Am 08.02.18 lud die DGSM Regionalgruppe Hamburg zur Vortragsveranstaltung "TRADITION IN DER BUNDESWEHR | DEFINITION UND WAHRNEHMUNG" in die Führungsakademie der Bundeswehr. Referent war der Militärhistoriker und Fachbuchautor Dr. Heinrich Walle, Sprecher des Wissenschaftlichen Beirates der DGSM .
Herr Dr. Walle begann seinen Vortrag mit einem Zitat von Thomas Morus (*1478 in London †1535 in London) "Tradition ist nicht das Halten der Asche, sondern das Weitergeben der Flamme".
Er führte die Aufmerksamkeit des Auditoriums sodann auf den Umstand, dass Tradition nicht per Dekret verordnet werden kann, sondern gefühlt werden muss, also von einer breiten Masse mitgetragen und für richtig empfunden werden muss und belegte dies mit einigen Beispielen aus seiner Militärkarriere. Herr Dr. Walle, der übrigens auch Theologie studiert hat, zog in seinen Ausführungen auch Vergleiche zum Heiligenkult der katholischen Kirche heran und kam zu dem Ergebnis, dass das, was von den Gläubigen mitgetragen wurde, auch Einzug in die katholische Kirchentradition hielt - aber mit der Zeit auch einem Wandel unterliegt.
Herr Dr. Walle ging dann über zu Schilderungen bezüglich der demokratischen Grundordnung und zeigte auf, dass Demokratie geschichtlich gewachsen ist, dass Soldaten mittlerweile Bürger in Uniform sind und konnte mit einer rückwirkenden Betrachtung des Soldatentums darstellen, dass Tradition auch eine Art der Weitergabe von Wertvorstellungen ist und auch mit bestimmten Traditionen gebrochen werden kann, wenn diese nicht mehr zeitgemäß sind.
Ein weiterer wichtiger Bestandteil von Traditionen, so Herr Dr. Walle weiter, ist der Umstand, dass sie Emotionen ansprechen müssen - er zog dabei einen interessanten Vergleich zum hamburgischen Chilehaus https://de.wikipedia.org/wiki/Chilehaus als Bauwerk des Backsteinexpressionismus, das eben durch diese spezielle Bauweise Emotionen hervorrufen kann und auch soll und belegte damit, dass selbst Bauwerke einen Ausdruck der Tradition darstellen können, genauso wie Lieder und Musik, Kleidung, Fahnen, Zeremonien, Verhaltensweisen, Gebräuche, die Verehrung von Identifikationsfiguren und Vorbildern.
Da gegenwärtig Karnevalssaison ist, zog Herr Dr. Walle sogar Parallelen zu Kölner Karnevalstruppen und zeigte z.B. anhand der Verleihung von Orden und Abzeichen an ihre Mitglieder bestimmte Karnevalstraditionen auf, die sich anteilig auch auf das Soldatentum übertragen lassen.
Der Referent ging in diesem Zusammenhang dann auf Belohnungen und Bestrafungen ein, die nach Recht und Ordnung, nicht willkürlich zu erfolgen haben und gerecht sein müssen, um ein Ausruck einer Wertvorstellung unter Berücksichtigung der persönlichen Würde zu sein.
Dr. Walle schloss seinen Vortrag dann, indem er auf die partielle Vorbildfunktion von bestimmten Personen wie Graf von Stauffenberg, Oscar Kusch oder Napoleon Bonaparte einging und ihren Beitrag zum Wertewandel beleuchtete und dabei aufzeigte, dass bestimmte Werte und Einstellungen, für die diese Personen standen, lange noch nach ihrem Tod nachgewirkt haben.
Im Anschluss an den Vortrag gab es eine lebhafte Diskussion, bei der Herr Dr. Walle noch Einzelfragen ausführlich beantworten konnte.

Sollten auch Sie Interesse an maritimen Themen mit historischen Bezügen haben, kommen Sie gerne zu unseren kostenlosen Vorträgen vorbei. Sie müssen übrigens kein DGSM-Mitglied sein.

Eine Anmeldung für Nichtmitglieder/Gäste sollte im Idealfall bis ca. 1 Woche vor Veranstaltungsbeginn erfolgen. Bitte nehmen Sie hierfür Kontakt mit unserem Regionalleiter, Herrn Dr. Schulze-Wegener, auf: http://www.marinegeschichte.de/regionalgruppen/hamburg/

Ihre DGSM e.V. Regionalgruppe Hamburg
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