Der Presseartikel / Théâtrorama (vom 27.2.2015, Ange Lise) hier auf Deutsch zu lesen:

Eine poetische Utopie… Manèges ist ein "moment de grâce". Clément Labails Theaterstück, welches der Verlag A verse kürzlich herausgebraucht hat, gibt Lust darauf, wieder Nomade zu werden, um sich auf die Suche nach einer neuen Welt, die es gemeinsam zu erfinden gilt, zu machen. Der Autor, in vollkommenem Einklang mit seinem Text, hat sich entschlossen, sich gemeinsam mit seiner Partnerin Christina Gumz auf eine theatralische Fahrradtournee zu begeben, von Berlin nach Paris, über Grenzen hinweg, um dabei einen Freiraum für Kreativität zu (er-)öffnen …

Wie ist das Stück entstanden?

"2002, wir kamen gerade vom Festival d’Avignon, wo wir im dortigen Ableger des Théâtre du Lucernaire Paris, in dem wir uns zuvor kennengelernt hatten – Christina Gumz und ich – aufgetreten waren. Elbhochwasser. Katastrophe. Wir waren nah dran, bei ihrer Familie, in der Nähe von Magdeburg. Die Bilder aus Dresden, und anderen Orten liefen stetig durch die Medien. Christina hatte dann die naive, aber auch schöne und ehrliche Idee von zwei Figuren – Freunde, Bekannte, oder ein Paar – , die die Welt neu erfinden, neu bauen wollen. Ich schrieb also ein erstes Stück. Der Titel: “Drôles d’Oiseaux”,  "Komische Vögel". Das war nicht gerade überwältigend. Und nach und nach hat es verwandelt, bis zur heutigen Form. Wir haben eine erste  Version in Paris gespielt, zu einem Zeitpunkt an dem wir auch unser Théâtre Au fil des nuages gründeten – 2005. Der damalige Titel war “Scène de Manège” und wir spielten es u.a. im "Au Café de Paris" (rue Oberkampf, Paris), in einem Café-Theater-Ambiente.  Die Veröffentlichung des Textes gab schließlich den Anlass für die Fahrradtheatertournee Berlin-Paris. Das Stück hat nun durch den Einfluss des Verlags den Titel “Manèges” erhalten, da seiner Ansicht nach der frühere Titel “Scène de Manège” (im Französischen in etwa gleichbedeutend mit "Szene im/eines Karussell(s)", und "Ehekrach") , abgesehen vom Wortspiel, nur ungenügend den Text vermittelte und nicht ausreichend dessen Tiefgründigkeit und all die Perspektiven, die er aufzuzeigen vermag, anschaulich machen konnte. Wir befinden uns zur Zeit bei der intensiven Vorbereitung der Tournee, die am 29. August 2015 in der UfaFabrik ihren Auftakt haben soll... alles ist in Arbeit. Wir haben Carole Massana gebeten, eine (französische) Schauspielerin, deren Spiel ich in Philippe Calvario's Inszenierung  von “Die bitteren Tränen der Petra von Kant”,  gesehen habe, uns zu helfen, um unsere Interpretation und Inszenierung zu vertiefen. Das Stück wird voraussichtlich in Deutschland auf deutsch, und in Belgien und Frankreich auf französisch gespielt – aber auch à la carte." 

Was symbolisiert für Sie das Karussell ?

"Das Karussell ist ein Bild für die Kindheit, die Freude, die Bewegung, die Reise, die Welt, die Familie… Ein Ort, der auch Angst machen kann, weil er einsperrt. Eine Mischung zwischen Eingeschlossensein und Ausbruch, einer Bewegung, die gleichbedeutend mit Reise, Freiheit und Leben ist. Das Stück, ganz wie ein Karussell, besteht aus mehreren Kreisen, die nacheinander und umeinander kreisen, um schließlich abzuheben, und Figuren und Zuschauer auf die Reise mitzunehmen. Manèges, Ménages, Kreise, Krise(n)… Durchzogen wird das Stück von Witzeleien und Komik, die frischen Wind in die sprachliche und körperliche Auseinandersetzung bringen und immer wieder lustig durchlöchern, denn alles hierin ist Appetit am Leben, – ruft danach, gerade wegen dieser Krise, ruft nach einem Leben mit all seinen Wünschen. Jeder versucht, die Sterne vom Himmel zu holen und den Volltreffer zu landen! Die Kreisbewegung(en), die Exzesse, das Wechselspiel von sehr unruhigen und leisen Momenten, dem barock Überschwänglichem auf der Bühne, geht schließlich auf das Publikum über und nimmt es mit – am Ende des Stückes machen die Zuschauer mit – und es ist als wäre dies die ganz natürliche Folge der Handlung, denn diese essentielle Figur, nämlich das Publikum, wird während des Stückes stetig einbezogen, genau wie die Gäste in einem Karussell."

Können uns mehr über Ihren Werdegang erzählen?

"Christina und ich haben uns also im Théâtre du Lucernaire, in Paris, kennengelernt, Ende September 2000. Wir hatten bereits erste Erfahrungen im Theaterbereich bzw. Ausbildungen hinter uns: Christina in der Magdeburger Region und ich in Rouen. Christian Le Guillochet, der damalige Direktor des Théâtre du Lucernaire, hatte uns für ein Theaterstück engagiert, mit dem wir dann auch nach Avignon gereist sind, eine tolle Gelegenheit. Es handelte sich um ein Theaterstück, das auf den Texten aus dem "Papotin" beruhte, einer Zeitschrift von Autisten. Cabu hatte das Plakat gezeichnet,  kostenlos… Die letzte Vorstellung fand im Cabaret Sauvage in Paris statt. Danach ging jeder seinen eigenen Weg. Ich gab Theaterkurse in verschiedenen Pariser Freizeitzentren während ich weiter an meinen Texten arbeitete, sowie auch in halb-professionellen Theaterprojekten. Christina hatte sich ihrerseits auf ihr Anglistikstudium konzentriert und sich in der Schauspielschule "Conservatoire d’arrondissement 11e et Centre" eingeschrieben. Nach der Maîtrise (4-jähriges Studium, Diplom) über das Theaterwerk von Samuel Beckett, haben sich unsere Theaterwege wieder getroffen. Ich schlug ihr “Scène de Manège” vor, welches ich in der Zwischenzeit überarbeitet hatte und sie mochte es.  Wir haben dann sehr schnell das Café de Paris gefunden und die Erst-Inszenierung in kürzester Zeit auf die Beine gestellt, gefolgt von weiteren Projekten. Schließlich kam ein Moment, an dem Christina wieder nach Deutschland ziehen wollte. Die Vorstellung, ihre Land besser kennenzulernen, gefiel mir. Jeder seine Runde! Uns so sind wir nach Berlin aufgebrochen – eine mythische Theaterstadt. Es gefällt uns dort sehr gut, doch da wir unsere Stücke in beiden Sprachen aufführen, möchten wir sehr gerne wieder auf französischsprachigem Gebiet spielen, Frankreich, Belegien… oder anderswo. Wir arbeiten daran."
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