Digitale Typografie und der Roman über Tino Boczik

Über den Kurznachrichtendienst „Twitter“ wurde ich zufällig auf den Blog-Beitrag von Charlotte Reimann „Schöne eBooks – ein Plädoyer für digitale Typografie“ aufmerksam (siehe Link). Das Thema betrifft auch den im Entstehen begriffenen Roman „Konspirative Liebe“ um den DDR-Jungeisenbahner Tino Boczik. Das Projekt gestaltet sich aufwändiger als ursprünglich angenommen; zahlreiche Faccetten des alltäglichen Lebens, die in der Planung gar keine Rolle spielten, sind inzwischen mit eingeflossen. Beispielhaft sei der Besuch der Versammlung der Jugendbrigade genannt, in der Tino und sein Freund und Kollege Christian Steinburg im Jahr 1987 Mitglied sind. Andere Beispiele sind Ereignisse aus dem Leben bei und mit der Eisenbahn wie die Ablieferung neuer Doppelstockzüge für den Berliner „Sputnik“-Verkehr 1986, eine Reise durch das Grenzgebiet an der „Staatsgrenze West“ oder die Unmöglichkeit, die private Freundschaft der beiden und dienstliche Dinge strikt zu trennen, sodass die Kollegen das Private zwischen den beiden nicht mitbekommen.

Solche Details führen auch schnell dazu, dass Seite um Seite voll wird – beim gewählten Format DIN A5 nicht verwunderlich. Das ganze Projekt ist zur Publikation auf elektronischem Weg angelegt – für ein Printmedium würde wahrscheinlich schon die Aufteilung in zwei Bände erforderlich sein. Kaptiel und Überschriften innerhalb der Kapitel sorgen für eine „handliche“ Einteilung des Lesestoffs, sodass am Ende niemand von einem einzigen gewaltigen Textblock förmlich „erschlagen“ wird. Nichts desto trotz – der Gesamtumfang, inklusive Roman- und Sachbuchteil sowie Quellen- und Stichwortverzeichnis, wird die 1.000 Seiten (DIN A5) bei weitem überschreiten. Ein solches (Print-) Buch dann noch zu binden, wird schwierig, von immensen Produktionskosten gar nicht zu reden. Als Printmedium hätte „Konspirative Liebe“ wohl nie eine Chance, an die Öffentlichkeit zu gelangen. Als unbekannter Autor einen Verlag dafür zu finden, ist nahezu unmöglich, das haben frühere Erfahrungen mit einem anderen Projekt bewiesen. Verlage haben in der Regel ihre „Vertrags-Autoren“, mit denen sie gut ausgelastet sind.

Vom technischen Grundsatz her entsteht „Konspirative Liebe“ wie ein Print-Projekt: Die professionelle Layout-Software „Indesign CC“ bietet typografische und Automationsmöglichkeiten, die jene einer normalen Textverarbeitung weit übertreffen. Das Stichwortverzeichnis ist eine Hilfe nicht nur für den Leser, sondern auch für den Autor, in diesem großen Projekt bestimmte Passagen schnell wieder zu finden und somit eine „konsistente“ Handlung zu gestalten. Bilder und Grafiken – für einen Roman zwar eher ungewöhnlich, wegen des teilweisen Sachbuch-Charakters aber dennoch sparsam verwendet – lassen sich mit „Indesign“ ganz anders einbinden als mit „Word“ oder „Writer“.

Charlotte Reimann sagt, „eBooks“ (man kann auch sagen: „eBücher“) müssen auf allen Medien gleich gut aussehen. Und ich sage: Der Leser soll auch die Möglichkeit haben, sich einzelne Seiten bei Bedarf im Original-Layout ausdrucken zu können. Das Format PDF bietet sich hier geradezu an – es vereint die digitale und die Papier-Welt.

„Konspirative Liebe“ wird teilweise an einem Desktop-PC mit riesigem 30-Zoll-Bildschirm, zu einem großen Teil aber auch auf einem Laptop geschrieben, letzteres abends im Wohnzimmer, statt Fernsehen, zum Abschalten vom realen Alltag des Jahres 2014. Das Korrekturlesen erfolgt, außer auf den genannten Geräten, ebenfalls elektronisch: Auf einem 10,1-Zoll-Laptop und auf einem 5,5-Zoll-Smartphone. Bei der Festlegung des Layouts wurde auf die Anforderungen geachtet, die daraus resultieren: Kleines Papierformat (eben nicht A4 wie allgemein üblich) und Schriften, die in Form und Größe auf diesen Geräten gut lesbar sind. Freilich sollte das Smartphone in der Horizontalen benutzt werden, um „Konspirative Liebe“ darauf zu lesen. Auf dem 10,1-Zoll-Tablet dagegen wird die A5-Seite bei vertikaler Ausrichtung in Gänze dargestellt und ist auch ohne Zoomen noch lesbar. Das Tablet, ausgestattet mit dem hervorragenden „RepliGo“-PDF-Betrachter (für Android), vermittelt wirklich die Anmutung, man liest und blättert Buchseiten.

Dabei kann das elektronische PDF-Buch vielmehr als ein gedrucktes Buch. Das umfangreiche Quellenverzeichnis ist mit Links auf die jeweiligen Internet-Quellen ausgestattet. Diese lassen sich mit einem Klick bzw. Fingertipp aufrufen. Natürlich gelangt man ebenso von der Quellenverweiszahl (in eckigen Klammern) – in grau in den Fließtext des Hauptteils eingefügt – zum jeweiligen Eintrag im Quellenverzeichnis. Und der „RepliGo“ merkt sich beim Schließen auch, wo man mit Lesen stehen geblieben war – und öffnet das elektronische Buch beim nächsten Mal an genau dieser Stelle.

„Konspirative Liebe“ wird, wenn es später veröffentlicht ist, ein Beispiel dafür, dass auch elektronische Bücher durchaus anspruchsvoll gestaltet sein können. Da wird Tino Boczik und den wichtigsten Personen in seinem Umfeld sogar eine Handschrift verliehen. Das alles setzt natürlich voraus, dass das Buch später beim Leser auch im Original-Layout angezeigt wird. Das geht mit PDF besser als mit EPUB. Und PDF ist nicht nur auf spezillen eBook-Readern darstellbar, sondern auf praktisch allen Geräten.

Wenn bei Ihnen jetzt die Neugier auf „Konspirative Liebe“ geweckt wurde, dann ist das erfeulich! Aber Sie müssen sich noch gedulden. Das Werk entsteht nicht hauptberuflich, sondern in Freizeitarbeit neben einem Vollzeitjob. Und 1989, als die letzten Monate der DDR anbrechen, ist zwar der Großteil der Erzählhandlung abgeschlossen. In folgenden Kapiteln wird der Leser aber den Lebensweg von Tino und wichtigen anderen Personen bis in die heutige Zeit verfolgen können – auch, wenn das dann weniger ausführlich wird als die Kapitel über die Zeit zwischen 1987 und 1989.
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