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Sascha Pallenberg
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German Techblogger living in Taiwan - Founder of Mobilegeeks
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Anmerkungen eines Wirtschaftsfluechtlings zur PEGIDA-Diskusssion
Pegida, Bogida, Duegida... ich habe Angst auf Facebook zu klicken, die Google News zu besuchen, ja selbst Twitter laesst es sich nicht nehmen mich andauernd mit einem monothematischen Contentstream zuzuschwallen, von dem ich moeglichst verschont werden moechte.
Ich habe mir dann am vergangenen Sonntag nach langer Zeit mal wieder den Jauch gegeben und konnte da auf geradezu offenbarende Weise sehen wie das Prinzip funktioniert und wie wenig wir alle mit dieser Problematik umgehen koennen. Der schmierige Lucke mit seinem Dauergrinsen hat doch jedes sachliche Argument genuegsam geschluckt, jede Attacke begruesst und jede Unterbrechung seines Redeschwalls mit der Gewissheit verbucht, dass er damit wieder 100 neue Demonstranten am kommenden Montag nach Dresden treibt.
So eine Opferrolle hat durchaus was und er fuellt sie vortrefflichst aus. Die Organisatoren von PEGIDA werden es ihnen danken.
 
Ich resigniere inzwischen ein wenig.... wie soll man dieser Nummer beikommen? Wie kann man auch nur ansatzweise verhindern, dass derartige Postings (siehe Screenshot) nicht repraesentativ fuer einen Teil der Bevoelkerung sind bzw. so wahrgenommen werden?

Ist dies generell ein rein bildungstechnisches Problem, dass eine Deutsche Frau im mittleren Alter noch dieses Bild aus dem "10 kleine Negerlein"-Buch vor sich hat? Ist es ihre Filterblase, Unzufriedenheit mit der persoenlichen Situation oder ist sie einfach so dulle, dass sie wirklich an die eigenen Worte glaubt?
 
Im Sommer 2016 feier ich mein 10-jaehriges Jubilaeum als Wirtschaftsfluechtling. Richtig, ich habe Deutschland erst in Richtung USA und final dann Taiwan verlassen, weil ich in beiden Laendern bessere Bedingungen vorgefunden habe. Der ehemalige Bundeskanzler Schroeder, der sich wirklich mal erdreistet hatte sich einen Sozialdemokraten zu nennen, forderte Anfang des Jahrtausends dazu auf Firmen zu gruenden und Arbeitsplaetze zu schaffen. Das habe ich getan, saemtliche Ersparnisse geopfert, Erbschaftsvertraege abgeschlossen und mir anteilsweise auszahlen lassen und bin in die vollen gegangen. Mini-PCs haben wir gebaut mit einem embedded Linux. POS-Systeme und Tablets entwickelt und das nur zu zweit. 
In Deutschland reichte das nicht einmal fuer ein Gruenderdarlehen der KfW, da die diversen Hausbanken als erste Huerde genommen werden mussten. Der Banker der zuvor da noch ein Rapsfeld finanziert hat, sollte sich nun mit effizienten PCs auseinandersetzen, die dann 2 Jahre spaeter von Apple mit dem Mac Mini einen weltweiten Verkaufserfolg erfuhren. 
Prost Mahlzeit und ratet mal wie frustrierend es ist auf den Investitionsstrich zu gehen, so kurz nach dem die erste .com Blase geplatzt war.
 
Und dann fliegste nach Taiwan, haelst im holprigen Englisch deine erste Rede auf einer Entwicklerkonferenz, kommst von der Buehne runter und da stehen schon die Headhunter und CTOs von 3 Firmen mit Kaertchen in der Hand und der Frage, wie man denn in Zukunft da ganz schnell zusammenarbeiten koennte.
 
Wer schon einmal mein Gesicht gesehen hat wenn Schalke 4:0 in Dortmund gewinnt, weiss ansatzweise wie ich mich gefuehlt habe.
 
Mal davon abgesehen, dass ich dann von einem hollaendischen Geschaeftspartner um ne viertel Mio gebracht wurde (der hat sich schoen mit unserem Investitonskapital nach Ungarn abgesetzt) und es durchaus auf Gemuet schlaegt wenn du praktisch mehr als 2 Jahre fuer Umme gearbeitet hast... ich habe immer wieder an diesen Moment gedacht, damals in Taipei. Die Freundlichkeit der Menschen, wie herzlich und offen sie waren. Vorurteile? Verdammt die hatten und haben einen riesigen Sack voll Vorteilen: Deutsche sind puenktlich, perfekt, top ausgebildet, grossartig, huebsch, bauen die besten Autos, bauen die besten Fahrstuehle, bauen die besten Rolltreppen, haben die besten Fussballer und Deutschland ist nicht mehr und nicht weniger als das fortschrittlichste Land der Welt.
 
WTF??!!!
 
Nein, dieser kleine Text hier entwickelt sich nicht zu einer Satire. Ich fasse hier mal kurz zusammen was Taiwaner ueber Deutschland denken. Wohl auch mit ein Grund warum man hier Menschen in Deutschland-Trikots sieht, mit Deutschland-Taschen um die Schultern, Deutsche Nummernschildern unter den Taiwanischen, Rilke-Gedichte die an die Waende von kleinen Cafes gemalt sind, Paulaner-Restaurants.... ja verdammt noch einmal wir haben hier Deutsche Reformhaeuser die China-Oel verkaufen und Birkenstock Laeden mit dem Slogan "German Tradition since 1774!
 
Taiwan hat mich mit offenen Armen empfangen und mir all das moeglich gemacht, auf dem ich heute aufbauen kann. Pro Jahr nehmen ueber 130 000 Deutsche dieses Angebot wahr und verlassen ihr Geburtsland. 
 
Ich bin einer davon. Ich bin ein Wirtschaftsfluechtling und wuerde ich irgendwo in der Sahel-Zone wohnen ohne auch nur ansatzweise die Moeglichkeit zu haben meine Familie oder mich zu ernaehren, ich wuerde wieder fluechten.
 
Ich wuerde auch vor Krieg und diktatorischen Regimen fluechten wollen und mir dann ganz genau ueberlegen welches Land mir die besten Moeglichkeiten bietet. Fuer mich war es Taiwan, fuer andere ist es Deutschland aber final gesehen ist es nicht mehr und nicht weniger als irgendein Ort auf der einen Welt die wir haben.

"Patriotismus ist de Tugend der Boshaften" schrieb uns mal Oscar Wilde in die Zitatesammlungen.
 
Ich fuerchte eher, dass es die Tugend der Aengstlichen ist und genau deshalb sollte und darf man diese Teile der Bevoelkerung nicht alleine lassen, nicht ausgrenzen und nicht das Totschlagargument: "Mit diesen GIDA-Leuten diskutiere ich nicht" rausholen.
 
Wer Hetzern das Feld ueberlaesst und nicht bereit ist sich mit Aengsten auseinanderzusetzen, muss sich nicht wundern wenn dann auch irgendwann mal in Taiwan die Bevoelkerung nicht mehr so begeistert ob der deutschen Errungenschaften ist.Das ist dir egal? Mir ist es das nicht, denn letztendlich habe ich Deutschland eine ganze Menge zu verdanken... wie auch Taiwan! 

#pegida   #pegida -bewegung   #pegida -demonstrationen   #pegidawatch  
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“Obviously, we’re BMW enthusiasts here but, above all, we’re car enthusiasts and this new EQ Silver Arrow is flat-out awesome.”
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“The limits of my language mean the limits of my world.” – Ludwig Wittgenstein - The benefits of speaking more than one language >> https://buff.ly/2pRnlVU
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Who care if this article is 9 months old? I wish we would see more countries coming forward to make the switch to sustainable energy! https://buff.ly/2DL1Mx6 #GreenEnergy #Sustainability
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Hawaii plans to be the first US state to run entirely on clean energy >> https://buff.ly/2MC0vkg #RenewableEnergy
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Very interesting read about Ma's take on #entrepreneurship in Africa “Jack Ma regrets that it took him this long to visit Africa, but he’s making up for it by supporting young African entrepreneurs.”
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