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Wäre gespannt, wie die Piraten beim Wegfall des Urheberrechtes das kreative Schaffen entlohnen wollen. Ansonsten bin ich mittellos.
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arndt beitat's profile photoSebastian Pirling's profile photoChristian Katzenbach's profile photoJohannes Künsebeck's profile photo
85 comments
 
Die Piraten wollen ja gar nicht das Urheberrecht abschaffen, das ist leider ein weit verbreiteter Irrtum...
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Zur Erklärung/Vertiefung: Weil die Piratenpartei so einen hohen ITler-Anteil hat, ist eines eben komplett durchgedrungen. (Ich zitiere hier mal +Kristian Köhntopp, weil er das mal sehr schön aufgeschrieben hat, und ich in einem anderen Zusammenhang da eh gerade wieder drauf gestoßen wurde)

"Das Wesen aller IT ist die Kopie. [..]
Hier ist die Wahl. Sie ist die einzige Wahl. Sie ist digital, wie das Medium, das die Wahl erzwingt:
1. Kopieren hinnehmen.
2. jede Kommunikation von Jedermann mit jedem anderen immer auf ihre Legalität hin untersuchen und filtern.
Wenn Fall 2 nicht stattfindet, bildet sich sofort ein Overlay-Netzwerk und Fall 1 tritt ein."

Ich kenne keinen in der Piratenpartei der Inhaltsschaffenden - seien es Musiker, Autoren, Maler, Fotografen, Komponisten oder sonstwem etwas anderes als Respekt und den Wunsch, dass sie ein Einkommen haben entgegenbringt. Nicht umsonst zeigen immer wieder Studien, dass gerade die "Powerdownloader" in der Regel überdurchschnittlich viel Geld für Medien jedweder Art ausgeben. Aber wir von der Piratenpartei sehen eben auch, dass zur Durchsetzung der Verwertungsrechte wie sie derzeit aussehen, man den von Kristian geschilderten Fall 2 zwingend implementieren muss - und das ist etwas, was wir aus bürgerrechtlicher Sicht schlicht nicht hinnehmen können.

Daher wird eine Reformation des Urheberrechtes angestrebt, dass versucht, diesen Konflikt irgendwie aufzuheben oder zumindest zu mildern. Leider werden dabei bestehende Geschäftsmodelle ziemlich über den Haufen geworfen. Das bedeutet nicht, dass zB Autoren leer ausgehen sollen, sondern dass neue Methoden und Wege gesucht werden müssen, wie das Geld vom Konsumenten zum Inhaltsschaffenden kommt, Wege die eben nicht mehr auf dem bloßen Kauf von physischen Artefakten bzw. deren virtueller Abbilder beruhen.

Für konstruktive Mitarbeit an dieser Suche sind wir übrigens ziemlich dankbar.
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+Lena Falkenhagen Ich bin nun kein Pirat, aber dass die Fähigkeit, Inhalte kostenfrei auf ein anderes Medium zu kopieren, zwangsläufig auf lange Sicht zur Nutzlosigkeit des Konzepts "Verlag" führen muss, sehe ich auch. Was Autoren heute schon oft und mit Erfolg tun, ist, einen Text online zu stellen und um Spenden zu bitten... oder einen Teil des Textes online zu stellen und den Rest erst bei Eingang einer gewissen Gesamtsumme auf einem Konto (natürlich mit entsprechender Ankündigung). Und wahrscheinlich gibt es da noch viele andere mögliche Ansätze.
Verlage werden wahrscheinlich aufhören, wirtschaftlich zu existieren - Autoren nicht.
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nah, so arg sehe ich das gar nicht. Verlage bieten z.B. immer noch Dienstleistungen wie Lektorat und ähnliches an. Und sicherlich können sie auch in Zukunft Autoren bei der Vermarktung helfen. Allerdings könnte ich mir durchaus vorstellen, dass sie irgendwann nicht mehr Auftraggeber sondern Dienstleister sein werden.
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Das können eine Marketingagentur und ein freiberuflicher Lektor zusammen aber besser. ^^ "Verlag" kommt ja von "vorlegen", nämlich die Druckkosten. Wenn die (praktisch) Null sind, wird kein Verlag gebraucht.
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Druckkosten sind niemals "praktisch Null", Ingo ;-). Dinge kosten immer etwas. Was nix kostet sind Daten . Solange gedruckt wird (und das wird es noch eine Weile) braucht es auch Verlage. Aber u.U. mit verändertem Geschäftsmodell, was die Verwertungsrechte betrifft. Ebenda gehen z.B. gerade Autoren im Moment gern leer aus, wenn es um Zweit und Drittverwertungen geht, speziell auch bei den Rechten für eBooks. Da gibt es ähnliche Buy-Out-Vertragssituationen wie in der Musik, da hab ich schon Veträge gelesen, das glaubt man nicht.
Was die Kopie betrifft: ich persönlich ziehe den Unterschied bei "privat" oder "gewerblich". Wer mit einem urheberrechtlich geschützten Werk "verdienen" möchte (Geld, Aufmerksamkeit, insert your value here) muss auch dafür bezahlen. Erst wenn die Verwertungskette beendet wurde (meist ist das, wenn die Mehrwertsteuer "bezahlt") schaut es anders aus. Dann kommen die Privatleute ins Spiel, die empfehlen, weitergeben, verleihen und auch mal kopieren. Und damit die sind, die Christian erwähnte, die tatsächlich am Ende wirklich mehr Geld für Medien ausgeben als andere Leute (Ich kenne die Studien dazu bei Musik da ich selber Musiker bin). Wenn von "Urheberrecht" geredet wird, ist meist das Verwertungsrecht gemeint. Gern genommene Ungenauigkeit, da muss man gut aufpassen. Was seitens der PP versucht wird zu reformieren ist im Prinzip eher dieser Teil. Damit das Urheberrecht am Ende wieder seinen Namen verdient.
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+Ingo Heinscher Das ist etwas eng gesehen. Nach dem Lektor und der Marketinagentur ist der Text noch nicht gesetzt, gedruckt und vertrieben. Das funktioniert also nur mit digitalen Texten.
Wenn Verlage zu Dienstleistern für die Kreativen werden, ist in dem "Paket" Verlag das Lektorat und das Marketing mit drin. Und wer weiß... möglicherweise werden ursprüngliche Marketingagenturen zu Konkurrenten der Verlage, vielleicht arbeiten sie zusammen...
Die Möglichkeiten sind vielfältig.
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+Lena Falkenhagen Erst einmal ist da die von +Christian Buggedei zitierte Beobachtung in meinem Artikel - das ist noch keine Forderung, sondern erst mal nur eine Feststellung. Ich glaube tatsächlich nicht, daß wir alle da viel Wahl haben: Die Umstände des Schreibens ändern sich und damit das Biotop, in dem Werkschaffende tätig sind.

Da ist einmal die Leichtigkeit, mit der Kopien von irgendwas gemacht werden können - Bücher, Musik, Filme und auch alles mögliche andere, was auf einem Mal digital und nichtstofflich existiert und vorher dinglich war.

Dann ist da aber auch die Verminderung des Aufwandes und die Verkürzung der Publishing Pipeline: Jeder, der schreiben will, kann nun schreiben. Ob er gelesen wird ist noch einmal eine andere Sache - aber es gibt nichts und niemanden mehr, das jemandem vom Schreiben abhalten kann. Und so gibt es neben den Werken, die Du und Deinesgleichen für Geld produzieren nun haufenweise anderes Zeugs - frei erhältlich an Orten wie http://www.wattpad.com/ oder einer der Tausend anderen Story Communities im Web. Gegen diese Leute und deren Preise treten Autoren für Geld nun an.

Dann ist da das Zwischenfeld, das nun entsteht - zwischen Wattpad und traditionellen Verlagen. Da ist zum Beispiel http://kdp.amazon.com/ - Kindle Direct Publishing, und zu den typischen Kindle-Only Preisen von $0.99, $1.99 oder $3.99 bekommt man eine Menge Zeugs, von dem nicht mal die Hälfte schlecht ist. http://blog.koehntopp.de/archives/3064-Fertig-gelesen-Out-of-the-Black.html zum Beispiel waren gut angelegte drei Dollar für eine Art World-of-Darkness Story, und http://blog.koehntopp.de/archives/3063-Fertig-gelesen-The-Rho-Agenda-The-Second-Ship-und-Immune.html war feine Scifi Jugendliteratur, zwei Bücher für ca. vier Dollar.

Ob mit oder ohne Urheberrecht - das alleine ist genug, um die Luft aus den meisten derzeit existierenden Verlagen und den daran hängenden Autorenkarrieren zu lassen.

Anders herum kann ich natürlich den Kopierschutz von einer AZW- oder sonstigen eBook-Datei entfernen und ich habe auch noch nie eine Firma gesehen, in der nicht ein nicht weiter kartierter Server existiert hätte, der erstaunlich viel Plattenplatz gehabt hat und dessen Platten immer voll waren, obwohl nichts davon älter als 4 Wochen war. Oder eine Webpage mit einer langen Liste von http://www.subsonic.org/-Links oder eine andere Webpage mit einer Prozedur, wie man sich an die gemeinsamen https://www.dropbox.com/ der Kollegen dranklemmt.

Auch das hat mit Urheberrecht als Gesetz nichts zu tun, abgesehen davon, daß es offiziell verboten ist und dieses Fakt dennoch nirgendwo irgendjemanden auch nur am Rande interessiert.

Dennoch bin ich fleißig dabei, Geld in Richtung von Autoren oder Musikern zu pumpen, denen es gelungen ist, mich zu begeistern. Idealerweise gibt es einen Weg, mit dem ich dabei möglichst wenig Reibungsverluste habe und möglichst wenig Zwischen-Instanzen mit finanzieren muß. Also kaufe ich Musik bei CDBaby und Bücher via KDP (siehe oben) und habe natürlich auch http://blog.koehntopp.de/archives/2226-Iron-Sky-War-Bonds.html gekauft.

Früher habe ich auch gerne CDs gekauft - im Quartal sind dabei etwa 400-500 Euro Einkommen disponiert worden: Ich habe meine Musik halt gerne unkomprimiert und in physischer Form, damit ich sie neu digitalisieren kann, wenn mir danach ist. Aber ich habe gelernt, daß ich damit nicht Musiker fördere, sondern nur koksende Sony-Spacken, die mir zum Dank für meine Investition http://netzpolitik.org/2005/rookit-sonys-digitaler-hausfriedensbruch/ ein Rootkit auf meine Karre installieren, gleich neben den Staatstrojaner.

Genau so wie ich mit den 7.99 EUR eines Bastei-Lübbe oder Heyne-Buches nur Bruchteile dem Autor, den ich gut finde, zukommen lasse - also habe ich bei einem Umzug von den 2500 Büchern Scifi und Fantasy nur ein Billy voll behalten und kaufe nicht mehr beim Schund-Spezialisten aus dem Neuerscheinungsregal einen Arm voll Scifi/Fantasy im Monat.

Stattdessen geht das Geld andere Wege - aber es ist nicht weniger, deucht mich: http://blog.koehntopp.de/archives/3093-Anonyme-Amazoniker.html

Um das Urheber-Recht würde ich mich dabei an Deiner Stelle wenig Sorgen. Es ist das Kleinste Deiner Probleme, wenn Du mit dem Schreiben Geld verdienen willst.
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Mehr Beispiele:

http://blog.koehntopp.de/archives/2883-Kostenloskultur.html
Autoren von Lehrmaterial treten gegen Sal Khan an, der auf Youtube unglaubliche Mengen unglaublich guter Lehrvideos zu den wildesten Themen einstellt - und diesen Autoren vielfach die Geschäftsgrundlage entzieht.

http://blog.koehntopp.de/archives/2437-Politik,-Polemik-und-eine-Agenda..html
Ich hatte eine spannende Unterhaltung mit der Katze und Dirk Remmecke über Anime und Anime Fansubs - gute Fansubs machen Anime-Vertrieben zu schaffen. Ein Problem dabei: Die Geschwindigkeit von Aktionen wie Harry Auf Deutsch und die Qualität von Aktionen wie dem Pretty Guardian Sailor Moon Live Action sind von kommerziellen Anbietern kaum zu schlagen - diese sind Begrenzungen durch Budget und Staffing ausgesetzt und sie treten bei populären Sachen gegen Armeen von Enthusiasten an, die kein Leben haben oder bereit sind, den größeren Teil ihrer Freizeit Wikipedia-Style in einen Crowdsourcing-Ansatz zu investieren.

http://ofps.oreilly.com/titles/9781449396107/index.html
O'Reilly stellt neue Bücher im Volltext zum Review auf OFPS (Online Feedback Publishing System) bereit, um Anmerkungen von interessierten Lesern zu Crowdsourcen und so die technische und inhaltliche Qualität des Werkes zu verbessern - Leser bekommen so aber auch (legal) den elektronischen Volltext aller möglichen Neuerscheinungen zu fassen.

http://oreilly.com/register/
Anders herum: Bei O'Reilly kann man sein gedrucktes Buch auch registrieren und bekommt dann die elektronischen Fassungen kostenlos dazu, bzw kann das Werk auch auf neue Releases upgraden.

Das sind alles Signale, die anzeigen, wie sich der Markt um Werke verändert - mit einem Werk für Geld tritt man immer auch gegen ein vergleichbares Werk für Liebe und Spaß an. Autoren und Verlage experimentieren derzeit wie wild, um herauszufinden, wie sie sich in so einem Umfeld ausreichend differenzieren können, um Leser zum Zahlen zu motivieren.

Kopierschutz ist es nicht, das wissen wir schon (weil es heute Thema in einer anderen Diskussion war, hier ein Satz Skype-Links zu einem einzelnen Hersteller:

http://phantanews.de/dp/content/h%C3%B6rb%C3%BCcher-audiblede-und-das-drm
http://blog.rince.de/archives/530-Hoerbuecher-mal-in-grauenhaft...-audible.de.html
http://board.gulli.com/thread/999147-amazon-kauft-audible-kunden-beschwert-euch-ueber-drm-auf-hoerbuechern-/)

Rechtsverschärfung ist es auch nicht - das meiste Getausche geht dark und nicht im offenen Netz ab, und offen gesagt interessiert die Rechtslage im nichtkommerziellen Umgang ("Privatkopie" - wobei da schnell mal Terabytes fließen) mit dem Urheberrecht faktisch seit Napster niemanden mehr. Ob man das jetzt noch im geschriebenen Recht anpaßt oder nicht ist mehr eine Formalität.

Nebenan bei der #Spackeria verwendete acid übrigens dasselbe Zitat von mir wie +Christian Buggedei oben, in einem ähnlichen und doch ganz anderen Kontext:
http://blog.spackeria.org/2011/10/25/herausforderungen-der-informationsfreiheit/

Und schließlich: Ich habe ja auch mal für Geld geschrieben, wenn auch nie hauptberuflich: http://kris.koehntopp.de/artikel/

Aber inzwischen ist es so, daß ich persönlich meine Artikel lieber kostenlos ins Blog stelle als etwa einem Verlag zu verkaufen:
http://blog.koehntopp.de/archives/1618-Warum-alle-meine-Texte-frei-im-Netz-zu-lesen-sind.html

Der Return für mich ist besser, wen der Artikel dauernd frei im Netz steht als wenn mir ein Verlag was dafür bezahlt, UND ich habe keinen Nerv mit dem Vertragstanz mehr: Selbst Heise, als Verlag für Fachautoren echt superfreundlich, umgänglich und technisch kompetent, hat inzwischen Total Buyout Verträge und es war ein Riesenproblem, meine Sechs-Monats-Regel in eine iX-Autorenvereinbarung rein zu bekommen. Am Ende ist es für mich als Nebenerwerbs-Schreiber von technischen Artikeln den Nerv schlicht nicht wert - da gebe ich das Zeugs eben so weg.
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@Ingo: kommt drauf an in welchen Zeiträumen du denkst. Irgendwann mag das so sein, dass wirklich nichts mehr auf Papier gedruckt wird. In 20 oder 30 Jahren. Oder 40. Oder gar nicht... ;-)
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"Nichts mehr" ist ja nicht erforderlich, damit Verlage als solche kein Geld mehr verdienen.
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+Sven Scholz "Die Zukunft ist da. Sie ist nur ungleichmäßig verteilt."

Verbrauchstexte (Romane, die meisten jedenfalls) les ich auf dem Kindle, wahlweise auf dem Telefon (Kindle for Android), dem Rechner (Kindle for Mac) oder dem ePaper (Kindle 3G). Grad das ePaper-Ding ist bequemer als die meisten Taschenbücher - genau genommen war es The Wise Man's Fear, das mich dazu bewogen hat, einen Kindle zu kaufen, denn gedruckt ist das Buch nicht mehr gut handhabbar.

Wenn man damit erst einmal angefangen hat, will man nicht mehr zurück - ganz wenige Werke ausgenommen.

Ich denke, das wird sich weitaus schneller durchsetzen als 20 Jahre. Jedenfalls ist das Schreiben vielleicht noch eine Option, das Gründen oder Führen von Verlagen aber eher mehr so keine mehr.
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Ich glaube was vielen Autoren Angst macht ist die Vorstellung künftig selbst das Unternehmerische Risiko zu tragen. Der "große Verlag" kann sich nen Fehlschlag schon mal leisten, der Auto bekommt trotzdem den Vorschuss, und hat auch den langen Atem wenn sich ein Buch erst nach 5 Jahren irgendwie finanziell getragen hat. Diese "Dienstleistung" der Risikoübernahme wird es weiterhin auch für E-Books geben, und das kann man dann auch weiter Verlag nennen.
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Meinst du echt, dass das so schnell gehen wird, +Kristian Köhntopp? Bin ich mir nicht sicher, mir scheint das schon noch etwas weiter weg vom Massenmarkt/-publikum zu sein bzw. glaube ich, dass das noch länger "sowohl - als auch " parallel läuft, bevor es da wirklich zu einer "entweder-oder"-Entscheidung kommt. Aber wir werden das (dann) ja sehen :-)

So oder so muss ein Verlag natürlich seine Existenzberechtigung beweisen, und nicht z.B. per Gesetz "verordnet" bekommen. Wenn es so weit wäre, dass Verlage nur noch existieren, weil es Gesetze gibt, die das gewährleisten hätten sie ihre Existenzberechtigung verloren. Wobei ich durchaus Existenzberechtigungen sehe: das Investieren in einen Autor besteht ja nicht nur darin, ein Buch zu drucken. Sondern eben, diesem die Möglichkeit zu geben, Zeit auf diese Autorenschaft zu legen, indem er diesem Risiken dämpft aber auch sich um Managementkram kümmert. Da gibt es eine Menge Berechtigung auch dafür, Geld für diese Leistungen zu verlangen und zu bekommen. Ich würde jedem, der sich um Vermarktung, Akquise, Booking, Verlegung, Bestückung von Katalogen und Verkaufsflächen etc. meiner Band kümmert gern einen guten Teil des so erwirtschafteten Geldes abgeben. Denn würde das jemand für unsere Band tun, könnten wir uns endlich wieder um die Herstellung dessen, was derjenige verkaufen könnte, kümmern. Auf "Selbstvermarktung" angewiesen zu sein ist keine Freiheit. Sondern anstrengende Arbeit, die einen von dem abhält, was man eigentlich machen will. Und was man eigentlich vermarkten hätte wollen. Wenn man dafür mal Zeit (und Resourcen) frei hätte vor lauter Selbstvermaktung. Ich denke, das geht Leuten in anderen Gebieten, z.B. bei Buchautoren, nicht anders. Hier gäbe es durchaus zu tun. Und meiner Meinung auch zu verdienen. Und zwar verdient. Ob sich das dann noch "Verlag" nennt oder "Manager" ist da am Ende wurscht. Die Urheber könntens jedenfalls brauchen. Das Urheberrecht hat jedenfalls relativ wenig damit zu tun, dass Urheber von ihren Werken derzeit kaum existieren können. Bzw. wenn es das hat, dann, weil es zu einseitig zu Ungunsten des Urheber selbst angelegt wurde. Der wird derzeit zwischen Vewerter- und Konsumenteninteressen aufgerieben.
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+Sven Scholz Wer mal ein ePaper-Gerät in der Hand gehabt hat und ernsthaft liest, will danach nie wieder Papierbücher. Sobald also mehr Leute dazu kommen, das auszuprobieren, um so schneller wird es gehen. Du bekommst also eine typische Adoptionskurve hier, die wie ein Integralzeichen geformt ist: Langsam geht es los, um dann sehr schnell und steil den Markt umzukrempeln und am Ende dann langsam die Nachzügler abfrühstücken.

Nachtrag: +Marcel Weiß prognostiziert auch 2-3 Jahre in http://www.neunetz.com/2011/10/25/preisfindung-bei-e-books-und-2-andere-herausforderungen-fuer-buchverlage/
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Für +Lena Falkenhagen auch noch mal ein Link zu http://saschalobo.com/2011/10/25/allgemeine-feststellungen-zur-buchsituation/ von +Sascha Lobo: "5. Was die Verlage insbesondere nicht begriffen haben, ist, dass sie auf digitalen Geräten konkurrieren mit Angry Birds. Und das kostet 1,49 € oder so, ein Ebook kommt leicht mal mit 16,90 € um die Ecke. Das Argument, man habe doch von einem Buch viel länger Freude ist erstens genau berechnet völlig falsch. Und zweitens entspricht es der Vorstellung, Autokäufer würden Autos nach Kosten je Kilometer kaufen und nicht nach dem Preisschild, was dranhängt. Nach der Logik würden alle die S-Klasse kaufen, weil die zwei Millionen Kilometer durchhält und deshalb nur 5 Cent je Kilometer kostet."
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Und dann muß ich in diesem Thread extra noch mal +Mela Eckenfels erwähnen. Sie ist eine Piratin aus Karlsruhe, außerdem eine Autorin und von ihr hören wir inhaltlich die gleiche Klage wie von Lena.

Ich habe in den Kommentaren oben schon klar gemacht, daß ich das für fehlgeleitet habe - das Problem ist nicht das Urheberrecht und wenn jemand Probleme hat, vom Schreiben zu leben, dann liegt das meiner Meinung nach mit Sicherheit nicht am Urheberrecht, sondern eher an den anderen, sich rapide verändernden Umständen, die ich oben aufgezählt habe.

http://www.mela.de/archives/1287-Das-Geschenk-der-Piratenpartei-an-die-Verwerter.html
http://www.mela.de/archives/1288-Long-Tail.html
http://www.mela.de/archives/1291-Butter-bei-die-Fische-....html
http://www.mela.de/archives/1292-Wie-Kulturschaffende-Geld-verdienen.html
http://www.mela.de/archives/1310-Piratenschwarz.html
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Was mir bei der ganzen Debatte um das "vom [kunst] leben können" auch immer mal fehlt (und wo mir statt dessen zu unreflektiert die erlernten merkantilen Mechanismen als alleiniges "Argument" entgegenkommen) ist ja noch die grundsätzliche, die gesellschaftliche und kulturelle Frage. Vom "Was ist etwas wert" (und ist etwas erst dann "wert" seinen Erschaffer zu ernähren, wenn es "Marktwert" erreicht hat? Bzw. was erreicht denn den? Herausragendes? Oder doch eher "Durchschnittliches", das eben einen durchschnittlichen Geschmack "bedient"? usw. usf.) - Was bedeutet es für eine Gesellschaft, der am Ende die Künstler ausgehen werden, weil sie sie nicht mehr Wert schätzt? Aber da fang ich zu so später Stunde jetzt nicht mehr selber an zu tippen (mir fallen die Augen zu, mit meinem Brotjob, mit dem ich mein Musikerleben finanziere, habe ich soeben Feierabend machen können, aber morgen geht es wieder um 8 Uhr weiter, ich muss also schlafen) - +Karan Troubadoura hat das auch hier schon viel schöner ausgedrückt. Und es ist wohl egal, obs um Musik oder um Literatur geht http://www.troubadoura.de/index.php/feuer-unter-der-asche/
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Vielleicht mal eine praktische Antwort -- das hier ist die aktuelle Ausgabe meines "IT-Handbuchs für Fachinformatiker":

http://openbook.galileocomputing.de/it_handbuch/

Als Open Book kann es jede/r Interessierte kostenlos online lesen und sogar herunterladen. Und GERADE DESWEGEN verkauft sich die gedruckte Ausgabe BESSER, als wenn dies nicht der Fall wäre. Natürlich ist dies ein Fachbuch und keine Belletristik, aber dennoch denke ich, dass solche Beispiele zu denken geben sollten. Und hier geht es mitnichten darum, "das Urheberrecht abzuschaffen".
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Bei den Piraten gibt es auch einen positiven Geist für Konzepte wie das Bedingungslose Grundeinkommen. Ich hoffe das führt jetzt nicht dazu das hier über die Schwächen der konkreten Vorschläge oder ob das überhaupt machbar ist diskutiert wird, sondern nur um die Kernaussage: Ich gebe dir nicht nur Geld weil du mir dafür im Tausch ein Buch oder ein Musikstück gibst, sondern du bekommst (von mir via dem Staat) Geld weil du ein Mensch bist. Wenn du dich entscheidest deine sehr beschränkte Zeit auf dieser Welt damit zu verbringen vor allem Musik zu machen oder Bücher zu schreiben, dann darfst du das und wirst auch ohne kommerziellen Erfolg ein Leben in Würde führen. 99% der "Künstler" waren warscheinlich schon immer nicht in der Lage nur von ihrer Kunst zu leben, und das wird wohl so bleiben. Aber trotzdem wird eine Gesellschaft mit Grundeinkommen warscheinlich (hoffentlich) sehr reich an Kultur und Kunst sein.
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Danke für die intensiven Kommentare! Ich habe nicht gedacht, dass ich damit so eine Debatte lostrete. Aber hey - ich will mich nicht beschweren, immerhin habe ich um Antworten gebeten und freue mich, so viel Startpunkte für eine gute Recherche zu erhalten.

Gleich Vorweg: Ich bin kein Kopierschutz-Nazi oder Gegnerin von der einen oder anderen Privatkopie. Ich beschwere mich selbst darüber, dass die Konzerne amerikanische Serien wie Game of Thrones nicht zeitgleich bei uns im iTunes-Store oder bei Amazon kostenpflichtig herunterladbar machen, weil sie sich eben den globalen Markt so aufgeteilt haben, dass amerikanische Veröffentlchungen /= europäischen Veröffentlichungen sind.
Ich habe kein Problem damit, dass Bücher weitergereicht, Songs kopiert oder TV-Serien aus den USA (die dort ja auch bereits ausgestrahlt oder/und online erschienen sind) weitergegeben werden. Ich anerkenne, dass es da eine Grauzone gibt, deren Definition noch getroffen werden muss.

Ich bin gleichzeitig selbst bereit, für gute Qualität an Musik, Serien, Filmen auch gutes Geld zu bezahlen, wenn ich sie dafür nach Erscheinen zu dem Zeitpunkt meiner Wahl erwerben kann.


Trotzdem habe ich mit der Agenda der Piraten gewisse Bauchschmerzen.

Urheberrecht vs. Verwertungsrecht:

Natürlich ist das nicht identisch. Von den Piraten oder der Publicity wird aber tatsächlich immer vom Urheberrecht gesprochen. Selbst das Piratenwiki fasst das Thema unter diesem Begriff zusammen:
http://wiki.piratenpartei.de/Urheberrecht

Unterm Strich habe ich aber Bauschmerzen mit einer Partei, die öffentlich dafür eintritt, dass meine geistigen Ergüsse quasi sobald einmal in einer digitalen Form veröffentlicht dem Allgemeingut unterliegen und frei kopier- und verfügbar sein sollen. Das Argument von +Johann von Schadowitz, dass die Welt sich weiterdreht und Autoren und Verlage sich eben anpassen müssten, halte ich für frech.

Ich habe dabei keine Angst, dass die Menschen keine Geschichten mehr wollen. Ich fürchte mich auch nicht vor der Konkurrenz oder dass jetzt "jeder schreiben kann". Es kann eben nicht jeder (gut) schreiben. (s.u.)
Menschen wollen unterhalten, zum Nachdenken oder zum Lachen gebracht oder schlicht gegruselt werden. Sonst gäbe es keinen Markus Heitz und kein Hollywood. Natürlich wird sich die Darreichunsform stetig ändern, und sowohl Produzenten (Autoren/Musiker) müssen sich mitwandeln wie die Vermarkter (Verlage/Produktionsfirmen).

Das Resultat eines Wegfalls des Vervielfältigungsrechts an der eigenen Geschichte/Idee/Musik (der "sich weiterdrehenden Welt") wäre aber, dass ich mir einen Brötchenjob würde zulegen müssen, der 100% meiner Zeit frisst und nicht mehr (oder sehr eingeschränkt) schreiberisch tätig werden könnte.
Verallgemeinert auf die Buch-, Musik- und Unterhaltungsbranche kann das niemand wollen, denn dann wäre die Welt ein großes Stück ärmer.

Die lapidare Anmerkung, für den Entgelt der Urheber müssten "neue Methoden und Konzepte" gefunden werden, reicht mir nicht. Das ist das Äquivalent eines Autodiebstahls ab Werk, für den für die Vergütung "neue Methoden und Konzepte" gefunden werden müssen.

Im selben Themenkomplex: Die Leichtigkeit des Kopierens ist kein Argument. Wenn eine Palette Colaflaschen unbeaufsichtigt auf einem Marktplatz herumsteht, dann sollte man sich nicht wundern, wenn später was fehlt.Nur weil Gelegenheit Diebe macht, heißt das nicht, dass es sich nicht trotzdem um Diebstahl handelt.

Ich verlinke hier mal einen Text von "Lasterbalk dem Lästerlichen", dem Songwriter, Drummer und Texter von "Saltatio Mortis", der sich zum Thema Download auslässt (ich hoffe, der Facebook-Link klappt):
https://www.facebook.com/notes/lasterbalk-der-l%C3%A4sterliche/ein-langer-text-zum-thema-download-/2150465355326


Zu den Verlagen:

Viele Leute tun immer so, als seien die Verlage die Bösen. Tatsächlich wäre ich ohne einen Verlag, der an mich geglaubt hätte, heute vermutlich nicht da, wo ich bin. Nicht jeder Autor ist ein Selbstmarketing-Genie oder Unternehmer (tatsächlich würde ich sogar sagen: eher die Minderheit).
Ich subsummiere hier den (oben von +Kristian Köhntopp verlinkten) +Sascha Lobo, der die Leistungen der Verlage ganz richtig zusammenfasst:

-- Querfinanzierung: Bestseller-Autoren helfen, Dutzende von kleineren Autoren groß zu machen. Das ist deshalb wichtig, weil noch kein Meister vom Himmel gefallen ist. Schreiben ist ein Handwerk, das man lernen kann und muss - und die ersten Gehversuche werden noch lange nicht im aufrechten Gang enden.
-- Suchen und Fördern vielversprechender Autoren, damit auch ein erstes Screening von Qualität und Inhalt. Nicht jeder, der schreiben will, kann auch schreiben. Und nicht jeder, der sich für einen guten Autor hält, ist auch einer.
-- Vorfinanzierung. Lektorat, Satz, Vermarktung, Vertrieb (ob Print oder eBook) kostet Geld.
-- Strategieberatung für Autoren - was verkauft sich, was nicht? Denn immerhin ist das Buch ein Produkt, dass beim Endabnehmer Gefallen finden soll
-- Planung, Vermarktung, Interessentenbetreuung
-- Vertrieb des fertigen Produktes

Natürlich machen die Verlage nicht alles richtig, und natürlich sind nicht alle Entscheidungen, die da getroffen werden, noch zeitgemäß. Dass ein eBook nur 1,- Euro weniger kostet als die Printversion ist indiskutabel - immerhin ist der Produktionsaufwand geringer. Wie viel geringer, kann ich persönlich nicht einschätzen - ich weiß nicht aus dem Kopf, wie groß der Anteil von Druck, Versand, Platzierung in den Buchläden an dem Endpreis tatsächlich ist.


Zum Abschluss:

Um es freundlich, kurz und schmerzlos zu machen: Das Urheber-/Verwertungsrecht ist die Kernthematik der Piraten. Die Tatsache, dass für diese Kernthematik keine Antworten existieren, macht die Piraten für mich (und sicher auch viele Kollegen in den künstlerischen Branchen) unwählbar, egal, wie ansprechend ihr Programm sonst sein mag.
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Hi Lena....bin seit ein paar Wochen auch Pirat :-) Weil sie wie ich erfahren hab nicht das Urheberrecht abschaffen wollen. Sie wollen nur nicht das man für das Kopieren gleich 4 Jahre ins Gefängnis muss. ich find das auch überzogen. Also ich würd nicht wollen das einer der ne CD von mir kopiert in den Knast muss.
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Lieber Kristian Köhntopp, was Sie argumentieren ist zwar interessant und auch bedenkenswert, geht aber an Lenas Frage völlig vorbei. Die Konkurrenzsituation von "klassischem Verlag", "Selbstverlag" bzw. "Selbstpublishing" und Direct Publishing-Plattformen sind ein Thema für sich, haben aber mit der Frage nach dem Wert des Urheberrechts eigentlich nichts zu tun.

Es geht nicht darum, ob ich mit dem, was ich geschaffen habe tun und lassen kann, was ich will und ob (oder ob ich nicht) einen herkömmlichen Verlag benötige um das zu tun oder auch zu lassen. Ich stimme ohne Probleme zu, dass für einige Werke (nicht für jedes) digitale Verbreitungswege das deutlich bessere und lukrativere Geschäft sind. Und ich habe kein Problem damit, wenn jemand über eine Self-publishing-Schiene an allen Zwischenhändlern und Verlagen vorbei das große Geld verdient. Von mir aus mit Marketing- und Werbagentur, freischafendem Grafiker und freiberuflichem Lektorat) ganz alleine Geld verdient. Ist mir zwar momentan zuviel Zeitaufwand (in der Zeit kann ich nämlich auch schreiben) - aber in meinem Brotjob kann man mich dafür auch gern anmieten. g

ABER: Das hat mit Urheberrecht nur in sofern zu tun, als dass auch genau all diese Selfpublisher vom Urheberrecht aktiv geschützt werden!

Es geht darum, dass es in meiner Eigenschaft als Wert- und Werkschöpfer ein Bestimmungsrecht darüber haben sollte, wer an meinem Werk verdient.

Eine Abschaffung des Urheberrechts würde nämlich (etwas überspritzt formuliert) bedeuten, dass, sobald ich ein Werk verfasst habe, es Heiner Meier oder Gretchen Müller (oder auch eine Bertelsmann AG) nehmen können, und damit ein florierendes Geschäft aufmachen. Mit dem sie sich (schon weil sie sich auf die Vermarktung und nicht auf die eigentliche Wertschöpfung konzentrieren können und vielleicht auch das bessere BWL-Studium haben), ohne den Schutz, den mir das Urheberrecht gewährt, ganz legal eine goldene Nase verdienen können, ohne dass ich einen Cent davon sehe. Das wäre nämlich die Folge von "alle Schöpfung ist Gemeingut".

Eine legal mögliche Folge der Abschaffung des (immerhin unveräußerlichen!) Urheberrechtes wäre es zum also, dass sich jeder Verlag (also all die, über die so gern geschimpft wird) von BMG über Bertelsmann bis Bastei jedes zu findene Werk nehmen könnte, ohne jemanden um Erlaubnis zu fragen. Mit dem dahinterstehenden Geld würde eine entsprechende Produktaufmachung und Medienwirksamkeit erzeugt. Der allergrößte Teil der Menschen reagiert auf so etwas und kauft das beworbene Produkt genau in dieser Form (zumindest das darfst du mir glauben. Ich bin professioneller Lügn... äh... Werber). Der, der davon nichts abbekommt, ist der (selbst publizierende?) Autor in seiner Nische. Und zwar gerade unter der Nutzung der Tatsache, dass es so einfach ist, Dinge zu kopieren. Was es denen, die alle Möglichkeiten und das Geld haben, das im großen Maßstab zu tun, voll und ganz in die Hände spielen würde.

Und genau davor schützt die Autoren (und bildende Künstler, Designer und Musiker) das ... wait for it... Urheberrecht. Sogar die, die meinen, das nicht zu brauchen. Man kann ja nie wissen.

Natürlich lassen sich Eckpunkte daran optimieren und modernisieren.
Ob das mit dem Urheberrecht bis 70 Jahre nach Tod des Wertschöpfers sein muss, sei auch mal dahin gestellt (ich persönlich halte 30 Jahre für ganz angemessen - bis dahin sollten ich sogar die Kinder, im Regelfall eher sogar die Enkel, einen eigenen Job gesucht haben. Aber das ist eine andere Sache).

Aber: ich will als wertschöpfender Autor (gilt übrigens genauso für mich als als Grafik-Designer*) am Wert meiner Arbeit beteiligt sein. Und das einzige Rechtsmittel, das ich dafür habe, ist und bleibt das Urheberrecht.

*hier würde es heißen: Ich erschaffe eine Gestaltung, die der Kunde dann nach Belieben verwenden kann, ohne mich dafür zu bezahlen, weil er im Augenblick der Werksübergabe durch nichts mehr verpflichtet wäre, mir für die Verwendung meiner Arbeit tatsächlich etwas zu zahlen. Er kann aber eben NICHT zu einem asiatischen oder osteuropäischen Billigheimer gehen und sich das einfach nachbauen lassen, um lustig von meiner Arbeit für billig Geld zu profitieren. Bzw. kann er schon. Dann kann ich aber zu meinem Anwalt gehen, der jetzt das Urheberrecht heraus kramt und dafür sorgt, dass ich mein Geld bekomme. So oder so.
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Stell dir vor in X Jahren steht in jeder Wohnung ein Gerät das jedes beliebige Arzneimittel erzeugen könnte. Der traditionelle Weg der Finananzierung der Pharmafirmen über den Verkauf physikalischer Tabletten, Salben etc funktioniert einfach nicht mehr, jeder produziert on Demand zuhause. Die Pharmafirmen wollen auch gerne selbst ihre Medikamente digital verkaufen. Der Versuch durch Gesetze und DRM das "Raubkopieren" der Medikamente einzudämmen führt zur Kriminalisierung des Großteils der Gesellschaft und Einschränkungen der Freiheit selbst der ehrlichen Medikamentenkäufer. Die unvermeidliche Wahrheit ist: sobald ein Medikament analog oder digital existiert findet sich auch jemand der es "scannt" bzw online stellt und damit jedem die kostenlose Vervielfältigung erlaubt.

Alle sind sich aber selbstverständlich grundsätzlich einig das Pharmaunternehmen wichtig sind und weiter Geld brauchen um neue Arzneien zu entwickeln. Eins ist relativ klar: das Geld kann künftig nicht mehr 1:1 pro Pille oder Tube vom Patient zum Hersteller fliessen.

Ein Konzept beschreibt wie auf Basis einer Medikamentenflatrate eine möglichst faire Finanzierung der Pharmafirmen gemessen an dem realen Erfolg ihrer Medikamente stattfinden kann.
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Zu deinem Abschlusskommentar, Lena:
Ja, das macht die Piraten auch für mich unwählbar. Nur motzen, aber keine bessere Alternative bieten können (und das in seinem (und - als Kreativschaffendem - meinem) ureigensten Kernthema), ist schlicht keine Option, die eine ernsthafte Wahl in Betracht ziehen lässt.
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Lothar, das vermischt jetzt aber wiederum Urheberrecht mit Patentrecht. ;)
Und eine Kulturflatrate ist lustigerweise genau das, worüber sich heute schon alle beschweren: Die Gebüren"Piraterie" der GEZ.
Wie soll das funktionieren - Ich kann lesen, also zahle ich jährlich (sowie für den ehepartner und jedes schulpflichtige Kind ab der zweiten Klasse) meinen Kulturflatratebeitrag für literarische Produkte?

Ich fördere damit per Flatrate alles Geschaffene? (Nach demokratischer Rechtslage also auch das, was mir überhaupt nicht passt, zum Beispiel deutlich rechtslastiges Musik- und Schriftgut)
Na klasse. Ich für meinen Teil bevorzuge es, vor allem für das zu zahlen, was ich tatsächlich nutze - und begrüße es, wenn dann genau diesen Kulturschaffenden dann auch mein Dank in Form von finanziellen Zuwendungen zu geht.

Momentan ist das Thema "Kulturflatrate" schlicht eine Worthülse ohne realistischen Inhalt.
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Ein bisschen offtopic, hoffentlich nicht zu sehr:

Ich kann nicht über Schriftsteller reden, weil ich mich damit nicht auskenne. Ich habe mal ein längeres Interview mit Stephen King gelesen, aber das ist lange her. Er sagte, er kriegt ca. 5% des Preises von Büchern, und er ist wohl einer derjenigen, der mit den größten Anteil hat. Er sagte auch, dass er das gelinde gesagt unverhältnismäßig findet.

Zur Musik: es gibt mittlerweile 3 Studien, die zeigen, dass Künstler seit piratebay & CO mehr Geld verdienen als vorher, und dass die Musikindustrie weniger Geld verdient (zwei davon von einem London Think Tank, die dritte weiß ich nicht mehr).
Es gibt keine Studie, die Gegensätzliches zeigt. Leute die "raubkopieren" kaufen mehr CDs als diejenigen, die das nicht tun. Und sie gehen auf Konzerte und kaufen TShirts.

Jetzt wäre ich gespannt, wie sich das bei Schriftstellern umsetzen ließe.

Ich denke Leute sind nach wie vor bereit, Geld für Kunst zu zahlen, und ich denke sie tun das auch. Es gibt so viele Beispiele von Bands, die ihre Lieder online kostenlos anbieten, und die damit ausnahmslos gut gefahren sind, weil die Fans dann eben die bonus DVD mit Unterschriften kaufen. Wie gesagt, bei Autoren kenne ich mich nicht aus.
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"dass Urheber von ihren Werken derzeit kaum existieren können"

Das ist auch kein Menschenrecht. Aehnlich wie +Kristian Köhntopp befinde ich mich schuldlos in der Lage dass das was ich kreativ anstelle zu einem akzeptablen Einkommen fuehrt, mit dem ich (auch) Leute unterstuetze, die mich begeistern. Es gibt aber kein Recht darauf, von Aktivitaeten auf die man Lust hat auch leben zu koennen. Vielleicht ist die Epoche des Zeichnens, Schreibens, Komponierens fuer den Lebensunterhalt einfach zu Ende; das ist kein so komplizierter Gedanke. Wenn man das nicht will, waere es womoeglich zielfuehrender, nicht auf das Urheberrecht einwirken zu wollen, sondern auf bedingungsloses Grundeinkommen hin?

Den Mehrwert von Lektorat vermag ich uebrigens zu erkennen; den von Satz nur in Printmedien — es erscheint wagemutig, heute noch Annahmen ueber die Zielplatform zu machen.

Ansonsten stelle ich fest, dass z.B. mein Comic-Konsum sich komplett von den grossen Verlagen abgeloest hat. Nicht nur sagt mir "1x taeglich" mehr zu als "1x woechentlich", die comics sind einfach besser. Was bekomme ich bei DC? Alle paar Jahre fahren sie's so an die Wand, dass sie die continuity rebooten muessen und mein komplettes investment im Po ist. Schoen fuer Neueinsteiger, schlecht fuer Bestandskunden. Was noch? Women in Refrigerators. Rape- and porn-tastic nonsense. DC haetten mich als Kundin auch dann verloren, wenn es keine Alternativen gaebe. (Das ist die gepriesene Praeselektion/Filterung durch die Verlag. Ich haette da doch lieber ein Web of Trust bzw. data mining — "Leute die aehnliche Dinge wie Sie gut fanden, mochte folgende Werke die Sie noch nicht kennen ..."). Die comics die ich jetzt lese, sind schlauer, frauenfreundlicher, haben Charaktere aus Minderheiten denen ich angehoere, und ernaehren in vielen Faellen ihre Urheberinnen (Girls with Slingshots, Cat & Girl usw.). Dabei erscheinen diese comics gratis im Netz. Es ist nicht Urheberrecht das diese Frauen ernaehrt: "The secret ingredient is love."
Wenn man Leute passend begeistert, geben sie einem Geld.
Auch wenn sie nicht muessen.
Wiederum: Niche und starke Fan-Bindung, nicht Verlag.

"Es gibt auch Musiker fuer die das funktioniert."
http://en.wikipedia.org/wiki/Jonathan_Coulton#Thing_a_Week

Und da ist noch nicht mal die Frage mit drin, ob der Gini-Index irgendwann so kaputt sein wird, dass Menschen entweder nicht lesen, gratis lesen, oder raubkopieren — alles, nur nicht ein $15 Buch kaufen, weil das ein Luxusgut ist. Auch nicht enthalten ist die Frage, ob Buecher in 10 Jahren noch zu Aufmerksamkeitsspannen der tl;dr-Generation passen werden. Ich selbst habe schon heute Buecher weitgehend durch Wikipedia-Artikel (zum Lesen) und podcasts bzw. TED und Standford-Videos (zum Hoeren und dabei Einschlafen) ersetzt, und ich kann mich noch erinnern, als eine Bibliothek meine Erziehungsberechtigte war.
We've come a long way.
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Uiuiui, hier wird ja mal wieder eine Menge Schrott erzählt. Mal zur Klarstellung:
ad 1) Verlage übernehmen nicht nur die Druckkosten und das Lektorat, sondern auch das Korrektorat, das Marketing, die Covergestaltung und den Satz. Das alles kostet Geld, das dann der Autor vorschießen müsste.
ad 2) Ach ja, Geld, da war ja was: Verlage zahlen Autoren einen VORSCHUSS, denn ein Buch zu schreiben braucht Zeit - bei den meisten hauptberuflichen Autoren zwischen 3 und 24 Monaten. In dieser Zeit braucht der Autor aber Geld für die Miete und das Essen. Vorschüsse sind übrigens nicht rückzahlbar und nur so können es sich hauptberufliche Autoren überhaupt leisten, als Autoren zu arbeiten.
ad 3) Angerechnet wird der Vorschuss auf die Buchverkäufe, die Beteiligung des Autors am Buchverkauf schwankt (je nach Buch, Autor und Verhandlung ) zwischen 5% und 10%. Klingt ja erstmal toll, wenn denn die Buchverkäufe so riesig wären - die allermeisten Bücher in deutschen Großverlagen verkaufen zwischen 5k und 10k Büchern. Tja, und so ein Taschenbuch kostet € 9,95. Huch, man kriegt ja nur eine Beteiligung am Netto-VK, davon ziehen wir also noch mal 7% ab. Und jetzt holt mal die Taschenrechner raus, um zu ermitteln, was ein Autor denn so im Durchschnitt pro Buch verdient.
ad 4) Das bedingungslose Grundeinkommen ist eine feine Sache - ich bin auch dafür, wären Menschen dann doch nicht mehr gezwungen arbeiten zu MÜSSEN. Aber warum wird ein Angestellter jeden Monat bezahlt (und zwar egal wie viel er arbeitet und wann das Projekt, an dem er beteiligt ist, abgeschlossen wird), ein Autor aber soll all die o.g. Vorarbeiten leisten, um dann vielleicht durch FANS Geld zu bekommen - und gerade in Deutschland sind die geizig. Es möge mir doch mal jemand ein deutsches Buch zeigen, dass durch Crowd-Funding entstanden ist, da wäre ich mehr als interessiert.
ad 5) Was mich an diesen ganzen Debatten um Autoren stört, ist, dass zum einen Menschen sich über meinen Beruf auslassen, die ganz offensichtlich keinerlei Ahnung von den Arbeitsbedingungen geschweige denn den Hintergründen haben, und dass zum anderen immer Urheberrecht, DRM und digitale Distribution in einen Topf geschmissen werden. Das sind drei Themenbereiche, die zwar Überschneidungen haben, zunächst mal aber getrennt betrachtet werden müssen.
So, genug ge-ranted für heute.
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+Florian Laws Es gibt stücke die Biete ich frei im Internet an und andere verkauf ich über einen Verlag. Aber auch für die die ich verkauf sollte keiner ins gefängniss gehen. Das heist ja nicht das es erlaubt sein sollte. Ich find nur die verhältnissmäßigkeit ist doch echt nicht mehr gegeben. Ich hab prozesse erlebt wo einer nach einer Vergewaltigung mit Bewärung davon gekommen ist. Da kann man doch keinen CD Kopierer 4 Jahre in den Knast schicken. Das ist doch übertrieben.
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Mich, der jeden Abend ein E-Book liest, mehrmals pro Monat einen digitalen Film zuhause guckt, seit Jahren keine CD mehr gekauft hat und trotzdem oft Musik hört, betrifft diese Debatte genauso im Kern meiner Lebensrealität und -qualität wie den Autor, Filmemacher, Musikant der seine Brötchen bezahlen muss.

Selbstverständlich haben die Erschaffer ein (moralisches) Recht zu diktieren unter welchen Bedingungen sie bereit sind weiter kreativ zu sein. Die Konsumenten haben aber genauso ein (moralisches) Recht zu diktieren unter welchen Bedingungen sie noch bereit sind die Finanzierung zu leisten. Am Ende muss man sich einigen, weil der Eine nicht ohne den Anderen kann.
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+Ralf Kurtsiefer Das ist noch mal eine andere Baustelle. Hier im angelsaechsischen Raum z.B. sprechen RechtswissenschaftlerInnen schon von einem "right to rape", "weil ja doch fast nie jemand verurteilt wird."
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+Ole Johan Christiansen Entschuldige, aber in wiefern ist es meine Schuld, wenn Du Dich an ein deutsches (oder nur deutschsprachiges?) Publikum wendest? Obendrein wenn Du bereits weisst, dass das suboptimal ist?

Versuchst Du da gerade Dein kaputtes Geschaeftsmodell zu meinem Problem zu machen?
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+Lothar Gesslein Also ich seh das so. Dadurch das in dem Bereich Musik, so viel geld zu verdienen ist, haben sich dort Klempner die immer nach den selben Muster Musik machen durchgesetzt. Natürlich auf Kosten von Künstlern die wirklich was zu sagen haben. Ich begrüße es las Künstler also ausdrücklich das es nicht mehr so viel Geld zu verdienen gibt. Das senkt die Motivation bei Leuten wie Bohlen uns weiter mit Müll zu belästigen :-) Ich find die Diskussion die du da Anstößt für sehr intressant. Ich seh das genau so wie du. Der Punkt ist doch der, wir Künstler brauchen ein bisschen Geld um uns die Instrumente kaufen zu können auf denen wir dann die Musik machen. Die Kosten Geld. Ich hab immer mal von einem anderen Vertriebskonzept geträumt. In dem jeder 1 € pro Jahr bezahlt so als .... Fanklup beitrag. Dafür komponier ich nach den Wünschen der Fanclub Mitglieder und alles ist dann ansonsten Kostenlos. Und natürlich auch Gema Frei. Aber dafür bin ich selber noch zu unbedeutend....aber wenn ich Phill Collins wäre :-)
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Konsens ist IMHO, dass der Urheber initial die exklusiven kommerziellen Nutzungsrechte für sein Werk über einen bestimmten Zeitraum hat (auch bei den Piraten).

Die Unterschiede zu anderen Parteien treten an drei Punkten auf:

a) Wie lange ist dieser Zeitraum. Die Länge des Zeitraums betrifft Dich nur, wenn Du der fünfte Beatle bist.

b) Welche Einschränkungen Deiner Exklusivität Du hinnehmen musst (z.B. "fair use"): Auch das dürfte sich beim Broterwerb kaum auswirken.

c) In wie weit der Staat Dich durch Maßnahmen Dich bei der Durchsetzung Deiner Exklusivität unterstützt (z.B. "Verfolgung von Raubkopierern"): Wie ich gleich ausführe, wird das auch auf Deine Einnahmen praktisch keine Auswirkungen haben.

Der größte Konfliktpunkt ist c). Die Position der Piraten ist nach meinem Verständnis, dass eine Unterstützung der Durchsetzung der Exklusivität nicht zu Lasten der Freiheitsrechte oder der stabilen Funktion des Netzes gehen darf. Verstärkt wird dieser Punkt durch den Eindruck, dass es den etablierten Parteien gar nicht um die Urheber geht, sondern mehr um die Fortschreibung bestehender Macht- und Kontrollstrukturen im Zeitalter des Internet geht.

Der Versuch, bestehende Verwertungsmodelle beizubehalten ist nach +Kristian Köhntopp's Lemma schlicht aussichtslos. D.h. wie der Kampf um c) ausgeht, wird keine Auswirkungen auf den Broterwerb haben. Der Unterschied zwischen den Parteien ist dort eher, dass die Piraten Dir eher die Wahrheit sagen, was auf Dich zukommt und nicht Deine Sorgen vor Ihren Agenda-Karren spannen.

Disclaimer: Ich bin kein Pirat, glaube aber das in Bezug auf dieses Thema meine Einstellung nahe an deren Position ist.
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LOL - Tatiana, das ist ja mal der beste aller Sprüche! Mein Geschäftsmodell funktioniert aktuell völlig zufriedenstellend für mich - nur eine Verschlechterung meiner Arbeitsbedingungen ist schlichtweg nicht einzusehen. Aber schön, dass du so argumentierst, denn eben diese Geisteshaltung ist vielen Piraten zu eigen (unabhängig davon, ob du eine bist oder nicht) - den Piraten mangelt es massiv am Gedanken der Solidarität, stattdessen legt man eben mehr wert auf St. Florian ...

Crowd-Funding-Modelle, die immer wieder ins Feld geführt werden, eignen sich nur für große etablierte Namen - und wollen wir einen Buchmarkt, auf dem es nur noch Hirschhausens, Grishams und auch Bohlens gibt? Denn auch wenn diese Autoren Crowdfunden könnten, werden sie auch weiter als Buch veröffentlichen, ist ja schließlich Extrakohle, die man verdienen kann. Das zeigt ja überdeutlich der aktuelle Fall einer "Kindle-Millionärin", die beim ersten Angebot zu einem Großverlag hin und von Kindle weg gewechselt ist.
Aber selbst die Großverlage bieten kleineren Autoren eine Nische, in der sie existieren können, diese Nische wird durch die Zerschlagung der Verlage und die massive Umgestaltung des Urheberrechts vernichtet. Geistiges Eigentum ist auch eine Form des Eigentums, mir ist völlig unklar, wie jemand bei klarem Verstand da für eine Enteignung sein kann.

So und jetzt noch mal kurz zur Debatte "Raubkopierer sind Verbrecher." Ja, sind sie. Das widerrechtliche Kopieren von geistigem Eigentum ist ein Diebstahl, das kann man einfach nicht wegdiskutieren. Das der Diebstahl nicht körperlich stattfindet, ändert an diesem Umstand nichts. Das diese Verbrecher vielleicht auch starke Konsumenten sind, ändert daran auch nichts. Nur weil ich jede Woche Summe X bei einem Einzelhändler lasse, habe ich ja nicht gleich das Recht Waren im Wert von Summe Y zu klauen. Das Raubkopieren schädigt nicht nur Verlag und Retailer, sondern auch die Künstler direkt, denn sie sind ja an den Verkäufen beteiligt.

ABER (und zwar ein ganz schön dickes) in Deutschland ist noch kein PRIVATER Raubkopierer zu Gefängnisstrafen verurteilt worden (soweit mir bekannt) - die werden nur abgemahnt oder kriegen Geldbußen. Sehr wohl verknackt werden Leute, die im Internet gewerbsmäßig Raubkopien zur Verfügung stellen und damit Geld verdienen. Und mit anderer Leute Arbeit Geld verdienen, sollte imho auch bestraft werden, oder?
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Ich freue mich über die (noch recht) zivile Diskussion zu dem Thema. Besonderen Dank an +Tom Orgel, der den Schutz der Autorenrechte auch gegen piratisierende Verlage erwähnt, und an +Ole Johan Christiansen, der aufführt, dass viele Bücher ohne den Verlagsvorschuss gar nicht zustande kämen - meine zumindest auch nicht.

Ganz besonders erleuchtend finde ich den Blog-Beitrag von +Christian Buggedei, der schreibt: "Kernkompetenz und Thema der Piratenpartei sind eher so Sachen wie Bürgerrechte, Bildung, politische Transparenz, Basisdemokratie und Netzpolitik. Vieles davon sind Sachen, die bei der Frage, wie man Urheber– und Verwertungsrechte in Hinsicht auf die Realitäten des Internets bewertet nicht ganz unwichtig sind."
Danke, Christian!

Genau wegen dieser Agenda führe ich überhaupt diese Diskussion. Bürgerrechte, Basisdemokratie, politische Transparenz, und ich setze noch einen drauf, nämlich den Schutz der Bürger vor der Entmündigung durch sogenannte Anti-Terror-Gesetze - das sind meine Kernthemen.

Aber ganz ehrlich: Dann haben die Piraten den falschen Namen.
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ach, das mit dem Namen... Die Diskussion willst Du wirklich nicht führen :)

(tl;dr version: Wir sind halt Teil der internationalen Piratenpartei-Bewegung, und ein Ändern des Namens ist jetzt nicht mehr drin, punkt.)
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Die von Lena genannten Thema sind ja auch die, bei denen ich den Piraten wirklich alle Daumen drücke. Die FDP hatte ja mal ganz ähnliche Ideen, die man aber lieber gegen wirtschaftsliberalen Dreck ausgetauscht hat - mit etwas Glück treten jetzt die Piraten an ihre Stelle als "Bürgerrechtspartei".
Nur beim Urheberrecht mangelt es schlichtweg an Hintergrundwissen und Kompetenz, stattdessen werden arg plumpe Stammtischparolen geschwungen.
Aber das scheint ja auch einigen Leuten in der Partei aufzufallen, siehe hier http://wiki.piratenpartei.de/Diskussion:Urheberrecht, der letzte Beitrag zur Diskussion ...
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Um es nochmal deutlich auf den Punkt zu bringen:
Urheberrecht ist NICHT gleich Verwertungsrecht.

Das Urheberrecht regelt lediglich, dass das, was ich geschaffen habe, mein geistiges eigentum ist, EGAL, was ich dait mache und wie ich damit Geld verdienen will. Das Urheberrecht schützt den genauso, der ohne Gema, ohne Verlag und ohne Retailer sein Material kostenlos im Netz anbietet. Es schützt ihn vor allem davor, dass ANDERE mit seiner Arbeit Geld verdienen, wenn er es nicht ausdrücklich erlaubt.

Ein Verlag ist nie der Inhaber des Urheberrechts, sondern immer der Künstler (der dieses Recht nicht mal irgendjemandem übertragen (sprich: verkaufen) könnte, wenn er das wollte. Er räumt dem Verlag (etc.) lediglich das VERWERTUNGSRECHT ein. Und zu welchen Konditionen er das tut, bleibt letztendlich schon heute ihm überlassen. Das bedeutet wiederum, dass das Urheberrecht nicht den "bösen Verlagen" nutzt, sondern nur dem individuellen Künstler.

Dass die Piraten das nicht trennen zeigt mir, dass sie selbst das urheberrecht noch nicht wirklich verstanden haben.
Was wiederum daran liegen könnte, dass sie in allererster Linie von der IT ausgehen. Hier müsste man vermutlich zwei komplett unterschiedliche Formen von Urheberrecht endlich einmal entkoppeln. Schon, da die Wertschöpfung in der IT dem, was unter Patentrecht (ein drittes Paar Schuhe!) wesentlich näher steht, als der durch das Urheberrecht abgedeckten Kreativarbeit von Musikern, bildenden Künstlern (wie Grafikern, Illustratoren, Photographen, ...) und Autoren.
Dass das Urheberrecht (unglücklicherweise) auch die IT-Programmierung umfasst macht es in dieser Branche (und nur in dieser) tatsächlich zum Problem, da hier Wertschöpfung unmittelbar und fast vollständig von der Arbeit anderer abhängig macht. Hier behindert es tatsächlich die Arbeit, wenn ich meinen Programmierer richtig verstanden habe.

Man bedenke: auch das heutige Urheberrecht hindert keinen einzigen Künstler daran, seine Arbeit kostenlos frei verfügbar zu machen oder unter eine CC-Lizenz zu stellen. Es ermöglicht ihm aber, zu verhindern, dass das automatisch passiert. Es ermöglicht ihm eine grundlegende Kontrolle darüber, wer mit seiner Arbeit Geld verdient.
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+Ole Johan Christiansen "nur eine Verschlechterung meiner Arbeitsbedingungen ist schlichtweg nicht einzusehen"

Da hast Du Dir jetzt aber geistiges Eigentum von den Heizern angeeignet — oder? ;)

Ich habe im uebrigen durchaus ein gewisses Wohlwollen z.B. dem grundlosen Bedingungseinkommen gegenueber — die Frage ist da halt, ob der Anspruch an die Staatsangehoerigkeit gebunden ist (dann fliesst ggf. Geld in fremde Volkswirtschaften ab) oder an den Wohnsitz (dann werden "Leistungstraeger" die zeitlebens "eingezahlt" haben und dann umziehen benachteiligt).

"So und jetzt noch mal kurz zur Debatte 'Raubkopierer sind Verbrecher.' Ja, sind sie."

Das mag in einigen, vielleicht sogar vielen, Faellen gegenwaertig zutreffen. Gesetze die die ueberwiegende Mehrheit der Bevoelkerung kriminaliseren sind allerdings zu ueberdenken, und genau das tun wir hier.

"Das wiederrechtliche Kopieren von geistigem Eigentum ist ein Diebstahl, das kann man einfach nicht wegdiskutieren."

Das muss man auch nicht, denn es ist Bloedsinn. Das deutsche Recht (um das es Dir mutmasslich geht) z.B. verlangt nach einer beweglichen koerperlichen Sache.
Ich klaue es, danach hast Du es nicht mehr.
Und der Fisch dass eine Raubkopie nicht notwendigerweise ein entgangener Gewinn ist ("Umsonst nehm ich's, sonst nicht.") ist doch auch mannigfaltig gelutscht.
Eingedenk dieser beiden Umstaende koennen wir fuer den Rest der Faelle gerne Moral diskutieren — solange wir Urheberrechtsverletzungen nicht Mundraub, Diebstahl, usw. nennen. Ich glaube, soviel Wissensstand und sprachliche Praezision duerfen wir voraussetzen.
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Unsere Heizer müssen (wollen) aber ja noch weiter Kohle schauffeln. Die Berufe über die wir hier diskutieren sind ja nicht überflüssig geworden. Die Frage ist doch eher ob jeder Fahrgast dem Heizer ein kleines Trinkgeld pro geschaufeltem Kilo Kohle direkt bezahlt oder man z.B. einen kleinen Teil des Ticketpreises an den Heizer abgibt. Oder er bekommt einfach ein bestimmtes Gehalt von der Eisenbahngesellschaft, und die wird dann teilweise über Steuern finanziert. Oder ...
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Was Azundris sagen will ist das: Wir leben in der Zeit des Umbruches, in der es abzusehen ist, dass bestimmte Berufs- und Geschäftsmodelle die nächsten 50 Jahre nicht überleben werden. Diese nennt sie "Heizer", da in den vergangenen 50 Jahren eben dieser Berufsstand weitgehend ausgestorben ist.

Welche Berufe und Geschäfte dieses mal untergehen wissen wir noch gar nicht, und erst recht nicht, welche stattdessen kommen. Aber der Verdacht ist durchaus gegeben, dass sie irgendwo in dem Umfeld der Erschaffung und Vermarktung von Inhalten zu suchen sind.
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Danke, Ole für den piratenwiki-Urheberrechtslink.
Damit decken sie ja doch den Großteil dessen, was ich gesagt habe, ab. Auch wenn sie da immer noch mal einen Juristen fragen sollten.

Soweit meiner mir das erklärt hat, habe ich nämlich schon jetzt das volle Recht auf im Rahmen von Anstellungen "erfundene" bzw. geschaffene werke.
Nur nicht die Nutzungsrechte (die, wie richtig festgestellt wurde, durch mein Gehalt abgedeckt wurden). Das ermöglicht es mir aber zum Beispiel, für mich persönlich werbung mit dem zu machen, was ich während meiner Festanstellungen geschaffen habe.

In meinem Fall: Ich darf durchaus meinen Kunden heute die Arbeit zeigen, die ich früher für Agentur XY als Angestellter gemacht habe. Und niemand kann mich daran hindern, solange ich das nur in dem Maße tue, wie es tatsächlich meine Arbeit ist oder/und ich die anderen Beteiligten sowie den Rechteinhaber (sprich: die Agentur) nenne.
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+Ole Johan Christiansen Auch viele Urheber verstehen das Urheber- und Verwertungsrecht nicht. Z.B. sprechen Urheber (wie Du) gerne von "Diebstahl geistigen Eigentums". Das ist in mehrfacher Hinsicht Humbug.

Urheber- und Verwertungsrechte können kein Eigentum sein, da Eigentum nur an Sachen besteht. Dementsprechend ist "Geistiges Eigentum" ein Oxymoron und im wesentlichen ein Kampfbegriff (wie z.B. Content-Mafia) zur Verschleierung von Sachverhalten. Dementsprechend kann ich diesbezüglich auch keinen Diebstahl (was auch sowohl eine Sache als auch Eigentum bedingen würde) begehen. Ich kann eine CD, eine DVD ein Buch stehlen, aber nicht dessen Inhalt.

Wenn ich mir ein Musikstück kopiere ist das per se kein Verbrechen. Ggf. verletze ich Rechte des Urhebers oder seiner Verwerter. Das ist aber ein zivilrechtlicher Anspruch und kein Verbrechen und keine Ordnungswidrigkeit.

Ein Verbrechen bzw. Ordnungswidrigkeit kann es nur werden, wenn ich die Inhalte Dritten zur Verfügung stelle, die Kopie wissentlich von einer widerrechtlichen Quelle mache oder ich einen Kopierschutz umgehe.
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"Muessen" ja nun nicht. Und "wollen" heisst genau, dass es kein Geschaeftsmodell ist, sondern Liebhaberei.

* Ich moechte mich an dieser Stelle gern auf "nach drei Kommentaren einfach mal die Fresse halten" zurueckziehen. Vereinfacht ist meine Position, "Ich moechte gern, dass alle zu essen haben, aber das soll bitte erreicht werden ohne diese grossartige Chance fuer Demokratie, Wissen, und gegenseitiges Verstaendnis, mithin das Internet, notlos zu zerstoeren." Ansonsten what +Christian Buggedei said.
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+Lothar Gesslein, +Christian Buggedei: Das Heizer-Bild ist ja in diesem (unserem) Fall aber schief. Die Leute wollen unterhalten werden, sie saugen die Inhalte ja wie wild, ob eBooks, TV-Serien, Filme oder Musik. Die Nachfrage ist vorhanden.

Nur tun sie das mit einem Unrechtsbewusstsein gegenüber den Produktionskosten und -prozessen, das seinesgleichen nicht kennt.
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Ein kurzes Zitat aus der Wikipedia: "Diebstahl ist eine gegen fremdes Eigentum gerichtete Straftat." - also sprachlich ist mein Gebrauch wohl durchaus richtig. Von Rechtslagen habe ich nun wirklich nicht gesprochen.

Bleiben wir kurz bei den Heizern, wie Lothar sie erläutert. Ist es dann aber richtig, dass sich jeder hinten ans Schiff anhängen kann und so ohne irgendetwas zu zahlen mitfährt?

Aber der Vergleich hinkt eigentlich ganz gewaltig: Heizer mag es nicht mehr geben, weil sie obsolet geworden sind. Aber zu behaupten, dass Urheber verschwinden werden, ist einfach Blödsinn. Texte, Filme, Spiele und andere künstlerische Erzeugnisse wird es immer geben - sprich der Autor wird niemals aussterben, denn Menschen haben einfach Bedarf an Geschichten und irgendjemand muss sich diese Geschichten ja auch ausdenken und aufschreiben (bzw. in eine weiterverwertebare Form bringen). Man kann den Autor also kaum auf eine Stufe mit einem obsoleten Berufsstand stellen. Wenn wir tatsächlich die Singularität erreichen, das Menschsein transzendieren oder uns gegenseitig ausrotten, dann mag sich das ändern, aber mit diesen Entwicklungen kann man wohl kaum in absehbarer Zeit rechnen - und selbst wenn dann habe ich sicher ganz andere Sorgen als meine Existenz als Autor.

Und ich sage es auch gerne noch einmal: Verlage machen viel mehr als Inhalte vermarkten - und eben diese anderen Aufgaben kann das Netz nicht auffangen.
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+Lena Falkenhagen Das Heizer-Bild ist vollkommen korrekt. Auch heute noch wollen die Leute von A nach B kommen und warme Häuser haben. Geht halt nur jetzt ohne, dass jemand im Minutentakt Kohlen schaufeln muss. Und Inhalte kann ich bekommen, auch ohne, dass ich in den Laden gehen oder meine Festplatte mit DRM-Software verseuchen lassen muss.

Und ich behaupte mal frech, dass viel von den wild-gesaugten Inhalten tatsächlich gekauft werden würden, wenn sie denn überhaupt, in vernünftiger Form und zu einem akzeptablen Preis angeboten würde. (Vgl. Deine Aussage zu Serien, die jetzt gerade in den US laufen und nur irgendwann mal verhunzt im deutschen Fernsehen.)
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+Ole Johan Christiansen Das Zitat aus Wikipedia ist korrekt, deine sprachlicher Gebrauch nicht. Es gibt kein Eigentum an Inhalten.

Wenn Du den Piraten Unkenntnis vorwirfst, kannst Du doch selber nicht Bullshit verbreiten. Die Begriffe wie "Raubkopierer" und "geistiges Eigentum" sind Kampfbegriffe aus der politischen Diskussion. Die wurden absichtlich geschaffen um Ahnungslose zu verwirren. Wenn Du eine sinnvolle Diskussion willst, dann musst Du selber sauber argumentieren. Ansonsten beschränkt sich der Diskurs auf den wirkungslosen Austausch von Breitseiten :-(.
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+Ole Johan Christiansen Zu den Heizern, und ob denn nun Urheber verschwinden werden zitiere ich einfach einmal mich selbst:

"Welche Berufe und Geschäfte dieses mal untergehen wissen wir noch gar nicht, und erst recht nicht, welche stattdessen kommen."
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Naja, bisher kam ja von Piratenseite auch reichlich Breitseite, lieber Martin. Ich sag nur "Heizer" und das "4 Jahre Knast"-Argument - das sind noch viel mehr Kampfformel und Stammtischparolen.
"Diebstahl" und "Geistiges Eigentum" hingegen mögen juristisch andere Definitionen haben, im allgemeinen Sprachgebrauch hingegen versteht mich der Otto-Normalbürger aber sehr wohl.
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Es gibt übrigens durchaus "geistiges Eigentum". Sonst gäbe es das "Guttenberg-Problem" ja nicht. Auch das war eine Form von Diebstahl.
Das "geistige Eigentum" ist dabei durchaus verstofflicht. Es umfasst nicht eine Idee (die darf freilich jeder haben. Die Gedanken sind frei und so), sondern deren Umsetzung. eine umsetzung ist eine Sache und mithin ein "Gegenstand" - im juristischen ebenso wie im philosophischen und moralischen Sinn.

Ich vermute, du verwechselst hier den "geschaffenen" Werkgegenstand (der auch ein Text oder in Musikstück sein kann) mit der rohen Information, die wie die Idee, tatsächlich frei sein sollte.

Wer die selbe Idee kostenfrei umgesetzt haben möchte, soll sich bitteschön selbst an ihre Umsetzung machen und sich seine eigene "Sache" schaffen.

Schmankerl am Rande: Schon im ersten überlieferten "Urheberrechtsprozess" (gegen St. Columban von Iona, Irland. http://de.wikipedia.org/wiki/Columban_von_Iona) des Mittelalters wurde festgestellt: „Das Kalb gehört zur Kuh, die Kopie zum Buch“.
Was übrigens in folge den sogenannten "Bücherkrieg" auslöste.
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+Ole Johan Christiansen Das andere unsauber argumentieren stimmt. Auch mir passiert das manchmal, aber ich versuche (wenn ich es merke) immer, es gerade zu ziehen. Ich ärgere mich über die Begriffe, weil Sie die Presse und Politik regelmässig verwirren und das zu dem derzeitigen Irrsinn beiträgt.

Z.B. haben die Rechteverwerter nur in Ausnahmefällen Interesse an einer strafrechtlichen Verfolgung. Diese betreiben sie nur um an die Daten der (angeblichen) Rechteverletzer per Akteneinsicht heranzukommen. Sobald das erfolgt ist, erlischt in 99.99% aller Fälle jedes Interesse am strafrechtlichen Prozess. Dafür ist aber im Hintergrund der ganze staatliche Apparat angelaufen. Für 100 bis 1.000 Euro Abmahngebühr werden >10 Stunden Staatsanwälte und Polizisten beschäftigt. Das ist Irrsinn :-(.

Mit den Begriffen "Raubkopierer" und "Diebstahl geistigen Eigentums" wird besonders bei der Politik der Eindruck von Straftaten erweckt, die sehr häufig gar nicht vorliegen. Das unterstützt dann die "Kein rechtsfreier Raum im Internet"-Fraktion bei Ihren Kreuzzügen. Resultat sind die Einschränkung von Freiheitsrechten. Das ist Irrsinn :-(.

Ich weiß von (nicht beweisbaren) Verbindungen von Rechteinhabern zu Lobbyorganisationen die unter dem Label "Kampf den Kinderschändern" für Vorratsdatenspeicherung eintreten. Das ist Irrsinn :-(.

Was zumindest einige Piraten richtig erkannt haben ist, dass es so nicht weitergehen kann. Rechteinhaber haben einen berechtigten Anspruch, bei der Durchsetzung ihrer Rechte vom Staat unterstützt zu werden. Dieser Anspruch schließt aber nach meiner Auffassung keine Einschränkung der Freiheitsrechte, keinen Einbau technischer Risiken in das Internet oder einen Stop des technischen Fortschritts mit ein.

Das es bei den Piraten auch Spacken gibt die sagen, ich darf alles umsonst kopieren und das ist mein Menschenrecht, möchte ich nicht in Abrede stellen.
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Lieber Martin, ein sehr kluger Beitrag - in der Tat ist es ein Abmahn-WAHN, der dort von gewissen Lobbys vorangetrieben wird. Aber gerade im Buchbereich hält man sich da (soweit ich weiß) sehr zurück und versucht digitale Kopien auf breiter Basis zur Verfügung zu stellen.

Auch halte ich nichts von Internetsperren, der Vorratsdatenspeicherung, dem Generalverdacht und ganz vielen anderen Dingen, die gewisse Lobbys einführen wollen - aber wenn bei vielen, die gegen das Urheberrecht alltäglich und beiläufig verstoßen, keinerlei Unrechtsbewußtsein vorhanden ist, sondern stattdessen der Vorwurf umgedreht wird und die Urheber jetzt plötzlich die dummen, rückständigen und gierigen sind, dann weiß ich nicht, was man da machen soll.

Der absolut größte Teil der Autoren ist darauf angewiesen, dass sie Geld für ihre Arbeit bekommen. Das Geld bekommen sie von Verlagen. Die Verlage wiederum kriegen ihr Geld von den Distributoren, die wiederum ihr Geld von Einzelhändlern kriegen, die ihr Geld von Kunden kriegen. Wenn man jetzt mit Totschlagargumenten und ohne jegliches Hintergrundwissen versucht eben diese Wertschöpfungskette zu zerschlagen, ohne das es sinnvolle, praktikable und vor allem schon erfolgreiche Modelle als Alternative vorgelegt werden - dann muss ich einfach um meinen Lebensunterhalt bangen.

Da kann jetzt jeder natürlich sagen: "Persönliches Pech, hast aufs falsche Pferd gesetzt." Nur habe ich leider den Eindruck, dass viele, die das sagen, ein Pferd nicht vom Pitohui oder Buckelwal unterscheiden können, und eigentlich auch gar nichts über Pferde, Pitohuis oder Buckelwale wissen, sehr wohl aber auf Pferden reiten, sich Pitohuis anschauen und Buckelwale singen hören wollen.
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+Tom Orgel Das Guttenberg-Problem hat nur am Rande mit dem Urheberrecht zu tun. Die Verwendung fremder Ideen in der eigenen Arbeit ist im wissenschaftlichen Diskurs durchaus erwünscht. Sie müssen aber entsprechend gekennzeichnet werden. Diese Täuschung war das Kernproblem (moralisch und verwaltungsrechtlich) von Guttenberg, nicht die Verletzung des UrhG.

Die Umsetzung einer Idee ist keine Sache. Patente, Geschmacksmuster, Marken-, Nutzungs- und Urheberrechte sind konzeptuell was ganz anderes als Eigentum an Sachen. Die umgangssprachliche Vermischung ist IMHO kein Zufall, sondern Absicht am Konflikt beteiligter Parteien und schadet einer Lösungsfindung.

Ich bin kein Freund der Verwendung von Nebelkerzen in der Diskussion, daher reagiere ich da etwas allergisch ;-).

IMHO wird die Gestaltung der Urheberrechts wenig bis keine Auswirkungen auf das Einkommen der Content-Schaffenden haben. Viel wichtiger ist die Gestaltung der Geschäftsmodelle. Wenn es nicht gelingt, diese in einen Konsens mit der Mehrheit der erhofften Kunden zu bringen, wird keine Rechtegestaltung dieses retten.
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+Ole Johan Christiansen Ob die Wertschöpfungskette wie Du sie beschreibst überlebt, hängt mehr von dem Verhalten der Kunden ab als von jeglichem Einfluss der Piraten. Meine persönliche Einschätzung ist, dass sie sterben wird, egal was Politik, Autoren, Distributoren und Verlage wollen. Er wird nicht wegen der Piraten sterben sondern weil die Kunden abwandern.

Ich habe selber mal ein Buch (ca. 10 Jahre her) mit Freunden zusammen geschrieben, an einen Verlag verkauft, vom Verlag zurückgekauft, selber verlegt und selber drucken lassen. Am Ende fand ich es leichter, Werbung im Buch zu verkaufen als die Bücher selber. Solche Modelle werden zunehmen....

Die Buchbranche ist besser davor als die Musikindustrie. Das laute Aufklatschen selbiger auf dem Boden der Wirklichkeit hat schon einige Leute aufgeweckt. DIe Beharrungskräfte und die Masseträgheit verhindert aber, dass die deutsche Buchbranche die Zukunft aktiv wird mitgestalten können. Das werden eher Firmen wie Amazon oder Google machen...
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+Martin Seeger "Urheberrecht kann kein Eigentum sein"

Genau da aber liegt der Trugschluss, der dir und auch den Piraten (z.B. Andreas Popp in Telepolis) unterläuft. Tatsächlich ist das geistige Eigentum (ein Begriff der gerne gebraucht, aber im Urheberrecht gar nicht vorkommt) das einzige Eigentum, dass ein Mensch überhaupt besitzen kann. Alles andere "Eigentum" ist nämlich eine gesellschaftliche Konvention - das hat schon der alte Kant herausgefunden.

Ich will das mal wie folgt begründen. Stellen wir uns vor:

Wir haben einen Couchtisch, etwa 1,50 Meter lang, einen halben Meter breit, und sagen wir 60 Zentimeter hoch. Auf dem Tisch liegt ein roter Läufer, der links und rechts etwas vom Tisch herunterhängt. Auf dem Läufer steht mittig ein Hamsterkäfig. In diesem Hamsterkäfig rennt ein Goldhamster in seinem Rad.

Was ist passiert? Jeder, der das gelesen hat, hat vor seinem geistigen Auge einen Tisch mit Läufer, Hamsterkäfig und Hamster im Laufrad vor sich gesehen. Nicht jeder den gleichen Hamster, und den gleichen Tisch, weil wir die Bilder aus unserer Erinnerung und unserer Vorstellungskraft zusammensetzen, und diese nun mal von Mensch zu Mensch variieren. Steven King nannte das einmal sehr plastisch "eine Art von Telepathie" (tatsächlich stammt das obige Beispiel sogar von Steven King).

Nun sind wir Menschen Gott sei Dank keine telepathischen Wesen. Um diese Art Telepathie zum Funktionieren zu bringen, um vor unserem geistigen Auge Bilder entstehen zu lassen, bedienen wir uns der Symbolik (Töne, Worte etc.), die wir als abstrakte Daten aufzeichnen. Um diese Daten von Mensch zu Mensch zu transportieren, benötigen wir einen Datenträger. Dieser Datenträger kann ein physisches Produkt (Buch), oder auch eine mündliche Wiedergabe sein. In unseren modernen Zeiten geht auch eine Datei. :-) Das Werk selbst aber bleibt in seiner exakten Form im Kopf des Autors. Die aufgezeichneten Daten sind eine Abstraktion der Bilder (oder auch Töne) aus dem Kopf des Werkschaffenden, die quasi für den Transport aufbereitet werden.

Für das Werk ist es also unerheblich, ob ich eine Geschichte mündlich erzähle, jemand einen Ausdruck in die Hand drücke, oder eine Datei übermittle. Die Digitalisierung hat daran auch nichts geändert, sie hat einfach nur die Datenübertragung einfacher gemacht - etwas, was sie seit ihrer Erfindung immer gemacht hat. Oder hat noch irgendjemand ernsthaft Morseapparate, Telegraphen und Fernschreiber im Einsatz?

Der Punkt ist doch: Das Werk besteht in seinem Kern aus der schöpferischen Kraft des Schaffenden, nicht aus Nullen und Einsen, nicht aus Druckerschwärze auf Papier, nicht aus photochemischer Reaktion auf beschichtetem Papier oder der elektronischen Ansteuerung von LCDs in einen Bildschrim. Und schon gar nicht hängt es ab von der Frage, ob man es leicht oder schwer kopieren kann und ob die Mastercopy nach dem Kopieren "noch da" ist (das "Es wird ja nichts weggenommen"-Argument).

Eine Geschichte von Mark Twain ist doch immer noch eine Geschichte von Mark Twain, egal ob ich sie als E-Book (Nullen und Einsen) oder auf totem Holz gedruckt, oder in Samuel Clements handschriftlichen Originalen lese. Und die Nullen und Einsen in der E-Book-Datei haben nur deshalb einen WERT, weil ihre Anordnung nicht von irgendwem, sondern von Samuel Clements aka Mark Twain arrangiert wurde. Würde ich so eine Geschichte schreiben, wäre es bestenfalls WIE eine Mark-Twain-Geschichte, aber eben keine Mark-Twain-Geschichte. Genauso ist es mit der Musik: Ein Beatles-Song ist nur ein Beatles-Song, wenn er von den Beatles komponiert wurde. Egal wie er dann abgespielt wird: Es bleibt ein Beatles-Song.

Oder um es für die digital natives plakativer zu formulieren: Die Art des Datenträgers hat keinen Einfluss auf den Wert der Daten.

Für den Text, den ich hier schreibe, ist es völlig egal, wie und wo er gespeichert wird, und die Art seiner Speicherung ändert nichts an seinem Inhalt. DAS ist der Punkt, den die Digitalisierung uns fröhlich unter die Nase reibt, nicht mehr aber auch nicht weniger.

Alles was ich besitze kann ich nur deshalb "mein Eigentum" nennen, weil es aufgrund einer gesellschaftlichen Konvention von allen anderen als "mein Eigentum" respektiert wird. Die Firma Logitech hat mir diese Tastatur, auf der ich diesen Text tippe, aufgrund der Konvention überlassen, dass ich ihr dafür ein wenig von meinem Eigentum (umgewandelt in Münzen) überlasse. Alles was ich besitze - mein Haus, mein Auto, mein Rennpferd - kann mir auch auf Grund einer Konvention weggenommen werden - z.B. wenn ich meine Rechnungen nicht bezahle und daraufhin mir der Gerichtsvollzieher den Besitz wegnimmt.

Alles? Nein, alles was sich in meinem Kopf befindet, alles was ich mir ausdenke, kann mir niemand wegnehmen. Es ist das einzige Eigentum, das ich wirklich habe: Mein Wissen, mein Können, mein geistiges Eigentum. Mit diesem Eigentum kann ich allen anderen Besitz erwerben. Niemand kann mich zwingen es herauszugeben. Niemand kann es heimlich wegholen, oder behaupten, es wäre seins, es gehört ganz alleine mir. Auf meine Gedanken kann kein Gerichtsvollzieher einen Kuckuck kleben.

Wer geistiges Eigentum negiert - wie dies ein Großteil der Piraten tut (man lese Andreas Popps Ausführungen in Telepolis oder die diversen Anträge im Piratenwiki) - negiert IMHO den Menschen an sich. Nicht umsonst ist das Urheberrecht ein Persönlichkeitsrecht, dass sich sogar in der Menschenrechtscharta wiederfindet.

Andreas Popp in Telepolis: http://www.heise.de/tp/artikel/35/35727/1.html
Antrag für den Bundesparteitag der Piraten "Für ein modernes Urheberrecht" https://lqfb.piratenpartei.de/pp/initiative/show/1870.html?tempstore=zjxtft41dwdlbwynshtv7j7kbc
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Okay, Zustimmung, was den Guttenberg-Punkt angeht. ;)
Auch wenn es eben nicht nur der wissenschaftliche Konsens sondern eben weitgehend das Urheberrecht ist, das eine Quellenangabe in einer Zitierung (die ja eine explizite ausnahme im Urheberrecht ist) zwingend notwendig macht.

Mit der Aussage, dass die Umsetzung einer Idee keine Sache wäre, deren Entwendung rechtlich verwertbar als Diebstahl gelten kann, begibst du dich allerdings auf recht dünnes Eis.
Denn das hieße im Umkehrschluss, dass du, wenn du z.B. ein Gemälde von Picasso stielst, nicht für den tatsächlich doch ideellen Wert in bis zu Millionenhöhe belangt werden darfst, sondern allenfalls für den materiellen Wert von, sagen wir 150,20 EUR für Leinwand, Rahmen und Farben. Fall dir der Picasso zu künstlerisch für den Vergleich ist, nimm einen exklusiven, handgefertigten Designertisch vom Möbelschreiner. Denn auch der ist mehr als Bauholz+Arbeitszeit.

Deswegen ist es auch strafbar, das Bild von Picasso zu kopieren (im sinne von Kunstfälschung. Prinzipiell würde ich mir selbst eine andere Rechtslage bei bloßen Reproduktionsfotografien wünschen, die meiner Ansicht nach keinen kreativen Schöpfungsprozess beinhalten) - das selbe Motiv darfst du jedoch ohne Einschränkungen selbst malen.

Was ide Gestaltung des Urheberrechts auf das Einkommen des Content-Schaffenden hat, sagt meine persönliche Erfahrung anderes. Ohne die Möglichkeit, mich genau darauf zu berufen, wäre ich (und ich bin kein namhafter Großverdiener) allein um ein Einkommen in 5stelliger Höhe ärmer. Was im Übrigen nichts mit unberechtigten Kopien zu tun hat, sondern mit Wahrnehmung meiner Rechte gegenüber Wiederverkäufern und Kunden.

Vereinfacht gesagt: Wer meine Sachen benutzen will, zahlt dafür. Wenn es ihm nicht wert ist, dafür zu zahlen, was ich dafür will, soll er's lassen. Zahlt er nicht, benutzt er's nicht. Wer anständig fragt, kriegt auch mal was kostenfrei. Ohne fragen - nope.
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+Peter Hellinger Du definierst "geistiges Eigentum" anders als es meistens gebraucht wird. Daher kann ich Dir nicht widersprechen.

Für mich sind Eigentum Sachen, an meinen geistigen Schöpfungen habe ich Rechte und für den Inhalt meines Kopfes brauche ich keinen Begriff, da da sowieso niemand rankommt ;-).

P.S. Ich bin kein Pirat, sehe mich als keiner, sondern stehe nur in der Urheberrechtsdiskussion Teilen selbiger nahe.
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+Tom Orgel Bitte unterscheide:

Du hast ein Buch geschrieben. Dieses lässt Du z.B. in einem öffentlichen Bereich versehentlich liegen, ich komme vorbei:

Fall a) Ich nehme das Buch, schaue rein, es gefällt mir, ich nehme es mit und behalte es. Du hast ein Buch weniger, ich eines mehr. Das ist Diebstahl und strafbar.

Fall b) Ich sehe das Buch, finde es interessant, ich gehe zum Firmenscanner und mache mir eine digitale Kopie. Du hast immer noch Dein Buch, ich aber eine Kopie. Abgesehen von Spezialfällen ist das nicht strafbar. Du hast aber durch die unberechtigte Nutzung durch mich einen wirtschaftlichen Schaden erlitten und Anspruch auf Kompensation.

Im Fall b) habe ich Dir nichts weggenommen sondern ein Recht von Dir verletzt. Der Staatsanwalt hätte so damit nichts am Hut.

Moralisch magst Du als Autor beide Sachen als Diebstahl empfinden. Über Deine Moralvorstellungen habe ich keine Kontrolle ;-).

Ich will und werde Dir das Recht für eine Entschädigung im Fall von b) nicht absprechen (und auch viele Piraten nicht). Wo ich meine Zweifel habe ist, wie weit wir als Gesellschaft gehen um Dich bei der Eintreibung der Kompensation zu unterstützen.

Bei vielen Piraten gibt es Zweifel, ob sich Deine Kompensation nach b) in einer freiheitlichen Gesellschaft noch eintreiben lassen. Das ist idR keine Wertung über den moralischen Anspruch (obwohl es auch welche gibt die das tun) sondern ein ehrlicher Zweifel.
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+Peter Hellinger Etwas geistiges kann kein Eigentum sein. Man kann ein Buch besitzen, jedoch nie dessen Inhalt.
Die Begriffe Eigentum und Diebstahl treffen nur auf Güter zu, die zählbar und in ihrer Anzahl begrenzt sind. Bei Kulturschaffenden sind das Tonträger, Datenträger, Aufführungen etc., also immer etwas physisch greifbares. Beim Inhalt sieht das Ganze anders aus. Der ist weder zähl- noch begrenzbar. Einmal gelesen, gehört oder sonstwie verbreitet, lässt sich Geistiges nicht mehr einsperren, sondern wird Bestandteil der kulturellen Menschheitsleistung, aus dem sich zukünftige Ideen speisen.
Dank der Digitalisierung wurde das Geistige inzwischen allerdings vom Physischen gelöst (zumindest wenn man eine digitale Reproduktion mit der ursprünglichen Geistesleistung gleichsetzt). Einmal digitalisiert, ist ein Werk immer kopierbar und nicht mehr zähl- oder begrenzbar. Es bleibt eben "nur" eine Folge von Nullen und Einsen.
Allerdings heißt das nicht, dass eine Geistesleistung nichts mehr wert ist. Sie ist immer so viel wert, wie der Rezipient als Gegenleistung erbringen will (und kann). Das kann Geld sein oder Verbreitung oder irgendwas oder auch nichts. Als Urheber kann man nichts anderes machen, als auf die Gegenleistungsbereitschaft der Rezipienten zu hoffen. Das hat allerdings nichts mit den Piraten zu tun, sondern liegt eben in der Natur von Geistesleistungen und digitalen Daten.
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+Johann von Schadowitz Du verwendest eher (wie ich) die juristische Definition von Eigentum. +Peter Hellinger hat eine philosophische Definition von geistigem Eigentum gewählt. Auf der Basis kommt man natürlich zu unterschiedlichen Ergebnissen.
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+Martin Seeger Das System von Leistung und Entlohnung funktioniert leider nur mit diesen Definitionen. Das ist eben eher BWL.
Philosophisch wird es dann an der Stelle, wo man Original und "digitales Original" unterscheiden oder gleichsetzen muss.
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+Johann von Schadowitz Mich musst Du nicht bekehren (siehe meine Kommentare). Es macht aber nur halt keinen Sinn die selben Begriffe in der Argumentation zu verwenden, wenn diese unterschiedlich belegt sind.

+Peter Hellinger zerlegt meine Argumentation (warum es keinen "Diebstahl geistigen Eigentums" gib)t indem er einfach "geistiges Eigentum" anders definiert. Normalerweise werden Patente, Martken-, Schutz-, Nutzungsrechte usw. als geistiges Eigentum definiert. Deshalb halte ich den Begriff für ein Oxymoron. Er definiert den Dreiklang "Mein Wissen, mein Können, mein geistiges Eigentum." Kann er machen, bringt die Diskussion aber nicht weiter, da er sich gegen meine Position in Stellung bringt, dann aber komplett in eine andere Richtung schießt und damit mir gar nicht wirklich widerspricht.

Das ist einer der Gründ, warum ich befürchte, dass +Lena Falkenhagen aus Ihrer Sicht vermutlich keine echte Antwort auf Ihre Frage bekommen hat. Das Subjekt der Diskussion wurde von vielen Teilnehmern jeweils anders definiert.

Die Antwort auf die Frage, wie/wovon Inhalteschaffende in Zukunft leben sollen ist ganz ehrlich "Keine Ahnung". Das ist keine Fragen der Politik im Allgemeinen oder der Piraten im Speziellen. Es ist eher eine Frage des Zusammenspiels zwischen Konsumenten und Produzierenden. Das Verhältnis (und davon sind die hier diskutierten Fragen nur ein Vorbote) ändern sich und das schnell. Hier werden viele Buchautoren und Journalisten echte finanzielle Probleme bekommen. Das wird passieren, egal ob die Piraten oder die CDU das Urheberrecht gestalten.
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+Johann von Schadowitz Doch. Es kann. Es IST sogar. Und meiner Meinung nach das einzige, was wir wirklich unser Eigentum nennen können. :-)

> Man kann ein Buch besitzen, jedoch nie dessen Inhalt.

Kardinalfehler 1: Besitz ist nicht gleich Eigentum.
Kardinalfehler 2: Natürlich besitze ich den Inhalt eines Buches - sonst wäre das Buch ja ziemlich nutzlos (der Telepathie-Teil, you know?). Der Inhalt ist nur nicht mein Eigentum. So wie ich eine Wohnung besitzen kann, aber nicht deren Eigentümer bin, sondern nur der Mieter.
Kardinalfehler 3: Du redest von Diebstahl - ich nicht. Ist Diebstahl ein Merkmal von Eigentum, oder doch eher eines von Besitz?
Wenn jemand in der Buchhandlung ein Buch klaut - hat er dann einen "Diebstahl geistigen Eigentums begannen"? Wohl eher nicht. Aber er hat dem Buchhändler einen Schaden zugefügt, denn: Das Werk ist nicht der Datenträger (schrieb ich ja in meinem Originalpost). Da das Buch ein pyhsisches Ding ist, kann man, gemäß unserer gesellschaftlichen Konvention auch Eigentum daran erwerben. Am Inhalt aber nicht, denn das ist eben Eigentum des Urhebers, das ist der Datenstrom aus seinem Kopf. Du bist sozusagen nur Mieter des Inhalts. Der Buchhändler hat das Buch erstmal vom Urheber gekauft. Damit ist er Eigentümer des Buches und Besitzer des Inhalts. Wenn du das Buch kaufst, dann wirst du Eigentümer des Datenträgers, aber nur Besitzer der Daten. Wenn wir an der Stelle die Digitalisierung einfügen, entfällt der physische Datenträger, denn der gehört dir ja schon (der Speicher des Reades oder deine Festplatte). Aber an den Daten selbst kannst du kein Eigentum erwerben - da die Daten ja nicht physisch sind, wie du so plastisch erläuterst. Deshalb ist es natürlich Blödsinn von "Diebstahl geistigen Eigentums" zu sprechen, wenn man unerlaubt Daten herunterlädt.

>Beim Inhalt sieht das Ganze anders aus. Der ist weder zähl- noch
>begrenzbar.

Aber sicher. Wir wissen ziemlich genau, wieviel Mark Twain geschrieben hat (zählbar) und wir wissen, dass es nichts neues mehr gibt, weil Mark Twain leider schon tot ist (begrenzt). Solange jemand "Tom Sawyer" nachdruckt oder eine Datei zum Download bereitstellt, gibt es Kopien davon. Aber es gibt immer nur einen "Tom Saywer"-Inhalt (den Telepathie-Teil, you know?).

Wenn ich sage "Das Werk ist nicht der Datenträger" heißt das auch, dass wir zwischen Werk und Kopie unterscheiden müssen, im digitalen Zeitalter noch viel dringender als bisher. Die "kein knappes Gut"-Theorie verwechselt hier zum Beispiel Werk und Datenträger. Das Werk ist knapp, nicht die Kopie!

Urheberrecht, genauer: Urheberpersönlichkeitsrecht ist grundsätzlich mit einer persönlichen geistigen Schöpfung verbunden. Wer das abschaffen will, weil er meint, geistiges Eigentum gäbe es nicht, weil es nicht substanziell ist, plädiert faktisch für eine Abschaffung des Urheberrechts und offenbart ein Menschenbild, das besser ins 17. Jahrhundert als ins 21. passt.

Meine These nach wie vor: Das Werk ist nicht der Datenträger. Dem trägt das derzeit gültige Gesetz zum Schutz des Rechte des Urhebers Rechnung, indem es zwischen Urheberrecht und Verwertungsrecht unterscheidet. Es gibt mir als Urheber das Recht mit dem Inhalt meines Kopfes machen zu können, was ich mag, solange ich damit nicht die Rechte anderer Menschen verletze, die universelle Beschränkung jedes Persönlichkeitsrechts. Dazu gehört, das ich für die Nutzung des Telepathie-Teils (you know?) sozusagen eine Miete verlangen kann, wie der Eigentümer der Wohnung vom Besitzer eine Miete verlangt.

Wie diese Miete nun ausgestaltet ist, dafür ist das Verwertungsrecht zuständig, und ich glaube, hier entzündet sich der ganze Konflikt um das Urheberrecht. Denn auch die Piraten gestehen zu, dass demjenigen, der ein Werk schafft eine angemessene Vergütung zusteht. Nur das "angemessen" ist wohl der strittige Punkt.
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+Peter Hellinger Du verwechselst immer wieder verschiedenes.
Nur zum Mark Twain Beispiel:
Die Geistesleistung, die hinter Tom Sawyer steckt ist das eigentliche Werk. Jeder Druck und jede Datei ist nur eine Kopie davon. Die Kopien sind zähl- und begrenzbar, das Werk an sich nicht. (OK, Twain passt hier nicht mehr als Beispiel, da die Texte inzwischen gemeinfrei, also unbegrenzt verfügbar sind ;))
Ansonsten kann ich Dir und +Lena Falkenhagen diese beiden Folgen vom Elektrischen Reporter +Mario Sixtus zum Thema Urheber 2.0 empfehlen, um das piratige Weltbild nachvollziehen zu können:
Elektrischer Reporter S02E03 - Urheber 2.0: Jeder Nutzer ein Pirat?
(2 Videos, 1 Link)
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+Peter Hellinger

“Alles was ich besitze kann ich nur deshalb "mein Eigentum" nennen“

“Kardinalfehler 1: Besitz ist nicht gleich Eigentum.“

Genau. Vielleicht bist Du ein Spezialmensch der weder Pass noch Ausweis besitzt, nicht leiht oder mietet, usw. so dass Du an all Deinem Besitz tatsaechlich auch Eigentum hast — dann bist Du als Beispiel aber nur maessig geeignet.
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+Johann von Schadowitz Verwechsle ich wirklich etwas? Du schreibst:
"Die Geistesleistung, die hinter Tom Sawyer steckt ist das eigentliche Werk. Jeder Druck und jede Datei ist nur eine Kopie davon. Die Kopien sind zähl- und begrenzbar, das Werk an sich nicht."

Die Kopien sind doch nicht begrenzbar, gerade im digitalen Zeitalter, das ist doch ein Hauptargument derjenigen, die in unerlaubten Downloads keinen Rechtsverstoß sehen! Das Werk ist begrenzt, es ist eben nur einmal da. Der Künstler wird für das Werk entlohnt, nicht für die Kopien. Der Verwerter wird für die Kopien entlohnt. Das scheint mir, wird von vielen nicht erkannt.

Dass man das faktisch oft so ausgestaltet, dass der Künstler einen Anteil an mit den Kopien erzielten Einkünften erhält ist eine Vertragsfrage und liegt vor allem daran, dass man im Voraus nicht sagen kann, wieviele Kopien es letztendlich in den Markt schaffen. Man kann auch als Künstler nur einmal bezahlt werden, z.B. wenn ich die Rechte an einem Bild oder einer Skulptur abtrete (man bleibt aber trotzdem Urheber!). Auftragsschreiber kriegen in der Regel auch nur einmal eine Bezahlung, frag mal einen Journalisten. Aber das ist alles eine Frage des Verwertungsrechts und hat mit dem Urheberrecht zwar ursächlich zu tun, aber ist eigentlich ein Paket für sich.

Und Mark Twain ist tatsächlich ein hervorragendes Beispiel für die Funktion des Urheberrechts! Eben WEIL das Urheberrecht ein Persönlichkeitsrecht ist, ist es an Samuel Clements gebunden. Auch 100 Jahre nach Mark Twain kann niemand behaupten, Tom Sawyer wäre von ihm geschrieben worden. Was du mit dem Begriff "gemeinfrei" bezeichnest, ist eigentlich nur die Freigabe der Verwertung - es ändert nichts an der Urheberschaft. Das es in Wahrheit etwas komplizierter ist (Fristen, mehrere Urheber, konkrete Werkgestaltung etc.), wissen wir beide, oder?

Ich kenne die Beiträge von Sixtus (und denke dass er teilweise falsch liegt), ich beschäftige mich schon seit fast 2 Jahren mit den Konzepten der Piraten (und anderer), kenne Mela Eckenfels usw. usw. Ich bin nämlich einer von dieser bösen Content-Mafia (Verleger) und auch noch Urheber, da ich selbst auch schreibe. :-)

+Tatiana Azundris Ich besitze eine Menge Dinge, und an vielen davon Eigentum. Das du das so schön aus dem Zusammenhang reißt, ist zwar beste Schnitzlersche Tradition (nicht Arthur, sondern Karl-Eduard von), zeigt aber leider nur, dass du meinen Ausführungen nicht folgen konntest und dich deshalb argumentativ auf Diffamierung zurückziehst. Ich werde mich in Zukunft bemühen, noch verständlicher zu argumentieren. :-)
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Wäre übrigens auch ein hübsches Crowd-Funding-Projekt, sowas.
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Die Internetprovider zahlen. Sie sind es nun einmal schuld! Lena hat voellig Recht!
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Ach +Peter Hellinger, ad hominem? Ich haette jetzt gedacht, dass das Erarbeiten klaren Vokabulars in unser aller Sinne ist, gerade auch in Deinem (eingedenk Deiner phantasievollen Nischendefinition von "geistigem Eigentum"), aber nun gut, dann soll's das mal gewesen sein, um meinen Job geht es ja nicht. Schoenes WE!
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Das waere aber Sozialismus. Vor allem: warum sollen Verleger nicht reich sein? Warum dieser Neid? Der Staat als Bankier....
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+Peter Hellinger"Die Digitalisierung hat [...] einfach nur die Datenübertragung einfacher gemacht". Wiewohl Pirat bin ich mit Deinem Text einverstanden. Dieses "nur" da oben ist aber imho noch nicht zuende gedacht, weil die Einfachheit mittlerweile ein Stadium erreicht hat, das Zusammenarbeit auf einem anderen Level ermöglicht als je zuvor. Daraus folgt, dass es a) zunehmend schwieriger wird, Urheberschaft auseinanderzuhalten und b) Vielerlei (Qualität zunächst mal egal) entsteht, was Einzelne auf sich gestellt nie herausgebracht hätten.
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Man muss die Verhaltensweisen einfach mit der Zeit vor der Digitalisierung vergleichen. Was frueher ok war, bleibt es, auch wenn der Muenchner Kreis tobt. Bangemann! Es ist aber ganz falsch zu verallgemeinern. Das Urheberrecht ist und bleibt eine gute Sache!

http://heikorecktenwald.de/sampling.html
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