Glaube keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast!

Mit ein paar Tricks werden aus 4,469% mit einem mal 0,01%. Man könnte aber auch 18,605% daraus errechnen. Oder 0,00361%.

Patrick Breyer vom AK Vorrat schreibt, dass unter 0,01% der Kriminalfälle in Schleswig-Holstein aufgrund fehlender Vorratsdatenspeicherung nicht aufgeklärt werden konnten: http://www.daten-speicherung.de/index.php/vorratsdatenspeicherung-fuer-001-hoehere-aufklaerungsquote/

Wer nachrechnet stellt schnell fest, dass 8 von 221.510 nicht 0,01 sondern 0,00361% sind. Die 0,01% wurden wohl gewählt, weil „unter 0,01“ schöner klingt, aber das ist das kleinere Problem:

Wer sich sich mal die Quelle anschaut – http://akdigitalegesellschaft.de/2011/VorratsdatenspeicherungAntwortaufkleineAnfrage/ – stellt fest, dass die Berechnungsgrundlage grob falsch gewählt wurde: 8 Fälle nicht aufgeklärter Fälle von Kinderpornografie im Internet werden 221.510 Kriminalfällen insgesamt (vom Raub und Diebstahl über Beleidigung bis zu Mord und Totschlag) gegenübergestellt. Korrekterweise müsste man diese aber mit der Gesamtzahl der Kinderpornografie-Fälle vergleichen, das sind 179. Dann kommt man auf eine Quote von 4,469%.

Man könnte aber auch den Anteil der wegen fehlender Speicherung nicht aufgeklärten Taten ausrechnen. Das sind dann 18,605% (8 von 43).

Die Frage, wie diese Zahlen zu beurteilen ist, ist eine andere. Auch, ob IP-Adressen anders zu behandeln sind als die Sachen, die mit der Vorratsdatenspeicherung gegenüber des vorherigen Status Quo hinzu kamen. Aber ob die Kriminalstatistik überhaupt eine sinnvolle Basis darstellt ist auf jeden Fall fraglich:
http://blog.beck.de/2011/02/07/kriminologische-argumentation-zur-effizienz-der-vorratsdatenspeicherung-wie
http://blog.beck.de/2011/02/01/kriminalstatistik-als-argument-gegen-vorratsdatenspeicherung-ein-glatter-fehlschlag

Zusätzlich dazu muss man in dem hier diskutierten Fall die Frage stellen, wie sich die Zahl 8 zusammensetzt: sind da schon alle Fälle in denen der Täter einen Anonymisierungsdienst genutzt hat oder die Tat schon mehr als sechs Monate vorbei ist herausgerechnet und nur die übrig, die zu einem konkreten Tatverdächtigen geführt hätten? Das wäre sauber, aber steht nirgendwo. Und was ist mit den verbleibenden 35 Fällen? Nicht ermittelbar oder Fälle, in denen sich der Verdacht nicht erhärtet hat? Man weiß es nicht, und das zeigt: die Kriminalstatistiken und daraus abgeleitete Schlussfolgerungen führen in vielen Fällen nicht zu brauchbaren Aussagen.


Ich bin der Ansicht, dass wir als Bürgerrechtler und Aktivisten nur mit einem Punkten können: mit Wahrheit, Aufrichtigkeit und korrekter Darstellung. Ohne Lügen, Verdrehungen und Statistikfälschungen. Verdrehte Berechnungen und Behauptungen schaden uns allen. Sie schaden mittelfristig nicht nur dem AK Vorrat und Patrick Breyer, sondern unser aller Glaubwürdigkeit. Deswegen ärgert mich dieses Statistikverdrehen immer wieder.
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