Am 13. Oktober 2016 lud die DGSM Regionalgruppe Hamburg zum Vortrag Der Große Nordische Krieg / Wrackfund der Prinzessan Hedvig Sophia in die Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg. Der von Dr. Joachim Krüger (Uni Greifswald) gehaltene Vortrag schien auch bei tauchenden DGSM-Mitgliedern großes Interesse geweckt zu haben, da auch einige Wracktaucher der DGSM teilnahmen.
Dr. Krüger begann seinen detailreichen Vortrag über das 1715 vor Bülk auf Grund gesetzte schwedische Linienschiff mit dem Wrackfund von 2008 und teilte mit, dass das Wrack das allererste Unterwasserdenkmal in Schleswig-Holstein war. Er verwies kurz auf die Ausstellung "Segel, Degen und Kanonen", die 2015 in der Reithalle von Schloss Gottorf stattgefunden hatte und ging dann auf zeitgenössische und andere Abbildungen oder Gemälde vom Schiff und anderen Schiffen seiner Zeit ein. Weiter ging er dann auf den Phänotypus des Schiffes ein, der sich anhand anderer zur gleichen Zeit existenter Schiffe, einiger Admiralitätsmodelle (Modellschiffe) und einiger zeitgenössischer Bilder anderer Schiffe offenbar gut rekonstruieren ließ. Auch die Farbgebung der damaligen Schiffe lässt sich laut Dr. Krüger anhand von Gemälden aus damaliger Zeit (z.B. der "Enigheden", einem Linienschiff 1. Ranges mit 96 Geschützen) gut nachvollziehen.
Weiter hörte man im Vortrag, dass das von Schiffbaumeister Francis Sheldon in Karlskrona angefangene und von seinem Bruder Charles Sheldon 1692 zuerst unter dem namen Drottning Ulrika Eleonora fertiggestellte Schiff, das später in Wenden und dann schließlich in Prinzessan Hedvig Sophia umbenannt wurde, mit den Außmaßen 47,5m Länge, 12,2 m Breite und 5,6 m Tiefgang ein Linienschiff 2. Klasse in der Ausführung eines Zweieinhalbdeckers (kein durchgehendes bewaffnetes Oberdeck) war.
Dr. Krüger gab ein paar Rahmendaten zur Bewaffnung (größter Kaliber 24 Pfund) und zur mutmaßlichen Besatzungsstärke (400 Mann plus 70 bis 80 Seesoldaten) und ging dann auf damalige Gefechtstaktiken ein. Dabei zeigte er den immensen materiellen und ideellen Wert eines Segelkriegsschiffes zu damaliger Zeit auf und führte an, dass üblicherweise vorsichtiges Taktieren bei den dänischen und schwedischen Flotten vorherrschte, um kostbare Schiffsverluste möglichst zu vermeiden. Demnach sei das Nebeneinanderherfahren in Kiellinie und das Beschießen aus der Distanz oftmals einem Enterkampf vorgezogen worden, eben um einen Schiffsverlust mit entsprechendem Image- und Wertverlust für die jeweilige Krone vorzubeugen. Anders verhielt es sich jetzt hier in der Seeschlacht bei Fehmarn (April 1715), wo ein doppelt so großes Geschwader dänischer Schiffe dem schwedischen Feind gegenüber stand. Die Schweden gelangten somit in Unterzahl in die Defensive und sahen sich mit der Situation konfrontiert, nahezu wehrlos die eigenen Schiffe an den Feind abtreten zu müssen. Nur eine Selbstversenkung bzw. Strandung und Selbstzerstörung der eigenen Schiffe konnte diesem Unheil noch entgegenwirken, was im Falle der Prinzessan Hedvig Sophia auch umgesetzt wurde: Sie war nicht mehr zu retten und verblieb in den Gewässern vor dem heutigen schleswig-holsteinischen Bülk (Kieler Förde), zumal das Unterwasserschiff bereits in der Seeschlacht bei Fehrmarn 13 Treffer abbekam.
Dr. Krüger skizzierte nach der Beschreibung des Schicksals des Schiffes sehr ausführlich die allgemeine politische Situation im Ostseeraum und beleuchtete dabei insbesondere die Schlüsselposition des Herzogtums Gottorf-Schleswig-Holstein und die sogenannten "Gottorfer Frage", also ein Politikum zwischen der dänischen und schwedischen Krone und warf auch einen Blick auf die zunehmende Wichtigkeit der Rolle Russlands in der Ostsee. 
Anschließend legte er nochmals ein Schlaglicht auf das Schicksal des Wracks der Hedvig Sophia (Abbruch des Überwasserschiffes, Zerfall des Unterwasserschiffes im Rahmen von Gezeiten, Eisgang, Wellengang etc.) um anschließend das Fazit zu ziehen, dass die Ereignisse rund um das Ende des Schiffes Prinzessan Hedvig Sophia eine Ehrenrettung Dänemarks darstellten.
Er stellte dabei auch die besondere Rolle vom dänischen Käpitän Peter Wessel in den Vordergrund, der später als Tordenskiold ("Donnerschild") in die dänisch-norwegische Geschichte eingehen sollte.

Mehr zum Schiff siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/Prinsessan_Hedvig_Sophia

Sollten Sie themenbezogene Literatur suchen, ist nachfolgender Link vielleicht hilfreich:
https://www.sandstein.de/hedvig-sofia/
Am rechten der beiden dort abgebildeten Bücher hat Herr Dr. Krüger als Autor mitgewirkt.

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