„Ostalgie-Atlas“ von Aral?

„Ost-Deutschland“ steht in der Hausschrift des Mineralöl-Konzerns Aral gut erkennbar auf dem DIN-A4-Einband eines Heftes, das sich im Untertitel „Ihr Regional-Atlas für den Osten“ nennt. Dreht der Interessent in der Buchhandlung das Heft um, erblickt er auf der Rückseite eine schematische Darstellung Deutschlands, in der exakt das Gebiet der früheren DDR orange hervor gehoben ist. Links daneben stehen die abgedeckten Bundesländer: Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Einige Zeilen weiter tiefer sind die „Citypläne mit touristischen Zielen“ aufgelistet. An den ersten beiden Stellen folgen dabei die Nennungen „Berlin-Ost“ und „Berlin-West“. Darunter folgen einige der ehemaligen Bezirkshauptstädte (ohne sie so zu betiteln): Dresden, Leipzig, Magdeburg, Rostock und Schwerin.

Die Karten sind im Maßstab 1:200.000 dargestellt. Das Ortsverzeichnis am Ende enthält, laut Werbung auf dem Einband, „über 20.000 Orte“. Ein erster Blick auf die Seiten mit den Außenbereichen des dargestellten Gebietes lässt erkennen: Die Kartografie geht auch hinter der früheren deutsch-deutschen Grenze noch weiter (der Autor hat auch nichts anderes erwartet!), bis das jeweilige Blattende erreicht ist. So sind etwa Lüneburg, Uelzen, Braunschweig (am linken Rand von Seite 48 wird sogar Hannover noch mit erfasst), Göttingen, Bad Hersfeld, Schweinfurt, Bamberg, Bayreuth und Marktredwitz noch dargestellt. Die Seiten 102/103 beinhalten sogar nahezu ausschließlich Gebiet, das einst südlich der Grenze (also in der alten BRD) lag. An den Ostgrenzen reichen die Karten in Tschechien bis Františkovy Lázne, Karlovy Vary, Chomutov, Teplice v Cechách, Ústí nad Labem, Ceská Lípa und Liberec; in Polen gerade bis knapp hinter Görlitz (Zgorzelec ist nur „angekitzelt“), Żary, Lubsko, Gubin (Krosno Odrzańskie noch angeschnitten), Rzepin, Kostrzyn nad Odrą, Chojna, Szczecin, Goleniów und Świnoujście.

Für Eisenbahnfreunde hält der Atlas eine Besonderheit bereit – und dies war auch der Grund für den Autor, ihn zu erwerben: Es sind zahlreiche Strecken eingezeichnet, auf denen schon lange kein Zug mehr fährt. Im Gegensatz zu vielen anderen Karten kann man so den einstigen Verlauf noch nachvollziehen, sich mit der Karte dorthin begeben und die historischen Trassen eventuell noch zu Fuß erkunden. Auch die Bahnhöfe und Haltepunkte (ohne eine solche Unterscheidung vorzunehmen) an diesen Strecken fehlen nicht. Auf Seite 79 findet man zum Beispiel jene Strecke, auf welcher einst sogar der Schnellverbrennungstriebwagen der Bauart „Görlitz“ nach Bautzen unterwegs war – die Nebenbahn von Knappenrode Süd nach Bautzen. In Radibor fehlt auch die Stichstrecke nach Baruth (Sachsen) nicht, obwohl dort schon zu DDR-Zeiten kein Reiseverkehr mehr stattgefunden hat. Anderes Beispiel: Nordöstlich von Berlin ist die komplette Wriezener Bahn dargestellt, über Wriezen hinaus bis zur alten Oderbrücke in Neurüdnitz. Zugverkehr findet heute nur noch auf einem Bruchteil der Strecke, bis Werneuchen, statt. Durch die Beschränkung nur auf den Osten ist das Werk eine nicht zu schwere Karte, die man auch ohne Auto unterwegs gut dabei haben kann.

Die Darstellung von „Ost-Deutschland“ soll offenbar auch keine spezielle Reminiszenz an die Deutsche Demokratische Republik (wie die DDR ausgeschrieben hieß) sein. Vielmehr bot sich das nach der Wende als „fünf neue Bundesländer“ (mit Berlin sind es sechs!) bezeichnete Gebiet an, um daraus eine von vier Regionen Deutschlands zu machen, die nach Himmelsrichtungen bezeichnet sind und in die das Kartenwerk aus dem Düsseldorfer Busche Verlag aufgeteilt ist. Außer „West-Deutschland“ sind auch die Regionen „Nord-Deutschland“ und „Süd-Deutschland“ im Angebot; diese decken freilich allesamt die „alten Bundesländer“ ab.

Information: „Ost-Deutschland – Ihr Regionalatlas für den Osten“, vertrieben unter der Marke „Aral“. Busche Verlagsgesellschaft mbH, Düsseldorf. ISBN: 978-3-89764-368-0; Preis in Deutschland: 9,99 €.

Bild: Ausschnitt aus dem Rücktitel des Aral Regional-Atlas „Ost-Deutschland“ (© Busche Verlag).
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