Alte Fahrtrichtungsanzeiger bis zum Sommer verschwunden

Anfang Dezember 2012 wurde im Bf Frohnau der Berliner S-Bahn der 500. LCD-Fahrtrichtungsanzeiger in Betrieb genommen. Diesem Ereignis widmete die Kundenzeitschrift der S-Bahn Berlin, „punkt 3“ (www.punkt3.de) in ihrer Ausgabe 23/2012 eine komplette Seite. In weißer Schrift auf blauem Grund zeigen die modernen Geräte nicht nur das Fahrtziel der nächsten Züge an, sondern auch die noch verbleibende Wartezeit bis zum ihrem Eintreffen am eigenen Standort. Diese Bauform der dynamischen Schriftanzeiger wird in ganz Deutschland verbaut; sie ist auch auf allen größeren Regional- und Fernbahnhöfen anzutreffen.

Die DB Station & Service AG, die auch Betreiberin der Reiseverkehrsanlagen der Berliner S-Bahnhöfe und Haltepunkte ist, möchte insgesamt 135 der 168 Stationen der Gleichstrom-S-Bahn mit den modernen LCD-Anzeigern ausstatten. Diese beziehen ihre Daten direkt aus dem „Reisenden-Informations-System S-Bahn“ (RIS-S). Statusmeldungen wie z.B. Verspätungs- und Zugausfallanzeigen werden weitestgehend automatisch generiert; die örtlichen Aufsichten auf den künftig 20 zentralen Stammbahnhöfen haben die Möglichkeit zum „Eingreifen“, also z.B. zur Eingabe von Freitexten. Dies kann bei größeren Störungen wie Personenunfällen erforderlich werden.

Auf Bahnhöfen und Haltepuinkten mit geringem Fahrgastaufkommen werden ältee Geräte nicht durch dier „Großen Blauen“, sondern nur durch kleine dynamische Schriftanzeiger in LED-Technik ersetzt. Diese zeigen im Grundzustand die aktuelle Uhrzeit, aber keine Abfahrtzeiten. Nur bei Verspätungen und Unregelmäßigkeiten werden in der Laufzeile Zusatzinformationen eingeblendet.

Das nach Angabe der „punkt 3“ über 36 Mio. EUR teure Austauschprogramm ersetzt mehrere Bauarten von älteren Fahrtrichtungsanzeigern. Die ältesten sind Transparent-Anzeiger, die ab den 1970er Jahren installiert wurden und heute noch auf einigen Stationen der Linien S3 (derzeit: Ostkreuz – Erkner) und S5 (Spandau – Strausberg bzw. Strausberg Nord) auf den östlichen Linienteilen ihren Dienst versehen. Der Autor konnte solche Geräte noch im November 2012 im Bf Kaulsdorf (S5) in Funktion beobachten. In Wuhletal – dem einzigen U-/S-Gemeinschaftsbahnhof in Berlin – besteht schon seit einigen Jahren ein Kuriosum: Während U-Bahn-seitig (Mittelgleise 1 und 2) schon lange die „DAISY“-Anzeiger der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) dynamische Informationen zum Zugverkehr liefern, werkeln an den Außengleisen 11 und 12 (S-Bahn stadteinwärts bzw. stadtauswärts) bis heute Transparentanzeiger aus DDR-Zeiten. Die Verkehrsstation Wuhletal – also die baulichen Anlagen – gehören komplett zur Infrastruktur der BVG. Jedoch ist diese nicht für Technik zuständig, die zur eisenbahnseitigen Ausrüstung gehört. Nebst der Fahrtrichtungsanzeiger für die Gleise 11 und 12 sind dies z.B. noch ältere Telekommunikationsgeräte in den Diensträumen.

Fast komplett verschwunden sind auch die Fahrtrichtungsanzeiger des tschechischen Herstellers „Pragotron“, welche auf DDR-Bahnhöfen oft das Bild der Reisendeninformation prägten. Selbst die Restexemplare auf dem S-Bf Flughafen Schönefeld, die sich lange Zeit gehalten hatten, sind inzwischen verschwunden.  „Pagotron“- Anzeiger können noch auf den unteren Bahnsteigen (D und E) von Ostkreuz bewundert werden, solange die neuen Bahnsteige (im Rahmen des Ostkreuz-Umbaus) noch nicht errichtet sind.

Wer die älteren Modelle von Fahrtrichtungsanzeigern noch im eigenen Fotoarchiv verewigen möchte, hat in Berlin dazu maximal bis zum Sommer 2013 Zeit. Dann soll das Umbauprogramm abgeschlossen sein. „Pragotron“- Anzeiger können in ihrem Heimatland nach wie vor in Aktion beobachtet werden. Im August 2012 traf der Autor im Bf Klatovy auf bestens gepflegte Exemplare, selbst in Form von Abfahrstafeln im Foyer des Empfangsgebäudes. Zusammen mit anderen Gegebenheiten (Fahrkartenschalter im Empfangsgebäude, klassisches Umspannen lokbespannter Personen- und Eilzüge oben auf den Bahnsteigen) ergibt sich dort immer noch ein Flair der 1980er Jahre.

Bild: Transparent-Fahrtrichtungsanzeiger im Bf Wilhelmsruh (S1) am 6. April 2012
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