VERANSTALTUNGSNACHLESE: Am 10.12.15 lud die DGSM Regionalgruppe Hamburg in die Führungsakademie der Bundeswehr zum Vortrag vom frisch promovierten Dr. Nicolai Clarus zum Thema VON VITALIENBRÜDERN UND AUSLIEGERN - DER FALL BARTHOLOMÄUS VOET UND GESELLSCHAFT. Herr Dr. Clarus begann seinen Vortrag mit einer kurzen Skizzierung der "berühmtesten" Vitalier (siehe auch https://de.wikipedia.org/wiki/Vitalienbr%C3%BCder#Das_Ende_der_Vitalienbr.C3.BCder) Gödecke Michels und Klaus Störtebeker. Es war hier entgegen landläufiger Meinung zu erfahren, dass die Geschichten und Ereignisberichte über den Seeräuber Störtebeker (https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus_St%C3%B6rtebeker ) sich sehr wahrscheinlich nicht auf eine einzige Person, sondern auf mehrere Personen mit gleichem Namen beziehen und hierüber Berühmtheit im Norddeutschen Raum erlangten, der bis heute anhält. Dr. Clarus stellte nun heraus, dass es auch weniger berühmte Seeräuber gab und es Erkenntnisse gibt, dass das Ende der Vitalienbrüder nicht etwa um 1400 herum eintrat. Er skizzierte in diesem Zusammenhang den Konflikt zwischen den Grafen von Holstein (Schauenburg) und dem Dänischen König Erik VII von 1416 bis 1435. Er stellte fest, dass sich beide Konfliktparteien bestimmten "Ausliegern" der Vitalienbrüder bedienten, um bestimmte Vorhaben durchzusetzen. Er machte dies an der Person Bartholomäus Voet fest und zeigte auf, dass offenbar ab dem Jahr 1416 wieder Tätigkeiten der Vitalienbrüder in der Ostsee feststellbar waren. Die anwesenden Zuhörer des Vortrags erfuhren nun etwas über das 1850 von Heinrich Smidt veröffentlichte Buch "Der Bergenfahrer", das vom "Greisen Seekönig Barthel Voet " erzählte, der eine spanische Frau hatte und die Stadt Bergen überfiel. Dieses Buch mit seinen enthaltenen Fakten und Fiktionen war der Ausgangspunkt seiner Recherchen in diversen Stadtchroniken und Hanse-Akten und führte nun zu mehreren Theorien über die Existenz der Person Voet, die er dem Publikum vorstellte. Dr. Clarus versuchte anschließend eine Biografie von Bartholomäus Voet nach bisherigen Erkenntnissen zu präsentieren, die anhand der Stadtchroniken und Akten der Hanse bestätigt scheinen:
* 1427 wurde Voet in England durch die wendischen Hansestädte Hamburg, Lübeck, Wismar, Rostock, Stralsund und Lüneburg angeworben.
* 1428/1429 führte er Angriffe gegen das norwegische Bergen aus
* 1430 war er beteiligt an der Blockade des Handelsverkehrs vor der Küste Livlands (Reval)
* 1431 war Voet beteiligt an der Eroberung Flensburgs. Es folgte ein Anwerbegesuch des Deutschen Ordens
* 1434 Erwerb des Bürgerrechts in Wismar
* 1441 Kaperfahrer in Diensten Lübecks gegen die Grafen von Holland
* 1458 Konvoiführer einer Lübecker Baienflotte (siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Baienfahrt) , vermutlich ist Voet hier im Zuge eines englischen Überfalls ums Leben gekommen.

Dr. Clarus skizzierte Voet als Fehdehelfer der Hansestädte, als Kriegsprofessionellen zur See. Er war sehr wahrscheinlich ein durchsetzungsfähiger und gefährlicher, aber auch taktisch versierter und berechnender Anführer. Er war ein gebildeter und kluger Krieger. Kein Seeheld wie einst Störtebeker und Michels, aber eine Notwendigkeit seiner Zeit...

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