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Sabine Rahe
Unser Morgen wird anders sein, wenn wir das Heute verändern. H. Gilhaus
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Om bhur bhuvaha svaha
Tat savitur varenyam
Bhargo devasya dhimahi
Dhiyo yonah prachodayat

https://www.youtube.com/watch?v=BSmToj9VZ4s
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Kassel

Ich weiss nicht, ob ich je mit Dir besprach,
wie ich mich als Studentin in wilder Fahrt
vor etwa drei Jahrzehnten
in Kassel auf dem Weg am Weinberg
auf meinem alten Rad
den Hang zur Au hin
vollkommen ungebremst
herabgestürzt hab?

Ich habe damals wie heute noch nicht verstanden,
was mir denn dazu wohl Einfall und Anlaß gab.

Sicher wollte ich spüren,
was es bedeutet
und ob ich damit klarkomm,
und ob es lohnt, was zu riskieren,
wie es sich anfühlt, wenn ich so stark beschleunigt und
ungeschützt den Abhang herunterras.

Außerdem ist mir das Bremsen
eher gefährlich, bei dem Tempo
und dem Schub, erschienen.

So liess ich’s einfach laufen
und konzentrierte mich auf die Lenkung
und meine Körperspannung,
denn unten war ja Platz genug
zum Ausrollen.

Ich sauste schneller als die Autos
und der Fahrtwind wehte mir die Haare
aus meinem Gesicht.
Ich spürte nur am Anfang
– bevor ich wirklich losschoß –
ein ganz klein wenig Furcht.
Trotzdem gelangte ich in Sekunden
zu jenem, mir noch heute so präsenten,
waghalsigen Entschluß.
Dann hatte ich genug damit zu tun
alles zusammenzuhalten.
Ich meine, dass ich die so freigesetzten, schauerlichen Kräfte
freudig, staunend, mit gepressten Lippen,
dahinfliegend genoß.

Und von jetzt aus denk‘ ich sebstverständlich,
ich stand damals vermutlich unter einem guten Stern,
denn tatsächlich ging dann – ganz unerwartbar –
glücklicherweise alles gut.

Ich erinnere mich an diese Schußfahrt zu meiner Verwunderung und sehr gern.
Das alte Fahrrad hat weniger, als man vermuten kann, gerappelt und geklappert.
– Und dagegen ich, die keinen Laut von sich gab.

Ich weiss allerdings auch heute nicht,
war es einfach dumm oder hatte ich Mut?
Na, wenn ich richtig nachspür,
dann weiß ich’s doch:
Mich trieb wohl Ungeduld und Neugier.
Es drängte mich – so ist’s gewesen –
überbordende Sehnsucht
nach Abenteuer und lebendigen Leben
in meinem Alltagshier.

Und sag‘ mal, ich möchte D i c h gerne fragen:
Hat’s bei Dir sowas auch gegeben?
Stehen ebensolche Sachen,
wie hier beschrieben,
in der Erinnerung vor Dir?
https://www.die-dorettes.de/dorettes/kassel/

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März

Filigrane, gelbe Kräne stechen in des Großstadts
zugezogenen Himmels Grau.
Eine S-Bahn rauscht mit Glockenklängen
in einiger Entfernung rechts an mir vorbei.

Meine Tritte tappen gleichmäßig schlappend auf dem Pfad
aus dunkelfeuchtem Asphalt.

Mir selber zum Vergnügen strenge ich mich nun mehr an.
Ich gebe mir Mühe, erhöhe meine Spannung
und horche noch etwas genauer hin.
Tatsächlich – jetzt höre ich, sehr leise,
das Gurren einer Ringeltaube von etwas weiter her herüberklingen.
Da erinnere ich mich und ich lächle, weil mir einfällt,
dass Du sie nicht leiden kannst.
Ich sehe noch Deine Wut und Erbitterung vor mir,
die Du jedesmal angewidert hochwürgst,
sobald eine Dir zur Last fällt
– mit ihrem einschmeichelndem, gurrenden Gesang.

An der Kreuzung steht ein Auto.
Das Fiepen der gehaltenen Bremse tönt schrillend in meinem Ohr.
Auf der anderen Seite kram ich tastend meinen Schlüssel
aus der Tiefe meiner Hosentasche vor.

Unter dem Baugerüst, einige Häuse weiter,
treten fünf Männer aus dem Haus.
Zögernd und prüfend, wer von uns ausweicht,
nehme ich das Tempo aus meinen
vorwärststrebenden Schritten heraus.
Nun, etwas langsamer, gehe ich weiter
und höre mir ihre untereinander ausgetauschten,
scherzenden Abschiedsformeln an
– mir erscheinen sie munter und heiter.
Sie necken einander und wirken erleichtert,
freuen sich auf’s Wochenende
und den Urlaub, der schliesst schon morgen
an diesen grünen Donnerstag sich an.

Ich passier sie mit einem großen Schritt,
um dem Unrat unter mir zu überbrücken,
dann schlägt die Haustür hinter mir zu.
Durch ihre geriffelten Glasfenster fällt nur spärlich Licht.
Daran muß ich meine Augen kurz gewöhnen
bevor ich mich vorwag – geradezu.

So klettere ich, fast im Dunklen, die alten Stiegen
in den ersten Stock hinauf
und schliess die Tür zu der mir so wohlvertrauten,
wenngleich gerade winterlich verstaubten,
zur Hälfte südausgerichteten Wohnung auf.

Zuweilen erscheint sie mir finster – als ein einziges und elendes Verlies,
– jedesmal, nach kurzer Dauer, wieder graue Schleier
auf den gerade geputzten Scheiben
und draussen laut rumpelnd und
– bis in die vorgerückte Nacht anhaltend
– stetig geschäftiger Betrieb.

An sonnigeren und ruhigeren Tagen verschuf sie mir hingegen
Geborgenheit und ein diesseitiges Paradies.
Dann hab ich sofort vergessen,
was mich an ihr, an schlechten Tagen, so sehr ärgert und verdriesst,
– dann reiss ich mich sowieso leicht zusammen
und weiss zu schätzen, was mir von uns verblieb.

Ja, Du sollst über mich nicht sagen,
dass ich – wie immer – viel zu viel verlange,
völlig verwöhnt und elend undankbar bin
– so ein altes, dauernd heulend, jaulend
und sich selbst bejammernd,
schrecklich scheußlich maulendes, sackermentverlassenes Biest.

https://www.die-dorettes.de/dorettes/maerz/

Statt praktischer Philosophie, habe ich heute etwas zur Philosophiepraxis im Angebot. Was meint Ihr?

Weil dann meist schon nicht mehr zugehört wird, ist es ungeschickt die Schlußfolgerung in einer Argumentation vorweg zu nehmen. Natürlich hat es Gründe die Pointe vorzuziehen – so schnell wie möglich eine Antwort geben, wer weiss, ob man noch zum Begründen kommt.

Je nachdem, wie der Leser oder der Diskurspartner dann den noch unbegründeten Satz auffasst, fällt er bereits ein Urteil über ihn, ohne dass die Begründung dann noch vordringt. Daher wirkt es unter Umständen unbeabsichtigt konfrontativ.

Ich weiss selbst nicht, ob es mir je gelingen wird, das umzusetzen. Aber vielleicht kann ich damit entscheidend vorankommen.

Ist die Selbstverpflichtung zur Wahrhaftigkeit pathologisch?

Word?
„Auch gegenwärtig gilt gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Erfolg als Bestätigung für die Erfüllung der moralischen Pflichten des Inividuums. Wer hier den Nachweis von Effizienz nicht erbringt, dem wird Amoralität auch heute unterstellt. Mitgefühl und Verbindlichkeit gegenüber einzelnen Individuen gelten als irrational und entwicklungshemmend und werden als störende Hindernisse auf dem individuellen und gesellschaftlichen Erfolgsweg in den Hintergrund gedrängt. Eine Anforderung, die dem Zwang zur Progression und ihrem durch Erfolg begleiteten Nachweis der eigenen Effizienz ohne Rücksichten unterliegt.“
zur „protestantischen Ethik und dem „Geist“ des Kapitalismus“ von Max Weber von meiner Wenigkeit.

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Für Fans – Raum und Zeit als reine Anschauungsformen – sinnliche Bedingungen der Möglichkeit von subjektiver Erkenntnis. Zu Imanuel Kants transzendentaler Ästhetik, ein Vortrag von Violetta L. Waibel, 2012 in Wien.
https://audiothek.philo.at/podcasts/ringvorlesung-raum-und-zeit/07-raum-zeit-kants-konstruktion-a-priori-in-raum-u

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