„WhatsApp“ am PC?

Jeder, der ein Smartphone (iOS oder Android) besitzt, kennt die Chat-App „WhatsApp“. Sie wird millionenfach verwendet und kaum jemand ist bereit, sich auf Alternativen einzulassen. „WhatsApp“ hat jedoch zwei wichtige Nachteile:

1. Man kann es nur auf dem Handy nutzen. Apps für Tablet und/oder PC, die sich mit der Smartphone-App synchronisieren, gibt es nicht.

2. Die Server stehen in den USA. Aus Datenschutzgründen (gerade, wenn berufliche Informationen und Bilder ausgetauscht werden sollen) wäre eine Lösung vorzuziehen, bei der die Server innerhalb Europas stehen.

Nachfolgend werden Möglichkeiten gezeigt, wie „WhatsApp“ durch Hintertüren am PC genutzt werden kann und welche Restriktionen damit verbunden sind. Außerdem wird am Ende eine alternative App vorgestellt, welche die genannten Kritikpunkte beseitigt und ein sehr guter Ersatz für „WhatsApp“ ist.

Durch die Hintertür „WhatsApp“ auf den PC bringen

Es  gibt grundsätzlich zwei verschiedene Ansätze, um in „WhatsApp“ auf dem PC oder Laptop schreiben zu können:

1. Synchronisierung zwischen der Smartphone-App und einem Webinterface mittels der Zusatz-App „WhatsRemote“ > Nachteile: Das Smartphone muss gerootet sein und braucht trotz PC-Nutzung permanent Verbindung zum Internet; es fallen zusätzlich jährliche Kosten für die Nutzung des Dienstes an.

2. Einsatz von Android-Virtualisierungs-Software auf dem PC > Nachteil: „WhatsApp“ wird in der virtuellen Android-Umgebung mit einem neuen Account installiert, weil die gleichzeitige Nutzung desselben Accounts auf zwei Geräten nicht möglich ist.

Im ersten Fall muss auf dem Smartphone zunächst „WhatsApp“ und anschließend „WhatsRemote“ [1] installiert werden. Letztere benötigt jedoch Root-Rechte auf dem Smartphone. Das ist auf jeden Fall von Nachteil, wenn sich das Gerät noch im Garantiezeitraum befindet. In der Regel werden im gerooteten Geräten nicht nur Garantieleistungen, sondern sogar Software-Updates des Herstellers verweigert – dies kann auf jeden Fall für LG bestätigt werden. Ein Unroot in diesem Fall ist so einfach nicht möglich, auch dies testete der Autor. Es kann festgestellt werden, dass das Gerät gerootet war, somit gibt es ebenfalls kein Software-Update von LG. Sind die Installationen auf dem Smartphone erfolgt und „WhatsRemote“ ist mit „WhatsApp“ verbunden, kann auf dem PC oder Notebook die Anmeldung am Webclient von „WhatsRemote“ [2] erfolgen. Während des Chattens vom PC aus muss das Smartphone permanent eine Internetverbindung haben, sonst funktioniert die Sache nicht (im Gegensatz zum PC- und Webclient der am Ende vorgestellten Alternativ-App). Die genaue Vorgehensweise zum Einsatz von „WhatsRemote“ ist in einem Artikel der Zeitschrift „CHIP“ beschrieben [3].

Der zweite Lösungsansatz ist, auf dem PC eine virtuelle Android-Umgebung zu installieren. Hierfür muss man einen Android-Emulator verwenden. Bekannte Vertreter dieser Spezies sind „Genymotion“ [4] und „Bluestacks AppPlayer“ [5]. Solche Software ist ursprünglich für App-Entwickler gedacht, welche ihre Produkte auf einem PC entwickeln und eben dort auch testen möchten. Es wird ein Android-Smartphone emuliert (in „Genymotion“ ist auswählbar, welches es sein soll), auf dem beliebige Android-Apps installiert werden können wie auf einem richtigen Telefon oder Tablet. Man kann dort freilich auch „WhatsApp“ installieren. Möchte man darin auf dem PC chatten, muss zunächst der Android-Emulator (also das virtuelle Telefon) und innerhalb dessen dann „WhatsApp“ gestartet werden. Es ist mit folgendem Fall vergleichbar: Du möchtest ein Linux-Programm unter Windows nutzen. Also setzt Du – zum Beispiel mit Oracle „Virtual Box“ – zunächst einen Linux-Rechner auf und installierst dort das benötigte Programm. Um es zu nutzen, muss erst die virtuelle Maschine hoch gefahren und in dieser dann das Programm gestartet werden.

„WhatsApp“ kann einen Account nur auf einem einzigen Gerät verwenden und  nicht, wie Alternativprodukte, auf mehreren Geräten (zum Beispiel Smartphone und Tablet). Richtet man es auf dem virtuellen Android-Handy mit demselben Account (derselben Telefonnummer) wie auf dem echten Smartphone ein, kann es dort nicht mehr genutzt werden. Man muss sich dann mit dem Smartphone erst wieder neu am „WhatsApp“-Server anmelden (wodurch die Verbindung zum virtuellen Android-Gerät auf dem PC unterbrochen wird. Der Prozess ist nicht anwenderfreundlich. Daher wird in aller Regel der Weg beschritten, dass man für WhatsApp auf dem virtuellen Android-Gerät eine eigene Mobilfunknummer verwendet. Logischer Nachteil: Die Nachrichten, die man am PC schreibt, kommen nicht auf das Smartphone – und umgekehrt. Beispiel: Vor dem Spätdienst schreibe ich mit einem Freund aus einem virtuellen „WhatsApp“-Account heraus. Wenn ich zum Dienst gehen muss, wird der PC herunter gefahren und ich möchte über das Smartphone weiter kommunizieren. Mein „WhatsApp“-Partner weiß aber nicht, wann ich genau los muss, und schreibt auf den virtuellen Account weiter. Da komme ich aber erst wieder heran, wenn ich das nächste Mal am PC sitze und das virtuelle Android-Gerät dort starten kann. Der Weg ist kaum praxistauglich. Ich möchte mir bei einem Freund schließlich auch nicht immer merken müssen: Wann kann ich ihn auf dem Smartphone erreichen, wann am PC und wann vielleicht noch auf dem Tablet, wo er den dritten „WhatsApp“-Account nutzt? Nach kurzer Zeit bewacht man dann lieber wieder auch zu Hause das Handy und tippt sich den Finger auf dem Display steif, während man die bequeme Computertastatur daneben zu stehen hat (dabei ist letztere noch eine echte Komfort-Tastatur, auf der man so gerne schreiben möchte ...)

Die bei allen Möglichkeiten aufgezeigten Nachteile führen beim Autor dazu, keine dieser „Hintertüren“ zu verwenden, um über „WhatsApp“ am PC schreiben zu können. Nur in sehr hartnäckigen Fällen liegt das Smartphone dann neben dem PC (oder bei belanglosen Chats wird der Partner dann mit der Mobilfunknummer des Tablets konfrontiert, auf dem „WhatsApp“ ebenfalls installiert ist – antwortet er dann an das Tablet, kann es passieren, dass die Antwort über Stunden oder einen ganzen Tag ungelesen bleibt). Stattdessen besteht der Wunsch, mit möglichst allen regelmäßigen Kommunikationspartnern auf die nachfolgend vorgestellte Alternative umstellen zu können.

„MySMS“ statt „WhatsApp“ – Kommunikation auf allen Plattformen

„MySMS“ [6] versteht sich selbst eher als SMS-App denn als Chat-App. Sie bietet auch die Option, sich unter Android als Standard-SMS-App einzurichten, sodass aus ihr heraus auch „normale“ (Netzbetreiber) -SMS gesendet und empfangen werden können; dies zu den SMS-Preisen des jeweiligen Netzbetreibers. „MySMS“ kann die Nachteile von „WhatsApp“ als große Vorteile für sich verbuchen:

1. Apps auf Smartphone, Tablet (jeweils eigenständige App, zumindest unter Android) und PC sowie der MySMS Webclient [7] synchronisieren sich. Man kann zum Beispiel vor der Dienstschicht zu Hause in der PC-App schreiben, auf dem Weg zur Arbeit auf dem Smartphone und, im Dienst angekommen, im Webclient (auf Rechnern des Arbeitgebers dard in der Regel keine „private“ Software – damit auch nicht die „MySMS“-PC-App – installiert werden). Freilich ist auch ein Tablet nutzbar, auch rein über WLAN, sodass man – anders als bei „WhatsApp“ – keine Mobilfunkkarte und Telefonnummer im Tablet benötigt.

2. Das Unternehmen hinter „MySMS“ sitzt in Graz (Steiermark), die Server stehen (laut einigen Medienberichten) in Wien. Damit unterliegt „MySMS“ europäischen Datenschutzrichtlinien.

3. „MySMS“ bindet Bilder in die Nachrichten mit ein (bis zu vier Bildern je Nachricht), während „WhatsApp“ diese einzeln verschickt.

4. In der Basisversion ist „MySMS“ komplett kostenlos (im Gegensatz zu „Whatsapp“). Die Basisversion reicht für den Privatgebrauch völlig aus.

5. Für den Störungsfall hat MySMS einen sehr guten Support [8], bei dem selbst am Wochenende kurzfristig Antworten gegeben werden. Auch auf Twitter sind die Mitarbeiter des Herstellers erreichbar und antworten auf Anfragen (es liegen mehrere positive Erfahrungen des Autors vor).

Natürlich ist das Versenden und Empfangen von Nachrichten zwischen „MySMS“ -Nutzern (nicht anders als bei „WhatsApp“) kostenfrei. Da „MySMS“ eben auch Netzbetreiber-SMS unterstützt, muss man auf die Farbe des „Senden“-Buttons achten. Ist dieser grün, wird die Nachricht kostenfrei an einen „MySMS Friend“ geschickt. Ist er hingegen grau, geht sie als kostenpflichtige SMS oder MMS über den Netzbetreiber heraus. Das funktioniert auch vom Tablet (ohne SIM-Karte) und PC aus; hier gibt es ein Gateway zwischen „MySMS“-Server und dem Netzbetreiber der im Smartphone verwendeten SIM-Karte. Auf dem Smartphone muss „MySMS“ immer zuerst installiert werden, hier wird der Account eingerichtet. Als Zugangsdaten dienen Mobilfunknummer und Passwort; letzteres wird bei der Einrichtung festgelegt. Am PC - und Webclient und auf dem Tablet meldet man sich in MySMs mit der Mobilfunknummer des Smartphones an (das, was mit „WhatsApp“ nicht möglich ist). Das erklärt auch, warum man auf dem Tablet eine andere „MySMS“-App braucht als auf dem Smartphone.

Leider ist auch „MySMS“ nicht ohne Nachteile:

1. Es gibt immer mal wieder Synchronisationsprobleme oder die App auf dem Smartphone hängt. In Folge werden „MySMS“-Nachrichten verspätet oder erst nach einem Neustart der App zugestellt. Einer merkt nicht, dass er angeschrieben wurde; sein Kommunikationspartner wundert sich trotz zig mal Anschreiben über ausbleibende Antwort. Die grünen Häkchen (zum Zeichen, dass eine Nachricht zugestellt wurde) erscheinen manchmal verzögert oder – in der PC-App für Windows 7 / 8 Desktop festgestellt – in seltenen Fällen erst, nachdem der Partner geantwortet hat.

2. Der Vorteil der Synchronisation auf allen Geräten kann sich auch in einen Nachteil umkehren: Hängt zum Beispiel die Smartphone-App und man wird angeschrieben, während man unterwegs ist (und zu Hause womöglich noch der PC mit PC-App oder Webclient läuft), wird die Nachricht zu Hause auf Tablet oder PC zugestellt, aber auf dem Smartphone bekommt man nichts davon mit. Der Kommunikationspartner ist dann zudem in dem Glauben, dass sein Gegenüber die Nachricht erhalten habe (was ja auch stimmt, nur eben nicht auf dem Gerät, das er gerade dabei hat).

3. Nicht von „MySMS“ beeinflussbar: „WhatsApp“ erlangte bereits eine mannigfaltige Verbreitung, bevor „MySMS“ auf den Markt kam. Nach den Erfahrungen des Autors ist kaum jemand bereit, nur wegen einem einzigen Kommunikationspartner „MySMS“ als zusätzliche App zu installieren (weil, auf „WhatsApp“ kann man ja nicht verzichten, solange man nicht alle seine Kontakte zu „MySMS“ herüber bekommt). Von Hartgesottenen kam auch schon die klare Ansage: „Entweder Du schreibst mir über „WhatsApp“ oder Du hast Pech gehabt! Extra wegen Dir werde ich mir nicht noch mehr installieren!“ Wenn jemand 50 Freunde in „WhatsApp“ hat, wird er kaum jemals komplett davon weg kommen. Die meisten halten „WhatsApp“ eben deshalb die Treue, auch wenn noch so viele Negativmeldungen und Datenschutzbedenken an die Öffentlichkeit gelangen.

Zu Punkt 1 ist anzumerken, dass Synchronisationsprobleme mit den „MySMS“-Servern, die serverseitig zu suchen sind, nur sehr selten auftreten. Etwas öfter kann es passieren, dass die App auf Smartphone oder Tablet hängt. Weitere mögliche Fehlerquelle: Hat man im WLAN mehrere Signalquellen (Router, WLAN-Adapter am PowerLAN, Repeater, Access Points) und betreibt man diese mit derselben SSID, sollte sich das Smartphone oder Tablet automatisch am Gerät mit der besten Signalstärke einbuchen. Beim Raumwechsel klappt dies jedoch nicht immer nahtlos. Damit hat (wie alle anderen Apps auf dem Mobilgerät) natürlich auch MySMS keinen Zugriff mehr über das Internet (oder holt ihn sich über das Mobilfunknetz) – auch in diesem Fall kann keine (zeitnahe) Synchronisation mit dem Server stattfinden. Davon wäre aber „WhatsApp“ ebenso betroffen.
 
Der Autor nutzt „MySMS“ seit Jahren, zum Erstellungszeitpunkt dieses Artikels mit etwa drei Freunden. Mit einem davon findet eine sehr intensive Kommunikation statt, die ohne „MySMS“ auch längst nicht so intensiv wäre. Dies begründet sich auf der Tatsache, dass man am Rechner mit einer normalen Tastatur einfach mehr und besser schreiben kann als auf dem Smartphone. Außerdem spielen miserable Mobilfunk-Empfangsbedingungen eine Rolle, bei denen der Autor auf PC- oder Webclient angewiesen ist. Mit „WhatsApp“ wäre in diesen Fällen gar keine Kommunikation möglich. Die Nutzung von MySMS (mit der täglichen Kommunikation) hat hier sehr wesentlich dazu beigetragen, dass – trotz weit entfernter Wohnorte – eine Freundschaft aufgebaut werden konnte, die es sonst in dieser Art nicht geben würde. Erlebnisse und Bilder des Tages, die mutmaßlich in die Interessengebiete des Freundes fallen, können geräteunabhängig viel besser getauscht werden. Bei zu lange ausbleibenden Antworten infolge technischer Probleme mit App oder Servern von „MySMS“ dient „WhatsApp“ als Rückfallebene.

Fazit

Ehe man umständlich versucht, „WhatsApp“ über einen kleinen technischen Slalomlauf auf dem PC zu nutzen, sollte man sich aufgeschlossen gegenüber Alternativen zeigen. „MySMS“ soll dabei nur als Beispiel dienen, weil es alle bei „WhatsApp“ vermissten Funktionen in sich vereinigt. Zwei Partner, die bisher „Whatsapp“ nutzen, könnten ein Alternativprodukt „einfach mal ausprobieren“ – und so den eigenen Horizont erweitern und sehen, dass es auch ein Leben ohne „WhatsApp“ geben kann ;-) Sind mehr Menschen bereit, sich auf eine Alternative einzulassen, wird das Verbreitunsproblem der Alternativen mit der Zeit deutlich abgeschwächt. Technische und datenschutzrechtliche Argumente sollten bei der Wahl der gemeinsamen Kommunikations-App ausschlaggebend sein.

Links

[1] „WhatsRemote“ im GHoogle Play Store >  https://play.google.com/store/apps/details?id=com.whatsremote&hl=de

[2] Webclient von „WhatsRemote“ > https://www.whatsremote.com/login.php
 
[3] „CHIP“-Artikel (mit Video) vom 28.07.2014 zum Einsatz von „WhatsRemote > http://www.chip.de/news/WhatsApp-fuer-PC-Messenger-im-Browser-nutzen_64974891.html
 
[4] Android-Emulator „Genymotion“ > http://www.genymotion.com
 
[5] Android-Emulator„Bluestacks AppPlayer“ > http://www.bluestacks.com/app-player.html
 
[6] „MySMS“-Homepage > https://www.mysms.com/de/  
[7] „MySMS“-Webclient > https://app.mysms.com/?locale=de#  
[8] „MySMS“-Supportforum > https://getsatisfaction.com/mysms (Grundsprache Englisch, Anfragen und antworten aber auch auf Deutsch möglich)

[9] Datenschutz bei „MySMS“, Veröffentlichung der Firma „intersoft consulting services AG“ aus dem Jahr 2012 > https://www.datenschutzbeauftragter-info.de/datenschutz-bei-mysms-der-whatsapp-konkurrent-unter-der-lupe

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#WhatsApp #MySMS #Messenger #Chatten #Android #Smartphone #Tablet
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