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Markus Müller-Faßbender
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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Spielregeln. Showtime, Pt. 2

Die Vereinigten Staaten von Amerika hatten es bekanntlich einmal besser; heute sind sich die schreibenden Fachleute und professionellen Kopfschüttler da nicht mehr so sicher: „Aus europäischer Sicht ist schwer zu begreifen, was gerade in Amerika geschieht. Kurz vor Beginn der Vorwahlen an diesem Montag in Iowa legen Umfragen nahe, daß radikale Politiker die ersten Abstimmungen gewinnen und, wenn es dumm läuft, sogar das Weiße Haus erobern könnten. Bei den Republikanern führen Donald Trump, der gegen Ausländer hetzt und Rivalen beschimpft, sowie der US-Senator Ted Cruz, der im Parlament einmal einen Aufstand gegen das Budget angezettelt hat, der beinahe zur Staatspleite geführt hätte … Unter Demokraten wächst derweil die Begeisterung für Bernie Sanders, der sich einen ,demokratischen Sozialisten’ nennt und das Vermögen in einem Ausmaß umverteilen will, wie es das Land noch nie erlebt hat.“ In summa scheine es also so zu sein, daß kein geringer Teil der US-amerikanischen Wahlbevölkerung Bewerber schätze, „die alle bisherigen Spielregeln missachten“, und Vermögen in nie gekanntem Maße umzuverteilen ist da derselbe wahnwitzige Regelbruch, wie gegen Ausländer zu hetzen.

„Menschen“, analysiert da die Morgenzeitung, „beachten Spielregeln nur so lange, wie sie das Spiel akzeptieren. In den USA aber habe viele Bürgerinnen und Bürger jede Achtung vor dem Spiel verloren –  also vor der Art, wie in Washington regiert wird und wie Geld und Macht im Land verteilt sind. Sie sehnen sich nicht nur nach einem neuen Staatsoberhaupt, sondern nach einem neuen Spiel; deswegen verehren sie jene, die neue Regeln verheißen.“ Diese neue Regel heißt im einen Fall Faschismus – kein Agitprop von mir, in seinen in den USA durchgeführten „Studien zum autoritären Charakter“, die „Demagogen“ wie Trump bereits kannten, nannte Adorno das ohne polemische Absicht so –, im anderen Fall Sozialdemokratie, wenn wir darunter nicht das verstehen, was Helmut Schmidt, Gerhard Schröder und Sigmar Gabriel daraus gemacht haben.

 „Warum hat es bis heute so wenig Glorie, Anhänger der Demokratie zu sein?“ Kehlmann, 2008

Beide Regeln eint, daß sie in der konkreten Konstellation eine Art levée en masse zur Voraussetzung haben: Trump und Sanders gehen fundamental „das ,Establishment’ aus Parteien, Medien und Konzernen“ an. „Amerikas Wähler (durchaus auch jene, die sonst nie wählen und es diesmal wollen) äußern immer wieder den Verdacht, dass das System ,manipuliert’ sei. Demnach erteilt das Volk seinen Vertretern zwar einen klaren Auftrag; kaum sind die Politiker aber in Washington, schmieden sie faule Kompromisse, lassen sich von der Banken- und Industriewelt die Gesetze diktieren, kuschen vor ausländischen Mächten und kämpfen allein dafür, möglichst lange ihr Mandat zu behalten.“

Tja. Und stimmt das, abgesehen von den ausländischen Mächten, etwa nicht? Und wäre das Problem also eher eins der falschen Analyse oder eins der falschen Schlüsse, die einer daraus zieht? Daß es so nicht weitergehe, glaubten Marx und Hitler, glauben Dath und Höcke beide; daß es, zwischen stetig wachsenden Armutszahlen, Festung Europa und Handgranaten auf Ausländerunterkünfte, im Prinzip so weitergehen müsse, glaubt der Nicolas Richter von derSZ. Der ist gegen Trump, weil der ein Ressentiment abgreift, dessen Substrat, die Klassengesellschaft, der Richter nicht sehen kann (besser: will), und gegen Sanders, weil „kaum jemand die Frage zu stellen scheint, wer all seine Wohltaten bezahlen soll“. Und allein die treudumme Frage ist schon wieder so sehr Establishment und Manipulation, daß „Lügenpresse“ nur deshalb das falsche Wort ist, weil das zugehörige Ressentiment die Volksgemeinschaft will und nicht das Glück für alle.

Die Regeländerung als solche zu perhorreszieren hat zu den Verhältnissen geführt, die wir haben und die, wo der Sozialismus als „Unvernunft“ (Richter) ja nicht zu bezahlen ist, dann eben ein Festival der Hand- und Arschgranaten wird. It's showtime; auch aus europäischer Sicht.

#kritisches #Sonntagsfrühstück #Trump #Sanders #Faschismus #Sozialismus #USA #Wahlen
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Die Vereinigten Staaten von Amerika hatten es bekanntlich einmal besser; heute sind sich die schreibenden Fachleute und professionellen Kopfschüttler da nicht mehr so sicher: „Aus europäischer Sicht ist schwer zu begreifen, was gerade in Amerika geschieht. Kurz vor Beginn der Vorwahlen an diesem ...
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Links und rechts geschaut, Lafontaine und Gauweiler!

Ihr habt also im Interview mit dem Süddeutsche-MagazinEure bizarre Liebe ausgebreitet. Was man da alles erfahren durfte: »Oskar ist ein guter Gastgeber«, schmeichelte etwa Peter, und Oskar verriet intime Details: »Sahra kennst du auch gut, Peter.« Von gegenseitigen philosophischen Befruchtungen wurde berichtet: »Bei einem unserer ersten Gespräche hat Peter gesagt: Vergiß nie, die Grenzen haben auch eine Schutzfunktion! Da habe ich angefangen, darüber nachzudenken: Wie kommt er darauf?« Überraschend, gell, wie es in einem Konservativenkopf so zugeht! »Je älter ich werde, umso eher bewerte ich Äußerungen nach der Person als nach dem Inhalt«, gestand wiederum Peter erstaunlich freimütig seinen Opportunismus, und Oskar war diebisch stolz darauf, fünf Jahre lang Bild-Kolumnist gewesen zu sein: »Großen Spaß« habe es gemacht, »ausgerechnet in derBild gegen Krieg und Sozialabbau zu polemisieren«, also das mitmenschliche Feigen- für ein unmenschliches Haßblatt zu mimen: »Deshalb war die Zeitung auch froh, als sie uns wieder loswurde.« Ganz bestimmt war sie das. So sicher, wie der Schwanz den Hund einzieht.

Eure Freundschaft, jedenfalls, ist eine beispielgebende. »Machen wir einen Fehler«, fragen die SZ-Redakteure, »wenn wir uns Parteien als eine Gerade vorstellen mit links außen und rechts außen? Trifft es ein Kreis besser, wo sich die Extreme wieder treffen?« Und weil diese Unterstellung von Euch ziemlich unwidersprochen bleibt, erfüllt Ihr beiden Salonextremisten der sozialdemokratisch-mittig-liberalen Süddeutschen und ihren Lesern auch noch einen Herzenswunsch: sich von zwei nützlichen Idioten ihre Totalitarismustheorien bestätigen zu lassen.

Glückwunsch!

Paartherapeutische Grüße von

Titanic
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Ihr habt also im Interview mit dem Süddeutsche-Magazin Eure bizarre Liebe ausgebreitet. Was man da alles erfahren durfte: »Oskar ist ein guter Gastgeber«, schmeichelte etwa Peter, und Oskar verriet intime Details: »Sahra kennst du auch gut, Peter.« Von gegenseitigen philosophischen Befruchtungen ...
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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Bitte nicht verstören

Es ging in der Morgenzeitung mal wieder um die Mitte: „Meinungen werden wie Munition verschossen, nicht nur in der Flüchtlingsdebatte. Wie lange hält Deutschlands Mitte das aus? Eine Interview-Reise durch die Republik“. Eine kuriose Frage, weil sie unterstellt, die Meinungen, die wie Munition verschossen werden, kämen gar nicht aus der Mitte, sondern vom rechten und linken Stänkerrand; was bedeuten würde, daß z.B. das Spon-Publikum, dessentwegen die Kommentarfunktion unter Artikeln zum Flüchtlingsthema außer Betrieb genommen worden ist, gar nicht aus dieser sagenhaften Mitte käme, sondern ausschließlich aus Nazi- und Pegidakreisen, und das scheint ja doch zweifelhaft; und um so zweifelhafter, als die Interview-Reise u.a. zu Dieter Nuhr führt, der stellvertretend sich beschweren darf, daß seine Ansichten – als Ansichten der Mitte – so schlimm mißbraucht würden: „Früher war das links, wenn man sagte, daß jeder leben soll, wie er möchte. Heute muß man aufpassen, von wem aufgegriffen wird, was man sagt.“

Die Morgenzeitung, Organ der Mitte, hat Verständnis: „Nuhr war schon alles Mögliche dieses Jahr. Islamophob, rechter Hetzer, linker Hetzer. Er hatte mal einen Satz im Programm, den er immer noch unterschreiben würde, der ging so: ,Es gibt keinen toleranten Islam an der Macht.’ Für sich schon nicht falsch, im Kontext aber noch viel besser, denn Nuhr bettet ihn in eine Passage, in der er sich gegen jede Intoleranz ausspricht, auch religiös motivierte, christliche oder islamische, egal. Aber wie war das noch? Es kommt immer drauf an, von wem aufgegriffen wird, was man sagt. Deshalb zahlt er jetzt ein fünfstelliges Anwaltshonorar im Jahr nur dafür, den Satz mit dem Islam von rechten Seiten im Netz löschen zu lassen.“

„Der Deutsche schleppt an seiner Seele: er schleppt an allem, was er erlebt.“ Nietzsche, 1886

Das Geld könnte Nuhr sich sparen, wenn er einfach nichts mehr sagte, was sich so leicht von rechten Seiten aufgreifen ließe, und wer hin und wieder Zeitung liest, weiß, daß, wer sich auf ein Mißverständnis beruft, genau richtig verstanden worden ist. Der Satz, den dieSZ für sich schon nicht falsch und im Kontext sogar noch besser findet, ist so ein Satz, der für diese Art Mißverstehen wie gemacht ist. Es geht natürlich um alle Religion, christliche, islamische, egal, aber da der Satz: „Es gibt keinen toleranten Katholizismus an der Macht“ nicht fällt und sich für Polen oder Ungarn halt auch niemand interessiert, bleibt der Islam als Sonderfall und der Satz ein trojanisches Pferd. Denn es gibt in Deutschland so wenig einen Islam an der Macht, daß der Satz nur als Suggestion funktioniert, als Vorlage für die völkische Quatschangst vor der Islamisierung. Und das Publikum klatscht, und die Nazis klatschen auch, und dann muß Nuhr seine Anwälte bemühen, und dann darf er die SZ vollheulen, daß man nimmer sagen dürfe, was man wolle, und dieSZ kann drei Seiten mit der üblichen PC-Kritik zuleiern und die arme, gebeutelte Mitte beschwören, deren Rechtschaffenheit von den Unbelehrbaren sturmreif geschossen wird.

Zwei Drittel aller Delikte wider Flüchtlinge und ihre Unterkünfte werden von braven Staatsbürgern begangen, Tag für Tag und heute wieder. Folgerichtig titelt der Spiegel: „Die verstörte Nation. Verliert Deutschland seine Mitte?“ Der Verlust jener Mitte, die sich immer bedauert, wenn sie andere totgeschlagen hat, wäre allerdings zu verkraften

#kritisches #Sonntagsfrühstück #Dieter #Nuhr #Islamophobie
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Es ging in der Morgenzeitung mal wieder um die Mitte: „Meinungen werden wie Munition verschossen, nicht nur in der Flüchtlingsdebatte. Wie lange hält Deutschlands Mitte das aus? Eine Interview-Reise durch die Republik“. Eine kuriose Frage, weil sie unterstellt, die Meinungen, die wie Munition ...
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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Mit den Opfern

Die Trauer, die Bestürzung, die Fassungslosigkeit waren groß beimStern nach den Anschlägen von Paris, diesem laut Stern-Titel „Angriff auf Europa“. „Die Morde an Unschuldigen, deren einziges Verbrechen am vergangenen Freitag war, daß sie ihr Leben genießen wollten, haben uns Westeuropäer ins Mark getroffen“, trauerte Chefredakteur Christian Krug auf Seite 5, um auf Seite 6 an- und abzuschließen: „Wir widmen den Anschlägen von Paris und ihren Folgen in diesem Heft mehr als 50 Seiten. Unsere Gedanken sind bei den Opfern und ihren Hinterbliebenen.“

Auf Seite 7 trauerte die Fa. Bulthaup sogleich ganzseitig mit: „Augen. Hände Leidenschaft. Wo Maschinen ihre Grenzen erreichen, vollenden Menschen mit Leidenschaft ihre Bulthaup-Küche.“ Auf den Seiten 8 und 9 dann das Inhaltsverzeichnis („Terror in Paris“, „Angriff auf die Freiheit“), danach doppelseitig das „Rundum-Sorglos-Paket“ der wo schon nicht "Bataclan"-, so doch „Club & Lounge Sondermodelle“ von VW: „Mit der neuesten Euro-6-Technologie“, „bis zu 4000 € Preisvorteil“ und „5 Jahren Garantie serienmäßig“.

„Das Leben ist der Güter höchstes nicht“ Schiller, 1803

Seite 14: „Weltweite Anteilnahme: Ob in New York, Rio oder Shanghai – überall leuchteten die Nationalfarben Frankreichs“, auf Seite 15 leuchtete immerhin das „Drunterhemd Mey Dry Cotton Functional“ in Reinweiß, es ist aber „auch im Farbton Skin“ erhältlich. Folgten drei Seiten Bestürzung und Trauer, dann der Peugeot 2008 („Eigener Kopf inklusive“) mit „2000 € Eintauschprämie“. Auf Seite 20 erzählten Stern-Reporter (m/w), „welche Augenblicke, Bilder und Gefühle sich in ihr Gedächtnis eingegraben haben“: „Ich laufe durch malerische Gassen zu den Plätzen, wo so viele Menschen gestorben sind“ und also nicht mehr in den Genuß des nebenan beworbenen „neuen Kindle Paperwhite mit brillantem, hochauflösenden Display“ gelangen werden. Wer umblätterte, las den Stabreimer Jörges „Härte und Humanität“ fordern, nebenan hatte die Uhrenfirma Mido solidarisch einen Eiffelturm über ihren (sehr schönen!) Commander Caliber 80 Chronometer gebastelt (unverbindliche Preisempfehlung 1120 Euro), woran sich 29 Seiten mit Fotos von Toten und Terror anschlossen, und erst auf Seite 53 durfte dann endlich Opel auf seinen neuen Astra mit „Massagesitzen und Matrixlicht“ hinweisen, bevor Frédéric Beigbeder seinen Senf dazugab. Dann Eon bzw. die „Eon-Solarprofis“, dann neun betroffen machende Seiten IS und Terror, auf Seite 67 endlich „die neue Miele CM7“-Heißgetränkmaschine („Exklusiv bei Miele: Automatisches Entkalken“).

Bis auf Seite 73 die anteilnahmsvolle Hamburger Berichterstattung fürs erste an ihre Ende gelangt und der Alltag zurück war und es wieder um „Geld: Meine Tips für eine sinnvolle Anlagestrategie“ gehen konnte, durften noch www.erdgas.info und die Volksbanken und Raiffeisenbanken um Aufmerksamkeit bitten, denn „jeder Mensch hat etwas, das ihn antreibt“, und das haben die Pariser und Pariserinnen ja nun gemerkt, nicht wahr!

Ich möchte nicht gern ermordet werden. Wenn es aber geschieht, dann sorgt bitte dafür, daß weder die Illustriertenpresse noch die Firmen bulthaup, VW, Mey, Peugeot, Amazon, Mido, Opel, Eon oder Miele Kapital daraus schlagen.

#kritisches #Sonntagsfrühstück #Paris #Terror #Illustrierte #Werbung
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Die Trauer, die Bestürzung, die Fassungslosigkeit waren groß beim Stern nach den Anschlägen von Paris, diesem laut Stern-Titel „Angriff auf Europa“. „Die Morde an Unschuldigen, deren einziges Verbrechen am vergangenen Freitag war, daß sie ihr Leben genießen wollten, haben uns Westeuropäer ins ...
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Hoch lebe Gärtner! Hoch! Denn ohne Tietze steht ihr mit ihm nur noch auf einem Bein. (Von Trauer diktierte Übertreibung.)
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Nach den Anschlägen von Paris ist die erhöhte Wachsamkeit der Bevölkerung gefragt. Bitte informieren Sie umgehend die Polizei, wenn... Ihr islamistischer Nachbar Sie bittet, in nächster Zeit seine Kakteen zu gießen; Sie gemütlich in einem Straßencafé sitzen, vor Ihnen plötzlich ein Muslim aus ...
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Über den v.a. auch ästhetischen Ruin des dt. Bürgertums dies und das im ND.
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Es sind Bürger ohne Bürgerlichkeit; Bürger ohne Anstand, ohne Dezenz, ohne Schönheitssinn, auch ohne Verantwortung, um eine bürgerliche Kategorie zu zitieren - denn sie wollen nichts weniger, als die Strukturen abbrechen, denen sie ihren Wohlstand verdanken.
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Herby Kugel's profile photoMarkus Müller-Faßbender's profile photo
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+Herby Kugel Ja, und selbst wenn sie keinen Reichtum teilen können, weil es ihnen schlichtweg dreckig geht, dann richtet sich ihre Kritik allemal an die Falschen. Als wenn ausgerechnet die Flüchtlinge Schuld daran wären, dass Millionen Menschen nicht mehr von ihrem kümmerlichen Lohn leben können. Die Kritik muß sich nach oben richten. Aber eben genau das steht den Pegidisten gar nicht im Sinn. Im Gegenteil bekennen die sich ja zur bestehenden Herrschaftsform, indem sie sagen "wir sind das Volk". Das ist doch ein ganz klares Bekenntnis zum beherrscht werden wollen.
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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Showtime

Achtung, Baby, Donald kommt: „Der unzähmbare Mann … exzentrisch, großspurig und unberechenbar. Ein Clown? Oder doch der nächste Präsident der USA? “ (SZ) Eine echt amerikanische Erfolgsgeschichte womöglich „von der Witzfigur zum Hoffnungsträger? Mehr und mehr setzt sich die Auffassung durch, Donald Trump als Kandidat sei kaum noch zu verhindern“ (FAZ). Und das würde aber auch Zeit, weil: „Donald Trump will Waffenverbote an Schulen aufheben“ (Spiegel online). Die Kindergärten sollen folgen.

„Bonzo am roten Knopf“? Als Gremliza das schrieb, vor 35 Jahren, war mit Ronald Reagan gerade eine solche Art Clown zum Präsidenten gemacht worden, „ein ausgemachter Kretin“ und „drittklassiger Westernheld, eine Type, über deren intellektuelle und moralische Inferiorität unter vernünftigen Menschen keine Diskussion möglich ist“. Die mittlerweile durchgehend freie Welt scheint da in der Zwischenzeit nicht klüger geworden zu sein, was, soweit es stimmt, daß das Bewußtsein dem Sein folge, nicht als Überraschung gelten muß, allenfalls als eine der Art, daß nicht nur der Keller vollgelaufen ist, sondern auch der Dachstuhl abgebrannt. „Das hat Marx nicht geahnt, als er die bewußtseinsbildende Kraft des sozialen Seins beschrieb: wie perfide und perfekt zugleich auch noch der Arbeitslose dazu gebracht werden kann, seine Misere irgendwelchen Kommunisten (Negern, Juden, Gastarbeitern, Gewerkschaftern) anzulasten oder eigener Minderwertigkeit; sich und seinesgleichen zu hassen und die zu verehren, die ihn quälen.“

Der Fortschritt ist indes nicht ausgeblieben, denn mit Trump verehren die Gequälten jetzt jenen, der Blödsinn ganz unverstellt als Politik verkauft, weshalb die „anstößigen Bemerkungen über Einwanderer, Frauen oder Muslime“ (Die Welt, sehr gut) gar nicht mehr das primär Stimulierende sind. Das ist Inhalt, und „Inhalte“ sind, spätestens seit Schröders SPD damit hausieren ging, nicht mehr sehr von Belang. It’s the attitude, stupid: „Weder die ethnische Zugehörigkeit, noch das Einkommen, das Alter, das Geschlecht, die Ideologie oder der Bildungsstand seien verläßliche Indikatoren dafür, ob jemand dazu neigt, Trump gut zu finden oder nicht“, schreibt lt. Welt der US-amerikanische Politikwissenschaftler Matthew MacWilliams. In seinen Umfragen zum autoritären Charakter hat er „nur zwei Indikatoren gefunden, die auf statistisch relevante Weise mit Sympathien für den Immobilienmogul korrelieren: eine Neigung zum Autoritarismus und die Angst vor Terror … Es ist die Sehnsucht nach dem starken Mann.“

„Wir ziehen unsere Köpfe in Treibhäusern.“ Lichtenberg, 1775

Die, auch das hat Gremliza damals schon gewußt, mit der Sehnsucht der Medien nach dem quotenstarken Hampelmann korreliert, weshalb die Taz in aller kritischen Arglosigkeit melden kann: „Für viele US-amerikanische Medien stellt sich die Frage, Trump zu ignorieren, zudem gar nicht. Denn der Milliardär bewegt die Menschen. Nach Barack Obama war er mit 43 Millionen Erwähnungen die Person, über die 2015 am meisten getwittert wurde. Welches Medium würde es sich leisten wollen, die fortwährenden Skandale, mit denen Trump sie füttert, unbeachtet zu lassen?“

Und das Medium, am Remmidemmi, welches immer reaktionär ist, strukturell interessiert, ist bekanntlich die Nachricht, und die Nachricht lautet: Yes, he can. Und wir eben nicht, weswegen wir stellvertretend nicht „aufgeblasene Prahler“ (Welt) wählen, sondern Leute, die alles dürfen wollen. Und hätten wir das F-Wort zuletzt nicht etwas sehr strapaziert, wir müßten feststellen, daß Kapitalismus noch in seiner ultralibertären Spielart, wie es aussieht, immer nur auf das eine hinausläuft.

Broov.

#kritisches #Sonntagsfrühstück #Trump #Kapitalismus #autoritärer #Charakter
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Achtung, Baby, Donald kommt: „Der unzähmbare Mann … exzentrisch, großspurig und unberechenbar. Ein Clown? Oder doch der nächste Präsident der USA? “ (SZ) Eine echt amerikanische Erfolgsgeschichte womöglich „von der Witzfigur zum Hoffnungsträger? Mehr und mehr setzt sich die Auffassung durch, ...
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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Stimmung!

Jetzt kippt sie wieder, die Stimmung; aber wer macht die Stimmung? „Chaotische Ermittlungen“ überschreibt die Morgenzeitung einen Bericht über die polizeiliche Arbeit nach den Silvesterkrawallen, denn „die Ermittlungen nach den sexuellen Übergriffen gestalten sich zunehmend chaotisch“, wobei das zunehmende Chaos im Text dann aber bloß darin bestand, daß ein Staatsanwalt zwei Tatverdächtige wieder laufen ließ. Eine „desaströse Informationspolitik“, heißt es nebenan, hätten den Abgang des Kölner Polizeipräsidenten unausweichlich gemacht; dabei hatte der sich bloß nicht getraut, dem Volke mitzuteilen, Kanaken seien über deutsche Frauen hergefallen. Er ahnte, was folgen mußte. „Integration haben wir uns anders vorgestellt“ (Anja Reschke, Tagesthemen).

„Die Silvesternacht“, heißt es im frischen Spiegel – Titel, natürlich: „Auf der Kippe“ – „markiert einen Wendepunkt, weil sich in ihr das Unbehagen über staatliche Untätigkeit kristallisiert hat.“ Mein Unbehagen hat sich nicht kristallisiert. Ich habe gar kein Unbehagen, jedenfalls nicht wegen staatlicher Untätigkeit. Wie soll er denn tätig werden, der Staat? Verstehe: Keine Kanaken mehr hineinlassen. „Die Szenerie auf der Platte zwischen Dom und Hauptbahnhof war kaum anders als symbolisch zu betrachten: Der Platz wurde zum Ort der Rechtlosigkeit, der Ohnmacht der Staatsgewalt, aber Randale, Raketen, Rabauken überall.“

Kaum passiert es einer Polizei, daß sie nicht in die Zukunft sehen kann – und schließlich waren die Kölner Vorfälle, wir lesen es überall, ohne Beispiel –, wird aus Europens sommermärchenhafter Musterdemokratie mit allerorten bestaunter Verwaltung ein umfassend ohnmächtiges Chaosland, das gegen Randale und Rabauken keine Chance hat, mindestens dann nicht, wenn die Rabauken migrantische sind. Die werden nämlich, anders als Einheimische, nicht einfach straffällig, nein: Die treten unsere Grundwerte mit Füßen, deren heiligster ist, daß Frauen keinesfalls molestiert werden dürfen, außer vielleicht auf dem Oktoberfest, im Karneval oder wenn sie es auf der Karriereleiter zu eilig haben. (Das zeichnet den Spiegelja aus, daß er immer Engelchen und Teufelchen zugleich ist: „In jeder Großraumdisco tanzen Grapscher, auf jeder Fanmeile tummeln sich Fummler, und beim Karneval, dieser sehr deutschen Angelegenheit, verschwimmen regelmäßig die Grenzen zwischen närrischem Spiel und bösen Ernst. Fast 60 Prozent der Frauen in Deutschland haben laut einer Studie aus dem Jahr 2004 angegeben, schon einmal sexuell belästigt worden zu sein. 60 Prozent, das sind so viele Frauen, daß die Täter garantiert nicht alle Nordafrikaner sein konnten.“)

„An wen wenden wir uns? An die Ohnmächtigen. Wen rufen wir um Hilfe an? Die Hilflosen.“ Brecht, o.J.

Aber die Stimmung kippt, muß kippen, denn „zur Wahrheit gehört auch, daß das Zusammmenleben in Deutschland ungemütlicher wird“, und „wenn sich die Wähler, wie es sich in diesen Wochen anfühlt“, u.a. weil es so in unseren Stimmungsblättern steht, „von den Regierungsparteien der Großen Koalition in dieser Frage nicht ernstgenommen fühlen, werden sie sich Antworten bei anderen, radikaleren Gruppierungen suchen“.

Der Spiegel, ein deutsches Bildungsblatt, denn was ist noch gleich „Insinuation“? Der Cordt Schnibben tut es gern noch mal exemplifizieren: „Im Kopf vieler Deutscher fügen sich die üblen Taten allerdings zu einem düsteren Blick in die Zukunft eines entfremdeten Deutschland, zu einer Art Geiselnahme, die nicht nur die Frauen im Bahnhof bedroht“, sondern das deutsche Vaterland im ganzen, das sich über- und von sich entfremdet sieht, wenn der Ausländer mit seiner brünstigen Negerkultur als Geiselnehmer des ganzen Volkes in Erscheinung tritt. (Da regen sie sich über „Mein Kampf“ auf, dabei steht dasselbe doch imSpiegel!)

Wäre meine Frau in Köln oder Hamburg zum Opfer geworden, ich müßte gleich zweimal speien: über den Mob dort und über unsere halbseidenen Stimmungskanonen beim Stürmer, halt: in Hamburg.

#kritisches #Sonntagsfrühstück #Migranten #Silvester #Köln #Spiegel


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Gärtners kritisches Nikolausfrühstück: Feuer frei

Es ist entzückend, wenn auch ein bißchen gruselig, wie das alles immer funktioniert: Erst thematisiert in der liberalen Morgenzeitung ein Geschichtsprofessor das ach so schwierige, „gebrochene“ Verhältnis der Nation zu sich selbst, die „deutsche Besonderheit im Umgang mit der Nation“ als „deutsche Obsession“ zumal nach den „Gewalterfahrungen seit 1914 und 1939/41“, wie sich nach zwei Weltkriegen und den zugehörigen (deutschen) Gewalterfahrungen eine „anhaltende Verunsicherung“ im „kollektiven Bewußtsein“ etabliert habe und auch „nach 100 Jahren nicht verschwunden“ sei. Was mißlich ist, stellen doch neuerdings allerhand zeitgenössische Krisen „die deutsche Selbstdeutung als friedlicher europäisch integrierter, postnationaler Staat infrage“.

Nachdem diese bekannte Problematik der nationalen Verunsicherung und begeisterten, dabei schwer haltbaren Postnationalität also derart ausgeleuchtet worden ist, können am nächsten Tag in derselben liberalen Morgenzeitung andere Saiten aufgezogen werden: „Im Nahen Osten müssen der Kalif und seine Zehntausenden Militante mit sehr, sehr harten militärischen Instrumenten angegriffen werden“; die Luftangriffe, von deutschen Tornados vorbereitet, müssen „möglichst viele Berufsmilitante töten … Und da im Kalifat zwischen sechs und acht Millionen Menschen leben, werden nicht nur Kämpfer des Kalifen sterben, sondern mit Sicherheit auch Zivilisten. Ob das den Deutschen als Preis für ihre Sicherheit vor möglichem IS-Terror in Berlin, Hamburg oder München zu vermitteln ist?“ Dabei gibt sich der Kollege Avenarius von der SZ doch alle Mühe, auch wenn ihm die deutsche Sprache als Vermittlerin nicht eben zu Willen ist; und so müssen sich das Kalifat und die unter ihm leidenden Zivilisten auf sehr, sehr harte Instrumente (Betonklaviere?) einstellen, und da die Deutschen mit der Gewalt so ihre Erfahrungen gemacht haben, muß jedenfalls klar sein, daß sich hier eine Nation alle ihr zur Verfügung stehenden Gedanken macht, bevor sie eingreift, denn sie hat aus ihrer gebrochenen Geschichte nicht nur gelernt: Nie wieder Krieg, sondern auch: Nie wieder Auschwitz. An die Lehrstunde erinnert man sich in Belgrad noch heute.

„Es soll kein Friedensschluß für einen solchen gelten, der mit dem geheimen Vorbehalt des Stoffs zu einem künftigen Kriege gemacht worden.“ Kant, 1795

Was die Nation nicht gelernt hat, ist, daß sich der IS direkt einem der jüngeren Eingriffe in Nahost verdankt, dem Irakkrieg nämlich, und was aus Libyen nach dem letzten Eingreifen europäischer Sicherheitspolitiker geworden ist, ließe sich den Fernsehnachrichten entnehmen, wenn der andauernde Bürgerkrieg dort noch eines Berichts wert wäre. Klüger ist da der Zentralrat der Muslime in Deutschland, dessen Vorsitzender, mit lesbarem Staunen, das immer gleiche Rezept kritisiert, nach dem hier Suppe um Suppe versalzen wird: „Wir erleben zum Teil erneut, daß die Rezeptur ,War on Terror’ angewandt wird. Damals hat diese Rezeptur versagt, und heute wissen wir um so mehr, daß Krieg gegen Terror nur noch mehr Terror hervorbringt, das heißt, aus Al-Qaida wurde IS, und was kommt als nächstes?“

Als nächstes kommt der nächste Gegner, den der Avenarius von einem sehr, sehr weichen Bürostuhl aus mit sehr, sehr harten Instrumenten töten wollen wird, ohne damit – wenn die Erfahrung irgend etwas besagt – mehr zu erreichen, als den übernächsten Gegner auf den Plan zu rufen: Erst Gewalterfahrung, dann Zerknirschung, dann von vorn. Es ist entzückend, wenn auch ein bißchen gruselig, wie das alles immer funktioniert, auch wenn es natürlich nicht funktioniert. Feuer mit Benzin zu löschen, das ist so eine Sache.

#kritisches #Sonntagsfrühstück #IS #Waronterror #Terror
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Es ist entzückend, wenn auch ein bißchen gruselig, wie das alles immer funktioniert: Erst thematisiert in der liberalen Morgenzeitung ein Geschichtsprofessor das ach so schwierige, „gebrochene“ Verhältnis der Nation zu sich selbst, die „deutsche Besonderheit im Umgang mit der Nation“ als ...
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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Eine Verantwortung

Sie können einem leid tun: „,Abscheuliches Verbrechen’. Deutsche Muslime verurteilen islamistische Gewalt … Einer der größten deutschen Islamverbände … sprach der französischen Regierung sein Beileid aus und grenzte den Islam von den Attentätern des sogenannten islamischen Staats (IS) ab. ,Alle Formen von Terrorismus und Extremismus sind völlig konträr zu den wahren Lehren des Islam’“, (SZ), was der ZDF-Ankermann Kleber vermutlich nicht in Zweifel zieht; und trotzdem fragt er den Vorsitzenden des islamischen Zentralrats gleich zweimal, ob der Islam da nicht „eine Verantwortung“ habe. Und der, ganz botmäßige Minderheit, muß das natürlich, wie gewunden und schwitzend immer, bejahen.

Es ist müßig, sich darüber zu streiten, ob der Islam eine friedliche oder eine kriegerische Religion sei. Das ist dann egal, wenn wir Religion, wo sie sich schon nicht abschaffen läßt, als die Privatsache behandeln, die sie ist. Als islamische neigt sie dazu, es nicht zu sein, denn die Umma, die Gemeinschaft der Gläubigen, ist mit der Gesellschaft identisch; aber nirgends, nicht einmal in Teheran, steht Ahmed Normalmuslim morgens auf, um bis zum Abend die Ungläubigen ausgerottet zu haben. Er ist Arzt, Lehrer, Bäcker oder Straßenkehrer, und wenn er betet, dann fürs Heil nach dem irdischen Feierabend. Ein Christ macht das nicht anders, und daß er gegens Verhetztwerden immun wäre, wird man nicht behaupten wollen.

„(1) Als Gehilfe wird bestraft, wer vorsätzlich einem anderen zu dessen vorsätzlich begangener rechtswidriger Tat Hilfe geleistet hat." §27 StGB

Das Problem, auch wenn öffentlich-rechtliche Aufklärer wie Kleber oder der Kommentator der Süddeutschen(„der innerislamische Gesellschaftskrieg ist keine Erfindung des Westens“) das zu eskamotieren versuchen, ist – immer wieder, es tut mir leid – kein religiöses, sondern ein soziales, so wie schwarze junge Männer in den USA nicht darum massenhaft im Knast sitzen, weil Schwarze Kriminelle sind. „Unterdrückung, gescheiterte politische Systeme und starkes Bevölkerungswachstum sind die Brutstätten für das Entstehen islamistischer Gewalt“, weiß sogar Freund Frankenberger in der FAZ. „Ohne weitreichende Reformen kann der Terror dort nicht besiegt werden.“ Wer bislang kräftig mit unterdrückt hat, wem das politische System in Bagdad oder Damaskus egal gewesen ist, solange nur das Öl floß, und wie also die weitreichenden Reformen auszusehen hätten, ohne daß man an der Weltordnung aus Koch und Kellner rütteln müßte – als lasse sich der Imperialismus mit dem Sozialgesetzbuch aus der Welt schaffen –, verrät der Frankfurter Auslandsredakteur nicht. Der innerislamische Gesellschaftskrieg im Irak z.B. ist halt eine Erfindung des Westens, nämlich eine direkte Folge des Irakkrieges von 2003, und wer, ganz generell, ein Auskommen und Perspektiven hat, der interessiert sich für den Unterschied zwischen Sunnit und Schiit auch nicht dringender als der Katholik für die Frage, ob ein Geschiedener noch mal heiraten darf.

Aber der bürgerliche Journalist, dem der Dax allemal näher ist als der geflickte Rock eines irakischen Familienvaters, will ja die Dinge nicht ins Rutschen bringen; und also ist er „an sich“ (Polt) nicht gegen den Islam, läßt aber an der sittlichen Überlegenheit des eigenen Aberglaubens (und des zugehörigen Abendlandes) keinen Zweifel: „Was wir den Terroristen entgegensetzen müssen: Weiterzuleben wie bisher. Das christliche Heilsversprechen ist nicht schwächer als die irren Vorstellungen verblendeter Todesschwadronen.“ Er ist ein Schatz, der Reinhard Müller von der Frankfurter Allgemeinen: unserChristentum gegen deren Todesschwadronen. Unser Christentum, dessen Kriminalgeschichte allerdings bekannt ist und das sich die Erde auf eine Weise untertan gemacht hat, die allenfalls die Wünsche jener Milliarden offen läßt, die dabei nicht mitmachen dürfen. Weiterzuleben wie bisher, auf ihre Kosten: das ist kein Rat, das ist, in jeder Beziehung, Beihilfe.

#kritisches #Sonntagsfrühstück #Islam #IS #Terrorismus #Christentum


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Sie können einem leid tun: „,Abscheuliches Verbrechen'. Deutsche Muslime verurteilen islamistische Gewalt … Einer der größten deutschen Islamverbände … sprach der französischen Regierung sein Beileid aus und grenzte den Islam von den Attentätern des sogenannten islamischen Staats (IS) ab. ,Alle ...
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Gärtners kritisches Buchmessensonntagsfrühstück: Außer Lesen nichts gewesen
„Immer mehr Menschen ...“ – fängt ein Zeitungssatz so an, folgt selten Gutes. Dann folgt nämlich ein Trend. „Immer mehr Menschen klagen, sie könnten sich nicht mehr auf ein gutes Buch konzentrieren. In der ,Slow Reading’-Bewegung trifft man sich daher zu einem stillen Stündchen ohne digitale Ablenkung“. Und zwar, versteht sich, in einem Café, damit noch jemand Geld daran verdient, daß moderne Menschen nicht in der Lage sind, irgend etwas zu betreiben, ohne daß es ein Service ist oder Eventcharakter hat. Der möglichst auch noch Geld kostet, denn was nichts kostet, ist nichts wert.

Nun hat es also auch das Lesen erwischt, zu dem man die „zwischen vielen abendlichen Internetstunden und vierhundert amerikanischen Qualitätsfernsehserien“ eingeklemmten Großstadtbewohner ans Gängelband nehmen muß, weil sie nämlich „selbst keine Lücke mehr finden für etwas, das sie eigentlich wahnsinnig gerne tun oder getan haben, nämlich gute Bücher zu lesen … In den zehn Tips, die der Slow Reading Club im neuseeländischen Wellington Neueinsteigern an die Hand gibt, heißt es denn auch, man solle vor Beginn der Lektürestunde die Augen schließen und fünfmal tief durchatmen.“ Da atme ich jetzt einmal tief durch, bevor ich 1. der SZ den „Neueinsteiger“ als Doppelmoppel hinreibe und 2. der Überzeugung Ausdruck verleihe, daß, wer zum Lesen besondere Umstände braucht, die über Ruhe und eine Kanne Tee hinausgehen, es auch bleiben lassen kann. Wie vielleicht überhaupt einmal eine Lanze wider das Lesen gebrochen werden muß. Schon gar wider das Lesen „guter Bücher“.

„Beim Ferienleseclub fängt schon bei Einigen der Endspurt an, da wird jeden Tag gelesen, damit noch Silber oder Gold erreicht wird. 80 Kinder und Jugendliche haben sich angemeldet und weit über 300 Bücher wurden schon verschlungen und abgefragt; die Kissen im Strandkorb sind von den vielen Gesprächen schon platt gesessen.“ Gemeindebücherei Gettorf/Schleswig-Holstein, 2014

Denn Lesen, die einsame Lektüre, der Rückzug ins Kämmerchen, aufs Sofa, auf die Wiese oder egal wo in den Schmöker ist doch per se (und sei’s ungewußter) Widerstand gegens drängend-fordernd Allgemeine, Gesellschaftliche, darin Autoritäre, und die Urerfahrung der Lesenden ist, daß sie nicht zum Abendbrot kommen kann, ehe sie weiß, ob Kalle Blomquist noch der rettende Einfall kommt; wie der früheste intellektuelle Widerstand jener ist, der sich als heimliches Lesen unter der Bettdecke äußert. Es wird schon da verkehrt, wo die Mittelschicht, auch hierin hysterisch, die „Leselust“ ihrer Kinder fördert und Kulturreferate (wirklich wahr) Urkunden vergeben, die ausdrücklich die Masse der in den Sommerferien gefressenen Bücher würdigen; und gleichzeitig ist jeder fünfte Fünfzehnjährige funktionaler Analphabet und wird alles dafür getan, den freien Geist möglichst zu behindern, ihn mit Kompetenzen abzufüllen und zur unkritischen Hinnahme von Vorgekautem abzurichten; und bereitet Bertelsmann (wer sonst) längst die Duchdigitalisierung der Klassenzimmer vor. Gegen die dann eine sog. Slow Reading-Bewegung zum „guten Buch“ zurückführen kann, damit das juste milieu dieses zentralen Distinktionsmittels nicht verlustig gehe: Denn so wie Ahmet nicht liest, liest Charlotte selbstverständlich, und was das gute Buch sei, erklärt ihr Volker Weidermann.

Man lese alleine; man schere sich nicht um Kanons, Urkunden, Atemübungen. Und man vergesse nicht, daß das spezifische Unglück des Vaterlandes nicht zuletzt daher rührt, daß sein Bildungsbürgertum lieber den Kopf in den Bücherwolken hatte, als mal seinen Monarchen heimzuleuchten. Ein Bücherwurm sein, als Existenzideal: prima. Als gesellschaftliches Leitbild: verdächtig. Und jedenfalls verlogen.

#kritisches   #Sonntagsfrühstück   #Lesen   #Bildungsbürgertum   #Bertelsmann
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„Immer mehr Menschen ...“ – fängt ein Zeitungssatz so an, folgt selten Gutes. Dann folgt nämlich ein Trend. „Immer mehr Menschen klagen, sie könnten sich nicht mehr auf ein gutes Buch konzentrieren. In der ,Slow Reading'-Bewegung trifft man sich daher zu einem stillen Stündchen ohne digitale ...
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