noch einmal mit hinein. Aber dann reicht es — genug Eiswasser für heute.

Umziehen und Abmarsch zurück zum Besucherzentrum. Auf dem Weg, der und jetzt viel kürzer vorkommt, grasen nun Kühe. Vinnie- gelingt ein wunderbares Portraitfoto 🐮 Wir wählen am Ende die Route über die Hängebrücke zum „besseren“ Hotel des Parks, holen uns Cola und einen Muffin und schlendern die letzten Meter zum Besucherzentrum auf der Straße.

Dort angekommen gönnen wir uns auch es endlich das Eis, das man uns schon zweimal ans Herz gelegt hatte: Das „thailändische Eis“ sei super lecker. Wir denken da zwar an Eis mit Sushi-Geschmack, wollen es nun aber endlich kosten.

Und es ist wirklich lecker. Vor allem ist aber die Zubereitung ein Erlebnis. Das Eis wird nämlich gemäß Wunschgeschmack vor den Augen des Kunden hergestellt: Auf eine vereiste Platte wird Sirup (Erdbeere, Schokolade, Karamell) gekippt und auf Wunsch auch Oreokekse, Nutella (!) oder Banane, dazu wird Sahne gegossen und dann wird beides mit zwei Spachteln solange durchmischt, bis es gefroren ist. Am Ende wird die Masse ganz flach ausgestrichen und dann in Bahnen zu Röllchen abgeschoben. Fünf riesige Eisrollen ergeben eine Portion, sie passen kaum in den — eh schon sehr breiten — Becher.

So gestärkt, verabschieden wir uns, um uns nun endlich auf den Weg zur Küste zu machen.

Der verläuft ereignislos und So sind wir nun sind wir wieder „im Plan“: Drei Strandtage sind angesagt, im „Mana-Mana“ in Grigoleti Beach.

Hier unten am Meer ist es unheimlich windig, aber total warm, das Meer rauscht mächtig und wir wohnen direkt am Strand unter hohen Kiefern. Absolut traumhaft!
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03.08.18
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Tag 16 — Fahrt nach Mestia

Sehr herzlich war der Abschied von unseren Gastgebern in Grigoleti Beach. Barsche Zurückweisung unseres Versuches, Trinkgeld zu geben. Umarmung, Küsschen, „wait please“... Sie kehrt wieder mit einem Geschenkpaket mit zwei Tassen als Erinnerung.

Auf der „Parkplatz-Wiese“ sind wir zugeparkt. Kurzerhand wird die aufgehängte Wäsche zur Seite geschoben, die Leine mit einem Besen angehoben und so können wir unter der Wäsche durch hinausmanövrieren. Ich liebe diese kleinen Erlebnisse.

Zunächst geht es nach Poti, hier landete einst Jason auf der Suche nach dem goldenen Vlies. Ob er die Rioni-Mündung zum Anlegen nutzte? Wir freuten uns auch sehr, unseren Kutaissi-Fluss wiederzusehen, aber er ist hier riesig breit und groß — nicht wiederzuerkennen, wenn man an es mit dem reißenden Felsgehupferle vergleicht, an dem wir die Kutaissi-Abende verbrachten.

Wir müssen auch in Poti „anlegen“, denn es müssen die beiden georgischen SIM-Karten verlängert werden. Und wir brauchen Bargeld.

Geld ist schnell gezogen und dann geht es zum Telefonladen. Noch einmal 1500 MB Datenvolumen für zwei Wochen - das kostet schlappe 3 Lari. Drei Lari sind ungefähr ein Euro...

Aus Gerechtigkeitsgründen kaufen wir dann auch für Nele ein SIM-Karte mit Datenvolumen. Also noch einmal drei Lari berappen — plus zwei Lari für die Karte selbst und das Einsetzen und Konten aufladen ist im Preis enthalten.

Diese Aufladungen werden an Terminals vorgenommen, solche Teile stehen hier in den Städten an jeder Ecke. An jeder! Man kann dort offenbar alles mögliche zahlen/buchen/aufladen, die Bildschirme sind voller Logos und man sieht oft Leute davorstehen, herumtippen, Münzen einwerfen...

Der Laden von „beeline“ war dank beeline-App schnell gefunden. Er liegt (noch) an der Haupt-Einkaufsstraße. Diese beginnt hinter dem Standesamt — auch hier weht wieder die EU-Flagge — und ist in einem abenteuerlichen Zustand. Die Bürgersteige fehlen komplett und der Straßenbelag auch teilweise. So ist alles eine Fußgängerzone, allerdings läuft man über Schutt und Sand und Matsch. Vor einer Apotheke ist ein richtiger See, auch zu vielen anderen Läden muss man über Bretter balancieren. Schnell werden auch noch Getränke und „Notriegel“ besorgt, im „Wallmart“ 🤣

Alles erledigt, ab nach Mestia. Die Fahrt geht durch ewig lange, schnurgerade Allen mit riesigen Platanen. Ich liebe Platanen!

Dann endlich beginnen die Berge. Die Straße ist top, alles fährt weiterhin 80-90 km/h. Aber es ist nur noch wenig Verkehr, sehr angenehm. Eine breite, langgezogene Kurve, top Straßenbelag. Warum auch immer, ich beschließe vom Gas zu gehen. Glücklicherweise, denn halb um die Kurve ist die Straße voller Kühe.

Ich wundere mich ja eh immer, dass es so wenige Kuh-Unfälle gibt, aber irgendwie haben die Leute wohl einen sechsten Sinn und der hat sich übertragen.

Tatsächlich gibt es oft Vorwarn-Hinweise, beispielsweise wenn mehr Kuhfladen an/auf der Straße liegen. Und es gibt auch „Zeiten erhöhten Kuhaufkommens“, nämlich am frühen Abend, wenn sich die Tiere von selbst auf den Weg machen — wohin auch immer.

Weiter geht es auf bestem Straßenbelag in die Berge, wir nähern uns einem gigantischen Stausee. Und Hunger kommt auf, also Augen auf nach einem Restaurant mit Seeblick!

Kurz nach einer Pinkelpause rauschen wir an einer unscheinbaren, kleinen Hütte vorbei — aber aus dem Augenwinkel sehe ich hinter der Hütte den See durch die Bäume blinken.

Eigentlich blöd, schon wieder anzuhalten. Zudem schwierig und mühsam, auf der Kurvenstrecke zu wenden. Aber irgendwie habe ich das Gefühl, es könne lohnen.

Und WIE es lohnte. Von der Terrasse des Holzhäuschen-Restaurants eröffnet sich ein grandioser Blick auf den Stausee. Das Wasser leuchtet in der Sonne türkisgrün.

Wir setzen uns auf die Terrasse, die Bestellung ist einfach, denn der junge Wirt spricht gerade so ausreichend Englisch („yes/no, one, two, three, four, very good“, mehr braucht es ja auch nicht). Das Essen — super leckere georgische Küche natürlich — kommt rasend schnell. Und gleichzeitig hat uns der Regen eingeholt, der uns unterwegs schon begegnet war.

Der Wirt bringt einen Schirm und steckt ihn in die Tischmitte, wir rücken eng an den Tisch und eine Weile sieht es so aus, als würden wir so klarkommen. Aber dann legt der Regen noch eine Schippe nach und wir müssen doch ins Häuschen-Innere fliehen.

Hier gibt es genau zwei Esstische, der eine ist belegt, zum anderen tragen wir unsere Teller und setzen uns.

„Sorry, sorry“, entschuldigt sich der Wirt für das Wetter. Und während wir uns wieder unseren leckeren Essen zuwenden, kommt er mit einer Flasche Hochprozentigem. Den georgischen „Cognac“ haben wir schon im Mana-Mana kennen- und nicht besonders schätzen gelernt.

Aber da muss Vinnie- nun durch, wie es geht, nämlich auf einen Schlag wegkippen, weiß er mittlerweile und so erntet er volle Anerkennung vom Wirt. Und: Hier schmeckt der „Cagnac“ auch besser.

Gleich gibt es noch einen. Und dann noch einen für den Herrn Li, der nach längerem Drängen einmal nippt. Danke nein, das Glas geht also auch an Vinnie-.

Ich bin als Autofahrerin raus (Gottseidank!), da kommt der Wirt schon wieder mit der Flasche. Diesmal gibt einer der Männer vom anderen Tisch einen aus, Vinnie- will schon wieder kippen, kann grad noch stoppen, denn es gibt einen Trinkspruch! Getrunken wird auf:
🔲👆👆

Auf was?

☝️☝️

Auf 🙏?

Ja, (bekreuzigt sich).

Alles klar, auf den Herrgott — und runter damit. Das war dann das vierte Glas auf Ex — und die Schnapsgläser hier sind halbe Eimerchen!

Gut, dass wir zwischenzeitlich aufgegessen haben. Die Kids und ich verschwinden zum Klo, Vinnie- zahlt und bis wir uns alle am Auto wieder treffen, hatte er noch zwei weitere „Cagnac“ und hat zudem schon fest vereinbart, dass wir in vier Tagen auf der Rückreise wieder einkehren werden.

Weiter geht die Fahrt. Immer entlang des riesigen, türkisgrünen Stausees. Bald wird die Straße schmaler, bleibt bis auf einige Schotterstellen aber zweispurig. Zudem gibt es weiterhin wenig Verkehr und die paar Lastwagen, die uns begegnen, treffen wir auf freier und breiter Strecke und nicht an den haarigen Stellen.

Die gibt es vor allem dort, wo Tunnel noch im Bau sind oder eben an Stellen, wo Teile der Straße abgerutscht sind. Dann geht es das betroffen Stück einspurig und über Schotter entlang.

Aber an vielen Stellen gibt es bereits Tunnel. Allerdings liegt seltsamerweise auch in den Tunneln manchmal Geröll, da muss man aufpassen, vor allem, weil die Tunnel unbeleuchtet sind und man im ersten Moment beim Einfahren aus der prallen Sonne ins Dunkle ja nicht gut sieht. Einmal steht im Tunnel auch eine Kuhherde, der Fahrer vor mir sieht sie rechtzeitig und durch sein Bremsen bin auch ich vorgewarnt. Das ist bequem und wir fahren laaaaange Zeit hinter diesem Auto — auch ein X5, aber schmaler (älter?) — dessen Fahrer sehr, sehr vorsichtig (manchmal nervig übervorsichtig) fährt. Bestimmt auch ein Touri im Leihwagen, denken wir.

Der will wohl auch mach Mestia? Aber irgendwann fährt er rechts ran und ab da haben wir keinen „Vorkoster“ mehr. Dafür kann ich dadurch zügiger fahren, denn ich möchte unbedingt vermeiden, in die Dunkelheit zu kommen.

Dank zunehmend vieler „offroad“-Einlagen der Straße und der sich wegen der Berge endlos ziehenden Schlängelei klappt das nicht ganz, kurz vor Mestia hat uns die Dunkelheit eingeholt. Aber wir konnten die genialen Bergpanoramen gerade noch im Hellen genießen und es sind am Ende nur zwei, drei Kilometer, die wir wirklich im Dunkeln fahren.

Dann sind wir endlich da. Uff, das waren dann insgesamt doch sechs Stunden Fahrt und ich bin entsprechend dankbar, angekommen zu sein. Parken (seeeehr abschüssig, ich lege zusätzlich zur Handbremse sicherheitshalber noch Steine vor die Vorderräder), einchecken und:

Ein Bier!
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02.08.18
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Tag 12 — 2.) Mtirala Nationalpark

Irgendwann ist dann das „Besucherzentrum“ des Parks erreicht. Wir halten, um uns zu orientieren, wo das Hotel ist, da kommt man schon zu uns ans Auto. Keiner kann Englisch, aber schnell ist ein junger Mann gerufen, der sogar hervorragend Englisch spricht. Später zeigt sich, dass auch der Zentrumsleiter (?) eigentlich ausreichend Englisch kann.

Es stellt sich heraus, dass auch das Besucherzentrum Zimmer hat, einfache, sehr günstige. Ob wir nicht diese wollten? Sie seien zwar wirklich einfach, aber man könne uns auch ein BBQ zum Essen machen...

Klingt super, das Holzhaus liegt direkt am Bach/Fluss, am Ufer stehen Zelte mit jungen Menschen, es sind Studenten, die im Park irgendwelche Voluntärdienste machen. Und es soll sogar noch weitere Germaneli geben. Tatsächlich steht um die Ecke ein Esslinger VW-Bus! Die Schwaben reisen aber gerade ab.

Es stellt sich heraus: Die Zimmer sind ordentlich, sauber, sehr schlicht. Sogar mit Klo/Bad, wobei diese schon etwas muffig sind. Alles verströmt FDJ-Sommerlager-Flair. Es gibt auch kein WLAN. Und auch keinen Mobilfunkempfang — wir sind wirklich von der Welt abgeschnitten.

Dafür furchtbar nette Leute. Wie wir es eigentlich überall erleben.

Zunächst gehen wir zum Bach, die Kinder voraus, während wir uns noch den einzigen „Showroom“ des Nationalpark-Besucherzentrums kurz ansehen: Ein Reliefmodell und einige Infotafeln (es gibt Bären im Park!) — alles liegt im Dunkeln und es wirkt, als gäbe es keine Besucher, die jemals hier hineinkommen. Draußen werden auf einem Regal aber Honig angeboten und eine bunte Sammlung Trinkflaschen. Man könnte denken, die wären alle von Besuchern — welchen Besuchern nur? — vergessen worden, aber sie sind doch eher zum Verkauf gedacht.

Als wir am Bach ankommen, sind die Kids schon wild herumgeklettert und wir erfahren: “Li hat eine Wasserschlange gefunden!“

Nach kurzer Suche findet er sie tatsächlich wieder. Und wirklich: Es ist eine Schlange, sie liegt unter einem Stein versteckt und reckt nur den Kopf hoch zur Wasseroberfläche. Als wir alle um sie herumspringen geht sie auf Tauchstation und kommt nur noch zum Atmen hoch. Später verdrückt sie sich dann irgendwann auch ganz.

Verdrücken tut sich auch der Herr Li leider recht schnell. Die völlige digitale Abgeschnittenheit frustriert ihn. Wir restlichen drei genossen aber die Bachidylle in vollen Zügen, Nel baute ein „Kaulquappen-Aquarium“, wir fingen vier, drei davon — Tick (dick und schon mit kleinen Hinterbeinstummeln), Trick (mager und ohne Beinansätze) & Track (dünn mit Beinansätzen) — durften dort einzihen. Die erste Kaulquappe hatten wir in die Nähe der Schlange gesetzt, aber der Quapp war klug genug, dieser nicht vors Maul zu schwimmen.

Als wir später hochgingen, fand sich Bier, eine untrinkbar süß-künstliche Limonade und ein Dartspiel. Nel spielte erst Dart mit ihrem Vater, später mit einem Dreikäsehoch, für den sie den halben Abend dann noch wie eine große Schwester die für seine Arme zu hoch steckenden Pfeile aus der ganzen Wand holte. Später spielten wir Karten und es war insgesamt wirklich ein ganz zauberhafter Abend!

Das gilt auch für das Essen: Uns wurde alles angeboten, was sie auf den Grill bekamen, und so saßen wir schließlich vor einer riesigen Grillplatte mit Huhn, Schwein (der zunächst angebotene Fisch wurde wieder zurückgezogen, denn er stellte sich wohl als leider nicht mehr gut heraus), diversen Gemüsen und dazu auch die leckere, knallrote Soße — der „georgische Ketchup“, der unvergleichlich viel leckerer ist, als jeder Ketchup der Welt.

Weil alles so billig war, nahmen wir gleich noch ein drittes Zimmer. Das ist auch ganz gut so, denn dadurch kommt Herr Li wenigsten zu etwas Schlaf, nur ein die halbe Nacht hindurch bellender Hund nervt ihn, weswegen er trotz Hitze die Fenster geschlossen hält. Von wegen Nationalpark-Stille!

Auch Nel hält das Gebell wach, außerdem haben wir trotz Fliegengitter am Fenster Mücken und auch eine nervige Fliege im Zimmer. Und eine Mörderhitze — eine Klimaanlage gibt es hier ja nicht.

Unter der Hitze leidet auch Vinnie- ganz furchtbar, in seiner Not steht er fünfmal auf und macht sich komplett nass, viel Schlaf bekommt er so auch nicht. Nur eine schläft tief und fest durch: Ich.

Wegen Arbeiten an den Leitungen hieß es, gebe es erst am 10:00 Uhr morgens warmes Wasser. Das Frühstück hatten wir deshalb für halb elf bestellt, mein Wecker ging um 9:45 Uhr. Noch etwas dösen, dann aufs Klo — soweit noch alles gut. Ein zweites Mal spülen ging dann aber nicht mehr. Es gab gar kein Wasser und das blieb auch so erst einmal.

Und wir stanken. Nicht nur etwas, sondern wirklich schlimm. Ob gut geschlafen oder halb durchwacht, wir alle waren die Nacht über im eigenen Schweiß gut durchmariniert worden. Wir stanken wie Wildschweine.

Etwa zwanzig nach 10 machte ich mich fertig, um zum Bach hinunter zu gehen und mich dort zu waschen. Auf dem Weg am Bad vorbei höre ich es tröpfeln: Yeah, das Wasser ist da!

Es kam tropfenweise und kalt. Immerhin konnte man mit Geduld dann das Klo noch einmal spülen. Bei gekipptem Duschkopf formten die Tropfen ein winziges Rinnsal und das reichte Nele und mir für eine „wirksame Notwäsche ohne Haare“. Glücklicherweise fanden sich zwei Haargummis, so konnten wir die miefigen Zotteln wegbinden.

Auch die Jungs schafften eine Wäsche und als wir auf der Terrasse erschienen, dampfte dort eintolles Frühstück: Rührei mit Käsefüllung, Brot, Tomaten, Honig, Tee — richtig liebevoll gemacht alles mit Engagement und Stolz der wirklich tollen Besucherzentrums-Männer..

So gestärkt verschwand unser Gepäck im Auto und wir machten uns — zu Fuß — auf den Weg: Zu einem schönen Wasserfall, unter den man sich auch stellen kann und zu einem kleinen See, in dem man schwimmen kann.
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31.07.18
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Tag 12 — 1.) Abreise aus Batumi

Unglaublich, wie perfekt das heute geklappt hat: Aufstehen, alle durch‘s Bad jagen, packen, Minifrühstück — Abmarschbereit pünktlich um 11:00 Uhr. So gut hat das noch nie funktioniert!

Auch das Wiederfinden des Autos, das etwas entfernt an der Piazza geparkt war, klappte gut und wir fanden geradezu perfekt durch das Straßendickicht auf die Ausfallstraße und heraus aus der Stadt. Wie genial.

Eigentlich hatten wir überlegt, einen Abstecher zum Mtirala Nationalpark zu machen und dort die kurze Wanderung zu einem hübschen kleinen Wasserfall.

Doch ehe wir uns versahen, fanden wir uns auf einer Autobahn wieder, von der Google nix wusste — und keine Abfahrt in Richtung des Parkes. Andererseits waren die Berge auch wolkenverhangen, das sah eh nicht gerade einladend aus. Und wir hatten Hunger!

Also fuhren wir auf der Autobahn weiter und dann herunter zur Küste, wo wir uns ein Strandrestaurant suchten (mit der Skyline von Batumi noch am Horizont) und erst einmal aßen.

Jetzt waren wir sogar schon fast bei Grigoleti Beach, wo unser nächstes Hotel, das „Mana-Mana“ auf uns wartete. Aber rechnen die eigentlich schon so früh mit uns? Schnell mal die Reservierung checken... Doch was ist DAS???? Wir sind einen Tag zu früh aus Batumi abgereist!

Wir Chaoten hatten die Nächte abgezählt, aber vergessen, dass wir durch den ungeplant verfrühten Passabstieg ja eine Nacht zu früh in Batumi ankamen und somit eine Zusatznacht hatten...

Was tun? Verfrüht ins Mana-Mana? Och nö. Zurück nach Batumi? Doppeltes nö von mir!!!

So kam der Mtirala Park wieder ins Spiel. Dort soll es auch ein Hotel geben, allerdings ist die Straße in den Park mal wieder mit „dringender Empfehlung zu Vierradantrieb“ versehen.

Was soll‘s, schlimmer als der Goderzi-Pass kann es wohl kaum sein 😉

Also fuhren wir auf der Küstenstraße zurück und dann hinauf in den Nationalpark. Die Wegweiser empfehlen mal wieder eine andere Route als Google, aber wir wissen ja mittlerweile, dass Google in Georgien oft schief liegt (Tipp: die Openmap-Karten sind deutlich akkurater, nur haben wir die leider nicht heruntergeladen und sind deshalb bei der Offlinenavigation auf Google angewiesen).

Anfangs ist die Straße nigelnagelneu gemacht. Erstes Abenteuer an der Strecke: Eine Bretter-Hängebrücke über den Fluss. Die muss natürlich sofort ausgiebig getestet werden!

Direkt neben der Brücke hängt die Stromleitung übers Wasser. Wenn die mal in den Fluss stürzt... Ein Schild warnt darum dringend vorm Baden an dieser Stelle.

Aber die Brücke ist klasse — und in der Mitte sind die seitlichen Gitter aufgerissen: Wetten, dass hier die Dorfjugend ins Wasser springt?! Die Stromleitung wird schon halten...

Weiter gehts, aufwärts Richtung „Heulsuse“, so die Übersetzung des Parknamens. Die Straße wird erst einspurig und (für unser Monsterauto) eng, es gibt aber von Zeit zu Zeit Kleine Ausweichbuchten und auch Schotterbereiche, wo es breiter ist. Bald endet es in reiner Schotterpiste. Arme neue Reifen! An einer Stelle wird heftig gearbeitet und uns kommt eine Walze entgegen plus Gegenverkehr — wir müssen zurücksetzen und dann wird kurz gestenreich „ausgehandelt“, wer wie fährt. Wie immer klappt das gut.
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31.07.18
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Text folgt...
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28.07.18
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