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Markus Müller-Faßbender
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Alle an die Wand: Neues vom Trickser
Als Terminarbeiter, zumal im kritischen Geschäft, ist es unabdingbar, sich auf seine Pappenheimer verlassen zu können; denn was machen, wenn es keine frischen Skandale gibt und die Landtagswahlen erst heute stattfinden (und, Stichwort AfD bzw. Projekt 18, auch keine Überraschungen bringen werden)? Dann kann – und muß, um nicht zu sagen: darf – ich auf von Altenbockums Jasper zählen, dem pünktlich zum fünften Jahrestag des Unglücks von Fukushima (und dem drohenden Sieg der Grünen in Baden-Württemberg) das „Fukushima-Bürgertum“ eingefallen ist, das so exklusiv von der Energiewende profitiere, „und die Verlierer bleiben Verlierer“. Und das im Verlierer-Organ Frankfurter Allgemeine Zeitung! „Die Energiewende hat zu einer schleichenden Spaltung der deutschen Gesellschaft geführt“, in nämlich oben und unten, und was BDI, CDU und die Marxschen Akkumulationsgesetze nicht geschafft haben, die Energiewende macht’s möglich.

Die nämlich die Interessen der kleinen Leute außer acht läßt, „ausgenommen vielleicht an den Tagen, an denen festgestellt wird, daß das Überangebot an regenerativem Strom, das sich im niedrigen Börsenpreis niederschlägt, nicht beim kleinen Mann in der Stromrechnung ankommt. Gewinner sind vielmehr diejenigen, die in das neue grüne Zeitalter investieren können und eine üppige Rendite einstreichen.“ Rendite, zumal die üppige, ist in der FAZ nicht unbedingt ein Schimpfwort; aber wenn es wer derart unfair treibt wie unser „Energiebürgertum“! Das sich nämlich mit der neuen Energiewirtschaft nur deshalb „identifiziert“, wie Jasper es hohnvoll nennt, „weil ihm die grüne Barmherzigkeit genossenschaftliches Eigentum verschafft, mit dem sich gut und noch besser leben läßt“, während es sich mit Anteilsscheinen der Atomkonzerne jahrzehntelang eher schlecht als recht leben ließ. Das sog. Energiebürgertum „ist deshalb nicht weit vom Einwanderungsbürgertum entfernt, das sich gern mit der Migration identifiziert, weil die nicht gefährdet und in Frage stellt, was bislang seinen Wohlstand und seine Anerkennung sicherte. Die Grünen haben das seit langem als Erfolgsrezept erkannt, haben sich dadurch aber selbst in die Rolle des Sprachrohrs eines, sieht man von diversen Apokalypsen ab, sorgenfreien Mittelstands gedrängt.“

„Neues vom Trickser / Der einen Topjob macht / Als ein Übersetzer / Zwischen Tag und Nacht / Als eine Art Verführer / Im Dazwischensein / Mit Worten wie diesen / Die gemacht sind für uns zwei“ Tocotronic, 2002

Daß ich hier nicht den sorgenfreien grünen Mittelstand verteidigen will, von dem man ja, zwischen Wochenmarkt und Kindergarten, so unbedingt umgeben ist, wird das Publikum sich denken; aber daß Wohlstand gerade dann böse wird, wenn er, wie ausnahmsweise immer, zu Fremdenfreundlichkeit und Atomfeindschaft führt, ist eine dieser rechtsdialektischen Meisterleistungen, für die v. Altenbockum hoffentlich gut und besser bezahlt wird.

„Der Humanismus, auf den sich ein so wieder politisiertes, gutsituiertes Bürgertum beruft, unterscheidet sich in einem signifikanten Punkt von dem des sprichwörtlichen einfachen Mannes. Der trauert am Fukushima-Tag um die vielen Toten einer Naturkatastrophe. Die Ideologisierten trauern dagegen um die Toten einer von ihnen instrumentalisierten technischen Katastrophe, um Tote, die es gar nicht gibt.“ Weil sie halt so narrensicher ist, die Kernenergie, daß die bislang 700 000 Tonnen verstrahltes Wasser doch einfach in Altenbockums Keller gepumpt werden können, und sei’s bloß als Dank für den Beweis, daß auch FAZ-Redakteure und zutiefst homophobe „Sexualschaffner“ (Leo Fischer) ihre Liebe zum einfachen Mann entdecken können.

Und mir damit eine Kolumne aus dem Handgelenk ermöglichen.

#kritisches   #Sonntagsfrühstück   #Altenbockum   #FAZ   #Fukushima   #Energiewende   #Rechtsdialektik  
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Als Terminarbeiter, zumal im kritischen Geschäft, ist es unabdingbar, sich auf seine Pappenheimer verlassen zu können; denn was machen, wenn es keine frischen Skandale gibt und die Landtagswahlen erst heute stattfinden (und, Stichwort AfD bzw. Projekt 18, auch keine Überraschungen bringen ...
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Peng, Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt!

In Reaktion auf Frauke Petrys Schußwaffenphantasien stellten Sie unmißverständlich klar: »Es ist äußerst fraglich, ob eine Partei, die Flüchtlinge an der Grenze erschießen will und Rassentheorien in die Welt posaunt, ein Teil unseres demokratischen Systems sein kann und sein will.«

Wirklich, Göring-Eckardt? »Äußerst fraglich«, also laut Duden: unsicher, ungewiß, nicht entschieden, offen, unbestimmt, ungeklärt? Aber eben nicht völlig ausgeschlossen? Kommt ganz auf die Rassentheorie an? Oder darauf, daß man sie wenigstens nicht »posaunt«, sondern menschenfreundlich mundorgelt? Oder wollten Sie nur auf eine ordentliche Traumaversorgung Erschießender und Angehöriger von Erschossenen hinaus? Oder auf eine ggf. unabdingbare Modifikation »unseres demokratischen Systems«?

Auf jeden Fall haben Sie’s der AfD richtig gegeben und ein für allemal klargemacht, daß Schießbefehl und Rassentheorie in Deutschland ohne die Grünen nicht zu machen sind.

Hat den Schuß gehört: Titanic

#Grüne #Göring-Eckhardt #AfD #Rassentheorie
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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Supergefährlich
Was glaubt eigentlich Sigmar Gabriel so den lieben langen Tag? Im Zweiten Deutschen Fernsehen, von Adenauer ja einst als „Deutschlandsender“ projektiert, glaubte er laut Tagesschau.de dies: „Er glaube, ,daß wir eigentlich ein neues Solidaritätsprojekt für unsere eigene Bevölkerung brauchen’, sagte Gabriel in der ZDF-Sendung ,Maybrit Illner’. Die Menschen müßten merken, ,daß ihre Bedürfnisse nicht unter die Räder geraten’. Es müsse mehr Geld für sozialen Wohnungsbau und mehr Kita-Plätze ,für alle’ geben, sagte Gabriel. Außerdem müßten geringe Renten aufgestockt werden. ,Das ist konkrete Politik in Deutschland, die sich ändern muß.’“

Und was glaubt die politische Journalistin Constanze v. Bullion? In ihrer SZ, wo sie den Pfarrer Gauck für sein Eintreten wider die unselige Negerfeindschaft lobt und über die „dünne Kruste, die über das Nachwende-Deutschland gewachsen ist“, räsoniert, z.B. das: „Der Umgang mit Minderheiten sei im Kommunismus eben nicht geübt worden wie im Westen, sagt Gauck. Das stimmt, aber es reicht nicht. Es ist auch darüber zu reden“, ich muß das, Entschuldigung, hervorheben, „wie gründlich der Realsozialismus jeden Glauben ans Soziale zerstört hat, an die beglückende Kraft des Teilens, den Schutz Schwächerer durchs Kollektiv. Solche Werte, ausgerechnet, wurden vom SED-Staat verhöhnt“.

Denn die beglückende Kraft des Teilens, die ist allein im minderheitenerprobten Westen (vgl. Wikipedia, „Liste von Angriffen auf Flüchtlinge und Flüchtlingsunterkünfte in Deutschland“) zuhaus, wo sie Sigmar Gabriel (Goslar) als das Glück ventiliert, Solidarität als völkische zu erleben. Seit 1977 ist Sigmar Gabriel in der SPD, seit 2009 Vorsitzender jener Partei, die mit den Hartz-Gesetzen dafür gesorgt hat, daß in Deutschland soziale Bedürfnisse planmäßig unter die Räder genommen werden, und diese planierten oder in Planierung befindlichen Sozialschutzgebiete werden jetzt gegen die Artfremden ausgespielt, die nämlich alles bekommen, während die anständigen Deutschen gar nichts kriegen.

„Ich möchte mit manchen Menschen nicht den Bürgersteig teilen, und Sigmar Gabriel gehört dazu.“ Max Uthoff, 2015

Und wer hat schuld? Die SPD, dem Standort Deutschland immer treu ergeben? I wo. Die Flüchtlinge und Asylanten, denen es hinten und vorne hineingestopft wird? Unbedingt: „Für die macht ihr alles, für uns macht ihr nichts“, das hört Gabriel nach eigener Aussage überall, und dieser Satz sei „supergefährlich“. Ist er wirklich, denn Faschismus ist, wenn Kleinbürger ihr Zukurzkommen statt auf die Gesetze der Kapitalverwertung auf irgendwelche Minderheiten schieben. Supergefährlich ist es mithin, wenn eine Sozialdemokratische Partei Deutschlands, statt von früh bis spät und coûte que coûte für Rentner, Mütter, Arbeiter einzutreten, sich dieser längst in Vergessenheit geratenen Generalaufgabe zuverlässig und spätestens dann erinnert, wenn man vor Landtagswahlen Stimmen von Kleinbürgern abgreifen will, die ihr Zukurzkommen supergefährlicherweise Leuten in Rechnung stellen, die im Leben noch sehr viel kürzer gekommen sind.

Daß die Volksgenossen in dieser wunderbar nationalen Stimmung („Asylpaket II“) dann ganz konkret zur Supergefährlichkeit neigen, schiebt unsere linksliberale, dem Standort Deutschland ebenso treu ergebene Qualitätspresse dann vorsorglich auf einen Sozialismus, der, statt wie üblich die Menschen brutal dem gleichmacherischen Kollektiv zu unterwerfen, neuerdings den Glauben ans Teilen verhöhnt (!), und wieder stimmt das Wort des völkischen Antibolschewisten Goebbels: daß nämlich die unverschämtesten Flunkereien am ehesten geglaubt werden.

Und eben die sind die supergefährlichsten. Wer nicht gerade Sigmar Gabriel, Constanze v. Bullion oder sonst eine korrupte Figur ist, weiß das.

#kritisches   #Sonntagsfrühstück   #Sigmar   #Gabriel   #SPD   #Gauck   #Faschismus   #Kleinbürger  
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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Herrschaft des Unrechts

Es geht uns gut wie lange nicht. Wie lange noch? Finanzminister Wolfgang Schäuble hat von seinem Haus ein Schuldenszenario errechnen lassen, und die Ergebnisse sind laut Frankfurter Allgemeiner „erschreckend“, dieweil wir im Jahr 2060 „griechische Verhältnisse“ haben könnten, denn „die deutschen Staatsfinanzen drohen … langfristig aus dem Ruder zu laufen“: „In seinem turnusmäßigen Tragfähigkeitsbericht fürchte sein Ministerium im ungünstigsten Fall einen Anstieg der Staatsverschuldung bis 2060 auf rund 200 Prozent der Wirtschaftsleistung, schreibt das Handelsblatt am Freitag. Das ist mehr als die aktuellen Schuldenquote Griechenlands und fast das Dreifache der gegenwärtigen Verschuldung Deutschlands.“

Schuld daran hat nach aktueller Analyse und nach Angaben der Welt am Sonntag hauptsächlich „die demografische Alterung“, denn die deutsche Staatsschuld werde „nur dann dauerhaft in der Nähe der Maastricht-Grenze von 60 Prozent der Wirtschaftsleistung bleiben, wenn sich Faktoren wie die Geburtenrate ausgesprochen günstig entwickeln“. Zumal da das Leben immer teurer wird: „Bundesfinanzminister Schäuble sieht sich derzeit von Seiten seiner Ministerkollegen mit immer neuen Ausgabenwünschen konfrontiert. Arbeitsministerin Andrea Nahles hatte gerade erst knapp eine halbe Milliarde Euro mehr gefordert“, zu Integrationszwecken nämlich, und „Bauministerin Barbara Hendricks will zur Bewältigung des Flüchtlingszustroms jährlich zusätzlich 1,3 Milliarde Euro für Wohnungsbau und Stadtentwicklung“. Und fertig ist die Meldung: Es geht uns gut wie lange nicht, aber in nicht einmal 50 Jahren sind wir Griechenland, weil wir einerseits zu wenige Deutsche sind, andererseits die ganzen Asylanten mit Milliardenbeträgen durchgefüttert werden wollen.

Dazu eine Rechnung: Die Schulden der deutschen öffentlichen Haushalte erhöhen sich pro Sekunde um rund 1500 Euro, am Tag um rund 130 Millionen Euro. Nach einer Woche sind wir schon bei der Milliarde, die „uns“ die Flüchtlinge kosten. Es sind, mit Hilmar Kopper zu sprechen, praktisch Peanuts.

Schulden hat man dann, wenn man mehr ausgibt als einnimmt. Mehr ausgeben als einnehmen wird ein Staat z.B. dann, wenn er Verluste sozialisieren muß, von den Gewinnen aber, bei z.B. historisch niedrigen Unternehmenssteuern, relativ immer weniger sieht. Allein Hartz IV, die Reststütze für die Verzichtbaren, hat bislang bald eine halbe Billion Euro gekostet.

„It's a rich man’s world“ ABBA, 1976

Schulden vergrößern sich selbsttätig durch die Schuldzinsen, und wer ein Unternehmen ist oder Aktien hat und direkt von den niedrigen Unternehmenssteuern profitiert, der kann das Geld, das er zuviel hat, wiederum jenem Staat leihen, der ihm den Überschuß ermöglicht hat. Dann hat der Staat noch mehr Schulden und muß ein Schwimmbad zumachen, aber wer Gläubiger des Staates ist, bekommt ja seinerseits Zinsen und fliegt dann einfach ans Meer.

Das kann eine Weile gutgehen, sogar eine sehr lange Weile, aber irgendwann ist der Staat pleite. Dann kommt, zum Beispiel, der IWF und verscherbelt alles, was öffentlich war (und also allen gehört hat), an jene, die dank ihrer Anleihen (und des Profits aus den niedrigen Unternehmenssteuern) Geld übrig haben. Vielleicht kommt der IWF auch nicht, aber wer vom Schuldenstaat irgendwas erwartet, weil er statt Aktien und Anleihen eine kleine Rente und einen kaputten Rücken hat, der sieht in die Röhre. Vielleicht kommt auch ein Schuldenschnitt oder, was aufs selbe hinausläuft, eine Inflation, aber wem vorher eine Fabrik gehört hat, dem gehört sie hinterher immer noch, und wieder sehen jene in die Röhre, die diese Fabrik eben nicht haben. Das sind gottlob die wenigsten.

Bernie Sanders (USA) will sich das Geld ja von den Reichen zurückholen. Ein absoluter Spinner, der hierzulande bestenfalls belächelt wird, und zwar von denen, die zuletzt lachen und natürlich wollen, daß das so bleibt. Denn das wäre ja was: eine Welt, in der alle was zu lachen haben!

Verrückt.

#kritisches #Sonntagsfrühstück #Haushalt #Schulden #Schäuble
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Es geht uns gut wie lange nicht. Wie lange noch? Finanzminister Wolfgang Schäuble hat von seinem Haus ein Schuldenszenario errechnen lassen, und die Ergebnisse sind laut Frankfurter Allgemeiner „erschreckend“, dieweil wir im Jahr 2060 „griechische Verhältnisse“ haben könnten, denn „die deutschen ...
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Gerade sprach Kretschmann im Radio: Bei Volker Beck sei ein "schwerwiegendes Fehlverhalten" nachgewiesen, im Hinblick auf die Landtagswahlen gelte es nun zu hoffen, daß sich dieses "nicht auf andere überträgt". Die Frage ist also, ob Volker Beck andere Grüne mit Crystal Meth anstecken wird oder ob er immer einen Filter benutzt.
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Mir wird bei dem Anblick übel. Wobei ich nicht sicher bin, ob es die Tortenflecken sind.
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Man darf sich von Frau Storchs großen Augen jetzt aber nicht erpressen lassen... #tortalerkrieg · Embedded image. 9:35 AM - 28 Feb 2016. 58 Retweets115 Likes. Reply to @JuliaVDLeine. Replies. hermes_hh2 · 38m38 minutes ago. hermes_hh2 @HermesHh2. @JuliaVDLeine @KotzenderStern Die sieht richtig ...
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Sippenhaft 2016 - Sippenhaft 2016
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Die Medien zeigen immer nur die Sachsen, die "Ausländer raus" rufen. Nicht gezeigt werden die vielen, vielen Sachsen, die dabei einfach nur friedlich zugucken
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Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück: Spielregeln. Showtime, Pt. 2

Die Vereinigten Staaten von Amerika hatten es bekanntlich einmal besser; heute sind sich die schreibenden Fachleute und professionellen Kopfschüttler da nicht mehr so sicher: „Aus europäischer Sicht ist schwer zu begreifen, was gerade in Amerika geschieht. Kurz vor Beginn der Vorwahlen an diesem Montag in Iowa legen Umfragen nahe, daß radikale Politiker die ersten Abstimmungen gewinnen und, wenn es dumm läuft, sogar das Weiße Haus erobern könnten. Bei den Republikanern führen Donald Trump, der gegen Ausländer hetzt und Rivalen beschimpft, sowie der US-Senator Ted Cruz, der im Parlament einmal einen Aufstand gegen das Budget angezettelt hat, der beinahe zur Staatspleite geführt hätte … Unter Demokraten wächst derweil die Begeisterung für Bernie Sanders, der sich einen ,demokratischen Sozialisten’ nennt und das Vermögen in einem Ausmaß umverteilen will, wie es das Land noch nie erlebt hat.“ In summa scheine es also so zu sein, daß kein geringer Teil der US-amerikanischen Wahlbevölkerung Bewerber schätze, „die alle bisherigen Spielregeln missachten“, und Vermögen in nie gekanntem Maße umzuverteilen ist da derselbe wahnwitzige Regelbruch, wie gegen Ausländer zu hetzen.

„Menschen“, analysiert da die Morgenzeitung, „beachten Spielregeln nur so lange, wie sie das Spiel akzeptieren. In den USA aber habe viele Bürgerinnen und Bürger jede Achtung vor dem Spiel verloren –  also vor der Art, wie in Washington regiert wird und wie Geld und Macht im Land verteilt sind. Sie sehnen sich nicht nur nach einem neuen Staatsoberhaupt, sondern nach einem neuen Spiel; deswegen verehren sie jene, die neue Regeln verheißen.“ Diese neue Regel heißt im einen Fall Faschismus – kein Agitprop von mir, in seinen in den USA durchgeführten „Studien zum autoritären Charakter“, die „Demagogen“ wie Trump bereits kannten, nannte Adorno das ohne polemische Absicht so –, im anderen Fall Sozialdemokratie, wenn wir darunter nicht das verstehen, was Helmut Schmidt, Gerhard Schröder und Sigmar Gabriel daraus gemacht haben.

 „Warum hat es bis heute so wenig Glorie, Anhänger der Demokratie zu sein?“ Kehlmann, 2008

Beide Regeln eint, daß sie in der konkreten Konstellation eine Art levée en masse zur Voraussetzung haben: Trump und Sanders gehen fundamental „das ,Establishment’ aus Parteien, Medien und Konzernen“ an. „Amerikas Wähler (durchaus auch jene, die sonst nie wählen und es diesmal wollen) äußern immer wieder den Verdacht, dass das System ,manipuliert’ sei. Demnach erteilt das Volk seinen Vertretern zwar einen klaren Auftrag; kaum sind die Politiker aber in Washington, schmieden sie faule Kompromisse, lassen sich von der Banken- und Industriewelt die Gesetze diktieren, kuschen vor ausländischen Mächten und kämpfen allein dafür, möglichst lange ihr Mandat zu behalten.“

Tja. Und stimmt das, abgesehen von den ausländischen Mächten, etwa nicht? Und wäre das Problem also eher eins der falschen Analyse oder eins der falschen Schlüsse, die einer daraus zieht? Daß es so nicht weitergehe, glaubten Marx und Hitler, glauben Dath und Höcke beide; daß es, zwischen stetig wachsenden Armutszahlen, Festung Europa und Handgranaten auf Ausländerunterkünfte, im Prinzip so weitergehen müsse, glaubt der Nicolas Richter von derSZ. Der ist gegen Trump, weil der ein Ressentiment abgreift, dessen Substrat, die Klassengesellschaft, der Richter nicht sehen kann (besser: will), und gegen Sanders, weil „kaum jemand die Frage zu stellen scheint, wer all seine Wohltaten bezahlen soll“. Und allein die treudumme Frage ist schon wieder so sehr Establishment und Manipulation, daß „Lügenpresse“ nur deshalb das falsche Wort ist, weil das zugehörige Ressentiment die Volksgemeinschaft will und nicht das Glück für alle.

Die Regeländerung als solche zu perhorreszieren hat zu den Verhältnissen geführt, die wir haben und die, wo der Sozialismus als „Unvernunft“ (Richter) ja nicht zu bezahlen ist, dann eben ein Festival der Hand- und Arschgranaten wird. It's showtime; auch aus europäischer Sicht.

#kritisches #Sonntagsfrühstück #Trump #Sanders #Faschismus #Sozialismus #USA #Wahlen
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