Am 10. März 2016 besuchte Dr. Heinrich Walle, Fregattenkapitän a.D., Militärhistoriker und Autor, die DGSM e.V. Regionalgruppe Hamburg und hielt einen Fachvortrag zum Thema Die Entstehung der Seewarte Hamburg. Als Gastzuhörerin der Veranstaltung besuchte uns auch die Präsidentin des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH), Frau Monika Breuch-Moritz, die die heutige Nachfolgeinstitution der damaligen Seewarte Hamburg leitet.
Herr Dr. Walle visualisierte seinen Vortrag mit teilweise historischem Karten-, Foto- und Skizzenmaterial und leitete diesen mit einer Beschreibung der Wirtschaftslage und der Quantität und Zusammensetzung der britischen und deutschen Handelsflotten vor 1881 ein. Anschließend ging er auf das Führen von Rahseglern ein und beschrieb, wie umständlich das Navigieren mit diesen frachttragenden Schiffen war und dass diese teilweise nur bei bestimmten Windrichtungen und Wasserströmungen über Grund bewegt werden konnten. Schließlich lenkte Herr Dr. Walle die Aufmerksamkeit auf Persönlichkeiten der Zeitgeschichte (z.B. M.F. Maury, Georg von Neumayer, Wilhelm von Freeden) , die die Navigation mit Handelsschiffen (Segel und Dampf) nach Reiseroutenempfehlungen auf wissenschaftlicher, teils meteorologischer und ozeanografischer Basis ("Wissen um Strömungen und Winde") vorantrieben und gleichzeitig Forschung auf diesem Gebiet betrieben. Diese Bemühungen mündeten schließlich in der 1881 persönlich von Kaiser Wilhelm I. eingeweihten Norddeutschen Seewarte in Hamburg, die dem Chef der Admiralität der Kaiserlichen Marine unterstand. Deutsche Reeder wurden zur Förderung der Seewarte verpflichtet und Kapitäne dieser Reedereien wurden angehalten, Informationen über Wind- und Wetterlagen, Strömungen und Reisefortschritt in Abhängigkeit von ihrer jeweiligen Position zu sammeln, die von der Seewarte später ausgewertet wurden und Ihren Niederschlag in für die Seefahrt abrufbaren Routenempfehlungen fanden.
Diese ermittelten Routen haben übrigens heutzutage immer noch Bestand. Die Seewarte hatte also die Förderung und Sicherheit des Seeverkehrs zum Ziel und war ein außeruniversitäres Forschungsinstitut, das stets eine Gratwanderung zwischen praktischer Anwendung und Forschung zu vollziehen hatte. Sie und ihre Vorgeschichte war die bahnbrechende Ausgangsbasis für deutsche Nautiker zur Förderung von naturwissenschaftlichem Denken im Zusammenhang mit der Navigation von Schiffen.

Sollten auch Sie Interesse an maritimen Themen mit historischen Bezügen haben, kommen Sie gerne zu unseren kostenlosen Vorträgen vorbei. Sie müssen kein DGSM-Mitglied sein. Eine Anmeldung für Nichtmitglieder/Gäste sollte bis ca. 14 Tage vor Veranstaltungsbeginn erfolgen.

Bitte nehmen Sie hierfür Kontakt mit unserem Regionalleiter, Herrn Albrecht Stender, auf: http://www.marinegeschichte.de/regionalgruppen/hamburg/

#hamburg #schifffahrt #Seefahrt #shipping #reederei #hydrografie #ozeanografie  
Photo
Shared publicly