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Reinhard Jahn
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gibt eine sehr, sehr zähe drei für den #Tatort "Auge um Auge" von Ralf Husmann und Peter Probst (Buch) und Franziska Meletzky (Regie)

Das kann nur Ironie gewesen sein, als Kommissarin Gorniak vom "CSI Dresden" sprach. Denn mit einem hochklassigen Krimi hatte das hier nun wirklich nichts zu tun. Eine schlaffe, zerdehnte Kriminalgeschichte um einen erschossenen Versicherungsmanager, der offenbar Opfer eines selbsternannten Rächers der Nicht-Entschädigten geworden ist (was wir als Zuschauer ehe ahnen als unsere Heldinnen), trifft auf eine zähe, uninspirierte Regie. Die gibt sich mit dem Abfilmen der Gänge von Personen, von Autofahrten und schließlich der hanebüchenen Inszenierung eines Showdowns im Versicherungspalast zufrieden.
Storymäßig unterfüttert wird das alles mit einem schulbuchmäßig aufgezogenen, politisch überkorrekt präsentierten B-Plot um die Flüchtlingshilfe und die Beziehungskrise von Kommissarin Sieland. Man fragt sich, warum Alwara Höfels sich nicht geweigert hat, diesen strunzblöden Couscous-Beziehungsdialog zu spielen – denn zusammen mit Karin Hanczewski als ihre Kollegin Gorniak (und natürlich mit Martin Brambach als Kommissariatsleiter Schnabel) gehört sie zu den Pluspunkten des Filmes. Bei den aufeinander eingespielten Serienfiguren stimmen in den Szenen wenigstens Timing und Stimmung, alle Episodenfiguren stehen irgendwie neben sich selbst. Das Beste macht da noch Arnd Klawitter aus der Rolle des smarten Arschlochs Reiner Ellgast.
Alles in allem gelingt in dem Film die Verschmelzung von Realismus und Komödie nicht – beide Bereiche scheinen um jeweils die Hälfte ihres Potentials reduziert – aber dabei kommt kein neues Ganzes heraus, sondern nur Stückwerk. Da wird das Hanni-und-Nanni-hafte der beiden Kommissarinnen betont und die Kapitalismuskritik dem Zuschauer so dick aufs Brot geschmiert, dass einem übel wird. Komplizierte Dinge sollen hier einfach dargestellt werden – und damit bleibt das ganze Unternehmen ganz einfach auf der Strecke. Waidmannsheil.

http://www.daserste.de/unterhaltung/krimi/tatort/sendung/auge-um-auge-100.html

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Vorweihnachtliche Krimi-Lesung mit dem Schriftsteller-Duo Karr & Wehner am 29.11. um 19.30 Uhr im Kettwiger Rathaussaal
Rechtzeitig zum Fest, zur winterlichen Lesezeit oder als alternative Bildungslektüre hat das mit Literaturpreisen mehrfach ausgezeichnete Autoren-Gespann Karr & Wehner zwei neue Kriminal-Geschichten im Gepäck.
Für alle Musik-Fans haben die beiden einen Krimi-Slam zum Elvis-Song "In the Ghetto" geschrieben. Denn ihre Geschichte In Tremonia übernimmt nicht nur Schnee, Kälte und Ghetto-Atmosphäre, sondern auch gekonnt den Rhythmus dieses Liedes.
Für alle Krimi-Fans haben die beiden eine schräge Ruhrgebiets-Story verfasst: Code Red - Einsatz für Manta-Claus, die uns auf einer Weihnachtsgeschenk-Tour der besonderen Art mitten durchs Revier führt, da wo es am „bottropigsten“ ist ...
Wir freuen uns auf einen amüsanten, spannenden und gemütlichen Abend! Die Lesung findet am 29. November 2017 um 19.30 Uhr im Rathaussaal in Kettwig statt. Eintritt: 3 €

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gibt eine gereizte drei für den #Tatort "Der Fall Holdt" von Jan Braren (Buch) und Anne Zohra Berrached (Regie)

Du schaffst das, Charlotte! Als Vorsitzender des Maria Furtwängler-Fanclubs habe ich volles Verständnis dafür, dass man jetzt auch mal versucht, die im Lauf der Zeit allzu glatt gewordene Figur der LKA-Kommissarin zu brechen. Also wird sie neunzig Minuten ungeschminkt und unfrisiert und wahrscheinlich auch ungewaschen hineingeworfen in einen mysteriösen Entführungsfall, der sich an einem realen (und ebenfalls unaufgeklärten) Verbrechen orientiert. Das macht das Drehbuch recht gut, es setzt die richtigen Höhepunkte und Wendungen und nimmt uns mit in einen spannungsreichen Kriminalfall.
Was nicht funktioniert, ist der Ansatz der Regie, das komplexe Ermittlungsgeschehen des Falles herunterzubrechen auf ein Kammerspiel im Hause Holdt. Wo dann Menschen am Rande des Nervenzusammenbruch aufeinandertreffen, sich anschreien und sich Vorwürfe machen - eine dysfunktionale Familie wie aus dem Bilderbuch, mit einem Patriarchen (in seiner Standardrolle: Ernst Stötzner), einer Mutti und einem missratenen, nervösen, cholerischen Schwiegersohn und Ehemann. Aljoscha Stadelmann sieht sehr schlecht aus als Frank Holdt, und man weiß nicht genau, woran das liegt – an der generell sehr konventionellen, teilweise nachlässigen Regie oder an einem falschen Ansatz für die Rolle.
In diese Gemengelage wirft der Film die Lindholm-Figur und verfolgt sie mitunter fast voyeuristisch bis auf die letzte Toilette und lässt sie zudem auch noch antreten gegen die Pleiten-Pech-und-Pannentruppe der örtlichen Polizei und des LKA. Dezentes Kollegen-Mobbing, ein ebenso klischeehafte wir inkompetenter Chef - man operiert hier hart an der Grenze zur Überzeichnung. Oder des zuviel-gewollt für schlappe neunzig Minuten. Fazit: Viel gewollt, nicht alles erreicht.

http://www.daserste.de/unterhaltung/krimi/tatort/sendung/der-fall-holdt-100.html

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gibt eine gruselige vier für den #Tatort "Fürchte dich" von Andy Fetscher und Christian Mackrodt (Buch) und Andy Fetscher (Regie)

»Es gibt eine fünfte Dimension jenseits der menschlichen Erfahrung (…) Dies ist die Dimension der Fantasie, das Reich der Dämmerung – die Twilight Zone.«
Der Tatort also im Schattenreich – vierundzwanzig Stunden, wie Kommissarin Janicke im rahmenden voiceover erklärt, nach denen nichts mehr so ist, wie es war. Wie wahr.
Die Geschichte um die gruseligen Vorgänge in der Vergangenheit des Hauses, in dem Kommissar Brix mit seiner "langjährigen Freundin" Fanny lebt, ist von der Story her so uninspiriert zusammengeklebt, dass es einen schon nach fünf Minuten nicht mehr interessiert, wessen Geist hier hinter wem herspukt und welche Schuld aus wessen Vergangenheit noch nicht gesühnt ist. Eine beliebige, triviale Erziehungsheim- plus Missbrauchsgeschichte wie aus dem RTL-Nachmittagsprogramm wird filmisch holprig und unsicher mit allerlei Zitaten von "Der Exzorzist" bis "Blue Velvet" umgesetzt, dass der Grusel selber auf der Strecke bleibt. Mit Ausnahme der toten Mutter, die irgendwie wie Alice Weidel aussah.
Man fragt sich, ob man wusste, was man wollte, als man den Film schrieb und inszenierte. Denn das ganze Projekt schafft die Gratwanderung der realistisch grundierten Horror-Geschichte nicht, es reißt immer zur einen oder zu anderen Seite aus und es ist oberflächlich, weil man sich nicht auf die Figuren und den Schrecken eingelassen hat. Oder man hat auf der anderen Seite nicht den Mut gefunden, sich konsequent mal einen Trash-Film zu gönnen, der nichts ernst und dafür alles auf die Schippe nimmt. So kommt nur ungewollt komisches und gewollt grusliges heraus – und damit ist nun keinem gedient – in der Twilight Zone.

PS: Das grusligste war dann doch noch der Anschlussfehler am Anfang, als Brix nach stundenlangem Rumgerenne im Regen schlagartig knatschtrocken auf den Dachboden steigt. (Dito der Notarzt, der im übrigen ein Rettungssanitäter war.)

http://www.daserste.de/unterhaltung/krimi/tatort/sendung/fuerchte-dich-100.html

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gibt eine solide drei für den #Tatort "Zurück ins Licht" von Christian Jeltsch und Olaf Kraemer (Buch) und Florian Baxmeyer (Regie)

Man kann natürlich sagen "Die haben alle einen an der Klatsche", wenn man das Figurenensemble des Filmes betrachtet – das mag sogar stimmen, greift aber zu kurz. Man kann nämlich auch von einigen exzellenten Sozio- und Psychogrammen sprechen , die der Film hier entwirft – anfangen von der sehr ernsthaften B-Story um Stedefreunds Beziehung zu LKA-Linda bis natürlich hin zur extremen Selbstoptimiererin Maria Voss, die den Film von ihrem ersten Auftritt an dominiert. Und das nicht nur, weil Nadeshda Brennicke sie – immer einen Tic drüber – als brandgfährliche Borderlinerin zeichnet. Eine Bombenrolle, aus der sie alles herausholt, unterstützt von der eleganten Fotografie des Filmes und auch begünstigt von der süffigen Regie, die den Figuren alle überflüssigen Dialoge verbietet und das meiste, was sie zu erzählen hat, mit Bildern erzählt.
Das sind dann Blicke hin und her – meist zwischen Männern und Frauen, das sind dann umkreisende Kamerabewegungen, immer wenn wieder mal etwas vollkommen außer Kontrolle gerät und das ist schließlich auch die spannungsvolle Schlussmontage, die endlich enthüllt, dass das gute Buch von Christian Jeltsch stringenter ist als es in den ersten dreißig Minuten des Filmes wirkte.
Die Rätselgeschichte um den Mord an den Pharma-Pleitier Ole Bergner wird da nämlich über weitere Strecken dem psychologischen Szenarium geopfert, die Krimi-Fragereien treten hinter dem Beobachten der Figuren zurück – exemplarisch gezeigt in der ersten langen Nachtszene, in der wir erfahren, wer in dieser Geschichte um wen kreist und wer es mit wem zu tun hat. Das mag in der Tat auf den Standard-Zuschauer etwas überspannt wirken, hatte aber seinen Platz in diesem Film, der uns nicht nur Stedefreund seinen längst verdienten Ausrutscher gönnte, sondern uns auch eine herausragende Leistung von Nadeshda Brennicke geliefert hat.

Zusatzpunkt für den coolsten Anmachspruch aller Zeiten: "Sie wollten auch mal mehr als das hier!"

http://www.daserste.de/unterhaltung/krimi/tatort/sendung/zurueck-ins-licht-100.html

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Hier gibt es Krimi auf die Ohren. Beim Hoermordkartell kann man Top-Stories zu hören bekommen.
https://hoermordkartell.de/Alle-Krimis:::3.html

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gibt eine gute zwei für den #Tatort "Der rote Schatten" von Raul Grothe alias Rolf Basedow (Buch) und Dominik Graf (Buch und Regie)
Das war ein großere Stoff und das war zum großen Teil auch großartig gemacht. In einer komplexen und außerordentlich gut geschriebenen Schachteldramaturgie nimmt Dominik Graf sich nicht nur der Theorien um den Tod der Stammheim-Häftlinge 1977 an, sondern auch der ganzen Rest-RAF-Geschichte danach – anhand des Schicksal des Doppelgänger-Doppelagenten Jordan. (Überraschenderweise entpuppt sich Hannes "Ich kämpfe für Tiere" Jaenicke als guter Schauspieler). Anfangs- und Endpunkt der Geschichte ist dabei der Tod einer ganz normalen Hausfrau in der Badewanne – als Unfall zu den Akten genommen – die vom verzweifelten Ex-Ehemann aus der Totenhalle entführt wird, um die Ermittlungen durch eine Obduktion in Frankreich wieder anzuschieben.
Was die Kommissare Lannert und Bootz dann bei den Ermittlungen finden – eben Jaenicke alias Jordan in seinem Gartenhaus – führt mehr uns Zuschauer als die Ermittler auf die Spur einer RAF-Rentnergang, die sich mit Raubüberfällen auf Geldtransporter beschäftigt – die entsprechenden Schlagzeilen der letzten Monate lassen grüßen. Und immer weiter verschachtelt sich die Geschichte in den unterschiedlichen Ermittlungsebenen – LKA, Staats- und Verfassungsschutz spielen mit- und gegeneinander, jeder hat irgendwo eine alte Rechnung aus RAF-Tagen offen oder eine Leiche (alias V-Mann) im Keller.
Der Komplexität der Geschichte entspricht die der filmischen Umsetzung – fast nie wird eine Szene nur an sich gezeigt – meist ist sie mit Zwischenschnitten zu Parallelstories montiert, die das Geschehen entweder als Lüge entlarven oder zumindest als Halbwahrheit, strategisches Handeln, Taktieren, Vertuschen.
Das ist alles in allem Politthriller auf höchstem Niveau – vielleicht mitunter etwas überfrachtet, vielleicht auch stilistisch dann wieder etwas altbacken auf dem Niveau italienischer Thriller aus dem Siebzigern – aber es war immer noch als Fernsehfilm weit über dem aktuellen Durchschnitt. Fazit: Graf ist King
http://www.daserste.de/unterhaltung/krimi/tatort/sendung/der-rote-schatten-100.html

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Premierenlesung
Spannende, kuriose und besinnliche Weihnachtskrimis von Autoren aus dem Ruhrgebiet vereint die Anthologie »Killer, Kerzen, Currywurst«, herausgegeben von der Bochumer Krimi-Expertin Almuth Heuner. Sie stellt ihren Weihnachtskrimi vor, ihre beiden Bodyguards Peter Märkert und H.P. Karr lesen ihre eigenen Stories. Das ergibt zusammen kriminell gute Weihnachtsunterhaltung
Das Buch:
Almuth Heuner (Hg)
Kerzen, Killer Currywurst,
Prolibris
ISBN: 978-3954751563

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gibt eine schwache drei für den #Tatort "Hardcore" von Bartosz Grudziecki (Buch) und Philip Koch (Regie und Buch).

Also erregend war das auf keinen Fall – weder in kriminalistischer noch in filmischer Hinsicht. Was mit einer halbwegs gelungenen Montage begann, zerfaserte später in allzu viele unzusammenhängende Einzelteile und Perspektiven. Die Tochter eines Staatsanwaltes als Pornomodel und Mordopfer – erdrosselt nach einer Gangbang-Party, organisiert vom durchschnittliche schmierigen Pornoproduzenten Olli Hauer. Und unsere beiden tapferen Ermittler schnüffeln sich – diesmal unter deutlicher Beteiligung ihrer beiden Sidekicks – durch die Münchener Pornoszene. Beziehungsweise durch das, was man dafür hält, beziehungsweise durch das, was man glaubt, dem ARD-Primetime-Zuschauer zeigen zu können.
Dass das geschilderte Milieu mit seinen Verteilungskämpfen und dem ständigen Produktionszwang und Innovationsdruck um mindestens zwei Generationen hinter den aktuellen Zuständen herhinkt – geschenkt. Was mehr stört, ist, dass der Film weder im Buch noch in der Regie eine eindeutige Haltung zum Thema Porno entwickelt. Mal wird saftig gekalauert, dann gibt es schmierige Sketschszenen wie die mit den Nacktmännern, die während des Gespräches ihre Armmuskeln trainieren, und es gibt – wie es beim TATORT halt sein muss, die üblichen Volkshochschuleinschübe: wer wie viel Pornos guckt und wie schlimm das alles ist. Sakrament!
Zum Scheitern an einer guten Milieuzeichnung (wie das geht, sieht man in der französischen Serie XANADU) kommt das Scheitern beim Kriminalfall – da ist wenig Überraschendes in den Motiven der Figuren, da wird hin- und her gefragt und mitunter auch einfach nur Zeit geschunden. Wer sich nach der dritten Szene mit der Freundin der Toten fragt, warum der Strang immer noch weiter verfolgt wird, ahnt, dass das was mit der Lösung zu tun hat. Vergeblich fragt man sich, was der Staatsanwalt eigentlich für eine Rolle spielt. Vollends in die Hose geht die ganze Ermittlerei dann in der Schlussszene auf der Big Bang Munich-Party, die fast als Travestie daherkommt. Und bei der die größte Regieleistung ist, mit drei Dutzend Nackten zu drehen, ohne Intimzonen ins Bild bringen.
http://www.daserste.de/unterhaltung/krimi/tatort/sendung/hardcore-100.html
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