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Peter Brandt
Historiker und Publizist
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Die SPD, die Partei Die Linke und das Jahr 2017

Das Ergebnis der Bundestagswahl im September 2013 löste in der SPD wenig Begeisterung aus, auch wenn die dadurch zustande gekommene Große Koalition von einer großen Mehrheit der Mitglieder – wenn auch bei vielen mit Vorbehalten – gebilligt wurde. Bei allen Klagen über das Wahlergebnis meinten jedoch nicht wenige Sozialdemokraten, dass nun aber zumindest ein Tabu gebrochen sei. Die Zeit der „Ausschlusseritis“, die Unmöglichkeit auf Bundesebene mit der Linkspartei zu koalieren, sei zu Ende...

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Der DDR-Historiker Ernst Engelberg
Einführung zur Herausgabe seiner Aufsätze zur Evolution und Revolution in der Weltgeschichte

Die Geschichtswissenschaft der DDR gehört – eigentlich selbstverständlich – zur Gesamtgeschichte des Fachs in Deutschland. Die für das Verhältnis der beiden deutschen Staaten bis 1989 charakteristische Beziehung wechselseitiger, wenn auch asymmetrischer Ausrichtung – ob konfrontativ oder kooperativ oder sei es in der für die 1970er und 80er Jahre vorherrschenden Kombination beider Aspekte – galt auch für die Historikergemeinden, ihre Organisations- und Äußerungsformen beiderseits der innerdeutschen Grenze.

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Von der verstohlenen Scham zur »unaufhörlichen Präsentation unserer Schande« – Zur Auseinandersetzung Deutschlands mit dem Nationalsozialismus seit 1945

›Scham‹ und ›Schande‹ haben etymologisch den gleichen Ursprung, und sie hängen im allgemeinen Sprachverständnis bis heute zusammen. Man schämt sich, weil bzw. wenn man etwas als Schande (oder harmloser: als Peinlichkeit) empfindet, mit dem man selbst direkt oder indirekt verbunden ist, sich identifiziert oder identifiziert wird. Persönliche Schuldgefühle sind dafür nicht unbedingt die Voraussetzung, auch wenn es in Deutschland nach 1945 derselbe Diskurs war, der um Schuld und Scham geführt wurde. Es liegt auf der Hand, dass Scham desto stärker empfunden wird, je persönlicher Schuld oder Versagen zugerechnet werden können. Entsprechend stark sind die Abwehrmechanismen. Es sollte deshalb nicht verwundern, dass die meisten wirklichen Täter weder Reue noch Scham zeigen konnten, gerade wegen der Monstrosität der Verbrechen.

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Weder Ost noch West – ein unabhängiger Linkssozialismus im geteilten Deutschland
Besprechung zu:
Tilman Fichter und Siegward Lönnendonker: Dutschkes Deutschland. Der Sozialistische Deutsche Studentenbund, die nationale Frage und die DDR-Kritik von links. Eine deutschlandpolitische Streitschrift mit Dokumenten von Michael Mauke bis Rudi Dutschke. Mit einem Vorwort aus östlicher Sicht von Rolf Schneider und einem Vorwort aus westlicher Sicht von Christian Semler, Essen (Klartext-Verlag) 2011

Weil nicht sein kann, was nicht sein darf, sind einzelne Zeithistoriker und Journalisten seit den 90er Jahren eifrig bemüht, die Protestbewegungen und die Fundamentalopposition in der Bundesrepublik seit den 50er Jahren als nicht nur objektiv den Interessen der SED dienend, sondern auch von Agenten des DDR-Staatssicherheitsdienstes angeleitet, zumindest in hohem Maß beeinflusst darzustellen. Politisch handelt es sich darum, die Legitimität kapitalismuskritischer Positionen prinzipiell in Frage zu stellen. Das Beweismaterial für die behauptete Fernsteuerung ist in den zentralen Punkten alles andere als überzeugend. Gewiss gab es solche Versuche, und bestimmte Sektoren der westdeutschen Linken gerieten wiederholt unter direkten oder indirekten SED-Einfluss. Pauschal gilt das keineswegs, und es gilt am wenigsten für die linkssozialistische Haupttendenz des SDS in den späten 50er und frühen 60er Jahren sowie für dessen (schließlich mehrheitlichen) antiautoritären Flügel in den mittleren und späten 60er Jahren.
Das ist eines der Ergebnisse der 2011 erschienenen Untersuchung...

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Die deutsch-polnischen Beziehungen bis 1990 (unter Mitberücksichtigung der deutsch-russischen Beziehungen) (2010)

Wir sind gewohnt, auch für weit zurückliegende Zeiten von ›deutsch-polnischen‹ Beziehungen zu sprechen, obwohl wir es im Mittelalter und der frühen Neuzeit beiderseits nicht mit Nationalstaaten oder ihren unmittelbaren Vorformen zu tun haben, auch nicht mit Nationen im modernen Sinn, seien sie ethnisch-kulturell oder staatsbürgerlich definiert. Für das Heilige Römische Reich, das im 15. Jahrhundert, nach dem Ausscheiden Italiens und Burgunds aus dem Reichsverband, den Zusatz »Deutscher Nation« erhielt, ist dieser Tatbestand im Hinblick auf seinen bis zu seinem Ende 1806 nicht überwundenen lehnsrechtlich-genossenschaftlichen Charakter offenkundig. In ähnlicher Weise wie das Römisch-Deutsche Reich, wenn auch ganz anders gestaltet in seiner inneren Struktur und Regierungsform einer Adelsrepublik, war Polen vor den Teilungen des späten 18. Jahrhunderts ein trans- bzw. vornationaler und transkonfessioneller Staat. Die im Hochmittelalter beginnende deutsche Ostsiedlung darf schon deshalb nicht unter dem Blickwinkel der Volkstumskämpfe seit dem späten 19. Jahrhundert betrachtet werden.

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Deutsche Identität zu Beginn des 21. Jahrhunderts (2010)

Um meinerseits Klartext zu reden: Die Existenz und ständige Erneuerung von nicht-deutschen, gettoisierten Parallelgesellschaften, in denen soziale Ausgrenzungs- und ethnisch-kulturelle Absonderungstendenzen sich gegenseitig verstärken, scheint mir mit dem Gedeihen eines demokratischen und sozialstaatlichen Gemeinwesens, das auf Inklusion angelegt ist, nicht vereinbar. Demokratie braucht nicht nur die Akzeptanz gewisser Grundregeln und gemeinsamer politisch-weltanschaulicher Werte (wie der Menschenrechte), sondern auch ein Mindestmaß an kultureller und sozialer Homogenität, damit das Volk im politischen Sinn des Worten, der Demos, erkennbar und handlungsfähig bleibt.

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Vorbildliches Leben nach dem »Prinzip links«. Hermann und Gerda Webers Erinnerungen (2010)
Besprechung zu:
- Hermann und Gerda Weber: Leben nach dem »Prinzip links«. Erinnerungen aus fünf Jahrzehnten, Berlin (Christoph Links Verlag) 2006
- Hermann Weber. In Zusammenarbeit mit Gerda Weber: Damals, als ich Wunderlich hieß. Vom Parteihochschüler zum kritischen Sozialisten. Die SED-Parteihochschule »Karl Marx« bis 1949, Berlin (Aufbau Verlag) 2002
- Hermann Weber: Das Prinzip Links. Beiträge zur Diskussion des demokratischen Sozialismus in Deutschland 1848-1990. Eine Dokumentation, Berlin (Christoph Links Verlag) 1991 (zuerst Bonn 1973)

Hermann Weber ist – nicht anders als seine Frau Gerda, mit der er über ein halbes Jahrhundert in Liebe und geistiger Eintracht verbunden ist – eine Ausnahmeerscheinung, die aus einer anderen Epoche in die Gegenwart hineinragt. Weber, der im Jahr 2008 achtzig Jahre alt wird, macht sich in seinem jüngsten Buch fast leitmotivisch die bange Frage Heinrich Brandlers (1881-1967, 1921-1923 Vorsitzender der KPD, seit 1928 mit August Thalheimer führende Gestalt der kommunistischen Dissidentengruppe KPD-Opposition) zueigen: »Bin ich verrückt, oder ist die Welt verrückt?« Es mag Hermann und Gerda Weber eine Genugtuung sein, dass nach den Exzessen des Imperialismus und der Weltanschauungsdiktaturen im 20. Jahrhundert sowie der globalen Entgrenzung des Marktkapitalismus an der Wende zum 21. Jahrhundert auch unter Jüngeren die Stimmen wieder zunehmen, die darauf abheben, es sei höchste Zeit, die verrückte Welt gerade zu rücken. Denn die Webers verstehen sich nach wie vor als demokratische Sozialisten in der Tradition der Arbeiterbewegung einschließlich ihres marxistischen Strangs.

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Orientierungshilfe (2010)
Besprechung zu:
Edelbert Richter: die Linke im Epochenumbruch. Eine historische Ortsbestimmung, Hamburg (VSA-Verlag) 2009

Edelbert Richter ist ein bemerkenswerter Mann. Ich kenne ihn seit den späten 80er Jahren (schon davor war er mir ein Begriff) und stehe seit den mittleren 90er Jahren mit ihm in regelmäßigem Diskussionskontakt. Promovierter Theologe aus Thüringen, entsprechend geisteswissenschaftlich gebildet und geübt in der Textinterpretation, in der Honecker-Ära Oppositioneller demokratisch-sozialistischer Ausrichtung mit besonderem Gespür für die potentielle Brisanz der offenen ›deutschen Frage‹, Mitbegründer des »Demokratischen Aufbruchs«, bei deren Schwenk zu Helmut Kohls »Allianz für Deutschland« mit Schorlemmer und anderen Übertritt zur Sozialdemokratie, dort Europa-, dann Bundestagsabgeordneter, 2007 Wechsel zur Linkspartei. Dabei ist Edelbert Richters politische Position im Wesentlichen unverändert geblieben.

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Peter Brandt / Dimitris Th. Tsatsos: Von der Konstitutionalisierung Europas zu einer europäischen Verfassung (2010)

Die Ablehnung des Verfassungsvertrages durch einen beträcht­lichen Teil der europäischen Linken versteht sich als Opposition zu neo-liberaler Ideologie und kapitalistischer Globalisierung. Was an dieser Stelle kritisiert werden muss, ist nicht die grundsätzliche politische Haltung, sondern die Schlussfolgerung, die daraus entsteht, d.h. das Scheitern des Verfassungsvertrages und damit die Be­wahrung des Status quo als das weniger Schlechte in Betracht zu ziehen. Der Ver­fassungsvertrag ist ein möglicher Schritt, um die Handlungsfähigkeit der Europäi­schen Union auf fortschrittliche Weise auszubauen und somit die institutionellen Rahmenbedingungen zur Verteidigung des Sozialstaatsmodels und zur Reform der kapitalistischen Wirtschaft zu schaffen. Ob dies erreicht werden kann oder nicht, wird durch politische Konflikte entschieden werden.

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Die deutsche Revolution 1848/49 (2010)

Für eine ganze Generation, vor allem, aber nicht allein von Intellektuellen, war die Revolution 1848/49 das große politische Erlebnis schlechthin gewesen, das sie über alle Fährnisse des individuellen Schicksals hinweg für das ganze Leben tief geprägt hat. Sie hießen in den Folgejahrzehntenten die ›Achtundvierziger‹ (so wie man heute – mehr oder weniger plausibel – von den ›Achtundsechzigern‹ spricht).
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