dwrweb.de hinter den Kulissen – Historischer Roman im Entstehen

Nach dem Relaunch der „dwrweb“ Homepage zum Jahresbeginn 2013 steht gegenwärtig ein neues Publikationsprojekt an. Da nach wie vor alles in Freizeitarbeit geschieht, hat es in den zurück liegenden Monaten nur wenige kleinere Aktualisierungen auf der Homepage gegeben.

Das Publikationsprojekt ist ein historischer Roman, dessen Handlung im Januar 1987 in Berlin, Hauptstadt der DDR, beginnt. Genau genommen, ist es eine Mischung aus Roman und Sachbuch – denn viele Begriffe, die für DDR-Bürger zum Alltagsgebrauch gehörten, sind heute nur noch den wenigsten bekannt. So wird das Buch später vor der eigentlichen Romanhandlung einen Teil mit mit Begriffserklärungen haben.

Der Hauptteil der Geschichte wird sich um Tino Boczik drehen, einen am Beginn 20jährigen Eisenbahner der Deutschen Reichsbahn. Er arbeitet im Zugbegleitdienst, Vierbrigadeplan, rund um die Uhr. Mit einem zwei Jahre älteren Kollegen ist er auch privat befreundet. Beide beschäftigen sich auch in der Freizeit mit der Eisenbahn, fotografieren, knüpfen Kontakte zu Gleichgesinnten. Manche der Gleichgesinnten wohnen auch westlich des Eisernen Vorhangs, in der BRD. Die Post mit Fotos von Dampf-, Diesel- und Elektroloks wird offenbar überwacht. Das entgeht dem Ministerium für Staatssicherheit ebenso wenig, wie Aufenthalte der beiden in Orten, die „verdächtig nahe“ an der Staatsgrenze der DDR zur BRD liegen. Für Eisenbahnfreunde waren seinerzeit Touren in derartige Gebiete nichts Ungewöhnliches.

Für Tino Boczik soll sich daraus eine verzwickte Situation ergeben: Man kann die Details durchaus so zusammen setzen, dass sich daraus Straftaten nach dem Strafgesetzbuch der DDR konstruieren lassen. Das beschert Tino eine Vorladung zur Kriminalpolizei. Dort wird er erpresst: Entweder drakonische Strafe – oder er verpflichtet sich als Inoffizieller Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit. Die Entscheidung, die er trifft, wird weit reichende Folgen für ihn haben.

Die Handlung ist bis jetzt noch längst nicht fertig geschrieben. Das Projekt wurde im Frühjahr 2013 zunächst mit dem „Sachbuchteil“ begonnen. Dessen Erstellung gestaltete sich schon aufwändiger und zeitintensiver als zunächst angenommen. Die eigentliche Romanhandlung steht momentan noch am Anfang. Es ist geplant, diese bis zur Wendezeit zu schreiben. Anschließend wird der Leser erfahren, was danach aus den Hauptfiguren geworden ist. Wahrscheinlich wird das letzte Kapitel dann im Jahr 2013/14 spielen. Es gibt also einen größeren Zeitsprung. Dieser ist auch erforderlich, da keine 27 Jahre (1987 bis 2014) durchgängig beschrieben werden können.

Der Umfang des Buches wird auch ohnedies erheblich ausfallen, da das Buch in DIN A5 angelegt ist. Da kein Verlag involviert ist, wird der Vertrieb später über die „dwrweb“-Homepage und über eBook-Portale erfolgen. DIN A5 ermöglicht eine gute Lesbarkeit des PDF auch auf Tablet-Geräten. Diese sind, der Konzeption zufolge, das bevorzugte Medium, um das Buch zu lesen. Ebenso kann es natürlich am PC, auf dem Laptop oder auf größeren Handy-Displays gelesen werden. Die Schriftarten und Schiftgrößen wurden entsprechend ausgesucht.

„Konspirative Liebe“, so der bisherige Projekttitel, wird mit Adobe Indesign CC erstellt. Hierbei können einige Vorteile dieser professionellen Layout-Software genutzt werden wie automatische Erstellung von Lesezeichen aus Überschriftenebenen oder die Indexerstellung. Der Index dient nicht nur später dem Leser zum schnellen Wiederfinden von ausgewählten Begriffen, Orten oder Musiktiteln – er ist auch während der Erstellung des Romans eine Hilfe, da man so besser zu früheren Stellen springen, dort nachlesen und somit die Handlung besser in sich stimmig gestalten kann. Diesem Zweck dient auch ein inoffizielles Dokument, welches die Figuren genau beschreibt, inklusive Geburtsdaten, Lebensläufen, Eigenarten. Über den gesamten (langen) Erstellungszeitraum der Handlung müssen „konsistente Daten“ verwendet werden, sodass es keine Widersprüche zum Beispiel bei Geburtsdaten oder den Zeitpunkten bestimmter Ereignisse gibt. Das inoffizielle Dokument beherbergt auch einen Handlungskalender.

Die vorstehenden Ausführungen lassen erkennen, dass man einen vernünftigen Roman nicht „einfach drauf los schreiben“ kann. Nebst der Vorarbeiten sind auch immer wieder diverse Recherchen notwendig. Fakten, insbesondere aus der DDR-Zeit, sollen so genau wie möglich wieder gegeben werden. So dienen zeitgenössische Kursbücher der Deutschen Reichsbahn, Atlanten, eigene Aufzeichnungen und viele Fundstellen im Internet als Quellen. Diese sind am Ende des Buches in einem Quellenverzeichnis ausgewiesen.

Die bisherige Arbeit an dem Roman förderte auch einige Kuriositäten zutage: So kann man – dank der Stiftung Peußischer Kulturbesitz – in den alten Ausgaben der Tageszeitungen „Neues Deutschland“ und „Berliner Zeitung“ recherchieren. Außer für die Bezugnahme auf seinerzeit aktuelle politische Themen dienen diese Zeitungen aber auch (auf den ersten Blick) banalen Zwecken wie der Recherche des Fernsehprogramms an bestimmten Handlungstagen. Jenes des DDR-Fernsehens lässt sich damit lückenlos feststellen – das des „Westfernsehens“ freilich nicht. Dafür gibt es auch keine anderen Quellen im Internet, die wirklich für jeden benötigten Handlungstag die Programminformationen liefern könnten. Dadurch findet das DDR-Programm mitunter detailliertere Erwähnung als das der „Westsender“. Eine weitere Kuriosität lieferte kürzlich die Rechtschreibprüfung von Indesign CC: Sie kannte das Wort „Erdbeerkonfitüre“ nicht und machte einen recht anzüglichen Korrekturvorschlag (siehe Bild).

Der Roman beleuchtet das Leben in der DDR in verschiedenen Facetten – so verschieden, wie der Alltag auch im wirklichen Leben ist: Die Arbeit (bei der Deutschen Reichsbahn) ist genau so Thema wie Freizeitunternehmungen, wie bestimmte Preise in der DDR, wie die vielen Einschränkungen, wie die Sehnsucht nach einem Blick hinter den Eisernen Vorhang. Dazu gehören ferner ein Stück Radiogeschichte und auch ein Stück Popgeschichte, denn die Figuren hören freilich auch Musik. Wie im richtigen Leben, kann sich da ein bestimmter Song auch mit bestimmten persönlichen Erlebnissen verbinden. Nicht zuletzt gehört die „Selbstfindung“ von Tino und jungen Leuten in seinem Umfeld dazu: Die ersten sexuellen Erfahrungen, nicht nur hetero, sondern auch mit dem eigenen Geschlecht. Homosexualität war in der DDR offiziell ein Tabu-Thema. Hierzu und zu einer Partnerschaft allgemein kommen von den verschiedenen Charakteren unterschiedliche – mitunter durchaus kontroverse – Meinungen auf den Tisch (bzw. die Buchseiten). Vom Leser wird freilich eine Toleranz erwartet – er sollte hetero- und homosexuelle Lebensweisen als gleichberechtigt akzeptieren oder zumindest sich von schwulen und lesbischen Erfahrungen nicht „angewidert“ fühlen. Es kommen sowohl schwule, lesbische als auch heterosexuelle Paare vor; auch Bisexualität spielt bei der „Selbstfindung“ im Jahr 1987 eine Rolle.

Einen Fertigstellungstermin für „Konspirative Leibe“ zu nennen, wäre reines Rätselraten. Dieser ist stark von der verfügbaren Freizeit abhängig. Das Projekt wird jedenfalls noch geraume Zeit dafür sorgen, dass sich Updates auf „dwrweb.de“ in engen Grenzen halten. Interessenten sollten regelmäßig auf „Google+“ und auf „Twitter“ vorbei schauen. Sollte sich Interesse an weiteren „Vorab-Informationen“ über die handelnden Personen zeigen, soll nicht ausgeschlossen werden, die eine oder andere Begebenheit eventuell auf Twitter in wenigen Worten grob zu skizzieren. Falls Sie das möchten, hinterlassen Sie hier einen Kommentar.

Bild: Die Rechtschreibprüfung von Adobe Indesign CC hat ihre eigene Vorstellung davon, durch was das ihr bislang unbekannte Wort „Erdbeerkonfitüre“ zu ersetzen wäre. (21.11.2013)

Tags: #KonspirativeLiebe #TinoBoczik
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