Outpost 8: Fatales Update unter Windows-Vista

Am 17.12.2012 hat die Firma Agnitum die Version 8 ihrer Sicherheits-Software der „Outpost“-Reihe veröffentlicht. Deren Hauptkomponente ist die Firewall; wie bei konkurrierenden Produkten können aber auch hier komplette „Internet Security“-Suiten mit verschiedenen Zusatzmodulen gekauft werden. Die Nutzung der „Outpost Firewall Pro“ erscheint zudem durch eine Lizenzoption attraktiv: Gegen Zahlung von gegenwärtig EUR 39,95 erhält man Updates „auf Lebenszeit“ für bis zu drei Rechner. Der Begriff „Lebenszeit“ ist dabei wörtlich zu nehmen und bezieht sich nicht nur auf die Lebenszeit einer Hauptversion wie bei vielen anderen Lizenzmodellen. Die Lizenz, die der Autor zu Zeiten kaufte, als Outpost 6 aktuell war, funktioniert auch mit der Version 8 klaglos, und zwar ohne Neueingabe nach dem Update.

Während die Firewall von Outpost in der Vergangenheit bei Tests von PC-Zeitschriften oft gut abschnitt, konnten die übrigen Module nicht gleichermaßen glänzen. Viele Anwender – so auch der Autor – nutzen daher die Firewall von einem klassischen „Firewall-Spezialisten“ und Antivirensoftware von einer Firma, die durch ebensolche bekannt geworden ist. Produkte klassischer „Antiviren-Firmen“ nämlich punkten wiederum mehr in der Disziplin „Antivirus“ als mit ihrer Firewall.

Die Zusammenarbeit zwischen der Outpost-Firewall und der Gratis-Version von „avast Antivirus“ funktionierte über mehrere Jahre reibungslos. Dies änderte sich bei aktuellen Rechnern mit Windows 7 auch heute, nach dem Update von Outpost 7.5 auf Version 8.0, nicht grundlegend. Bei einem etwa 1 1/2 Jahre alten „Samsung“-Laptop gab nach dem anschließenden Neustart der Nvida-Grafiktreiber permanent eine Fehlermeldung beim Starten aus. Dem konnte durch ein Treiberupdate Abhilfe geschaffen werden. Auf einem weiteren Laptop, dessen Kauf erst ein halbes Jahr zurück liegt (Betriebssystem ebenfalls Windows 7, 64 bit), gab es überhaupt keine Probleme im Zuge des Outpost-Updates. Ein dritter Rechner – etwas in die Jahre gekommen und mit Windows 7 in der 32-bit-Version ausgestattet – meldete bei den Starts nach dem Update permanent, dass die Firewall ausgeschaltet sei; im Windows-Sicherheitscenter musste sie nach jedem Start manuell wieder eingeschaltet werden. Abhilfe schaffte hier das Setzen eines fehlenden DWORD-Wertes in der Registry – der Tipp ließ sich in einem Internetforum aufspüren.

Je älter der Rechner, desto mehr Probleme mit Outpost 8

Auf diese Formel lassen sich die Erfahrungen des Autors nach dem Update von insgesamt vier Windows-Rechnern zusammen fassen. Beim neuesten Laptop gab es gar keine Probleme; beim ältesten Laptop – mit Windows Vista 32 bit – endete das Update in einer Katastrophe. Der Installationsprozess von Outpost 8 lief reibungslos durch. Nach dem Neustart konnte Windows Vista den „Realtek“-Audiotreiber permanent nicht mehr starten. Dies hätte eventuell durch ein Treiberupdate behoben werden können; ein Test wurde jedoch zweitrangig und unterblieb letztendlich. Sämtliche acht Module von „avast Antivirus Free“ ließen sich unter Windows Vista nicht mehr starten, nachdem Outpost 8 installiert war und der obligatorische Neustart ausgeführt wurde. Eine Aufnahme des Outpost-Installationsverzeichnis in die Ausnahmeregeln von „avast“, wie vom Outpost-Setup gefordert, änderte daran nichts. Der beim Windows-Start mit gestartete Dienst von „avast“ blieb permanent hängen; er konnte in der Computerverwaltung weder manuell gestoppt noch gestartet werden. Avast startete erst wieder fehlerfrei, nachdem Outpost komplett deinstalliert war.

Die Vermutung, dass das „Darüberinstallieren“ über Outpost 7.5 die Probleme verursachen würde, bestätigte sich nicht. Eine komplette De- und Neuinstallation löste beide Probleme – weder mit dem Realtek-Treiber noch mit „avast“ nicht ansatzweise. Warum das Zusammenspiel zwischen Outpost 8 und „avast“ 7.0.1474 auf drei anderen Rechnern unter Windows 7 klappt und sich diese Programme auf dem Vista-Rechner dermaßen „beißen“, war nicht ergründbar.

„Tabula Rasa“

Da nach der Deinstallation von Outpost 8 und dem Neustart eine weitere Fehlermeldung von Windows Vista auftrat, die sinngemäß aussagte, dass man sich an anderen Benutzerkonten außer dem aktuellen nicht mehr anmelden könnte, sollte die Nutzung eines Systemwiederherstellungspunktes den Zustand vor dem Outpost-Update 8 restaurieren. Die Wiederherstellung lief durch, nach deren Ende und einem Neustart meldete Windows Vista jedoch, sie sei nicht erfolgreich gewesen. Eine erfolgreiche Systemwiederherstellung ließ sich erst nach erneuter manueller Deinstallation von Outpost 8 durchführen.

Nach diesem Prozedere schien die Welt auf dem Windows-Vista-PC zunächst wieder in (alter) Ordnung. Beim ersten Versuch, eine Webseite aufzurufen, stellte sich jedoch heraus, dass nur ein eingeschränkter Netzwerkzugriff auf das lokale Netzwerk möglich ist, nicht jedoch auf das Internet. Durch die Komplett-Deinstallation von Outpost 8 sind auch sämtliche Konfigurationen mit gelöscht worden (die Deinstallationsroutine hat keine Option zum Zurückbehalten selbiger). Der Versuch, den Konfigurationsdialog des (durch die Systemwiederherstellung mit restaurierten) Outpost 7.5 aufzurufen, förderte zunächst eine komplett englische Benutzeroberfläche des Tray-Kontextmenüs zutage – die ursprüngliche Installation hatte eine deutsche Oberfläche. Nach dem Aufruf des Hauptbildschirms blieb dieser bis auf einige englischsprachige Menüpunkte komplett leer. Jetzt brachte das „Darüberinstallieren“ des Setups von Outpost 7.5 – zum Glück fand sich dieses noch auf einem persönlichen Sicherungsmedium – endlich das gewünschte Endresultat, nämlich ein wieder funktionsfähiges Outpost 7.5!

Inzwischen waren etliche Stunden mit einer Arbeit vertan, die sich am Ende als völlig nutzlos erweisen sollte. Im günstigsten Fall dauerte das Update von Outpost 7.5 auf 8 inklusive Neustart nur 15 Minuten – jedoch eben leider nur auf dem Rechner mit der aktuellsten Hard- und Softwareumgebung. In einer Produktbeschreibung für Outpost 8 auf der Hersteller-Webseite wird dessen Kompatibilität nicht nur für Windows 7, sondern auch für Vista und sogar XP angegeben.

Fazit

Nach einem kompletten Urlaubstag, der eigentlich mehr anderen Aufgaben gewidmet sein sollte, kann der Autor nur raten, einen „Vista“-Rechner nicht mit dem Update auf Outpost 8 zu versehen. Möglicherweise ist es vorteilhaft, das ohnehin viel gescholtene Vista perspektivisch durch Windows 7 oder – bei schon älterer Hardware – durch einen neuen Rechner mit aktuellem Betriebssystem zu ersetzen. Gerade, wenn man eine „Lifetime“-Lizenz für Outpost hat, möchte man diese natürlich auch weiterhin nutzen und nicht wegen Kompatibilitätesproblemen auf eine Konkurrenzlösung umsteigen. Niemand garantiert schließlich, dass ein heute unter dem für Outpost 8 problematischen System später das Update eines Konkurrenzproduktes nicht erneut Probleme hervor ruft.

Gerade Antiviren- und Firewall-Software verlangt zumeist nach zeitgemäßen Hard- und Softwareumgebungen. Während ein Rechner ohne diese Komponenten auch heute noch mit Windows 2000, Office 97 bzw. 2003 und anderen Programmversionen jener Zeit zufriedenstellend laufen würde, scheitert ein derart langer Betrieb jedoch an der erforderlichen Schutzsoftware für die Anbindung an das weltweite Datennetz. Die Programmversionen der Sicherheitssoftware von damals bieten heute keinen brauchbaren Schutz mehr; aktuelle Schutzprogramme dagegen werden mit älteren Windows-Systemen immer inkompatibler. Letztendlich bleibt nur die mehr oder weniger regelmäßige Investition in neue Hard- und Software sowie – nicht zuletzt – der mit einem Rechnerwechsel immer einher gehende, zumeist immense Aufwand zur Konfiguration der gewohnten Arbeitsoberflächen in den regelmäßig benutzten Programmen.

Linux-Freunde führen hier oft an, dass dort Antiviren- und Firewall-Software gar nicht notwendig sei, weil es auf diese Systeme kaum Angriffe gäbe. Das ist jedoch wahrscheinlich nur der im Verhältnis zu Windows weitaus geringeren Verbreitung von Linux-Systemen (wie z.B. Ubuntu) geschuldet. Würde die Menge der Linux-Rechner mehr und mehr mit jener der Windows-Rechner gleich ziehen, dürfte sich die Lage hier auch schnell zum Schlechteren wenden. Untermauert wird diese These von der Verbreitung des Android-Betriebssystems, für das auch zunehmend mehr Antivirenlösungen angeboten werden. Immer häufiger ist der Rat zu vernehmen, Android-Systeme mit Schutzsoftware auszustatten. Der Einsatz von alternative Betriebssystemen wie linux-basierten scheitert nicht zuletzt oft daran, dass es viele Programme nur für Windows gibt. Für Photoshop, InDesign oder auch nur die Notizdatenbank „Tree DB Notes“ gibt keine vergleichbaren Linux-Alternativen, welche diesen auch nur annähernd das Wasser reichen könnten.

Links zum Thema:

* Webseite der Outpost Firewall: http://www.agnitum.de/produkte/personal-firewall/index.php

* Webseite von „avast Antivirus“: http://www.avast.com/de-de/free-antivirus-download
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