*»Shoot first, ask later« vs. digitaler Verbraucherschutz?

Die Nutzung von Facebook, Google Plus und anderen Sozialen Netzwerken wächst, ob aus privaten und beruflichen Interessen und Bedürfnissen heraus. Manche Menschen sehen ihre Accounts bereits als digitales Abziehbild der eigenen Identität und Persönlichkeit.

Im selben Maße wächst die Bedeutung der Sozialen Netze in ihrer »Infrastruktur-Funktion«, und damit auch die Verantwortung der Anbieter dieser Netze ihren Nutzern gegenüber. Werden sie dieser Verantwortung gerecht?

Diese Frage stellt sich vermehrt im Hinblick auf immer wieder vorkommende Accountsperrungen aufgrund von echtem oder vermeintlichem Missbrauch, oder auch nur einem Verstoß gegen Regeln, wer sich wie nennen darf in der digitalen Welt, zum Beispiel bei den gestrigen Threads von +Gunnar Sohn bzw. +Dr. Michael Spehr.

Facebook und Google Plus handeln hier nach dem von +Markus Breuer treffend als »Shoot first, ask later« benannten Prinzip, sperren also einen Account im Zweifel sofort, ohne vorherigen Hinweis oder Anhörung. Erst nach der Sanktion stehen sie für eventuelle Gespräche bereit. Es mag sein, dass das im Online-Business bisher so üblich ist, effizient und kostengünstig.

Aber angesichts der Tatsache, dass hier immer wieder auch »Unschuldige« von den Sanktionen betroffen sind, die dann unter Zeitdruck eben dies nachweisen müssen, stellt sich die Frage, ob es zu viel verlangt ist, hier ein anderes Vorgehen zu fordern?

Nämlich dass es seitens des Diensteanbieters vorab eine Nachricht gibt, die auf das reale oder vermeintliche Problem hinweist, und die Möglichkeit eingeräumt wird, das Problem zu besprechen und ggf. zu lösen, bevor der Account gesperrt wird.

Was mir vorschwebt, ist eigentlich nichts anderes, als der Import von wesentlichen Errungenschaften aus unserer Rechtskultur wie z.B. »faires Verfahren, Anhörung und Unschuldsvermutung bis zum Erweis des Gegenteils« in die sozialen Netze.

Das sollte eigentlich schon aus Eigeninteresse zu einem guten Kundenservice von großen Anbietern wie Google und Facebook dazu gehören. Und wenn nicht, wäre das vielleicht ein Punkt, wo ein klitzekleinwenig Regulierung gut tun könnte zugunsten der Rechte der Nutzer solcher Dienste.

Denn was für den einen wirklich nur einer (von ggf. vielen) unwichtigen Accounts ist, mag für den anderen ein geschäftlich oder privat wichtiger Kommunikationskanal sein oder eben eine Art »digitale Heimat«! Hieraus einige Tage ausgesperrt zu werden, und das ggf. sogar unberechtigt, kann durchaus einen massiven Eingriff darstellen.

Insofern finde ich es sehr schön, wenn +Christoph Kappes heute nacht auf den unten verlinkten Artikel von +Felix Schwenzel aufmerksam macht, der folgende passende Zitate enthält:

+Holger Schulze: Es mag für manchen vulgärmarxistisch klingen, wäre aber nur sachdienlich: Infrastrukturplattformen sollten unter eine Rechtssicherheit verbriefende öffentliche und kommunale Aufsicht gestellt werden (ähnlich wie Autobahnen, Stromnetze, Wasserversorgung etc.pp.).

+Felix Schwenzel: eigentlich lauten die fragen doch nicht internet vs. privatsphäre, appstore oder google vs. transparenz, sondern AGBs vs. bürgerrechte.

Fragen, die es in jedem Fall wert sind, gestellt und offen diskutiert zu werden, ob unter dem Aspekt Kundenservice, Verbraucherschutz, oder tatsächlich als Frage von Infrastruktur, Regulierung und Bürgerrechten.
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