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Markus MF
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Markus MF

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Dampfhammer-Sozi Spencer

»Kaum fing ich wieder an zu schwimmen, wurde ich umgehend italienischer Meister im Freistil (was ich übrigens nie trainiert hatte).« Carlo Pedersoli, besser bekannt als Bud Spencer, ist vieles im Leben anscheinend mühelos gelungen. Da wundert’s einen nicht, daß nun auch seine Autobiographie (»Bud Spencer. Mein Leben, meine Filme«, Schwarzkopf & Schwarzkopf) ganz oben in den Bestsellerlisten steht. Für mich ist sie vor allem unter einem humorkritischen Aspekt interessant: Weshalb ist bzw. war gerade die Spencersche Brachialkomik über Generationen hinweg so erfolgreich, besonders in Deutschland?

Liegt es an der Synchronisation? Zwar haben die Übersetzer um den mittlerweile schon legendären Rainer Brandt mit Sprüchen wie »Werft die Friedensgabeln ins Gemüse!« oder »Wenn du mich noch mal duzt, hau ich dir ’ne Delle in die Gewürzgurke« einen eigenen Schnodderjargon geschaffen, der in seinen besten Momenten auch nach Jahrzehnten noch als Nonsens überzeugt – doch insgesamt auch viel Klägliches und Bemühtes bietet.

Das Duo Bud Spencer/Terence Hill entstand aus der überfälligen Wendung des Italowesterns in die Farce. Die Charaktere erwiesen sich eher zufällig als so prägnant und universal, daß sie in zeitgenössische Klamaukstoffe und fast jedes Genre übertragen werden konnten. Letztlich verkörperte vor allem Spencer das Prinzip dieser Filme, das auch mit anderen Partnern funktionierte: Hauptsache, sie reizten den genervten Dicken mit der einfachen Konfliktlösungsstrategie und aktivierten zugleich dessen Beschützerinstinkt.

Der vielseitigen Verwendbarkeit eines stets gleichbleibenden Charakters verdanken wir endlose Variationen dieser Fresse-voll-Filme, auch wenn Pedersoli seine Schauspielfähigkeiten eher realistisch einschätzte: »Ich verspürte, auch mit zunehmendem Erfolg, eine gewisse Scham.« Keiner seiner Filme ist besonders originell, aber die besten verfügen über eine Dreistigkeit, der sich kleine Jungs jeden Alters und Geschlechts nicht entziehen können – und obendrein über das, was Pedersoli als elementaren Identifikationsmechanismus beschreibt: »Ich war der Starke, der den arroganten Bösewichten Ohrfeigen verpaßt und so die Schwachen rächt. An meiner Seite waren Kinder, die Alten und die Frauen sowie die Furchtsamen und Schüchternen sicher vor den Wichtigtuern, da in den Geschichten von Bud Spencer die Ohrfeigen genau dort landeten, wo Worte und Gebete nicht mehr weiterhalfen.«

Bud-Spencer-Filme versprühen den heimeligen Charme der alten Sozialdemokratie: Wenn Herrschaftskarikaturen von dampfhammerstarken Proletariern die Fresse poliert bekommen, ist das fürs Publikum Bestätigung und Erleichterung im Arrangement mit den herrschenden Verhältnissen. Und alles bleibt sauber: Niemals fließt Blut, keiner wird dauerhaft verletzt, die Grenzen des Bürgerlich-Familiären werden nie überschritten (weswegen z.B. Hill nur eine verschämte und Spencer gar keine Sexualität besitzt), und die Rebellion schafft’s nie zur Revolution. Denn am Ende kommt die Bundespolizei, die Armee oder eine andere Macht, und die zwei bis vier Fäuste fügen sich dem Halleluja. Im Gegensatz zur SPD würde Bud Spencer in Deutschland jede Wahl gewinnen.

#Bud   #Spencer #Sozi   #Halleluja   #Revolution   #Bundespolizei    #Humorkritik   #Titanic   #BudSpencer  
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Markus MF

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Eine Wucht
Der Spiegel war dagegen, die Bild-Zeitung war dagegen, die Frankfurter Allgemeine et al. waren dagegen: daß die Briten auf eigenen Wunsch die Europäische Union verlassen. Warum freut es mich dann nicht?

Weil mir Jugoslawien auch schon näher wäre als das, was heute Balkan ist, und mag die EU auch mehr Konzern- denn Herzensprojekt sein; benimmt sie sich an ihren Außengrenzen auch schäbig; sind ihre „europäischen Werte“ zuvorderst die, die sich in Frankfurt und London handeln lassen: „die neue Wucht des Nationalismus“ (FAZ, 24.6.) ist trotzdem nichts, worüber sich eins freuen müßte, und daß nun „real people“ gewonnen hätten und am Drücker seien, glaubt Nigel Farage erstens selbst nicht und wäre zweitens, unter den unveränderten Besitz- und Wirtschaftsverhältnissen, auch nicht wünschenswert, mag der kleine britische Mann auch weniger Ressentiments im Herzen tragen als sein deutscher Verwandter.

Es reicht ein Blick auf die Figuren, die da gewonnen haben, wie auf die, die mit Genugtuung reagieren, allesamt nicht Linke oder solche, die sich nach Stalins „Sozialismus in einem Lande“ sehnen, sondern bestenfalls opportunistische Gauner (Boris Johnson), übelstenfalls Faschistinnen (Marine le Pen). Erschreckend außerdem, wie leicht die Leute bereit sind, aus „nationalen“, im Zweifel bloß rassistischen Gründen – denn wenn die Schotten gehen, ist der nationale Schuß ja nach hinten losgegangen – gegen ihre unmittelbaren Interessen zu stimmen, die, wo wir schon Kapitalismus haben, die des Außenhandels sind, den Großbritannien zu 45 Prozent mit dem Kontinent abwickelt. Die EU ist ja nicht kapitalistischer als das einzelne Mitglied, und ein in splendid isolation zurückgekehrtes Königreich wird nicht auf einmal fair zur Rentnerin (oder zum Trikont) sein, nur weil (eventuelle) Absurditäten um die Länge von Salatgurken und der Selbstbedienungsladen Brüssel der Vergangenheit angehören.

„Einem einzelnen Land kann niemand dienen; er lügt, wenn er es behauptet. Es gibt nur zusammenhängende Interessen und den Dienst an ihnen.“ Heinrich Mann, 1933

Was immer, solange die Revolution eher nicht in Aussicht steht, nationale Souveränitäten auf verfaßte Weise beschneidet, ist mir lieber als alles, was sich auf Nation und die dazugehörige „Kultur“ beruft, und ein Europa ohne politische Grenzen ist jedenfalls eine bessere Idee als eine nationale, die, sofern zu ihr unter Raus-aus-dem-Völkerbund-Getöse zurückgekehrt wird, wesentlich eine rechte ist, ob es nun Ungarn zuerst! heißt oder Britain first. „Unter deutscher Fuchtel“ (Il Messagero) stünde Europa auch ohne EU, und den Euro, der die Fuchtel ggf. zur Knute werden läßt, haben die Briten nicht einmal.

Mag sein, das politische Europa wird von volksfernen Eliten beherrscht; die sind in Polen und Ungarn, bald in Österreich und Großbritannien (was immer von ihm übrig bleibt) nicht volksnäher oder kapitalferner, allerdings, wenn die bisherige Erfahrung etwas besagt, rücksichtsloser, bornierter und verlogener, als ein Eurokrat je sein könnte. „Europa“ ist schlecht? Kann sein. Aber es ist besser als das, was nach ihm kommt.

#kritisches   #Sonntagsfrühstück   #Brexit   #EU   #Nationalismus   #Kapitalismus  
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Der Spiegel war dagegen, die Bild-Zeitung war dagegen, die Frankfurter Allgemeine et al. waren dagegen: daß die Briten auf eigenen Wunsch die Europäische Union verlassen. Warum freut es mich dann nicht? Weil mir Jugoslawien auch schon näher wäre als das, was heute Balkan ist, und mag die EU auch ...
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Dem würde ich unumwunden zustimmen.
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Markus MF

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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Der Blick von außen

Die mit Abstand putzigste Idee im kurrenten Preßgeschäft ist der „Schwerpunkt ,Arm und Reich’“ der Online-Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, unter welchem Rubrum Beitrag für Beitrag für Beitrag kritisch über die wachsende Ungleichheit in Deutschland und der Welt berichtet wird. Es gibt da die guten und die schlechten Nachrichten; einerseits: „Mehr alte Menschen beziehen Stütze“, andererseits: „Reiche leisten sich mehr Luxusgüter“. Einerseits wird aufgedeckt, daß „Kinder von Besserverdienern“ zu „Narzißmus“ neigen und deshalb, schlimm, nicht automatisch „gute Manager“ werden, andererseits ein Hartz-IV-Kind begleitet, das zwar satt wird und nicht frieren muß, im übrigen aber ein Fall für den Sozialarbeiter ist:

„,Spürt eine Siebenjährige schon so etwas wie Perspektivlosigkeit?’ ,Ja und nein’, sagt Iwan Peters. ,Das Kind sieht natürlich schon: Papa sitzt zu Hause und tut nichts. Mama sitzt auch zu Hause. Und es ist immer wenig Geld da.’ Aber da sei eben noch viel mehr. ,Der Blick von außen auf das Kind. Daß sie in dieser Straße wohnt. Daß sie bestimmte Kleidung trägt. Daß sie hin und wieder zusammen mit der Mutter bei der Tafel Schlange steht.’ Die Mittelschicht von der anderen Seite des Bahndamms schaue sehr hart und sehr negativ auf die Straße, in der Vanessa wohnt. ,Alles Assis dort, heißt es dann.’ Und in der Schule werde sie automatisch als schwach eingestuft. Wegen ihres Sozialverhaltens, sagt Peters. ,Da ist man schnell dabei mit allen möglichen Fördermaßnahmen. Mit Ergotherapie und Logopädie und so weiter. Und Förderung, das heißt halt auch oft, daß man die Kinder schnell aussortiert.’ Es sei denn, sie seien ,echte Granaten’ und haben nur Einsen auf dem Zeugnis. ,Oder vielleicht haben manche das Glück, einen der wenigen Gesamtschulplätze zu bekommen, was ihnen noch gewisse Aufstiegschancen ermöglicht. Aber das ist eben selten.’ Das alles spüre ein Kind in Vanessas Alter noch wenig. ,Aber die Eltern spüren es.’ Vanessas Mutter sagt es so: ,Ich kann mir ein Bein ausreißen, und sie landet trotzdem maximal auf der Hauptschule.’“

„Je unerbittlicher Vergesellschaftung aller Momente menschlicher und zwischenmenschlicher Unmittelbarkeit sich bemächtigt, desto unmöglicher, ans Gewordensein des Gespinsts sich zu erinnern; desto unwiderstehlicher der Schein von Natur.“ Adorno, 1966

Dreierlei bestimmt nun den kritischen Schwerpunkt „Arm und Reich“ im Onlinebereich der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Erstens: gibt es keinen Zusammenhang zwischen den Reichen, die nicht mehr wissen, wohin mit ihrem Geld, und den Rentnern, die staatlicher Grundsicherung bedürfen. Zweitens: ist alles halb so schlimm („Das Märchen von der Altersarmut“). Drittens: kann die Leserschaft sich im Kommentarbereich darüber austauschen, warum schon alles seine ewige Gerechtigkeit hat. „Die Eltern bestimmten die Gene des Kindes, sie bestimmten die Umstände im Mutterleib (Rauchen? Alkohol?), und sie bestimmten (weit mehr als Kindergarten/Schule) die ,Umweltbedingungen’ … Der Artikel erwähnt nicht, was in Vanessas Wohnung mit Sicherheit fehlt: Bücher. Damit meine ich nicht Kinderbücher, sondern Bücher für Erwachsene. Allein der Wortschatz, den die Eltern ihrem Kind als Rüstzeug mitgeben, dürfte sehr begrenzt sein. Leider hat Sarrazin leider recht: entscheidend ist, WER Kinder bekommt … Geld-Probleme?! Und die Mutter raucht … Jeder hat die Möglichkeit, aus wenig mehr zu machen.“

Die SZ, als hätte sie mitgelesen, unterhält sich am Freitag mit dem Münchner Soziologen Lessenich über die deutsche Mittelschicht und deren „rabiate Exklusionsmethoden“: „Inklusion und Exklusion gehen Hand in Hand. Das ist ein feststehender sozialer Mechanismus: sobald man im Club ist, die Türen zu schließen – für alle, die von unten kommen … Die anderen liegen in der sozialen Hängematte. Oder lesen abends ihren Kindern nichts vor. Das übersetzt sich in harte Ausgrenzungsdiskurse und im Zweifelsfall in Ausgrenzungspolitik à la Hartz.“ Was zu beweisen war; und die Klagen über unsere „schrumpfende Mittelschicht“ will da fast so scheinen wie die Beschwerde, der Tumor werde immer kleiner.

#kritisches   #Sonntagsfrühstück   #FAZ   #Armut #Mittelschicht   #Tumor  
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Die mit Abstand putzigste Idee im kurrenten Preßgeschäft ist der „Schwerpunkt ,Arm und Reich'“ der Online-Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, unter welchem Rubrum Beitrag für Beitrag für Beitrag kritisch über die wachsende Ungleichheit in Deutschland und der Welt berichtet wird.
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Markus MF

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Hey, selbst ernannte Journalisten von "FAZ" bis Spon!
Wieso bezeichnet Ihr eigentlich den mit erstaunlichen Mitteln um das amerikanische Präsidentenamt kämpfenden Bernie Sanders immer und immer wieder als "selbst ernannten Sozialisten"? Wer soll ihn denn sonst dazu ernennen außer er selbst? Marx? Trump? Gott? Ihr selbst ernannten Mister Oberschlau? Oder ist das wieder nur Euer tief ins Hirn gepflanzter, längst obsoleter Antikommunismus, der auch noch das kleinste bißchen Renitenz gegen die zügellos kapitalistische Zurichtung der Welt mit allen, und seien es sprachlich jämmerlichen, Mitteln bekämpfen muß?
Reitet doch bitte künftig lieber lebendige Pferde, bitten Eure selbst ernannten Sprachwächter von der

Titanic

#Antikommunismus   #FAZ   #Spon   #Sanders  
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Wieso bezeichnet Ihr eigentlich den mit erstaunlichen Mitteln um das amerikanische Präsidentenamt kämpfenden Bernie Sanders immer und immer wieder als "selbst ernannten Sozialisten"? Wer soll ihn denn sonst dazu ernennen außer er selbst? Marx? Trump? Gott? Ihr selbst ernannten Mister Oberschlau?
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Markus MF

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„Während in Frankreich Arbeiter und Jugendliche gegen die neue Arbeitsmarktreform von Präsident Hollande protestierten, lobte Tsipras in hohen Tönen die enge Zusammenarbeit mit Frankreich und stellte sich demonstrativ hinter die Hollande-Regierung. Der angeblich „linke“ Regierungschef solidarisierte sich nicht mit den französischen Arbeitern, sondern mit der französischen Elite. Beide Regierungen teilen die Furcht vor der eigenen Arbeiterklasse.“

#Frankreich #Griechenland #Streik #Syriza #Hollande #WSWS
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Die pseudolinke Koalition der radikalen Linken (Syriza) und ihr rechtspopulistischer Koalitionspartner, die Unabhängige Griechen (ANEL), treiben die von der EU geforderten Privatisierungen in atemberaubendem Tempo voran. Dagegen wächst der Widerstand.

http://www.wsws.org/de/articles/2016/06/15/grie-j15.html
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Der Ausverkauf des Staatseigentums dient ausländischen Investoren und den griechischen Superreichen. Er wird die soziale Lage weiter verschärfen.
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Markus MF

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Offene Fragen nach dem Brexit-Votum
→ Wie viele Journalisten haben erst am Tag nach der Abstimmung "Was ist die EU?" und "Welches Irland gehört zum Vereinigten Königreich?" gegoogelt?

→ Kommen die bemitleidenswerten britischen Jungakademiker, die von ihren bösartigen Großeltern nun um ihre Zukunft gebracht wurden, demnächst mit dem Flüchtlingsboot über den Ärmelkanal zum Erasmusaufenthalt in Bordeaux, München oder Prag?

→ Wieso hat keiner von den Guten die Kraft, Typen wie Nigel Farage wenigstens mal eine Körperverletzung ohne bleibende Schäden zuzufügen?

→ Könnten Menschen wie Sigmar Gabriel, Margot Käßmann und Jan Böhmermann im Falle eines deutschen EU-Referendums mit guter Überzeugungsarbeit auf Twitter den Austritt verhindern?

→ Weshalb haben die sackalten, strunzdummen und arbeitslosen Inzestnazis vom Land nur Verachtung für uns gemäßigte Pressevertreter übrig?

→ Wie kann die EU nach dem Brexit weiterhin ein friedenswahrender, wohlstandsbringender Abenteuerspielplatz für Deutschland bleiben, auf dem man schwache Hilfsempfängerstaaten nach Herzenslust erniedrigen und herumscheuchen kann?

→ Warum verhalten sich die Wahlverlierer von Großbritannien kein bißchen sympathischer als die aus Österreich?

→ Mit der Verbreitung welcher Erklärungsmodelle für das furchtbare Ergebnis kann jetzt sichergestellt werden, daß rechte Parteien wie AfD, Front National und UKIP bei den nächsten Wahlen noch mehr Zulauf erhalten?

#Brexit   #Referendum   #Erasmus #Flüchtlingsboot   #EU   #Abenteuerspielplatz  
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Wie viele Journalisten haben erst am Tag nach der Abstimmung "Was ist die EU?" und "Welches Irland gehört zum Vereinigten Königreich?" gegoogelt? → Kommen die bemitleidenswerten britischen Jungakademiker, die von ihren bösartigen Großeltern nun um ihre Zukunft gebracht wurden, demnächst mit dem ...
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Zehntausende demonstrieren in Frankreich gegen Arbeitsmarktreform

Von Alex Lantier
24. Juni 2016

In ganz Frankreich sind am Donnerstag erneut Zehntausende gegen die verhassten Arbeitsmarktgesetze auf die Straße gegangen. Die Veranstalter sprachen von insgesamt 200.000 Teilnehmern, die Polizei von 70.000. Die Proteste waren massiven Repressionen ausgesetzt. In Paris riegelte die Polizei die Zufahrtsstraßen zum Demonstrationsort ab und kontrollierte die ankommenden Teilnehmer.
Zuvor hatte die Regierung ihre Drohung, die Demonstrationen zu verbieten, überraschend zurückgezogen. Die Tatsache, dass ein solches Verbot überhaupt angedroht wurde, ist ein Anzeichen dafür, wie weit die Vorbereitungen auf eine staatliche Unterdrückung des Widerstands in der Arbeiterklasse schon gediehen sind.
In der vergangenen Woche hatten Premierminister Manuel Valls und Präsident François Hollande wiederholt damit gedroht, weitere Demonstrationen zu verbieten. Am Mittwochmorgen gab die Pariser Polizeipräfektur dann in einer kurzen Erklärung bekannt, die Demonstration in Paris werde aus Sicherheitsgründen untersagt.
In der Erklärung hieß es, Gespräche mit der Gewerkschaft seien gescheitert, „da die Gewerkschaftsvertreter sich kategorisch weigern, eine Versammlung an einem festen Ort abzuhalten. Stattdessen haben sie alternative Vorschläge für die Route der Protestmärsche vorgelegt.“
Und weiter: „Nach sorgfältiger Prüfung hat sich gezeigt, dass diese Vorschläge weder den notwendigen Schutz von Personen und Eigentum hätten gewährleisten können, noch die notwendige maximale Mobilisierung von Sicherheitskräften gegen die Terrorgefahr erlaubt hätten. Diese befindet sich im Moment auf einem hohen Niveau und erfordert außergewöhnliche Maßnahmen im nationalen Rahmen. Unter diesen Bedingungen sieht der Polizeipräfekt keine andere Möglichkeit, als die Demonstrationen zu verbieten.“
Die Bedeutung dieses Statements der Präfektur war klar. Die Regierung hatte nicht signalisiert, dass die Terrorgefahr durch islamistische Netzwerke ihrer Ansicht nach zurückgegangen sei. Diese Netzwerke sind bekanntermaßen Bestandteil der imperialistischen NATO-Kriege in Libyen und Syrien. Die Präfektur argumentierte dann in aller Konsequenz, in Paris müssten soziale Proteste in nächster Zeit unterbleiben. Damit hätte der Pariser Präfekt mit einem Federstrich elementare, verfassungsmäßig geschützte Streik- und Demonstrationsrechte annulliert.
Offenbar unterstützte die gesamte PS-Regierung dieses Vorhaben. Auf einer Pressekonferenz kritisierte Regierungssprecher Stéphane Le Foll mehrere Journalisten, die gefragt hatten, welche Rolle Premierminister Manuel Valls bei dem Versuch gespielt habe, die Demonstrationen zu verbieten.
Le Foll erklärte: „Dieses Spielchen, dass man die Leute glauben lässt, eine Entscheidung innerhalb der Exekutive habe der Premierminister allein getroffen, verfälscht die Sache. Die Entscheidungen werden gemeinschaftlich getroffen, und die Polizeipräfektur versucht, zwischen dem Demonstrationsrecht und den bestehenden Risiken abzuwägen.“
Dennoch bestanden die Führer der Gewerkschaften CGT und FO noch während der Pressekonferenz mit Le Foll darauf, eine Krisensitzung mit Innenminister Bernard Cazeneuve einzuberufen. Bei diesem Treffen warnten sie Berichten zufolge den Innenminister, dass sie für die Einhaltung eines Demonstrationsverbots nicht garantieren könnten. Die Massen würden trotz des Verbots auf die Straße gehen und es würde zu zahlreichen kleineren, illegalen Protesten kommen. Solche Kundgebungen anzugreifen und aufzulösen, würde aber wesentlich mehr Polizisten binden, als die Polizeibegleitung einer einzigen großen Demonstration.
Während des Gesprächs der CGT- und FO-Funktionäre mit Cazeneuve waren mehrere Online-Petitionen in Umlauf, in denen zahlreiche Menschen versicherten, sie würden am nächsten Tag auf die Straße gehen und sich über jedes Verbot hinwegsetzen. Auf einer Petition auf change.org sammelten sich im Laufe des Tages fast 150.000 Unterschriften.
Nach dem Treffen mit Cazeneuve kam es zu einer außergewöhnlichen, gemeinsamen Pressekonferenz der zwei großen und einiger kleinerer Gewerkschaften. CGT-Generalsekretär Philippe Martinez und der Führer der FO, Jean-Claude Mailly, widersprachen allem, was zuvor seitens der Polizeipräfektur und von Regierungssprecher Le Foll gesagt worden war, und erklärten, Cazeneuve habe stattdessen eine kurze Demonstration durch die Stadt genehmigt. Auf einem Rundweg, der am Platz der Bastille beginnen und auch wieder enden solle, dürfe demonstriert werden.
Damit wurde beschlossen, was die Präfektur von Anfang an gewollt hatte: die Demonstration auf eine kurze Rundstrecke zu beschränken und eine Versammlung „an einem festen Ort“ durchzusetzen. Dennoch begrüßten Martinez und Mailly diese Entscheidung als „Sieg für die Gewerkschaften und für die Demokratie“.
Cazeneuve gab eine Stunde später eine Pressekonferenz um zu bestätigen, dass der Rundweg für die Demonstration nicht verboten sei. Gleichzeitig drohte er den Demonstranten: „Es darf nichts außer Kontrolle geraten; Gewalt wird nicht toleriert.“
Sofort setzten Spekulationen in den Medien ein, ob dieser demütigende Rückzug einen Gesichtsverlust für Valls bedeute, zumal Hollande und Cazeneuve sein Demonstrationsverbot hintertrieben hätten. In der Tat zeigt sowohl die Entscheidung der Sozialistischen Partei, die Demonstration zu verbieten, als auch die darauf folgende abrupte Umkehr die wachsende Verzweiflung der Regierungspartei angesichts der Proteste der Arbeiterklasse. Dies mindert freilich nicht ihre Entschlossenheit, demokratische Grundrechte mit Füßen zu treten, wenn sie damit ihre sozialen Angriffe durchsetzen kann.
Die letzten Tage haben einmal mehr gezeigt, dass der Ausnahmezustand, den die PS nach den Terroranschlägen vom 13. November in Paris verhängte, sich nicht gegen Terroristen richtet, sondern gegen die Arbeiterklasse und ihre demokratischen Rechte. Während die PS taktiert, um ein immer offeneres antidemokratisches System durchzusetzen, tritt die Arbeiterklasse ihr als gesellschaftliche Kraft gegenüber. Sie ist es, die die demokratischen Rechte verteidigt.
Auch die pseudolinken Parteien, die Neue Antikapitalistische Partei (NPA) und Jean-Luc Mélenchons Linksfront (FdG), sind vollkommen entlarvt. Sie hatten Hollande in den Wahlen von 2012 unterstützt und behauptet, man könne die PS durch Proteste dazu bringen, linke Politik zu machen. In Wirklichkeit haben NPA und FdG überhaupt keine nennenswerten Protestaktionen durchgeführt, bis in diesem Jahr die unzufriedenen Jugendlichen und Arbeiter den Kampf gegen die Arbeitsmarktreformen der PS aufgenommen haben. Und die PS hat darauf nicht mit einer Linkswende reagiert, sondern mit immer brutalerer Unterdrückung.
Die PS hat zwar schon 2014 die Gaza-Proteste verboten, als Jugendgruppen, Muslime und palästinensische Organisationen gegen die israelischen Angriffe auf den Gaza-Streifen protestierten. Ihr jetziger Verbotsversuch, der sich gegen Gewerkschaftsdemonstrationen in einer sozialen Frage richtet, ist jedoch beispiellos.
Hätte sie das Verbot aufrechterhalten, dann wäre dies das erste Mal seit über vierzig Jahren gewesen. Am 8. Februar 1962 hatte der Pariser Präfekt und ehemalige Nazi-Kollaborateur Maurice Papon eine Demonstration der stalinistischen Kommunistischen Partei (KPF) und der CGT gegen den Algerienkrieg untersagt. An diesem Tag ging die Pariser Polizei mit brutaler Gewalt gegen Demonstranten vor, die sich über das Verbot hinwegsetzten. Dabei wurden an der Metro-Station Charonne neun Demonstranten getötet. An ihrer Beisetzung nahmen Hunderttausende teil. Es war eine der größten Demonstrationen gegen den Algerienkrieg.
Vor dem Hintergrund dieser Geschichte ist klar, dass die Ankündigung der Polizeipräfektur, unterstützt vom Innenminister, die Demonstration zu verbieten, einer ernst zu nehmenden Drohung gleichkommt. Die Protestbewegung gegen die reaktionären Arbeitsmarktgesetze der Sozialistischen Partei geht schon in den dritten Monat. Die schon jetzt brutale Polizeiunterdrückung könnte noch einmal erheblich verschärft werden.

#Frankreich   #Arbeitsmarktreform   #Demonstrationsverbot   #Polizeigewalt   #WSWS   #PS  
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Die Proteste gegen die französische Arbeitsmarktreform gehen weiter. Die Hollande-Regierung zog ihr angedrohtes Verbot zurück, weil die Gewerkschaften dessen Einhaltung nicht garantieren konnten.
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Markus MF

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Gewerkschaft Ver.di!

Gibt es einen besonderen Grund, warum Du – statt tüchtig Streik, Radau und Rabatz zu machen, um die Vergesellschaftung der Produktionsmittel voranzutreiben – uns Kollegen in jedem zweiten Deiner Briefe die »exklusive Sterbegeldversicherung des Ver.di-Mitgliederservice« anpreist wie extrem saures Bier? Mit vorausgefüllter Beitrittserklärung, Rückumschlag und Sätzen wie: »Denn wer denkt schon gern daran, wie es im Todesfall den eigenen Angehörigen geht? Und doch lohnt es sich, daran zu denken und schon jetzt für den Fall des Falles vorzusorgen!«

Hast Du, Ver.di, denn keine drängenderen Probleme? Ist die Zukunft für Dich etwa – gestorben?

Dich Todgeweihte grüßen: die vereinten Dienstleister von

Titanic

#Verdi   #Sterbegeldversicherung #Titanic  
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Markus MF

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Innenminister de Maizière will Hilfspolizei aufbauen

"Wie in den 1930er Jahren reagieren die Herrschenden in Deutschland auf die sich abzeichnenden Konflikte mit der arbeitenden Bevölkerung, indem sie den Staat aufrüsten."

#Hilfspolizei   #deMaizière   #Göring   #WSWS  
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Wie in den 1930er Jahren reagieren die Herrschenden in Deutschland auf die sich abzeichnenden Konflikte mit der arbeitenden Bevölkerung, indem sie den Staat aufrüsten.
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Markus MF

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Sie, Jakob Augstein,

haben es schon wieder getan. Angesichts des Wahlsiegs des neuen Londoner Bürgermeisters Khan frohlockten Sie: »Khan hat sich in der Wahl gegen einen Milliardärssohn durchgesetzt, der Goldsmith heißt.« Und wenn jemand so heißt und Sie das so betonen, dann heißt das natürlich etwas, nämlich daß er »aus einer jüdischen Familie stammt«, weshalb er, wie es des Juden Art ist, im Wahlkampf »ein schmutziges Spiel mit den Rassismen« spielte, indem er Khan »in die Nähe von Antisemiten rückte«.

Wer kennte es besser als Sie, Augstein, dieses schmutzige Judenspiel. Doch Sie lassen sich nicht beirren: »Die Islamfeindlichkeit ist das Gerücht über den Muslim. Adorno ging es freilich um den Antisemitismus. Aber die Muslimfeindlichkeit hat in Deutschland den Antisemitismus längst als gefährlichsten Rassismus abgelöst. Dieser spaltet die Gesellschaft.« Worin er sich dann doch noch vom Antisemitismus unterscheidet, denn der eint ja eher die Gesellschaft. Zumindest die Ihrige.

Muß Sie nicht in die Nähe von Antisemiten rücken:

Titanic

#Augstein   #Antisemitismus   #Titanic  
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Markus MF
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Deutscher Sonntag
#Degenhardt #Deutscher #Sonntag

Sonntags in der kleinen Stadt,
wenn die Spinne Langeweile
Fäden spinnt und ohne Eile
giftig-grau die Wand hochkriecht,
wenn's blank und frisch gebadet riecht,
dann bringt mich keiner auf die Straße,
und aus Angst und Arger lasse
ich mein rotes Barthaar stehn,
lass den Tag vorübergehn,
hock am Fenster, lese meine
Zeitung, decke Bein mit Beine,
seh, hör und rieche nebenbei
das ganze Sonntagseinerlei.
Tada-da-da-dam...


Da treten sie zum Kirchgang an,
Familienleittiere voran,
Hütchen, Schühchen, Täschchen passend,
ihre Männer unterfassend,
die sie heimlich vorwärts schieben,
weil die gern zu Hause blieben.
Und dann kommen sie zurück
mit dem gleichen bösen Blick,
Hütchen, Schühchen, Täschchen passend,
ihre Männer unterfassend,
die sie heimlich heimwärts ziehn,
daß sie nicht in Kneipen fliehn.
Tada-da-da-dam...

Wenn die Bratendüfte wehen,
Jungfrauen den Kaplan umstehen,
der so nette Witzchen macht,
und wenn es dann so harmlos lacht,
wenn auf allen Fensterbänken
Pudding dampft, und aus den Schenken
schallt das Lied vom Wiesengrund
und daß am Bach ein Birklein stund,
alle Glocken läuten mit,
die ganze Stadt kriegt Appetit,
das ist dann genau die Zeit,
da frier ich vor Gemütlichkeit.
Tada-da-da-dam...

Da hockt die ganze Stadt und mampft,
daß Bratenschweiß aus Fenstern dampft.
Durch die fette Stille dringen Gaumenschnalzen,
Schüsselklingen, Messer, die auf Knochen stoßen,
und das Blubbern dicker Soßen.
Hat nicht irgendwas geschrien?
Jetzt nicht aus dem Fenster sehn,
wo auf Hausvorgärtenmauern
ausgefranste Krähen lauern.
Was nur da geschrien hat?
Ich werd so entsetzlich satt.
Tada-da-da-dam...

Wenn Zigarrenwolken schweben,
aufgeblähte Nüstern beben,
aus Musiktruhn Donauwellen
plätschern, über Mägen quellen,
hat die Luft sich angestaut,
die ganze Stadt hockt und verdaut.
Woher kam der laute Knall?
Brach ein Flugzeug durch den Schall?
Oder ob mit 'm Mal die Stadt
ihr Bäuerchen gelassen hat?
Die Luft riecht süß und säuerlich.
Ich glaube, ich erbreche mich,
Tada-da-da-dam...

Dann geht's zu den Schlachtfeldstätten,
um im Geiste mitzutreten,
mitzuschießen, mitzustechen,
sich für wochentags zu rächen,
um im Chor Worte zu röhren,
die beim Gottesdienst nur stören.
Schinkenspeckgesichter lachen
treuherzig, weil Knochen krachen
werden. Ich verstopf die Ohren
meiner Kinder. Traumverloren
hocken auf den Stadtparkbänken
Greise, die an Sedan denken.
Tada-da-da-dam...

Dann ist die Spaziergangstunde,
durch die Stadt, zweimal die Runde.
Hüte ziehen, spärlich nicken,
wenn ein Chef kommt, tiefer bücken.
Achtung, daß die Sahneballen
dann nicht in den Rinnstein rollen.
Kinder baumeln, ziehen Hände,
man hat ihnen bunte, fremde
Fliegen - Beine ausgefetzt -
sorgsam an den Hals gesetzt,
daß sie die Kinder beißen solln,
wenn sie zum Bahndamm fliehen wolln.
Tada-da-da-dam..,.

Wenn zur Ruh die Glocken läuten,
Kneipen nur ihr Licht vergeuden,
wird's in Couchecken beschaulich.
Das ist dann die Zeit, da trau ich
mich hinaus, um nachzusehen,
ob die Sterne richtig stehen,
Abendstille überall. Bloß
manchmal Lachen wie ein Windstoß
über ein Mattscheibenspäßchen.
Jeder schlürft noch rasch ein Gläschen
und stöhnt über seinen Bauch
und unsern kranken Nachbarn auch.
Sonntags in der kleinen Stadt,
sonntags in der deutschen Stadt.
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