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Ingo Bading
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Wissenschaft verändert die Welt.
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Treffen demnächst: 24. bis 26. August // "Orwellzeit" - Bodenlos plumper als Heine, der Dichter

00:00 - Sammlung von Themen für das nächste Treffen am 24. bis 26. August (am selben Ort wie das letzte mal). Kontaktmöglichkeiten. Matthias Koepke von "Esausegen" schlägt 3 Themen vor (A bis C):

01:48 - A. "Wie das Gehirn die Seele macht" von Gerhard Roth vorführen ( https://youtu.be/wqMIC2QSN10 ). Das unterstütze ich selbst, Ingo, ungeteilt (siehe: 1). In seinem Buch schreibt Roth übrigens, was ich hier ergänzend einfügen möchte (S. 370): "In diesem Buch haben wir mit 'Seele' die Gesamtheit der Vorgänge bezeichnet, die sich in unserem bewußten, vorbewußt-intuitiven und unbewußten Fühlen, Denken und Wollen ausdrücken. Hierfür gibt es im Deutschen kein besseres Wort, auch wenn 'Geist' und 'Psyche' wesentliche Teile davon abdecken." Alle hier referierten Erkenntnisse lassen sich 1:1 auf die parallelen Erkenntnisse über die menschliche Seele von Mathilde Ludendorff beziehen (2).

02:35 - B. Aus aktuellem Anlaß würde Matthias noch einen Vortrag anbieten mit dem Titel "War das Christentum eine Waffe gegen unsere Ahnen oder ist sie es sogar gegen uns selbst?" Nikolai Nehrling hat das in seinem Vortrag ( https://youtu.be/n4bwT5MfSzE ) behauptet und hat damit heftige Kritik geerntet ( https://youtu.be/pRckrFmm_Do ). (Ok, Einschub Ingo: Letzteres Video ist ja wohl ein komischer Vogel, ich finde nicht, daß der ernst zu nehmen ist. Aber gut.) Matthias würde versuchen, mal zu beleuchten, warum Nikolai mit seiner Aussage recht hat. Dazu übrigens auch allgemeiner sehr, sehr lesenswert: (3).

03:13 - C. Matthias weist weiterhin darauf hin, daß er auch noch eine interessante Zusammenstellung veröffentlicht hat mit dem Titel "Ist die Ludendorff-Bewegung konservativ" (4). Auch diese könnte er beim nächsten Treffen vorstellen, oder zu einem anderen Zeitpunkt. - Nein, meine Meinung: die Ludendorff-Bewegung ist nicht konservativ. Christentum ist konservativ.

05:13 - Zu dem neuen Buch "Glücksfall Mensch - Ist Evolution vorhersagbar?" von Jonathan B. Losos (5).

08:06 - Es muß außerdem konkret über die Philosophie von Mathilde Ludendorff geredet. Ich habe da bislang zu viel um den heißen Brei geredet. Ich werde auf dem Treffen über die Inhalte des Buches "Des Menschen Seele" referieren (2).

09:24 - Innere Emigration ist tausend mal wichtiger als äußere. Auch innere Emigration sich selbst gegenüber. Ich war bisher zu lasch. Wie alle.

11:54 - Anregung, zu den von Nikolai Nerling angekündigten Veranstaltungen zu gehen in Berlin und Chemnitz. Übrigens: Auch für unser Treffen am 25. konnte eine Singe- und Volkstanzleiterin gewonnen werden (!!!). Sprich: Die Reihen der Guten schließen sich. So daß sich auch GERNE Zwanzigjährige beiderlei Geschlechts - oder auch jünger - angesprochen fühlen können, zu dem Treffen zu kommen. Sie werden auf ihre Kosten kommen und viele neue Tänze und Lieder lernen. Die verkopften Diskussionen der Älteren werden in ihre Schranken zu weisen sein. :-)

12:50 - Kultur ist im Kern immer: Wie finden Mann und Frau zusammen? Philip von "Orwellzeit" irritiert mit seinem neuen Video mit Nachdruck. Was will er damit? Will er sich erst als Ekelpaket darstellen, um dann um so leuchtender den Frauen-Versteher zu geben? Nein, es wäre an der Zeit, endlich von innerer Schönheit zu reden. Sie ALLEIN bestimmt über den Wert JEDES Menschen. - Anabel Schunke? Und ihre sekundären Geschlechtsmerkmale? Wer braucht die? Und wo fände man bei ihr echte, innere, weibliche Werte?
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1. Bading, Ingo: Beseelungswissen (II) - Gerhard Roth - "Wie das Gehirn die Seele macht". Gesell. Aufbruch - jetzt!, 6. März 2016, http://studgenpol.blogspot.com/2016/03/beseelungswissen-ii-gerhard-roth-wie.html
2. Ludendorff, Mathilde: Des Menschen Seele. 1923, https://archive.org/details/MathildeLudendorffDesMenschenSeele
3. Zydowitz, Kurt von: Glaubensumbruch - Ein Verhängnis. 700 Jahre germanisch-deutsche Geschichte. Verlag Mein Standpunkt 1974, https://archive.org/stream/ZydowitzKurtVonGlaubensumbruchEinVerhaengnis700JahreGermanischDeutscheGeschichteTeilI/Zydowitz%2C%20Kurt%20von%20-%20Glaubensumbruch%20ein%20Verhaengnis%3B%20700%20Jahre%20germanisch-deutsche%20Geschichte%2CTeil%20I%2C%2C
4. https://archive.org/details/KoepkeMatthiasIstDieLudendorffBewegungKonservativ2018
5. https://plus.google.com/+IngoBading/posts/MgZNVMrvFR3
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Die Vorhersehung des Unwahrscheinlichen in der Evolution

Wieder einmal ist die Übersetzung eines englischsprachigen Wissenschaftsbuches über Grundfragen der Evolution erschienen mit einem irreleitenden Titel.

Die englische Originalausgabe erschien mit dem Titel "Improbable Destinies - Fate, Chance and the Future of Evolution" (2017). Autor ist der Eidechsen-Forscher Jonathan B. Losos. Der Titel mag sich locker auf Richard Dawkins Buch "Climbing Mount Improbable" (1996) bezogen haben, das ins Deutsche korrekt übersetzt wurde mit "Gipfel des Unwahrscheinlichen" (1999), und das das alleinige Prinzip Zufall in der Evolution die Gipfelpunkte des Unwahrscheinlichen erklimmen sah. Dawkins argumentiert diesbezüglich aber längst differenzierter als in seinem Buch von 1996 (nämlich in "Geschichten vom Ursprung des Lebens" (2008) engl. _"The Ancestor’s Tale - Pilgrimage to the Dawn of Life" (2004).

Das neue Buch nun könnte zu Deutsch etwa heißen: "Die Vorhersehung des Unwahrscheinlichen - Schicksal, Zufall und die Zukunft der Evolution" (2018). So hätte eine einigermaßen korrekte Übersetzung heißen können. Tatsächlich aber lautet die deutsche Ausgabe aber "Glücksfall Mensch - Ist Evolution vorhersagbar?", was sich wiederum auf das Buch "Zufall Mensch" von Stephen Jay Gould beziehen könnte.

Nun gibt es Rezensionen zu diesem Buch, die betitelt sind "Die Evolution würfelt" (1), dabei steht schon im Klappentext "dass die Evolution nicht würfelt". Eine andere Rezension spricht schon passender von "Die begrenzten Möglichkeiten der Evolution" (2). Am Richtigsten scheint mir die Rezension in der FAZ von dem von mir oft geschätzten Thomas Weber den Inhalt zu treffen, wenn er sagt (3):

"Losos nimmt, auch im Licht solch komplexer experimenteller Befunde, in der Debatte zwischen Stephen Jay Gould und Simon Conway Morris eine mittlere Position ein - er betrachtet Evolution auf kurze Sicht als vorhersagbar. Diese Einschätzung wird beispielhaft von seinen eigenen Arbeiten an Eidechsen unterstützt."

Aus allem wird jedenfalls erkennbar, daß es sich um ein sehr ernsthaftes, differenziert argumentierendes Buch handelt, das zu lesen sich sehr lohnen dürfte.

1. https://www.wissenschaft.de/rezensionen/buecher/die-evolution-wuerfelt/
2. https://www.deutschlandfunkkultur.de/jonathan-b-losos-gluecksfall-mensch-die-begrenzten.950.de.html?dram:article_id=412553
3. http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/sachbuch/jonathan-b-losos-evolutionsbuch-gluecksfall-mensch-15527947.html
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Atheist - und Mathilde Ludendorff lesen ... Wie soll das gehen?

00:00 - Vorbereitung des nächsten Treffens, Nachbereitung des letzten Treffens.
01:00 - Viele heutige Atheisten sind in der DDR sozialisiert worden - andere natürlich im Westen. Der Historische Materialismus von Karl Marx stammt von G. F. W. Hegel. Vermutlich birgt jede philosophische Richtung eine Kernwahrheit.
02:45 - Ein Volk braucht Religion, metaphysische Philosophie, schon aus religionsdemographischen Gründen heraus.
03:45 - Zuschrift eines Teilnehmers unseres letzten Treffens.
06:50 - Wechselbeziehung zwischen Atheismus und Monotheismus.
07:30 - Wir Menschen fragen nach Sinn in unserem Leben und wir fragen auch nach dem Sinn des Bestehens von Völkern. Diese Fragen werden von den Jesuiten unterwanderten Neuen Rechten ebenfalls und hoch bezeichnender Weise nirgendwo grundlegender gestellt und beantwortet, im nach monotheistischen Motiven geleiteten öffentlichen Diskurs sonst natürlich noch viel weniger. Immer: bezeichnenderweise.
08:20 - Religion ist etwas Veraltetes. Eigentlich geht es um Philosophie. Aber was leistet Philosophie eigentlich, was kann sie leisten?
09:15 - Rechtshegelianer und Linkshegelianer. Überall Anknüpfungspunkte.
12:00 - Wiedererweckung einer germanisch-heidnischen Religion? Wo wären Ansatzpunkte? Das sollte eigentlich durch Philosophie geleistet werden.
15:30 - Wahrheitssuche, auch philosophische, auch religiöse geschieht EIGENVERANTWORTLICH. Kein Priester, keine Kirche, keine Weltanschauungsgemeinschaft sagen uns, "wo es lang geht".
16:15 - Mich müßte es gar nicht geben, damit das deutsche Volk zu einer wertvollen philosophischen Grundlage findet, sofern eine solche in Schriftform schon vorliegen sollte.
16:55 - Ich versuche hier nur, über die Erfahrungen, die ICH auf MEINEM Lebensweg mit den hier behandelten Fragen gemacht habe zu berichten in dem Sinne von: vielleicht kann das ja Anregung geben, vielleicht profitiert der eine oder andere ja davon, zumal Inhalte eines solchen Lebensweges wie des meinen der großen Öffentlichkeit sehr lange, viel zu lange vorenthalten worden sind.
17:55 - Auch ich selbst habe große Schwierigkeiten, mich an den Bereich der Metaphysik anzunähern, an den Bereich des Seelischen. Politik hat mich davon lange Jahre abgelenkt.

Weiterhin ist die Rede von Immanuel Kant, Konrad Lorenz, Nikolai Hartmann, von Intuition, von Seinkategorien und Erkenntniskategorien.
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1. Leupold, Hermin (= Gerold Adam): Philosophische Erkenntnis in ihrer Beziehung zur Naturwissenschaft. Aufsätze zur geschichtlichen Entwicklung der Erkenntnistheorie, zur Evolution des Weltalls und des Bewußtseins. 2001, Hrsg. v. Die Deutsche Volkshochschule, 23845 Bühnsdorf (329 S.)
2. Bading, Ingo: Die kalte Ratio und die vernunftmäßige Aufklärung können die modernen Gesellschaften allein nicht retten. Gesellschaftl. Aufbr. - jetzt!, 1.3.2017, http://studgenpol.blogspot.com/2017/03/eine-philippika.html
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Der Übergang zum anatomisch modernen Menschen vor 300.000 bis 100.000 Jahren auf dem afrikanischen Kontinent
Das Ringen archaischerer mit moderneren Lebensformen

Die ältesten Vorfahren des anatomisch modernen Menschen, die 300.000 Jahre vor heute in Nordafrika lebten, wie man erst seit kurzem weiß, hatten, so führt eine neue Studie aus (1), eine Gesichtsmorphologie und Gehirngröße, die schon sehr ähnlich unserer heutigen war, allerding war ihre Kopfform mehr verlängert als so kugelförmig wie bei uns heute. Man könnte das als einen auffälligen Befund ansprechen! Warum verlängert statt rund???

Jedenfalls legt er die Vermutung nahe, so schreiben die Forscher (1), daß die Gehirnform und -funktion in den nächsten 200.000 Jahren noch weiter evoluieren mußten, um all das zu erreichen, was den anatomisch modernen Menschen seit etwa 100.000 Jahren ausmacht.

In Südafrika und Äthiopien waren deutlich jüngere Vorfahren des anatomisch modernen Menschen morphologisch noch viel vielfältiger gestaltet als jene genannten in Nordafrika, was manche Forscher bis heute dazu veranlaßte, sie sogar als anderen Vormenschen-Arten zugehörig anzusprechen. Beispielsweise gab es dort deutlich robustere, längere Gesichtsformen kombiniert mit runder, moderner Schädelform. Alle Merkmale des anatomisch modernen Menschen waren somit erst ab etwa 100.000 Jahren vor heute in Afrika versammelt.

Vielleicht hat also, so darf vermutet werden, schon vor 300.000 Jahren eine "avantgardistische" Menschengruppe vor allem in Nordafrika (?) schon vergleichsweise früh eine sehr modern-menschliche Art des Lebens angenommen, auch gehirnmäßig, hatte sich aber als solche evolutionär noch nicht so stabilisiert, so daß der evolutionäre Übergang dorthin dann doch noch einmal weitere 200.000 Jahre brauchte, um sich zu "stabilisieren" gegenüber Tendenzen archaischerer menschlicher Lebensformen.

Solche Zeitverzögerungen beim Durchsetzen moderner Lebensformen beobachtet man ja in der Evolution sehr häufig (Dinosaurier behielten noch lange die Vorherrschaft, als es Säugetiere schon längst gab usw.). Ebenso beobachtet man sie in der Kulturgeschichte der Menschheit sehr häufig: Die aufgeklärte Lebensform des antik-griechischen Menschen erlebte einen gewaltigen Rückschlag mit der Ausbreitung des bigott-christlichen Mittelalters und hat noch heute Mühe, sich gegen solche archaischeren Formen der Gestaltung der Gesellschaft und Kultur durchzusetzen.

So war es also womöglich auch schon vor 300.000 Jahren in Afrika. Und das würde sehr gut passen zur "Runaway Selction"-Evolution konkurrierender Gruppen, die der geniale Evolutionsbiologe Richard D. Alexander (geb. 1930) schon 1989 vorgeschlagen hatte, um Die Evolution der menschlichen Psyche zu erklären (2).

Original: "Extant human crania are characterized by a combination of features that distinguish us from our fossil relatives and ancestors, such as a small and gracile face, a chin, and a globular braincase. However, these typical modern human features emerge in a mosaic-like fashion within the H. sapiens clade. The oldest currently recognized members of the H. sapiens clade, from Jebel Irhoud in North Africa, have a facial morphology very similar to extant H. sapiens, as well as endocranial volumes that fall within the contemporary range of variation. However, their braincase shapes are elongated rather than globular, suggesting that distinctive features of brain shape, and possibly brain function, evolved within H. sapiens. Other early H. sapiens fossils from Florisbad in South Africa (~260 ka), Omo Kibish (~195 ka) and Herto (~160 ka), both in Ethiopia, are morphologically diverse. This diversity has led some researchers to propose that fossils such as Jebel Irhoud and Florisbad actually represent a more primitive species called ‘ H. helmei ’ , using the binomen given to the Florisbad partial cranium in 1935. In a similar vein, the fossil crania from Herto, which combine a relatively globular braincase with a robust occipital and large face, were described as the subspecies H. sapiens idaltu because they fall outside the variation of recent humans. However, we view H. sapiens as an evolving lineage with deep African roots, and therefore prefer to recognize such fossils as part of the diversity shown by early members of the H. sapiens clade. The full suite of cranial features characterizing contemporary humans does not appear until fairly recently, between about ~100 – 40 ka."

1. Did Our Species Evolve in Subdivided Populations across Africa, and Why Does It Matter?. Trends in Ecology & Evolution, 2018, Available from: https://www.researchgate.net/publication/326408394_Did_Our_Species_Evolve_in_Subdivided_Populations_across_Africa_and_Why_Does_It_Matter [accessed Jul 20 2018].
2. Alexander, Richard D.: The evolution of the human psyche. In The Human Revolution, C. Stringer and P. Mellars (eds), Univ. of Edinburgh Press 1989, pp. 455-513. http://rdalexander.qwriting.qc.cuny.edu/files/2018/05/Alexander89.pdf
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1.900 v. Ztr. - Sibirische Jäger und Sammler wandern nach Ostskandinavien ein

Schon um 1.900 v. Ztr. haben sich Menschen mit der Genetik sibirischer Jäger/Sammler aus dem Ural bis nach Karelien, in die Kola-Halbinsel (also die Gegend von Murmansk) und in das heutige Finnland ausgebreitet.

In einer Preprint-Studie vom März dieses Jahres (1) wurde die DNA von sechs Skeletten aus der Gegend von Murmansk aus der Zeit um 1.500 v. Ztr. untersucht, zusammen mit der DNA von sieben Skeletten aus Westfinnland aus der Zeit 400 bis 800 n. Ztr.. Obwohl letztere Gruppe also 2000 Jahre jünger war, unterschied sie sich von der ersteren Gruppe genetisch kaum! Beide sind deutlich genetisch sibirischer Herkunft.

Die Forscher, unter denen sich der Begründer der AncientDNA-Forschung, der schwedische Finne Svaante Pääbo befindet, schreiben (1):

"Our results suggest that a new genetic component with strong Siberian affinity first arrived in Europe around 4,000 years ago, as observed in our oldest analysed individuals from northern Russia, and that the gene pool of modern north-eastern Europeans in general, and speakers of Uralic languages in particular, is the result of multiple admixture events between Eastern and Western sources since that first appearance."

Daß diese sibirische genetische Komponente in Karelien nicht einheimisch sein kann, wird folgendermaße ausgeführt (1):

"The component is absent in the Karelian hunter-gatherers (EHG) ​dated to 8,300-7,200 yBP as well as Mesolithic and Neolithic populations from the Baltics from 8,300 yBP and 7,100-5,000 yBP respectively ."

Also bislang hat man Menschen sibirischer genetischer Herkunft in Ostskandinavien in der Zeit vor 3.000 v. Ztr. noch nicht gefunden. Das heißt, Menschen mit dieser Genetik dürften in diese Region erst zwischen 3000 und 1500 v. Ztr. zugewandert sein, was sich mit archäologischen Erkenntnissen in Deckung bringen läßt (1):

"Such contact is well documented in archaeology, with the introduction of asbestos-mixed Lovozero ceramics during the second millenium BC, and the spread of even-based arrowheads in Lapland from 1,900 BCE. Additionally, the nearest counterparts of Vardøy ceramics, appearing in the area around 1,600-1,300 BCE, can be found on the Taymyr peninsula, much further to the east."

Wohlgemerkt: Die Taimyr-Halbinsel befindet sich mindestens 5000 Kilometer weiter im Osten! Weiter (1):

"Finally, ​ the Imiyakhtakhskaya culture from Yakutia spread to the Kola Peninsula during the same period."

Und wohlgemerkt: Die Kola-Halbinsel (also die Murmansk-Region) ist von dem hier erwähnten sibirischen Jakutien 9000 Kilometer entfernt! So weit also scheinen die damaligen sibirischen Stämme nach Westen gewandert zu sein und uralische Sprachen mitgebracht zu haben. Mit den Hunnen wanderte in der Völkerwanderung ab 375 v. Ztr. übrigens ein uralsprachiges Volk, das die ungarische Sprache bestimmte, weshalb es diesen Ausreißer der uralischen Sprachen bis heute in Ungarn gibt (1).

Im allgemeinen scheinen sich die genetischen und archäologischen Erkenntnisse mit denen der Sprachforschung zu decken (2) (auch wenn das die Forscher in der Studie noch anders wahrzunehmen scheinen). Für die Trennung der einzelnen Sprachgruppen ist nach Wikipedia tatsächlich 2.000 v. Ztr. im Gespräch. Wie auch immer (2):

"As shown in our analyses, the admixture patterns found in historic and modern Uralic speakers are complex and in fact inconsistent with a single admixture event. Therefore, even if the Siberian genetic component partly spread alongside Uralic languages, it likely presented only an addition to populations carrying this component from earlier."

Auch wird ausgeführt, daß das genetische und sprachliche Verbreitungsgebiet der uralischen Völker (auch abgesehen von den Ungarn) früher deutlich weiter nach Süden reichte. Die DNA wurde in Ancient-DNA-Laboren in Tübingen und Mainz sequenziert.

Wenn davon ausgegangen wird, daß der germanische Gott Odin/Wotan fremder, östlicher Herkunft ist, könnte er also sowohl aus den ugrischen Völkern stammen wie den Turkvölkern.
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1. Thiseas Christos Lamnidis et. al. (u.a. Svante Pääbo, Wolfgang Haak, Johannes Krause, Stephan Schiffels): Ancient Fennoscandian genomes reveal origin and spread of Siberian ancestry in Europe. 22.3.2018, https://www.biorxiv.org/content/early/2018/03/22/285437
2. https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Linguistic_map_of_the_Uralic_languages.png, https://de.wikipedia.org/wiki/Uralische_Sprachen
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Weihgaben für die Sonnen-Gottheit
Abgelegt in der freien Natur mit Blick zum Sonnenaufgang bei der Wintersonnenwende

Sorgfältig ausgewählte Bronze-Gegenstände wurden in der Frühen Bronzezeit in Schottland an auffallenden Orten innerhalb der Landschaft als Weihgaben für die Gottheit niedergelegt. Mehr als die Hälfte dieser Orte hatten direkte Sicht auf den Punkt des Sonnenaufgangs oder Sonnenuntergangs zur Winter- oder Sommersonnenwende.

Die Beobachtung von Sonnenauf- und -untergang an markanten Punkten in der Landschaft spielt ja auch eine zentrale Rolle bei der Himmelsscheibe von Nebra (2). Der Schwerpunkt scheint auf der Wintersonnenwende gelegen zu haben.

In einer früheren archäologischen Studie war schon dargelegt worden, daß diese Bronzegegenstände immer an hervorgehobenen Punkten der Landschaft niedergelegt worden waren, an landschaftlich schönen Punkten, auch in Grenzbereichen von Landschaften (etwa am Übergang von Ackerland zu Weideland) (3).

Wenn es solche Sitten von Sachsen-Anhalt bis hinauf nach Schottland gegeben hat in der Frühen Bronzezeit, dann wird deutlich, von welcher Sehnsucht nach der Sonne die Menschen dieser Zeit beseelt gewesen sein müssen, welche Verehrung sie ihr zugedacht haben müssen. Und in diese Verehrung reiht sich natürlich der "Sonnenwagen von Trundholm" (4) hervorragend ein.
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1. The Placing of Early Bronze Age Metalwork Deposits: New Evidence from Scotland. By Richard Bradley, Chris Green, Aaron Watson. First published: 01 February 2018, Oxford Journal of Archaeology, https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1111/ojoa.12135?campaign=woletoc&
2. https://de.wikipedia.org/wiki/Himmelsscheibe_von_Nebra
3. Bading, Ingo: Menschen aus der Bronzezeit hatten ein Auge für die Landschaft. 13.2.2018, https://plus.google.com/+IngoBading/posts/LzyU4J9NFgR
4. https://de.wikipedia.org/wiki/Sonnenwagen_von_Trundholm
5. https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/b/b4/Fragonard_aurore.jpg
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Die Ziege - Domestiziert in mehreren Regionen des Vorderen Orients während des Neolithikums

Auf der Grafik (1) ist sichtbar, daß allein im heutigen Iran offenbar drei verschiedene Ursprungspopulationen von Ziegen domestiziert wurden während des vorkeramischen Neolithikums:

Eine im westlichen Zagros-Gebirge (rosa Raute), eine (vielleicht) an den Südhängen des Kaukasus (blaue Raute), eine vielleicht an den Nordhängen des Kaukasus (grüne Raute). Andere Ursprungspopulationen befinden sich aber außerdem auch noch im Levanteraum, in Südanatolien und auf der griechischen Halbinsel. Dort wo selbstständige Domestikation stattfindet, wird man jeweils sicher auch von innovativeren, eigenständigen menschlichen Kulturen ausgehen dürfen.

Die Forscher schreiben dazu, daß sich ja auch die dazu gehörigen anatolisch-neolithischen und die iranisch-neolitschen Bauern genetisch recht deutlich voneinander unterscheiden - wie ihre Ziegen (1).

Nach dem Neolithikum breitet sich dann eine genetisch vergleichsweise einheitliche Ziegenpopulation offenbar noch ganz anderer Herkunft über den gesamten Raum hinweg aus (Haplogruppe A).
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1. Kevin G. Daly et. al.: Ancient goat genomes reveal mosaic domestication in the Fertile Crescent. Science 06 Jul 2018: Vol. 361, Issue 6397, pp. 85-88, DOI: 10.1126/science.aas9411 http://science.sciencemag.org/content/361/6397/85.full
https://d2ufo47lrtsv5s.cloudfront.net/content/sci/361/6397/85/F1.large.jpg
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Ur-Japaner und Andamesen waren ein Volk

Die frühesten anatomisch modernen Menschen in Südostasien, das erste Volk, das Indonesien, Vietnam, die Andamanen und Japan besiedelte, waren laut neuesten Ancient DNA-Studien die neuerdings von der Wissenschaft so genannten "Hòabìnhier" (engl. "Hòabìnhians") (1-4). Sie haben als Jäger und Sammler - vergleichbar zu den sibirischen Jägern und Sammlern oder den west-, bzw. osteuropäischen Jägern und Sammlern oder den skandinavischen Jägern und Sammlern - vor der Ausbreitung ackerbautreibender Kulturen ein sehr weites Verbreitungsgebiet gehabt.

Die heutigen "Onge-Negritos" auf den Andamanen-Inseln und (!!!) die ursprünglichsten Bewohner Japans (die sogenannte Jo ̄mon-Kultur) (~10,000 bis 500 v. Ztr.) (5) standen, bzw. stehen diesen frühesten anatomisch modernen Menschen Südostasiens, den "Hòabìnhiern", genetisch am nächsten. Daß es eine solche enge genetische Verwandtschaft zwischen der berühmten und zum Teil rätselhaften Jomon-Kultur Alt-Japans und den Andamanen-Inseln gab, davon war bislang wohl nur in ersten Andeutungen etwas bekannt (ich hatte es bislang gar nicht mitbekommen) (6):

"The only places outside Japan in which Y-haplogroup D is common are Tibet in China and the Andaman Islands in the Indian Ocean."

Womöglich können also auch die Tibeter ihre Herkunft auf diese "Hòabìnhier" zurückführen.

Interessanterweise unterscheiden sich die Ureinwohner Papua-Neuguineas und die Ureinwohner Australiens deutlicher von diesen sogenannten "Hòabìnhiern".

In einem neuen zusammenfassenden Bericht über die beiden neuesten Ancient-DNA-Studien (zeitgleich eine dänische von der Forschungsgruppe um Willerslev und eine US-amerikanische von der Gruppe um David Reich) zur genetischen Geschichte Südostasiens heißt es (2):

"The majority opinion is that an original Pleistocene hunter-gatherer population, descended from the first Homo sapiens more than 50,000 years ago, once occupied Southeast Asia, Australia, and New Guinea. During the Southeast Asian Neolithic, starting ∼5000 to 4500 years ago, there was an expansion of Asian farmers of southern Chinese origin. This Neolithic migration progressed southward into mainland Southeast Asia and Indonesia, and after 3000 years ago, eastward into the Micronesian and Polynesian regions of Oceania. The Neolithic migration generally ceased in eastern Indonesia before Australia and the interior of New Guinea were reached. The studies of McColl et al. and Lipson et al. support this two-layer viewpoint in full and also add further detail."

Und hochgradig spannend wird - wie schon berichtet - ausgeführt (2):

"Ancient DNA genomes from the original hunter-gatherer populations of the Southeast Asian mainland, called Hòabìnhians by archaeologists and sampled by McColl et al ., are most similar to those of modern Onge negritos of the Andaman Islands and to the Jo ̄mon [early- and mid-Holocene (~12,000 to 2500 years ago), pre-Japanese] inhabitants of Japan. These Hòabìnhians were genomically less closely related to modern Australians and Papuans, doubtless reflecting the distance between mainland Southeast Asia and Australasia, and the many intervening water barriers in eastern Indonesia, beyond the Ice Age Sundaland continent that extended eastwards to Borneo and Bali."

Und (2):
"The movement of Neolithic populations from southern China commenced as two separate migrations. One, ancestral to modern speakers of Tai and perhaps also Austroasiatic languages (the latter including Khmer and Vietnamese), spread by land into mainland Southeast Asia. Along with it spread rice, millets, and domesticated pigs and dogs. The other, ancestral to speakers of Austronesian languages such as Malay and Hawaiian, spread by sea into Taiwan, later the Philippines, and onward into Indonesia and Oceania, again carrying a cultural component of food production."

Und (2):
"Mainland Southeast Asian populations such as Tais and Vietnamese Kinh received, perhaps unsurprisingly, another layer of quite heavy gene flow from China starting around 2500 years ago. This was when the Warring States and
subsequent Qin and Western Han (206 BCE to 220 CE) Chinese empires conquered southern China and northern Vietnam, imposing Sinitic (Han) settlement, languages, and literacy on many of the indigenous Bronze and Iron Age societies to the south."
__________________________________
1. o.N.: Alte DNA enthüllt Südostasiaten sind direkte Nachkommen von mindestens vier prähistorischen Populationen. Tekk.tv, 11.7.2018, https://www.tekk.tv/wissen/alte-dna-enthuellt-suedostasiaten-sind-direkte-nachkommen-von-mindestens-vier-praehistorischen-populationen/
2. Bellwood, Peter: The search for ancient DNA heads east. Science, 6.7.2018, http://science.sciencemag.org/content/361/6397/31.full
3. H. McColl et al. (Eske Willerslev), Science 361 , 88 (2018), The prehistoric peopling of Southeast Asia
4. M. Lipson et al. (David Reich), Science 361 , 92 (2018), Ancient genomes document multiple waves of migration in Southeast Asian prehistory
5. https://de.wikipedia.org/wiki/J%C5%8Dmon-Zeit
6. https://en.wikipedia.org/wiki/Ainu_people
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Welche Genabschnitte wurden bei der Menschwerdung herauf reguliert, welche herunter reguliert?

Als Svaante Pääbo vor Jahrzehnten fand, daß Gene im Hoden von Menschen und Schimpansen häufiger unterschiedlich abgelesen werden als im Gehirn von Menschen und Schimpansen, war man überrascht, ja, enttäuscht: So leicht würden sich die genetischen Unterschiede zwischen Mensch und Schimpansen offenbar doch nicht finden lassen, insbesondere auch nicht die DNA-Abschnitte, die den Menschen zum Menschen machen.

Nun aber findet eine neue Studie sogenannte "strukturelle Variationen" (SV) im Genom von Menschen und Schimpansen, die beim Menschen herunterreguliert sind bei der Genablesung und solche, die beim Menschen herauf reguliert sind bei der Genablesung im Gehirn:

"The authors compared sv locations with genes differentially expressed during brain development and found that ~40% of genes downregulated in human radial glial neuroprogenitors were enriched for fixed svs, mainly deletions or insertions. By contrast, genes associated with human-specific segmental duplications showed a pattern of upregulated expression."

Die herunterregulierten strukturellen Variationen waren also, wenn ich es recht verstehe, im wesentlichen Genabschnitts-Verluste oder neu hinzu gefügte Genabschnitte (insertions). Die herauf regulierten strukturellen Variationen waren Segment-Verdoppelungen, also Verdoppelungen von Genabschnitten.

Vielleicht kann man damit die DNA-Abschnitte näher eingrenzen, die den Menschen zum Menschen machen.
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1. Kronenberg, Z. N. et al. High-resolution comparative analysis of great ape
genomes. Science 360 (2018), http://science.sciencemag.org/content/360/6393/eaar6343
2. Linda Koch: What makes us human? Nature Reviews Genetics, https://doi.org/10.1038/s41576-018-0029-7, Published online 206.2018, https://www.nature.com/articles/s41576-018-0029-7
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