„dwrweb 2013“ – Relaunch nach Ende von „Expression Web“

Am 27.12.2012 berichtete der „heise“-Verlag auf seiner Webseite, dass Microsoft „ohne viel Aufhebens“ den Verkauf seiner Produkte der „Expression“-Reihe eingestellt hatte. [1] Diese wurde erst im Jahr 2005 lanciert und umfasste diverse Programme zur Entwicklung von Internet-Auftritten: Den Webseiten-Designer „Expression Web“, das Werkzeug für interaktive Benutzeroberflächen „Expression Blend“, das Bildbearbeitungsprogramm „Expression Design“ sowie den Dateiformatwandler „Expression Encoder“. [2] Die Suite sollte Autoren eine Alternative zu den weitaus teureren Adobe-Produkten bieten. Adobe hatte zuvor die Firma Macromedia und damit u.a. den Webseiteneditor „Dreamweaver“ und das bekannte und verbreitete „Flash“ zugekauft.

Die Suite „Expression Studio“, in der „Web“, „Blend“, „Design“ und „Encoder“ gebündelt waren, kam im Jahr 2007 in den Handel. Im Jahr 20009 erschien Version 3, ein Jahr später dann Version 4. [2] Das Programm „Expression Web“ war der Nachfolger des viel gescholtenen – aber nichts desto trotz auch von Millionen Webseitenentwicklern privat und gewerblich verwendeten – „Frontpage“, dessen Historie bis zur Markteinführung im Jahr 1995 zurück reicht. Im Jahr 2003 erschien mit „Frontpage 6.0“ die letzte Version vor der Ablösung durch „Expression Web“. [3] Beide Programme zählen zur Gruppe der sogenannten „WYSIWIG“-Editoren. Das englische Kunstwort steht für das Prinzip „What You See Is What You Get“ („Was du siehst, ist [das,] was du bekommst.“). [4] Man hat dort also eine Benutzeroberfläche ähnlich z.B. in einem Textverarbeitungsprogramm und muss die Seiten nicht wie ein Programmierer im Quellcode schreiben. WYSIWIG-Webeditoren haben somit den Vorteil, dass der Autor nur rudimentäre HTML-Kenntnisse besitzen muss, um seine eigene Seite bauen zu können. „Frontpage“ und „Expression Web“ erlaubten neben dem WYSIWIG-Modus jedoch auch das Arbeiten im Quelltext-Modus oder aber in einer Ansicht, dsie sowohl WYSIWYG als auch Quelltext darstellte.

Trotz aller Hilfestellung, die WYSIWYG-Editoren dem Webautor bieten, sind zumindest grundlegende HTML-Kenntnisse (und idealenfalls auch solche in den Programmiersprachen Java und PHP) sinnvoll, damit auf der eigenen Webseite externe Inhalte eingebunden werden können. Auf der dwrweb-Homepage geschah dies auch schon vor dem Relaunch 2013 auf der Begrüßungsseite (Anzeige von Störungen bei der S-Bahn Berlin GmbH und bei der BVG sowie des aktuellen Berlin-Wetters von „Wetter online“). Ohne das direkte Einbinden von Quelltext-Schnipseln ließen sich diese Anzeigen nicht realisieren.

Dank der WYSIWYG-Editoren werden heute Funktionen, die dereinst Autoren mit ausgezeichneten Programmierkenntnissen in Java und PHP vorbehalten waren, zunehmend auch für größere Kreise von Webseiten-Erstellern zugänglich. Der zum Beispiel für ein dynamisches Navigationsmenü oder für eine Bildergalerie erforderliche Java-Code wird von der jeweiligen Software selbst generiert, nachdem der Autor ein entsprechendes Objekt auf den Seitenbereich gezogen und mit seinen Parametern konfiguriert hat. Die Konfiguration – also zum Beispiel das Hinzufügen von Bildern zur Galerie oder von Links auf Unterseiten zur Navigation – geschieht dabei über komfortable Dialoge. Um den erzeugten Quelltext muss sich er sich nicht mehr selbst kümmern.

Nach dem Bekanntwerden der Microsoft-Entscheidung zur Einstellung von „Expression Web“ galt es zunächst, nach einer brauchbaren Alternative zu suchen, welche die Aktualisierung der dwrweb-Homepage über möglichst viele Jahre ohne erneuten Software-Wechsel ermöglicht. Denn eines schien schnell klar: Mit dem Umstieg auf eine neue Software – und damit auf ein neues Konzept der Webseitenerstellung – ist das alte „Expression Web“-Projekt nicht mehr weiter verwendbar. Die Homepage muss also komplett neu aufgebaut werden. Lag bisher die Konzentration eher auf konventionellen Elementen wie textbasierter  Navigation und starrer Bilder, sollte ein nun fälliger Relaunch auch die Einführung moderner, dynamischer Layoutelemente ermöglichen. Da „dwrweb.de“ ein reines Hobbyprojekt ist, für das keine professionellen Programmierer zur Verfügung stehen, war eine Editorsoftware auszuwählen, die solche Elemente aus dialogbasierten Vorgaben selbst erzeugen kann. Nach Ausprobieren von Testversionen kristallisierte sich die Software „WYSIWYG Web Builder“ (kurz WWB) nicht nur als der flexibelste, sondern dazu auch als äußerst preisgünstiger Editor heraus. Für 45 EUR darf die Vollversion auf bis zu drei Rechnern des Lizenzinhabers installiert werden, was einer Zweitinstallation auf einem Laptop entgegen kommt. Den WWB gibt es derzeit in Version 8.5 – die recht lange Versionshistorie und andere Indizien lassen vermuten, dass er nicht auch innert der nächsten zwei bis drei Jahre eingestellt wird. Zudem gibt es ein äußerst nützliches deutschsprachiges Forum, über das Fragen, die sich im Zuge der Einarbeitung trotz intuitiver Bedienung und (leider nur englischer) Programmhilfe ergeben, kurz und zielführend geklärt werden können.

Dem Autor erleichtern jedoch auch beim WWB Grundkenntnisse in der Programmierung die Arbeit. Die Oberfläche der Software ist teilweise der IDE (Integrated Development Environment – Integrierte Entwicklungsumgebung) einer Programmiersoftware wie „Visual Basic“ nach empfunden: Man arbeitet objektorientiert mit einer Werkzeugleiste auf der linken Seite und dem Eigenschaften-Dock auf der rechten Seite. Die Eigenschaften der meisten Objekte lassen sich auch in einem Dialog festlegen, der aus dem Kontextmenü des jeweiligen Objektes aufgerufen wird. Objekte im WWB sind zum Beispiel Text, Aufzählung, Masterseite, Masterframe, RSS-Feed, Bildergalerie, QuickTime, Java, HTML und diverse Sorten von Navigationsmenüs. Auf der zu erstellenden Seite wird zum Beispiel ein Textobjekt mit der Maus aufgezogen; daraufhin kann dieses forma tiert und mit eigenem Text gefüllt werden. Ein HTML-Objekt zieht man auf, um an einer bestimmten Stelle der Seite eigenen HTM-Quelltext einzubringen – also zum Beispiel „Schnipsel“ für die Einbindung von Verkehrs- und Wetterinformationen.

Die ersten Seiten des als „dwrweb 2013“ bezeichneten Relaunch-Projektes sind fertig gestellt, aber freilich noch nicht offiziell publiziert. Da die meisten Unterseiten noch fehlen, wird der Austausch des bisherigen dwrweb gegen „dwrweb 2013“ auch noch einige Zeit dauern. Im Zuge des Relaunches wird es auch einen geschützten Bereich für Kollegen der Berliner U-Bahn geben, der dann auf PHP und nicht mehr ausschließlich auf Verzeichnisschutz mittels „.htaccess“-Dateien wie bisher basiert. Die neue Technik schließt Direkt-Downloads aus dem geschützten Bereich ohne vorherigen Weg über die Login-Seite aus. Die bereits registrierten Kollegen erhalten im Zuge der Umstellung neue Benutzernamen, während sie die alten Login-Passwörter auch im „dwrweb 2013“ weiter verwenden können.


Literatur:

[1] Artikel „Microsoft stellt Expression-Marke ein, zwei Komponenten gibt's jetzt kostenlos“ vom 27.12.2012, http://www.heise.de/newsticker/meldung/Microsoft-stellt-Expression-Marke-ein-zwei-Komponenten-gibt-s-jetzt-kostenlos-1774601.html, abgerufen am 20.01.2013.

[2] Wikipedia-Artikel „Microsoft Expression“, http://de.wikipedia.org/wiki/Microsoft_Expression, abgerufen am 20.01.2013.

[3] Wikipedia-Artikel „Microsoft FrontPage“, http://de.wikipedia.org/wiki/Microsoft_FrontPage, abgerufen am 20.01.2013.

[4] Wikipedia-Artikel „WYSIWYG“, http://de.wikipedia.org/wiki/WYSIWYG, abgerufen am 20.01.2013.


Links zum Thema:

Webseite des „WYSIWYG Web Builder (WWB): http://www.wysiwygwebbuilder.de

Foto: Die neue Startseite des „dwrweb 2013“ mit Entwicklungsstand vom 20.01.2013.
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