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Hans G. Müsse
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Der Konstruktivismus versteht Wirklichkeit als wahrnehmungsbasierte Konstruktion. Wirklichkeit ist nicht ontisch gegeben. Sie entsteht als Ergebnis von Wahrnehmungs- und Verarbeitungsprozessen eines konstruierenden Beobachters. Diese Wirklichkeit wird von Menschen intersubjektiv geteilt. Zudem wird die Herstellung von Wirklichkeit zunehmend medial vermittelt. Dabei spielen Interaktions-, Deutungs- und Kommunikationsprozesse eine wesentliche Rolle (vgl. Andreas Hepp, Wiebke Loosen, Uwe Hasebrink und Jo Reichertz: Konstruktivismus in der Kommunikationswissenschaft, in: Medien und Kommunikationswissenschaft, 65. Jahrgang 2/2017, S. 187). „Stellen Medien die Wirklichkeit dar oder stellen sie Wirklichkeiten her?“ (Klaus Merten, ‎Siegfried J. Schmidt, ‎Siegfried Weischenberg: Die Wirklichkeit der Medien, 2013, S. 1).
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Text heißt Gewebe; aber während man dieses Gewebe bisher immer als ein Produkt, einen fertigen Schleier aufgefaßt hat, hinter dem sich, mehr oder weniger verborgen, der Sinn (die Wahrheit) aufhält, betonen wir jetzt bei dem Gewebe die generative Vorstellung, daß der Text durch ein ständiges Flechten entsteht und sich selbst bearbeitet; in diesem Gewebe - dieser Textur - verloren, löst sich das Subjekt auf wie eine Spinne, die selbst in die konstruktiven Sekretionen ihres Netzes aufginge. Wenn wir Freude an Neologismen hätten, können wir die Texttheorie als eine Hyphologie definieren (Hyphos ist das Gewebe und das Spinnennetz). (Roland Barthes: Die Lust am Text. Frankfurt a. M. 1992, S. 94).
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[...] ich habe ein Gedankenmotiv und eine grundlegende Intuition. Diese geht übrigens auf religiöse Traditionen, etwa der protestantischen oder der jüdischen Mystiker zurück, auch auf Schelling. […] Diese Intuition stammt aus dem Bereich des Umgangs mit anderen; sie zielt auf Erfahrungen einer unversehrten Intersubjektivität, fragiler als alles, was bisher die Geschichte an Kommunikationsstrukturen aus sich hervorgetrieben hat — ein immer dichter, immer feiner gesponnenes Netz von intersubjektiven Beziehungen, das gleichwohl ein Verhältnis zwischen Freiheit und Abhängigkeit ermöglicht, wie man es sich immer nur unter interaktiven Modellen vorstellen kann. Wo immer diese Vorstellungen auftauchen […], es sind immer Vorstellungen von geglückter Interaktion, Gegenseitigkeiten und Distanz, Entfernungen und gelingende, nicht verfehlte Nähe, Verletzbarkeiten und komplementäre Behutsamkeit — all diese Bilder von Schutz, Exponiertheit und Mitleid, von Hingabe und Widerstand steigen aus einem Erfahrungshorizont des, um es mit Brecht zu sagen, freundlichen Zusammenlebens auf. Diese Freundlichkeit schließt nicht etwa den Konflikt aus; was sie meint, sind die humanen Formen, in denen man Konflikte überleben kann. (Jürgen Habermas: Dialektik der Rationalisierung [Gespräche mit A. Honneth, E. Knödler-Bunte und A. Widmann], in: Die Neue Unübersichtlichkeit, 1985, S. 202-203. Erstveröffentlichung in: Ästhetik und Kommunikation, Heft 45/46, Oktober 1981).
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Cappella Palatina (1132 bis 1140 n. Chr.) im Palazzo Reale von Palermo
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Die Paradoxie des Philosophierens im Sagen und Nichtsagen, im Zirkel und im Verschwinden des Gemeinten, ist der Ausdruck der Unerfüllbarkeit der Aufgabe. In drei Zügen vergegenwärtigen wir absolutes Bewußtsein: in seiner Bewegung aus dem Ursprung als Nichtwissen, Schwindel, Angst, Gewissen; in seiner Erfüllung als Liebe, Glaube, Phantasie; in seiner Sicherung im Dasein als Ironie, Spiel, Scham, Gelassenheit. (Karl Jaspers: Philosophie, Bd. II. Existenzerhellung. Springer, Berlin 1932, S. 260–261)
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Die Ausschöpfung des wahren Sinns aber, der in einem Text oder in einer künstlerischen Schöpfung gelegen ist, kommt nicht irgendwo zum Abschluss, sondern ist in Wahrheit ein unendlicher Prozess. [...] es entspringen stets neue Quellen des Verständnisses, die ungeahnte Sinnbezüge offenbaren. (Hans-Georg Gadamer: Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik. Ges. Werke Bd. 1, 6. Aufl., Mohr-Siebeck, Tübingen 1990, S. 303)
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Von Geburt an schreiben wir uns ein in ein Netz von Beziehungen, das uns als Individuen konstituiert, aber auch als Mitglieder einer gegebenen Gemeinschaft – mit ihren Werten und Glauben, Symbolen, Emblemen oder Idolen, ihren Feiern. Ferner definieren wir uns stets im Verhältnis zu anderen – gleichen oder anderen Geschlechts, gleichen oder anderen Glaubens . . . weswegen unsere Identitäten vielfältig sind. Ob individuell, sozial oder kulturell, entwickeln sie sich ständig weiter, erfinden sich laufend neu. (Musée de l'Homme, Paris, zitiert nach Marc Zitzmann: Alle Menschen sind gleich – aber anders, in: NZZ vom 17. Oktober 2015).
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Der historische Sinn enthält eine Wahrnehmung nicht nur der Vergangenheit der Vergangenheit, sondern auch ihrer Gegenwart; der historische Sinn zwingt den Menschen, nicht nur aus dem Bewusstsein seiner eigenen Generation heraus zu schreiben. Vielmehr muss er aus dem Gefühl heraus schreiben, dass die Gesamtheit der europäischen Literatur seit Homer – und darin enthalten die Gesamtheit der Literatur seines eigenen Landes – simultan existiert und eine simultane Ordnung ergibt. Dieser historische Sinn, der das Bewusstsein von Zeitlosigkeit und Zeitlichkeit sowie das Bewusstsein von deren Verbindung enthält, verpflichtet den Schriftsteller auf die Tradition. (T. S. Eliot: Tradition and the Individual Talent, in: The Sacred Wood and Major Early Essays, 1997, S. 28)
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Beruht nicht alle Liebe zum Menschen auf der sympathievollen, brüderlich-mitbeteiligten Erkenntnis dieser seiner fast hoffnungslos schwierigen Situation? Ja, es gibt einen Menschheitspatriotismus auf dieser Basis: man liebt den Menschen, weil er es schwer hat - und weil man selbst einer ist. (Thomas Mann: Goethe und Tolstoi, 1932, S. 38 = GW IX, S. 81)
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