Habe eben erst die tolle Replik gesehen... was soll ich sagen, danke +Kathrin Passig, danke +Sascha Lobo!

Ich schreibe seit ein paar Jahren ab und zu in meinem Blog, der kaum gelesen wird, vielleicht von ein paar Bekannten. Aber ich kommentiere auch nirgendwo, oder mach irgendwelchen anderen Krams zur Promotion, ich lebe nicht davon.

Ich schreib so vor mich und freu mich, wenn ich mal nen Kommentar kriege. Es ist mehr eine Art Exhbitionsmuss, dem ich da bisher frönte und meiner Sammellust, die mich seit frühester Kindheit bereits Zeitungsartikel sammeln und Tagebuch schreiben liess.

Es also für mich irgendwie natürlich ist, das auch Online zu machen. 2004 habe ich mir mal ein eigenes php CMS bauen lassen, bin aber an der schrecklichen Rückseite (des Kühlschranks am Wegesrand! Dank +Don Dahlmann, kriege ich dieses Bild nicht mehr los, wenn ich an Wordpress & Co denke;-) gscheitert.

Nun habe ich seit etwa einem Monat eine unbändige Lust statt Mails oder statt ins Intranet oder statt auf Facebook öffentlich in meinem Blog zu schreiben, was ich echt seit 4. Oktober nun auch teilweise mehrmals täglich tue - Blogorhö quasi...

Und richtig, +Kathrin Passig mich nervt das starre Artikelformat etwas, ih hab immer das Gefühl nicht sauber genug geschrieben zu haben. Gleichzeitig bin ich bei wordpress.com, habe also hier bei G+ und drüben keine Sorgen wegen dem Backup oder der Kontrolle. Scheinbar habe ich drüben mehr, aber die belastet mich eben auch etwas...

Aber... was mich drüben mehr bloggen lässt, ist das Folgende: ich kann Strukturen und Reihenfolgen im Nachhinein noch verändern, ich habe das Gefühl den Inhalt, den ich produziere, besser kontrollieren und präsentieren zu können, als ich das hier bei G+ heute kann. Hier verschwindet doch alles nach unten und ich habe die Befürchtung, dass ich ohne Tagging/Categorizing in zwei Wochen nichts mehr wieder finde (so wie es lange bei Facebook war, alte Posts waren irgendwie noch vorhanden, nur soooo nervig durch scrollen der gesamten Wall zu erreichen, und ja, das hat sich mit Einführung der Timeline geändert). Auch deshalb überlege ich, ob ich den Kommentar eben oder diesen Post hier (aber auch tolle Diskussionen bei Facebook) immer noch mal in meine Dropbox oder ins Evernote zu kopieren für einen späteren Blogbeitrag, eben den schnellen Zugriff, das einfache Finden bzw. das Aufheben für später.

Und ich ahne, dass dies nur meiner Sammelleidenschaft geschuldet ist, die eben nicht loslassen kann. Mein Ego freut sich noch zu sehr an dem durch mich Geschaffenen, Gesammelten und will es ab und zu auch noch mal anfassen, durchlesen, geniessen... krass, oder? Aber genau das ist noch der Grund für meinen "eigenen" Blog.
+Sascha Lobo schreibt in seinem Blog http://saschalobo.com/2011/10/16/die-abschaffung-der-ruckseite-des-blogs/ "Kathrin Passig schließlich fordere ich auf bitte ich, auf einer eigenen Plattform zu bloggen, exakt so, wie sie es auf Google Plus schon tut." Das freut mich, aber ich will nicht, und zwar aus folgenden Gründen:

Sascha schreibt: "Weil aber Google Plus wenig überraschend vollständig der Willkür des Internetkonzerns Google unterworfen ist, gilt es, die konzeptionell guten Dinge von Google Plus in die privat kontrollierten Blogs hinüberzuretten." Ein privat kontrolliertes Blog ist meiner Willkür unterworfen, und damit auf eine andere Art viel stärker gefährdet, zum Beispiel ohne Backup kaputtzugehen. Ich setze in vielen Lebensbereichen innerhalb des Internets und außerhalb auf Lösungen, bei denen hundertprozentige Autarkie für mich nicht die oberste Priorität hat; zum Beispiel heize ich mit Gas aus einer Leitung, die von anderen Menschen kontrolliert wird, und ich besitze keinen eigenen Kartoffelacker. Ich weiß, dass es nicht komplett abwegig ist, auf Unabhängigkeit und Katastrophensicherheit zu setzen, und ich will mich darüber auch nicht lustig machen. Aber meine Prioritäten sind halt andere.

Ich sehe für das, was ich hier mache, keinen Vorteil in einer Verlagerung auf eine eigene Blogplattform. Das war für die Riesenmaschine sinnvoll, weil wir da im eigenen Blog technisch einiges machen konnten, was anderswo nicht gegangen wäre, und weil Kommunikation mit den Lesern dort, na ja, nicht wirklich wichtig war. Was ich aber an Google+ schätze, ist die eingebaute Diskussion, beziehungsweise ist das ganze Ding eigentlich die Diskussion; die Trennung zwischen "Kuchen spricht" und "Krümel kommentieren" ist viel weniger ausgeprägt, als ich das in Blogs empfinde.

Wenn das hier ein Blogbeitrag wäre, würde ich mich viel stärker verpflichtet fühlen, einen ordentlichen Text draus zu machen und nicht nur so ein "ich schreib das mal schnell hin, dann sehen wir weiter"-Gerede. "Ja!", denkt der Leser jetzt vielleicht, "genau das will ich, ordentliche Texte!" Aber wie man an der bisherigen Abwesenheit meines wohldurchdachten Blogs sehen kann, ist das nicht die Alternative. Die Alternative ist, dass ich gar nichts schreibe. Außerdem halte ich die Unfertigkeit des hier Hineingeschriebenen für ein diskussions- und erkenntnisbeförderndes Feature und nicht für einen Bug. Und deshalb bleibe ich erst mal bei Google+.

(In noch größerer Eile als sonst hingeschrieben und deshalb noch unvollständiger; ich spüre weitere Begründungen in mir rumoren und ergänze die vermutlich später.)
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