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Jürgen Kuntscher
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Jürgen Kuntscher

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Nur unter Blinden ist der Einäugige König - Pirat für einen Abend 

Als politisch interessierter Mensch hat man ja schon einiges über die Piraten gelesen. Nicht alles war gut, und das Meiste sogar ziemlich schlecht. Doch objektive Berichterstattung ist nur schwer als solche zu erkennen. 
Öffentliche Stammtische laden daher zum Kennenlernen und zur aktiven Teilnahme bei den Piraten ein. Das dort auch Nicht-Mitglieder herzlich willkommen sind, spricht zu Beginn dieses Abends schon mal für eine neue politische Kultur, die die etablierten Parteien gerne übernehmen dürfen. 
Dieser Artikel schildert die Eindrücke, die ich bei einem dieser Stammtische sammeln durfte.

Das alle Piraten einen Laptop besitzen scheint ein Klischee zu sein. Der gut besuchte Raum hatte wenig mit den Bildern der Medien gemein, auf denen Nerd´s vor Ihren Laptop´s sitzen, um an der politischen Revolution zu basteln. 
Nach den ersten Gesprächen hatte man vielmehr den Eindruck, dass viele nur da waren, weil montags nichts in der Klotze läuft.
Somit fiel es auch schwer, die mitgebrachten Vorurteile einfach über Bord zu werfen. Doch bevor mein geistiges Rad die seidenfeinen Vorurteile weiterspinnen konnte, ergriff einer der Beteiligten glücklicherweise das Wort. 

Wo andere Politiker von schnöden Zetteln ablesen, hielt dieser Anführer den heiligen Gral der Internetgemeinde in seinen Händen. Na also, geht doch. 
Schon nach den ersten Sätzen der Denkende das wahre Potential dieses Mannes. Vor uns stand das fleischgewordene Narkosemittel "Piratosan". 
Patentfähig? Sicher! Aber durch dessen Haltung zum Urheber- und Patenrecht nur sehr schwer zu vermarkten. Von dieser Idee musste ich also vorerst Abstand nehmen.

Wir sahen einen wortgewaltigen Rädelsführer, dessen Jünger an seinen Lippen hingen, sofern die eigenen nicht durch Bier oder andere hochprozentige Spirituosen belegt waren. 
Einen Rhetoriker, der wirklich eins war mit seinem Gral. Und weil er vor Energie nur so strotzte, ging Selbigem schon nach wenigen Minuten eben diese aus. Fortan bestand sein Tun also erstmal nur darin, das Gerät an den etwa 6 Meter entfernten Strom zu hängen, um dann immer wieder zwischen uns und ihm hin und her zu pendeln, um den Faden nicht zu verlieren. Wo Andere ihn dafür preisten das er sich während der gesamten Prozedur nicht ein einziges Mal verlaufen hat, war ich vom politischen Tinnitus seines mal näher und mal ferner klingenden "Pfeifens" schon nach kurzer Zeit extrem genervt.

Dennoch entwickelte sich eine zweieinhalbstündige Diskussion. Geprägt von Beiträgen, in denen viel geredet und nichts gesagt wurde. Eine Demonstration des eigenen Anspruchs, in dem es keine Rolle spielt ob das Gesagte sinnvoll war, solange am Ende alle brav darüber abstimmen durften. Und es wurde über fast alles abgestimmt. Das ich meinen Toilettengang nicht nur Abstimmung stellen musste, wusste ich an dieser Stelle durchaus zu schätzen. Vielen Dank für euer Vertrauen.
Es ist aber darauf hinzuweisen, dass Basisdemokratie nur dann gut ist, wenn diese ein sinnvolles Ergebnis zur Folge hat. Dafür müsste sich aber jeder Pirat hinterfragen lassen, und das ist leider nicht erwünscht. 

Die Gruppe offenbart sich als Zusammenschluss verbitterter Bürger, die die Schuld lieber woanders, aber keinesfalls bei sich selbst suchen möchten. Ist das eigene Leben doch schon bedeutungslos genug, verbittet man sich jegliche Kritik. Wen wundert es da, dass sich nur die zum Anführer wählen lassen dürfen, die das Instrument der utopischen Forderungen am besten beherrschen. Die Verweigerung der Sinnhaftigkeit wird somit zur Grundvoraussetzung, ohne die man es nicht bis nach oben schaffen kann. 
Ich war an diesem Abend Teil einer Gruppe, die geschlossen an einer Demo zur Mittagszeit teilnehmen wollte, bei der normale Bürger, zu denen ich leider auch gehöre, eigentlich arbeiten müssen. Wen wundert es da, dass diese Partei ein bedingungsloses Grundeinkommen fordert. 

Man diskutierte beispielsweise das Thema, ob an den innerstädtischen Infoständen Anonymus-Masken getragen werden sollen. Der einzig sinnvolle Redebeitrag bestand in dem Hinweis, dass sich Anonymus außerhalb der rechtsstaatlichen Grenzen bewege, und man sich als Partei davon tunlichst abgrenzen müsse. 
Diesem Beitrag folgte ein wenig Erleichterung, war er doch ein Beleg dafür, dass einige Wenige widererwartend weiter denken konnten als vom Kleister bis zur Tapete. Erfreulicherweise erkannten auch die restlichen Teilnehmer die Sinnhaftigkeit dieses Argumentes, und votierten gegen das Tragen der Maske. Interessant war dann aber doch, dass das Tragen fernab der Infostände ausdrücklich erwünscht sei. Also Rechtsstaatlichkeit ja, aber bitte nicht immer?! Die einzige Konstante schien offensichtlich die Variable zu sein. Berechenbare Politik sieht anders aus.

Aber sind wirklich alle Piraten so? Nein, sind sie nicht. Die Mimik der Listenplätzler lies erahnen, wie ermüdend sie dieses Demokratieverständnis in Wahrheit fanden, aber wer es in der Partei zu was bringen will, muss sich der Basis erstmal bedingungslos unterwerfen. Woher kannte ich das nur? Ach ja, von den anderen Parteien.

Mein Erkenntnis ist daher, dass die Piraten eine reine Protestpartei sind. Der Zusammenschluss enttäuschter Bürger, deren Probleme zu lange Zeit nicht gehört wurden. Und so erinnerte mich dieses Treffen eher an eine Selbsthilfegruppe, in der plötzlich jeder was zu sagen hat. Gesellschaftliche Heilung sucht man in dieser Gruppe allerdings vergeblich. Denn die Probleme, die dieses Phänomen verursacht haben, waren leider kein Bestandteil dieses Abends. Inhalt, nein danke.

Es ist schon lange bekannt, dass sich einer Teil der Bürger von der Politik abgewandt hat. Doch nicht nur die Politik hat hier versagt. Auch die Gesellschaft ist in der Pflicht diese Bürger ernst zu nehmen, und für deren Vorankommen zu kämpfen. 
Stellen Sie sich einen arbeitenden Familienvater vor, dessen Frau und Kinder im Schlaf niedergemetzelt wurden. Während der Vater am Verlust zu zerbrechen droht, macht sich der Täter nach dessen Entlassung ein schönes Restleben. Dem bedingungslosen Grundeinkommen sei Dank. Und das soll sozial gerecht sein?
Doch helfen utopische Forderungen wirklich dabei deren Probleme zu beheben? Verschafft ein bedingungsloses Grundeinkommen wirklich das gleiche, anhaltende und so wichtige Gefühl der Bestätigung, welches man beispielsweise im Beruf erfährt? Vorausgesetzt man ist bereit etwas dafür zu tun.
Nein, das tut es nicht. Die Piraten orientieren sich ausschließlich an den eigenen Wünschen, auch wenn diese nicht dem Wohle des ganzen Volkes dienen. 
Auch das kam mir bekannt vor. Wer war das noch, wer war das noch? Ach ja, die Lobbyisten.

Das man es mit derlei wilden Versprechungen in die Landtage schaffen kann, haben uns bereits die Linken gezeigt. Das die Politik nichts daraus gelernt hat, erklärt den Höhenflug der Piraten. 
Es gibt meiner Ansicht nach sehr viele Gründe die etablierten Parteien nicht zu wählen. Aber ich fand an diesem Abend keinen einzigen, warum ich die Piraten wählen soll. 

Denn nur unter den Blinden ist der Einäugige (Pirat) König.
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Jürgen Kuntscher

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Norwegen 2012
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Jürgen Kuntscher

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Wann kommt der Herbst?
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Danke schön! LG
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Jürgen Kuntscher

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Regen kann auch schön sein, oder?!!
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Jürgen Kuntscher

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Jürgen Kuntscher

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Alles nur Kunst versteht sich!
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Jürgen Kuntscher

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Leider Geil! 
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Jürgen Kuntscher

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Der erste Morgen in Norwegen.
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Jürgen Kuntscher

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Jürgen Kuntscher

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Wie der Sommer in den Fängen des nahenden Herbstes!
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Sehr geehrter +Kunstvermittlung Horst Tress . Noch ein paar +1, und wir machen eine Ausstellung bei Ihnen. :-)
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Nur unter Blinden ist der Einäugige König - Pirat für einen Abend

Als politisch interessierter Mensch hat man ja schon einiges über die Piraten gelesen. Nicht alles war gut, und das Meiste sogar ziemlich schlecht. Doch objektive Berichterstattung ist nur schwer als solche zu erkennen.
Öffentliche Stammtische laden daher zum Kennenlernen und zur aktiven Teilnahme bei den Piraten ein. Das dort auch Nicht-Mitglieder herzlich willkommen sind, spricht zu Beginn dieses Abends schon mal für eine neue politische Kultur, die die etablierten Parteien gerne übernehmen dürfen.
Dieser Artikel schildert die Erlebnisse, die ich bei einem dieser Stammtische machen durfte.

Das alle Piraten einen Laptop besitzen scheint ein Klischee zu sein. Der gut besuchte Raum hatte wenig mit den Bildern der Medien gemein, auf denen Nerd´s vor Ihren Laptop´s sitzen, um an der politischen Revolution zu basteln.
Nach den ersten Gesprächen hatte man vielmehr den Eindruck, dass viele nur da waren, weil montags nichts in der Klotze läuft.
Somit fiel es auch schwer, die mitgebrachten Vorurteile einfach über Bord zu werfen. Doch bevor mein geistiges Rad die seidenfeinen Vorurteile weiterspinnen konnte, ergriff einer der Beteiligten glücklicherweise das Wort.

Wo andere Politiker von schnöden Zetteln ablesen, hielt dieser Anführer den heiligen Gral der Internetgemeinde in seinen Händen. Na also, geht doch.
Schon nach den ersten Sätzen erkannte jeder Denkende sein wahres Potential. Vor uns stand das fleischgewordene Narkosemittel "Piratosan".
Patentfähig? Sicher! Aber durch dessen Haltung zum Urheber- und Patenrecht nur sehr schwer zu vermarkten. Von dieser Idee musste ich also vorerst Abstand nehmen.

Wir sahen einen wortgewaltigen Rädelsführer, dessen Jünger an seinen Lippen hingen, sofern die eigenen nicht durch Bier oder andere hochprozentige Spirituosen belegt waren.
Einen Rhetoriker, der wirklich eins mit seinem Gral war. Und weil er vor Energie nur so strotzte, ging Selbigem schon nach wenigen Minuten eben diese aus. Fortan bestand sein Tun also erstmal nur darin, das Gerät an den etwa 6 Meter entfernten Strom zu hängen, um dann immer wieder zwischen uns und ihm hin und her zu pendeln, um den Faden nicht zu verlieren. Wo Andere ihn dafür preisten das er sich während der gesamten Prozedur nicht ein einziges Mal verlaufen hat, war ich vom politischen Tinnitus seines mal näher und mal ferner klingenden "Pfeifens" schon nach kurzer Zeit extrem genervt.

Dennoch entwickelte sich eine zweieinhalbstündige Diskussion. Geprägt von Beiträgen, in denen viel geredet und nichts gesagt wurde. Eine Demonstration des eigenen Anspruchs, in dem es keine Rolle spielt ob das Gesagte sinnvoll war, solange am Ende alle brav darüber abstimmen durften. Und es wurde über fast alles abgestimmt. Das ich meinen Toilettengang nicht nur Abstimmung stellen musste, weiß ich an dieser Stelle durchaus zu schätzen. Vielen Dank für euer Vertrauen.
Es ist aber darauf hinzuweisen, dass Basisdemokratie nur dann gut ist, wenn diese ein sinnvolles Ergebnis zur Folge hat. Dafür müsste sich aber jeder Pirat hinterfragen lassen, und das ist leider nicht erwünscht.

Die Gruppe offenbart sich als Zusammenschluss verbitterter Bürger, die die Schuld lieber woanders, aber keinesfalls bei sich selbst suchen möchten. Ist das eigene Leben doch schon bedeutungslos genug, verbittet man sich jegliche Kritik. Wen wundert es da, dass sich nur die zum Anführer wählen lassen dürfen, die das Instrument der utopischen Forderungen am besten beherrschen. Die Verweigerung der Sinnhaftigkeit wird so zur Grundvoraussetzung, ohne die man es nicht bis nach oben schaffen kann.
Ich war an diesem Abend Teil einer Gruppe, die geschlossen an einer Demo zur Mittagszeit teilnehmen wollte, bei der normale Bürger, zu denen ich leider auch gehöre, eigentlich arbeiten müssen. Wen wundert es da, dass diese Partei ein bedingungsloses Grundeinkommen fordert.

Man diskutierte beispielsweise das Thema, ob an den innerstädtischen Infoständen Anonymus-Masken getragen werden sollen. Der einzig sinnvolle Redebeitrag bestand in dem Hinweis, dass sich Anonymus außerhalb der rechtsstaatlichen Grenzen bewege, und man sich als Partei davon tunlichst abgrenzen müsse.
Diesem Beitrag folgte ein wenig Erleichterung, war er doch ein Beleg dafür, dass einige Wenige widererwartend weiter denken konnten als vom Kleister bis zur Tapete. Erfreulicherweise erkannten auch die restlichen Teilnehmer die Sinnhaftigkeit dieses Argumentes, und votierten gegen das Tragen der Maske. Interessant war dann aber doch, dass das Tragen fernab der Infostände ausdrücklich erwünscht sei. Also Rechtsstaatlichkeit ja, aber bitte nicht immer?! Die einzige Konstante schien offensichtlich die Variable zu sein. Berechenbare Politik sieht anders aus.

Aber sind wirklich alle Piraten so? Nein, sind sie nicht. Die Mimik der Listenplätzler lies erahnen, wie ermüdend sie dieses Demokratieverständnis in Wahrheit finden, aber wer es in der Partei zu was bringen will, muss sich der Basis erstmal bedingungslos unterwerfen. Woher kannte ich das nur? Ach ja, von den anderen Parteien.

Mein Erkenntnis ist daher, dass die Piraten eine reine Protestpartei sind. Der Zusammenschluss enttäuschter Bürger, deren Probleme zu lange Zeit nicht gehört wurden. Und so erinnerte mich dieses Treffen eher an eine Selbsthilfegruppe, in der plötzlich jeder was zu sagen hat. Gesellschaftliche Heilung sucht man in dieser Gruppe allerdings vergeblich. Denn die Probleme, die dieses Phänomen verursacht haben, waren leider kein Bestandteil dieses Abends. Inhalt, nein danke.

Es ist schon lange bekannt, dass sich einer Teil der Bürger von der Politik abgewandt hat. Doch nicht nur die Politik hat hier versagt. Auch die Gesellschaft ist in der Pflicht diese Bürger ernst zu nehmen, und für deren Vorankommen zu kämpfen. Doch helfen utopische Forderungen wirklich dabei deren Probleme zu beheben? Verschafft ein bedingungsloses Grundeinkommen wirklich das gleiche, anhaltende und so wichtige Gefühl der Bestätigung, welches man beispielsweise im Beruf erfährt? Vorausgesetzt man ist bereit etwas dafür zu tun.
Nein, das tut es nicht. Die Piraten orientieren sich ausschließlich an den eigenen Wünschen, auch wenn diese nicht dem Wohle des ganzen Volkes dienen.
Auch das kam mir bekannt vor. Ach ja, die Lobbyisten.

Das man es mit derlei wilden Versprechungen in die Landtage schaffen kann, haben uns bereits die Linken gezeigt. Das die Politik nichts daraus gelernt hat, erklärt den Höhenflug der Piraten.
Es gibt meiner Ansicht nach sehr viele Gründe die etablierten Parteien nicht zu wählen. Aber ich fand an diesem Abend keinen einzigen, warum ich die Piraten wählen soll.

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Jürgen Kuntscher's profile photoPeter FlCKlNGER's profile photo
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An dieser Stelle sollten Sie einfach nach dem "Warum" fragen. Vernetztes Denken, und damit das Erfassen aller entscheidungsrelevanten Faktoren, erfordert ein hohes Maß an Verstand. Und jetzt versuchen Sie mal "Hohes Maß an Verstand" und "Politiker" in einen sinnvollen Satz zu packen! :-)
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Vieles Wissen lehrt einen Mann nicht, Verstand zu haben. (Heraklit)
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