Noch bastelten sie in Berlin an einer GroKo (Große Koalition) herum, da hat sich in München schon die KriKo gegründet - das Netzwerk Kritischer Kommunikationswissenschaftler. Am Freitag, den 1. Dezember 2017, trafen sich an der Ludwig-Maximilians-Universität diverse Vertreter des Faches aus dem In- und Ausland und hoben das Netzwerk aus der Taufe.

Der Grund: Die Realität des Mediensystems mit zunehmender Vermarktung und Ideologisierung mache einen kritischen Ansatz notwendig, so die Initiatoren auf ihrer Website. Aber: "Kritische Kommunikationswissenschaft findet aufgrund der jahrzehntelangen Marginalisierung im deutschsprachigen Raum zurzeit eher in benachbarten Disziplinen sowie international statt." Daraus ergebe sich eben "die Notwendigkeit eines eigenen Netzwerks".

Wir erinnern uns: Kommunikationswissenschaft ist das Universitätsfach, das sich mit "Kommunikation" befasst und damit in der Gefahr steht, eine Allerweltswissenschaft zu sein. Sie kann thematisch vom Tänzeltanz der Bienen über Marketingstrategien bis zur berühmten "Wirkungsforschung" reichen. Dem stehen die realen zeitgenössischen Transformationen und Verwerfungen der massenmedialen Landschaft gegenüber, von der Veränderung des Mediennutzungsverhaltens durch das Internet über die allgemeine Glaubwürdigkeitskrise der Medien (Stichwort Fake-News) bis zur Erosion der gedruckten Zeitung als Wirtschaftsmodell für den Journalismus.

All dies werde aber an den etablierten Universitätsinstituten der Kommunikationswissenschaft durch den Mainstream der Forschung nur unzureichend behandelt, so die Klage der KriKos, was fehle, seien eben kritische Ansätze. Und um diese ging es bei der Gründungstagung am "Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung" (IfKW) an der Oettingenstraße 67 in München. Dort waren früher übrigens die US-Propagandasender Radio Freies Europa und Radio Liberty untergebracht.
https://www.heise.de/tp/features/Von-illegitimen-Theorien-und-dem-Kampf-um-Lehrstuehle-3913406.html
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