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Bazon Brock
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Denker im Dienst, tapfer und theoretisch
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Das Theater der Erziehung
Goethes »pädagogische Provinz« und die Vorgeschichten der Theatralisierung von Bildung – mit Martin Jörg Schäfer und Bazon Brock

Dienstag, 21.02.2017, 18:30 Uhr, Berlin, Denkerei, Oranienplatz 2, 10999 Berlin
http://www.denkerei-berlin.de/kalender/?id=1222

Die Rolle des Theaterdramaturgen, die Goethe in seinem Wilhelm Meister entwickelte, wurde vorbildlich für alle Vermittler sowohl humanistisch liberaler wie romantisch schwärmerischer Bildungskonzepte. Wandervogelglück wie Genossenschaftsseligkeit verlangten nach souveränen „Persönlichkeiten“, die das Verhältnis von Erziehungsutopien zur Lebenswirklichkeit auszutarieren hatten.

Heute ist diese Vermittlerrolle auf die Unterhaltungsprofis und die Werbung übergegangen. Sie fördern die Selbstverwirklichungswünsche durch effektvolle Inzenierung von Events, bei denen selbst banale Alltagsphänomene theatralisch aufgeblasen werden.

Damit die Individuen nicht mit den harten Fakten wie prekären Beschäftigungsverhältnissen und Versagensangst allein bleiben, entwickelt das Theater der Erziehung die Theatralik der Verlierer, der Geschiedenen und Arbeitsunfähigen. Schon sind die Feiern der Scheidung eines Ehepaars glaubwürdiger und deshalb interessanter als ihre Hochzeiten.

Wir werden es bald erleben, dass Claus Peymann in seiner neuen Karriere in den Jobcentern die Arbeitssuchenden in Ausdrucksformen trainieren wird, die eines Schillers und dessen Vision einer politischen Erziehung durch das Theater würdig sind.

Vor 40 Jahren hat in Berlin der geniale Wolfgang Neuss dazu überzeugende Vorschläge gemacht, an die wir in der Veranstaltung erinnern wollen.

Zum Buch:
Martin Jörg Schäfer: Das Theater der Erziehung. Goethes »pädagogische Provinz« und die Vorgeschichten der Theatralisierung von Bildung. Bielefeld: Transcript, 2016.

Der Imperativ des sogenannten ›lebenslangen Lernens‹, der im 21. Jh. den Bildungs- und Arbeitssektor bestimmt, geht mit dessen Theatralisierung einher, z.B. mit der Notwendigkeit zur flexiblen Inszenierung des eigenen Selbst. Viele der impliziten Annahmen, Bilder und Erzählmuster finden sich in den Erziehungs-, Bildungs- und Theaterfiktionen des selbsternannten ›pädagogischen‹ 18. Jh. wie als Negativfolie vorgeprägt. Ihre Wechselverhältnisse lassen sich an diesen historischen Vorgeschichten von Rousseau bis Goethe entfalten.

http://www.transcript-verlag.de/978-3-8376-3488-4/das-theater-der-erziehung

Zur Person:
Martin Jörg Schäfer (Prof. Dr. phil.) lehrt Neuere deutsche Literatur mit dem Schwerpunkt Theaterforschung an der Universität Hamburg.


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Luther – ein deutscher Rebell

Dienstag, 7.02.2017, 18:30 Uhr, Berlin, Denkerei, Oranienplatz 2, 10999 Berlin

Mit Willi Winkler und Bazon Brock

Luther war der größte Rebell, den die deutsche Geschichte aufzuweisen hat. Die von ihm angestoßene Reformation wirkte wie ein ungeheurer Modernisierungsschub – auf Kunst und Alltagsleben, Literatur, Wissenschaft und Publizistik; Luthers Bibelübersetzung ist der Grundtext für das heutige Deutsch. Vor allem aber gab er den Deutschen zum ersten Mal einen Begriff von der Individualität des Menschen: Du allein verfügst über dich, nicht der Kaiser, nicht der Papst. Damit entsprach Luther dem Konzept der humanistischen Kunst und Wissenschaft, denn Künstler/Wissenschaftler ist, wer Autorität als Autor entwickelt, und das heißt Autonomie, wie sie der Artikel 5,3 GG bis heute festschreibt.
Mit seinem Grundsatz „Nicht die Werke zählen, sondern der Geist, in dem ich wirke“ hat Luther nach wie vor großen Einfluss auf die Entwicklung der Konzeptkunst. Die heutige Formulierung dafür ist Werk ist abgelegtes Werkzeug zur Erzielung von Wirkung, die nur noch darin bestehen kann, Aufmerksamkeit zu gewinnen – nicht die Aufmerksamkeit Gottes, sondern die des Publikums. Entspricht das noch dem Verständnis von Gnade, wie Luther sie ersehnte?
Mehr zum Buch:
Willi Winkler: Luther Ein deutscher Rebell. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2016.
www.rowohlt.de

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Luther: Untertan und Freigeist?
2.11.2016, 18:30 Uhr
Denkerei, Oranienplatz 2, 10999 Berlin

Harry Szeemann behauptete, es gäbe individuelle Mythologien.
Kann es eine individuelle Religion geben? Kann man glauben, was man so glaubt?
Die Geschichte wird entscheiden: Religion als Unterwerfung gegen Religion als Selbstlegitimierung

DeinTheater zu Gast in der Denkerei:

16. Jahrhundert. Wer sich der Kirche widersetzte, war des Teufels.
Bücherverbrennungen, Todesurteile gegen Kirchenkritiker. Doch die Gedanken sind frei. Die Gläubigen werden unruhig. Dem Augustinermönch Martin Luther platzte der Kragen. Korruption und Sittenlosigkeit der Religionsverwalter provozierten ihn 1517 zu 95 Thesen.
Er beruft sich auf den Kern des Glaubens: die Bibel. Für seine Reformversuche setzte er, wie viele vor ihm, Ruf und Leben aufs Spiel. Stefan Österle zeigt, wie der Mönch und Unternehmersohn ungewollt zum Kirchenspalter wurde und zur allgemeinen Verständlichkeit das Hochdeutsch erfand.
Was Martin Luther durchsetzte, blieb bis heute lebendig: selbstbestimmter Glaube.

Ein Programm von Hans Rasch und Stefan Österle

http://www.denkerei-berlin.de/kalender/?id=1216
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PHILOSOPHIE & PERFORMANCE
Was kommt dabei heraus, wenn eine Archäologin und ein Altertumswissenschaftler ankündigen, eine Performance über Orte des Denkens zu machen?
Das Ergebnis präsentieren Nadia Koch und Thomas Schirren heute Abend, 5.10.2016, um 18:30 Uhr in der Denkerei in Berlin
http://www.denkerei-berlin.de/kalender/?id=1212
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05.10.16
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Denkerei mobil:
Gerüchteverbreitung als Form der Aufklärung
Zum Erscheinen des Bandes „Kritik der kabarettistischen Vernunft“

Dienstag, 4.10.2016, 19 Uhr
Distanz-Verlag, Hallesches Ufer 78, 10963 Berlin
im Berliner Lapidarium am Landwehrkanal

Nietzsche behauptete, Nüchternheit und Kälte seien die Tugenden der Vorurteilslosigkeit. Sein Pathos hieß Distanz. Distanz aber ist eine aristokratische Form der Nähe. Kritik ist eine Form der Anerkennung und Gegnerschaft ist eine Form der Vermeidung von Feindschaft. Alle diese Distanzgesten definiert die kabarettistische Vernunft. Seit 1900 hat sie die Führung der Erkenntnisanstrengung im Politischen, im Sozialen und häufig auch im Ästhetischen übernommen. Heute übertrifft Volker Pispers in jeder Hinsicht das Differenzierungsvermögen von Jürgen Habermas – soweit es um Fragen der Wirkung geht.
Mit Hegel überholte das Werden das Sein, mit den Kabarettisten überholt die Wirkung die Werke als Einheit von Entstehen und Bestehen. Die höchste Form der Wirksamkeit ist das Gerücht, das zwischen Geheimnis (schwarze Mystik) und Banalität (weiße Mystik) vermittelt. Aber das Banale bezeichnet etwas, das alle für selbstverständlich halten und deshalb als Problem nicht erkennen.
Autor Bazon Brock und Verleger Christian Boros stellen den Band „Kritik der kabarettistischen Vernunft. Ein autobiografisches Scherbengerücht“ vor. Der Textarbeiter Jörg Petzold liest Paradestücke.

http://www.denkerei-berlin.de/kalender/?id=1208

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"Wir sind noch niemals kapitalistisch gewesen" in der Denkerei Berlin jetzt live auf Periscope:
https://www.periscope.tv/w/1LyxBDAaqXnGN

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Nachdem die Denkerei gestern beinahe aus allen Nähten geplatzt ist, geht es in zwei Wochen, am 20.09.2016 um 18:30 Uhr, weiter mit der neuen polemischen Reihe Kritik der kabarettistischen Vernunft, diesmal unter dem Titel Wir sind noch nie kapitalistisch gewesen:
http://denkerei-berlin.de/kalender/?id=1213
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