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Stephan Goldammer
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Ihr hattet eure Chance. Jetzt sind wir dran.

Ich ziehe einen Schlussstrich unter mein politisches Engagement. Es hat keinen Zweck, ständig gegen den Unsinn da draußen anzukommentieren und anzureden. Ich habe mich während meiner Zeit als Feldwebel und später als Offizier sehr für Politik interessiert, habe alles verschlungen was mir in die Finger kam, habe mich mit sehr vielen Themen näher befasst, habe jahrelang die Zeit am Wochenende und nach Dienst zur Recherche genutzt, es ist auch mal der Jahrgangsbestpreis für politische Bildung herausgesprungen. Und was nützt es? Nichts! Hätte ich zehn Jahre rund um die Uhr World of Warcraft gezockt, es wäre das gleiche Ergebnis. Ich bin es leid mich über die Widersprüche in den Argumentationen von Journalisten, Politikern, Wirtschaftswissenschaftlern, Bloggern, Nazis, Päpsten, Talkshowgästen, Komikern usw. aufzuregen. Das Internet wird vollgespammt mit dürren Analysen und einem dicken Brei aus Emotionen. Dies wirkt auch in Zeitungen und Bücher hinein. Es wäre zwar leicht zu zeigen, dass heute nicht die Lüge, sondern die Themen-Irrelevanz das Hauptproblem der westlichen Medien ist, aber ich lasse es, denn es bringt nichts. Jeder ist selbst verantwortlich für die heiße Luft die aus seinem Mund kommt. Selbst ein Sascha Lobo, der jede Woche auf Spiegel-Online mehr Leute in seinem Kommentar erreicht als ich in meinem ganzen Leben, bewirkt: Nichts.

Wie oft sollen noch personenzentrierte Wahlkämpfe geführt werden? Jeder Pups von Trump wurde kommentiert, Sachthemen Fehlanzeige, höchstens mal eingebaut in einen Pups. Über Sachthemen wird in Deutschland nur aus Versehen geredet. Man stelle sich vor, in Deutschland würde der Sohn von Angela Merkel auch Kanzler. Das würden wir für ein mieses, undemokratisches Hinterzimmergeschacher halten. In Amerikas Familiendynastien ist das normal, Bush Vater und Sohn, Clintons Frau und Mann, Kennedy & Co. Auch in Deutschland gibt es diese klebhaften Spitzenpolitikerclans. Wie lange sehen wir Schäuble & Co. schon im Fernsehen? Alle 4 Jahre dasselbe Personentheater, wir wählen Sprechblasenpuppen. Der Mensch will eben nicht belehrt werden, er will unterhalten werden. Deshalb liest auch keiner meinen Blog, viel zu oberlehrerhaft, viel zu unlustig, Familienphotos hat er auch keine, ganz zu Schweigen von seiner unpräsidial schlechten Kommasetzung.

Seit ca. 2002 lese ich im Internet die Kommentare. Bei Youtube, bei Amazon, auf Blogs, Zeitungen usw. Auf Spiegel Online sind das häufig 500 Kommentare unter einem Artikel, meist sachlich und (alle zusammen) oft besser als der Artikel selbst. Fast wie ein Süchtiger, fast wie ein Autist habe ich diese Kommentare aufgesogen, zu allen möglichen Themen, seit 15 Jahren (mach ich nicht mehr, bin geheilt). Egal ob Esoterik oder Wissenschaft, ob Politik links oder rechts, ich wollte immer alle Meinungen hören, auch und vor allem die Bekloppten. Da ich sehr schnell lesen kann, schaffe ich locker bis zu 1000 am Tag, an Wochenenden deutlich mehr, dies sind in einem Jahr ca. 100.000 Kommentare, in 15 Jahren also ca. 1,5 Millionen (grobe Schätzung, ich habe darüber nicht Buch geführt). Daraus speist sich mein Wissen darüber, was und wie Menschen denken. Es ist absolut ausgeschlossen im realen Leben an so viele Meinungen heranzukommen. Ich kann auch kaum noch im realen Leben mit jemandem politisch-sachbezogen reden, da er nicht die ganzen Querverästelungen und Minidifferenzen und Bedenke-dies-Bedenke-das gesehen, gedacht oder gehört hat. Ich denke immer sofort, hey bei deiner Meinung hast du dieses und jenes nicht mit dem und dem abgeglichen usw. Daher rede ich im Realen kaum noch über Sachthemen, denn der Gegenüber will meist nur ein bisschen plaudern. Daher auch der Blog. Man braucht nämlich die ganzen Querverästelungen und Minidifferenzen und Bedenke-dies-Bedenke-das, um eine einfache Lösung vorzuschlagen.

Es gibt nur einen sinnvollen Weg: Wir schreiben alle zusammen eine neue Verfassung. Klingt total verrückt, ist aber meines Erachtens der einzige Weg um den verbalen und realen Blödsinn zu beenden bzw. auf ein Minimum herunterzufahren. Man streitet endlich nicht mehr um Personen, sondern um Text, schwarz auf weiß. Angela Merkel ist doch völlig überfordert, denn jede Einzelperson ist in der Politik überfordert. Daher die Abgabe von Teilverantwortung an alle. Mir geht mein eigenes Geschreibe (Gejammer?) langsam selbst auf die Nerven. Weil du als One-Man-Show, trotz richtiger Analyse, politisch rein gar nichts erreichst.

Mein historisches „Vorbild“ ist die Einführung des Grundgesetzes durch die Alliierten, in Kooperation mit der deutschen Führung. Die Amerikaner haben uns ein Grundgesetz gegeben, das mindestens ebenbürtig mit ihrer eigenen Verfassung ist, wenn nicht sogar besser. Heute würde ich vorschlagen, dies über eine Art staatliches Wikipediaprojekt zu machen. Zeitansatz: 10 oder 20 Jahre. Wie ich mir das im Detail vorstelle, habe ich hier schon mal beschrieben: https://goo.gl/Udbauf

Das historische Vorbild ist nicht die Begründung für das Projekt. Die Begründung liegt in dem Schaffen eines klaren, einfachen Rechtssystems, das uns so viel wie möglich Bürokratie, Unsinn, Unfairness, Unlogik, Unfreiheit, Unwissenheit usw. erspart. Es gibt so viele Dinge über die man sprechen könnte, all die aufgeweichten Artikel des Grundgesetzes, nebst angeschlossener Gesetze und Paragraphen. All die Kompliziertheit und Unsicherheit, die sich über die Jahre eingeschlichen hat. Ich bin es leid, den siebenundachtzigtausendtrillionsten Bundestags-Untersuchungsausschuss zu sehen, der doch nichts ändert. Ich bin es leid, Sonntagsreden des Bundespräsidenten zu hören. Ich bin es leid, einer Multimillionärin Frau Schickedanz zuzuhören, wie sie bald in Hartz4-Verhältnissen leben muss. Ich bin es leid, mir die wirklich guten Analysen von Kabarettist Volker Pispers anzuhören, denn es ändert nichts. Ich bin es leid, von einem Chef der Deutschen Post die Moralansprachen an seine Mitarbeiter zu hören, und eine Woche später ergeht Haftbefehl wegen Steuerhinterziehung.

Immer wieder wählen wir Leute, die bewiesen haben, dass sie nicht zur Vereinfachung fähig sind, die alles ins Absurde verkomplizieren, das Steuersystem, das Sozialsystem, sogar unser Kredit- und Haftungssystem. Der Thinktank Bundestag schafft es nicht, jetzt muss es der Thinktank Germany richten. Ist das Konzept einer GEZ noch zeitgemäß oder intern widersprüchlich? Gehört das Konzept Religion noch ins Grundgesetz? Religionen, die sich wichtig machen, aber über Jahrtausende ihre stümperhafte Inkompetenz in ethischen und moralischen Fragen bewiesen haben. Religionsausläufer wie den Islamismus, die sich wichtig machen, aber durch ihre Brutalität und Hass ihr eigenes Ende erzeugen werden. Religionsanführer bekommen die Aufmerksamkeit des gesamten Westens und sind doch nur Kriminelle. Warum wird die Kirche immer noch steuerlich bevorteilt? Warum steht so etwas wie die Religion immer noch im Grundgesetz? Dann könnten wir auch das Rote-Kreuz reinschreiben und für sie staatlich die Steuer einziehen lassen. Im Grundgesetz steht: Das Briefgeheimnis sowie das Post- und Fernmeldegeheimnis sind unverletzlich. Ja, toll, und heute wird unser kompletter Datenverkehr mitgelesen bzw. keiner weiß was gelesen wird und was nicht. Eine Realität, die 180 Grad verdreht dem Kerngedanken des Grundgesetzes widerspricht. Als Offizier der Bundeswehr lernst du, nicht für Angela Merkel in den kriegsähnlichen Einsatz zu gehen und dein Leben aufs Spiel zu setzen, sondern für Werte, für den Geist des Grundgesetzes bzw. der Verfassung. Aber wozu soll man heute noch seinen Kopf hinhalten? Für diese ganz offensichtliche Misere und das ganze Politikschlamassel? Viele Soldaten fragen sich das, keiner ist so dumm, egal welcher Dienstgrad, all die Widersprüche nicht zu sehen. Was ist mit Themen wie Sommerzeit und Winterzeit? Was ist mit Themen wie Genitalverstümmelung von Frauen weltweit? Wollen wir den Tätern nicht endlich mal die Eier langziehen? Ich bin es auch leid, alles präzise und sachlich, mit guten empirischen Belegen, mit Logik oder mit vorsichtiger Zurückhaltung zu kommentieren, weil oft nur Brachialquatsch zurückkommt. Ich komme mir vor wie in einem Rettungsboot das ein Loch hat und einige versuchen ständig ein zweites Loch zu bohren, denn dort würde das Wasser ja wieder rauslaufen. Ich will es dabei belassen und zu jedem einzelnen Grundgesetzartikel meinen Kommentar abgeben.

Warum ich überhaupt auf diesen Gedanken gekommen bin? Es ist die Hilflosigkeit des Einzelnen Veränderungen herbeizuführen, weil im Prinzip fast niemand zuhört oder ins Handeln kommt, egal wie klug oder sinnvoll oder durchdacht die Vorschläge sind. Man muss das anders anpacken. Also lasst alle 80 Millionen an einem Projekt mitschreiben. Es wird niemand ausgeschlossen, jeder kann mitschreiben und mitdiskutieren. Wie oft wurde schon über das Schließen von Steuerschlupflöchern gesprochen, seit ich denken kann gibt es diese Diskussionen. Was ist passiert? Nichts! Wie oft wurde schon über die Vereinfachung des Steuersystems gesprochen, seit ich denken kann gibt es diese Diskussionen. Was ist passiert? Nichts! Im Gegenteil, es wird immer komplizierter, ungerechter und unverständlicher.

Aber am wichtigsten ist: Dass die Leute Bock haben mitzumachen. Ich hoffe, dass so ein Projekt jeden anzieht. Jeder ist gleichberechtigt. Der Professor genauso wie der Papst/Päpstin, der/die Mechaniker-/in und auch Diebe und Diebinnen.

Präambel: Hier missfällt mir die Verwendung von „Gott“. Auch könnte man eine Präambel besser schreiben, ohne eine Aufzählung von Bundesländern, sondern allgemeiner und prägnanter. Warum auf Europa reduzieren? Warum soll eine geografisch-juristisch-fiktive Grenze die Menschen trennen? Brauchen wir eine Präambel, ein Deckblatt? Ich denke schon, aber auf dieses schlecht formulierte Deckblatt bin ich nicht besonders Stolz.

Artikel 1: Menschenwürde. (Hinweis: In einem normalen Gesetz heißt es Paragraph, im Grundgesetz nennt man die Paragraphen Artikel)

Artikel 2: Körperliche Unversehrtheit und Freiheit. Eigentlich hatte ich nach Datenschutz gesucht, aber diesen Artikel gibt es so nicht im Grundgesetz. Überhaupt fällt auf, dass vieles vermischt wird. Zum Beispiel hätte ich mir das Recht auf körperliche Unversehrtheit als eigenen Artikel gewünscht, denn was regt uns denn alle bitte mehr auf, als die Ausübung körperlicher Gewalt? Wer möchte auf der Straße oder in der Schule einfach so eins auf die Nase bekommen? Aber eigentlich wollte ich das Thema Datenschutz ansprechen: Beim Ummelden meines Wohnsitz bekam ich eine Zettelsammlung, in der meine Adresse weitergegeben wurde, zum Beispiel an Bundeswehr, an Religionsgemeinschaften, an Parteien, an Adressbuchverlage usw. (sinngemäß verkürzt, es ist alles deutlich komplizierter). Ich könne ja Widerspruch gegen jeden einlegen. Ja, soll ich jetzt bei sagen wir 100 Adressweitergaben erstmal umständlich jeden prüfen und all die gesetzlichen Querverbindungen kennen? Es gibt zwar Löschungsmöglichkeiten, aber wie kann ich mir über die Löschung sicher sein, wenn nicht doch irgendeine Gesetzesquerverbindung irgend jemandem die Weiterspeicherung erlaubt? Als Lösung sehe ich hier nur eins: Erst einmal kriegt niemand meine Daten. Nur für ganz wenige Ausnahmen, z. B. dass die Polizei weiß wo jemand wohnt, gibt es Ausnahmen im Gesetz. Aber die Kirche bekommt meine Daten beim Umzug? Sorry, nein. Was jeder freiwillig herausrückt ist natürlich ihm selbst überlassen.

Bei Kurzüberfliegen des gesamten Grundgesetzes fällt auf: Da steckt ganz schön viel überflüssiger und historischer Ballast drin, besonders im hinteren Bereich. Auch gibt es für Einzelpersonen wie den Bundespräsidenten mehrere Artikel. Das kann alles raus, vereinfacht und verschönert werden. Auch angeschlossene Gesetze gehören überprüft. Man kennt das AGG, das Anti-Diskriminierungsgesetz, aber in Paragraph 9 finde ich eine Ausnahme für die Kirche. Toll! Hat man es mal wieder mit Lobbyarbeit geschafft. Obwohl im Grundgesetz klipp und klar steht: Niemand darf wegen seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Die Kirche als Institution gehört komplett aus der Verfassung raus. Natürlich kann jeder glauben was er will, ist doch klar, jeder darf auch so religiös sein wie er will, auch klar, aber er soll dadurch nicht Vorteile in der Verfassung genießen dürfen. Die Religion bzw. der Glaube ist vollständig durch die Meinungsfreiheit abgedeckt, man braucht keinen Extra-Artikel im Grundgesetz.

Dieser Google+ Blogartikel wird fortlaufend weitergeschrieben und aktualisiert, so wie alle meine Blogartikel. Es macht mir einfach mehr Spaß ihn "live" zu schreiben als ihn auf meiner Festplatte zu schreiben.

Die endgültige Wahrheit: Was ist Geld?

Um herauszufinden was Geld ist, muss man das Thema von der Wurzel her packen. Dann dröselt man das Thema so kleinschrittig wie möglich auf und arbeitet sich hoch bis zur Baumkrone. In diesem Artikel erkläre ich mir selbst wie Geld funktioniert und versuche dabei mich nicht selbst zu bescheißen. Seit 10 Jahren, also ungefähr seit der Finanzkrise, will ich wissen was Geld ist. Viele wollen das, aber jeder steckt auf einer anderen Erkenntnisstufe fest, von der er selbst glaubt, es wäre „Die Wahrheit über Geld“. Prof. Otmar Issing, Direktor in Bundesbank und EZB, eine Autorität in der Geldtheorie, schreibt in seinem Buch gleich am Anfang, Geld ist ein Tauschmittel. Am liebsten wollte ich das Buch gegen die Wand werfen. Tauschmittel? So einfach machte er es sich also? Heute glaube ich zu wissen warum er das schreibt. Es bestand vorher eine sehr gute Gütertheorie, die alles erklärte, außer Geld. Also erklärte man Geld zum Gut und das Geld-Gut tauschen wir munter gegen die Ware. Schwupps, eine Geldtheorie ist geboren. Die erklärt zwar aus meiner Sicht fast nichts, aber ok. Dann gibt es andere Leute, die glauben der Zins wäre das Übel, ein wucherndes Krebsgeschwür. Auch hier wird vergessen, dass Kredite getilgt werden und Tilgung heißt: Verschwinden. Alles was getilgt wird, verschwindet. Da „Zins“ nichts weiter ist, als ein anderes Wort für „neuer Kredit“, verschwindet er auch bei seiner Tilgung und was verschwunden ist, darf natürlich nicht mehr als Berechnungsgrundlage verwendet werden. Aber aus irgendeinem kognitivem Grund verstehen diese Leute das nicht. Der Jesuspfennig wird nie getilgt, das ist der Denkfehler. Der Jesuspfennig beschreibt nicht die Realität, sondern ein materielles Anhäufen von Gütern, also Güterzins und damit genau den Erklärfehler den schon Ottmar Issing macht. Geld ist eben kein Gut, das „einfach so da ist“ und munter „getauscht“ wird. Man könnte ja mal fragen, wieso es eigentlich „weg“ ist, dieses Geld, wenn es doch ein „Tausch-Gut“ ist. Oder man könnte fragen, wie es eine Bürgerin in einer Talkshow machte, woher denn all diese Hunderten Milliarden Euro für Banken und Eurosüdländer herkommen, wo uns doch jahrzehntelang gesagt wurde, es ist kein Geld für Schulen und Kindergärten da. Auch ich habe früher den ganzen Schmarrn mit Gold und Silber, Zusammenbruch des Geldsystems, Jesuspfennig usw. geglaubt. Sogar eine Menge Geld in Gold, Silber und Minenaktien investiert. Viel gewonnen, da man ja nur auf den allgemeinen Weltuntergangszug aufgesprungen ist. Ein steigender Kurs ist ein unglaublicher optischer Magnet für den „Beweis“ der eigenen Theorien. Ich habe damals allen erzählt, sie sollen Silber und Gold kaufen. Ist mir schon etwas peinlich heute, wie ich den Leuten auf die Nerven ging. Zum Glück schrieb ich damals noch nicht im Internet. Ich kann aus meiner Erfahrung sagen, schreibt nicht zu früh im Netz, egal zu welchem Thema, denn eure Meinung wird sich ändern, ihr werdet dazulernen und dann steht halt für ewig noch der alte, meist sehr emotionale Mist da, mit eurem Namen. Schreibt daher am Anfang am besten immer anonym. Oder lest, lest, lest, ohne zu kommentieren, denn alle „Geldemotionen“ wurden schon in allen abertausend Variationen kommentiert. Ihr fügt mit einem „Die Banken sind Abzocker“ der Welt keine Neuigkeit mehr zu. Außer es ist euch eh alles egal und ihr wollt das ganze Internet vollmüllen, vollspammen, volljammern und vollemotionalisieren. Es gibt andere Professoren, die versuchen Geld aus dem Eigentum heraus zu erklären. Dies ist zwar auch nicht ganz korrekt, hat mich aber etwas näher an „die Wahrheit“ gebracht, denn der Begriff „Eigentum“ führt dazu, sich mal näher mit unserem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) zu beschäftigen. Heute weiß ich, dass man Geld aus dem Rechtssystem her erklären sollte, also aus einer juristischen Sicht. Auch werde ich zu erklären versuchen, welche Einheit denn nun das Geld hat, und vor allem, wie man sicherstellt, dass sich die Einheit nicht verändert. Man stelle sich vor, das Urkilogramm oder das Urmeter in Paris würden sich nach Lust und Laune halbieren oder verdreifachen, die Physik wäre ein Chaos. Meine Erklär-Taktik ist folgende: Ich werde vom Urschleim her, also von einem „Einsame Insel“ Modell ganz langsam und kleinschrittig aufdröseln wie Geld entsteht. Dabei versuche ich nichts auszulassen.

Fangen wir an. Meine vorläufige Hypothese:

Geld ist ein Dreifachbegriff, er enthält drei Unterbegriffe.

1. Das Ding: Es ist ein materielles Objekt notwendig, entweder Muscheln, Perlen, Gold, Scheine oder Bits. Jedenfalls etwas Materielles, wobei materiell extrem weitgefasst ist, man muss halt irgendwie darauf zeigen können, einen Übergabeort festlegen können. Auch die Schallwellen aus ihren Mund sind materielle Objekte, falls sie bei der Übergabe zum Beispiel eine „geheime Nummer“ aufsagen sollen. Soll diese geheime Nummer vorgezeigt werden, dann besteht halt die Druckertinte aus materiellen Objekten. Soll diese geheime Nummer durch den Computer gesendet werden, müssen ihre materiellen Bits (Ihre Daten) genau so beschaffen sein, wie der Empfänger es erwartet. Also 100101010011 usw. Aber irgendetwas „dingliches“ müssen sie am Übergabeort vorweisen können.

2. Der doppelseitige Willensakt: Es bedarf der Willensübereinkunft von zwei Menschen, z. B. zwei Indianern, die sich auf das oben genannte Ding bezieht (einen Vertrag machen). Die Willensakte überziehen das Ding mit einer Art unsichtbarem juristischen Glanz, der durch den Willensakt aufgetragen wird und nach Beendigung des Willensaktes verschwindet (bei Vertragsauflösung). Das Objekt merkt davon nichts. Das Verschwinden wird Tilgung genannt und der doppelseitige Willensakt Kreditvertrag. Das Objekt verschwindet nicht, sondern der Willensakt. Natürlich kann man nach der Tilgung, also nach dem Verschwinden des Willensaktes, mit dem Objekt machen was man will, auch vernichten oder schreddern.

3. Der Rechtsstaat: Eine dritte, unabhängige, neutrale Instanz, welche die Einhaltung der Willensbedingungen überwacht. Zum Beispiel der Häuptling, der Dorfälteste oder heute der Rechtsstaat. Es sollte eine dritte Person sein, es kann aber auch das Gegenseitige Überwachen von den zwei Vertragspartnern sein, solange sie in etwa „gleichstark“ sind. Allerdings ist dies sehr unsicher, am besten ist immer eine dritte, neutrale, durchsetzungsstarke Instanz. Heute sind das Richter, Staatsanwälte, Polizei, BGB, Grundgesetz usw. Früher hat sich der Häuptling eben durch Manitu oder Gott noch stärker gemacht, vielleicht auch aus der Not heraus, Gerechtigkeit durch Neutralität + Durchsetzungsstärke zu schaffen. Vielleicht ist dies ein Mitgrund für das „Erfinden“ von „Gott“ gewesen. Auch benötigt man eine Art Schrifttum, um die vielen kleinen Verträge auch im Kopf zu behalten und „gerecht“ zu entscheiden. Ab einer gewissen Menge und Zeitdauer entgleitet sonst der neutralen Instanz ihr Speichervermögen und wie wir alle wissen, ist der Kopf kein besonders genauer Erinnerungsspeicher. Also lieber die Schrift erfinden und alles notieren.

Dann ist es Geld. Fehlt eines von den oben genannten Unterbegriffen, besonders die ersten beiden, dann ist es kein Geld. Verwendet einer also das Wort „Geld“ und meint z.B. nur das Ding, dann hat er schlichtweg etwas vergessen. Das ist meine auf den Kern reduzierte Beschreibung von Geld.

Bitte diesen Artikel nicht innerhalb von Google+ verlinken, ich schreibe ihn nach und nach weiter, wenn ihr ihn innerhalb von Google+ verlinkt dann wird der verlinkte Text nicht mitaktualisiert. Ich weiß nicht warum Google+ das nicht mitaktualisiert, vielleicht wird das noch geändert. Dieser Originaltext hier ist immer aktuell, ich schreibe ihn nach und nach fort, es macht mir einfach mehr Spaß ihn live zu aktualisieren als ihn auf meiner Platte zu schreiben. Also nochmal: Nicht innerhalb Google Plus mit der Google-Plus Verlinkungsfunktion verlinken. Einfach so verlinken mit der URL oben geht natürlich schon.

Ein Indianer auf einer einsamen Insel. Würde er „Geld“ erfinden? Vermutlich nicht. Es würde ihm reichen zu überleben. Aber er könnte einen Hund als Haustier haben und mit diesem eine Art Vertrag eingehen. Ich gebe dir Futter und du gibst mir Sicherheit vor wilden Tieren. Er könnte auch aus Neugier in den Berg gehen und etwas Goldkörner herausholen, die glänzen so schön. Ist er ein strafausgesetzer Indianer, der schon vorher das Konzept Gold und Reichtum kannte, wurde er wahrscheinlich anfangen seine Goldkörner zu bunkern, also eine Art Konzept wie Eigentum entwickeln.

Dies soll als Einstieg genügen, jetzt dröseln wir mal alles ganz langsam auf. Nähern wir uns dem Begriff Tausch. Er ist nicht so naiv (naiv im Sinne von simpel), wie er zunächst scheint. Vor dem realen Tauschakt muss jeder der beiden Tauschpartner erst einmal in Gedanken durchspielen, was er denn überhaupt beabsichtigt. Dies hat er dem anderen mitzuteilen, mündlich zum Beispiel. Dann erst kann der reale Tausch erfolgen, gerne auch zeitversetzt, aber das wurde ja bereits vorher in dem Gedankenspiel durchgeprobt, welches dann mündlich oder schriftlich festgehalten wird. Ein Tausch besteht also aus zwei Unterbegriffen, einmal dem Austausch von gedanklich durchgeprobten Bedingungen für den Tausch und anschließend dem wirklich realen Tausch. Ein Außerirdischer von weit oben würde nur den realen Tauschakt sehen, Kokosnuss gegen Huhn, aber die gedankliche Tauschvereinbarung (die gedankliche Tauschvorbereitung) bliebe ihm verborgen, denn die ist fast unsichtbar und muss auch nicht zwingend immer kurz vorher sein, man kann ja gedanklich mit dem anderen vereinbaren, man tausche erst in einer Woche. Es ist in historischen Erklärungen zum Thema Geld oft davon die Rede „Geld ist aus dem Tausch entstanden“. Aber was genau meint derjenige? Meint er nur die reale, physikalische Übergabe? Dann würde aber auch der Atlantik mit dem Pazifik an Kap Hoorn ständig tauschen. Da im Wasser eine geringe Menge Gold enthalten ist, sogar Gold gegen Fische.

Ein kurzer Schwenk zum Begriff Eigentum. Jemand klaut mein Fahrrad und fährt damit weg. Er ist jetzt Besitzer meines Fahrrads. Aber Eigentümer bleibe ich. Ich sitze auf einem Stuhl. Ich bin definitiv der Besitzer. Wer Eigentümer ist, weiß ich nicht. Wer also, jetzt gerade, im Moment des Sprechens, die Verfügungsgewalt über etwas besitzt, ist Besitzer. Ein Hund der einen Fleischknochen im Mund hat, ist Besitzer dieses Knochens. Eigentümer des Knochens bin ich. Warren Buffet, einer der reichsten Menschen der Welt, war nie der Besitzer von den meisten Objekten von denen er Eigentümer ist. Er ist Besitzzwerg aber Eigentumsriese. Die andere Menschen ausschließende Verfügungsgewalt des Besitzers scheint mir der Kern zu sein. Man stelle eine Welt vor, in dem einem König, dem Eigentümer, alles gehört. Seine Untertanen sind Besitzer, er ist Eigentümer. Er braucht natürlich eine Art Polizei die sein Eigentum schützt. Hätte Warren Buffet sehr viele, sehr lange, sehr kräftige Tentakel, müsste nicht schlafen und hätte ein sehr gutes Gedächtnis, dann bräuchte er den Begriff Eigentum nicht, denn er könnte rund um die Uhr seinen Besitz verteidigen. Wir brauchen also schon allein deshalb den Begriff Eigentum, weil wir auch mal schlafen müssen und dann jegliche Verfügungsgewalt über unseren Besitz verlieren.

Der Begriff immaterielle Güter ist seltsam. Eine Kundendienstleistung an einem Auto besteht eindeutig aus materiellen Objekten, ein materieller Mechaniker, der materielle Werkzeuge in die Hand nimmt, um das materielle Auto zu reparieren. Für einen Friseurbesuch gilt das Gleiche. Auch Bilder, Töne, Texte und Videos bestehen aus materiellen Objekten und mit physikalischem Mess-Aufwand könnte man auch eine zeitliche Reihenfolge festlegen, in der die „Kopien“ eines Textes erstellt wurde. Woran also besteht genau das Eigentum, das geistige Eigentum? Es kann sich nicht mehr auf ein einzelnes Objekt beziehen, sondern auf die Form die kopiert wurde. Denn das alte Objekt ist ja noch da, keinem wurde sein Original-Text weggenommen, rein materiell gesehen. Besitzer des Originals bleibt man auf jeden Fall. Aber die Anordnungsform wurde übertragen. Der neue Text besteht aus anderen Atomen, aber seine Form entspricht der Anordnung der anderen Atome vom Originaltext.

Besitzer bezieht sich also auf eine direkt vor mir liegendes Buch (ich kann zusätzlich natürlich auch noch Eigentümer sein). Eigentümer bezieht sich auf ein Buch das in Paris liegt und mir gehört. Geistiges Eigentum bezieht sich auf die Form meines Buches, also die Anordnung der Buchstaben relativ zu den anderen Buchstaben.

Bevor zwei Menschen wirklich real die Objekte tauschen, haben sie im Kopf ein gedankliches Bild, wie denn dieser Tausch ablaufen soll. Dieses Bild wird mündlich oder durch Körpersprache ausgetauscht, beide sind einverstanden und tauschen, und vergleichen den abgeschlossenen Tausch mit dem gedanklichen Bild. Ähnlich macht es ein empirisch forschender Physiker. Er behauptet alle Äpfeln fallen nach unten, dieses Gedankenbild beschreibt er anderen und diese sagen, gut, dann zeig es mal in der Realität. Dort werden die realen Äpfel fallen gelassen und alles stimmt mit dem vorherigen gedanklichen Bild überein. Ein Arzt beschreibt gedanklich seinen Kollegen, dass sein Arzneimittel Krebs heilt. Die Ärzte wissen im Kopf wie geheilter Krebs aussehen muss. Es wird also die Arznei real gegeben und der Krebs ist real weg. Es ist also alles so gekommen wie der Arzt vorher in Gedanken beschrieben hat und die anderen konnten seine Gedanken auch im Kopf aufrufen, um später das Ergebnis in der Realität zu finden.

Nehmen wir mal an, zwei Indianer tauschen einfach Ding gegen Ding, ohne jemals an „Wert“ oder „Preis“ oder „Menge“ oder „Größe“ zu denken. Ziel ist nur der Tausch, Ding gegen Ding. Man wäre beim Tauschen völlig klar im Kopf aber vorher, also im Dorf, wo man den Entschluss fasst, dort wäre man als wahnsinnig einzustufen. Da man ja gar nicht vorher den Wert beachtet hätte. Ein Huhn gegen einen Goldklumpen, das wäre doch dumm, sagen die anderen. Aber wenn derjenige trotzdem losmarschiert zum Tausch und dort alles regulär abspielt, dann wäre der Tausch vollzogen.

Man könnte auch vereinbaren, Nichts gegen ein Hochhaus zu tauschen, dem Gegenüber reicht die Übertragung der Schallwellen von dem Wort „Nichts“ gegen das Hochhaus. Wäre seltsam aber korrekt. Beide müssen einfach nur das erfüllen, was vorher in dem gedanklichen Bild vom späteren Tausch vereinbart wurde. Ebenfalls müssen sie Besitzer (vor Ort) oder Eigentümer (falls weiter weg) sein. Es wäre sogar möglich als Nicht-Eigentümer aber Besitzer eines Gegenstandes (Diebesgut) diesen zu tauschen, wenn dies vorher vereinbar wurde. Vielleicht steht der Tauschpartner ja auf Ärger. Der Tausch selbst war korrekt. Aber bevor ich mich hier verheddere schwenke ich mal kurz zum Geld.

Zwei junge Indianer tauschen nicht direkt, sondern zeitversetzt, sagen wir mal der Einfachheit halber um 50 Jahre versetzt. Sofort denkt man, das sollten die zwei sich aufschreiben. Der eine bekommt eine Kuh und der andere bekommt 50 Jahre versetzt ein Pferd. Dies wird erst gedanklich vereinbart und dann kriegt der eine sofort die Kuh und der andere wartet 20.000 Monde. Logischerweise kann das Pferd noch gar nicht existieren. Die Atome des Pferdes schon, nur die spezielle Anordnung nicht, so dass wir sagen würden, das ist ein Pferd und kein Sack Futter. (Lol, ich habe gerade gegoogelt, es scheint tatsächlich sehr seltene Exemplare zu geben die so alt wurden. Aber hier geht’s ja ums Grundprinzip. Auch ein noch zu bauendes Haus steht ja noch nicht beim Tausch.) Die beiden schreiben also auf einen Zettel, dass der eine in 50 Jahren noch ein Pferd besorgen muss.

Der Pferdeschuldindianer sollte dies nicht an die große Glocke hängen. Denn sonst würde man in 50 Jahren extra künstlich die Pferde knapp halten (als Besitzer nicht so leicht, als Eigentümer schon viel leichter, er könnte ja Bodeneigentümer werden und alles Getier auf dem Boden ist seins, dann muss er als Besitzer nicht jedes Pferd auf der Welt umständlich einsammeln um zu verknappen), weil er unbedingt eins braucht. Andererseits könnte einige denken, hey der braucht ein Pferd, dann verkaufen wir ihm eins und produzieren extra ein Pferd, denn so ohne Pferd würden sie gar kein Geschäft machen. Auch sollte sich der Pferdeschuldindianer an einen Pferdehofbesitzer wenden, denn nur der kann ziemlich sicher garantieren auch ein Pferd in 50 Jahren parat zu haben, außer man wäre selbst als Pferdejäger darauf spezialisiert. Aber in unser heutigen Welt ist praktisch alles durch Eigentum dem Zugriff entzogen, das Pferd ist zwar da, aber ich kann es nicht nehmen, so wie früher im germanischen Wald.

Der Pferdezettelindianer kann dagegen sagen, hey Leute ich bin der Größte, ich krieg bald ein Pferd.

Gut jetzt mal zum Zins. Es heißt oft, derjenige muss ja 50 Jahre auf sein Pferd warten, also müssen es nicht 1 Pferd sondern 10 Pferde sein, als Ausgleich für den Verlust, dass er 50 Jahre lang nicht mit einem Pferd durch die Gegend reiten kann. Gut, aber es könnte auch sein, das er nur in 50 Jahren ein Pferd braucht, weil er da irgendwo hin reiten will und es wäre extrem aufwändig ein Pferd selbst 50 Jahre lang zu füttern und zu hegen, daher dann doch lieber erst in 50 Jahren eins bekommen. Deshalb kann auch das Paradoxe passieren, dass einer 10 Kühe sofort bekommt und in 50 Jahren nur 1 Pferd zurück übergeben muss, weil Pferdzucht sehr aufwendig ist. Das heißt, der eine verliert 10 Kühe und kann 50 Jahre kein Pferd nutzen, der andere bekommt 10 Kühe und muss erst in 50 Jahren 1 Pferd übergeben. Aber egal wie man es dreht und wendet, sie werden vor dem Tausch ein gedankliches Bild über die Zukunft machen, sie werden sich miteinander abstimmen und sie werden dann die beiden Objekte (oder Objektmengen) übergeben, hier in diesem Fall zeitversetzt. Man würde dies hier wahrscheinlich Güterzins nennen. Obwohl es auch hier schon juristische Elemente gibt, schließlich muss jemand das Ganze überwachen, zum Beispiel der germanische Stammesälteste. Gut, es gab wenig Indianer in Germanien, aber Karl May war ja auch nie in Amerika (nur kurz vor seinem Tod einmal). Old Shatterhand und er wären dieselbe Person, behauptete Karl May. Pfft, was für eine Güterzinsliteratur. Erst später sagte er, es wäre alles nur symbolisch.

Ok, nennen wir ihn Güter-Zins, nennen wir in Materie-Zins, wie auch immer, jedenfalls soll am Übergabeort etwas übergeben werden. Was ist dann Geld-Zins? Nach meiner obigen Definition, die 3 Unterbegriffe enthält, ein sehr kompliziertes Gebilde. Kann man meine Definition überhaupt übergeben? Weil die Übergabe des Pferdezettels (ein atomarer Haufen Papier) übergibt ja nicht all das Brimbamborium drum herum.

Was soll eigentlich am Ende rauskommen?

Eine Formel, die eine Vorhersage macht. Dazu bedarf es Einheiten.

Eine Definition. Eigentlich weniger wichtig, die Vorhersage muss stimmen.

Alle (z. B. juristischen) Voraussetzungen herausgraben, die für „Geld“ existieren müssen. Vielleicht reicht es zu sagen, die und die Voraussetzungen müssen existieren und danach darf man gefahrlos nur mit den Geld-Dingen hantieren.

Information des Deutschen Bunten Tages und der Zeh Tee Uh an alle Bürger:
Das Forderungslose Unglaublich Charmante Krundeinkommen (kurz FUCK) wurde gem. Gesetzblatt 01/2017 eingeführt.

1.000 EURO für Alle!
Jeden Monat neu!
Es ist Finanzierbar!

Details zur Einführung finden sie auf dem Blog von Stephan Goldammer, einem der besten und bescheidensten Blogger weltweit, im ganzen Universum und allen angeschlossenen Paralleluniversen.

Wie funktioniert das Bedingungslose Grundeinkommen (BGE)?

1. Das BGE wird jeden Monat an jeden Menschen ausgezahlt, aber niemand erhält es obendrauf. Das BGE ist kein zusätzlicher „Bonus“, sondern wird in bereits bestehenden Einkommen (Lohn, Hartz4, BAföG, Wohngeld usw.) unten hinein integriert und ersetzt diesen unteren Teil vollständig. Ein heutiger Lohn von 3.000 Euro setzt sich dann aus (unten) 1.000 Euro BGE und (oberhalb) 2.000 Euro Lohn zusammen. Ein heutiger Lohn von 10.000 Euro setzt sich dann aus unten 1.000 Euro BGE und oben 9.000 Euro Lohn zusammen. In Summe bleibt alles erstmal gleich, würde man nicht detailliert seine Lohnabrechnung lesen, würde man gar nichts bemerken. Kurz: Jeder erhält das BGE und der Lohn beginnt erst ab 1.000 Euro. Noch kürzer: Das BGE kostet gar nichts, weil es bei niemandem oben drauf kommt. Bis auf einen kleinen Teil an Menschen, die heute zum Beispiel 800 Euro durch Hartz4 erhalten, diese 200 Euro müssten finanziert werden, allerdings sind 1.000 Euro auch nur beispielhaft, um eine runde Zahl zum im-Kopf-rechnen zu haben, die reale Zahl wird in etwa so lauten "927,56 Euro", aber wer will schon mit so krummen Beträgen rechnen, wenn es erst einmal nur ums Grundprinzip geht.

2. Jeder der arbeitet, hat dadurch immer mehr auf der Hand, als jemand, der nicht arbeitet. Dieser Grundsatz funktioniert beim BGE vollautomatisch, es geht konstruktionsbedingt gar nicht anders. Jeder erarbeitete Euro kommt immer auf das BGE oben drauf. Keine Anrechnung, Umrechnung oder Verrechnung mit Sozialhilfen, BAföG, Renten, Vermögenssituationen usw. Kurz: Jeder erarbeitete Euro kann lebenslang angehäuft und angespart werden, ohne Papierkram und komplizierte Verrechnungen. Denn die neue Lohnuntergrenze ist 1000 Euro (das ist das neue "0 Euro"), so wie heute 0 Euro tatsächlich 0 Euro sind. Tiefer als 1.000 Euro kann keiner mehr fallen. Natürlich werden sich die Löhne neu einpegeln, es ist nicht gesagt, dass jemand der vorher 10.000 Euro Lohn hatte (im BGE-System also 1.000 Euro BGE und 9.000 Euro Lohn) immer noch seine 10.000 Euro erhält, da natürlich alle Löhne (auf Augenhöhe) neu verhandelt werden. Ist der Briefträger mit 1.200 Euro soviel weniger Wert wie der Postdirektor mit 10.000 Euro? Das BGE wird es zeigen.

3. Die gesamte Sozialbürokratie fällt vollständig weg. Zum Beispiel: Sozialhilfe, Studienkredite, Hartz IV, Wohngeld, BAföG, Kindergeld, Unterhalt, Erziehungsgeld, Büchergeld, Aufstocker, Kombilohn, Gutscheine für Musikunterricht, Lebensmittelmarken, 400 Euro Jobs, Elterngeld, 1-Euro Jobs, "Herdprämien", Betreuungsgeld, Midi-Jobs, Mini-Jobs, Mikro-Jobs, Nano-Jobs... Kurz: Der gesamte Papierkram zwischen 0 und 1.000 Euro existiert nicht mehr.

4. Mit BGE kann jeder den individuell richtigen Lohn aushandeln. Briefträger, Putzfrauen oder Kellner haben durch das BGE eine wirksame Argumentationshilfe und können sagen: „Leg mir ordentlich was auf den Tisch, oder tschüss.“ Arbeitgeber und Arbeitnehmer treffen sich auf Augenhöhe, der heutige Niedriglohnbereich ist automatisch verschwunden, außer man arbeitet freiwillig für 1 Euro. Kurz: Mit BGE ist jeder seine eigene Gewerkschaft. Wer also freiwillig bei den Grauen Panthern arbeiten will (Seniorenhilfe) und die leider nur 1 Euro im Monat zahlen können, dann kann man dies tun, dann hat man am Monatsende 1001 Euro. Heute hätte man 1 Euro am Monatsende.

5. Durch ein BGE ist in Summe nicht mehr Geld vorhanden. Daher muss sich das unternehmensinterne Lohngefüge ändern. Was unten mehr verlangt wird, muss beim Chef runter. Umlegen auf die Preise geht nicht, da in Summe nicht mehr Geld vorhanden ist, bei Preisverdoppelung würden den Unternehmen schlichtweg die Hälfte der Waren liegenbleiben. Außerdem verhindert die marktwirtschaftliche Konkurrenz eine Preiserhöhung. Wenn bei der Deutschen Post die Briefträger nicht mehr kommen, hat der Vorstand nicht 10 Millionen Gehalt, sondern genau 0 Millionen. Man wird sich daher sofort zusammensetzen und faire Löhne aushandeln, denn ohne Mitarbeiter kann das Millionengehalt der Vorstände nicht erwirtschaftet werden und die Post wäre am selben Tag insolvent. Kurz: Chef-Sprüche wie „Wir sind ein tolles Team“ bekommen endlich eine monetäre Bedeutung. Ich wiederhole nochmal: Durch ein BGE haben wir nicht mehr Geld. Der Gesamtkuchen ändert sich nicht, er wird nur anders aufgeteilt. Das BGE ist, wie eigentlich jedes Steuerverfahren, eine veränderte Aufteilung, kein "Erschaffen von mehr Geld". Das BGE ist ein Teilungsverfahren, kein Drucken von Geld.

6. Das BGE kann man nicht „missbrauchen“ oder „erschleichen“. Jeder erhält das BGE. Das BGE hat nichts mit Bedürftigkeit zu tun, man muss nicht arm sein um ein BGE zu erhalten. Die „Echt Faulen“ (ich habe starke Schwierigkeiten mit dem Begriff, vorsätzlich grundfaul ist so gut wie niemand, situationsabhängig faul sehr wohl, oft auch als Schutzfunktion gegen miese und ungerechte Zustände) bezahlen wir bereits heute, so oder so. Aber mit BGE hat endlich der Arbeitswillige eine wirksame Argumentationshilfe und kann bei von ihm so empfundenen Niedriglöhnen „Nein“ sagen.

7. Um es bürokratisch so einfach wie möglich zu machen, bekommen alle das BGE, auch Superreiche. Denen wird es aber über die Steuer wieder abgezogen. Dies ist einfacher als erst bei jedem zu prüfen, ob er reich ist. Hat man nur eine zu prüfende Eigenschaft, muss man schon umständlich 80 Millionen auf "Reichheit" prüfen.

8. Das BGE wird fest-prozentual an das Volkseinkommen gekoppelt. Daher schwankt es jedes Jahr, je nachdem wie sich unser Volkseinkommen ändert. Das ist aber fair, denn wenn wir alle reicher werden, steigt das BGE, werden wir alle ärmer, sinkt das BGE. Auch vollautomatisch, da 50 % zwar immer feste 50 % bleiben. Aber 50 % vom großen Kuchen sind mehr als 50 % vom kleinen Kuchen.

9. Oft heißt es: Wir haben doch so viele Schulden, wie können wir da ein BGE bezahlen? Antwort: Schulden sind kein Loch, welches man erst auffüllen muss, damit man sich etwas leisten kann. Das BGE wird nicht durch Neuverschuldung finanziert, das wäre der absolute Wahnsinn. Aber wie soll man es den Leuten auch verdenken, dass sie es nicht verstehen. Ich habe gerade vor mir ein Lösungsheft für Wirtschafts- und Sozialkunde und man soll brav ankreuzen, dass Arbeitslosigkeit ein Problem ist und eine Bedrohung darstellt. Nirgendwo kann man ankreuzen, dass Einkommenslosigkeit das Problem darstellt. Ich soll also brav die herrschende VWL-Lehr-Meinung wiedergeben. Aber müßiggängerische Millionenerben zeigen, nicht Arbeitslosigkeit ist das Problem. Es ist das fehlende (Grund-)Einkommen. Das Arbeitslosigkeit ein Erfolg ist, kann ich auch nicht ankreuzen, das Feld fehlt. Aber ich kann ankreuzen, dass ich Riestern soll, das ich Kapitallebensversicherungen abschließen soll, dass ich Berufsunfähigkeitsversicherungen abschließen soll...

Ihr Bürger seid zu dumm.

Ich bin reich geboren, sehr reich. Arbeiten musste ich nie. Wenn doch mal kritische Fragen kamen, ging ich auf ein Charity-Event und verteilte Geld. Ich hatte ja genug. So brachte ich fast alle zum Schweigen. Steuern zahlte ich nie. Über die Jahre waren die Steuergesetze so kompliziert geworden, dass von mir gutbezahlte Steuerberater immer ein Schlupfloch fanden. Ich lachte mir oft still ins goldene Fäustchen, wenn der kleine Bürger auf den noch kleineren Bürger schimpfte, wo ich doch in Steueroasen keinen Cent abdrückte. Der einfache, hart arbeitende Mann von der Straße merkte nicht, dass Kompliziertheit ein Bonus für Reiche ist. Wer Geld hat, kann sich von Kompliziertheit freikaufen. Aber die Einzelfallgerechtigkeitsideologie des durchschnittlichen Deutschen verbietet ihm Einfachheit. Oft habe ich auf Facebook schon diskriminierende Äußerungen getätigt, aber im Gegensatz zu den armen Schluckern, die nach Shitstorms gekündigt werden, kann ich nicht gekündigt werden. Ein gekündeter KFZ-Lehrling (wisst ihr noch, der Porsche Lehrling, weil er Flüchtlinge beleidigt hatte) belastet nach seiner Kündigung auch noch die Arbeitslosenkasse. In die ich übrigens niemals eingezahlt habe. Früher, in der Schule, zogen die armen Schüler hinter dem Lehrer Grimassen. Ich zog hinter den armen Schülern Grimassen. Mir wird beim Arzt ein Kaffee angeboten, er redet sehr lange mit mir, ich kann aussprechen. Mir tun die AOK-Kassenpatienten fast leid, dürfen netto nur 10 Sekunden sprechen und fliegen nach einer Minute wieder raus. Diese Menschen arbeiten hart und werden doch wie der letzte Konsumdreck behandelt. Ich habe mein Erbe und darf mir den Tag einteilen wie ich will und ich kann kaufen was ich will. Ich lebe länger, bleibe gesünder und werde nicht wie Armutsabfall behandelt. Dafür habe ich andere Probleme. Der Lackkratzer an meinem Ferrari. Der Lackkratzer an meiner Luxusyacht. Der Lack bei meiner Frau (Top-Model natürlich) geht auch langsam ab, ich sollte sie vielleicht mal wechseln. Merke: Frauen sind genauso käuflich wie Ferraris. Aber was wisst ihr armen Schlucker schon davon. Das sind doch nur Perlen vor die proletarischen Säue. Meine Kinder gehen auf die besten Privat-Universitäten, bekommen höchste Abschlüsse, feiern teure Partys, jetten um die Welt, machen monatelange Abenteuerurlaube und kriegen ein fettes Taschengeld von mir. Na gut, eigentlich ist es ja euer Geld, was ich durch das nichtzahlen von Steuern eingespart habe, aber wen kümmern solche Kleinigkeiten. Ihr jubelt ja auch Messi, Ronaldo, Hoeneß und Stephan Goldammer zu, den steuerehrlichsten Personen auf diesem Planeten. Meine Kinder werden niemals jung fürs Vaterland sterben, nie sich elendig im Irak oder Afghanistan über den Haufen schießen lassen, nie für ein Konzept wie „Ehre“ oder „Werte“ ihren Arsch hinhalten. Aber sie werden andere Dinge haben, zum Beispiel einen Doktorgrad. Ein gekaufter Doktorgrad ist kein Problem, für viel Gespende sind Universitäten bereit einen Doktor ehrenhalber springen zu lassen. Als finanzieller König wechselt man einfach die Krone gegen den Doktorhut. Hartes akademische Arbeiten? Nicht wenn du reich bist. Stichwort Harte Arbeit: Meine Putzfrau wollte letztens mehr Geld, von 1 Euro könnte sie nicht leben und ihre Rente wäre damit sehr klein. Ihr Erspartes wäre auch weg, sie wäre da an einen Finanzberater Namens Naschmeier oder so ähnlich (sie ist halt schwarz und spricht schlechtes Deutsch) geraten. Ich habe sie sofort gekündigt und beim Amt angeschwärzt. Lass ich mir doch nicht bieten, so viel Faulheit und Dreistigkeit. Erst wird sie mir durch Hartz4 vom Amt zugeteilt und dann muckt sie auch noch auf? Dabei kann sie hier so viel lernen, Bescheidenheit zum Beispiel. Ich habe mich von 15 Rolls Royce auf bescheidene 10 Rolls Royce reduziert. Die Finanzkrise schlug ja auch bei uns Superreichen hart durch. Aber zum Glück habt ihr ja alle gerettet, ihr fleißigen Deutschen. Mein Geld in Griechenland habt ihr gesichert. Ich hatte mich nämlich komplett verzockt, huuuupps. Danke nochmal Frau Merkel. Ich habe da auch einen schönen Posten in meinem Unternehmen für sie und ihre Mitstreiter, ist natürlich Ehrensache. Ich meine ja nur, sie wollen doch bestimmt mal mit Politik aufhören? Sie wollen doch mal aufhören, oder? Letzte Woche war ich doch glatt an meinem perfekten Privatsandstrand auf Hawaii in einen Stein getreten. Den hat doch bestimmt mein fieser Nachbar hier rübergeworfen. Auch ein Superreicher, Maschmeyer heisst der, glaube ich. Soll wohl mit Finanzprodukten reich geworden sein. Seine Kumpels Rürup und Riester sind oft beim ihm zu Besuch, oft lachen sie laut zusammen. Ich habe fast das Gefühl sie lachen über euch, euch Bürger, denn ihr Bürger seid zu dumm.

Mit freundlichem Gruß
Euer anonymer Superreicher

Argumentiere kurz. Niemand hört dich. Also noch kürzer.

100 Prozent Ehrlichkeit: Oder anders gesagt: Warum Kopieren im Internet scheiße ist. Viele meiner Artikel sind komplett oder teilweise kopiert worden, ohne Quellenangaben, ohne Link und ohne Nachzufragen. Dies ist aus mehreren Gründen unfair und unsinnig. 1. Die digitale Vermüllung: Wenn wir immer alles doppelt und 10-fach und 100-fach Kopieren, dann vermüllen wir das gesamte Internet. Es gibt schon viel zu viele Kopierleichen im Internet. Es reicht eine Verlinkung aufs Original und gut. 2. Die unfaire Aneignung von fremden Gedanken: Wer anderes kopiert und dies nicht deutlich (mit Link, Quellenangabe und Anführungszeichen) kennzeichnet, der gibt fremde Gedanken als eigene aus. Dies ist ziemlich unfair. Der andere hat viel Aufwand betrieben, möglicherweise eine langjährige Spezialausbildung und man selbst tut so, als wäre man ebenso schlau. Dabei ist man nur eine miese Kopierwurst. Oft zu sehen bei der Website gutefrage „Hey Kollegah, ich (!) erklär disch ma persönlich dein Frage“ und dann wird der Text einer Rechtsanwaltshomepage zum Thema Abmahnung vollkopiert. Welche Ironie. 3. Die fehlende Zuordnung: Es zeigt sich, dass bald niemand mehr wissen wird, wer bestimmte Dinge als erster geschrieben hat. Wer hat es gesagt? Das lässt sich meist nur mit sehr viel Mühe herausfinden, oft ist es bei dem hundertfachen Kopieren einfach nicht mehr möglich zu sagen wer der Urheber der Information war. Die Zuordnung ist auch deshalb wichtig, weil der originale Urheber natürlich in den Suchmaschinen nach oben kommen sollte und die Kopierer nicht. 5. Die fehlende Aktualisierung und Verbesserung: Wer kopiert, der aktualisiert die Kopie nicht. Das Original kann sich im Laufe der Zeit ändern, meine Blogartikel werden laufend von mir aktualisiert, wer da „rauskopiert“, der hat veraltete oder falsche Informationen, da ich Fehler im Laufe der Zeit umschreibe. Wikipedia zu kopieren ist auch nicht sinnvoll, die Artikel ändern sich ständig. Nochmal: Verlinken (mit Quellenangaben und Anführungszeichen für kurze Texte bzw. Zitate) ist ok, reines Kopieren ist scheiße. Vollkopien von ganzen Blogartikel oder ganzen Seiten ist richtig scheiße. 6. Verstoß gegen Gesetze: Ich finde das Urheberrecht auch nicht perfekt, so wie es derzeit ist. Könnte man verbessern. Trotzdem ist es nun mal da und wer kopiert, der verstößt gegen das Gesetz. Abmahnungen sind die Folge. Blogartikel sind kein Freiwild. 7. Ein heilloses Durcheinander: Wer weiß denn bei dem ganzen Kopiere noch was Fake ist, was Manipuliert ist, was Original ist, was Seriös ist, was Fälschung ist, was die Kopie der Kopie der Kopie ist? 8. Nachfragen: Man will ja manchmal etwas wissen zu einem Text und man will natürlich den Originalautor befragen, denn der kennt sich damit aus, nicht der x-te Kopist. Man will das Original befragen. Aber ohne Kennzeichnung gerät man oft an Pseudointellektuelle, die fremdes als eigenes ausgeben und sich gar nicht mit dem Thema auskennen. 9. Zitate: Ich weiß was Einstein sein ganzes Leben lang von früh bis abends gemacht hat: Zitate aussprechen. So scheint es jedenfalls, wenn man sieht was ihm alles zugeschrieben wird. Lustig finde ich auch Websiten, die unbedingt nochmal alle Zitate von Einstein & Co. sammeln müssen, weil es ja nicht schon hunderte gibt. Nein, es muss unbedingt noch mehr (meist ungeprüfter) Zitatemüll zusammengetragen werden. Zusammenfassung: Einfach mit dem stumpfen Kopieren aufhören.

100 Prozent Recycling: Plastikmüllflächen so groß wie Texas treiben in den Ozeanen. Schön erklärt im Dokumentarfilm Plastic Planet: https://goo.gl/IcvztX Mülldeponien wachsen und wachsen. Ohne ein vollständiges Müllrecycling ist am Ende alles Müll. Müll muss soweit wie möglich vermieden werden, wenn er doch auftritt, dann muss er nach weniger als 30 Jahren biologisch abgebaut werden können. Erntemaschinen müssen eingesetzt werden, bevor der Müll zu Mikroplastik wird. Weggeworfener Müll in Wald und Wiese würde verschwinden. Es könnte eine allgemeine Müllsteuer geben, die weniger Müll fördert bzw. umgekehrt eine Art Pfand auf Müll, es gibt also Geld für Müll. So schnell könnte man gar nicht gucken wie die Wälder leergeräumt wären. Bakterien können eventuell Kunststoffmüll abbauen. Die Strafen für wilde Müllkippen (Kronzeugenregelungen? Belohnungen?) oder Ablassen von Müll oder Altöl ins Meer müssten drastisch erhöht werden. An den Universitäten braucht es Müllforschungszentren, die vorhandenes Wissen bündeln. Müllabgabe muss sehr einfach und unkompliziert sein. Versteht jemand die Regeln des gelben Sacks und des grünen Punkts und der Restmülltonne und der Biotonne und der Glascontainer und des Wertstoffhofes wirklich vollständig? Man könnte Produkte mieten statt kaufen und dem Hersteller das Recycling überlassen. Obacht: Menschen wollen gerne besitzen bzw. Eigentümer sein. Meine Vorschläge: Tiefes Loch in Vulkannähe (bzw. dort wo die Erdkruste dünn genug ist) buddeln, Müll einschmelzen und ins Erdinnere fließen lassen. Dunstabzugshaube drüber, für die giftigen Dämpfe. Das Erdinnere ist sowieso giftig, heiß, hoher Druck, radioaktiv, dem macht das nichts aus. Oder ein großes Loch in der Mitte der Sahara buddeln und den weltweiten Müll vorerst dort rein, tausende Kilometer fernab von Grundwasser, Zivilisation und tierischem und pflanzlichem Leben, fast eine Art Mondlandschaft. In unseren (gemeint ist der Rest der Welt) Wäldern, Flüssen, Seen usw. verrecken jeden Tag zigtausende Tiere an Zivilisationsunrat. Auch das Grundwasser und Luft wird durch Deponien verschmutzt. Daher scheint mir die Idee mit der Sahara (oder ein anderer, extrem unbelebter Platz auf der Erde) recht sinnvoll, zumindest als Diskussionsansatz.

Kauf dir als Anregung das Simplify-Your-Life Buch (als E-Book) übers Sachen wegwerfen. Schmeiße alles weg was du nicht wirklich brauchst und vereinfache dein Leben. Besitz macht das Leben kompliziert und kann kaputt gehen. Fange zum Beispiel an, indem du deine AOK-Mitgliederzeitung oder ADAC-Mitgliederzeitung abbestellst oder sie dir Online schicken lässt. Es müssen weniger Bäume abgeholzt werden, weniger Kraftstoffverbrauch durch Postautos und es stehen doch nur unwichtige und oberflächliche Tausendmalgehört-Ratschläge, Werbung und Wischi-Waschi-Mist drin. Schmeiße jeden Tag etwas weg. Bis auf eine Minimalausstattung. Ich kann Leute verstehen, die aus moralischen Gründen Veganer werden. Aber die gleichen Leute produzieren Plastikmüll, an denen Meereslebewesen jämmerlich verrecken. Es gibt sicherlich hippe Veganer, die durch ihren Plastik-Lifestyle mehr Tiere umgebracht haben, als durch ihren Fleischkonsum eingespart wurde. Warum muss man Wasser aus Plastikflaschen trinken, wenn Wasser aus der Leitung kommt? Beim Thema Müll bin ich kein Experte, aber man hört und liest, dass das Grüne Punkt System wohl gut klingt, aber eigentlich ziemlich ineffektiver Mist ist. Zusammenfassung: Wir setzen uns jetzt mal hin und lösen das Müllproblem. Natürlich weltweit, sonst gibt’s wieder Schlupflöcher.

100 Prozent Haftung: Ein nigerianischer Frachter kippt illegal Altöl in den Panama-Kanal und der koreanische Kapitän versucht es zu vertuschen, indem er den mexikanischen Kontrollbeamten besticht. Wer haftet? Deutschland! So fühlte es sich jedenfalls zur europäischen Finanzkrise an. Grundsatz ist und bleibt jedoch: Wer etwas verursacht, der haftet. Wer einen Kredit aufnimmt, der haftet. Das gilt für alle, für Unternehmen, für Staaten, für alle. Wer Kunde bei einer Pleite-Bank ist, wer sich mit Aktien verzockt oder wer ein Sparbuch hat, der haftet. Wer vor 20 Jahren gefragt hätte, ob wir Pleite-Unternehmen retten, der wäre ungläubig angeschaut worden: „Wir haben eine Marktwirtschaft, da wird nicht gerettet! Haftung ist das oberste Grundprinzip. Retten tun nur Kommunisten und linke Spinner.“ Tja und dann hat die CDU alles und jeden gerettet und die Haftung außer Kraft gesetzt. Fiktive Frau-Merkel-Ausrede: „Aber ich konnte doch nichts dafür, Herr Richter. Das Universum ist ein Uhrwerk, alles ist schon vorherbestimmt. Ich musste so handeln. Ich hatte keine Wahl.“ Dann würde ich dem Richter folgendes als Antwort empfehlen: „Tja Frau Merkel, wenn alles vorherbestimmt ist, dann ist auch vorherbestimmt, dass ich sie jetzt verurteile.“ Aber Frau Merkel hat ja Quantenfußphysik studiert, sie müsste also wissen, dass das Universum (höchstwahrscheinlich) nicht deterministisch ist. Jedes Unternehmen muss insolvenzfähig sein, weltweit. Jedes Unternehmen muss pleite gehen können. Es bedarf dazu internationaler Rechtsklarheit und Vereinfachung. Keine Beratungsprotokolle, die in Kilogramm pro Beratung gemessen werden und keine wirkungslosen Pseudo-Einlagensicherungen. Einfachheit ist das Zauberwort. Denn gesetzliche Kompliziertheit produziert sinnlose, aber gutbezahlte Finanzjuristenjobs. Wer zahlt das? Der Kunde. Oder falls es ein Beamter ist, der Staatskunde. Irgendjemand (=der Bürger) bezahlt ja die aufgeblähten Finanzverwaltungen. Wer einen Kredit versemmelt hat, der soll dafür geradestehen. Wenn eine Deutsche Bank den Griechen 10 Milliarden Kredit gegeben hat, dann muss sie dafür haften. Dann macht halt die Deutsche Bank Verluste, so wie jedes andere Unternehmen auch. Aber mit Rettungen fördern wir doch nur, dass „Finanzexperten“ mit ihrer Zaubershow weitermachen können. Sorry Leute, aber der Kapitalismus hat seine Glaubwürdigkeit verloren. Wer seine versprochenen Grundlagen nicht einhält, der ist unglaubwürdig. Wer ein so einleuchtendes Grundprinzip wie die Kredithaftung nicht einhält, obwohl er es vorher jahrzehntelang als Banner auf der Brust getragen hat, der ist extrem unglaubwürdig und wird mit dem sozialroten Lederriemen ausgepeitscht.

Kurzer Haftungsthemawechsel: Straftäter müssen für ihre Taten monetär haften. Wer einem anderen auf die Nase haut, der soll eben auch die Krankenhauskosten und Gerichtskosten bezahlen. Wer kleine Jungs missbraucht, der soll Schmerzensgeld zahlen, notfalls bis zur Rente und bis zum Tode. Wem ist denn geholfen, wenn solche Täter nach 5 Jahren wieder frei sind? Die Haftung für solch schwere Straftaten kann doch nicht nur übers Strafrecht laufen? Uli Hoeneß lacht sich doch kaputt über seine 2 Jahre im Knast, mit einer Menge Hafterleichterungen. Bei solch unglaublichen Steuerhinterziehungshöhen gehört lebenslang gehaftet. Hells Angels die Bandenkriminalität betreiben, Menschenhandel, Terrorismus usw. (muss man ja nicht alles aufzählen, es geht ja ums sinngemäße). Warum wird da nicht bei Tätern und Mithelfern die monetäre Hose runtergelassen? Beate Zschäpe soll offenbar haften: https://goo.gl/FHVOZN Im Knast sitzen gilt doch bei vielen Gangsterbanden als cool, Geld an den Staat zu zahlen schon als nicht mehr so cool. Warum bei schweren körperlichen Straftaten nicht mal stärker über die Finanzielle Schiene kommen? Soll doch der Schufa-Eintrag dunkelrot werden. Kein Luxus-Handy mehr, kein Luxus-Auto mehr, keine Luxus-Wohnung mehr.

Themawechsel zu Einkommensabhängigen Bußgelder: Ein Cristiano Ronaldo oder ein Franz Beckenbauer lachen sich kaputt über 100 Euro Bußgeld fürs zu schnell fahren. Würden Bußgelder prozentual vom Einkommen berechnet, würden sie aufhören zu lachen. Es ist doch extrem unfair, dass ein hart arbeitender und dabei trotzdem nur prekär bezahlter Mensch 100 Euro Bußgeld zahlen muss und auf der anderen Seite ein Ronaldo in seinem Ferrari schmierig grinst, weil er die 100 Euro nicht zahlen kann, denn er hat gerade nur 500 Euro Scheine im Portemonnaie. Mich macht diese Ungerechtigkeit einfach fuchsig. Bußgelder müssen prozentual berechnet werden, nicht fest. Es soll natürlich eine feste Untergrenze geben, aber alles darüber wird prozentual vom Einkommen berechnet. Beispielsweise 10 Euro als feste Untergrenze (so wie heute) fürs Falschparken und alles darüber wird prozentual berechnet. Dann zahlt Ronaldo halt 5.000 Euro fürs Falschparken.

100 Prozent Wissenschaft: Ein zurückdrängen der Esoterik durch vordrängen der wissenschaftlichen Methode. Was das ist und warum Esoterik schadet, ist jedem Schüler zu vermitteln. Steht im Detail zum Beispiel hier: https://goo.gl/swuQQL Hilfreich ist vor allem das sichere Verstehen von Studien, zum Beispiel das sogenannte Goldstandard-Studien-Design. Es ist jedem Schüler einleuchtend zu vermitteln, warum Studien genau so und nicht anders konstruiert sein müssen, um zu sicheren Erkenntnissen zu gelangen. Es ist zu vermitteln, warum man recht aufwändig vorgehen muss, um (Wahrnehmungsfehler-)Fehler in Experimenten, Studien und im normalen Leben auszuschließen. Man lernt so vor allem, sich nicht ständig bei der Erkenntnissuche selbst zu bescheißen. Es gibt braune Esoterik, medizinische Esoterik, Bodybuilding-Esoterik, pseudowissenschaftliche Esoterik, Finanz-Esoterik und, und, und... Es gibt in der esoterischen Szene zu wirkungslosen Alternativen immer noch mehr wirkungslosere Alternativen. Ein riesiges wirkungsloses Gebäude. Wie lange will man noch sinnlos Lebenszeit vergeuden? Wer die wissenschaftliche Methode ablehnt oder sie nicht versteht, wird sich ewig im Gestrüpp der Esoterik verheddern, wird immer und immer wieder wirkungslose Alternativen finden, da alles auf Zufall basiert. Wer aber einmal die Eleganz der Goldstandard-Studien verstanden hat, wird nie wieder behaupten, dass Homöopathie besser als Placebo wirkt, weil er sich damit der Lächerlichkeit preisgibt. Wie Kinder, die wild am Feuerwehrkarussellautolenkrad drehen und glauben sie lenken es. Ein Chartanalyst, der „ein Kaufsignal sieht“, müsste von ARD und ZDF als unseriös abgelehnt werden. Schamanen im Nadelstreifenanzug dürfen im Fernsehen Regentänze aufführen und niemand lacht sie aus. Beliebt auch: „Vermeide Zucker, davon wird man dick.“ Da hat aber jemand die Energiebilanz nicht verstanden. Nicht Zucker macht dick, sondern die Energiebilanz macht dick. Wer 2000 kcal am Tag verbraucht (also abführt) und 1800 kcal an Zucker zu sich nimmt (also zuführt), wird definitiv abnehmen, er wird nicht dick! Der Unterschiedsbetrag (also die 200 kcal) werden aus dem Körper entnommen, damit die Bilanz ausgeglichen ist. Ein Gegenbeweis wäre Nobelpreiswürdig. Vielleicht meinte derjenige mit seiner Zuckeraussage ja auch etwas anderes, aber warum spricht er dann nicht präzise aus was er meint? Warum wird immer vorschnell heiße Luft an die Zähne gelassen? Meinte er vielleicht „Zucker macht nicht satt“? Warum sagt er es dann nicht und legt gleichzeitig auch Belege vor, die nicht nur auf Anekdoten basieren? Oder: Du musst dehnen, dehnen, dehnen. Die Studienlage zeigt aber, dass Dehnen das Verletzungsrisiko erhöhen kann. Aber es dehnen doch alle? Denkfehler Dehnfehler? Oder ist alles differenzierter zu betrachten? Der eine Sportexperte sagt so, die andere Männerzeitschrift so. Wem soll man glauben? Die Lösung besteht darin, sich die Studien selbst anzuschauen. Vorher muss man aber den theoretischen Idealfall einer „perfekten“ Studie wenigstens einmal kennengelernt haben, um dann abschätzen zu können, warum die Ergebnisse einer „schlecht“ durchgeführten Studie möglicherweise unbrauchbar sind. Man sollte sich einmal im Leben hinsetzen, am besten als Schüler, und die beste Durchführungsempfehlung für Studien zu Gemüte führen, den Goldstandard. Wenn man das einmal gemacht hat, merkt man recht schnell warum viele Studien schlecht sind und unbrauchbare Ergebnisse produzieren. Das heißt nicht, dass der Goldstandard auf ewig so bleiben wird, aber er ist schon ziemlich gut, weil er Fehler so gut wie möglich ausschließt. Ich persönlich verstehe den Begriff Goldstandard so: Wie kann ich bei der Suche nach Erkenntnis so viele Fehler (oder Betrug, den gibt’s ja auch) wie möglich ausschließen? Deine Dehnempfehlung reduziert das Verletzungsrisiko? Ok, zeig mir die Studien. Wie wurden diese Studien genau durchgeführt? Zeig mir vor allem auch Studien die das Gegenteil zeigen. Oder muss ich mir die selbst suchen? Aber ich bin doch so faul und lasse mir lieber mundgerecht alles vorkauen… Das bringt uns zum nächsten Thema.

100 Prozent Motivation: Wer hat schon mal Diät gemacht? Ist das Wissen um die Diät das Problem? Nein. Es ist die Motivation. Der ganze Diät-Bohei in den Frauenzeitschriften und im Internet dreht sich doch nur darum: Meine Motivation ist zu schwach, sag mir bitte wie ich ohne belastende Gefühle die Diät durchhalten kann. Warum haben Leute wie Sophia Thiel, Julian Zietlow, Karl Ess, Daniel Aminati oder Detlef Soost so viel Erfolg und verdienen mit ihren Programmen einen dicken Haufen Kohle? Weil sie mehr Wissen haben? Nein, oft wird (rein wissenschaftlich betrachtet) sogar ziemlicher Unsinn erzählt. Link hier: https://goo.gl/4O3O95 Ich selbst habe mich über viele lange Jahre mit Muskelaufbau in der Theorie auseinandergesetzt. Es hat mich einfach interessiert wie man optimal Muskeln aufbaut. Heute ist mir klar: Muskelaufbau ist in der Praxis sehr einfach, es gibt keinerlei Geheimnisse oder ultimativen Insidertipps, die nur die Stars kennen oder ähnliches (abgesehen von Doping). Das Geheimnis liegt ganz woanders, es liegt in der Motivation. Die Leute brauchen keinen Ernährungsberater oder Fitnessberater, sie brauchen einen Willensberater. Muskelaufbau und Diät sind ziemlich simpel, dass komplizierte ist der Wille. Man muss heute niemandem mehr erklären wie man sich gesund ernährt, dass ist jedem bekannt. Der Knackpunkt ist die Motivation. Deshalb ist die Antwort auf die obige Frage, warum die Leute so viel Kohle verdienen: Weil sie Willensberater sind. Es sind Willenscoaches. Sie sind erfolgreich, weil sie das trainieren, was schwach ist, der „Wille zur Kraft“ (ein Buch von Philosoph Dr. Christian Zippel). Wenn du etwas Größeres im Leben erreichen willst, dass nicht auf Zufall basiert (wie ein Lottogewinn oder ein Erbe), dann brauchst du Konstanz. Du musst dauerhaft, über einen langen Zeitraum die Dinge tun, die man eben tun muss. Egal ob es eine Diät, ein Muskelaufbau, 100.000 Euro auf dem Konto, ein Doktorgrad, eine abgeschlossene Ausbildung, ein Hausbau oder eine gute Partnerschaft ist. Auch bei politischen Themen braucht man viele Jahre harter Arbeit bis man Dinge erreicht. Oder ist das Frauenwahlrecht von heute auf morgen gekommen? Im Ergebnis ja, denn es gab einen Tag vorher und einen Tag nach der Einführung, aber die Jahrzehnte und Jahrhunderte der harten, konstanten Vorarbeit sind ja das Entscheidende. Ich kann hier als Einstieg das Buch des Philosophen Dr. Reinhard Sprenger „Mythos Motivation“ empfehlen. Er durchdenkt Motivation ganz anders, nicht als „Hurra“ Konzept. Bei mir selbst war es eindeutig die Ernährung, ich bekomme von Getreidenahrung starken Durchfall und von Milchnahrung Verstopfung. Es hebt sich leider nicht gegeneinander auf :-) Dadurch das aber alle sagen „Vollkorn ist gesund“ oder „Milch ist gesund“ habe ich den Zusammenhang jahrzehntelang ausgeblendet. Gerade von Getreide, als Brezeln, Brötchen, Nudeln, Dönerbrot und Keksen (oder auch Bier oder den EPAs der Bundeswehr, den Überlebensrationen mit ihren "Panzerkeksen") war ich extrem müde, habe oft 14 Stunden am Wochenende geschlafen und war immer noch müde und hatte Lust auf nichts. Meine damaligen Freundinnen kennen das. Als ich dann mal zum Test alles Getreidehaltige weggelassen habe, dachte ich Wow (!!!), so habe ich mich ja noch nie gefühlt! Keine Tagesmüdigkeit mehr, kein Durchfall oder Blähungen und endlich die mentale Fitheit konzentrierter zu denken und zu arbeiten. Ich dachte ja immer, mein vorheriger Müdigkeits-Zustand wäre der Normal-Zustand. Nach langen Ausschlusstests fand ich heraus, dass ich auch Äpfel und Birnen nicht vertrage. Ich habe seitdem kein Brötchen, kein Brot, keine Pizza oder Kekse mehr angefasst. Falls doch, zum Testen, oder weil man auswärts oder bei Oma nichts anderes zum Essen bekam, hatte ich innerhalb weniger Stunden (manchmal Minuten) wieder Durchfall. Resümee: Ich habe endlich die Motivation, durch den Wegfall dieser elenden Tagesmüdigkeit, alle mir wichtigen Projekte im Leben gezielt anzugehen.

Man könnte die Arztpraxen um die Hälfte leeren, wenn sich die Leute an 4 Ratschläge halten würden: Iss weniger, sauf weniger, rauch weniger und beweg dich mehr. Jeder weiß das. Keinem muss man das mehr sagen. Der Knackpunkt ist die Motivation. Was nützen die tollsten Sport- und Ernährungsvorschläge, wenn dann doch die meisten keine Lust haben und ihren Arsch nicht hochkriegen. Also müsste die Forschung auf die Motivation umschwenken und nicht auf „Was ist der beste Laufschuh“. Lieber unangepasste Bekleidung als unangepasste Motivation. Lieber rostige Hanteln als rostige Motivation. Aber bitte nicht die „Sei nicht zu perfekt“ usw. Tipps. Hat man alles schon tausendmal gehört und irgendwie hat es nichts gebracht. Obwohl sie grundsätzlich nicht falsch sind. Oder doch? Aber was nützt die Richtigkeit eines gutgemeinten Ratschlages, wenn man doch nicht in Aktion kommt? Auf Twitter habe ich mal dazu geschrieben: „Mit eiserner Disziplin schafft man es nicht, man muss es einfach so tun.“ Es geht nicht darum, jeden Tag gegen etwas anzukämpfen. Man muss eine Einstellung erlernen, in der man die Dinge einfach tut. Eine Trainingseinheit ist dann wie Frühstücken, man macht es einfach. Auch Ärzte sind dick und unsportlich. Es liegt nicht am Wissen, es liegt an der Motivation.

100 Prozent Module: Ich will die Noten abschaffen. Ja wirklich. Es gibt hunderte Gründe warum Noten in der Schule und Uni unfair, unlogisch, schwammig, ungerecht, schlecht vergleichbar usw. sind. Ich will dies nicht alles aufzählen, jeder ist ja selber zur Schule oder Uni gegangen. Gar keine Bewertung geht auch nicht, frei nach dem Zitat von Humboldt (muss ich noch mal recherchieren ob er das gesagt hat): Noten sind schlecht, aber keine Noten sind noch schlechter. Als Lösungsansatz würde ich 100 % Module vorschlagen. Es hat mich immer sehr irritiert, dass man mit der Note 4, also ungefähr halbem Wissen, noch bestanden hatte. Verstehe ich bis heute nicht. Lass uns doch den Stoff in kleine Häppchen aufteilen und diese dann zu 100 % bestehen lassen, entweder ganz oder gar nicht. Also entweder löse ich 2 + 2 = x oder eben nicht. Aber mit halb gelöst bestanden? Steht das Haus und die Brücke auch bei nur halb durchgeführten Statikberechnungen? Bin ich mit der Überweisung meines halben Gehaltes schon zufrieden, weil der Personalverwaltungsbearbeiter eine 4 in Mathe hatte? Ist halb geheilt beim Arzt schon ausreichend? Ist eine halbe Busfahrt das Ziel? Ist ein Buch, in dem jeder zweite Buchstabe fehlt, ein Buch? Ist ein Auto mit nur 2 Rädern vollständig? Auch finde ich es schöner (lebenslang gesehen) wenn man sich etwas aufbauen kann. Die Module ohne Noten sind dann wie vollständige Ziegel, aus denen man sich sein persönliches, stabiles Lernhaus baut. Keine zur Hälfte hohlen Ziegel wie heute. Eine 4 auf dem Abitur steht das ganze Leben dort, nie wird man die Chance haben die Schmach zu tilgen. Hätte man die Module, dann würde man zwar nur wenige Module in der Schulzeit angehäuft haben (aus welchen Gründen auch immer, Elternprobleme, Lehrerwillkür, Psychische Probleme, Drogen, fehlende Freunde, Angst, Sitzenbleiben, Konkurrenz), aber man hätte lebenslang die Chance sie zu erhöhen, in kleinen Schritten. Jedenfalls hat man nicht lebenslang einen demotivierenden 4er Hauptschulabschluss, sondern halt nur wenig Module. Ich vergleiche das mit Pokemon Go. Ich habe Leute rennen gesehen, die habe ich noch nie freiwillig in der Schule irgendwas machen sehen. Weil man eben „anhäufte“ im Wettstreit. Man wurde nicht mit Note 4 bewertet, man baute etwas auf. Und wir sind doch alles kleine Aufbauer. Wer baut denn nicht gerne seinen Publikationsturm auf oder seinen Geldturm oder seinen Bücherturm. Es ist wie die Besteigung des Mount Everest, man muss jeden Schritt gehen, zu 100 %, man kann nicht einfach mal den halben Weg auslassen.

Wenn der Homöopath kräht auf dem Mist, ändert sich die Krankheit oder bleibt wie sie ist.

Dieser Artikel hat keine Substanz. Dieser Artikel hat keinen Inhalt. Dieser Artikel ist ein stark verdünntes Nichts. Er wird trotzdem eine Wirkung auf den Leser haben. Versprochen.

Wie erklärt man Homöopathie? Ganz einfach: Man wirft in Frankreich eine Aspirin in den Atlantik und in Brasilien verschluckt sich jemand beim Baden im Meer. Jetzt hat unser brasilianischer Badegast auf einmal keine Kopfschmerzen mehr. Klingt unlogisch? Nicht für einen Homöopathen. Dieser behauptet, je stärker die Verdünnung, desto stärker die Wirkung. Es gibt homöopathische Verdünnungen, die sind so „stark“, als würde man eine einzelne Aspirin in einem Ozean verdünnen, der so groß ist wie Millionen von Universen. Eine anschauliche und witzige Erklärung dazu liefert Prof. Oberhummer: https://youtu.be/FT6qT9_Tzf4?t=2m50s

Wissen Sie, wie sie einen Homöopathen zum Schwitzen bringen? Entfernen sie alle Etiketten von den Fläschchen und bitten Sie ihn, seine Wässerchen zu unterscheiden. Oh Wunder, er kann es nicht, in allen ist Wasser.

Warum soll man sich überhaupt mit solchem Tobak beschäftigen? Wenn man Unsinn als Unsinn erkannt hat, muss man sich doch nicht mehr lange damit aufhalten, oder? So einfach mache ich es mir aber nicht, sondern möchte mit Menschen ins Gespräch kommen. Aber wie argumentiert man mit einem beinharten Homöopathen, so dass dieser sich freiwillig davon überzeugen lässt, dass er einer Wahrnehmungstäuschung unterliegt und ihm der große Zauberer Zufall ihm die Erkenntniskaninchen unter die Schädeldecke zaubert? Vor einigen Jahren, als ich angefangen habe mich mit Esoterik zu beschäftigen, stand ich schnell vor einem Problem: Es ist ausgeschlossen, sich die Erklärungen aller Esoteriker, Alternativmediziner, Astrologen, Kartenleger, Pendler, Wünschelrutengänger, Impfgegner usw. anzuhören. Gehen sie in eine Buchhandlung: 20 Prozent (gefühlt 50 %) aller neuerscheinenden Bücher sind esoterischen Inhalt. Sollte ich die alle lesen? Nein, keine Chance. Es musste einen anderen Weg geben. Dazu war es notwendig, das Gemeinsame in den esoterischen Strömungen zu finden. Eine große Hilfe war dabei die GWUP, ein Verein mit umfangreichen, interessanten und unterhaltsamen Recherchen, Texten und Videos zum Thema Esoterik & Co. Auch die Website Psiram hat mir sehr geholfen. Nicht zu vergessen der unglaubliche Dr. Mark Benecke. Wie kann man nur gleichzeitig so sympathisch, cool, unterhaltsam und intelligent sein? Kurz zu meinem „pubertären Vorwissen“: Mein Einstieg in die Esoterik begann im Elternhaus, wir hatten massenweise von diesen Büchern im Regal stehen. Anfangs glaubte ich sogar daran. Was sollte ich als Kind auch machen? Alternativen und leicht zugängliche Recherchen übers Internet, Wikipedia, Google oder gute Bibliotheken gab es auf dem Land in den 80ern/90ern nicht und in der DDR (Insel Rügen, bin dort aufgewachsen) schon mal gleich gar nicht. Am Rande: Ich schreibe diesen Artikel auch, weil er das enthält, was ich selbst gerne als 10-jähriger gewusst hätte, um eben nicht lebenslang im Nebel des Nostradamus herumsegeln zu müssen. Schade um die vergeudete Zeit! Es tut Not den esoterischen Dunst wegzublasen und einen skeptischen Kurs einzuschlagen. Blogger-Kogge, ahoi.

Übrigens, dieser Blogartikel ist „lebendig“, ich passe ihn an, sobald mir neue Informationen vorliegen oder bessere Argumentationsstrategien eingefallen sind. Mein Name ist Stephan Goldammer. Warum ich gerade im letzten Satz meinen Namen erwähnt habe, erkläre ich euch in einem anderen Blogartikel. Jetzt aber weiter mit Windstärke 10.

Um gegen Esoterikern wirksam zu argumentieren, muss man den Kern ihrer Argumentation herausschälen. Dabei verfällt man oft selbst in Fehler, die die eigene Argumentation abschwächen. Es ist nämlich gar nicht so leicht mit Esoterikern zu diskutieren, da diese ihre Gedankengebäude gut abgesichert haben. Und ein (pseudo-)skeptisches „Das ist doch alles esoterischer Blödsinn“ bringt halt nur dem Ego etwas. Also ran an die homöopathischen Buletten.

Samuel Hahnemann, der Erfinder der Homöopathie, hatte vor etwa 200 Jahren den Menschen tatsächlich etwas Gutes getan, denn eine Behandlung bei einem mittelalterlichen Arzt glich dem Besuch bei einem neuzeitlichen Metzger. Hier empfehle ich euch eine Lektüre über König Ludwig den XIV, die mich echt vom Hocker gehauen hat: https://goo.gl/LQr1Dr Was sich seitdem geändert hat? Die Menschen? Die Ärzte? Nein. Es ist die Einführung der wissenschaftlichen Methode, die durch ausschließen von Fehlerquellen an immer besser abgesichertes Wissen kommt, die Gut-Funktionierendes von Weniger-Gut-Funktionierendem systematisch trennt und es ist das Abschaffen des Hörigkeitsglauben an Autoritäten. Nicht die Autorität zählt, sondern die Ergebnisse und Methoden von wissenschaftlichen Studien und Experimenten. Oder noch präziser: Ein Wissenschaftler fragt nicht zuerst "Wie lauten deine Ergebnisse?", sondern "Mit welcher Methode bist du vorgegangen?" Die Frage nach der Methode ist wichtiger als das Ergebnis, denn viele Methoden produzieren wertlose Ergebnisse und vermüllen durch ihre riesige Menge den Erkenntnisprozess. König Ludwig hilft das alles nicht mehr, er war wohl das ärmste Schwein des 17. Jhd.

Im Mittelalter hatte man nach einem Arzt-Besuch oft größere Probleme als vorher oder starb sogar durch die Behandlung. Es war eine Zeit, in der Ärzte Leichen aufschnitten und direkt danach, mit Fingern voller Leichengift, zu den Geburten gingen. Das „dunkle“ medizinische Mittelalter reichte bis weit in das 19. Jhd. Man konnte also länger leben, wenn man ein Homöopathie-Scheinmedikament bekam, statt der alchemistischen Pillenpanscherei oder noch schlimmerer „Heilkunde-Maßnahmen“. Mit Homöopathie kam man zumindest in den Genuss des Placeboeffektes, ein heute wissenschaftlich sehr gut nachgewiesener Effekt, der tatsächlich existiert. Aber in allen abertausenden Studien zur Homöopathie, in allen Untersuchungen und Experimenten, ist noch nie eine Wirkung oberhalb des Placeboeffektes nachgewiesen worden. Das ist der Knackpunkt. O b e r h a l b ! Das bedeutet in Schlagworten:

Ist Homöopathie wirksam: Ja.

Ist Homöopathie unwirksam: Ja.

Wie kann es sein, dass beides richtig ist?

Es liegt bei Homöopathie nicht die Wirkung durch einen Inhaltsstoff vor, sondern es liegt bei Homöopathie die Wirkung durch Glauben an einen Inhaltstoff vor. Und die Glaubenswirkung ist nicht höher als die Placebowirkung, denn die Placebowirkung ist die Glaubenswirkung! Hat Mami schon mal bei Ihnen „gepustet“, weil sie sich das Knie aufgeschlagen haben? Die Schmerzen waren weg, ihr Glaube, also der Placeboeffekt, ist eingetreten und war wirksam. Es ist also falsch, „Glaubenseffekte“ kleinzureden, denn diese kann man ziemlich gut auslösen, man nennt sie Placebo, und sie wirken bis zu einer gewissen Höhe - und genau diese Höhe hat noch kein homöopathisches Mittel überschritten. Erst ein „echter“ Wirkstoff, z.B. eine Aspirin, zeigt Wirkungen oberhalb des Placeboeffektes, das heißt, beide werden addiert. Der Glaube an das „Pusten“ von Mami lässt ein wenig die Schmerzen abklingen und die anschließende Aspirin lässt sie ganz verschwinden. Alle Probleme ließen sich lösen, wenn wir merken würden, dass wir nur einem Sprachproblem aufsitzen: Man hat dem Placeboeffekt (der existiert!), ein exotisch klingendes Namenschild („Homöopathie“) gegeben, oder anders gesagt, Homöopathie heißt, den Placeboeffekt unter einem Markennamen zu kaufen (habe ich mal so auf Twitter geschrieben).

Sie können in jeder Zeitung und jedem Buch das Wort Homöopathie durch Placeboeffekt ersetzen. Die Homöopathie-Heil-Erfolge und der Placeboeffekt sind deckungsgleich. Das Problem ist, dass die meisten Menschen den Placeboeefekt als „den gibt’s doch gar nicht“ verstehen. So als wäre der Placeboeffekt Hokuspokus. Wittgenstein hat wohl recht, wenn er sagt, wir können nur im Rahmen unserer Sprache denken. Es wäre sehr viel gewonnen, wenn wir gesellschaftlich den Placeboeffekt als echten Effekt anerkennen würden, der er ja auch ist. Der Spruch „Das ist ja nur ein Placeboeffekt“ ist falsch. Der Placeboeffekt ist genauso real wie die Schwerkraft real ist. Es hat sich aus irgendeinem Grund im Volksmund eingebürgert, den Placeboeffekt als „den gibt es nicht“ zu denken.

Also: 1. Der Placeboeffekt existiert und er ist wissenschaftlich anerkannt. 2. Homöopathieeffekt und Placeboeffekt sind unterschiedliche Worte für den gleichen Sachverhalt. 3. Placebo ist wirksam, Homöopathie ist ein anderes Wort für Placebo, also ist auch Homöopathie wirksam, aber nur bis zur Höhe des Placeboeffektes und keinen Millimeter höher. Dies ist die Kernaussage aller zigtausenden Untersuchungen zum Thema Homöopathie.

Es soll ja auch darum gehen, eine allgemeine Argumentationsstrategie gegen Esoteriker zu finden, daher hier mein erster Tipp: Man muss dem anderen so weit entgegenkommen, bis er noch Recht hat und ihm dann die Grenze zum Unrecht zeigen. Soll am Beispiel Homöopathie also heißen: Ja, Homöopathie hat eine Wirkung, diese reicht bis zur Höhe des Placeboeffektes, eine weitere, noch höhere Wirkung bedarf eines Inhaltsstoffes. Man muss also für den Esoteriker die Arbeit machen, die eigentlich jeder, der etwas behauptet, selbst machen müsste, nämlich die Grenzen der eigenen Argumentation ausloten. Wer heilt, hat recht, basta, sagen die Homöopathen. Ja, stimmt, aber eben nur bis zur Grenze des (kostenlosen!) Placeboeffektes. Man darf als Skeptiker einem Homöopathen also nicht vorwerfen seine Pillen hätten überhaupt keine Wirkung, denn das wäre unsauber argumentiert. Mich hat an dem Thema Esoterik immer das herausschälen von Argumentationen und Definitionen interessiert, was äußerst langwierig und kompliziert sein kann. Da Schlafstörungen durch Placebos (kostenlos) behoben werden können, können Schlafstörungen logischerweise auch durch Homöopathika (teuer) behoben werden. Aber nur bis zur Placebowirksamkeitsgrenze, danach kommt man nur noch mit Inhaltsstoffen weiter.

Wenn Argumente nicht mehr helfen, dann soll doch wenigstens Angebot und Nachfrage eines freien Marktes dafür sorgen, dass man für verdünntes Wasser und Zuckerpillen, also Wasser und Zucker, nicht mehr als 10 Cent bezahlen muss. Genau wie man Mineralwasser, destilliertes Wasser oder Würfelzucker im Supermarkt kaufen kann. Homöopathie hat Gewinnspannen wie im Drogen- oder Waffenhandel. Derzeit kann man Homöopathika aufgrund eines Politikirrtums (=Lobbyismus beim Gesetze schreiben) tatsächlich nur in der Apotheke kaufen. Was für ein historischer Witz! Da werden uns noch Generationen für auslachen! Vermutlich geschah dies, damit Homöopathika nicht schnöde zwischen Jogurt und Cola im Supermarktregal stehen (und man zu zweifeln beginnen könnte). Homöopathika sind zwar registrierungspflichtig, brauchen aber keinen Wirksamkeitsnachweis. Die Apotheke verkauft also scheinheilig Medikamente, die ihre Wirkung nicht belegen können und das ganz legal. Hier kann es nur eine sinnvolle Lösung geben: Alles was die Höhe seiner Wirksamkeit nicht nachweisen kann, fliegt aus der Apotheke raus. Homöopathika dürfen in Apotheken nur noch in homöopathischen Dosen zu finden sein.

Letzte Nacht hatte ich einen Traum: Ich gab meiner Familie die von Sohn, Tochter und meiner Frau geforderten homöopathischen Medikamente, aber ich tauschte vorher heimlich die homöopathischen Pillen gegen Zuckerpillen aus, und oh Wunder, die Kopfschmerzen und Schlafstörungen meiner Familie waren wie weggeblasen! Homöopathie wirkt - so berichtete es mir voller Stolz meine Familie am Frühstückstisch. Ich könne jetzt endlich mit meinem Homöopathiebashing aufhören, denn „es wirkt wirklich, hörst du, es wirkt!“. Ich grinste in mich hinein und rührte mir noch ein wenig Zucker in den Kaffee...

Kennt ihr noch Uri Geller, den Mann mit den übernatürlichen Fähigkeiten? Er hat bei Auftritten im Fernsehen vorausgesagt, dass er während der Sendung bei den Zuschauern Glühbirnen kaputtgehen lassen kann. Und tatsächlich riefen einige Zuschauer an und berichteten von soeben kaputt gegangenen Glühbirnen. Manche wollten ihn sogar auf Schadenersatz verklagen. Wie konnte Uri Geller das schaffen?

Er schaffte es, weil bei 4 Millionen Zuschauern (also ca. 4 Millionen Glühbirnen), natürlich auch einige Glühbirnen altersbedingt auf ganz normalem Wege ihren Geist aufgeben. Stellen sie sich eine Lagerhalle mit 4 Millionen eingeschalteten Glühbirnen vor, da geht jede Stunde irgendeine kaputt. Genau diese Zuschauer riefen dann an. Uri Geller suggerierte uns aber, er könne eine ganz bestimmte Glühbirne kaputt gehen lassen, er verließ sich jedoch auf die Statistik und präsentierte die zerbrochenen Glühbirnen als seine „persönlichen übernatürlichen Kraftwirkungen“.

Es ist schwierig, sich Millionen von Glühbirnen vorzustellen und diese nicht als Einheit zu denken. Es bleiben immer 4 Millionen Einzel-Glühbirnen, die alle in unterschiedlichen Lebens-Phasen sind und natürlich erwischt man einige, die just in diesem Moment kaputt gehen, weil sie, als Einzel-Glühbirne gedacht, ihre Lebensende erreicht haben.

Wir können uns gut vorstellen, dass ein einzelnes Auto irgendwann kaputt geht. Ein Uri Geller würde jetzt während seiner Sendung behaupten, er könne im 80 km Ferienstau auf der A1 ein bestimmtes Auto kaputtgehen lassen. Und tatsächlich ruft ein Autofahrer an, der eine Panne hat. Unglaublich! Uri Geller hat ein bestimmtes Auto kaputtgehen lassen! Na, erkennt man den Trick? Wir haben unbewußt und vorschnell ein einzelnes Objekt über einen Zeitraum mit vielen Objekte zu einem Zeitpunkt gleichgesetzt. Auch befinden sich seit einem längeren Zeitraum viele Objekte in Uri Gellers Portemonnaie, denn er verdient gutes Geld mit seinem Hokuspokus.

Meist wird in der Esoterik-Szene ganz allgemein „Wissenschaft“ abgelehnt, denn Mediziner stecken doch mit der „Pharmaindustrie unter einer Decke“, Politiker sind „Abzocker“, die „Schulmedizin“ ist „kalt und emotionslos“. Übrigens, der Begriff Schulmedizin existiert so nicht, er ist eine Erfindung von Esoterikern, um die „Medizin“ schlechtzureden und um Worte wie „Alternativmedizin“ besser dastehen zu lassen. Aber diese Unterteilung ist sinnlos, denn es gibt nur ein Kriterium und das ist Wirksamkeit. Ist ein Mittel wirksam, ist es Medizin. Es ist völlig unnötig, hier beliebige Namen zu erfinden, also z.B. Alternativmedizin, Komplementärmedizin, Sanfte Therapie, Ganzheitliche Therapie usw., es wird durch eine wohlklingende Namensvergabe nicht wirksamer. Wirksam vs. Unwirksam ist das einzige Kriterium. Ist es wirksam, kommt es in den Topf „Medizin“, ist es unwirksam, kommt ist in den Topf „Nicht-Medizin“. Der Witz ist aber, das im Topf „Medizin“ alle Mittel im Wirksamkeits-Wettbewerb stehen. Alle Mittel im Topf „Medizin“ haben eine Wirksamkeit, aber die einen sehr stark, die anderen nur schwach (aber immerhin). Also, ich muss es leider sagen, Homöopathie ist Medizin. Aber: 1. Ist der Placeboeffekt kostenlos zu haben. 2. Ist er im Prinzip nicht mehr als ein leichtes Schmerzmittel, ein geistiges Ablenkungsmittel, ein kleiner Zaubertrick eines großen Magiers im weißen Kittel, um bestehende Schmerzen zu überlagern. 3. Wirkt es nur bei einem kleinen Bereich von Krankheiten, wie leichte Kopfschmerzen etc. 4. Placeboeffekte sind schwer kontrollierbar, da sie glaubensabhängig sind.

„Etwas tun ist besser als nichts tun, vielleicht wirkt es ja.“ So denken Eltern in ihrer Not und geben ihren Kindern die homöopathischen Pillen. Da man nicht versteht wie Wissenschaftler auf ihre Ergebnisse kommen, macht man dies auch noch mit gutem Gewissen. Es folgen teure esoterische Therapien (=Laien-Psychotherapie), die immer nur bis zur Höhe des Placeboeffektes wirken und der ist ja bekanntlich kostenlos zu haben. Steve Jobs ist an Esoterik gestorben: https://goo.gl/k3Fo1J Soldaten im Irak hat man zur Minensuche technische Geräte in die Hand gegeben. Als man sie aufschraubte fand man: Nichts. Es waren Wünschelruten: https://goo.gl/n4vRcl

Es geschieht ein schwerer Verkehrsunfall. Der herausgeschleuderte Fahrer liegt mit gebrochenem, aufgeplatztem Knie am Straßenrand, die Kniescheibe liegt zerschmettert auf dem Boden und er schreit vor Schmerzen wie wild. Der Notarzt eilt herbei und fragt „Soll ich Ihnen aufs Knie pusten?“ Der Fahrer brüllt unverständliches zurück. Der Notarzt fragt weiter: „Wollen sie vielleicht was Homöopathisches?“ Komisch, ich habe noch keinen erlebt, der auf beide Fragen mit Ja geantwortet hätte... Das witzige ist, es würde die Schmerzen tatsächlich von 10 auf 9,9 senken, aber ich glaube unser Fahrer hätte lieber gern ein Medikament mit Inhaltsstoffen.

Die sogenannte braune Esoterik ist ein Spezial-Fall des esoterischen Denkens, in der krude Nazi-Theorien „Hitler lebt in der Antarktis“ etc. mit anderen seltsamen Theorien aus dem Esoterik-Baukasten vermischt werden, Stichwort Reichsbürger. Hier steht ein bei YouTube sehr bekannter Axel Stoll ganz vorn, der uns Skeptikern eine ganze Menge Arbeit abnimmt, denn in Axel Stolls „Vorträgen“ sind so ziemlich alle absurden „Theorien“ vereint. Wer diese nicht kennt, wird mit einem dezent gebrüllten „Muss man wissen!“ auf den rechten Kurs gebracht. Link hier: https://goo.gl/pCyPHn Auch diese Leute berufen sich auf Wissen, „googel das mal, moderne Waffen und so“. Man erahnt, es ist nicht das Wissen, es ist die Methode die den Unterschied macht, mit welcher Methode bist du an dein Wissen gekommen? Das Internet ist voll mit wertlosem Wissen, da die falsche Methode benutzt wurde (dazu später mehr). Man kann Axel Stoll, genau wie Erich von Däniken, aber einen gewissen Unterhaltungswert nicht absprechen. Wenn sie doch nur auf der richtigen Seite stünden (wie Wissenschaftstheoretiker Prof. Vollmer mal zu Däniken sagte). Wir Skeptiker haben zwar unzweifelhaft (ha,ha!) die richtigen Argumente, sind aber noch viel zu lahmarschig in der Präsentation. Auch Wahrheit muss interessant verpackt sein. Auch ein Dr. Dahlke, Politikexperte und Sprechblasenproduzent, hat uns Skeptikern in diesem Video viel Arbeit abgenommen, er haut in die alternativen Tasten und präsentiert uns einen verschwörungstheoretischen Rundumschlag. Dahlke ist auch so naiv zu glauben, wir Skeptiker würden nicht die Probleme der Welt sehen. WIR SKEPTIKER SEHEN DIE PROBLEME DER WELT! BITTE, LIEBE ESOTERIKER, HÖRT AUF UNS IMMER DIESEN UNSINN VORZUWERFEN! JEDER SKEPTIKER SIEHT AUCH DAS GANZE SCHLAMMASSEL AUF DER WELT! WIR SIND NICHT DOOF! Helau! Link zum Video: https://goo.gl/3UccYG

Ich sehe gerade, ich habe damals eine Diskussion unter dem Video angefangen, die natürlich zu nichts führte, die Seiten sind verhärtet. Es wird aus der persönlichen Wahrnehmung geurteilt und emotional-persönlich erlebte Verhaltensweisen als Ursache/Lösung von großen Problemen gesehen. Danke für das Video Herr Dahlke, so schön kompakt alle Verschwörungen vereint.

Auch der Bereich der Finanzesoterik ist groß geworden. Ganz vorne ist hier die Seite "Hartgeld". Geführt von nur einem Informatiker, Walter Eichelburg. Dieser sieht ständig den Weltuntergang, Finanzkollaps und sein baldiges Kaiserreich. Seine Website ist erfolgreich, aber auch bösartig in den Kommentaren und dünn in der Analyse. Da ich diese Website über viele Jahre nebenbei mitgelesen habe, erlaube ich mir diese Aussage. Wenn man die Bekloppten verstehen will, dann muss man die Bekloppten auch lesen. Nicht nur mal kurz reinschnuppern, sondern über Jahre.

Wieder hatte ich einen Traum: Ich war Arzt. Wow, toll dachte ich, endlich Arzt. Angesehen, beliebt bei den Frauen und voller Wissen. Dann sah ich auf mein Praxis-Schild: Arzt für Homöopathie. Oh Nein. Ein Alptraum!

Eine Nacht später hatte ich den nächsten Traum: Ich war wieder der Homöopathie-Arzt und vor meiner Praxis stand eine wutentbrannte Menge und wollte ihr Geld zurück. Sie forderten auf Plakaten „Argumente statt Sprüche“ und „Heilung schaffen, ohne Raffen“. Öhm, wie bitte? Die wollen Argumente? Wollten die doch sonst nicht, meine wohlklingenden Sprüche haben doch immer ausgereicht. Wer heilt hat recht und so. Warum belästigen die mich mit kritischen Nachfragen? Ich bin doch der Halb-Gott in Weiß. Neehee, komm, das wird mir zu anstrengend. Ich zieh in eine andere Stadt und mach dort weiter mit Bach-Blüten und basischer Magie. Moment mal, bin ich vielleicht ein schlechter Arzt aber ein guter Zauberer? Ich glaube den Quark doch selbst nicht, aber solange die Leute mich für meine Märchen bezahlen, warum nicht? Ich zwinge doch keinen in meine Zaubershow... äh, Praxis zu kommen.

Was die Kirche mit ihrem mittelalterlichen Ablasshandel (den Derivaten aufs Fegefeuer) einigermaßen als Finanzierungsquelle hinbekommen hat, machen Homöopathen heute mit links. Sie ziehen eine Schüttel- und Verdünnungsshow ab und verlangen dann für inhaltslose „Medikamente“ Preise bei denen jeder mittelalterliche Kirchenprediger rot anlaufen würde. Klar, weil er selbst nicht auf diesen Trick gekommen ist. Man hatte damals einfach keine gute Methode um eine Trennung von Funktionierendem und Nicht-Funktionierendem zu finden. Deshalb hatte man zwar viel Wissen, aber es war wertloses Wissen. Auch im Mittelalter existierte die gleiche Welt wie heute, man hatte also die gleichen Chancen an gesichertes Wissen zu kommen. Aber die Methode des Forschens war stümperhaft und produzierte nur wertloses Wissen.

Esoterik ist immer leicht zu verstehen. Es gibt keine komplizierte Esoterik, denn die hätte keine Anhänger. Esoterik ist immer leichte Kost. Alle haben recht. Jeder ist Experte. Alles ist immer leicht und sofort zu verstehen. Tauchen Widersprüche auf, werden diese nicht gelöst, sondern neue Strömungen erfunden. Widerlegst du eine Esoterikerbehauptung, wachsen zwei nach. Das Schwert der Vernunft ist machtlos gegen die Esoterikerhydra. Es ist daher zwecklos auf allen Nebenkriegsschauplätzen zu kämpfen. Nur die Konzentration auf wenige Kernargumente ist hilfreich. Letztlich läuft es darauf hinaus, zu verstehen wie eine gute medizinische Goldstandard-Studie funktioniert. Wenn man dies in der Schule verständlich beibringen könnte, muss man nicht ständig neuen Blödsinn wegargumentieren.

Egal wie sehr man auch versucht mit einem Homöopathen zu diskutieren, egal wie sehr man ihm alles schon erläutert hat, am Ende wird er sagen: Aber es wirkt doch! Aber es hat doch Erfolg! Auf diesen Standpunkt ziehen sich am Ende alle Homöopathen zurück. Es ist ihr Basta-Argument. Man muss dies akzeptieren, denn auch ein Physiker sagt irgendwann zu einem zweifelnden Nörgler: Die Gravitationstheorie hat Erfolg! Alle Steine und Flugzeuge fallen nach unten! Basta! Jeder Mensch hält an seinen Glaubensgrundsätzen fest, weil er sie in der Realität bestätigt sieht. Entweder sind das sehr kurzfristige Spontanbeobachtungen (Esoterik) oder es sind sehr langfristige, ausgewogene und systematische Endlosbeobachtungen (Wissenschaft).

Das zweithärteste Gegenargument ist dann: „Du gehst doch schon mit deiner vorgefertigten wissenschaftlichen Meinung ins Gespräch! Du musst mal anderes zulassen, dich mal locker machen und darauf einlassen.“ Als würde ich mich spontan für so weitreichende Äußerungen entscheiden?! Als hätte ich nicht schon alle Argumente (und zwar inklusive der Esoterischen!) abgewogen. Ich möchte umgekehrt mal sehen, dass ein Esoteriker erklären kann, wie eine medizinische Studie funktioniert und warum sie zum Beispiel randomisiert oder doppelblind ist. So gut wie kein Esoteriker ist den langen Rechercheweg gegangen und hat alles gegeneinander abgewogen. Aber als Tipp gibt er dir: „Mach dich mal locker. Du verkopfter Blogger mit deiner vorgefertigten Meinung.“ Oh Mann!

Das dritthärteste Gegenargument ist: Alle haben immer recht. Wird man nach Homöopathika krank, ist es die Erstverschlimmerung, wird man gesund, ist es die eingetretene Heilung durchs Homöopathika. Win-Win. Alle haben recht und der Patient zahlt. Verlierer gibt es nicht, denn das würde Widersprüche erzeugen und das haben Esoteriker nicht gern, denn dann könnte man sie ja festnageln. Tauchen in einer esoterischen Theorie Widersprüche auf, werden diese ignoriert, ausgeblendet oder mit einem großen Schwall an Worten weggeredet. Tauchen in einer wissenschaftlichen Theorie Widersprüche auf, wird die Theorie verworfen und durch eine bessere ersetzt. Einen Esoteriker juckt es gar nicht, wenn in seiner Theorie Widersprüche vorhanden sind. Ein Wissenschaftler kriegt Tag und Nacht kein Auge mehr zu, sobald interne Widersprüche auftauchen. Esoteriker bleiben ganz entspannt. Sollen die doch mal locker durch die transzendentale Hose atmen, diese verkopften Skeptiker. Widersprüche sind doch sowas von 90er.

Natürlich wird man von Esoterikern auch umgarnt, eingelullt oder verängstigt, hier mal eine Liste von Sätzen die ich sinngemäß aus real existierenden Esoterik-Büchern habe: „Wir haben uraltes Erfahrungswissen der Menschheit“, „Wo die Beweisbarkeit der Naturwissenschaften aufhört, bieten wir Wertvolles“, „Unerklärbare Gefühle, Krankheiten, Träume und Ereignisse lassen sich leicht durch Sternzeichen erklären“, „Technologie ist kalt, wir bieten Wärme“, „Mit Astrologie finden sie den richtigen Partner“, „Finden sie zu ihrem wahren Ich“, „Wir haben die richtigen Antworten und Deutungen auf ihre immer wiederkehrenden Probleme“, „Chemtrails verursachen deine Krankheiten“, „Impfungen verursachen deine Krankheiten“, „Fluorid heißt Fluor und ist Rattengift und verursacht deine Krankheiten“. Esoteriker lieben es Vorhersagen zu machen. Oft wird auch von schweren Schicksalsschläge berichtet, bei der man in der Esoterik seine Erlösung gefunden hat, um sich aus dem vorherbestimmten Schicksalsplan zu befreien. Einfach mal ausbrechen aus dem berechenbaren Krankenhausalltag. Haben wir hier die Schulmedizin mit der Schulmathematik vereint? Oder war es der Aszendent mit dem Widder? Oder der Steinbock mit dem Kopernikus?

In einer Talkshow im Fernsehen sitzen 1 Homöopath und 1 Wissenschaftler. Die Wahrnehmung ist Hälfte-Hälfte, oder? Nichts könnte fälscher sein. Im Bereich der Universitätswissenschaft liegt das Verhältnis 99 % zu 1 %. Das ist so, als wenn 99 KFZ-Mechaniker behaupten der Reifen ist rund und 1 KFZ-Mechaniker behauptet der Reifen ist eckig - und in die Talkshow lädt man 1 von den Runden und 1 von den Eckigen ein. Eine absurde Verzerrung der Realität. Das Thema Homöopathie ist so dermaßen abgeforscht, dass kein Wissenschaftler mehr Lust hat darüber zu sprechen. Oder haben sie Lust mit jemanden zu reden, der seit Jahrhunderten nur Anekdoten erzählt, aber in allen wissenschaftlich korrekten Untersuchungen versagt?

Ein Wissenschaftler ist jemand, der eine unwirksame von einer wirksameren Medizin durch eine wissenschaftliche Methode unterscheidet. Ein Esoteriker ist jemand, der einen als unwirksam oder höchstens placebowirksam erkannten Stoff/Therapie/Sachverhalt weiterhin als höher als placebowirksam oder sogar noch höher wirksam erklärt (und weiterverkauft). Esoteriker sind also gute BWLer, aber schlechte Wissenschaftler. Man könnte, was ich nicht tue, sagen, „Esoteriker sind bewusste Schwindler“. Aber das stimmt zu 95 % nicht, die Leute glauben das wirklich. Außer diejenigen 5 %, die damit sehr gutes Geld verdienen. Es ist paradox, dass man in der Esoterikszene sehr schnell von den bösen Abzockern spricht, aber man sich selbst von den eigenen Leuten dümmlichst übers Ohr hauen lässt. Friendly-Fire auf Rezept.

Wieder hatte ich einen Traum. Diesmal war ich Dozent an der deutschen Europa-Universität Viadrina, gerne auch „Hogwarts an der Oder“ genannt. Dort brachte ich meinen Studenten folgende drei Hauptsätze der Homöopathie bei:

Erster Hauptsatz der Homöopathie: Wirkungen haben Ursachen, die ich selber festlegen darf.

Zweiter Hauptsatz der Homöopathie: Wer Anekdoten erzählt, hat recht.

Dritter Hauptsatz der Homöopathie: Wenn der Homöopath kräht auf dem Mist, ändert sich die Krankheit oder bleibt wie sie ist.

Ich zog einen Kontoauszug aus meiner Tasche. Dort stand mein Gehalt, bezahlt von einer Familie Quandt. Komisch, gehörte denen nicht BMW? Wieso verkaufen die jetzt Homöopathika und bezahlen meinen Lehrstuhl. Seltsam…

Homöopathie ist keine halbfalsche Idee, bei der noch nicht ganz klar ist, kippt sie bald auf die Richtige oder die Falsche Seite. Die Falsch-Richtig-Grenze wurde wissenschaftlich klipp und klar gezogen und ist höchsten noch in winzigen statistischen Schwankungen veränderbar. Wie das genau funktioniert, was eine Studie ist und wie eine gute Studie aussieht und warum das wichtig ist, erfahrt ihr im zweiten Teil des Artikels.

In der AOK-Zeitung (die unabbestellbar zu sein scheint, ich versuche es seit 2 Jahren und bekomme sie immer noch) schreibt Dr. Eckart von Hirschhausen in seiner Kolumne über ein medizinisches Wunder. Ich nehme das als Anlass, um eins klarzustellen: Ja, alles ist möglich, auch das Gegenteil. Es ist nicht zu 100 % (hier sind wirklich 100 % gemeint, also perfekte Wahrheit und Sicherheit) möglich die Zukunft vorherzusagen. Genaugenommen ist es sogar nur zu 0 % möglich die Zukunft vorherzusagen. Wir könnten in einer Matrix leben, die Erde wird in die Sonne gezogen, die Schwerkraft hört einfach auf, Wunder sind morgen alltäglich, Außerirdische landen auf dem Mond, die Farbe verschwindet und die Welt wird schwarz-weiß, unser Gehirn vergisst alles was älter als 10 Sekunden ist, die Naturgesetze ändern sich, ein Drache fliegt über den Berliner Bundestag, wir können nicht mehr die Spreu vom Weizen trennen, aus Zufällen werden Regeln, ein Islamist wird Papst, Mario Barth wird lustig. Ja, alles ist möglich und auch das Gegenteil vom Gegenteil. Nur anhand der Erinnerung an die Vergangenheit können wir sagen, dies ist häufig passiert, also wird es wohl auch in Zukunft so sein. Deshalb ist der Einwand von Esoteriker „Es könnte doch auch anders sein“ nicht besonders sinnvoll, denn es könnte wirklich alles anders sein. Alles bis auf eins: Das etwas ist und gleichzeitig nicht ist. Wer sich das vorstellen kann, soll mir schreiben.

Es gibt keine unendlichen Weisheiten, auch wenn der ehemalige Präsident der deutschen Mathematikervereinigung Prof. Ziegler, dies hier über die Beweise in der Mathematik behauptet: http://www.dctp.tv/filme/riemann-das-goldene-zeitalter-der-mathematik/ Es wäre durchaus möglich, dass unser Gehirn, in einem langsamen Degenerationsprozess, aufhört Mathematik zu erkennen/erfinden. Oder es wird in der Logik doch ein bisher ungedachter Fehler gefunden. Oder ein Gendefekt könnte zum Verlust des axiomatischen Denkens führen. In der heutigen Mathematik ist Unendlich nichts anderes als die Beschreibung eines rein gedanklichen Kurz-Vorgangs, dass es immer so weitergeht. Es geht gar nicht darum, dass wirklich irgendeiner irgendwas morgen und übermorgen und unendlich lange tut, sondern es wird einfach gesagt, wir stellen uns jetzt vor es geht immer weiter (rein gedanklich). Da es keine Einwände gegen dieses Vorgehen gibt, kann man einfach ein Symbol für diesen Denkvorgang bzw. für diese Argumentation hinschreiben. Man befindet sich also nicht in irgendeiner realen Unendlichkeit, sondern in einem ganz aktuell und jetzt gedachten Denkvorgang. Nix mit unendlicher Wahrheit für alle Zeiten. Die Mathematik drückt quasi auf „Stop“ und hält die Zeit an. Es wird alles festgelegt und nichts darf sich verändern. Wenn A mal festgelegt wurde, darf es nicht während des Beweisens anfangen zu rosten und zu B werden. Da die reale Welt sich ständig verändert, ist es notwendig die Gedanken festzuzurren. Man kann nicht zweimal in denselben Fluss steigen, aber man kann zweimal in den selben Gedanken steigen. Ich möchte dies hier beenden, für Mathematik und Philosophie gibt es einen eigenen Blogartikel. Um den Kreis wieder zu schließen, ja es ist möglich dass morgen Wunder passieren. Man sollte aber bedenken, dass es Ergebnis „wunderloser“ jahrzehntelanger harter wissenschaftlicher Denkarbeit war, dass man gesund geboren wurde, geimpft wurde, gesund blieb und jetzt hier, warm, trocken und satt, auf einem Computer einen Blogartikel über Wunder lesen kann.

Ein gutes Gefühl, ein Leben lang.

Was stört uns häufig? Es sind Menschen, die Dinge behaupten und noch mehr behaupten und noch mehr behaupten und immer mehr Wörter kommen aus ihrem Mund und immer mehr Behauptungen. Und wir sitzen wütend da und denken, wie soll ich diese Behauptungen überprüfen? Woher soll ich wissen was wahr und was falsch ist? Wem oder was soll ich glauben? Der hat ja in 5 Minuten mehr behauptet als ich in meinem ganzen Leben widerlegen könnte. Was tun?

Hier gibt es eine sichere Methode (für den Bereich Medizin): Das Verständnis von sogenannten Goldstandard-Studien bzw. die Evidenzbasierte Medizin. Ich werde versuchen dies Schritt für Schritt zu erläutern. Vorne weg: Das Wort „Studie“ ist wertlos, solange man nicht genau weiß, ob bei der Studie alle wichtigen Punkte beachtet wurden. Der Satz „Eine Studie besagt xyz“ ist solange wertlos, bis man informiert wurde, ob alle wichtigen Kriterien eingehalten wurden. Ansonsten ist eine Studie nur moderne Kaffeesatzleserei. Das Wort „Wissenschaftler“ ist eigentlich auch wertlos, jeder kann sich so nennen. Auch hier ist es wichtig, dass bestimmte Kriterien eingehalten werden. Menschlich gesprochen bedeutet dies, dass man fair, ehrlich und methodenkritisch ist, und dass man lebenslang die grundlegende Bereitschaft hat, für ein gutes Argument alles über Bord zu werfen, was man bisher erzählt oder geglaubt hat. Das heißt nicht, dass man dies auch tut, denn die Lebenszeit könnte nicht ausreichen, um zu erkennen, dass das Argument gut ist. Aber prinzipiell sollte man diese Grundeinstellung besitzen. Eine zweite Grundeinstellung ist auch wichtig: Man sollte ständig versuchen sich selbst zu widerlegen. Vor dem öffentlichen Behaupten muss man also so oft wie möglich versucht haben, seine eigene Behauptung zu widerlegen. Es scheint mir fast die Definition eines Esoterikers zu sein: Ein Esoteriker ist eine Person, die kein Interesse daran hat, seine eigenen Behauptungen zu widerlegen.

Die Homöopathie funktioniert , weil… Die Astrologie funktioniert, weil… Wunschelruten funktionieren, weil… Es ist eine wichtige Erkenntnis, dass Erklärungen gar nicht notwendig sind. Überraschend, oder? Denn nicht wer erklärt hat recht, sondern wer wirksam(er) ist, hat recht. Physik-Nobelpreisträger erhalten ihre Nobelpreise nicht für ihre Erklärungen, sondern für das (immer und immer wieder) Eintreten ihrer Vorhersagen. Treten Vorhersagen ein, bekommt man den Nobelpreis. Treten die Vorhersagen nicht ein, bekommt man nichts. Erklärungen bedeutet gar nichts. Beispiel: Meine Vorhersage lautet, die Sonne geht im Osten auf und im Westen unter. Dies tut sie tatsächlich über Jahrzehnte hinweg, immer wieder. Ich erhalte also den Nobelpreis und behalte ihn auch. Denn egal ob ich wie in der Antike erkläre: Da reitet ein Feuerpferd den Himmel entlang. Oder in der Neuzeit erkläre: Die Erde dreht sich. Die Vorhersage und ihr Ergebnis bleiben gleich. Auch Kraft und Energie sind sehr schwer zu erklärende Begriffe, laut Physik-Nobelpreisträger Prof. Feynman und Prof. Harald Lesch, trotzdem hantieren wir sehr erfolgreich mit beiden Begriffen. Angenommen ich erkläre lang und breit wie das Wetter in 8 Wochen sein wird, dann spielt die Erklärung trotzdem keine Rolle. Ich muss zeigen, dass in 8 Wochen genau das Wetter wirklich eintritt. Eine Erklärung ist ganz nett, aber nicht notwendig. Also halten wir fest: Erklärungen sind nicht notwendig, es zählt nur die Vorhersage/Behauptung und der Vergleich mit dem vorhergesagten/behaupteten Ergebnis. Wenn also jemand behauptet, dies wäre ein Lenkrad und dreht man es nach links, bewegt sich auch das Auto nach links, dann überprüfe ich das tausendmal und tatsächlich tritt das vorhergesagte immer ein. Er könnte mir auch Erklärungen über die Lenkgeometrie und die Spurstange und das Fahrwerk und die Querlenker machen, aber was nützen all diese Erklärungen, wenn seine Vorhersage nicht eintritt?

Jemand behauptet Besen können fliegen. Er erklärt uns 3 Stunden lang, in ausschweifender und durchaus spannender Form, warum Besen fliegen können. Aber all das ist vergebliche Liebesmüh, denn wir wollen den Besen fliegen sehen! Also bedarf es keiner Erklärungen, sondern er hat sich auf den Besen zu setzen und zu fliegen. Und, oh Wunder, er fliegt nicht. Ausreden: Er fliegt nur, wenn man nicht hinguckt. Er fliegt nur, wenn man ihn nicht bewusst testet. Er fliegt nur, wenn man nicht misst. Er fliegt nur Sonntags. Halten wir also als erstes Zwischenergebnis fest: Es braucht keine Erklärungen. Man braucht nur eine Vorhersage und ein Ergebnis. Die Vorhersage könnte lauten: Mit dem Medikament verlängern wir Schlaf um 2 Stunden. Das Ergebnis lautet: Die Patienten mit bisher 3 Stunden Schlaf pro Nacht, schlafen mit dem Medikament 5 Stunden pro Nacht. Man sieht: Es sind keine Erklärungen notwendig, man muss nur zeigen, dass die Vorhersage (immer wieder) eintritt.

Den zweiten Teil gibt es demnächst. Er liegt noch halbfertig auf meiner Festplatte. Halt wartet, lasst uns zum Abschied gemeinsam an die Hände fassen und den Kostenlosen E-Mail Newsletter von Jesus bestellen: https://www.youtube.com/watch?v=3MX5q1CR-iE

Mein Trainingsplan für den Muskelaufbau.

Zuhause beginne ich mit 10-minütigem gymnastischen Rumhampeln, danach wandere oder jogge ich ca. 30 Minuten zum Studio. Im Winter fahre ich bei starker Kälte mit dem Auto, ich habe keine Lust bei Eisglätte auf die Nase zu fallen und man kühlt auch ganz schön aus. Aufgrund eines möglichen Interferenzeffektes versuche ich Ausdauereinheiten zu vermeiden, daher fahre ich seit neuestem nur noch mit dem Auto ins Studio. Der Interferenzeffekt besagt, dass man Ausdauertraining und Muskelaufbautraining nicht kombinieren sollte, da es sich negativ auf das Muskelwachstum auswirkt. Auch ein viel zu langes Muskelaufbautraining gilt durch den hohen Energieverbrauch (im zu lange trainierten Muskel) als Ausdauertraining. Wer also z. B. für sein Armtraining länger als eine Stunde im Fitnessstudio verbringt, der muss sich fragen lassen: Willst du Muskeln aufbauen oder Ausdauer trainieren? Ich beginne die meisten meiner Übungen mit einem Aufwärmsatz mit leichten Gewichten, um gezielt warm zu werden und um mental in die Übung rein zu kommen. Anfangs hat mein Trainingspartner Videos mit dem Handy gemacht, um meine Haltung zu verbessern. Kaum etwas ist wirksamer zum Abstellen von Fehlern als sich selbst auf Video zu sehen und zu analysieren. Ich vermeide ruckartige Bewegungen, auch beim Aufwärmen. Die beste Verletzungsvorsorge: Langsame, gleichmäßige Bewegungen. Dies ergibt sich leicht aus mechanisch-physikalischen Berechnungen, denn es ist die kurzfristige, abrupte Spitzenbelastung die gefährlich ist. Du kannst vom Kölner Dom die Treppen runtergehen oder du kannst von der Kirchturmspitze runterspringen, Ergebnis bleibt gleich. Nur musst du die im freien Fall eingesparten Muskelkräfte am Boden in ziemlich kurzer Zeit nachholen.

Übungen:

Beine - Kreuzheben
Beine - Kniebeuge (tief und ohne Butt Wink)
Beine - Beinbeugemaschine
Beine - Beinpressemaschine (Füße oben Trittfläche)
Beine - Wadenheben
Beine - Glutaeusmaschine
Beine - Adduktoren und Abduktoren Maschine

Rücken - Langhantelrudern
Rücken - Rudern Kurzhantel
Rücken - Umgekehrtes Butterfly
Rücken - Rudern Maschine (weiter Griff)
Rücken - Latziehen (zur Brust)
Rücken - Klimmzüge Untergriff/Obergriff

Schulter - Seitheben leicht vorgebeugt
Schulter - Schulterdrücken
Schulter - Außenrotation Kabelzug
Schulter - Kubanische Drehung Kabelzug
Schulter - Face Pulls

Bauch - Bauchmaschine

Brust - Schrägbankdrücken
Brust - Fliegende
Brust - Frontheben Kabelzug (ca. 45 Grad schräg)
Brust - Kabelziehen (vollständiges ROM)

Arme - Hammer-Curls oder Reverse-Curls
Arme - Konzentrationscurls Bizepsmaschine
Arme - Trizeps Kabelzug Unter/Obergriff
Arme - Trizepsdrücken sitzend
Arme - Unterarmcurls Unter/Obergriff Fingerrollen

Die Durchführung der Sätze erfolgt nach dem HIT-Prinzip. Erläuterung => Was ist HIT? http://goo.gl/neRjQJ Ich gehe also in jedem Satz bis ans äußerste Limit. Die letzte Wiederholung eines Satzes muss sich anfühlen als hebt ihr einen LKW an, der eure Frau überfahren hat. Die optimale Spannungsdauer eines Satzes liegt (gemäß den Erkenntnissen von Dr. Marco Toigo, ETH Zürich) bei ca. 90 bis 120 Sekunden. Um diese dauerhafte Spannung aufrechtzuerhalten, wären spezielle Kabelzugmaschinen optimal. Bei freien Gewichten habt ihr Bewegungsabschnitte, in denen fast keine Belastung auf dem Muskel ist. Diese speziellen Maschinen können in der negativen Phase mehr Gewicht erzeugen und in der positiven Phase das Gewicht gleichmäßiger über den gesamten Bereich verteilen. Leider gibt es diese Maschinen nicht in meiner Nähe. Ich möchte noch kurz etwas präzisieren: Ja, ich mache ein 1-Satz-Training, also HIT, aber ich mache trotzdem mehrere Übungen pro Muskel. Also zum Beispiel Klimmzüge im Untergriff (Bizeps beteiligt) und die Bizepsmaschine (Bizeps beteiligt).

Das HIT-Prinzip erscheint mir aus wissenschaftlicher Sicht als optimal zum Muskelaufbau. Auch die Geschichte des Bodybuilding lässt sich chronologisch so beschreiben: Extrem viel, viel, etwas weniger, mittel, wenig, fast nichts. Früher hat man, im Gegensatz zu heute, extrem viel trainiert. Heute weiß man, dass weniger das gleiche bringt. Bodybuilding ist kein Maximum, sondern ein Optimum.

Das Ganzkörpertraining dauert nur ca. 60 Minuten, meine Muskeln sind danach trotzdem platt. Ich wähle mir dazu aus dem großen Pool an möglichen Übungen einige aus. Dies entscheide ich recht spontan im Studio. Die Grundübungen sind immer dabei. Trotz Umkleidekabinenzeit und Aufwärmsätzen kann ich das Fitnessstudio schon nach etwas über einer Stunde verlassen. Die Zeiten sind natürlich nur Richtwerte. Ich nutze für meine Pausen keine Stoppuhr, sobald ich nach einem Satz wieder halbwegs normal atmen kann, geht’s weiter. Für den HIT-Satz mit 90 - 120 Sekunden Spannungsdauer nutze ich eine Stoppuhr-App, die mir die Zeit ansagt (über Kopfhörer in die Musik hinein). Ich trainiere in jedem Satz bis zum Muskelversagen. Ich trainiere meist früh-morgens, direkt vor der Arbeit. Ich trainiere zweimal die Woche: Montag und Donnerstag. Rest frei. Dabei lasse ich ab und an zwanglos auch mal fünf oder sechs Tage Pause, um vollständig zu regenerieren und kleine "Wehwehchen" oder einen Muskelkater abheilen zu lassen. Meine Arbeit als Kfz (Lkw) Mechatroniker (in einem Edeka-Logistikzentrum in der Nähe von München) ist körperlich ziemlich fordernd und im Training gehe ich immer an meine (lokale) Belastungsgrenze, daher belasse ich es bei dem nach recht „wenig“ erscheinenden Aufbau meiner Woche.

Ich halte mich nicht sklavisch an 10 Wiederholungen (WH) pro Satz, es können auch mal 9 WH sein oder auch 11 WH. Ab 12 oder 13 WH beginne ich aber das Gewicht zu erhöhen, um mich wieder bei ca. 10 WH einzupendeln. Die Zeitdauer pro Wiederholung ist ca. 10 Sekunden, damit komme ich auf 100 Sekunden und liege damit zwischen den empfohlenen 90 - 120 Sekunden. An den gedehnten Start und Endpunkten jeder Wiederholung halte ich kurzzeitig das Gewicht, das nimmt auch möglichen Schwung aus der Bewegung. Wichtig ist, bei jedem Satz an seine mentale Willens-Grenze zu gehen, um den maximalen Muskelwachstumsreiz zu setzen (natürlich ohne Schwung, mit sauberer, korrekter Ausführung und dauerhafter Spannung im Muskel, Stichwort TUT, Time under Tension und voller ROM, Range of Motion). Muskelwachstum wird im Kopf entschieden. Sowohl beim dauerhaften Durchhalten über Jahre als auch beim jedem einzelnen Satz. Jede letzte WH eines Satzes ist wie ein Mini-Zieleinlauf. Muskelwachstum ist kein fernes „End-Ziel in 5 Jahren“, sondern das Sofort-Ziel in jedem Satz. So gesehen ist Bodybuilding ein Leben im Augenblick, geschrumpft auf eine Minute, konzentriert auf den einen Satz. Oder, für Herr-der-Ringe-Fans: „Ein Satz, sie zu knechten, sie alle zu schinden, ins Eisen zu treiben und ewig zu binden.“

Wenn ihr ein sehr schweres Gewicht nehmt und es nach ca. 20 Sekunden nicht mehr bewegen könnt, dann war der Satz zwar anstrengend, aber dies ist nicht vergleichbar mit einem mittelschweren Gewicht, das ihr nach ca. 120 Sekunden nicht mehr bewegen könnt. Dann setzt ab ca. 60 Sekunden ein sehr ekliges Muskelbrennen ein. Dieses Brennen müsst ihr fast noch weitere 60 Sekunden aushalten. Hier trennt sich die mentale Spreu vom Weizenwillen. Es tritt dann im trainierten Muskel die totale Bewegungslosigkeit ein, da alle Muskelfasertypen gleichzeitig erschöpft sind. Diese totale Bewegungslosigkeit scheint optimal zu sein für den Muskelaufbau, was zumindest aus evolutionärer Sicht Sinn ergeben würde, da totale Bewegungslosigkeit (also komplette Hilflosigkeit) ein absolutes Steinzeit-No-Go ist. Hebt ihr ein sehr schweres Gewicht, dann sind eure langsamen Muskelfasern danach noch einsatzbereit. Hebt ihr ein sehr leichtes Gewicht, sind eure schnellen Fasern danach noch einsatzbereit. Nur bei einem mittelschweren Gewicht könnt ihr beide gleichzeitig erschöpfen.

Ohne Trainingspartner ist es schwer z. B. beim Bankdrücken wirklich HIT zu machen, sonst hängt einem in der letzten Wiederholung die Stange am Hals. Abhilfe schafft hier die Bankdrückmaschine oder die Multipresse mit Haken zum einrasten auf jeder Höhe. Anfangs ärgerte ich mich nach dem Training (als ich wieder zu Hause war), dass ich nicht intensiv genug trainiert hatte. Das war der Antrieb um ab sofort Vollgas zu geben. Ich wollte zu Hause sicher wissen, dass ich 100 % gegeben hatte. Bei der Beinhebestation müssten eigentlich die Beine in einem festen Winkel gehalten werden und nur das Becken hochgeschoben werden. Sonst ist der Hüftbeuger aktiv und weniger die Bauchmuskeln. Am Ende eines HIT-Satzes wird auch nicht einfach die Hantel fallengelassen, sondern man hält sie noch einige Sekunden, um wirklich auch die allerletzte Muskelfaser zu aktivieren und zu erschöpfen. Beim Bankdrücken daran denken, hinten die Schulterblätter zusammenzuziehen bzw. zurückzuziehen. Update: Eventuell werde ich Bankdrücken durch eine andere Übung ersetzen, da ich Schmerzen in der Schulter bekomme, trotz korrekter Ausführung. Mit einem Besenstiel (als gewichtslose Langhantel) habe ich die Mobilität meiner Schultern und Arme für die Kniebeuge verbessert. Beim Butt Wink blockiert euer Oberschenkelknochenhals in der Hüftknochenpfanne und dreht die Hüfte mit. Dabei verbiegt sich die Wirbelsäule ungünstig und die Wirbelknochen drücken punktuell in die Bandscheibe hinein. Zum Muskelaufbau (und nur darum geht es hier im Artikel) sind Körpereigengewichtsübungen nicht geeignet, denn diese werden irgendwann zu leicht und ihr müsst Geräte oder Zusatzgewichte benutzen, um in der optimalen Spannungsdauer von 90 bis 120 Sekunden zu bleiben.

Übungen die event. noch eingebaut werden / noch zu testen sind:

Tiefe Ausfallschritte, inkl. rückwärts 
Einbeinige Kniebeuge hinterer Fuß auf Bank
Einbeiniges Beckenheben
Aufrechtes Rudern Kabelzug bis Kinn
Richtige Rücken-Hebe-Techniken
Faszienstretching
Propriozeptives Training
Unterarme SZ-Stange
Proteolyse und Hungerstoffwechsel
Mobility Training gegen Hohlkreuz, Rundrücken usw.
Wall Slides, Push Up Plus, Glute Ham Raises Maschine
Innenrotation Armdrücken
Supersätze
Hintere Schulter Kabelzug
Gelenk-und-Muskel-ROM-vollständig-je-300x-ausnutzen-ohne-Gewichte
Katzenbuckel mit Gewicht
Schulterblattziehen einarmig
Barfußlauf am Strand
Frontfußheben

+ Einige spezielle Übungen für die Unterarme und Fingerkraft
+ Laufen oder lange Wald-Wanderungen, wenn ich Lust habe
+ Entspannung/Gymnastik und anderer „Kleinkram“
+ Armdrücktechniken - Gewinn den Kneipencontest! (und brich dir den Arm)
+ LKW kaufen und Over-the-Top-Armdrückmaschine einbauen

Empfehlenswerte Websites und Bücher:

Fitness-Experts => 2 Wissenschaftler (Update: Trennung der beiden, es ist also nur noch einer) die mit vielen Mythen und Irrlehren in Bezug auf Ernährung und Muskelaufbau aufräumen. Alles ist evidenz und studienbasiert, kein blabla, kein BroScience, kein Hörensagen, keine Fitnessesoterik: http://fitness-experts.de/ Der zweite Wissenschaftler (Arzt) ist weitergezogen zu: https://dotzauerinstitut.de/ Allerdings ist mir nach einiger Zeit aufgefallen, dass die beiden sich auf wenige Koryphäen beschränken (z. B. Lyle McDonald) und andere Erkenntnisse kaum einfließen lassen (HIT kommt gar nicht vor).

Prof. Dr. Dr. Jürgen Gießing => Sportwissenschaftler an der Universität Koblenz und seit vielen Jahren auf den Bereich Muskelaufbau und deren Theorien spezialisiert. Er kann stichhaltig untermauern, warum die Trainingsmethode HIT für den Muskelaufbau am effizientesten ist. Zwei seiner Bücher sind http://goo.gl/Qh0Ao3 und http://goo.gl/BCgzI6

Dr. Kurt Moosburger => Sportmediziner aus Österreich und betreibt eine informative Website, die mit vielen Ernährungsmythen aufräumt: http://goo.gl/yxkCYl Ein kurzes Erklär-Video findet ihr hier: http://goo.gl/5KvVfb Ein langes Erklär-Video hier: http://goo.gl/7nLXgp

Andreas Frey => Ein Profibodybuilder mit viel Wettkampferfahrung, Europameister, Weltmeister und Mr. Universe. Allerdings ist hier anzumerken, dass im Profibereich (z.B. bei Mr. Olympia oder Arnold Classic usw.) natürlich alle Bodybuilder "chemische Hilfsmittel" nehmen (ein offenes "Geheimnis"). Trotzdem ist seine Website mit den Übungen gut für den Einstieg geeignet, mit kleinen Vorschaufilmchen der Übungen: http://www.freynutrition.de/trainingsuebungen.html Interessant sind seine sehr hohen Wiederholungszahlen bei der Beinmuskulatur.

BroScience => Zwei junge Typen aus Amerika machen witzige YouTube-Filmchen über Bodybulding, z.B. den hier http://goo.gl/IjGyQt oder den hier http://goo.gl/jCx3yy

Frédéric Delavier => Hat ein sehr schön bebildertes und bekanntes Anatomiebuch geschrieben, dieses hier: http://goo.gl/ktZ9Hg Man erkennt dort gut, welche und wie die Muskeln bei den Übungen wirken.

If It Fits Your Macros => Eine interessante Diätform, bei der du essen kannst was du willst, du musst nur deine "Makros" einhalten (also die drei großen Player: Eiweiß, Kohlenhydrate und Fett). Mit welchen Lebensmitteln du das machst, ist dir freigestellt. Hier eine Kurz-Erklärung: http://fitness-experts.de/grundlagen/iifym

Team-Andro => Ein großes Bodybuilding-Forum, bin dort auch angemeldet. Einfach durchstöbern, vielleicht zum Anfang mal in die Vorher/Nachher-Bilder Ecke reinschauen: http://goo.gl/A7j23i

Ben Sattinger => Ist Weltmeister und Natural-Bodybuilder und gibt in diesem Videokanal grundlegende Tipps für den letzten Feinschliff am Körper vor einem Wettkampf. Also wie bekommt man den Körper knochentrocken, wie bekommt man das letzte Unterhautfett und Unterhautwasser aus dem Körper, wie trägt man die Bräune richtig auf usw. Er hat seine gesamte Wettkampfvorbereitung minutiös auf Video festgehalten, eine lehrreiche Dokumentation seiner Fortschritte. Hier: http://goo.gl/4IgVic und hier: http://goo.gl/JoqN5o

Thomas Scheu => Ein sympathisches Urgestein der Bodybuilding-Szene. Immer ganzjährig in Top-Form: https://goo.gl/gf1acK (Interessant ist sein Tipp, schon 1 Woche vor dem Wettkampftag in Körperfettbestform zu sein)

Christian Zippel: Doktor der Philosophie und promoviert bei Harald Lesch. Hat das Buch "Der Wille zur Kraft" geschrieben: http://goo.gl/JNzdGL Er beschreibt weniger WIE man trainieren soll, sondern wozu, warum und wieso man überhaupt trainieren sollte. Man führt nicht einfach nur stumpf Bewegungen aus, sondern man will immer bessere Resultate. Man geht nicht nur einfach zum Training, sondern stählt seinen Körper und Geist bis ans Lebensende. Stichwort: Altersstärke (statt Altersschwäche).

Was ist eigentlich dein Ziel?

Einerseits mit dieser Diät => http://goo.gl/WPNFRt den Körperfettanteil auf unter 10 % senken und mit dem obigen Trainingsplan und dem HIT-Prinzip Muskeln natural aufbauen, bis ans genetische Limit, sozusagen die beste Version von sich selbst zu erschaffen. Dabei greife ich etwa zur Hälfte auf wissenschaftliche Studien bzw. Sportwissenschaftler zurück und zur anderen Hälfte auf sogenannte Meisterlehren, also persönliches Erfahrungswissen von erfolgreichen Spitzenbodybuildern.

Zitate

"Schmerz ist nur vorübergehend. Er dauert vielleicht eine Minute, oder eine Stunde, oder ein Tag, oder ein Jahr, aber letzten Endes wird er abklingen. Wenn ich aufgebe, wird das für immer sein." - Lance Armstrong (vermutlich)

"Um das zu erreichen, was andere nicht können, muss man das tun, was andere unterlassen." - Unbekannt

"Du solltest einfach am falschen Zeitpunkt anfangen, um den perfekten Zeitpunkt zum anfangen selbst zu schaffen." - Von mir :-p

"The Iron never lies to you. You can walk outside and listen to all kinds of talk, get told that you're a god or a total bastard. The Iron will always kick you the real deal. The Iron is the great reference point, the all-knowing perspective giver. I have found the Iron to be my greatest friend. It never freaks out on me, never runs. Friends may come and go. But two hundred pounds is always two hundred pounds." - Henry Rollins

"Ich trainiere, weil ich den 70-jährigen sexy Mädels am Strand den Kopf verdrehen will." - Charles Eugster, 95 Jahre alt, Zahnarzt, Bodybuilder und Weltrekordhalter

"Everyone is a unique and delicate flower, just like their mom told them." - Lyle McDonald, mit triefender Ironie

"Mit eiserner Disziplin schafft man es nicht, man muss es einfach so tun." - Von mir

"Handeln Sie. Vorsätze interessieren niemanden." - Marco Toigo, Sportphysiologe, ETH Zürich

Zusammenfassung

Nach jetzt bald 17-jähriger (theoretischer) Beschäftigung (ca. seit dem Abitur) mit Muskelaufbau, schält es sich kristallklar heraus, dass dieses Thema im Grunde (in der Praxis) extrem einfach ist, denn es gelten folgende Grundregeln:

1. Trainiere hart und intensiv, hauptsächlich die Grundübungen.

2. Achte auf genügend Regeneration, Pausen (mindestens 48 Stunden für den trainierten Muskel) und Schlaf.

3. Iss ausreichend Eiweiß, ca. 2 g pro kg Körpergewicht, verteilt auf kleinere Portionen über den Tag hinweg.

4. Fahre ab und zu eine Diät (=Kaloriendefizit) um deine Muskeln sichtbar zu machen, also um "definiert" auszusehen.

Mit diesen Grundregeln ist es für jeden möglich einen durchtrainierten, muskulösen Körper zu bekommen. Es gibt keine weiteren Geheimnisse. Höchstens über Nuancen könnte man diskutieren. Aber um diese Nuancen seriös zu beantworten, muss man aufwändige Studien machen. Warum soll man auf diese Ergebnisse warten, wenn 90 % schon als richtig erkannt wurde? Man kann sich jahrelang in einem Forum darüber streiten, ob es jetzt 1,7 g oder 1,8 g Eiweiß sein müssen, aber solche Nuancen fallen unter Messfehlern/Individualität/Statistik und sind für die Praxis irrelevant. Ohne gute Studien drehen wir uns nur im Anekdotenkreis.

Fitnessstudio-Knigge: Denkt bitte daran eure Hantelscheiben wieder abzubauen. Es ist nicht nett, wenn man 200 kg an der Beinpresse drückt, dann abhaut und der Nachfolger muss 8 Hantelscheiben abbauen. Wer das macht, wird mit 10 Karl-Ess-Videos am Stück bestraft :-D Es sollte auch selbstverständlich sein, ein Handtuch mitzunehmen und gegen den Schweiß auf die Bank zu legen. Und, an die lieben Fitnessstudiobetreiber, man muss das Adduktorengerät nicht in die Raummitte zeigen lassen... Trotzdem kann man im Grunde nicht über heutige Fitnessstudios meckern, denn was man für 20 Euro im Monat geboten bekommt, ist wirklich gut. Ich bin mit dem Preis-Leistungsverhältnis zufrieden. Wobei, eine Klimaanlage für die extrem heißen Sommertage wäre schon nicht schlecht. Die Hochsommer-Hitze im Studio ist brutal. Ich gehe in dieses Studio: http://www.fitnexx.eu/studios/studio-neufahrn/

Du hast zu dünne Arme? Schneid von allen T-Shirts die Ärmel ab. Arnold hatte immer zu dünne Waden. Was tat er um sich zu motivieren? Er schnitt seine Hosen am Knie ab. Alle sollten seine Waden sehen und er war dadurch motiviert sie zu verbessern.

Merke: Es zählt vor allem, ob du ein Ziel findest, dass deinen Arsch bewegt. Auf Deutsch: Es zählt die Konstanz. 99 % sind Transpiration und 1 % sind Inspiration, frei nach Edison und seiner Geniedefinition. Im Fitness-Kochbuch ist beim Muskelaufbau-Rezept die wichtigste Zutat: Dauerhaftigkeit. Alles Wissen und alle Theorie nützt nichts, wenn du nicht dauerhaft bei der Praxis bleibst. Die Basics beim Muskelaufbau sind im Grunde ganz einfach, aber hältst du sie auch über Jahre durch? Das ist der Knackpunkt. Oder, wie ich das mal für den Bereich Diät formuliert habe: Die Leute brauchen keinen Ernährungsberater, sie brauchen einen Willensberater.

Für mein Truppenpraktikum (in Rendsburg bei Kiel, eine schöne Zeit dort) als angehender Offizier, war ich 3 Monate in der Grundausbildung als Ausbilder eingesetzt. Dort gab es Morgens Frühsport, und dabei z. B. Wandsitzen und Stuhl halten. Als Ausbilder gibst du den Takt vor und weißt natürlich wann Schluss ist (nämlich wenn du selbst platt bist), der Rekrut wusste es nicht, dass ist mental viel härter. Manchmal ließ ich die Rekruten beim Liegestütz selbst laut zählen, verzählte sich einer, gings wieder bei 0 los => Gruppendynamik vom Feinsten. Könnten Boot-Camps motivieren?

Kurz zu mir: Ihr fragt euch vielleicht, wenn der soviel Ahnung hat, warum sieht der noch nicht aus wie ein Monster? Weil ich erst den Theorieweg gegangen bin. Es machte mir einfach Spaß, erst einmal die Theoriebasis abzuklopfen bevor ich mit der Praxis anfange. Ok, ok, es ist bei mir etwas ausgeartet (dank meiner halb-autistischen Seite), aber nach einer halben Ewigkeit geht es bei mir nun auch endlich ans ernsthafte praktische umsetzen. Ich meine nur, falls ihr Bilder von mir seht und denkt, mh, der sieht zwar fit aus, aber nicht sooo muskulös.

Nur wer wirklich zum Training geht... wird Erfolge erzielen. Also, aufhören mit optimieren und ausfeilen der dritten Stelle hinterm Komma, aufhören mit optimieren des Trainingsplans, aufhören mit optimieren des Ernährungsplans und einfach hingehen und machen. Keine Optimierungs-Perfektionierungsgedanken mehr. Einfach machen. Jede Motivationsregel ist erlaubt, solange sie erfolgreich ist. Es ist ok, seine Motivation daraus zu ziehen, eine verpasste Trainingseinheit als Verlust und als Niederlage zu empfinden, auch wenn Jürgen Klopp das durchaus plausible "Die Lust aufs Gewinnen macht dich stärker als die Angst vorm Verlieren" verkündet. Warum ist Christiano Ronaldo gut? Weil er schon mit 3 Jahren angefangen hat und einfach gemacht hat. Machen, machen, machen. Und Optimieren erst am Schluss oder auch gar nicht. Denn durch machen kommt man extrem weit im Bodybuilding. Arnold hat auch einfach gemacht. Der hat nicht erst 10 Jahre seine Gedankengebäude optimiert, sondern ist einfach ins Studio und Vollgas. Wer seine Motivation aus Wut von der Arbeit auf den Chef zieht: Total ok. Wer seine Motivation aus "Mein Leben ist so beschissen, aber wenigstens meinen Muskelaufbau habe ich." Total ok. Oder man probiert eine Motivationsregel, die bei einem nie funktioniert hat und macht genau das Gegenteil. Du sollst fleißig sein? Sei faul. Du sollst viel über Bodybuilding lesen? Lies gar nichts mehr. Du sollst die Trainingspläne der Profis nehmen? Mach deinen eigenen. Du sollst nicht bis zum Muskelversagen trainieren? Trainiere bis die Arme zittern. Training soll Spaß machen? Fang an dein Training zu hassen.

Ich habe zu Hause alles an Fitnesszeug weggeschmissen. Therabänder, Fingerdrücktrainer, Hantelstange, Jonglierbälle, Gymnastikmatte und anderer Kleinkram. Mir geht's jetzt viel besser, ich bin viel motivierter. Nichts lenkt mich mehr ab. Ich geh einfach nur ins Fitnessstudio. Ein zentraler Ort zum Trainieren und keine Verzettelung mehr. Mir hilft das. Dieser Kleinkram existierte nur, weil ich in diesem Optimierungsding festhing.

Ich fange an Menschen zu beneiden, die die Motivation für ihr Training aus der Angst vor dem Verlust einer verpassten Trainingseinheit ziehen. Starke Motivation ist wohl doch ein Spiegelbild einer Angst etwas zu verpassen und Midlife-Crisis die Erkenntnis, hey, das kann doch nicht alles gewesen sein im Leben, ich habe ja bisher nur rumgeeiert, jetzt aber Attacke, und man stürzt sich als 40-jähriger ins Marathontraining. Auch ein schlechtes Gewissen ist okay als Antrieb, damit ist nicht dieses lasche lala Faulheits-Schlechte-Gewissen gemeint, sondern so ein richtiges fettes, fieses schlechtes Gewissen.

Motivationsupdate: Seit März 2016 ernähre ich mich glutenfrei. Dies hat bei mir viele langjährige Probleme gelöst, z.B. meine andauernde Müdigkeit, trotz viel Schlaf. Nach einem Topf Nudeln habe ich teilweise 14 Stunden geschlafen und war trotzdem noch müde und antriebslos. Nach Keksen oder Salzstangen hatte ich starke Blähungen und Durchfall. Obwohl ich mich als halbwegs schlaues Kerlchen einschätze, habe ich in 35 Jahren nie den Zusammenhang gesehen zwischen "Brot" und meiner Antriebslosigkeit. Bei der Bundeswehr (morgens in der Kantine) habe ich meistens Brötchen gegessen und hatte dann festsitzende Blähungen im Darm. Ich habe schon alle möglichen Lebensmittel verdächtigt, oder auch meinen hohen Kaffeekonsum, aber es war das Brot (!). Gestern stand am Bahnhof ein großes Plakat von "Brot für die Welt". WER soll denn bitte darauf kommen, dass Brot (bzw. Gluten im Brot) der Übeltäter meiner Probleme war? Der Unterschied meiner glutenfreien Ernährung war enorm. Keine Darmprobleme mehr, Dauermüdigkeit weg und eine sehr starke Motivation ins Training zu gehen. So wie eine losgelassene Handbremse fühlte es sich an.

Kann man den Brustmuskel im oberen Bereich trainieren?

Ein ewiges Dauerstreitthema. Kann man den oberen Anteil des Brustmuskels isoliert trainieren? Ja, natürlich! Dies ergibt sich rein anatomisch-logisch. Der Brustmuskel beginnt als dünne Zuspitzung am Oberarm und verläuft dann fächerförmig-aufspreizend auf die andere Seite, bis zur Mitte der Brust (einfach mal ein Brustmuskel-Bild googeln). Man nehme jetzt ein dreieckiges Gummituch und ziehe nur an zwei Ecken, dann hängt die dritte Ecke schlaff herunter. Bei einem Gummiband (z.B. dem Bizeps) geht dies natürlich nicht, aber bei einem (grob) dreieckig geformten Muskel kann ich durch die Zugrichtung bestimmen, welche Anteile belastet werden sollen. Zieht mal euren rechten Arm von schräg unten rechts nach schräg oben links (z.B. am Kabelzug Frontheben), dann spürt ihr, wie die unteren Brustmuskelanteile schlaff bleiben. Logisch, denn die liegen ja im „falschen“ Winkel zur Zugrichtung, die haben keine Chance zu unterstützen. Trotzdem gibt es Profis wie Daniel Gildner (die sogar Sportwissenschaft studiert haben) die das Gegenteil behaupten. Siehe hier: https://youtu.be/adoXwHDc2hU?t=5m10s

Man kann in diesem Video von Armin Memic sehr gut den Brustmuskel erkennen. Jetzt überlege man sich, in welchen anderen Richtungen und Winkeln welcher Anteil des Brustmuskels unter Zugbelastung steht: https://youtu.be/xC2aAlcHm1g?t=57s

Hast du noch etwas interessantes?

Exzentrisches Training: Wenn ihr beim Bankdrücken 100 kg hochdrückt, dann könntet ihr beim herablassen locker 130 kg aushalten. Dies vergrößert die Spannung im Muskel, macht das Training intensiver und erhöht den Wachstumsreiz. Dazu müsste euer Trainingspartner beim herablassen ein wenig auf die Langhantel drücken, um ein höheres Gewicht zu simulieren. Es gibt auch Maschinen die extra so gebaut sind, dass sie in dieser Phase mehr Gewicht erzeugen, z.B. diese hier: https://goo.gl/WewRA7

Maschinentraining: Der Nachteil von Freihanteltraining ist, dass ihr bestimmte Bewegungsabschnitte habt, wo der Muskel kaum unter Spannung steht. Macht mal einen Bizepscurl im Stehen. Wenn ihr den Unterarm nach oben bewegt und fast oben angekommen seid, habt ihr kaum noch Spannung im Muskel. Das gleiche gilt für den untersten Abschnitt der Bewegung, das geht ganz locker. Außerdem könnt ihr, wie erwähnt, im herablassenden Teil der Bewegung nicht das Gewicht und damit die Spannung zusätzlich erhöhen. Mit Maschinen kann man dies ausgleichen, so dass der Muskel dauerhaft unter Spannung steht und bei der exzentrischen Phase sogar noch zusätzlich etwas mehr Gewicht bekommt. Früher gab es keine gescheiten Maschinen oder gar keine Maschinen oder es wurden Maschinen aus Alteisen vom Schrott zusammengeschweißt. Daher kommen auch die Freihantelempfehlungen und Langhantelempfehlungen. Aber ein Muskel weiß nicht was außen passiert, ihn interessiert nur die ausgeübte Spannung. Bei Freihanteltraining nehme ich aber in bestimmten Abschnitten die Spannung weg.

Starkes Dehnen führt zu hohen Spannungszuständen im Muskel und kann damit zu (geringem) Muskelwachstum führen. Dehnen hilft also nicht gegen Muskelkater, sondern kann ihn sogar verstärken. Es muss ganz Allgemein hinterfragt werden, ob Dehnen eigentlich sinnvoll (insbesondere zum Aufwärmen) und geeignet ist. Hier existieren m.E. viele "Mythen". Nachzulesen z.B. hier: http://www.dr-moosburger.at/pub/pub046.pdf

Muskelkater: Ach ja, der Muskelkater. Wenn ihr mal den Kenntnisstand eures Fitness-Trainers prüfen wollt, fragt ihn nach der Ursache von Muskelkater. Wenn er euch noch das Märchen von der Übersäuerung erzählt, dann hat dieser Sauropode sein Wissen noch aus der sportwissenschaftlichen Steinzeit. Höchstwahrscheinlich entsteht Muskelkater durch mikrofeine Verletzungen im Muskel, durch hohe und ungewohnte Belastungen. Hier mal ein Beispiel von mir: Stellt euch zwei Mannschaften beim Tauziehen vor. 10 Leute stehen links und 10 Leute stehen rechts. Jetzt fangen die linken 10 an zu ziehen und rechts zieht nur Einer, weil die anderen 9 den Start verpennen. Was passiert jetzt mit dem Einen? Der ist vollkommen überlastet. Selbst wenn die 9 Schlafmützen nach einer Sekunde zupacken, hat es den Einen, der alleine gegen 10 ziehen musste, förmlich zerrissen. Eine sportmedizinische Bewertung gibt es von Prof. Dr. Dieter Böning: http://www.sportunterricht.de/lksport/muskelkater.html#m

Ein kurzes, lockeres, allgemeines Aufwärmen ist wichtig. Der Körper ist träge und kalt, er wird dadurch geschmeidig und warm. Aufwärmen schmiert die Gelenke, es verringert die Aufgeregtheit oder Niedergeschlagenheit vorm Wettkampf, es erhöht die Reaktionsgeschwindigkeit, es erhöht die Körperkerntemperatur deutlich, die Empfindlichkeit der Sinnesrezeptoren nimmt zu, die Körperstrukturen werden elastischer. Zusätzlich erfolgen vor jeder Übung Aufwärmsätze mit wenig Gewicht. Gut, ok, wenn ich bereits Kniebeuge und Kreuzheben gemacht habe und dann an die Beinpresse gehe, dann mache ich da keine Aufwärmsätze mehr, da bin ich warm genug. Zusammengefasst: Aufwärmen ja, Dehnen nein.

Diese Themen verfolge ich derzeit: Das sind die Youtubekanäle von Gannikus und Uncle Bob (Hintergrund-Infos und unterhaltsam) und das HIT-Experiment von Casey Viator, ein absurd-fantastisches Muskelaufbauexperiment. Werner Kieser ist mir bisher nie aufgefallen, aber er hat interessante Gedanken und verfolgt HIT seit 50 Jahren. Die Studienlage (bzw. deren Beurteilung) ist beim exzentrischen Training nicht eindeutig: Die einen sagen es ist besser als konzentrisches Training, die anderen sagen es ist gleich gut. Ganz sicher kann man sich nur sein, wenn man am Limit seiner Muskelmasse angelangt ist. Schafft man z.B. seit vielen Jahren maximal 150 kg beim Bankdrücken und macht dann exzentrisches Training, was zu 180 kg Bankdrücken führt, ist eindeutig klar, dass es funktioniert. Es interessiert mich, ob der Aminosäurepool aus der Nahrung ausreicht, um nach dem Ganzkörpertraining alle Muskeln gleichzeitig zu versorgen. Des weiteren interessiert mich das Thema Lithium und das Buch von Dr. Nehls zum Thema Alzheimer, hier ein Interview im SWR: https://goo.gl/33ivoo Das Experiment von Tim Ferris (4-Stunden-Körper) interessiert mich ebenfalls. Aufwärmen kann auch kontrovers diskutiert werden, zum Beispiel durch das Buch von Sandra Ückert, Temperatur und sportliche Leistung. Trotzdem bleibt die Empfehlung eines kurzen, lockeren, allgemeinen Aufwärmens.

Die Eiweißdiät (HSD-Diät bzw. PSMF-Diät).

Kurz vor Weihnachten bin ich auf die sogenannte HSD-Diät (High-Speed-Diät) gestoßen. Sie basiert darauf, sehr viel Eiweiß, wenig Kohlenhydrate und wenig Fett zu essen. Dies hat mich überzeugt (v. a. durch den wissenschaftlich/medizinisch fundierten Hintergrund) und ich habe sofort damit losgelegt.

Die Hauptnahrung besteht jeden Tag aus eiweißreichen Nahrungsmitteln. Zweck ist es, den Muskelabbau zu verhindern, indem während der Diät ca. 2 g (bis max. 3 g) Eiweiß pro kg Körpergewicht gegessen wird. Dies entspricht bei einem 80 kg schweren Mann 160 g (bis max. 240 g) Eiweiß. Die genaue Berechnung ist etwas komplizierter, aber 2 g bis 3 g Eiweiß pro kg Körpergewicht ist eine gute Näherung. Wenn man kein Nahrungs-Eiweiß zu sich nimmt, würde der Körper in der Diät seine eigenen Muskeln zur Eiweißgewinnung heranziehen. Diesen Eiweiß-Kannibalismus gilt es zu verhindern. Wer wenig Geld hat, kann Magerquark nehmen, allerdings schmeckt der nicht so gut und wer lactoseintolerant ist, bekommt Probleme. 3 Packungen (je 500 g) Magerquark machen zusammen 180 g Eiweiß zum supergünstigen Preis. Man sollte Eiweißquellen miteinander mischen, also z. B. auch Thunfisch in Dosen, Pute, Hähnchen, frischen Fisch (Hering/Lachs) oder Wildfleisch essen.

Fett und Mikronährstoffe erhalte ich durch Gemüse und Fischölkapseln, eine Multivitamintablette (einmal pro Woche), Haselnüsse, Mandeln, Walnüsse und etwas Rapsöl und Olivenöl (Kühlschranklagerung). Einige Vitamine sind fettlöslich, daher esse ich die Multivitamintablette mit einem kleinen Schuss Öl. Bio-Eier sind gute Nährstofflieferanten, aber leider recht kalorienreich. Ab und zu nehme ich Leinsamen (gemixt) zu mir, dazu wird viel getrunken. Die Fischölkapseln kann man einfrieren oder einfach spätabends einnehmen (gegen den Fischgeruch beim aufstoßen).

Alles Gemüse kommt in den Mixer. Zum Beispiel Kohlrabi, Tomaten, Brokkolisprossen, Gurke, Paprika, Blumenkohl, Salatkopf und manchmal tiefgekühlten Waldbeerenmix, Mais und Kräuter. Gemüse enthält (meist) wenig Kohlenhydrate und eine Menge Mikronährstoffe. Alle Nahrungsmittel werden gut gekaut bzw. eingespeichelt (Vorverdauung). Manchmal gare ich das Gemüse, bevor ich es in den Mixer gebe. Das Fleisch wird gekocht oder dampfgegart, manchmal auch gemixt, dies ergibt dann (fast) ein Putenpulver. Ich muss dazusagen, dass mir Fleisch oft in den Zahnzwischenräumen festhängt und ich danach Zahnseide benutzen muss, was auf Dauer nervt - daher wird gemixt.

Zu Trinken gibt es Leitungswasser, manchmal grünen Tee, manchmal Kaffee, ab und zu Mineralwasser mit wenig Kohlensäure. Zitronen presse ich aus und mache den Zitronensaft ins Glas mit ein paar Eiswürfeln und Leitungswasser. Das schmeckt lecker, denn reines Leitungswasser ist auf Dauer ziemlich fad. Grüner Tee mit einem Schuss Zitronensaft schmeckt auch sehr lecker. Ich trinke in etwa 3 Liter pro Tag. Update: Ich möchte von allen Aufputschartigen Getränken weg, von Cola, von Kaffee, von Tee mit Zucker usw. Am Ende soll reines Leitungswasser übrigbleiben.

Zusätzlich kann man Magnesium, Kalium, Kalzium und Vitamin D einnehmen. Natrium ist in Salz enthalten. Bei den A-Z Multivitamintabletten sollte man darauf achten, dass die Inhaltsstoffe zu ca. 100 % enthalten sind. Manche Hersteller überdosieren ihre A-Z Multivitamintabletten teilweise mit bis zu 600 %, z.B. bei Biotin, aber unterdosieren gleichzeitig mit nur 15 %, z.B. bei Magnesium.

Als Supplement nutze ich (eher selten) ein Eiweißpulver von Frey-Nutrition, das sich Iso Whey nennt. Das ist reines Eiweiß, ohne Laktose, ohne Süßungsmittel und daher auch ohne Geschmack. Dies bereite ich mir im Shaker zu (gern auch trocken, Wasser kommt dann kurz vorm Trinken hinzu) und habe etwas zum mitnehmen für unterwegs. Desweiteren nutze ich eines der (ganz wenigen) wirksamen Nahrungsergänzungsmittel, nämlich Kreatin (Monohydrat). So gut wie alle weiteren im Fitnessernährungsbereich verkauften Supplemente haben keine nachgewiesene Wirkung, sie sind rausgeschmissenes Geld. Die über das naturale, genetische Limit hinausgehenden Muskelberge der Bodybuilding-Profis beruhen auf Einnahme von anabolen Steroiden - diese sind natürlich sehr wirksam, haben aber nichts mit den Supplementen im Fitness-Shop zu tun (diese sind wie gesagt zu 99 % wirkungslos). Aber sie motivieren! Klingt komisch, ist aber so. Selbst wenn man irgendwann feststellen sollte, dass einige Supplemente doch eine Wirkung an der 7-ten Stelle hinterm Komma haben sollten, sind intensives Training und ausreichende Eiweißzufuhr die entscheidenden Stellschrauben für Muskelaufbau und sicher nicht ein teures Supplement. Am Rande: Wer wissen möchte wie man ohne Steroide (also natural) höchstens aussehen kann, gebe bei YouTube „GNBF Finale“ ein. Wer wissen möchte wie er mit Steroiden höchstens aussehen kann, gebe bei YouTube „Mr. Olympia Finale“ ein. Kurz: Letzten Endes braucht ihr keinerlei zusätzliche "Hilfsmittel", denn es gilt: Ist es legal, ist es unwirksam. Ist es wirksam, ist es illegal. Praktisch alles was ihr im Fitnessshop kaufen könnt, ist unwirksam. Viel, viel, viel, viel, viel wichtiger ist konstantes, intensives Training und ausreichend Regeneration. Eiweiß bekommt ihr ausreichend über die Nahrung, es gibt nur wenig Gründe ein Eiweißpülverchen zu nehmen (aber wen es motiviert, der soll es sich halt kaufen).

Alle Lebensmittel die gefährlich sein können (sprich: „süß“) müssen außer Reichweite, auf keinen Fall darf man Knabbergebäck etc. auf dem Schreibtisch oder neben der Couch liegen haben, am besten entfernt man sie ganz aus dem Haus.

Um nicht ständig über die Essenszubereitung nachdenken zu müssen, sollte man sich morgens 30 Minuten Zeit nehmen und alles (v.a. den „Kleinkram“) komplett in den Mixer werfen und z. B. im Shaker (oder auch in zwei Shakern) mit zur Arbeit nehmen. Man kann sich auch ein paar Packungen Magerquark in den Kühlschrank auf Arbeit stellen, sozusagen als Not-Reserve. Manchmal salze ich ein wenig. Gewürze oder sonstige Beilagen nutze ich nur sehr selten, eventuell mal etwas Petersilie oder Zwiebeln. Wer Mitbewohner hat, die morgens noch schlafen (der Mixer ist sehr laut), kann auch abends mixen und die Shakes über Nacht in den Kühlschrank stellen.

Des weiteren ist 2x die Woche ein kurzes, aber intensives Ganzkörper-Krafttraining notwendig, z. B. dieses hier: http://goo.gl/neRjQJ , um die Muskelmasse zu erhalten.

Nach mehreren Tagen fast ohne Kohlenhydrate befindet sich der Körper in Ketose, ein Zustand, bei dem Körperfett in sogenannte Ketonkörper umgewandelt wird und diese werden als Energiequelle für das Gehirn usw. genutzt. Nachweisen lässt sich dies über sogenannte Ketosticks (gibt’s in der Apotheke). Diese zeigen über einen Urinstreifen und eine Farbtabelle an, wie stark man in Ketose ist. In diesem „Ketose-Zustand“ kann man sehr lange überleben, da beispielsweise 20 kg Körperfett 140.000 kcal entsprechen. Hinweis: Direkt nutzen kann der Körper das Körperfett nicht, er muss es, wie gesagt, erst umwandeln in die Ketonkörper. Der Mensch kann also in einen Zustand schalten, bei dem er sich aus Körperfett seine eigenen "Kohlenhydrate" bastelt. Dies macht er aber nur, wenn durch die Nahrung ein paar Tage lang keine Kohlenhydrate mehr kommen.

In den ersten Tagen verliert man sehr schnell ca. 2 kg Gewicht, was daran liegt, dass die körpereigenen Kohlenhydratreserven (ca. 500 g) genutzt werden und diese das 3-fache an Wasser gebunden hatten. Zusammengerechnet verliert man also 2 kg. Dies ist kein Körperfett, sondern Wasser und Kohlenhydrate.

Man sollte Kalorien zählen (auch genannt: „tracken“), also sich aufschreiben was und wie viel man isst, dafür gibt es heute auch Apps fürs Handy. Man sollte sich eine digitale Küchenwaage besorgen und seine Lebensmittel abwiegen. „Gewicht schätzen“ oder „Kalorien schätzen“ ist kein guter Weg. Zumindest einige Wochen lang sollte man Zähl- und Wiegeerfahrungen sammeln, später geht’s dann auch ohne Waage, nach (antrainiertem) „Gefühl“.

Wenn ihr ein Lebensmittel nicht vertragt, dann esst es nicht. Egal wie „gesund“ es sein soll. Wer von Vollkornbrot und Äpfeln Blähungen bekommt oder von Milch Durchfall, der soll diese Lebensmittel komplett weglassen. Das ist aber besonders für Kinder schwierig, wenn z.B. die Mutter auf dem Gesundheitstrip ist und ihre Kinder die unverträglichen Sachen aufessen müssen, weil sie doch „so gesund sind“. Übrigens, Laktoseintoleranz ist der weltweite Normalfall (Link auf Karte: http://goo.gl/AKgsVr). Nur wir Europäer haben im Laufe der Jahrtausende ein Enzym für Milch entwickelt. Ein Asiate oder Afrikaner bekommt von Milch wahlweise Blähungen, Verstopfungen oder Durchfall. Man kann dann umsteigen auf laktosefreien Magerquark oder laktosefrei Milch.

Ob man sich jeden Tag wiegt oder nicht, spielt im Grunde keine Rolle, denn ich wusste durch mein Kaloriendefizit nehme ich sicher ab. Letztlich nahm ich die schwankenden Gewichtswerte nicht ernst und schon gar nicht führten sie zu Grübeleien ob ich etwas falsch mache. Der Trend geht bei einem Kaloriendefizit auf jeden Fall nach Süden, schwankende Angaben sind normal. Hauptsache die Richtung stimmt. Nachtrag: Nachdem ich mehrere Fettmessmethoden ausprobiert habe (z. B. die Calipermesszange), steht für mich fest, dass mich mein gemessener Körperfettanteil nicht wirklich interessiert. Was zählt, ist allein der optische Körperfettanteil im Spiegel.

Was fehlt bei dieser Diät? Es ist das Pappsatt-Gefühl. Dieses Gefühl, wenn man drei Tafeln Schokolade gegessen hat, dieses Gefühl von richtiger, fetter, fauler Sattheit. Das gibt's gar nicht mehr, selbst wenn ihr euch fünf Packungen Magerquark reinhaut.

Ausreichend Schlaf ist wichtig. Man sollte auch am Wochenende relativ früh aufstehen und abends früh ins Bett gehen, damit der Schlafrhythmus von der Arbeit nicht zu stark vom Schlafrhythmus am Wochenende abweicht. Da ich ca. 06:00 Uhr aufstehe, gehe ich spätestens 22:00 Uhr ins Bett. Ich versuche, wann immer möglich, mindestens auf 8 Stunden Schlaf zu kommen, was mir schwerfällt da ich abends oft noch lange im Netz recherchiere, an meinen Blogartikeln schreibe, fürs Studium lerne, für die Ausbildung lerne, meinen Nebenjob mache, Fitness mache, Diät mache, die Welt rette etc. Einen Fernseher habe ich noch nie besessen. Wer zu wenig schläft, hat, hormonell bedingt, mehr Hunger, mehr Appetit. Jeder weiß, wie gut es sich anfühlt, richtig ausgeschlafen zu sein (ganz unabhängig von einer Diät) und jeder weiß wie beschiss... es sich anfühlt auf Arbeit/Schule/Uni den ganzen Tag müde zu sein. Also => Ab ins Bett. Und natürlich keinen Kaffee oder Tee am Abend. Man sollte seinen Handybildschirm oder Monitor (gibt's extra Software) vorm Schlafengehen abdunkeln, sonst signalisiert man Auge und Gehirn "Sonnenlicht". Gut sind auch diese festen Rollos außen am Fenster, damit kann man das Zimmer wirklich richtig dunkel machen.

Für meine Zwecke habe ich die Diät abgewandelt. Meine reale Praxis sieht so aus: Ich nehme meinen Grundumsatz und runde (der Einfachheit halber) auf 2.000 kcal auf. Diese 2.000 kcal darf ich pro Tag essen. Um nicht jeden Tag zu rechnen und jedes Lebensmittel neu zu tracken, stelle ich mir 1x einen abwechslungsreichen Nahrungsplan zusammen und den esse ich dann jeden Tag. Dann brauch ich nichts mehr zu rechen und kann mich von diesem Gedankenballast befreien. Ich wähle also 2 Dosen Thunfisch (300 kcal), 2 abgepackte Putenbrustfiletpackungen (200 kcal), 2 abgepackte Hähnchenbrustfiletpackungen (200 kcal) usw. Ich esse also jeden Tag abwechslungsreich, aber immer das gleiche.

Größte Motivationspluspunkte der HSD-Diät:

1. Kein Heißhunger vorhanden. Heißhunger killt jede Diät.

2. Nachdem ich 3 Tage saubere Diät durchgehalten hatte, war ich stark motiviert. Diese 3 Tage sollten nicht für die Katz gewesen sein. Gedanke: „Meine Ketose lass ich mir nicht kaputtmachen.“ (Was übrigens rein technisch so nicht ganz stimmt, Ketose ist kein An/Aus Schalter)

3. Der wissenschaftliche Hintergrund der Diät. Man nennt sie dort PSMF-Diät und es gibt sie im medizinischen Bereich seit ca. 30 Jahren, um stark Übergewichtige schnell Gewicht verlieren zu lassen.

4. Die Shakes aus dem Mixer mit Gemüse, Nüssen und Magerquark schmecken lecker.

Größte Gefahren:

1. Süßigkeiten und Naschereien müssen außer Reichweite. Weg damit!

2. Schwächephase und starke Müdigkeit in den ersten zwei bis drei Tagen.

3. Ungeplante Ereignisse. Ihr dürft nicht ungeplant in eine hungrige Phase eintreten, in der ihr keinen Zugriff auf euren Shake etc. habt. Gefährlich ist es, morgens keine Zeit zu haben und sich dann kein eiweißreiches Frühstück machen zu können und auch keine Zeit für den Eiweiß-Shake zum mitnehmen zu haben. Dann wird es sehr schwer auf Arbeit oder in der Schule/Uni den Hunger auszuhalten ohne zu „Naschen“ etc.

4. Enttäuschung auf der Waage. Denn sooooo schnell geht es nun auch wieder nicht. 1 kg Körperfett hat 7000 kcal. Bei einem Defizit von 1000 kcal am Tag braucht man 1 Woche um auf der Waage 1 kg weniger zu sehen. Wer natürlich ein Defizit von 2000 kcal erzeugen kann, der schafft 2 kg pro Woche. Dies dürfte aber für die meisten Menschen das absolute Maximum sein.

Fazit: Bei der Eiweißdiät nimmt man schnell ab und behält seine Muskelmasse.

Nochmal kurz und knapp => Die HSD-Diät basiert auf 3 Säulen, die alle gleichzeitig eingehalten werden müssen:

(!!!) Kaloriendefizit (!!!) Alle Diäten, auch die Kohlsuppendiät und die Brigitte-Diät, basieren auf einem Kaloriendefizit, also auf einer negativen Energiebilanz. Dies ist der einzig entscheidende Punkt zum verlieren von Körpergewicht. Dabei ist es nicht  wichtig ob man „gesund“ oder „ungesund“ isst. Man kann auch von gesundem Essen dick werden, wenn man zu viel davon isst, also einen Kalorienüberschuss hat. Dem Körper ist  die menschgemachte Einteilung in „gesund“ und „ungesund“ schnuppe, er zählt stumpf die Kalorien. Deshalb kann man mit Schokolade abnehmen und mit „gesundem Essen“ zunehmen. Es kommt immer, lebenslang, bei jedem Menschen, nur auf die Kalorienbilanz an. Der Jo-Jo-Effekt ist kein Effekt, sondern ein höflich klingendes Wort für Kalorienüberschuss.

(!!!) Viel Eiweiß (!!!) Um Muskelabbau zu verhindern, braucht man in der Diät relativ viel Nahrungseiweiß. Sonst nimmt man zwar ab, aber die Muskeln sind auch weg. Dann ist man „Skinny Fat“, also dünn und trotzdem schwabbelig und unstraff.

(!!!) Mikronährstoffe (!!!) Also Mineralstoffe, Vitamine, Spurenelemente etc. und kleine Mengen Omega-3-Fett, Nüsse usw., der ganze „Kleinkram“.

Warum so eine schnelle Diät? Kommt da nicht der Jo-Jo-Effekt? Soll man nicht langsam abnehmen? Tja, hungern (im Sinne eines Kaloriendefizit) muss man bei jeder Diät, von daher lieber schnell Erfolge sehen (Motivation steigt), statt einer 6-monatigen Diät, bei der man auch hungert, aber viel längere Zeit. Wer nach der Diät wieder einen riesigen Kalorienüberschuss als „mentale Kompensation des frustrierenden Alltags“ fährt, dem kann ich hier nicht helfen.

Grundumsatz: Der Verbrauch an Kalorien pro Tag, gerechnet ohne Bewegungen, also praktisch wie jemand, der 24 h im Koma liegt (dessen Körper verbraucht ja auch Kalorien). Diesen Ruheverbrauch nennt man Grundumsatz. Er beträgt bei einem 80 kg schweren Mann ca. 1700 kcal. Der Grundumsatz entspricht also dem Kalorienverbrauch bei einer 24-stündigen Schlafphase.

Leistungsumsatz: Alle Bewegungen die oberhalb des Grundumsatz liegen, also Sitzen, Reden, Laufen, Schreiben, Sport, Spazierengehen, Zähneputzen, Auf dem Balkon sitzen usw. Ein 80 kg schwerer Mann hat je nach Beruf und Freizeitaktivität einen Leistungsumsatz zwischen 500 bis zu 1500 kcal (grob).

Gesamtumsatz: Der Grundumsatz plus der Leistungsumsatz ergeben zusammen den Gesamtumsatz. Dieser ist der entscheidende Hebel bei eurer Ernährung. Esst ihr mehr als eurer Gesamtumsatz, nehmt ihr zu (Kalorienüberschuss). Esst ihr weniger als euer Gesamtumsatz, nehmt ihr ab (Kaloriendefizit).

Noch ein paar kleine Tipps, die auch außerhalb einer Diät Sinn machen:

Esst keine flüssigen Kalorien, wie Fruchtsäfte, Cola etc.

Putzt die Zähne und vor allem die Zunge, das verringert das Hungergefühl, da man einen neutralen Geschmack im Mund hat.

Warum sind alte Leute oft dicker als junge? Weil sie jeden Tag, über Jahrzehnte, einen kleinen Kalorienüberschuss hatten und der Körper gnadenlos diesen, wenn auch kleinen Überschuss, in die Fettdepots legt. Dieses „Jeden Tag ein bisschen zu viel“ addiert sich über die Jahre, obwohl diese Leute oft gar nicht mal „sooo viel essen“.

Zwei schlechte Erfahrungen: Der Geschmack von Leinöl (furchtbar!) und der Geschmack von Glaubersalz (furchtbar!). Das Glaubersalz zieht Wasser in den Darm und führt zu einer schnellen (ziemlich flüssigen) Darmentleerung. Dies gehört nicht zu einer Diät, aber ich wollte es mal ausprobieren und es als „Startschuss“ für meine Diät sehen. Aber ich halte es nicht für sinnvoll und es schmeckt richtig übel. Sauerkrautsaft soll auch funktionieren, aber dieses Darmsanierungskonzept ist esoterischer "Wir müssen uns von Schlacke befreien" Unsinn.

Geht 20 Minuten ins Sonnenlicht. Dies genügt für die Bildung von ausreichend Vitamin D.

Es gibt keine "Fettmacher Nr. 1" und ähnliche Dinge. Denn selbst mit fettfreiem Salat oder Melonen kann man zunehmen. Und mit (wenig) Kartoffelchips abnehmen. Was aber offenbar mit "Fettmacher" gemeint ist, ist das Problem des nicht-aufhören-können. Lebensmittel bei denen man das "Naschen" nicht beenden kann, müssen dringend außer Reichweite. Im Gegenzug muss die richtige Nahrung sofort und immer erreichbar sein. Es müsste also "Aufhören-unmöglich-Lebensmittel Nr. 1" heißen.

Gerne verwende ich als Trinkflasche die Volvic Touch Plastikflasche. Diese haben größere Öffnungen zum einfüllen. Normale Mineralwasserflaschen haben nur kleine Öffnungen, es ist dann ein ziemliches Gefummel, das Leitungswasser ohne verschütten vom Hahn in die Flasche zu bekommen. Ich gebe noch einen Spritzer gepressten Zitronensaft hinein und habe dann mein 1,5 Liter Trinkgefäß für unterwegs.

Eine halbe Tüte Chips kann man nur schwer liegen lassen, eine halbe Packung Magerquark ohne Probleme. Ihr könnt euch an sehr eiweißreichen Lebensmitteln kaum überfressen, sie schmecken einfach nicht so gut wie Süßes. Man schreit nach einer Packung Magerquark nicht: „Sofort noch 2 Packungen!“ Eiweißreiche Nahrungsmittel isst man automatisch langsamer, eben weil sie nicht so gut (sprich: süß) schmecken.

Bleibt locker und denkt dran, die härteste Bewegung die ihr je machen werdet, ist euren Hintern von der Couch hochzukriegen.

Multivitamintabletten Abtei A-Z oder Centrum A-Z
Großer Mixer von Philips 2 Liter
2x Shaker von Weider 700 ml
Digitale Küchenwaage Soehnle
Zitronenauspressgerät
Volvic Touch Plastikflasche
Kleine Tupperdosen zum Aufbewahren

Update: Außerhalb einer Diät scheint der Eiweißbedarf zum Muskelaufbau doch deutlich geringer zu sein als im Allgemeinen in der Fitnessszene angenommen: https://www.ugb.de/bewegung-sport/starker-stoff-fuer-starke-maenner/ Seine Argumente klingen plausibel, allerdings kenne ich Einwände, dass dies an der Messmethode (Stickstoffbilanz) liegt. Mit genaueren Messmethoden kommt man auf höhere Werte.

Update: Ich lasse seit März 2016 sämtliche Milchprodukte (Verstopfung) und sämtliche Getreideprodukte (Blähungen, Durchfall) weg. Nach langer mühsamer Testprozedur blieb Glutenintoleranz und Lactoseintoleranz als Ursache übrig. Wahrscheinlich bin ich auch Fructoseintolerant, da ich nach z.B. Birnen immer sofort pupsen muss :-) Hey, und das schon nach wenigen Minuten, die Birne ist da noch nicht ansatzweise irgendwo im Darm gelandet. Um hier sinnvoll nach einem Ausschließverfahren zu arbeiten, sollte man 1 Tag nichts essen und dann nur 1 Lebensmittel in rauen Mengen zu sich nehmen und sich anschließend beobachten. Also zum Beispiel 1 Tag gar nichts essen, und dann 1 Liter Milch auf Ex, wenn dann nichts passiert, war es wohl nicht die Milch (bzw. Laktose) usw. Auch kann man bei verdächtigen Lebensmitteln die Inhaltsstoffe auf der Verpackung miteinander vergleichen, eventuell findet man dann den Stoff (auf den man reagiert) auf allen Verpackungen. Zusammenfassend kann man sagen, dass die sogenannte "Steinzeiternährung" bzw. "Paleo-Diät" am besten zu meinen Darm passt.

Wie kann man Wirtschaft verstehen?

(Ein dynamisches Mosaik - Vorsicht, nur für Hartgesottene)

Ist das nicht alles wahnsinnig kompliziert mit der Wirtschaft und dem Geld? Ja, vielleicht, aber würden sie nicht gerne trotzdem endlich mal mitreden? Ist derjenige, der Ökonomie nicht versteht, nicht lebenslang ein Außenseiter, der sich nicht traut sich einzumischen, weil er immer Sorge hat, Quark zu erzählen? Ich werde folgenden Weg versuchen: Mich in meiner Freizeit hinsetzen und meinen Lernprozess dokumentieren. Zeitansatz: 10 bis 20 Jahre. Ich möchte ökonomische Begriffe beleuchten, ausloten, mir selbst klar werden was sie bedeuten und hoffentlich am Schluss zu den entscheidenden Begriffen und Begriffsgebäuden vordringen. Es hilft nichts, man muss den Weg selbst gehen, denn in der Ökonomie ist es wie auf dem Basar, jeder sagt zu dir: Ich habe Wirtschaft verstanden, komm in meinen Theorie-Laden. Da soll man dann den Keynesianern glauben, oder den Neoklassikern, oder den Ordo-Liberalen, oder, oder... Die Begriffe in meinem Text sind nicht geordnet, denn am Schluss sind sowieso alle in der Liste. Die Begriffe sind vorläufige Definitionsversuche, bei einigen ahne ich schon, dass ich sie noch nicht so verwende, wie sie strengökonomisch verwendet werden, aber da befinde ich mich ja mit 98 % der Gesellschaft in guter Gesellschaft :-) Auch möchte ich das Konzept des von mir vorgeschlagenen Lern-Effekt-Tagebuchs („Heureka-Tagebuch“) ausprobieren, also mir meine Aha-Effekte von Beginn an aufschreiben. Leider stehe ich nicht mehr ganz am Anfang, aber ich versuche so gut wie möglich aus mir auszugraben, wie es war, als ich ökonomisch noch völlig blind war und die Worte einfach so aus dem Mund herausgefallen sind. Früher war ich eher politisch interessiert, aber (ich glaube das kann jeder Politikinteressierte bestätigen) irgendwann merkt man: Man muss die ökonomischen Begriffe auf der Pfanne haben, sonst dilletantiert man ja doch nur herum. Man steht da wie Harry Truman, der mal sagte: „Ich wünsche mir nur noch einarmige Ökonomen als Berater, denn immer wenn man sie etwas fragt, sagen sie: On the one hand... and on the other hand..." Wobei, das wäre ja noch in Ordnung, aber die meisten Menschen sprechen mit einer nichtexistierenden dritten Hand: „Ich reime mir die Begriffe so zusammen wie sie mir passen“.

Ein reguläres Vollzeitstudium, z.B. in München, wenn man nicht mehr bei den Eltern wohnt, ist finanziell hart. Dazu kommt der hohe Zeitdruck, wer bestimmte ECTS-Punkte-Hürden nicht schafft, fliegt gnadenlos raus. Für „in Ruhe etwas hinterfragen und anzweifeln“ ist keine Zeit. Mein Tipp: Ein Teilzeit-Fernstudium an der FernUni Hagen. Die Kosten sind geradezu lächerlich gering, man hat keinen Zeitdruck, sondern kann sich die Module frei einteilen (Prüfungen muss man natürlich machen). Zwar sind auch die FernUnis mainstream-neoklassisch, aber man hat Zeit, die Begriffe, Modelle, Alternativen und auch ihre Historie, in Ruhe zu durchdenken und hat auf Sicht von 5 bis 15 Jahren einen Studienabschluss (wem es wichtig ist einen „Abschluss“ zu haben und nicht nur „einfach nur so“ sich mit Wirtschaft zu beschäftigen). Man sollte sich vorher mathemäßig fit machen, sonst hängt man nicht an der VWL, sondern an der Mathematik. Aber auch hier gibt es heute gute Online-Angebote, oft vollkommen kostenlos und frei verfügbar.

Jetzt aber zu den Begriffen:

Humankapital: Der Begriff Humankapital kann nicht von der Person entkoppelt werden. Trotzdem ist Humankapital nicht die Person selbst, sondern Humankapital ist das Wissen und die Fertigkeiten die ein Person besitzt. Also die ökonomisch nutzbaren Fertigkeiten, die zwischen den Neuronen im Gehirn gespeichert sind. Ein LKW-Führerschein-Dokument ist nicht das Humankapital, sondern Humankapital ist die Fähigkeit (das Potential) den LKW fahren zu können. Das Führerscheindokument ist (nur) die sichtbare Glaubhaftmachung, dieses Humankapital im Gehirn zu besitzen. Den LKW dann tatsächlich in der Realität zu fahren, ist nicht das Humankapital. Wer an Alzheimer erkrankt, verliert Humankapital, weil sich die Strukturen im Gehirn auflösen. Der an Demenz erkrankte Rhetorik Prof. Walter Jens verlor sein Humankapital, also seine in ihm getragene Fähigkeiten. Ein Führerscheindokument löst sich nicht auf. Warum aber Human-Kapital? Warum dieses Human…(x)…? Was soll das Wort „Kapital“ am Ende bedeuten? Das Wort „Kapital“ deutet, für sich genommen, auf einen Bestand oder eine Menge hin und es deutet zugleich eine ökonomische Nützlichkeit an. Das schließt nicht aus, dass Humankapital auch anderswo nützlich ist. Ken Jebsen kann alles verkaufen, Media-Markt-Kühlschränke an Eisbären - oder rechte Ideen an Linke oder linke Ideen an Rechte. Der Begriff Humankapital soll also einerseits durch das Wort „Kapital“ einen ökonomisch später nutzbaren Bestand andeuten und andererseits soll das Wort „Human“ andeuten, dass es im Menschen selbst liegt. Das Wort „Humanmenge“ wäre ungünstig, denn es wäre nicht klar, meint man damit eine Menge von Menschen oder meint man die Menge an Fähigkeiten die diese Menschen in sich tragen. Sprachwissenschaftler sind sensibel für Missbrauch von Sprache. Sie sind aber deshalb keine ökonomischen Deppen, wie es Wirtschaftswissenschaftler nach der Wahl von „Humankapital“ zum „Unwort des Jahres“ nonverbal ausdrückten. Kennen sie noch „Fördern und Fordern“? Das Hartz IV Motto? Eingeführt mit „besten ökonomischen Absichten“. Daraus ist ein Bestrafungs- und Sanktionierungsapparat geworden, mit 10.000-den Menschen, denen das Existenzminimum zu 100% weggekürzt wird, weil sie es abgelehnt haben, sich für 1 Euro ausbeuten zu lassen. Der Häuptling im Indianerdorf musste noch für seine Begriffe haften, aber in großen Gruppen (Staaten) ist die „Verantwortung für Begriffe“ im gesellschaftlichen Nebel verschwunden. In Gemeinschaften von 100 Personen kann man leicht nachsteuern, wenn Begriffe mal falsch oder ungenau sind, bei 80 Millionen oder mehr, da müssen die Begriffe messerscharf sein und ständig auf Missbrauch abgeklopft werden. Die Begriffe - nicht die Menschen! Bin etwas abgedriftet... Das Havard -Business-Magazin schreibt: „Schon damals ging es den Experten darum, den ökonomischen Wert der Mitarbeiter für das Unternehmen zu dokumentieren.“ Tja, da haben wir es, das unsaubere Sprechen, denn es sind eben nicht die Mitarbeiter, sondern das Humankapital der Mitarbeiter, das ökonomisch bewertet wird. Argh, mich macht solche Sprachunschärfe (Denkunschärfe?) fuchsig. Denn einige Absätze später, wird wieder so gesprochen, als wäre Humankapital vom Mitarbeiter entkoppelt: „Spätestens wenn Unternehmen gegenseitig massiv um Talente kämpfen, wird das Management des Humankapitals modern. Allerdings werden die Mitarbeiter dieses Kapital dann ausschließlich in jene Unternehmen investieren, die die höchste Rendite versprechen. Zahlbar in Geld und Wertzuwachs beim Humankapital.“ Kurz: Humankapital ist der Bestand des ökonomisch nutzbaren Wissens, dass im Gehirn des Menschen gespeichert ist, es ist nicht gleichzusetzen mit der Person selbst, obwohl es, rein materiell, untrennbar mit ihr verbunden ist. So gesehen ist „angeborenes fußballerisches Talent“ eine Art Humankapital-Basis, das durch Training im Humankapital-Bestand erhöht werden kann. Nach Bilanz-Logik müsste es Humanvermögen heißen, da Aktiva/Vermögen links steht. Kann ein Kind Humankapital sein, nein, aber seine inneren Fähigkeiten/Talent sind es. Gefahr gegeben, das geistig Behinderte (=Humankapital Null) als ökonomisch nicht nutzbar gelten, was sie strenggenommen begrifflich sind, oder man nennt sie direkt "Schmarotzer" (Das ist nicht meine Logik und nicht meine Sprache!) Wenn man Schmarotzer sagt, was meint man, den Menschen oder sein Humankapital? Der Mensch kann nicht gemeint sein, denn an Menschen ist die Wirtschaft nicht interessiert, sie ist an Humankapital interessiert. Kann man sich leicht mit menschlich aussehenden Humankapital-Robotern klarmachen. Wo in den Modellen steckt eigentlich der Wille seine Human-Bestände auch zu nutzen. Kommt der Wille im Modell vor? Denn der Wille ist das Bindeglied, das Mensch und Humankapital in Aktion treten lässt. Denn Humankapital ohne den Willen zur Nutzung, ist wie es nicht zu haben. Oder lockt im Modell der Lohn das Humankapital, wobei Lohn muss Menschen locken, Humankapital ist ja nur ein kommunikationsunfähiger, lebloser, aber messbarer "Bestand".

Inselbeispiele - Der Anfang: Jeder der „Wirtschaft“ verstehen will, stößt auf die Inselbeispiele. Da lebt ein Robinson Crusoe auf einer Insel und jetzt erklären wir mit Fischfang, Freitag und den Kokosnüssen das Wirtschaften. Schon früh habe ich mich gewundert, dass diese Anfangs-Beispiele gar nicht am Anfang des Wirtschaftens beginnen. Denn Robinson Crusoe musste erst einmal geboren und aufgezogen werden, es musste Schiffe geben, mit denen er dann untergehen konnte, er besaß schon die Fähigkeit zum Fischen etc. - Humankapital war also vorhanden :- ) Einen „echten Anfang“ stelle ich mir anders vor. Vor allem aber, was passiert wenn ein Eskimo oder ein Indianer auf eine Insel verschlagen wird, würde der auch mit dem scheinbar „einleuchtenden“ Tausch von Gütern beginnen? Wie wirtschaftet ein gestrandeter Kapitalist, wie ein Sozialist, wie ein Neoliberaler? Eigentlich ein guter Ansatz für Witze ;-) In den üblichen Inselbeispielen wird also viel vorausgesetzt, obwohl „einsame Insel“ suggeriert, man würde bei 0 anfangen und endlich mal von „Anfang an das Wirtschaften verstehen“. Zurücklehnen, sich bequem von der Couch aus berieseln lassen und von Anfang an Wirtschaft verstehen? Pustekuchen! Man setzt schon voraus, was man erst erklären will. Scheinbar einfache Inselbeispiele erfordern höchste Aufmerksamkeit, eigentlich sind sie viel zu schwierig für Anfänger. Die Inselbeispiel-Reihe werde ich noch weit ausbauen, hier wollte ich über den scheinbar „einfachen Anfang“ sprechen, denn nur weil auf einer Insel jemand unrasiert im Lendenschurz rumläuft, muss es nicht einfach sein. Wenn Tom Hanks mit seinem Volleyball redet, ist das sein Problem :-D Hätte er mal lieber ein VWL-Lehrbuch mitgenommen. haha!

Investition: Mein Gott, hab ich mir an dem Begriff die Zähne ausgebissen. Es tauchen so viele Fragen auf: Gibt es einen Unterschied zwischen „investieren“ (also einem zeitlich verteiltem „Tun“) und „der Investition“ (also eher etwas wie ein fester, vorhandener Bestand, z.B. eine Maschine die vor mir steht: „diese Maschine ist eine gute Investition“). Oder ist damit eine vergangene Investition gemeint („das war gute Investition“) oder meint man das Aktuelle („das ist eine gute Investition“) oder meint man die Zukunft („das wird eine gute Investition“). Schnell stößt man auf die Gleichung „Sparen = Investieren“ und ist komplett verwirrt. Wie soll denn das, was man investiert, also z.B. eine Maschine, gleich dem sein, was ich auf meinem Konto gespart habe? Und wieso ist es gleich („=“), was ist denn, wenn es mal nicht gleich ist? Wenn ich also zuerst Geld spare und später in ein Unternehmen investiere. Was ist zuerst da? Erst das Sparen oder erst das Investieren? Aber die Formel sagt „S = I“, also ist beides immer gleichzeitig da!? Befinden wir uns mit der Formel auf der Ebene des Geldes oder auf der Ebene der „realen Werte“. Und: Warum reden die Einen von Erspartem, die Anderen von Kapital und wieder Andere von Vermögen oder von Geld oder von Anlage oder von Wert-Anlage? (Na ja, so naiv habe ich halt am Anfang gedacht bzw. gefragt) ………… Was ist eine Investition von 0 ? Also eine nicht vorhandene Investition? Offenbar hat der Gleichungsbegriff Investition, mit der Realität, in der Hinsicht, nichts zu tun. Denn sonst würde man auf dem Mond landen und sagen, hier sind ganz viele Investitionen vorhanden, dass wäre korrekt, denn auf Nachfrage würde derjenige sagen, Investition von Null. Ok, langsam wird klar was eine Investition ist, nämlich ein beobachtbarer Vorgang, bei dem jemand Geld an jemand anderen übergibt und dafür einen Gegenstand erhält, von dem er sich eine ökonomische Nützlichkeit erhofft, die in der Zukunft zu wieder einfließendem Geld, und zwar mehr als vorher, führt. Dann scheint mir im Gegenzug Konsum eine Übergabe von Geld gegen einen Gegenstand, mit dem Unterschied, dass man keine ökon. Nützlichkeit erwartet, also keine zukünftigen Geldrückflüsse

In diesem Stil wird es die nächsten Monate/Jahre weitergehen. Am Schluss jedes Begriffes werde ich eine kurze Definition versuchen und damit meinen aktuellen Stand des Verständnisses darlegen. Fehler und Quark sind normal, die werde ich alle nach und nach direkt online, quasi „live im Text“ ausbügeln, „alte Versionen“ wird es nicht geben. Früher habe ich die Texte erst auf der Festplatte „vor-geschrieben“, jetzt werde ich sie quasi online „live“ schreiben. Ich könnte mir bisher auch nicht vorstellen ein Buch zu schreiben, denn was ist, wenn sich das Verständnis für Begriffe ändert? Ist es nicht schwierig für einen VWL-Prof., sein Weltbild nochmal zu ändern, wenn er in 50 nicht-mehr-änderbaren Büchern genau das Gegenteil behauptet hat? Man wird ihm immer seinen „Quark“ unter die Nase reiben - und diese Sorge wird ihn umso heftiger an seinem alten Weltbild festhalten lassen. (Das ist jetzt mal in den Raum philosophiert, warum ökonomische Begriffsgebäude so hartnäckig stabil sind)

Wie gehe ich vor: Eigentlich ganz einfach, ich suche mir alle verfügbaren Quellen, das sind vor allem die Lehrbücher der Uni-Bibliothek, VWL und BWL Online-Skripte von den verschiedenen Lehrstühlen, nutze Ökonomie-Blogs zur Diskussion, bestelle mir interessante Wirtschaftsbücher, auch Klassiker, bei Amazon, oder, soweit möglich, benutze Google-Books etc., nutze Foren wie Spiegel-Online um bei Diskussionen in den Kommentarspalten zu sehen wie andere „Wirtschaft verstehen“, ich suche das Gespräch, egal ob Freunde, Bekannte, Laien, Profis usw., nutze Online-Vorlesungen und ich versuche, nicht in die Anfängerfallen zu tappen, wie den „Jesuspfennig“ oder „Durch den Zinseszins muss das Geldsystem zusammenbrechen“ oder „Banken und Politiker stecken unter einer Decke und zocken uns ab“ oder „Geld drucken" oder „Die Schulden können nie zurückgezahlt werden“ und den ganzen anderen emotional-aufgeladenen, aber menschlich nachvollziehbaren Meta-Begriffs-Quark. Das einzige „Problem“ ist die Zeit, oder besser, das Einkommen :-) Mit dem von mir favorisierten BGE-Modell, könnte man sich 24h/7d mit Thematiken beschäftigen, aber heute heißt es ja: „oarbeidden, oarbeidden, oarbeidden“ :-D Dabei hat z.B. Einstein auch erst in der sicheren Einkommensruhe als dritt-klassiger Patentbeamter, ohne Geldsorgen, die Zeit und Ruhe gefunden, mal die physikalischen Begriffe und Axiome zu hinterfragen. Auch Marx hatte erst durch finanzielle Unterstützung vom reichen Engels, die Zeit und die Ruhe zum denken. (Marx war lebenslang ein richtig monetär-armes Schwein.) So sollte es jeder machen können, in seinem Bereich der ihn interessiert. „Arbeitslosigkeit“ ist doch super, endlich machen Maschinen unsere Arbeit und wir haben Zeit zum Nachdenken. Nur ein bescheidenes Einkommen ist notwendig, um das Geld zu haben, um die Waren zu kaufen, welche die Maschinen produzieren. Aber wir müssen ja an den Unis Absolventen ausbilden, um „die Wirtschaft anzukurbeln“. Im Prinzip braucht man Unis, in dieser Form, in Zukunft gar nicht mehr, denn (fast) alles ist frei verfügbar, man braucht nur noch gute Archive, Zeit, Neugier, Online-Vorlesungen und ein bescheidenes Einkommen, und die Uni nur, um die Prüfung formal abzulegen. Aber 1.000 Studenten, die sich in einen Mathe oder VWL Anfängerhörsaal quetschen, um doch nur die seit 30 Jahren gleichgehaltene (und immer noch unverständliche) Vorlesung zu hören? Oh, jetzt bin ich aber voll vom Thema abgekommen :-)

Inflation: Stellen sie sich jetzt Geld einfach nur als bloßen Gegenstand vor, vergessen sie, dass man damit einkaufen kann, vergessen sie, dass es da draußen Waren gibt, vergessen sie den Einkaufsbummel. Der Geldschein ist also, wie ein Ziegelstein, einfach da, und wir stapeln nun Geldschein auf Geldschein und Ziegelstein auf Ziegelstein. Weder wollen wir mit dem Geld einkaufen gehen, noch wollen wir mit den Ziegelsteinen ein Haus bauen, trotzdem liegt das Geld vor uns und wir stapeln und stapeln. So, und nun schaut jemand in unseren Garten und ruft: „Die Geldmenge wächst - Hilfe, das ist Inflation!“ „Moment“, rufen wir zurück, „ich stapel hier im Garten nur Geldscheine und Ziegelsteine aufeinander.“ Ist das schon die Inflation? Aber ich tu doch gar nichts, die Welt außerhalb meines Gartens ist nicht betroffen von meiner Geld- und Ziegelstapelei. Wovor haben Menschen Angst? Vor steigenden Preisen. Preise kleben aber nicht am Geld (oder doch? Es gibt ja den Meta-Satz: "Zins ist der Preis für Geld"), sondern an den Waren. Ich fahre also in die Stadt und wedele mit meinem Geldschein vor Händlers Nase herum, aber ich wedele einfach nur, kaufen tue ich nichts. Was macht der Händler? Er muss seine Waren verkaufen, also muss (?) er runter mit den Preisen. Ich gehe am nächsten Tag mit einer Schubkarre voller Geld zum Händler, wedele mit einem Ventilator die Scheine durch den Verkaufsraum, aber kaufe wieder nichts. Der Händler ist verzweifelt und senkt noch weiter die Preise. Ich komme am übernächsten Tag mit einer LKW-Ladung voll Geld, lasse den Händler kurz im Geld schwimmen, kaufe aber wieder nichts. Seltsam, da gibt es Unmengen von Geld, aber die Produkte werden immer billiger. Wie kann das sein? Es müsste doch Inflation geben? Seltsamerweise gibt es Deflation, also den Rückwärtsgang. Die meisten Menschen machen Folgendes: Sie heben die linke Hand auf die Höhe von 1, 50 m und heben anschließend die rechte Hand auf 1, 50 m und sagen: „Hier, das ist die Menge des Geldes und hier, das ist die Menge der Güter und beide sind gleich hoch“. Inflation erklären sie dann so: Sie heben die linke Hand auf 2, 50 m und die Rechte bleibt auf 1, 50 m und sie sagen: „Jetzt ist zu viel Geld da, es herrscht Inflation“ und sie betonen, dass das zu-viel an Geld „die Inflation ist“. Irgendwie ist auch gar nicht klar, was ist eigentlich der „richtige“ Preis? Wenn ich nie einkaufe, woher soll eigentlich der Händler wissen, was der „richtige“ Preis ist? Erst wenn ich, oder irgendjemand, bei ihm einen Kaufvertrag abschließt, also wirklich einkauft bzw. "tauscht" (wie viele sagen), weiß er es. Es muss also zwischen Geld und Ware erst zu einem Kaufkontrakt kommen, bzw. der Händler und ich, müssen einen Kaufkontrakt ausmachen, ein juristischer Sachverhalt. Inflation ist nicht die wachsende Geldmenge, Inflation sind steigende oder fallende Preise der Waren. Es rennen Test-Käufer im Auftrag des Staates jeden Monat zu den Läden, notieren die Preise und melden sie an eine Zentrale. Diese merkt dann, um wie viel die Preise gestiegen sind und verkündet das als, z.B. 2% Inflation. Es ist dieser Behörde völlig wurscht, ob gerade von der amerikanischen Notenbank so und so viele Billionen Dollar „gedruckt“ wurden oder ob die EZB den Leitzins auf so oder so gesetzt hat, diese Behörde guckt einfach wie ein Jäger durchs Fernrohr und sieht einen Preis. Diesen notiert sie, egal was drum herum über „Geldmengenwachstum“ spekuliert wird. Kurz: Inflation ist nicht ein fiktives Geld-Problem, sondern eine ganz reale Überprüfung der Preise, es laufen behördliche Mitarbeiter in die Läden und schauen einfach auf die Preise. Fertig. Der Unterschied zum letzten Monat wird dann als Inflationsrate (Unterschied zu "Inflation"?) bezeichnet und die Waren, die sich diese Mitarbeiter anschauen, als „Warenkorb“. Eigentlich ein unemotionales, rationales Messen, so wie Schulkinder, die dazu verdonnert wurden, als Hausaufgabe zu zählen, wie viele Autos pro Stunde unter einer Autobahnbrücke durchfahren. Noch kürzer: Wer auf die Preise von sehr vielen Waren gleichzeitig schaut und sich dabei den Unterschied zum Vormonat merkt, der misst die „Inflation“. So werde ich ab sofort den Begriff Inflation verwenden. Da Kaufkontrakte notwendig sind, um überhaupt Geld gegen Ware „zu tauschen“, wäre (fiktiv) folgende Situation möglich: Die Händler verdoppeln spaßeshalber die Preise ihrer Waren für einen Monat, wir Kunden kaufen aber nicht ein. Die Behörden-Mitarbeiter würden aber die gestiegenen Preise entdecken und auf 100 % Inflation schließen, obwohl kein einziger Kaufkontrakt geschlossen wurde. Interessante Fragen wäre: Kann der Preis für eine einzelne Ware höher sein als die gesamte Geldmenge? Kann Geld, im Modell, mehrfach zum Einkauf genutzt werden? Merke an mich: BGB einbauen. Bisheriges Verständnis ist genau die Mainstream-Neoklassik, die Geld als gegeben ansieht und wir tauschen munter die Waren gegen Geld. Ich brauche trotzdem erst mal ein schriftliches Grundgerüst, geht nicht anders. Was würde passieren, wenn Ureinwohner vom Amazonas ihre Nahrung mit Euro-Preisschildern bekleben würden, und aus ihrem nicht-monetären ("preislosen") Kreislauf in unseren monetären einschleusen würden. Da gibt es noch viel begriffliches aufzudröseln... Aha-Effekt: Offenbar meint man mit Geld "im Umlauf" das, was ich oben als Kaufkontrakte abschließen bezeichnet habe. Geld und Ware "umlaufen" wenn Geldbesitzer und Warenbesitzer einen Kaufvertrag abschließen und Geld und Ware "tauschen". Was aber ist im Spezialfall, wenn Geld "da ist" aber "nicht kauft", also der Umlauf Null ist? Inflation will den Durchschnitt aller Preise (Güter/Waren?) messen, das geht nicht, nur von einer Art monetär-laplaceschen Dämon, also nimmt man Warenkörbe und erhält eine Abweichung vom "wahren Wert". Sind in der Inflation auch Aktienpreise? Mir wird gerade klar, das einfache addieren aller Preise, kann nicht die Geldmenge sein, denn Aktien haben zwar den Preis von 10 Euro und alle glauben sie könnten für 10 Euro verkaufen, aber wenn alle das tun würden, würde der Preis rapide nach unten gehen. Mir fällt das Verständnis auch schwer weil ich 1. glaube ich müsste erst Ströme und Bestände besser namentlich auseinanderhalten und 2. den Unterschied zw. Kredit und Geld schon kenne, ihn aber nicht einfach so einbauen kann. Kritik: Bei "Geld in Umlauf setzen", ist da Geld als Geldmenge gemeint? wie kann sich eine Geldmenge selbst in Umlauf setzen, sprachlich finde ich das seltsam, v.a. bei der Gesamtgeldmenge, wer setzt denn diese "in Gang"? Ist einem die Unterscheidung zwischen einem einzelnen Schein und der gesamten Geldmenge wurscht und man addiert einfach? Wieso man Inflation sofort Wertverlust nennt ist unklar, Inflation misst etwas, die Interpretation "Wertverlust" kommt später hinzu, sie bedarf aber anderer Bezüge, die eine reine Messung nicht hergibt. Witzigerweise kann es der messenden Behörde auch egal sein welche Preise vorherrschen (am Start) denn ab Start wird nur noch die relative Veränderung zum Vorjahr gemessen. Ob die Preise bei Beginn der Messung "hoch" oder "niedrig" sind, bedarf irgendeiner Referenz, die man am Start noch nicht hat (also vor der ersten Messung.) Inflation ist kein Bestand, so reden aber alle. Inflation, so wie geredet wird, ist nicht beobachtbar, denn beobachtbar sind nur Bestände, eine Preisänderung ist nicht messbar, wir können nur "hingucken" und Preise "sehen", aber den Unterschied (Prozentzahl) muss man berechnen.

Wenn ich einzelne Begriffe besser verstehe, muss ich wahrscheinlich auch in allen anderen Begriffen ein Verständnis-Update durchführen, z.B. bei der korrekten Verwendung des Begriffs Waren vs. Güter. Jahre/Jahrzehntelang habe ich mich ökonomischer Sekundärquellen bedient, z.B. der Wirtschaftsteil einer Zeitung ist für mich eine ök. Sequ. Dabei gewöhnt man sich ein unscharfes ökonomisches Sprechen und Denken an, dass wieder herausoperiert werden muss. Irgendwie bin ich früher davon ausgegangen, wenn man nur genug Bücher/Zeitschriften/Zeitungen/Blogs liest dann wird die Erleuchtung schon kommen. Kommt aber nicht. Obwohl es wirklich gute Blogs gibt, fehlt mir doch letztlich immer der feste Untergrund, um "wirklich" mitreden zu können. Das geht wahrscheinlich vielen so. Derzeit habe ich das Gefühl mich im Rückwärtsgang auf die Begriffe zu-zubewegen, wogegen sich jemand direkt nach der Schule, im Vorwärtsgang auf die VWL-Studium-Begriffe zubewegt, noch ganz unvorbelastet. Des weiteren merke ich, es geht wohl doch nicht ohne Rechnen und Mathematik, obwohl ich mir gewünscht hätte, es ganz ohne zu verstehen. Nicht weil ich Mathe nicht mag, im Gegenteil, aber es widerstrebt mir mit Mathe anzufangen, bevor ich nicht die Begriffe verstanden habe. Nun ja, man kann sich aber auch nicht ewig im Kreis drehen. Wie kann man sich als junger Abiturient vertrauensvoll in Ökonomievorlesungen setzen wenn draußen (sichtbar) das Euro/Staatspleite/Shutdown/Finanz/Banken/Steueroasen/Arbeitslosigkeit/Einkommenslosigkeit-Schlamassel herrscht und die Professoren in den Modellen keine Krise sehen? Aus den Absolventen werden doch die Politik/Unternehmens-Führungskräfte, wie sollen die denn die Probleme lösen? Einem Prof. der heute ernsthaft noch von Vollbeschäftigung faselt, dem spring ich an die Gurgel :-) Und es gibt sie, z.B. Prof. Bontrup, der sich als "sozial" geriert, aber doch nur das alte Denken in neuen Schläuchen präsentiert: https://www.youtube.com/watch?v=YJzk0oyR_kw (Es gibt davon auch eine Langversion, für mich exemplarisch für Alt-Modell-Denken, immer geht es gegen die bösen Schulden, gegen die bösen Kapitalisten und für die gute Vollbeschäftigung, bääh) Wenn sich WiWi Prof. als blinde Fachidioten beschimpfen lassen, dann ist das zwar persönlich verletzend aber wohin soll sich denn der Frust entladen? Die VWL/Neoklassik geriert sich als wertfrei und nicht-politisch, aber auch einem komplett im Elfenbeinturm abgedichteten Prof. muss doch aufgefallen sein, wie sein Fachbegriff Vollbeschäftigung ausgeartet ist. Warum schreibt der Prof. nicht einem Politiker eine Mail und weist ihn darauf hin: "Du verwendest den Begriff nicht so wie wir".

Unternehmen: Unternehmen und Unternehmer, das ist ein Unterschied, der erst langsam in den sprachlichen Teil meines Gehirns gesickert ist. Ein Bäcker ist nicht das Unternehmen! Er ist der Unternehmer und tritt, so mein bisheriger Kenntnisstand, als (Modell-)Konsument auf. Meistens trennt keiner diesen wichtigen Unterschied zw. "die bösen Unternehmen" und "die bösen Unternehmer", entnommen der Sekundärsprache :-) Denn jetzt fällt mir auch einiges wie Schuppen von den Modellen. Früher fragte ich mich, was ist in dem Fall, dass der Bäcker seine eigenen Brötchen isst, konsumiert dann das Unternehmen? Argh, das war für mich nicht verstehbar, brachte alles durcheinander. Klar, die Kunden sind Konsumenten, aber der Bäcker? Hm... Ok, also, der Bäcker ist zwar Unternehmer, aber er ist nicht das (Modell-)Unternehmen. Wer macht den Gewinn, der Unternehmer oder das Unternehmen? Ha! Gleich mal in die Falle getappt: 1. Natürlich macht das Unternehmen den Gewinn, jetzt wird's mir klar. 2. Falsches sprechen! Man kann keinen Gewinn machen bzw. haben, Gewinn ist ein Strom und kann nur zufließen. Again what learnt - Oder auch nicht, denn ich leier mir das hier einfach so aus der autodidaktischen Gehirn-Hüfte. Im Prinzip werden Unternehmen, relativ zu Menschen, als Fremdkörper betrachtet, als Nicht-Mensch. Unternehmen kann Gewinn zufließen weil sie juristische Personen sind. Eigenkapital steht auf Passivseite weil das Unternehmen als Eigenkonstrukt betrachtet wird, das ist gewöhnungsbedürftig, weil man den Unternehmer und das Unternehmen gleichsetzen möchte. Man stellt sich Eigenkapital ja eher auf der Aktivseite vor, als "das hat das Unternehmen". Eigentlich sind Unternehmen irgendwie auch Konsumenten, sie konsumieren Maschinen, die verbraucht werden, durch Abnutzung, zu Rost/Staub zerfallen. Unternehmen sind Maschinen-Konsumenten, so gesehen. Es gibt Abschreibung die diesen Verfall offenbar dokumentieren soll, in Geldeinheiten.

Lehrbuch-Weisheiten: Mankiv/Taylor beginnen ihr Lehrbuch (ein weltweit genutzter Klassiker) mit den volkswirtschaftlichen Grund-Regeln. Die erste lautet: Menschen stehen immer vor Alternativen. Mir stellt sich die Frage, stimmt das? Ist ein Afrikaner kurz vorm Verhungern in der Lage eine Wahl zu haben, hat ein zu 100% Sanktionierter ALG2 Empfänger eine Alternative, hat ein illegaler Amazonas-Regenwald-Abholzer eine Alternative, hat ein Ertrinkender eine Wahl, hatte Francesco Schettino ein Wahl? Schwierig, denn einerseits ist es tatsächlich richtig (und irgendwie trivial), dass, solange wir nicht tot sind, immer Alternativen haben bzw. wir uns entscheiden, denn auch nicht-entscheiden ist eine Wahl. Also, wenn man es immer aus den inneren Augen der Person betrachtet, ja dann hat man immer eine Alternative, denn auch einfach "Nichts-Tun" ist eine Entscheidung. Aber, wenn man aus der inneren Wahl-Szene herauszoomt und aus der Vogelperspektive schaut, hat dann diese Person eine Wahl? Oder sind wir es, die ihr zusprechen, guck mal, er könnte dies und das tun und eine andere Wahl treffen? Oder ist dieser Meta-Blick nicht erlaubt in dieser Modell-Grundregel? Stellen in Gesetzen formuliertes (also die "nicht sichtbare Realität") Wunsch-Verhalten schon Gründe dar für alternatives Verhalten oder zählen nur harte Fakten? Grenzen des Modells: Ist ein Meta-Blick erlaubt oder nicht? Ok, es geht offenbar um Einzelentscheidungen. Aber oft wird doch gesagt "Gruppen" hätten sich entschieden, aber wie entscheidet das Objekt "Gruppe"? Entscheiden können immer nur einzelne Menschen. Offenbar meint Mankiv, dass ein Mensch lebenslang seine Zeit verteilen muss und daher aus allen alternativen Zeitdepots (mein Wort) eine auswählt, mit der er die nächste Stunde verbringt. Irgendwie entscheidet er also, dass es am besten ist, so und so die nächste Stunde mit der oder der Handlung zu verbringen. Nein, doch keine Einzelentscheidung, er bezieht sich auch auf Gruppenentscheidung, ist dann eine Gruppe modellhaft eine Einzelperson? Schon auf den ersten 2 Seiten sind Fachbegriffe ohne Ende, Kapitaleigner, Preisforderung, Waren, Dienstleistung, Zielkonflikt, Effizienz, Gerechtigkeit, Einkommensbesteuerung, Opportunitätskosten... Begriffe für die man Monate braucht, aber wir haben es ja mit "didaktisch-pädagogischer Begabung des Autors" zu tun (Vorwort). Also bisher möchte ich dieses didaktische Meisterwerk eher ganz unpädagogisch aus dem Fenster werfen. Oder ich schenke es der Katze. Sätze wie "Die Armen sollen nicht einfach deshalb ignoriert werden weil die Sozialhilfe Anreize zur Arbeit zerstört" oder Menschen "gute" Entscheidungen treffen sind so dermaßen wertend und eigentlich auch stark diskutabel, aber ich bin ja erst auf der zweiten Seite... Bestimmt bin ich auch der einzig Doofe hier in diesem Quadranten der Galaxie, alle anderen sind begeistert ob der Darbietung unseres Didaktik-Gottes.... Wer jetzt sagt "geh doch ins Seminar" etc., Moment, schlechte Lehrbücher durch Seminare/Repetitorium etc ausgleichen Nö! Das ist inakzeptabel, sollen denn die Lehrbücher immer unangetastet hochgejubelt werden? Nö. Nö. Nö.

Ich hab gerade so das Gefühl ich muss einiges korrigieren was ich über Neoklassik Modelle gesagt haben. In der Neoklassik herrscht immer Vollbeschäftigung gemäß X. Eigentlich dürften Neoklassiker gar keine Vollbeschäftigungsempfehlungen an die Politik geben denn Vollbeschäftigung herrscht ja gem. Modell jederzeit. Wer von meinem halb-emotionalen, stark gesellschafts-politisch geprägten Sing-Sang Stil genervt ist und hier "harte Fakten" erwartet, nun ja, 1. wird sich das abschwächen, und 2. Fakten-Lehrbücher die man nicht versteht, sind Grund genug einen anderen Stil zu probieren.

Wer nimmt die Gesamtschuld auf, geht nicht, nur Einzelschulden können von jemandem aufgenommen werden, Gesamtschuld ist addierte Einzelschuld, die andern Typs ist.

Produktionsfaktor: Geht einher mit dem Verständnis von Produktionsmittel, eventuell synonym verwendet. Produktionsfaktor ist Mengenbegriff, Maschine ist Element. Manchmal wird aber auch die Maschine Produktionsfaktor genannt, aber man kann der Menge und dem Element nicht den gleichen Namen geben. Prof. Marion Steven schreibt in "BWL für Ingenieure", es geht um reale Transformationsprozesse, dann schreibt sie, auf der nächsten Seite, von der Transformation von Produkten zu Geld. Ich kann mir eine reale Transformation von Mehlteig zu Brötchen gut vorstellen, aber eine reale Transformation von Brötchen zu Geld? Man kann das mal locker flockig hinschreiben mit der "Transformation" aber wie soll ich mir REAL diese Verwandlung vorstellen? Oder meint sie damit nur den "Tausch"? OK, Produktionsfaktoren sind offenbar alle realen Gegenstände die daran beteiligt sind Produkte herzustellen, unterteilt in Werkstoffe, Betriebsmittel und Arbeit. Die ersten beiden sind ja nichts anderes als einfach Bestände von realen Objekten, die nützlich sind für die Produktion, aber der Begriff Arbeit scheint mir anderen Typs zu sein, denn Arbeit kann man nicht als Bestand haben. Menschen können ein Bestand sein, Arbeit nicht. Ich kann zwar den Mehlteig messen oder das Brötchen, aber doch nicht Arbeit, sondern nur die Arbeitsleistung, die aber wieder dem Brötchen entspricht. Habe gerade Schwierigkeiten Arbeit einzuordnen. Ein menschlich aussehender Roboterbäcker transformiert Mehlteig zu Brötchen, er macht Arbeit. Hm... man würde ihn einstellen wenn er ohne Einkommen arbeitet und man nur 1x Kosten hätte relativ zu Mensch-Bäcker der andauernd monatlich kostet. Vermutlich sind das die Opportunitätskosten die man immer hört. Trotzdem ist noch nicht geklärt was Arbeit ist. Arbeit kann doch nur am Objekt gesehen werden, also ist Arbeit mit dem Brötchen-Ding gleichzusetzen, aber wozu dann noch den Begriff Arbeit? (höchstens als schwammiger Meta-Begriff) Wenn Arbeit das reale Ergebnis ist, dann ist Arbeit ein zusätzliches, eigentlich überflüssiges Wort. Bei Prof. Adolf Schab "Managementwissen für Ingenieure" findet man "Mitarbeiter ( Arbeiter und Angestellte)". Ja wie nun, Arbeit oder Arbeiter? Was ist mit den kostenlosen Produktionsfaktoren, die auch ins Produkt materiell einfließen, zum Beispiel Sauerstoff. Ok, es ist wohl besser die Begriffe Input und Output zu verwenden, die anscheinend reale Vorgänge bezeichnen, also nicht die finanziellen.

Abschreibung: Eine Maschine rostet, eine Kutsche hat einen Holzwurm, sie vergammeln also. Ist das die Abschreibung? Hm... habe mich lange schwer getan, aber das ist nicht die Abschreibung, sondern die Abschreibung findet in der Bilanz statt. Früher dachte ich, eine Maschine verrostet und dann verkauft man sie einfach zum Restwert. Wozu braucht man den Begriff Abschreibung also? Ich schreibe ja die Möbel in meiner Wohnung auch nicht ab, sondern kaufe sie und nach 20 Jahren verkaufe ich sie, fertig. Ok, nach m. bisherigen Verständnis dienen Abschreiben dazu, immer den aktuellen Wert des Vermögens zu kennen. Eine Abschreibung ist wie das drücken auf den "Aktualisieren-Button" am Web-Browser, man bringt die Internetseiten auf neuesten Stand. Die Frage ist, ist Abschreibung real oder nicht. Nein, sie ist nicht-real, denn das "Vergammeln" der realen Dinge passiert von allein, es interessiert die realen Objekte nicht ob ich irgendwo Bücher führe und dort das Wort "Abschreibung" benutze.

Konto: Ach ja, das Konto. Auch ein Begriff den ich immer als Schatztruhe gedacht habe, selbst mit 0 Euro. Im Moment bin ich der Meinung, dass das Konto wirklich so ziemlich gar nichts darstellt, außer eben eine Zahl. Aber unser alltägliche Sprechen, wir würden vom Konto abbuchen, etwas runterholen, damit zahlen, "haben sie ein Konto", nun ja... Haben und Soll muss auch erst definitorisch mal ins Gehirn. Irgendwie habe ich Konto immer mit der Passivseite einer Bilanz gleichgesetzt. Hm... Kontostand ungleich Konto. Kontenform. Zahl nicht Konto/Saldo.

Brutto: Brutto heiß so viel wie "unbesteuert". Es hat eine Weile gedauert das zu verstehen, denn immer dachte ich bei Brutto sofort, Moment mal, BMW-Mitarbeiter würden gern in Brutto rechnen, aber ohne Steuern gäbe es keine Straßen und das Brutto, auf das sich BMW freut, würde überhaupt gar nicht erst existieren.

50 weitere Gründe für ein Grundeinkommen.

Eine Bonus-Version, weil bei "Zweihundert Gründe für ein Bedingungsloses Grundeinkommen" (http://goo.gl/L0n1mm) der Google+ Beitrag langsam Ladeschwierigkeiten bekam. Ich schreibe hier einfach fortlaufend weiter, die Nummerierung geht bei (201.) los.

201. In einer Marktwirtschaft ist es so: Neben einem Berg an Essen kann man trotzdem verhungern, weil man nur durch ein Einkommen (=Kaufkraft) Zugriff auf den Berg bekommt. Sobald eine Gesellschaft von der Selbstversorgung zur Fremdversorgung umsteigt, löst sie die Verteilung durch Einkommen bzw. Geld. Ohne Einkommen muss man in einer Fremdversorgungsgesellschaft verhungern oder kriminell werden. Der Berg an Essen ist durch Eigentumsrechte geschützt, ein Zugriff ohne Geld ist eine Straftat. Dabei spielt es auch überhaupt keine Rolle, ob man arbeitet oder nicht arbeitet. Man muss jetzt nur noch Grundeinkommen, Lohn, Arbeit und Bedingungslosigkeit in ein richtiges Begriffsmosaik bringen und nicht vorschnell "Wer nicht arbeitet..." rufen.
 
202. Reiche bekommen auch das Grundeinkommen, sie zahlen es sich aber, rein finanztechnisch gesehen, selbst.

203. Mit einem Bedingungslosen Grundeinkommen heißt es nicht mehr „Du musst mir folgen, weil du auf meiner Gehaltsliste stehst", sondern „Du kannst mir folgen, weil ich die richtigen Argumente habe“.
 
204. Mit einem Bedingungslosen Grundeinkommen muss man nicht mehr mit einer antrainierten Pseudofreundlichkeitsmaske durchs Leben rennen, sondern darf so sein wie man ist. Wird spannend zu sehen, wie man so ist.

205. Nur die Toten sind arbeitslos.

206. Bei Einkommen zählt die Regelmäßigkeit. Daraus folgt die Bedingungslosigkeit. Die genaue Höhe ist nicht ganz so wichtig, die Regelmäßigkeit ist das Entscheidende.

207. Wir leben in einer nicht-individuell selbstverschuldet komplizierten Gesellschaft. Das Schöne ist: Sind Probleme selbstverschuldet, kann man sie lösen! Stellt euch vor, Gott etc. wäre schuld, dann könnte man nichts tun.

208. Mit einem BGE fällt "Der Lohn den man verdient hätte" und "Der Lohn den man bekommen hat" zusammen.

209. Manche Leute glauben, es macht "Sinn", das Haus kaputtzuschlagen, das Auto zu zertrümmern, sich die Hand zu brechen, Schmutz zu hinterlassen, Kriege anzufangen usw., denn all das bringt Wachstum und Arbeitsplätze. Krieg zw. Russland und Ukraine? Super! Zerbombte Häuser? Perfekt! Der Wiederaufbau bringt Wachstum! Verkrüppelte und verletzte Menschen? Bestens! Das schafft Arbeitsplätze bei den Ärzten! Arbeitslose Geisteswissenschaftler? Nehmt ein Feuerzeug und brennt die Hälfte der Bibliotheken nieder! Das schafft Arbeitsplätze beim wieder-neu-erdenken! Das allgemeine Missverständnis beim Verständnis des Begriffs „Wachstum“ ist schon seltsam. Aber nachvollziehbar, denn zum zwölftrillionsten Mal von Frau Merkel ihren Wachstumswunsch zu hören, ist einfach nur nervig. Wachstum ist nicht per se schlecht, stellt euch vor, jedes Jahr werden die Erklärungen im Matheunterricht 5 % besser und nächstes Jahr wieder 5 % verständlicher usw. Sozusagen ein Wachstum im geistigen Eigentumsfeld. Der Begriff „Nachhaltigkeit“ ist leider auch schon so dermaßen ausgeleiert, dass man genau zuhören muss, um nicht einer PR-Kampagne aufzusitzen. "Nachhaltigkeit" ist leicht zu erklären: Pflanze so viele Bäume wie du abholzt.

210. Seit mehr als 10 Jahren beschäftige ich mich mit Politik und politischen Themen und ich dachte mich könnte nichts mehr überraschen, aber dann das: Das Durchschnittsalter der SPD liegt bei 59 (!) Jahren. Mir wurde schlagartig klar warum die gegen ein BGE sind. Die Ärmsten können ja gar nichts dafür. Nach 59 Jahren Vollbeschäftigungs-Indoktrination dreht sich ein alter Esel nicht mehr gegen den Wind. Der Vollbeschäftigungs-Rausch hat die SPD erfasst und sie torkelt seit Jahrzehnten volltrunken den realen Gegebenheiten hinterher. Sozial ist, was Arbeit schafft, so denkt der Es(pd)el und merkt nicht, dass er nur die Neoklassik nachplappert. Die SPD ist viel, viel neoliberaler als sie glaubt. Unter den SPD-Talaren steckt der Rost von tau... 59 Jahren. Oh, Überraschung - der Postillion hat hier wohl mitgelesen :-) Schaut mal => goo.gl/HL2yT

211. Wirtschaftswissenschaftler müssten begeistert sein vom BGE, denn endlich hätten sie den echt freien Arbeitsmarkt aus ihren Modellen. In den Modellen kommt nämlich Zwangsarbeit gar nicht vor.

212. Studenten ohne Geldsorgen haben Zeit zum Nachdenken, zum kritischen Hinterfragen der Theorien und vor allem den Mut zum Widerspruch. Wie kann ich heute widersprechen, wenn doch immer die Angst besteht einen Arbeitsplatz bekommen zu müssen. Wie kann ich eine VWL Theorie anzweifeln, wenn ich von meinem Professor/Lehrer benotet werde und diese Note direkt beeinflusst ob ich in der Konkurrenz mit anderen um die wenigen Arbeitsplätze die Reise nach Jerusalem gewinne? Wie kann ich noch guten Gewissens Ingenieur werden, wenn ich doch mit meinen Erfindungen tausenden Menschen die „Arbeitsplätze vernichte“? Technologisch leben wir in der Zukunft aber sozial-gesetzlich (und sprachlich) in der Antike... nein, Kambrium.

213. Ein Walfänger sagt uns: "Ich kann nicht damit aufhören Wale abzuschlachten, ich muss doch meine Familie ernähren." Ein Amazonasregenwald-Illegal-Abholzer sagt uns: "Ich kann nicht aufhören mit abholzen, ich muss doch meine Familie ernähren." Ein Gefängniswärter in Nordkorea sagt uns: "Ich kann hier nicht aufhören mit Gefangenenmisshandlung, sonst werde ich gekündigt und ich muss doch meine Familie ernähren." Ein NSA-Mitarbeiter sagt uns: "Ich kann hier nicht aufhören zu spionieren, denn ich brauche ein Einkommen und muss meine Familie ernähren." Ein Pirat vor Somalia sagt uns: "Ich lebe in entwürdigendster Armut und muss meine Familie ernähren." Ein Bild-Zeitungs-Journalist sagt uns: "Ich muss diesen Mist schreiben weil Kai Diekmann es so will und ich muss doch meine Familie..." Diese Ausreden fallen mit einem BGE weg. Wer dann trotzdem noch weitermacht, hat nicht mehr viele Pfeile im Logik-Köcher. Das BGE macht jedem ein faires Angebot, mit dem er die dunkle Seite der Macht verlassen kann.

214. Wer 30 Jahre hart arbeitet und sich ein Vermögen anspart, der muss erst sein Erarbeitetes aufbrauchen bis das Jobcenter ihm mit Zwangsarbeit behilflich ist. Da ist das eigene Häuschen ganz schnell weg: goo.gl/T02iuY (Nennt sich harmlos: "Schonvermögen", kleiner Hinweis: Mit BGE gibt es so etwas natürlich nicht, da kommt einfach alles Erarbeitete obendrauf) Wer verarmt, kommt heute kaum noch aus der Privaten Krankenversicherung heraus und geht praktisch insolvent: goo.gl/cPeIpb Gesundheit ist eine andere große Baustelle die dringend gesetzlich vollständig repariert werden muss. Gesundheit und Grundbedürfnisse sind Zwangslagen, hier muss ein für alle mal eine Basis für alle geschaffen werden, in die alle einzahlen (auch Reiche).

215. Mit BGE können die Richter am Sozialgericht ein großes Lagerfeuer machen und 95% aller Akten reinwerfen. Dieser ganze juristische Kleckerkram um 50 Cent hier und 3 Euro da usw. hört auf.

216. Mit BGE sinkt die Suizidrate, weil Menschen die sowieso arm sind oft mit der überbordenden Armutsbürokratie nicht zurechtkommen. Dann noch der Druck und die Demütigung als Bittsteller auftreten zu müssen, dem Kind die neuen Fußballschuhe nicht kaufen zu können, den Schulausflug nicht zahlen zu können, die Mahnungen, der Gerichtsvollzieher usw. Ganz ehrlich, das Leben im Gefängnis scheint leichter zu sein als in dieses System zu geraten. Im Knast hat man sein Einzelzimmer, man kann viel Lesen, in Ruhe ein Fernstudium machen, kriegt Essen und Unterkunft. Das Vermögen darf man auch behalten. Jobcenter ist schlimmer als Knast. Seinen Wohnort darf man als Hartz IV Empfänger sowieso nicht verlassen, nennt sich salopp Residenzpflicht (abgeleitet von Asylbewerbern), man hat immer Gewehr bei Fuß (wahlweise: Gewehr bei Arbeitsplatz) zu stehen. Hoeneß sitzt seine 3 Jahre locker auf der Arschbacke ab und genießt mit seinem versteuerten Vermögen den Lebensabend.

217. Die Staatsverschuldung ist kein 2 Billionen Euro tiefes "Loch", das erst "aufgefüllt" werden muss, bevor wir uns etwas "leisten" können. Diese Vorstellung ist unsinnig. Staatsverschuldung ist die Kehrseite unser aller "stehengebliebenen" Guthaben. Staatsverschuldung ist ein drittrangiges Problem, eigentlich ist es sogar ein Nicht-Problem. Merke: Staatsverschuldung ist die Volkssparbüchse. Das BGE wird aus laufenden Steuereinnahmen (Volkseinkommen bzw. Bruttoinlandsprodukt) gezahlt und ist völlig getrennt von der Staatsverschuldung. Man darf gesamtwirtschaftlich nicht in einzelwirtschaftlicher Verschuldung denken, denn ohne Schulden keine Guthaben! Ich weiß, dass dies für viele schwer zu verstehen ist, da sie doch in Talkshows gelernt haben, dass die Guthaben der schwäbischen Hausfrau "gut" sind und die Griechen "schuldig", denn sie haben Schulden. Wenn erst die "bösen" Schulden aus der Welt sind, dann leben wir mit den Guthaben ein schönes Leben... Leider ein finanzphilosophisches Märchen.

218. Man muss auch mal eins klarstellen: Eine Milliardärserbin, die nie arbeitet, aber sich z.B. einen privaten Raumflug, teure Kleider und schicke Autos leistet, entnimmt lebenslang dem realen Topf, gibt aber nichts hinein. Wer also nur entnimmt, der ist so gesehen ein "Schmarotzer". Das Dumme ist nur, heute guckt man auf die armen "Schmarotzer", die dem realen Topf etwas entnehmen. Wenn man aber in dieser "Schmarotzer-Logik" denkt, müsste man konsequent auch die Milliardärserben (Beispiel Paris Hilton) mit Arbeitspflicht belegen. (Freikaufen mit Charity ist nicht!) Das stört mich auch an diesem System, es ist nicht nur falsch, es ist auch noch inkonsequent falsch. Argh... Es ist eigentlich furchtbar, da hacken die Armen (Jobcenter-Mitarbeiter) auf den noch Ärmeren (Arbeitsloser) rum und merken nicht, dass sich die reichen Erben im Swimmingpool kaputtlachen. Ein Jobcenter-Mitarbeiter ist doch auch nur ein armes Schwein und hat nur deshalb ein Einkommen, um Andere, die noch ärmer sind, zu beaufsichtigen, den Reichen zum Putzen für 1-Euro zuzuführen, dabei im Zaum zu halten und zu sanktionieren. Traurig. Mich frustriert einfach die Ungerechtigkeit des Gesamtsystems und wie es die kleinen Leute gegeneinander ausspielt, leider fängt man dann an zu personalisieren, was auch falsch ist, es hat ja strukturelle/systemische Ursachen.

219. Auch wenn es jetzt einige erschrecken wird, aber ich bin gegen eine 100 % Steuer auf Höchsteinkommen, gegen Mindestlohn, gegen Kündigungsschutz und noch einige Hemmnisse mehr. Warum? Ganz einfach: Wenn wir 1.000 Euro BGE für jeden eingeführt haben und einen festen prozentualen Steuersatz, auch für jeden, dann: Muss man nicht die Unternehmen behindern, denn wer schlecht arbeitet, der soll auch schnell entlassen werden können, wer gut arbeitet wird sofort eingestellt. Unternehmen sind nicht "die Bösen" (von diesem Denken müssen wir dringend weg, in dem Zusammenhang werden Unternehmen oft auch abwertend "Konzerne" genannt, obwohl das nur ein Fachbegriff für eine spezielle Unternehmensform ist), alle unnötigen Behinderungen für Unternehmen sollen wegfallen, außer natürlich das genügend hohe Bedingungslose Grundeinkommen. Man soll auch nicht Reiche höher als andere besteuern, denn wenn sich ihr Reichtum verdoppelt, dann zahlen sie ja auch mehr Steuern, 50% von 2 Milliarden sind ja mehr als 50% von 1 Milliarde. Lass die Reichen doch reicher werde, dann erhöht sich automatisch auch das BGE für alle.

220. Man soll nicht durch Mindestlohn in den Lohnfindungsprozess eingreifen. Manche Arbeit macht halt wirklich Spaß, hat viele Bewerber, aber ein Klein-Unternehmen/Start-Up kann nicht mehr zahlen. Und was ist mit Gartenarbeit für Oma? Wird dann wieder herumdefiniert was "Arbeit" ist? Am besten: Weg mit Mindestlohn, dann bildet sich bei jedem, ganz individuell der korrekte Lohn, da die Lohnverhandlung auf Augenhöhe läuft. Stellt euch mal vor, ihr würdet liebend gern ein Praktikum machen, aber das Unternehmen sagt: Tut uns leid, wir können dich nur für 5 Euro bezahlen, aber der Mindestlohn schreibt 8 Euro vor. Dann hockt ihr zu Hause, wegen eines blöden Gesetzes, dass Arbeiten verhindert. Wenn es 1.000 Euro BGE gibt, braucht man solche "Schutzmechanismen" (die aus heutiger Logik sogar nachvollziehbar sind) nicht mehr. Damit fällt auch viel Überwachung und Kontrolle weg, oder ein "Unterlaufen des Mindestlohns", denn was nicht da ist, kann man nicht unterlaufen. Auch Mietpreisbremsen und staatlich verordnete allgemeine Arbeitszeitkürzungen halte ich für falsch, die freie Marktwirtschaft ist nämlich nicht "böse", sondern das Beste was wir haben, man hat nur "vergessen" ein genügend hohes BGE "mitzuliefern". Weil dieses BGE fehlt, machen Politiker seit Jahrzehnten diese komplizierten Sozial-Verrenkungen, um uns vor dem "bösen Markt" zu schützen. Sie sehen das Heilmittel nicht und doktern an Symptomen herum. Sie machen das Falsche - immer effizienter.

221. Im Hartz IV Regelsatz sind 1,49 Euro für Bildung vorgesehen. Im Monat! Welcher "Experte" hat das ausgerechnet?

222. Mit BGE müssen wir nicht Sorge haben, ob die Schüler zur Schule kommen, wir müssen Sorge haben, ob die Lehrer noch kommen :-) Das hat Ralph Boes mal gesagt, ich finde ihn witzig und kreativ, hab schon vor Lachen unterm Tisch gelegen: Kostprobe: http://youtu.be/M6OJ6b1Mbx0?t=2m42s

223. Faulheit ist ein schwieriger Begriff, weil immer unterstellt wird, "der tut das mit Absicht" und "man wäre selbst schuld". Systemische Ursachen werden ausgeblendet oder als zu gering eingeschätzt. Die jahrzehntelange zeitliche Aufaddierung kleiner systemischer Nadelstiche und anschließend bedingte (Selbstschutz-)Faulheit, sieht ein Neoliberaler nicht. Für ihn ist Faulheit ein Diebstahl am Volksvermögen. Dass es eine sehr gesunde und menschliche Einstellung ist, sich einem als unfair empfundenen System zu verweigern, so etwas wird ausgeblendet. Ich kann mir das bisher nur so erklären, dass ein Neoklassiker selbstverliebt auf seine Modelle schaut und sagt: "Also eigentlich müssten die Leute, gemäß Modell, begeistert zu den Arbeitsplätzen rennen. Sie tun es aber nicht, also sind sie faul." Die Vermischung von Modell-Homo-Oeconomicus und realem Menschen bemerkt er offenbar nicht. Oder, eigentlich ist es sogar noch viel besser: Genau der Homo-oeconomicus, also der rationale Mensch, würde sich faul verhalten, denn wie irrational ist es denn bitte, sich mit Freude für 1 Euro vom Jobcenter zwangsverheizen zu werden, wenn andere lebenslang ab Geburt des süßen Nichtstuns frönen und ihr ererbtes Geld aus den Steueroasen verprassen?

224. Mit BGE kann man viel einfacher mehrere Jobs parallel annehmen, mal hier 2 Stunden, mal dort 3 Stunden, je nach Bedarf. Auch als Mutter, wenn es eben gerade passt, ohne Zettelkram und Anträge, einfach ein paar Stunden was dazuverdienen. Die Einkommensbasis ist vorhanden und dann holt man sich dort, dort und dort noch etwas dazu. Das BGE zieht eine neue Lohnnullinie. Heute beginnt der Lohn ab 0 Euro, mit BGE beginnt der Lohn ab 1.000 Euro. Heute lag bei mir ein Prospekt im Briefkasten, dort stand: "Zeitungen zustellen und sich Wünsche erfüllen". Was für ein Witz, sobald ein "fauler Hartz4 Schmarotzer" (http://goo.gl/RnxpaK) mehr als 100 Euro verdient, zahlt er einen Steuersatz von 80%. Wie bitte sollen sich Menschen so Wünsche erfüllen bzw. die Lust kriegen zu arbeiten? Oder jemand, der trotz Vollzeit am Existenzminimum rumkrebst, wird sich sicher nicht auch noch zum Zeitungsaustragen bewegen lassen. Selbst die Professoren sagen, ein Studium ist heute ein Vollzeitjob, denn bummeln geht nicht mehr, die Bummler werden exmatrikuliert. Man kann froh sein, wenn man durch auswendiglernen den Stoff schafft. Zeit zum Hinterfragen des Stoffs? Haha, guter Witz! Es treten mit Wohngeld, BAföG, Unterhalt, Kindergeld, Einkommen der Eltern, Scheidungssituationen, Zweitstudium usw. teilweise finanziell so komplizierte Situationen und Verzögerungen ein, dass man bei dem Spruch "Die kriegen doch alle BAföG" nur kopfschütteln kann. Es ist ein im Detail so dermaßen unlogisch konstruiertes System, ein Drehbuchautor käme selbst mit größter Phantasie nicht auf solche Absurditäten. Das Zeitungsunternehmen mag diesen Prospekt ja in guter Absicht geschrieben haben, aber wenn Unternehmer sich nicht auch bald mal hinsetzen und ein faires Gesamtsystem mit-konstruieren, dann wird ihnen immer mehr "Frustrhetorik" entgegenströmen, obwohl ja die Unternehmen an sich, aus einzelwirtschaftlicher Unternehmens-Logik, keine Schuld tragen, nur wohin soll sich der Frust der Menschen denn entladen?

225. In den Tiefen des Internet-Ozeans gibt es einige Perlen. Der Marianengraben ist diese Website: Ein ausdrückliches Dankeschön für die Arbeit von Wolfgang Röhrig, den langjährigen Betreiber des Archiv-Grundeinkommen, einer Website mit enorm viel Lesestoff zum BGE. Herumstöbern lohnt sich! Dort gibt es auch alle aktuellen News zum BGE: http://www.archiv-grundeinkommen.de/ 

226. Das Märchen von der Faulheit. Langsam glaube ich, dass es Faulheit, wie sie in den Köpfen spukt, nirgendwo existiert, es ist ein reines Phantasieprodukt, konstruiert wie eine Sage und täglich zurückgespiegelt von der Bild-Zeitung. Die Faulheit, die wir uns gegenseitig als Faulheit weismachen wollen, gibt es gar nicht.

227. Einige Gedanken zum Wählen. Ich bin der Meinung, dass wir zu sehr auf das Ergebnis (die Wahl) blicken. Entscheidend sind jedoch die 4 Jahre zwischen den (Bundestags-)Wahlen, die Wahl selbst ist (fast) egal. Ohne Engagement zwischen den Wahlen, zementiert ein Wahlergebnis nur das, was ist. Der Focus/Appell auf "Du musst wählen gehen" ist falsch. Richtig ist: "Du musst dich engagieren/recherchieren/diskutieren", denn ohne Engagement "ändert sich nix" (der Jammermodus der Empörten). Die eigentliche Arbeit findet also zwischen den Wahlen statt. Demokratie heißt nicht "wählen gehen". Die meisten Menschen sind keine Demokraten, sondern Wähler. Wie groß ist eigentlich der Unterschied zwischen einem Konzept, das bei Menschen "zündet" und einem Konzept, das man sofort wegen persönlicher Irrelevanz vergisst? Man stelle sich vor, jemand bekommt vom lieben Gott die Chance, sein Konzept jede Woche 1.000 Menschen vorzutragen (z.B. reist er deutschlandweit von Vortragsraum zu Vortragsraum). Klingt erst mal ganz gut, oder? Jede Woche zu 1.000, immer wieder neuen Menschen über sein Konzept sprechen. Wie viele Menschen erreicht man in seinem Leben? 50.000 im Jahr, 500.000 in 10 Jahren und ca. 5 Millionen in einem Menschenleben. Das heißt, man müsste ca. tausend Jahre alt werden, um vor jedem Menschen in Deutschland einmal zu sprechen. Und jetzt kommt das gleiche Spiel mit einem Konzept das "zündet". Wieder am ersten Tag 1.000 Menschen, und weil die so begeistert sind, erzählen sie abends ihren Freunden davon... Jetzt ist der Erfolg des Konzeptes nicht mehr aufzuhalten, man braucht nur wenige Vorträge und wenige Jahre. Typischer Lawineneffekt, den ein lineares "Jede Woche 1.000 Menschen" nie erreicht. Ein "exponentielles Mem" sozusagen, dass sich stärker ins Bewusstsein vorarbeitet als andere exponentielle Meme und natürlich erst recht viel stärker als lineare Meme. Dieses Bespiel macht natürlich keinen Unterschied zw. "gut" und "böse", die Leute können auch begeistert dem größten Unsinn hinterherrennen. Ist es also besser an (zündenden) Argumenten zu feilen oder seine Energie in die Verbreitung der Idee zu stecken?

228. Wie kann man die Idee verbreiten? Kreative Ansätze:

(a) Die Rollenspiel-Idee (im Original von Ralph Boes, siehe hier: http://youtu.be/QXy-nE9yalA?t=11m39s). Der Gegenüber schlüpft in die Rolle des BGE-Befürworter und man selbst nimmt die Rolle des BGE-Gegners ein und nach 5 Minuten wechselt man. Es ist ein seltsames Gefühl auf einmal gegen das BGE zu sein, schärft aber den Blick für die Gegenargumente. BGE-Gegner sind ja nicht doof, sie haben nur andere Axiome/Grundlagen. Das hat Enno Schmidt hier sehr schön ausgedrückt, http://youtu.be/c1OUx72-lQw?t=3m24s

(b) Witzige Idee: Kreide nehmen und BGE-Sprüche auf den Boden malen, z.B. vor Schulen, vor Unis, vorm Arbeitsamt, Fußgängerzonen usw. Ich sag euch aber gleich, die normale Kreide bricht auf Beton ab ;-)

(c) Den Antrag der "Bundesagentur für Einkommen" ausdrucken und verschicken: http://goo.gl/tMhuW5 Aber nicht ans Amt, sondern z.B. an Politiker, oder man kann sie auch im Dorf oder im sozialen Brennpunkt/Stadtteil in die Briefkästen werfen. Es ist überhaupt eine gute Idee eine kurze knappe Mail an einen Politiker seiner Wahl zu schicken. Warum nicht mal den Dorf-Bürgermeister per eMail fragen, was er vom BGE hält. Ohne den Drang, ihn sofort mit Gegenargumenten zu bombardieren, sondern einfach "nur mal fragen".

(d) Es gab im Mai 2012 vor der NRW-Wahl die Aktion "3-Tage-Wach" von den Grünen. Da saßen dann Grüne 3 Tage lang in einen Raum mit Live-Webcam vor ihren Laptops und haben Online alle möglichen Fragen beantwortet, rund-um-die Uhr. Es war Ehrensache, sie mit BGE-Fragen zu bombardieren :-) Schätzungsweise 100 Fragen dürfte ich gestellt haben, anonym, mit wechselnden Namen. Habe mich auch manchmal absichtlich "doof" gestellt und sie ein bisschen genervt ;-) Über Webcam hörte man: "Schon wieder ein BGE-Frage!" Aber eine Abstimmung unter den mehrheitlich jungen Grünen im Raum ergab eine große Zustimmung für ein BGE. http://goo.gl/RYRGsD

(e) Man könnte 1 Cent an das Jobcenter, Arbeitsamt, Polizeidienststelle, Bürgermeisteramt, Bundesverfassungsgericht etc. schicken, mit dem Text "Bedingungsloses Grundeinkommen".

(f) Man kann sich das günstige Buch "1000 Euro für Jeden" von Götz Werner mehrfach bestellen und es in der S-Bahn, in der Wäscherei, im Bus, am Bahnhof, in der Kneipe, in der Schule, an der Universität wie zufällig liegenlassen.

229. An verschiedenen Stellen im Netz habe ich verschiedene Zahlen angegeben, wie lange ich mich schon mit dem BGE beschäftige. Das liegt daran, dass sich im Laufe der Zeit die Intensität erhöht hat. Am Anfang war es nur ein sanfter Strom und nun denke ich praktisch rund um die Uhr über diese Thematik nach. Man weiß ja nicht im vorhinein, wie hoch mal die Intensität werden wird. Wo man jetzt zeitlich den Anfang setzt, hm, schwierig, es war wohl die Erkenntnis, dass das BGE nicht extra obendrauf kommt und mir dadurch die Finanzierung einleuchtete. Die 2008 beginnende Finanzkrise/Lehman Brothers war Auslöser, mal alles zu hinterfragen, was bisher als "richtig und wahr" galt. Politisch interessiert war ich aber schon vorher. Jahrzehntelang war "kein Geld da" für Schulen, Universitäten, Bildung, Schlaglöcher in den Straßen usw. und auf einmal gab es Geld für "Rettungen", in Zahlen-Dimensionen, die man bisher nur aus der Astronomie kannte: Milliarden, Billionen, Billiarden. Das löst im Gehirn Widersprüche aus, die so stark sind, dass sie zu Recherchen führen.

230. Sascha Lobo hat auf seinem re:publica Vortrag (2014) nur eine Frage gestellt: Warum engagiert ihr euch nicht? http://goo.gl/GRktq8 Meine Antwort: Weil die "Sozialstruktur" des Staates eine Anti-Vertrauens-Haltung aus allen Poren herausschwitzt. Sascha Lobo kämpft gegen Windmühlen, er sollte sich für ein BGE engagieren, dann kann er sich vor Engagierten nicht mehr retten. Es fallen (mit BGE) einerseits auf der dunklen Seite die Ausreden weg "Ich bin ein kleiner NSA-Programmierer und muss euch ausspionieren, denn ich brauche doch ein Einkommen um meine Familie zu ernähren, sonst bin ich Arbeitslos" und andererseits auch auf der hellen Seite die Ausreden weg "Ich kann mich nicht gegen Überwachung engagieren, denn ich muss die Anweisungen vom Jobcenter ausführen, sonst werde ich sanktioniert und was meine Eltern sagen muss ich auch noch machen und mein Arbeitgeber fordert trotz Hungerlöhnen dies und jenes." Auf diesem Auge scheint Herr Lobo blind zu sein. Genau wie der naive Glaube "Menschen sind von Natur aus gut", gerne durch das einwöchige Abschaffen des Grundgesetzes getestet werden darf (Vorgeschmack Brasilien: http://goo.gl/uRSWtJ), kann man Engagement nicht als maschinellen An/Aus Schalter betrachten. In 100 Jahren nach Einführung des BGE, werden die Leute es als "ganz normal" ansehen, dass man sich engagiert. Das die Grundlage das BGE ist, wird man wahrscheinlich vergessen haben und es als "völlig normale Menschen-Natur" ansehen, sich zu engagieren. (Besser formulieren)

231. Auf viele Fragen zum BGE habe ich im Laufe der Jahre schlüssige Antworten gefunden, es gibt aber immer noch Fragen, die mich antwortlos verfolgen, z.B.: "Mit BGE arbeiten die Fleißigen für die Faulen?" Ab jetzt werde ich sagen: "Ja." Mir zu erlauben, diese Antwort geben zu dürfen hat mich sehr befreit. Es gibt schlichtweg keine Möglichkeit, in der Kürze der Zeit sinnvoll im BGE-Kontext darauf zu antworten, also sage ich einfach "Ja.", denn das ist, aus der Sicht eines Skeptikers, offenbar etwas, das er unbedingt hören will. Gut, dann kriegt er es zu hören, denn aus einem Realen-Güter-Topf-Denken, das alles andere ausblendet, stimmt es sogar.

232. Wer über das BGE (bei Geldtheorie passiert dasselbe) spricht, merkt, wie schnell es emotional wird. Man hat sich vorgenommen sachlich zu bleiben, aber dieser Kommentar, nein, das darf der doch nicht sagen, und zack, hat man jemandem beleidigt oder unsachlich und persönlich angegriffen. Gerne werden auch Institutionen, Konzerne oder Parteien, stellvertretend, als Zielscheibe genutzt. Obwohl letztlich jedem klar ist, dass dies nichts bringt, tut man es trotzdem. Aber im Internet bleiben die Kommentare/Beleidigungen für immer erhalten. Wenn man nach Jahren umschwenkt auf eine seriöse Schiene, dann kleben einem die alten Kommentare an der Backe und es wird immer Einen geben, der sie einem unter die Blogger-Nase reibt. Wie geht man damit um? Eine Lösung wäre, erst mal anonym zu posten, um die, gerade in der Anfangsphase, starken emotionalen Hitzewallungen abzukühlen. Sobald man das Gefühl hat, rational zu argumentieren, kann man unter eigenem Namen kommentieren und bloggen. Wer hier ein bisschen herumstöbert, hat bestimmt schon gemerkt, dass ich die SPD nicht besonders liebe. "Die SPD-Gehirne sind zu alt (Durchschnittsalter 59)" und sie würden das BGE nicht verstehen, denn "sie sind seit Jahrzehnten indoktriniert von der Vollbeschäftigungsideologie". Was passiert wenn ich einen SPD-ler treffe, der für ein BGE ist? Ich habe ja alle unterschiedslos über einen Kamm geschoren? Auch die Neoklassiker habe ich für ihre Vollbeschäftigungstheorie gescholten. Aber was passiert, wenn mir ein Neoklassiker sagen würde, ihn trifft diese Kritik gar nicht, denn schuld sind die Politiker, die einen wertfreien wirtschaftswissenschaftlichen Theoriebegriff für ihre Zecke missbraucht haben, um Druck und Sanktionen auf Arbeitslose auszuüben, was nirgendwo in der Neoklassik beschrieben wird. Habe ich dann den Falschen angegriffen?

233. Oft heißt es in unserer Grundeinkommenszene, bei der Abschaffung der Sklaverei sagten die Gegner, man könne die Sklaverei nicht abschaffen, denn dann würde keiner mehr arbeiten. Das klingt plausibel, aber stimmt das auch? Waren es damals tatsächlich dieselben Argumente wie heute? Was lag näher als Prof. Flaig zu fragen: http://www.dctp.tv/filme/weltgeschichte-der-sklaverei/ Er hat mir bestätigt, dass damals tatsächlich so argumentiert wurde. Wenn man bedenkt, um wie viel wir uns technologisch, materiell, gesellschaftlich usw. durch die Abschaffung der Sklaverei weiterentwickelt haben, so darf man gar nicht über den Schub nachdenken, den ein BGE auslösen würde. Eigentlich lag die Menschheit doch mit der Sklaverei immer in einem Dämmerschlaf, den nur wenige, von der Arbeit freigestellte Philosophen wie Aristoteles oder Platon durchbrechen konnten. Aber: Wer die halbe Gesellschaft durch fehlendes Frauenwahlrecht und die andere Hälfte der Gesellschaft durch Sklaverei ausgrenzt vom Mitdenken, der muss sich über Stillstand nicht wundern. Griechenland als Wiege der Demokratie zu bezeichnen, ist mir ehrlich gesagt immer peinlicher. Übrigens, wo wir gerade beim Thema sind, auch die Französische Revolution ist eigentlich peinlich, denn dort wurde konsequent die Hälfte der Bevölkerung ausgeschlossen, "Brüderlichkeit" war hier nämlich wörtlich zu nehmen. Mit "Bürgerrechten" waren nur Männer gemeint, Frauen hatten weiterhin faktisch keine nennenswerten Rechte.

234. Wenn ich einen Wunsch frei hätte, dann wünsche ich mir, dass Alexander Kluge ein Interview zum Bedingungslosen Grundeinkommen macht. Also lieber Weihnachtsmann, lieber Osterhase und lieber G-o-t-t, mache den Wunsch wahr. Ihr wisst nicht wer Alexander Kluge ist? Guckt ihr hier: http://www.dctp.tv/filme/alle-gefuehle-ausgang-french/ Ein Freund von mir sagte mal, ihn würde das ständige dazwischenreden von Kluge nerven. Mir ist das allerdings nie als störend aufgefallen.

235. Nur wer ein Einkommen hat bzw. die Aussicht auf ein baldiges, kann und wird sich auflehnen. Wer in irgendeiner Form Angst haben muss, dass sein Einkommen gestrichen wird, der wird nicht revoltieren, egal ob im Großen oder im Kleinen. Unsere naive Vorstellung von "Revolutionen" und "Auflehnung gegen die Obrigkeit" sind, genau, naiv. Menschen mit Angst, die keine Zukunft sehen, die nicht aus einer Not-Lage ausbrechen können, werden passiv, nicht revolutionär. Gut wird das hier beschrieben (ca. Minute 16:00) http://www.spiegel.tv/filme/chronik-zweiter-weltkrieg-2/ Das Einkommen zu sanktionieren und Androhen von Geldentzug auf existenziellem Niveau, ist härteste Bestrafung, die wir heute trotzdem noch als legal gelten lassen. Sie erzeugt Unterwürfigkeit, Passivität und gehorsame Angepasstheit.

236. Diese Rede von Max Straubinger (CSU) ist wie ein Echo aus dem Mittelalter: http://goo.gl/Rb8rUO Aber er sieht sich als gütigen Vater, der Bedürftigen hilft und gleichzeitig sparsam mit dem Volksvermögen ist. Ist das nicht ein Ideal, das wir alle anstreben würden? Eine Mischung aus volkswirtschaftlich gebildeter Mutter Theresa und sparsamer schwäbischer Hausfrau. Durch solche Darstellungen und Argumentationsstrategien kann man sich fast unangreifbar machen, man baut einen logisch-emotionalen Schutzschuld auf, den Argumente kaum noch durchdringen. Straubinger hat sich klug (!) abgekapselt.

237. Wie ändert man ein Paradigma? Indem man ein neues danebenstellt! Diese Idee stammt nicht von mir, sondern von Dr. Renée Menéndez. Er denkt in seinem Blog darüber nach, wie man die derzeitige Geldtheorie verändern kann, und wenn ich ihn richtig verstehe, geht das nicht durch ändern der bisherigen Geldtheorie (diese hat sich "unangreifbar" gemacht), sondern durch das danebenstellen einer anderen Geldtheorie. Ich empfehle euch die Artikel http://goo.gl/rc7bAS und http://goo.gl/062VeH auf seinem Soffisticated-Blog. Zitat: "Letzteres ist auch ein Grund dafür, daß sich alle Scharmützel gegen die Neoklassik als vergeblich herausgestellt haben, weil die Kritik daran niemals vermochte den ‘hard core’ des Paradigmas anzugreifen. Dabei muß man leider zur Kenntnis nehmen, daß es auch überhaupt nicht möglich ist, den paradigmatischen Kern eines Modells aufzubrechen, da sich dieser in seiner Absolutheit üblicherweise ohnehin einer Kritik entzieht." Übertragen auf das BGE heißt das: Wir müssen nicht Hartz IV & Co. angreifen, sondern ein besseres Modell daneben stellen und "anbieten". Also ein Angebot machen, das man nicht ablehnen kann :-) Die Kombination eines einheitlichen Grundeinkommens zusammen mit einem einheitlich-prozentualen Steuersatz halte ich für unablehnbar. Es ist aus meiner Sicht das einzig mögliche Modell für die Zukunft. Alle anderen Modelle sind komplizierter, ungerechter, bürokratischer und unverstehbarer. Die Ökonomenwelt hat uns mit der Negativen Einkommenssteuer doch schon die Vorlage geliefert!

238. Das BGE ermöglicht einen nahtlosen Übergang zwischen den Lebensbereichen, einerseits parallel über den Tag verteilt, andererseits auch langfristig in den großen Abschnitten. Es gibt keine finanziellen Klippen und Hürden mehr zu überwinden, weder zwischen 3 Jobs gleichzeitig, noch pflegen von Oma, noch Studiumende und Jobanfang oder Schwangerschaft und Jobende oder Kind und Beruf oder Kind und Partner oder Partner und Unterhalt usw. Alles lässt sich mit dem BGE elegant und mit klarem Kopf, ohne Bürokratie, lösen.

239. Wer 1.000 Euro sicher hat, der kann auch mal sein Erspartes mit gutem Gefühl ausgeben und muss nicht aus "Not-Denken" zum Sparweltmeister werden, sondern kann sich auch mal was gönnen und "die Wirtschaft ankurbeln". Man kann zielgerichtet sparen, z.B. auf den Porsche, ohne Angst, bei Arbeitslosigkeit erst sein Erspartes aufbrauchen zu müssen. Das ist doch motivierend! Wegnahme von Vermögen, insbesondere auf existenziellem Niveau, ist demotivierend.

240. Gewisse Krankschreibungen (jeder weiß welche hier gemeint sind), fallen weg. Es wird eher das Gegenteil der Fall sein, denn wer motiviert ist, beutet sich aus und hat Spaß dabei!

241. Steuereinnahmen sind der Lebensquell des Staates. Deshalb ist er auch nicht an Arbeit interessiert, sondern an Arbeit die Steuern zahlt. Daher auch der penetrante politische Zwang, die Leute "in Arbeit zu bringen". Denn sie sollen "steuerpflichtig arbeiten", nicht "arbeiten", obwohl es, real betrachtet, dasselbe Arbeitsergebnis ist.

242. Es ist geradezu unglaublich, wie viel Arbeit Maschinen machen, z.B. ein Standard-LKW mit ca. 20 Tonnen Nutzlast, der Joghurts von München nach Hamburg fährt. Nehmen wir mal an, ein Mensch könnte 50 kg auf dem Rücken schleppen, dann bräuchte man 400 Menschen um den LKW zu ersetzen. Jetzt müssen die Menschen auf ihrem 800 km langen Weg natürlich auch mal Pause machen. Mehr als 100 km am Tag sind nicht drin. Sie wären also in 8 Tagen in Hamburg. Auch müssten die Menschen noch essen (400 Menschen 8 Tage lang versorgen, viel Spaß, die würden die Jogurts selbst aufessen, hehe), bräuchten einen Schlafplatz, Kleidung usw. Natürlich bräuchte man auch eine Kühlung für die Jogurts. Dieses Beispiel zeigt bereits, wie viel Arbeit Maschinen machen. Es fahren zehntausende LKWs jeden Tag über die Autobahn. Aber Maschinen zahlen keine Steuern und Maschinen brauchen weder Einkommen noch Geld.

243. Spenden ist heute notwendig, aber warum nicht jedes Spendenplakat mit einem Hinweis auf ein weltweites BGE versehen? Jeder wäre damit weltweit garantiert vor Armut und Verelendung geschützt und Spenden in heutiger Form (als Not-Hilfe) nicht mehr notwendig. Gespendet darf natürlich weiterhin, aber für Projekte die oberhalb von bloßer Hunger- und Armutsbekämpfung liegen.

244. Was ist die Zukunft von Arbeitsamt, Jobcenter & Co.? Sie würden zusammengelegt und zu einer reinen Stellenbörse umfunktioniert, einer großen, gut gepflegten und aktuellen Online-Datenbank, in der alle Stellenangebote zentral eingetragen werden.

245. Das BGE wird sehr viel Emotionalität umwandeln, von destruktiv in konstruktiv. Frust lässt sich nie abschalten, auch mit BGE wird uns viel frustrieren, aber es wird in Konstruktivität und Engagement münden. Wer will sich denn heute für einen als unfair empfundenen Staat engagieren?

246. Alle sind frustriert, die Gutverdienenden, die Armen, die Fleißigen, die Neoliberalen, die Linken, die Konservativen. Aber Frust zu personalisieren bringt gar nichts, denn es hat fast ausschließlich strukturelle/systemische Ursachen. Trotzdem neigen Menschen dazu, ihren Frust non-verbal und verbal an einzelne Personen zu adressieren. Auch ich tue das manchmal, möchte aber nochmal betonen, dass dies nie persönlich gemeint ist. Der konstruktive Dialog (mit jedem) steht immer im Vordergrund. Trotzdem bin auch ich nur ein Mensch, der in die Welt schaut, und frustriert ist, ob der ganzen unnötigen Kompliziertheit, Bürokratie und Unlogik. Menschen bewerten nicht die Theorien, sie bewerten die Auswirkungen.

247. Liberalismus kann man wohl am besten mit “unfaire Strukturen abschaffen” charakterisieren. Von daher bin ich auch ein Liberaler, der (nicht-individuell, also “global”) unfaire Gesetze ändern will. Ich finde, der Begriff “unfair” bzw. “global unfair” wird viel zu selten genutzt, dabei entspringt praktisch alles gesellschafts-politische Engagement aus diesem Gefühl. Mit individuell-unfair meine ich zum Beispiel eine körperliche Behinderung ab Geburt, z.B. Taubheit, mit nicht-individuell meine ich zum Beispiel den Vorgang "erben", der, obwohl es so scheint, kein individueller Vorgang ist, sondern erst juristisch, als durch Gesetze, so ist, wie er ist. Es ist kein individuelles Naturrecht zu erben, "erben" existiert gar nicht, es wird durch juristische Strukturen erst geschaffen. Ähnlich ist es mit dem Geldsystem und Einkommen, diese Begründungskurve krieg ich noch sauber hin - aber nicht mehr heut :-)

248. Stichwort Mietpreisbremse: Ein freier Markt führt (z.B. in München) bei hoher Nachfrage zu hohen Mieten. Logisch, denn wenn alle nach München wollen, dann steigen die Mieten. Aber: Dann wird auch viel neu gebaut. In einem freien Markt muss man diese Zeitverzögerung zwischen zu wenig Wohnungen und den noch zu bauenden Wohnungen aushalten. Mit den heutigen existenziellen Einkommenssorgen ist es nicht leicht organisierbar, einfach mal schnell aus hochpreisigen Gebieten wegzuziehen.

249. Es ist nicht die Aufgabe des Staates, den Unternehmen die Mitarbeiter "zuzuführen". Das ist ureigene Aufgabe des Unternehmers, also durch gute Löhne und gute Arbeitsbedingungen die Menschen anzuwerben. Hier hat sich der Staat rauszuhalten. Das BGE schafft genau diese Voraussetzung.

250. Wir sind am Ende angelangt. Ich habe mit diesem Beitrag (und dem vorherigen) insgesamt 250 Gründe für ein BGE vorgebracht. Wer alle Gründe gelesen hat und vorurteilsfrei herangeht, dürfte das BGE zumindest als "interessante Idee" ansehen, über die es sich "nachzudenken lohnt". Mehr darf man nicht erhoffen. Will man die Idee voranbringen, muss man darüber reden, schreiben und videobloggen. Die Widerstände in Gesprächen sind groß, man sollte unbedingt vermeiden, den anderen überzeugen zu wollen, sondern lieber sanft einige Denkanstöße geben. Man kann sich darauf einstellen, sofort als Kommunist, Sozialist, Linker (+ einige sehr unschöne andere Worte) usw. bezeichnet zu werden. Man kann sich darauf einstellen, dass knifflige Fragen gestellt werden, auf die man nicht sofort eine Antwort hat und dass man mit Sichtweisen "wie Wirtschaft funktioniert" konfrontiert wird, die von der eigenen abweichen. Die Schwierigkeit besteht häufig darin, welche unausgesprochenen Voraussetzungen der andere mit ins Gespräch hineinbringt. Viele Gegner sagen, das BGE könne nicht funktionieren, denn erst muss gearbeitet werden, danach darf Geld verteilt werden (mit dem das "Erarbeitete" gekauft wird). Erst Geld verteilen und dann arbeiten? => "Nein, das kann nicht funktionieren." Es sind also noch genug sprachliche Denksportaufgaben zu lösen. Eine andere Schwierigkeit ergibt sich daraus, dass die Sonne (empirisches Objekt) beim Theorie-Wechsel vom geo- zum heliozentrischen Weltbild unverändert blieb. Das BGE-Objekt (der Mensch) ist veränderbar und _zukünftige_ BGE-Verhaltensweisen können wir nicht testen oder messen (das gilt übrigens für alle politischen Umwälzungen, sie können nur gedanklich vor-getestet werden). Die Sonne juckt es nicht, welche Theorien wir über sie aufstellen. Die BGE-Objekte, also die Menschen, juckt es sehr wohl, was die BGE-Theorie aussagt.
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