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Markus Müller-Faßbender
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Straßen aus Zucker
Themen:  #Ausbildung , #Schule  und #Uni  im #Kapitalismus .

Das Humboldt’sche Bildungsideal von Bildung als Selbstzweck, dem oft nachgetrauert wird, hat immer nur für eine kleine Elite gegolten. Deshalb nützt kein wehmütiger Blick zurück, sondern nur die Anstrengung, den Kapitalismus endlich abzuschaffen, damit Bildung sich nicht mehr den Anforderungen vermeintlicher Nützlichkeit unterordnen muss.
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„Na, auch schon wach?“ „Wo sind Deine Hausaufgaben?“ „Kann ja sein, dass es bei Dir zuhause so läuft, aber hier gelten nunmal andere Regeln.“ Kein Tag ohne tu-dies-und-tu-das. Mach Dich besser, bück Dich hoch, burn dich aus: Was in der Schule schon nervt, wird danach nicht besser und hilft nur ...
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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Ein völkischer Beobachter
Um das einmal klarzustellen: Mir gefällt dieses Land immer besser. Diese herrlich vitale Mischung aus links und rechts, Prantl und Pegida, Feuilleton und Leitartikel! Denn daß, zum Beispiel, das alles sehr schlimm ist für die vielen Flüchtlinge, ist das eine, sich für mehrseitige Zeitungsstrecken gerade am Wochenende Empfehlende, wenn der Bohnenkaffee dampft und man die Muße hat, einmal Anteil zu nehmen; daß es auch aber schlimm ist mit den vielen Flüchtlingen, ist das andere, das man aber heute nicht mehr sagen kann, ohne als Ausländerfeind zu gelten, weshalb es auch bloß wieder in der FAZ steht:

„Just zu einer Zeit, in der Europa kaum weiß, wie es der Einwanderung Herr werden kann, wollen die Grünen jeden automatisch zu einem Deutschen machen, der hier geboren wird, sofern sich ein Elternteil rechtmäßig in Deutschland aufhält. Wer wollte etwas dagegen sagen, schließlich kennt ja auch das klassische Einwanderungsland Amerika das Geburtsprinzip. Doch achtet das Land genau darauf, wen es hineinläßt … Zu dem mitten in der freizügigen EU gelegenen Deutschland hat aber jeder Zugang, der es auf diesen Kontinent geschafft hat. Wer dann noch großzügig die deutsche Staatsangehörigkeit verteilen will, sollte seine eigene abgeben. Denn er versündigt sich an den Einheimischen wie an den Flüchtlingen. Nein, die Einbürgerung ist der feierliche Endpunkt einer Integration. Der bodentief ideologische Vorschlag der Grünen würde wohl Flora und Fauna nicht schaden, aber das Gemeinwesen kompostieren. Schade, daß die Stasi das nicht mehr erlebt.“

„Zunächst wird doch wohl niemand das bekannte Sprichwort in Zweifel ziehen: ,Wo die Sache fehlt, ist der Schein das Beste.’“ Erasmus von Rotterdam, 1511

Wer hier meinen guten Freund Jasper am Werke wähnt, tippt falsch; richtig ist hingegen, daß Reinhard Müller den Jasper-v. Altenbockum - Ähnlichkeitswettbewerb gewonnen hat und daß er dabei, wie das so ist bei übereifrigen Schülern, sogar ein wenig übers Ziel hinausschießt: Denn sicher achten die USA genau darauf, wen sie legalerweise ins Land lassen, aber wer illegal im Land ist und ein Kind bekommt, dessen Kind ist US-amerikanischer Staatsbürger. Zu dem mitten in der EU gelegenen Deutschland hat legalerweise nicht jeder Zugang, denn dafür gibt es die (von Deutschland mit Zähnen und Klauen verteidigte) Drittstaatenregelung, und daß Europa nicht wisse, wie es der Flüchtlingsströme Herr werden könne, ist ebenfalls geflunkert: Die Wahrheit ist, daß, wie wir in der Süddeutschen lesen, „gegen ein Quotensystem … eine solide Abwehrfront (steht), zu der auch Großbritannien und Dänemark gehören, die aber angeführt wird von den Staaten Mittelosteuropas“. Denn „Länder wie Tschechien, Kroatien und Rumänien haben sich … schlicht entschieden, dem Willen ihrer Bevölkerung entsprechend so wenig Flüchtlinge wie möglich aufzunehmen“, weil es zur schwer errungenen Freiheitlichkeit gehört, Zigeuner und Bimbos hassen zu dürfen, nicht daß die nationale Fauna durch blut- und bodenlose Ideologie auf eine Weise beschädigt werde, die die Stasi gefreut und die der Führer bolschewistisch genannt hätte.

Nachdem jetzt fast alle alten Nazis tot sind, die so gut wie sämtlich unbehelligt geblieben waren, wird jetzt noch rasch dem Auschwitzer Kassenwart (93) der Prozeß gemacht, der seinem Vaterland den letzten Dienst erweist und sich für alles entschuldigt. Im selben Vaterland zur selben Zeit will das Selbstverständigungsorgan der Bourgeoisie volksfremde Politiker ausbürgern und redet überhaupt daher, als heiße es Das Reich. Wo das Reich des Bösen bekanntlich Geschichte ist, müssen wir uns dieses Reich als das des unbedingt Guten vorstellen, und daß der Vorsitzende dieses Reichs ein neoliberaler Pfarrer ist, ist dann eine dieser Fugenlosigkeiten, die mir wirklich immer besser gefallen.

Veranstaltungshinweis: Der Autor liest morgen, 27.4., im Frankfurter Satiredorfkrug „Henscheid“ (Mainkurstr. 27), aus seinem so fugen- wie bodenlosen Roman „Putins Weiber“ (21 Uhr).

#kritisches   #Sonntagsfrühstück   #FAZ   #Bourgeoisie   #Nationalismus   #Flüchtlinge  
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Um das einmal klarzustellen: Mir gefällt dieses Land immer besser. Diese herrlich vitale Mischung aus links und rechts, Prantl und Pegida, Feuilleton und Leitartikel! Denn daß, zum Beispiel, das alles sehr schlimm ist für die vielen Flüchtlinge, ist das eine, sich für mehrseitige ...
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So groß die Euphorie ist - eine vage Angst bleibt. Haben die Öffentlich-Rechtlichen zu gönnerhaft gehandelt, als sie den Rundfunkbeitrag senkten? Ihnen bleibt nach der Reformierung der GEZ-Gebühr nur noch eine Milliarde an Mehreinnahmen.
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Gärtners kritisches Ostersonntagsfrühstück: Unser Staat
In Mainz gibt es einen Handwerksbetrieb namens Neger. Das Logo dieses Betriebs ist eine stilisierte Schwarze mit Wulstlippen. Dagegen regt sich Protest, zumal der Großvater des Chefs eine Größe in der Stadt und nämlich Fastnachtslegende war, und der um liberale Ansichten nie verlegenen Süddeutschen Zeitung fiel im Vermischten sogleich Originelles ein: „Die Frage ist: Wird der laut diversen Studien ohnehin ausländerfeindliche Deutsche durch so etwas noch ausländerfeindlicher? Und was ist mit den derzeit in einigen Läden angebotenen ,Schaumwaffeln mit Migrationshintergrund’? Muß man die auch verbieten?“

In Fragen der politischen Korrektheit kann man sich auf die deutsche Qualitätspresse also verlassen, die stets das Recht der Kundschaft verteidigt, einen Bimbo Neger zu nennen und Israel für einen SS-Staat zu halten, und was das deutsche Bürgertum hier eigentlich umtreibt, beleuchtet, in derselben SZ-Ausgabe vom Gründonnerstag, die Rezension eines Buches übers deutsche „hermetische Klassensystem“, das bekanntlich in der Schule beginnt und dessen Schamlosigkeit besonders blendend strahlt, wenn man ein paar Schritt Abstand nimmt. Der Autor Marco Maurer, selbst aus den sog. kleinen Verhältnissen stammend, „hat ein paar Tage lang eine Schule in Finnland besucht, ein Kapitel, das einem die Tränen in die Augen treiben kann: zwei Lehrer für zehn Schüler, Migrantenkinder sind nicht in Resteschulen ausgelagert, sondern sitzen mit im Unterricht. Alle Materialien sind umsonst. All das hat man schon gelesen. Neu ist der Blick der Finnen auf Deutschland. Von Helsinki aus wirkt das deutsche System wie irgendeine mittelalterliche Erfindung, ungerecht, statisch, feudalistisch. Eine Lehrerin, die länger in Deutschland war, kann bis heute nicht fassen, daß Gymnasiastenkinder nur mit anderen Gymnasiasten befreundet waren. ,In Finnland sind wir alle nur Menschen, alle sind gleich, aber in Deutschland gibt es diese Art von Menschen und jene Menschen, mindestens zwei, eher drei Gesellschaftsgruppen.’“

„Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir nicht zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir nicht zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich nicht aufgenommen. Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich nicht gekleidet. Ich bin krank und im Gefängnis gewesen und ihr habt mich nicht besucht.“ Matthäus 25, 42f.

Und dafür stehen sie ein, der deutsche Bürgersmann und die deutsche Bürgersfrau, die über Jahrhunderte hinweg gelernt haben, sich für fehlendes politisches Rückgrat mit einem Sonderbewußtsein zu entschädigen, das vielleicht wirklich einmal Grund gehabt hat, sich für ein bildungsbürgerliches zu halten, heute aber nur mehr und ausschließlich ein borniert privilegswahrendes, klassenkämpfendes und pöbelfeindliches ist. In der städtischen Kita meines Stadtteils, der sozial eigentlich recht gut durchmischt ist, spielen (nach Informationen einer Insiderin) ausschließlich Akademikerkinder bzw. werden natürlich „gefördert“, während die Kinder aus den kommunalen Wohnungen zuhause fernsehen, dem Betreuungsgeld sei Dank. „Immer wieder gibt es in diesem Buch den verwunderten Blick von außen: Franzosen, die darüber staunen, daß bei uns nicht alle Krippen umsonst sind, schließlich öffnet sich die Bildungsschere schon in einem Alter, in dem die Kinder noch nicht mal ,Schere’ sagen können. Oder die Hirnforscherin von der ETH Zürich, die sagt, eine Begabungsprognose in der vierten Klasse sei ,hochgradig unseriös’. Und dann ist da noch der finnische Lehrer, der Maurer einmal abends in die Stadt bringt und zum Abschied fragt: ,Weißt du eigentlich, daß ihr Deutschen genau das Schulsystem habt, das wir vor 40 Jahren abgeschafft haben, weil es uns zu altmodisch und zu ungerecht vorkam?’“

Aber die Deutschen und ihre Entscheider wollen es so, weil sie nämlich nicht durchzivilisiert, sondern feudal und dünkelbesoffen denken und immer nur nach unten treten: Ob Neger oder asozial: / Was nicht wir selbst sind, kann uns mal. Man möchte ausspucken. Sommermärchen, my ass.

#kritisches   #Sonntagsfrühstück   #Schulsystem   #Finnland   #Bildungsbürger  
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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Deutsche Fingerzeige
Man soll Jan Böhmermann ruhig noch einmal loben für seine Idee mit dem Stinkefinger, der, ob echt oder nicht, seinen Zweck so aufrecht erfüllt hat: nämlich nachzuweisen, daß auf dem Weg zur Volksgemeinschaft wieder ein Schritt weniger zu machen ist: „Es trifft aber wirklich einen Nerv. So sind wir Deutschen halt. In einem Jahrhundert zweimal Europa verwüstet, aber wenn man uns den Stinkefinger zeigt, dann flippen wir aus. Dann kennen wir keine sachliche Diskussion mehr! … Denn wir sind Deutsche. Liebe Redaktion von Günter Jauch: … Ihr habt das Video aus dem Zusammenhang gerissen und einen griechischen Politiker am Stinkefinger durchs Studio gezogen. Damit sich Muddi und Vaddi abends nach’m Tatort noch mal schön aufregen können. ,Der Ausländer, raus aus Europa mit dem! Er ist arm und nimmt uns Deutschen das Geld weg! Das gibt’s ja wohl gar nicht! Wir sind hier die Chefs!“ (Böhmermann) Oder jedenfalls die Freunde unserer Chefs, für deren Wohlergehen die griechischen Kredite bekanntlich coute que coute zurückzuzahlen sind, was unsere nationalliberalen Trommler dann so völkisch verbrämen, daß Muddi und Vaddi abends nach’m Tatort genau wissen, warum gemeinsame Wut ein gemeinsames Blut zum Kochen bringt. (Jauch zu Varoufakis: „Um so mehr sind die Deutschen zuweilen irritiert, in welcher Art gerade Sie auch gegenüber unserem Land aufgetreten sind.“ Dagegen Gerhard Polt gültig: „Wer ist wir? Ich sicher nicht!“)

„Im übrigen herrscht darüber, wie mir aus ungezählten Briefen aus der Heimat und Zustimmungskundgebungen von der Front mitgeteilt wird, im ganzen deutschen Volke überhaupt nur eine Meinung.“ Goebbels, 1943

Die Schicksalsfragen der Nation erkennt man daran, daß die Herrschaft sie falsch stellen läßt, damit das Schicksal, an der Laterne zu enden, einen griechischen Finanzminister treffe und nicht jene, die seinem Land, als es schon pleite war, noch deutsche Panzer verkauft haben, die mit Krediten deutscher Banken bezahlt wurden, Krediten, auf deren Rückzahlung wir Deutsche jetzt in einem Ton bestehen, wie ihn Propagandakompanien anschlagen: Eine „psychotische Persönlichkeit“ erkannte Fleischhauers Jan in Varoufakis, ja, psychotisch sei die ganze griechische Regierung, die, wir erinnern uns, laut FAZ-Mann Frankenberger bereits aus „Ganoven“ besteht. Auch weil sie, wie sein Kollege Müller mich umstandlos paraphrasierte, nicht einsehen will, daß wir Deutsche uns nicht fünfzig Jahre lang für Hitler geschämt haben, um jetzt noch Reparationen zu zahlen: „Die deutsche Innen-, Europa- und Außenpolitik ist nahezu ein einziges Bekenntnis zur deutschen Vergangenheit. Das reicht von der Einbindung Deutschlands in internationale Organisationen über Bildung und Bauten bis hin zu Milliardenzahlungen an NS-Opfer und auch an Staaten. Kaum eine öffentliche Handlung, kaum ein Staatsbesuch kommt ohne einen Hinweis auf den Nationalsozialismus aus. Auch im Ausland wird nicht nur die Einzigartigkeit deutscher Verbrechen, sondern auch der einzigartige Umgang mit der eigenen Vergangenheit gesehen. Wer das in Frage stellt und auch noch das Reparationsfaß wieder aufmacht, ist nicht von dieser Welt – und muß sich an seinen Amtseid erinnern lassen.“

Wer sich also volksfeindlich verhält, ist nicht von dieser Welt und gehört in einen Sack mit den Ganoven und Psychopathen jenseits der Grenzen. Daß für Adolf Hitler z.B. Churchill regelmäßig ein „Wahnsinniger“ und „Paralytiker“ war und der jüdische Marxismus „Banditentum“, daran will ich den Reinhard Müller, für den die Vergangenheit unserer Großväter und die Gegenwart seiner Hausbank ein guter Grund ist, den europäischen Hungerleidern herrenmenschlich in den Arsch zu treten, hier gern erinnern.

#kritisches   #Sonntagsfrühstück   #FAZ   #Böhmermann   #Stinkefinger   #Varoufakis   #Reinhard_Müller   #Herrenmenschen   #Fleischhauer  
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Man soll Jan Böhmermann ruhig noch einmal loben für seine Idee mit dem Stinkefinger, der, ob echt oder nicht, seinen Zweck so aufrecht erfüllt hat: nämlich nachzuweisen, daß auf dem Weg zur Volksgemeinschaft wieder ein Schritt weniger zu machen ist: „Es trifft aber wirklich einen Nerv.
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Zum 70. Jahrestag des Kriegsendes und der Befreiung haben die niedersächsischen Gedenkstätten einen Internet-Blog erarbeitet, der seit dem 27. Februar täglich bis zum 8. Mai Ereignisse vorstellt, die sich vor genau 70 Jahren in Nordwestdeutschland ereignet haben. Mit prägnanten Texten und vielen historischen Quellen aus in- und ausländischen Archiven werfen die Beiträge exemplarisch Schlaglichter auf Verbrechen, die Angehörige von SS, Gestapo, Polizei, Wehrmacht und Volkssturm, aber auch Zivilisten in den letzten Tagen des Krieges begangen. Zudem schildern sie die Situation der Häftlinge und Gefangenen in den Lagern und anderen Haftstätten kurz vor und nach ihrer Befreiung.
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Aus dem KZ-Außenlager Ellrich-Juliushütte im Südharz lässt die SS 1602 kranke und sterbende Häftlinge, die sie als arbeitsunfähig ausgesondert hat, in die Boelcke-Kaserne nach Nordhausen bringen. Als die Viehwaggons in der nur 15 km entfernten Stadt eintreffen, sind bereits 340 Häftlinge tot.
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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Deutsch im Original
Der Publizist Sebastian Haffner, der ein kluger und mitreißender, freilich auch konservativer und nicht ganz unfrivoler Schriftsteller war, hatte in seinen klugen und mitreißenden, freilich auch konservativen und nicht ganz unfrivolen „Anmerkungen zu Hitler“ den Einfall, Hitler eher einen Bolschewiken denn einen Faschisten sein zu lassen, denn was sei, angesichts der vergleichbar kollektiv verfaßten Gesellschaften, Stalins „Sozialismus in einem Lande“ terminologisch anderes als eben ein „Nationalsozialismus“?

Die Worte, die Worte, die Worte, und zum 1. Mai räumte Gustav Seibt in der SZ seinerseits mit dem begriffsgestützten Vorurteil auf, Neoliberalismus sei etwas Schlimmes. Walter Eucken, Alfred Müller-Armack, Alexander Rüstow und Wilhelm Röpke, Erfinder des historischen Neoliberalismus 1930ff., „waren alles andere als Marktradikale“, gerade Röpke nicht, der allenfalls „zeitgemäß ,anti-kollektivistisch’“ war. „An die Planwirtschaft der Funktionäre und Bürokraten glaubt er nicht. Den ,Plan’ machen für ihn die Konsumenten mit ihren Bedürfnissen, auf einem Markt, der in einer ,Anarchie ohne Chaos’ lebt … Doch dafür bedarf es rechtlicher und moralischer Rahmenbedingungen: einen starken und unparteiischen Staat“, und zwar „als Schiedsrichter. Man müsse, schreibt Röpke, den ,Kapitalismus vor den Kapitalisten’ schützen. Die Finanzwirtschaft mit ihrer Tendenz, der Allgemeinheit die Übernahme der Risiken aufzubürden – Röpke schreibt ausdrücklich von ,Sozialisierung der Verluste’ – ist ihm schon damals tief suspekt.“

„,Warum heißt das Bett nicht Bild’, dachte der Mann und lächelte, dann lachte er, lachte, bis die Nachbarn an die Wand klopften und ,Ruhe’ riefen. – ,Jetzt ändert es sich’, rief er, und er sagte von nun an dem Bett ,Bild’.“ Bichsel, 1969

Der eigentlich gute Neoliberalismus ist also nicht Credit Suisse und Hedgefonds, sondern Daimler-Benz und BASF, die ihre Verluste bekanntlich eher aufessen, als sie zu sozialisieren: eine rheinische Deutschland-AG, beruhend auf der „Freiburger Schule, die später die soziale Marktwirtschaft begründete. Der Markt sollte sowohl vor der politischen Übermacht staatlicher Regulierung wie vor der ökonomischen Übermacht großer Firmen geschützt werden – das ist genuin ,liberal’, aber nicht marktradikal, eben weil auch zu starke Marktteilnehmer gebändigt werden sollen. Der übermächtige Staat, der mit seinen Schulden ganze Volkswirtschaften in den Abgrund reißen kann, vertritt selten das Gemeinwohl, so diagnostizierte Röpke kühl, sondern die Interessen der ihn beherrschenden und ausbeutenden Gruppen. Dafür ist Griechenland heute ein bizarres Beispiel, aber natürlich lassen auch Putins Rußland und Chinas gelenkte Marktwirtschaft solche Pathologien erkennen.“

Ganz anders als die pumperlgsunde, gemeinwohlorientierte und nämlich auch schuldenfreie deutsche, die gar nicht daran denkt, zugunsten von (Kapital-)Herrschaft zu operieren: „Daß das Problem übermächtiger Firmen heute zurückgekehrt ist, muß im Zeitalter von Google und Facebook kaum erläutert werden“, während die deutsche Demokratie zwischen Audi und Evonik bekanntlich allenfalls ein klein bißchen marktkonform ist. „Schuldenkrise, autoritäre Marktwirtschaften, Internet- und Finanzgiganten – die miteinander zusammenhängenden Probleme“, die das Ausland sich und uns unpolitischen Betrachtern aufhalst, „auf die der ursprüngliche Neoliberalismus mit seinen Ordnungsideen reagierte, sind alle wieder da“, weshalb es an der Zeit ist, „das Original des Neoliberalismus wiederzuentdecken“.

Als nämlich romantisch-hegelianische Idee, die den Staat als grundvernünftige Neutralinstanz vorsieht und nicht als (ich weiß, klingt langweilig) Agentur der Bourgeoisie. Und daß wir eine neue soziale Marktwirtschaft bräuchten, fordert allerdings auch die marktradikale „Initiative neue soziale Marktwirtschaft“, die darauf, daß unsere Feuilletonisten ihren Ludwig Erhard wiederhaben wollen, gern eine Kiste Schampus trinkt.

#kritisches   #Sonntagsfrühstück   #Neoliberalismus  
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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Überfordert
Der Deutsche ist ja gern mal überfordert, und wenn er überfordert ist, passiert was: „Nicht nur die Konflikte in Tröglitz sind darauf zurückzuführen“, auf diesen deutschen Hang zum Überfordertsein nämlich. „Auch Pegida speist sich aus dem Zulauf aus Dresdner Vororten und sächsischen Kleinstädten, die sich überrumpelt vorkommen“, von nämlich unwiderstehlichen Flüchtlingsmassen (40 Menschen, Tröglitz), mit denen die „Gefahr einer Überforderung der Bevölkerung“ anreist, „wenn etwa ein kleiner Ort über Nacht damit konfrontiert wird, daß eine hohe Zahl von Flüchtlingen kommt“. Diese Sätze stammen, wie auch nicht, von unserem liebsten Konfliktforscher Jasper von Altenbockum, bis auf den bedingenden Satz mit der hohen Zahl allerdings, denn da hat der Geschäftsführer von Pro Asyl, ein Herr Burkhardt, die Stimmung im Land, die sich im Jahr 2014 zu 150 Anschlägen auf Flüchtlingsunterkünfte verdichtet hat, anscheinend gut genug begriffen, um bei den Volksgenossen nicht noch das letzte bißchen Verständnis zu verspielen.

„The Hun is always either at your throat or at your feet.“ Churchill, 1943

„Die Ängste“, kann Altenbockum da mit grimmiger Genugtuung zitieren, „seien nachvollziehbar, die dann entstehen“, und wäre ich nicht der, der diesen einsamen und sinnlosen Kampf gegen den schlimmsten aller Wortskandale führt, ich müßte sagen, „nachvollziehbar“ fände ich das kein Stück, daß drei Dutzend Menschen, die vor Bürgerkrieg und Elend Schutz suchen, bei mir absolut keine Ängste auslösen, außer jener vielleicht, der Herrgott werde mich beizeiten dafür strafen, immer bloß auf meinem kritischen Faularsch sitzen geblieben zu sein, statt selbst mal Suppe auszuteilen oder Flüchtlingskindern beizubringen, daß „nachvollziehen“ vielleicht Landessprache, aber deshalb noch lange nicht Deutsch ist.  

Diesen Kindern das Dach über dem Kopf anzustecken ist also schlimm, ja ein „Verbrechen“ (Altenbockum), aber halt auch irgendwie nachvollziehbar, weil man ja Realist bleiben muß, nicht wahr, und sich nicht dagegen wehren soll, „multikulturelle Naivität gegen handlungsfähigen Realismus einzutauschen“, denselben nämlich, den die von den lokalen Bürgerwehren ermunterten Nazis mit dem Streichholz in der Hand bewiesen haben, um eben jener Überforderung Ausdruck zu verleihen, die die Landsleute durch ihre Geschichte seit spätestens Luther begleitet: Erst waren sie mit Politik als Idee überfordert und damit, auch mal selbst mal was zu entscheiden, dann mit der frivolen Zivilisation französisch-angelsächsischen Zuschnitts, dann mit Versailles (völlige Überforderung), dann neuerlich mit der westlichen Demokratie, dann mit den Juden, dann damit, sie umgebracht zu haben, dann (nachdem man mit dem nationalen Sozialismus schon überfordert gewesen war, jedenfalls im Rückblick) mit dem realen Sozialismus, dann, als der passé war, mit dem ganzen Ausländerpack, das zu jagen und anzuzünden lt. bekanntlich M. Walser als Überforderungsreaktion gelten mußte auf die Auschwitzkeule und die emotionale Verlorenheit der nationalen Jugend, die mit der Dauerpräsentation unserer Schande ganz einfach nicht mehr einverstanden war. Bzw. eben überfordert.

Sollte es da wunder nehmen, daß es wiederum mich bisweilen überfordert, diesem Volk der zur Einsicht unfähigen, wehleidigen, brutalen Mimosen anzugehören?

#kritisches   #Sonntagsfrühstück   #Tröglitz    #Altenbockum   #Asylanten   #Nazis  
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Griechenlandkrise: Kredit und Macht in Europa (Peter Decker/Werner Schwe...: https://youtu.be/NAf1mt6Id0k

#Griechenland  
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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Klartext
Der Verdacht, das deutsche Moralweltmeistergebaren sei nur ein Vorwand, sich zwischen den Gedenkfeiern wieder so aufzuführen wie zu den schönen Zeiten, die den Grund für die Gedenkfeiern lieferten, stammt zwar nicht von mir, kann aber trotzdem stimmen, und kaum nehme ich mal wieder die Frankfurter Allgemeine Zeitung zur Hand, bin ich ernstlich froh, wie aufschlußreich hier Klartext geredet wird: „Jeder Bau eines Strommastes wird in Deutschland mittlerweile von einem basisdemokratischen Brimborium begleitet: Kein Bürger soll das Gefühl haben, er sei nicht beachtet worden. Wenn aber ein Flüchtlingsheim eingerichtet wird, heißt es: Maul halten – wer Einwände hat, ist ein Ausländerfeind!“ und nicht etwa der joviale, international aufgestellte Sommermärchenerzähler, als den unser Jasper von Altenbockum den Volksgenossen vermutlich imaginiert. „Die Not ist groß, deshalb ist es richtig, daß die Verwaltung schnell handelt und Unterkünfte für Flüchtlinge schafft. Aber Landesregierungen, Landkreisen, Gemeinden und vor allem den Verfechtern einer Villa-Kunterbunt-Gesellschaft stünde es gut an, auch hier die ,Zivilgesellschaft’ einzubeziehen. Das gilt erst recht, wenn es um eine Bevölkerung geht, die mit Einwanderung bislang wenig bis keine Erfahrung gesammelt hat. Das wiederum gilt besonders in Ostdeutschland und auch für den Ort Tröglitz in Sachsen-Anhalt, wo jetzt ein Bürgermeister zurückgetreten ist, weil er allein gelassen und seine Familie von Neonazis bedroht wurde.“

„Eure Rede aber sei: Ja, ja; nein, nein. Was darüber ist, das ist vom Übel.“ Matthäus 5,37

Da stimmt einfach wiederum alles: Erst das selbstverständliche contra malum, dann das geflissentliche Abnicken des Ressentiments („Villa-Kunterbunt-Gesellschaft“), das In-Schutz-Nehmen von Ausländerfeindlichkeit als „Überforderung“ wie das Übergehen der Frage, was ein Neonazi ohne Basis wäre. Eine Basis, die ja auch keine Leserbriefe schreibt (jedenfalls keine mißbilligenden), wenn Altenbockums Kollege, der FAZ-Auslandschef Frankenberger, der griechischen Regierung „Ganoventum“ attestiert: „Aber die Regierung Tsipras ist von einem anderen Geist beseelt, dem des politischen Ganoventums“, was – nicht polemisch-metaphorisch, sondern plan gesprochen – NSDAP-Deutsch ist. Und jedenfalls das klare Wort von rechts, das auch in weniger verfänglichen Zusammenhängen gepflegt wird:

„Ein Menschenrecht auf billige Mieten gibt es nicht“, hatte zwei Tage zuvor Wirtschaftsredakteur Rainer Hank in Sachen Mietpreisbremse zu bedenken gegeben. „Wohnungen sind Eigentum, (fast) genauso wie jedes andere private Eigentum auch – Autos, iPhones, Musikstücke. Der Eigentümer hat das Recht, mit seinem Eigentum zu machen, was er will. Überläßt er es anderen zur Nutzung, darf er dafür einen Zins (den ,Mietzins’) verlangen. Niemand ist gezwungen, diesen Preis zu akzeptieren. Niemand ist genötigt, in München-Bogenhausen oder in Frankfurt–Sachsenhausen zu wohnen. Es gibt kein Menschenrecht auf billige Mieten in den begehrtesten deutschen Städten. Erst recht nicht in einem Land mit einer hervorragend ausgebauten Infrastruktur, wo man in Windeseile von Frankfurt nach Montabaur oder von Prenzlauer Berg nach Bernau in Brandenburg kommen kann.“

Es ist, noch einmal, schön, wenn die Bourgeoisie Klartext schreibt, und wer dem Hank im Sachsenhäuser Stilaltbau das Scheißhaus putzt, kann ja morgens mit dem Zug von Montabaur kommen. Sagten sie nicht, was sie denken, ich hätte gar keine Gelegenheit, sie für die Armleuchter zu halten, die sie sind.

#kritisches   #Sonntagsfrühstück   #Bourgeoisie   #FAZ  
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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Kunstloses Unglück
Wenn einem ein Prekariatsjugendlicher aufs Maul haut, ist das schlimm und abzulehnen, entbindet aber trotzdem nicht von der Frage, warum er’s tut oder warum er’s vielleicht häufiger tut als ein Gymnasiast. Wer sich diese Frage nicht stellen will, schreibt dann Leserbriefe des Inhalts, man solle, bitte sehr, auch mal an die Opfer denken und nicht immer so dumm gutmenschlich von der schweren Kindheit der Täter schwätzen.

„Barbarisch“, das ist wahr, ist auch die absichtliche, die zelebrierte Zerstörung von Kulturschätzen, Mausoleen und Bibliotheken im Irak durch Kämpfer des sog. Islamischen Staats: „In der Bibliothek von Mossul verbrannten sie in den vergangenen Tagen mehr als zehntausend Manuskripte und Bücher, die mehrere Jahrhunderte alt waren. Danach sprengten sie Teile der Bibliothek“ und gingen andernorts mit Preßlufthämmern gegen jahrtausendealte Statuen vor: wenn’s nicht so traurig wäre, es wäre, in seiner karikaturesken Grob- und Vernageltheit, fast zum Lachen. Einen „Anschlag auf die Geschichte“ sah die FAZ, und das ist aus Frankfurter allgemeiner Sicht so völlig zutreffend, wie es andererseits an der Sache vorbeigeht. Es ist, neben anderem, ein Anschlag auf den Luxus.

„Schönheit (und menschliche und gesellschaftliche Harmonie, welche immer mitgemeint sind) setzt voraus Überfluß an materiellen Gütern … Bekanntlich ist die Einführung der Ausbeutung einer der mächtigsten Befreiungsakte der Menschheit; sie ist Beginn der Muße, also der Produktion wissenschaftlicher und kultureller Güter.“ Hacks, 1962

Denn Kunst ist einer, mindestens insofern, als man sie sich leisten können muß. Sie benötigt Geld und, vor allem, Zeit. (Von Dietmar Dath stammt der Gedanke, gesellschaftliche Abhängigkeit sei wesentlich eine Funktion von Zeit und ihrer Verfügbarkeit.) Kunst entsteht allein da, wo es in Gesellschaften, in Teilen von Gesellschaften mehr gibt, als zum bloßen Überleben nötig, und so es sich nicht um (marxistisch) freie Assoziationen handelt, verdankt sich Kunst einem Überfluß, der kapitalistisch erwirtschaftet werden muß, und zwar von vielen für wenige. Das muß nicht gegen die Kunst sprechen, bildet sich aber in ihr ab, wo Kunst nicht von denen rezipiert wird, die für sie bezahlen: Auf dem Opernsitz, den der Arbeiter subventioniert, kommt er nicht zu sitzen. Kunst unter klassengesellschaftlichen Bedingungen ist elitär, und wer jetzt „Popkultur“ kräht, der vergesse nicht, daß es da vielleicht die Pet Shop Boys und Scorsese geben mag, aber eben auch das Phantom der Oper, und daß sich die Publika da doch grosso modo nach Klassenzugehörigkeit unterscheiden.

Für die armen Irren vom IS ist es also kein Anschlag auf „ihre“ Geschichte, denn ihre Geschichte ist eine, die von Kunst noch weniger weiß als selbst der stumpfste RTL-Kunde. Dieser weiß ja noch, was Kunst ist, weil sie ihn nämlich nicht interessiert; im Leben der Barbaren gibt es, aus schlicht materiellen Gründen, indes nicht einmal einen Begriff von Kunst, weshalb es leicht fällt, das religiöse Bilderverbot so weitgehend (und eben barbarisch) zu interpretieren. Es ist furchtbar, was da unterm Banner „absoluter Dummheit“ (ein FAZ-Leser, natürlich mit Abitur) geschieht, aber man vergesse nicht, daß im zivilisierten Frankreich zuletzt Bibliotheken im Dutzend beschmiert, verwüstet, angezündet worden sind, von Jugendlichen aus der Banlieue nämlich, die, wie selbst die Bürgerpresse einräumen mußte, ein Zentralsymbol des (bildungs-)bürgerlichen Staates attackierten, jenes Staates, der Bildung und kulturelle „Teilhabe“, trotz aller gutgemeinter Förderprojekte, erst einmal für seine Gymnasiasten vorsieht. Jenen Gymnasiasten, die zwar auf alle möglichen Ideen kommen: Atombomben werfen, Juden vergasen, Kinder foltern, aber niemals, wirklich niemals mit dem Preßlufthammer auf Michelangelos David losgehen würden.

Es ist nämlich ihrer.

#kritisches   #Sonntagsfrühstück   #IS   #Kunst  
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