Am 11.01.18 lud die DGSM Regionalgruppe Hamburg zur Vortragsveranstaltung Die französische Marine im Zweiten Weltkrieg in die Führungsakademie der Bundeswehr. Referent war der Militärhistoriker und Fachbuchautor Dr. Lars Hellwinkel.
Herr Dr. Hellwinkel begann seinen Vortrag mit einer kurzen Sachstandsbeschreibung der Französischen Marine und sortierte diese mit Beginn des Zweiten Weltkrieges an die vierte Stelle des internationalen Rankings bezüglich ihrer Flottengröße.
Er beschrieb anschließend die wichtigsten schwimmenden Einheiten: So war etwas zu hören über die Jean Bart https://de.wikipedia.org/wiki/Jean_Bart_(Schiff,_1940) und Richelieu https://de.wikipedia.org/wiki/Richelieu_(Schiff,_1939) aber auch Dunkerque https://de.wikipedia.org/wiki/Dunkerque_(Schiff,_1935) und Strassbourg https://de.wikipedia.org/wiki/Strasbourg_(Schiff). Er beschrieb sodann die Aufgaben der Marine, die überwiegend zum Schutz der Kolonien und der Sicherung von Geleitzügen von den Kolonien zum Mutterland vorgesehen war. Jean Bart und Richelieu waren dabei ein Gegengewicht zur Deutschen Bismarck-Klasse zu verstehen, Dunkerque und Strassbourg als Gegengewicht zu den deutschen Panzerschiffen der Deutschland-Klasse.
Herr Dr. Hellwinkel legte dann einen Fokus auf den Kriegsbeginn und gab zu verstehen, dass die größeren Einheiten nach Nordafrika, zum Beispiel nach Mers-el-Kébir verlegt wurden und ein großer Zusammenstoß zwischen deutschen und französischen Einheiten ausblieb. In der Folge waren Marinestützpunkte wie Brest "leergefegt", als deutsche Panzertruppen hier eintrafen und hier lediglich gesprengte Tore von Trockendocks und ein paar versenkte Kleinschiffe vorfanden. Dennoch konnten 14 Tage später Teile der Docks z.B. durch deutsche U-Boote genutzt werden.
Herr Dr. Hellwinkel lenkte dann die Aufmerksamkeit auf die "Operation Catapult" https://de.wikipedia.org/wiki/Operation_Catapult, bei der britische Marineeinheiten gegen die in Mers-el-Kébir liegende französische Flotte vorging, damit diese nicht in deutsche Hände fallen konnte.
Das Auditorium erfuhr anschließend von offenbar nicht weit verbreiteten Umständen der Kriegsmarinewerft in Brest: So war davon zu hören, dass der französische Hafenkapitän im Rahmen der Waffenstillstandsvetragsregelungen einwilligte, bei der Herstellung des Arsenals und an Schiffshebungen im Hafenbecken mitzuwirken. Erstaunliche Erkenntnis war dann auch, dass eine Vielzahl an französischen Marinesoldaten im Dienste der Kriegsmarinewerften eingesetzt waren. So gab es eine französische Marinegendarmerie, die die Kontrolle der französischen Werftarbeiter in Brest übernahm. In Bordeaux gab es eine Marinefeuerwehr und französische Soldaten halfen beim Bau von Luftschutzstollen. Offiziere wie einfach Soldaten waren für diverse Aufgaben rund um die Kriegsmarinewerften eingesetzt, während französische Arbeiter z.B. die Reparaturen von Überwassereinheiten vornahmen. Sogar in Hamburg und Kiel wurden französische Werftarbeiter eingesetzt, die Unterbringung in Hamburg war zu damaligen Zeiten in Zeltlagern auf der Jungiuswiese nahe der heutigen Jungiusstraße bzw. dem heutigen Messegelände.
Dr. Hellwinkel erläuterte schließlich noch die Unterschiede der de Gaulle https://de.wikipedia.org/wiki/Charles_de_Gaulle und dem Vichy-Regime https://de.wikipedia.org/wiki/Vichy-Regime anhängenden Marineeinheiten und schloss seinen Vortrag mit der Erkenntnis, dass die britische Operation Catapult bis in die Jetztzeit noch bei nachfolgenden Generationen von französischen Marineangehörigen negative Nachwirkungen zeige.

Sollten auch Sie Interesse an maritimen Themen mit historischen Bezügen haben, kommen Sie gerne zu unseren kostenlosen Vorträgen vorbei. Sie müssen übrigens kein DGSM-Mitglied sein.

Eine Anmeldung für Nichtmitglieder/Gäste sollte im Idealfall bis ca. 1 Woche vor Veranstaltungsbeginn erfolgen. Bitte nehmen Sie hierfür Kontakt mit unserem Regionalleiter, Herrn Dr. Schulze-Wegener, auf: http://www.marinegeschichte.de/regionalgruppen/hamburg/

Ihre DGSM e.V. Regionalgruppe Hamburg
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