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Basti
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Joa, hi und so. Hier kommt in extrem unregelmäßigen Abständen immer wieder mal etwas extrem langweiliges.
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Ich poste hier mal den Link zum Youtube-Kanal von +Oero Legend und mir:

https://www.youtube.com/channel/UCGdg-_O0gfsNMfVjsIB0jsw
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Ein reales, nervendes Pop-Up, das schon zum 5. mal aufpoppt und jedes mal weg geklickt wurde. Und dann ist es auch noch für nen Scheissfilm...
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"Mörder sind keine Monster, sondern Menschen. Und das ist das Erschreckendste an ihnen."
- Alice Sebold



Quelle Bild:
Screenshot aus der Battlefield 5 Kampagne "The Last Tiger"
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Boah, der Avengers 4 Trailer sieht so aus, als bestünde der Film aus genau all dem,




was Marvel scheisse macht:
Ellenlange, inhaltslose Dialoge, pseudodramatische Situationen, möchtegerntraurige Szenen (die schlichtweg lächerlich sind), für Marvel typisches, abgrundtief hässliches Colour Grading und Charaktere, die in Comics gut funktionieren, aber für die Leinwand einfach nur armselig adaptiert werden.
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Beyond the Dark
Teil 5.2

Alle Teile der Geschichte findet ihr auch in meiner Sammlung:
https://plus.google.com/collection/gBSKTE

Vielen Dank auch an meine Betaleser,
+Graustreif Brombeerkralle
+Erlkönig
+Oero Legend


Die bunte Abendsonne strahlt mir ins Gesicht, während ich tief die warme Sommerluft einatme. Das Zwitschern der Vögel klingt wie Musik in meinen Ohren. Die Natur versucht, meinen Körper zu umschlingen, während der bedrohliche Schatten aus Stahl, Stein und Staub über mir schwebt, an mir zerrt und letzten Endes doch den Kampf “Natur gegen Mensch” gewinnen wird. Aber in diesem Moment siegt die Natur. Ein letztes Mal darf ich sie so spüren wie sie ist. Ein letztes Mal die Geräusche, Gerüche und Gefühle wahrnehmen, die mein Leben geprägt haben und mich zu dem Menschen geformt haben, der ich jetzt bin. Selbst Neil, der normalerweise sehr ungeduldig ist und kein Auge für die Schönheiten des Lebens hat, scheint den Moment zu genießen, in dem Wissen, dass er sein restliches Leben lang nur Stahl und rotes Gestein sehen wird. Ich glaube, er bereut es mittlerweile, mit auf die größte Reise unseres Lebens zu gehen. Er weiß, dass es ab morgen kein Zurück mehr gibt, auch nicht, wenn er es unbedingt wollte.
Vor uns erstreckt sich die weite, unangetastete Landschaft. Die Erhöhung, auf der wir stehen, kenne ich, seitdem ich denken kann. Als Kind haben meine besten Freunde und ich in dem Wald darunter immer verschiedene Spiele gespielt und uns danach eben hier ausgeruht. Was sie jetzt wohl machen? Bei einem bin ich mir sicher. Keiner von ihnen wird morgen eine monatelange Reise zu einem anderen Planeten antreten.
Mir fällt auf, dass ich Neil nie dieses Stück Natur gezeigt habe, obwohl es mich extrem geprägt hat.
“Mom? Mir ist kalt!”
In Gedanken schwelgend habe ich gar nicht gemerkt, dass die Sonne sich bereits hinter dem Horizont verabschiedet hat und nun die Dunkelheit die Überhand gewinnt. Es wird nicht lange dauern, bis die angenehme Wärme verflogen ist, und die nächtliche Kälte das Land überzieht.
Die grausame Stille bei der Heimfahrt trübt die Aufregung über den morgigen Tag und sorgt dafür, dass mir der Angstschweiß auf der Stirn steht.
“Was ist los, Mom?”
“Nichts. Ich denke nur über morgen nach.”
“Wenn irgendein böses Monster dich bedroht, sag’s mir. Ich mach’ es platt!” Seine Stimme klingt ganz stolz.
Ja, es gibt ein Monster, du kleiner Idiot! Checkst du nicht, was da abgeht? Und zwar haben wir heute das letzte Mal die Erde gesehen, wie sie wirklich ist. Und alles, an das du denken kannst, sind irgendwelche Monster?
“Mach’ ich”, antworte ich leise.

In der Nacht habe ich wieder diesen Traum, den ich schon vor einigen Monaten hatte, aber in einer anderen Form. Ich werde umschlungen von undurchdringlicher Dunkelheit. Das nervige Piepsen meines Raumanzugs, welches mich vor einem niedrigen Sauerstoffgehalt warnen soll, klingt, als sei es meilenweit entfernt. Kondenswasser, das wohl meines Atems entspringt, sammelt sich an dem Glas vor meinem Gesicht. Die Schwerelosigkeit lässt mich ziellos und beständig in die selbe Richtung gleiten, immer weiter weg von einem kleinen, hellen Punkt irgendwo draußen im All. Langsam verwandelt sich das Piepen in einen durchgehend pfeifenden Ton. Der Sauerstoff ist verbraucht, alles, was mir jetzt noch bleibt, ist in meinen Anzug gepumpt worden. Aber es wird mir nichts nützen, denn in alle Richtungen ist nur die ewige Leere, nur darauf wartend, mich zu verschlingen wie ein Raubtier, das darauf wartet, dass seine Beute vor Erschöpfung zusammenbricht. Niemand wird mir jetzt noch helfen können, nur der bittersüße Tod.
Meine Brust beginnt vor Panik nach Luft zu schnappen, während mein Geist die Ruhe selbst ist. Ich habe abgeschlossen, bin bereit, mich meinem Schicksal zu stellen. Mein Schicksal. Wie wird es aussehen? Ich werde es bald wissen…
Ich blicke ein letztes Mal an meinem Körper herunter und sehe einen kleinen Handschuh vor meinen Augen. Mir wäre er viel zu klein, aber wem gehört er?
Plötzlich höre ich eine Stimme über das Funkgerät. Es ist die Stimme einer Frau, die ich schon so oft gehört habe.
“NEIL! Neil, kannst du mich hören? Neil, antworte bitte! Wo bist du?”
Es ist meine Stimme. Und sie klingt verzweifelt. Was ist passiert? Ist das eine Aufzeichnung eines älteren Funkgesprächs?
“Mom?”
Ich höre Neils leise und röchelnde Stimme aus meinem Mund kommen.
“Mom, hilf mir!”
“Neil! Neil, wo bist du? Sprich mit mir!”
“Mom, ich hab Angst!”
“Neil, bitte sag mir, wo du bist!”
“Ich weiß es nicht! Mom, dieses Piepen macht mir Angst! Bitte hilf mir!”
“Neil, du brauchst keine Angst zu haben! Wir kommen und holen dich.”
“Mom, ich will nicht sterben.”
Ich kann es nicht kontrollieren, die Worte kommen ganz von alleine aus meinem Mund.
“Das wirst du nicht! Wir holen dich!”
Ich merke, wie langsam meine Kräfte schwinden.
“Hab’ dich lieb, Mom!”
Ich atme ein letztes Mal aus.
“NEIL! NEIL! Tu mir das nicht an! NEIL!”
Ich höre meinen Herzschlag in meinen Ohren pochen, wie er immer langsamer wird. Wie ein Querschnittsgelähmter schwebe ich durch das Nichts, egal wie sehr ich es auch versuche, mich zu bewegen.
Durch das Funkgerät höre ich die Schreie einer Mutter, die das Wichtigste in ihrem Leben verloren hat: ihr Kind. Die Schreie bohren sich direkt durch meinen Körper. Es ist nicht mein bevorstehender Tod, der mich beunruhigt, es ist dieser durchgehende Ton der Verzweiflung.
Mit aufgestellten Haaren gleite ich hinaus in diese ewige Leere. Und nach einer kurzen Zeit beginnen sich meine Augen langsam zu schließen… Die Dunkelheit nimmt mich auf in ihr Reich, das Reich der Toten!

“NEIL!”
Schweißgebadet wache ich auf. Das Licht der Straßenlaternen scheint durch mein Fenster. Dieser Traum wirkte nicht wie ein Traum. Er wirkte echt, wie eine Vision. Die Reise zum Mars macht mich langsam aber sicher verrückt. Ich bekomme Ängste, die jede Mutter haben würde, aber Albträume, die nicht von der Realität zu unterscheiden sind? Das wäre mir neu!

Neil liegt in seinem Bett und schläft in Fötushaltung. Ich blicke zu ihm hinunter und bekomme ein unwohles Gefühl in meiner Magengegend. Es war die falsche Entscheidung, ihn mitzunehmen. Das weiß ich. Er wäre zwar alleine gewesen und wahrscheinlich bei einer Pflegefamilie aufgewachsen, aber er wäre am Leben und nicht irgendeinem unnötigen Risiko ausgesetzt.
“Ich werde dich beschützen! Komme, was wolle!”
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Die bunte Abendsonne strahlt mir ins Gesicht, während ich tief die warme Sommerluft einatme. Das Zwitschern der Vögel klingt wie Musik in meinen Ohren. Die Natur versucht, meinen Körper zu umschlingen, während der bedrohliche Schatten aus Stahl, Stein und Staub über mir schwebt, an mir zerrt und letzten Endes doch den Kampf “Natur gegen Mensch” gewinnen wird. Aber in diesem Moment siegt die Natur. Ein letztes Mal darf ich sie so spüren wie sie ist. Ein letztes Mal die Geräusche, Gerüche und Gefühle wahrnehmen, die mein Leben geprägt haben und mich zu dem Menschen geformt haben, der ich jetzt bin. Selbst Neil, der normalerweise sehr ungeduldig ist und kein Auge für die Schönheiten des Lebens hat, scheint den Moment zu genießen, in dem Wissen, dass er sein restliches Leben lang nur Stahl und rotes Gestein sehen wird. Ich glaube, er bereut es mittlerweile, mit auf die größte Reise unseres Lebens zu gehen. Er weiß, dass es ab morgen kein Zurück mehr gibt, auch nicht, wenn er es unbedingt wollte.
Vor uns erstreckt sich die weite, unangetastete Landschaft. Die Erhöhung, auf der wir stehen, kenne ich, seitdem ich denken kann. Als Kind haben meine besten Freunde und ich in dem Wald darunter immer verschiedene Spiele gespielt und uns danach eben hier ausgeruht. Was sie jetzt wohl machen? Bei einem bin ich mir sicher. Keiner von ihnen wird morgen eine monatelange Reise zu einem anderen Planeten antreten.
Mir fällt auf, dass ich Neil nie dieses Stück Natur gezeigt habe, obwohl es mich extrem geprägt hat.
“Mom? Mir ist kalt!”
In Gedanken schwelgend habe ich gar nicht gemerkt, dass die Sonne sich bereits hinter dem Horizont verabschiedet hat und nun die Dunkelheit die Überhand gewinnt. Es wird nicht lange dauern, bis die angenehme Wärme verflogen ist, und die nächtliche Kälte das Land überzieht.
Die grausame Stille bei der Heimfahrt trübt die Aufregung über den morgigen Tag und sorgt dafür, dass mir der Angstschweiß auf der Stirn steht.
“Was ist los, Mom?”
“Nichts. Ich denke nur über morgen nach.”
“Wenn irgendein böses Monster dich bedroht, sag’s mir. Ich mach’ es platt!” Seine Stimme klingt ganz stolz.
Ja, es gibt ein Monster, du kleiner Idiot! Checkst du nicht, was da abgeht? Und zwar haben wir heute das letzte Mal die Erde gesehen, wie sie wirklich ist. Und alles, an das du denken kannst, sind irgendwelche Monster?
“Mach’ ich”, antworte ich leise.

In der Nacht habe ich wieder diesen Traum, den ich schon vor einigen Monaten hatte, aber in einer anderen Form. Ich werde umschlungen von undurchdringlicher Dunkelheit. Das nervige Piepsen meines Raumanzugs, welches mich vor einem niedrigen Sauerstoffgehalt warnen soll, klingt, als sei es meilenweit entfernt. Kondenswasser, das wohl meines Atems entspringt, sammelt sich an dem Glas vor meinem Gesicht. Die Schwerelosigkeit lässt mich ziellos und beständig in die selbe Richtung gleiten, immer weiter weg von einem kleinen, hellen Punkt irgendwo draußen im All. Langsam verwandelt sich das Piepen in einen durchgehend pfeifenden Ton. Der Sauerstoff ist verbraucht, alles, was mir jetzt noch bleibt, ist in meinen Anzug gepumpt worden. Aber es wird mir nichts nützen, denn in alle Richtungen ist nur die ewige Leere, nur darauf wartend, mich zu verschlingen wie ein Raubtier, das darauf wartet, dass seine Beute vor Erschöpfung zusammenbricht. Niemand wird mir jetzt noch helfen können, nur der bittersüße Tod.
Meine Brust beginnt vor Panik nach Luft zu schnappen, während mein Geist die Ruhe selbst ist. Ich habe abgeschlossen, bin bereit, mich meinem Schicksal zu stellen. Mein Schicksal. Wie wird es aussehen? Ich werde es bald wissen…
Ich blicke ein letztes Mal an meinem Körper herunter und sehe einen kleinen Handschuh vor meinen Augen. Mir wäre er viel zu klein, aber wem gehört er?
Plötzlich höre ich eine Stimme über das Funkgerät. Es ist die Stimme einer Frau, die ich schon so oft gehört habe.
“NEIL! Neil, kannst du mich hören? Neil, antworte bitte! Wo bist du?”
Es ist meine Stimme. Und sie klingt verzweifelt. Was ist passiert? Ist das eine Aufzeichnung eines älteren Funkgesprächs?
“Mom?”
Ich höre Neils leise und röchelnde Stimme aus meinem Mund kommen.
“Mom, hilf mir!”
“Neil! Neil, wo bist du? Sprich mit mir!”
“Mom, ich hab Angst!”
“Neil, bitte sag mir, wo du bist!”
“Ich weiß es nicht! Mom, dieses Piepen macht mir Angst! Bitte hilf mir!”
“Neil, du brauchst keine Angst zu haben! Wir kommen und holen dich.”
“Mom, ich will nicht sterben.”
Ich kann es nicht kontrollieren, die Worte kommen ganz von alleine aus meinem Mund.
“Das wirst du nicht! Wir holen dich!”
Ich merke, wie langsam meine Kräfte schwinden.
“Hab’ dich lieb, Mom!”
Ich atme ein letztes Mal aus.
“NEIL! NEIL! Tu mir das nicht an! NEIL!”
Ich höre meinen Herzschlag in meinen Ohren pochen, wie er immer langsamer wird. Wie ein Querschnittsgelähmter schwebe ich durch das Nichts, egal wie sehr ich es auch versuche, mich zu bewegen.
Durch das Funkgerät höre ich die Schreie einer Mutter, die das Wichtigste in ihrem Leben verloren hat: ihr Kind. Die Schreie bohren sich direkt durch meinen Körper. Es ist nicht mein bevorstehender Tod, der mich beunruhigt, es ist dieser durchgehende Ton der Verzweiflung.
Mit aufgestellten Haaren gleite ich hinaus in diese ewige Leere. Und nach einer kurzen Zeit beginnen sich meine Augen langsam zu schließen… Die Dunkelheit nimmt mich auf in ihr Reich, das Reich der Toten!

“NEIL!”
Schweißgebadet wache ich auf. Das Licht der Straßenlaternen scheint durch mein Fenster. Dieser Traum wirkte nicht wie ein Traum. Er wirkte echt, wie eine Vision. Die Reise zum Mars macht mich langsam aber sicher verrückt. Ich bekomme Ängste, die jede Mutter haben würde, aber Albträume, die nicht von der Realität zu unterscheiden sind? Das wäre mir neu!

Neil liegt in seinem Bett und schläft in Fötushaltung. Ich blicke zu ihm hinunter und bekomme ein unwohles Gefühl in meiner Magengegend. Es war die falsche Entscheidung, ihn mitzunehmen. Das weiß ich. Er wäre zwar alleine gewesen und wahrscheinlich bei einer Pflegefamilie aufgewachsen, aber er wäre am Leben und nicht irgendeinem unnötigen Risiko ausgesetzt.
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Oh man, ich kann nicht mehr. Diese Dummheit in den Kommentaren ist einfach zu geil xD

Muss mir echt mal die ganzen Seiten speichern, dass man nach der Abschaltung von G+ noch weiter drüber lachen kann ^^
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Hier die ganze Geschichte bisher, wird regelmäßig aktualisiert.

Dunkelheit. So undurchdringlich und doch so weich. Es reicht ein Funke, um sie zu zerstören. Doch ohne diesen nimmt sie alles existierende ein. Der Weltraum ist voll von Dunkelheit. Genau dieser Weltraum fasziniert uns Menschen. Er lässt uns nicht mehr los, solange, bis wir jeden kleinsten Flecken im All erforscht und kolonisiert haben. Und ich bin ein Teil davon.

“Mum, es geht los!”, höre ich Neil aus dem Raum nebenan rufen.
“Bin gleich da!”, rufe ich zurück. Ich greife zu zwei Wasserflaschen und mit hastigem Schritt begebe ich mich zu Neil in den Nebenraum. Ich setze mich neben ihm und reiche ihm eine der beiden Flaschen.
“Hier, bitteschön!”, sage ich. Es kommt keine Antwort. Er ist viel zu sehr auf die Leinwand in unserem Wohnzimmer fokussiert, als dass er noch etwas von mir mitbekommen würde. Nun richte auch ich meinen Blick darauf. Es läuft eine Sondersendung:
“Wie Sie sehen, sind die Vorbereitungen für den Start nun abgeschlossen, und das Bodenteam wird in den nächsten Sekunden mit dem Countdown für den ersten Kolonisationsflug zum Mars beginnen.” Die Stimme des Moderators klingt aufgeregt und etwas heiser. “An Bord dieser Raumfähre befinden sich je 35 Männer und Frauen, von denen jeder ein Experte auf einem gewissen Gebiet ist. Sie zusammen werden den Grundstein errichten, der für die zukünftigen Kolonisten lebensnotwendig ist.”
“Ich verstehe immer noch nicht, wieso man noch zwanzig Kinder mit nach da oben schickt”, sage ich. Neils schlangengrüne Augen blicken mich an.
“Vielleicht sind es die Kinder von den Leuten, die da rauf fliegen?”, meint er.
“Glaube ich nicht…”, antworte ich und streiche ihm durchs Haar.
Er will etwas sagen, aber genau in dem Moment beginnt eine rauschende Stimme von sechzig herunterzuzählen. Die Kamera schwenkt über die anwesenden Leute, die alle mit angespanntem Blick auf die weiße Rakete starren, die sich inmitten einer Brachlandschaft in Startposition befindet.
“Die Kolonisten werden nun in den Weltraum hinauf geschossen, wo sie in eine Raumstation umsteigen werden, die sie dann, wenn alles glatt läuft, zum Mars befördert. Sie ist eine von zwei existierenden Stationen, die sich bereits in einer Umlaufbahn um die Erde befinden. Beide haben eine Runde Form, welche nach der Ankunft der Bewohner zur Rotation gebracht wird. So wird auf der Raumfähre eine Gravitation hergestellt, die der auf der Erde gleicht.”
“Wie soll das bitte funktionieren? Warum sind die dann nicht schwerelos?”, fragt mich Neil.
“Du weißt doch das kleine Karussell auf dem Spielplatz. Du drehst es doch immer ganz schnell, einmal so schnell dass du doch rausgeflogen bist, weil du dich nicht festhalten konntest. Die Schwerkraft hat dich also nach draußen gezogen. Genauso funktioniert auch die Raumstation.”, erkläre ich ihm.
“Blöde Schwerkraft. Wegen der hatte ich ne Gehirnerschütterung…”, blafft Neil.
Der Countdown ist mittlerweile bei zwanzig angekommen. Neil umklammert angespannt die Lehne des weißen Ledersofas. Seine Fingernägel krallen sich in das Leder.
“10…
9…
8…”
“Hoffentlich läuft alles glatt!”, flüstere ich fast unhörbar.
“5…
4…
3…
2…
1…”
In diesem Moment erscheint unterhalb der Raumfähre eine grelle Flamme, die sich mit weißem Rauch vermischt. Langsam erhebt sich das weiße Metallungetüm in den Himmel.
“Schade, dass Dad das nicht sehen kann…”, flüstert Neil leise.
“Schatz, Dad schaut sich das vom Himmel aus an. Vielleicht fliegt er ja als Engel mit, immerhin hat er ja auch an den Plänen mitgearbeitet.
Die Rakete steigt immer weiter in den Himmel und hinterlässt dabei einen riesigen Schweif aus weißem und grauem Rauch. Es muss eine wahnsinnige Planungsarbeit gewesen sein, die knapp einhundert Kolonisten gleichzeitig in einer Rakete unterzubringen und diese sicher ins All zu katapultieren.
Nach einer gewissen Zeit wird der Schweif immer dünner, bis die Rakete nicht mehr zu sehen ist. Neil sieht mich an.
“Meinst du, die schaffen das?”, fragt er mich.
“Klar. Der Start ist immer das gefährlichste bei so einer Mission. Wenn man den geschafft hat, ist es sehr unwahrscheinlich, dass etwas passiert, bis sie in die Umlaufbahn vom Mars kommen. Ab dann wird es wieder etwas gefährlicher.”, antworte ich, in der Hoffnung, ihn beruhigt zu haben.
“Aber wenn Aliens auf das Schiff kommen?”, kommt seine zugegeben etwas kindliche Frage.
“Es gibt in unserem Sonnensystem keine Außerirdischen! Die hätten wir schon längst entdeckt!”
“Naja, es kann ja sein…”, meint er etwas verlegen.
“Glaub mir, Aliens sind das kleinste Problem von den Pionieren!”, beschwichtige ich ihn.
„Hoffentlich… Was machen die dann eigentlich auf dem Mars?”, quetscht er mich weiter aus.
“Die werden da erstmal ihre Wohnquartiere aufbauen und dann schauen, dass sie irgendwie Pflanzen anbauen können. Dann wird dort oben irgendwann mal eine kleine Stadt entstehen.”, erkläre ich.
“Gibts da auch Internet?”, kommt seine Frage.
“Puh, das weiß ich nicht…”, kommt meine etwas verlegene Antwort.
“Aber du hast doch auch bei der NASA gearbeitet, bis Dad gestorben ist.” Nun blickt mich Neil mit einer Mischung aus Trauer und Wut an.
“Ja, aber ich hab als Biologin gearbeitet und nicht im technischen Sektor.”, antworte ich gelassen.
“Aha. Und was hast du da gemacht?”
“Ich habe geforscht, wie sich pflanzliches und tierisches Leben im All verhält.”, erzähle ich ihm. “So, ich muss jetzt mal schauen, sonst verbrennt uns noch unser Abendessen.”

Einige Monate später, ich habe Neil gerade in die Schule gebracht, da er den Bus verpasst hat, klingelt es plötzlich an unserer Haustüre. Ich öffne sie und mich blickt mich ein schwarzer Mann mit Anzug und Krawatte an.
“Frau Hensley?”, fragt er mich.
“Ja?”, kommt meine verlegene Antwort.
“Ich bin Robert Nease, von der NASA. Dürfte ich kurz reinkommen?” Er streckt mir seinen Ausweis entgegen, der mir beweisen soll, dass er wirklich von der Weltraumorganisation stammt.
“Bitteschön!”, ich trete einen Schritt zur Seite und er betritt mein Haus. Ich leite ihn ins Wohnzimmer und hole uns beiden ein Glas Wasser. Danach setze ich mich zu ihm an den Tisch.
“Frau Hensley, wir brauchen ihre Hilfe. Wie sie sicher wissen, ist im Moment die Crew der Raumstation Solas auf dem Weg zum Mars. Doch heute Nacht gab es einen Zwischenfall. Und deshalb würde mich interessieren, ob sie vielleicht etwas wissen.”
“Entschuldigen sie, aber ich bin Biologin, ich wüsste nicht, wie ich ihnen da weiterhelfen könnte!”, antworte ich lachend.
“Ihr Mann hat doch das Kommunikationssystem programmiert, das auf den Stationen Solas und Atlas im Einsatz ist.”
“Ja, soweit ich weiß schon.”
“Gut. Hat ihr Mann vor seinem Tod irgendwann mal etwas erwähnt von Heptasignalen?”, kommt seine Frage.
“Heptasignale? Was ist das?”, frage ich zurück.
“Also hat er nichts gesagt, oder?”, kommt seine Gegenfrage.
“Er hat mal etwas von Signalen erwähnt, die gleichzeitig sieben verschiedene Frequenzen abdecken. Könnte das etwas damit zu tun haben?”
“Ah, jetzt haben wir etwas, genau diese Art von Strahlen meine ich. Würde es ihnen etwas ausmachen, wenn sie mich zum Headquarter begleiten können? Die Dinge sind von höchster Priorität und Geheimhaltung.”
“Ja, schon. Aber was ist mit Neil? Er ist neun und kann doch nicht alleine hier sein!”, frage ich besorgt.
“Sie können ihm eine Nachricht schreiben, dass ihn ein schwarzer SUV mit dem NASA-Logo abholen wird. Wir passen schon auf ihn auf.”, kommt seine Antwort. “Wären sie nun so freundlich und würden mich bitte begleiten?”
“Na gut, meinetwegen”, antworte ich etwas genervt.
“Wenn Sie mir bitte folgen würden?”, sagt er etwas überrascht, gar so, als hätte er nicht damit gerechnet, dass ich ihn begleiten würde.
“Einen Moment noch!”, rufe ich und greife nach meiner Jacke und dem Handy und verlasse das Haus. Er und sein Bodyguard leiten mich zu einem schwarzen SUV, der in unserer Einfahrt geparkt hat. Er wirkt irgendwie fehl am Platz auf meinem komplett weißen Grundstück, und doch ergibt der Kontrast ein schönes Bild.
Nease und ich setzen uns gemeinsam auf die Rückbank des schwarzen SUVs, der Bodyguard steigt auf den Fahrersitz.
Während der knapp einstündigen Fahrt nach Washington zum NASA-Hauptquartier schreibe ich Neil eine Nachricht, er würde von einem NASA-Fahrzeug abgeholt werden, das ihn zu mir bringen wird. Seine überraschte Antwort bringt mich zum Nachdenken:
“Wieso? Ist Dad da?”
“Also, Frau Hensley! Was haben Sie nach dem Tod Ihres Mannes und Ihrer darauffolgenden Kündigung gemacht?”, unterbricht Nease das unaushaltbare Schweigen.
“Nach Pauls Tod hab ich erstmal ‘ne Auszeit gebraucht. Neil und ich sind ins Haus meiner Eltern gezogen, welches ich geerbt habe. Danach hab’ ich bei einer örtlichen Universität angefangen, um im Labor an meiner Arbeit weiterzuforschen.”
“Ihre Arbeit bestand ja daraus, das Verhalten von Leben in der Schwerelosigkeit im All herauszufinden, vor allem Pflanzen waren für Sie ja ein großer Bestandteil ihrer Forschung. Zumindest sagt das ihre Akte bei uns”, antwortet er.
“So, was steht denn noch alles in der Akte?”, sage ich lachend.
“Hier steht, Sie haben große Angst davor, dass außerirdisches Leben auf die Erde kommen könnte, das war auch der Grund, weshalb Sie nach dem Tod Ihres Mannes gekündigt haben. Sie wollten kein Teil einer Organisation sein, die aktiv nach dem, ich zitiere: “Untergang der Menschheit” sucht. Wieso haben Sie eine solche Angst davor? Woher kommt diese?”, kommt seine, mir etwas unangenehme Frage.
“Wissen Sie, wir senden die ganze Zeit Strahlen ins All, die, so hoffen wir, eines Tages von einer außerirdischen Lebensform empfangen werden. Vielleicht hat diese ja auch schon welche ausgesandt, vor vielen tausenden von Jahren. Und nehmen wir mal an, diese Strahlen hätten vor 250 Jahren die Erde erreicht, wir waren damals einfach noch nicht in der Lage, sie zu empfangen, denn Strahlen wurden einfach noch nicht entdeckt. Und genauso ist es mit den Strahlen, die wir aussenden. Die Kolonisation muss sowohl in der Lage sein, die Strahlen zu empfangen, als auch zu antworten. Und da wir in unserer nahen Umgebung bei sämtlichen bewohnbare Planeten, auf denen Leben existieren könnte, bereits bewiesen haben, dass dort kein intelligentes Leben existiert, müssen die Außerirdischen aus den Tiefen des Alls kommen. Und um diese großen Strecken zu überwinden, müssen sie dermaßen intelligent sein, dass sie uns, was Intelligenz angeht, weit in den Schatten stellen. Wir sind für sie so etwas wie ein dummer Ameisenhaufen, der den Drang zur Selbstzerstörung hat. Mehr nicht. Und für sie wäre es ein leichtes, uns Menschen auszurotten. Und genau das unterstütze ich nicht”, antworte ich.
“Nun, da kann ich eigentlich nicht viel darüber sagen, außer, dass Sie schon Recht haben. Trotzdem ist es nun einmal Aufgabe der NASA, nach außerirdischem Leben zu suchen. Und wer sagt denn, dass uns die Aliens feindlich gesinnt sein sollten?”, meint er.
“Sie wollen also Russisch-Roulette spielen und dabei die gesamte Menschheit aufs Spiel setzen? Na dann, viel Spaß!”
Der Rest der Fahrt besteht wieder aus absoluter Stille. Zu den Fahrgeräuschen hat sich ein kaum hörbares Plätschern hinzugefügt. Ich richte meinen Blick durch das Fenster und sehe, dass es zu regnen begonnen hat.
Die vorbeiziehende Landschaft hat sich allmählich von einer ländliche Idylle in einen urbanen Großstadtdschungel verwandelt. Wir sind also fast angekommen.
Washington D.C. Die Hauptstadt der Staaten. Hier haben Paul, Neil und ich früher gewohnt. Seit seinem Tod war ich allerdings nicht mehr hier. Die Stadt weckt alte Erinnerungen. Erinnerungen an ein Leben, das nur wenige Jahre her ist, aber doch so weit weg erscheint. Manchmal liege ich abends auf unserer Terrasse und blicke in die Vergangenheit, so nenne ich den Sternenhimmel meistens. Und das ist gar nicht mal so abwegig, immerhin braucht das Licht von einigen Sternen mehrere Millionen Jahre, bis es bei uns eintrifft. Und nachdem es endlich seine ewige Reise beendet hat, wissen wir Menschen es nicht zu würdigen. Mich würde interessieren, ob eine intelligente Spezies, welche vielleicht 70 Millionen Lichtjahre von uns entfernt lebt, genau in diesem Moment die Dinosaurier beobachtet und denkt Dieser Planet wird nie von Bedeutung für uns sein.
Die Hupe des SUVs reißt mich zurück in die Realität. Der Fahrer hat sie wohl betätigt, da vor uns ein Fahrzeug aus einer Nebenstraße eingebogen ist und uns dabei beinahe geschrammt hätte.
Ich blicke mich um. Wir sind mittlerweile in der Innenstadt D.C.s angekommen, das NASA HQ ist nun nicht mehr weit weg.

“Bitte hier hinein, Frau Hensley!”, bittet mich Nease, der gerade die Tür zu einem großzügig ausgestatteten Büro geöffnet hat. Ich folge seiner Handbewegung und stehe inmitten eines Papierchaos. Man scheint hier alles schnell beiseite geschafft zu haben, um der großen Gerätschaft auf dem Tisch Platz zu verschaffen. An ihr sitzt ein etwas überarbeitet aussehender junger Mann, der wie wild auf einer Tastatur herumtippt. Nease stellt sich hinter ihn und beginnt, mir den Grund dieser ganzen Aktion zu erzählen.
“Gestern Abend gegen 22:57 Uhr UTC-5 haben wir diese Datei von der Raumstation Solas per Heptasignalen empfangen. Normalerweise würde das kein Problem darstellen, aber es wurde mit dem Prototypen des H7-Transmitters versendet, den Ihr Mann kurz vor seinem Tod entwickelt hat. Über ihn sollten, so wurde es ursprünglich geplant, nur streng geheime Informationen gesendet werden, die unmöglich von der Bevölkerung mitgehört werden konnten. Aber da sich, seitdem der neue Präsident im Amt ist, der ja bei seinem Wahlkampf absolute Transparenz des Regierungskörpers und sämtlicher ihm unterstehender Organisationen als Hauptziel genannt hat, wurde diese Idee wieder verworfen. Trotzdem hat man den Transmitter an Bord gelassen, dass die Crew im Notfall Bauteile aus ihm für andere Gerätschaften verwenden konnte. Aber irgendwie haben sie es geschafft, den Transmitter wieder zu aktivieren und uns eine Datei zu senden. Und hier kommen Sie ins Spiel! Hat Ihr Mann vor seinem Tod immer wieder ein bestimmtes Wort oder eine bestimmte Buchstabenabfolge genannt, die als Codewort dienen könnte?”
“Wieso fragen sie nicht einfach Solas nach dem Codewort?”, frage ich verdutzt.
“Das ist es ja… Wir haben seit gestern Nachmittag den Kontakt zu ihnen verloren. Sie sagten, dass etwas in ihrer Nähe die Antenne störe und dass sie nicht wissen, was es sei. Danach ist die Verbindung abgebrochen“, kommt Neases ernüchternde Antwort. “Sie haben wahrscheinlich als verzweifelten Ausweg versucht, die Heptasignale zu verwenden, die es offensichtlich geschafft haben, die Störzone zu durchbrechen.”
“Wie viele Stellen hat denn das Codewort?”, frage ich.
“Auch das wissen wir nicht. Wir könnten zwar ein Computerprogramm verwenden, aber das würde Tage dauern. Und diese Zeit haben wir nicht, denn wir dürfen Informationen nicht länger als 24 Stunden der Öffentlichkeit vorenthalten. Und deshalb haben wir gedacht, dass Sie vielleicht wissen könnten, welche Buchstabenkombination die richtige ist.”
“Aber warum ist genau diese Übertragung so wichtig?”, frage ich weiter. Mittlerweile wird mir das gesamte Ausmaß dieser Aktion deutlich. Ich soll der NASA dabei helfen, womöglich ihren Ruf zu retten.
“Wir erhoffen uns, dass diese Übertragung wichtige Details enthält, die vielleicht helfen, das Problem zu lösen. Die Solas befindet sich bereits in der Umlaufbahn des Mars. Und wenn die Kommunikation ausfällt kann es sein, dass auch noch andere Systeme gestört werden. Und das kann fatale Folgen haben!”, sagt der Mann an der Maschine.
“Die Solas ist jetzt schon in der Umlaufbahn? Ich dachte, Flüge zum Mars würden sieben Monate dauern und nicht vier!”, sage ich.
“Sieben? Die Solas hat ein neues Antriebssystem bekommen, das die Geschwindigkeit im Vergleich zu konventionellen Methoden fast verdoppelt”, erklärt mir Nease.
“Also: Sie suchen ein Wort oder eine Buchstabenkombination und Sie wissen nicht, wie viele Stellen sie hat. Sie benötigen dazu meine Hilfe, denn Sie müssen heute Nachmittag der Presse Bescheid geben, dass der Kontakt zur Solas abgebrochen ist und erhoffen sich anhand der verschlüsselten Datei nähere Infos zum Solas-Zwischenfall. Sehe ich das richtig?”, fasse ich zusammen.
“Ja, kann man so sagen. Hatte Ihr Mann ein Universalpasswort, das er bei seinen ganzen Geräten verwendet hat?”, fragt Nease.
“Nein, ihm war seine Privatsphäre immer sehr wichtig. Und sollte er eines gehabt haben, so weiß ich nichts davon”, antworte ich.
“Frau Hensley, hat Ihr Mann immer die europäische oder die amerikanische Schreibweise benutzt, wenn er ein Datum geschrieben hat? Er kam ja immerhin aus Deutschland”, meint der Mann an der Maschine.
“Meistens hat er die europäische Schreibweise benutzt. Warum fragen Sie?”
“Weil viele den Namen und das Geburtsdatum eines wichtigen Familienmitglieds als Passwort verwenden. Ihr Mann könnte das vielleicht auch gemacht haben… Wann hat denn Ihr Sohn Geburtstag?”, fährt er fort.
“Am 13. Mai. Und ich habe am fünften November.”, antworte ich.
“Ihr Geburtsdatum steht in der Akte, wir brauchen nur das von Ihrem Sohn”, meint Nease. “Mike, probieren Sie es gleich aus?”
“Natürlich, Sir!”, kommt es wie aus der Pistole geschossen. Der Mann an der Maschine, der scheinbar Mike heißt, tippt wie verrückt auf der Tastatur und streicht immer wieder eine Zeile auf einem Stück Papier durch, das neben ihm liegt. Nach einiger Zeit verstummen die Tastengeräusche und er blickt uns enttäuscht an.
“Ich hab alle möglichen Kombinationen ausprobiert! Keine will funktionieren…”
“Verdammt!”, brüllt Nease. “Alles umsonst! Wir müssen bald vor die Presse und können ihnen nichts, aber auch gar nichts Genaueres über den Solas-Zwischenfall mitteilen? Die werden uns sowas von fertig machen, diese sensationsgeilen Geier! Wir sind ein gefundenes Fressen für die! Eine von Steuergeldern finanzierte Organisation, die bei gefühlt jeder zweiten Aktion versagt! Die werden uns auseinandernehmen, die werden uns zerstören! Wir werden eines der ersten Opfer des Transparenz-Wahns unseres Präsidenten! Ich weiß schon, warum ich diese Flachpfeife nicht gewählt habe!”, brüllt Nease durch den Raum.
“Chef, bitte beruhigen Sie sich! Was soll denn Frau Hensley nur über uns denken?”, versucht Mike ihn zu beruhigen.
“Opfer…”, höre ich mich vor mich hin grummeln. Da fällt es mir wie Schuppen von den Augen.
“Paul wurde sehr religiös erzogen. Für seine Familie war die Opferbereitschaft eine der wichtigsten Tugenden, weshalb sie ihm in seiner Kindheit oft die Geschichte von Abrahams Opfer lehrten.”
“Bitte, Frau Hensley, klären Sie mich als Religionsverweigerer auf!”, bittet mich Nease.
“In der Geschichte geht es um Abraham, der von Gott auf die Probe gestellt wird. Dafür muss er mit seinem einzigen und geliebten Sohn Isaak auf einen Berg und dort seinen Jungen töten, um Gott ein Opfer zu bringen. Als er bereits seinen Sohn gefesselt hat und das Messer in der Hand hält, schreitet Gott ein und erklärt ihm, dass er nur wissen wollte, wie tief Abrahams Glaube in ihn sei und ob er dafür sogar das einzige töten würde, das er liebt”, erkläre ich.
“Gott ist ein Arschloch!”, schmunzelt Nease. “Aber was hat es genau damit auf sich?”
“Lassen Sie mich bitte mal an die Tastatur?”, bitte ich Mike. Dieser rutscht ein wenig zur Seite und ich versuche mein Glück. Während meine Finger über die Tastatur huschen, merke ich, wie mein Puls spürbar ansteigt. Ich drücke auf Enter und am Bildschirm erscheint eine Nachricht.
Passwort korrekt
“Was haben Sie da gerade eingetippt?”, fragt Mike ganz verblüfft.
“Gen_22,1-19. Das ist genau die Stelle, an der sich die Geschichte befindet. Ich wusste gar nicht, dass er so vernarrt in sie war…”
“Mike, öffnen Sie schon die Datei!”, sagt Nease ungeduldig.
“Es ist eine Audiodatei, Chef.”
Mike drückt ein paar mal auf der Maus herum und aus den Lautsprechern ertönen Geräusche.
Es sind Schreie und Chaos zu hören. Plötzlich ertönt eine aufgeregte und zugleich beängstigte männliche Stimme.
“Hier spricht Captain Lawrence von der Solas.
Wir erbitten sofortige Hilfe! Hier ist etwas an Bord, das ein Crewmitglied nach dem anderen tötet! Bitte, wir wissen nicht, was wir… Oh mein Gott, was?”, brüllt die Stimme. Danach hört man ein lautes Krachen und ein darauffolgendes, verzweifeltes Gurgeln. Kurz darauf verstummt es und man hört nur noch ein leises Plätschern.
“Was zur Hölle?”, flüstert Nease nach einer ganzen Weile absoluter Stille.
“Was war das denn bitte?”, frage ich.
Mike will gerade etwas sagen, als er plötzlich in den Mülleimer erbricht.
Nach einigen Minuten gegenseitigem Schweigen kommt mir eine noch größere Frage in den Sinn.
“Dieses Etwas hat Lawrence, zumindest hat es sich so angehört, die Kehle durchgeschnitten. Aber wie zur Hölle kann er dann trotzdem die Datei versendet haben?”, frage ich.
“Der H7-Transmitter ist auch eine Noteinrichtung. Man betätigt einen Knopf und sobald man ihn loslässt, wird die Datei, je nachdem was man ausgewählt hat, versendet. Er ist am Ende wahrscheinlich abgerutscht von dem Knopf”, meint Nease.
Ein Mann mit Anzug und Krawatte stürmt in den Raum.
“Ich habe gehört, Sie hätten die Datei entschlüsselt?”, schreit er aufgeregt.
“Ja”, antwortet Nease leise. “Frau Hensley, ich muss Sie bitten, den Raum zu verlassen, da wir nun die nächsten Schritte besprechen werden.”
Ich nicke und verlasse langsam den Raum. Verdammt! War das etwa wirklich ein außerirdisches Wesen, das die Solas-Crew massakriert hat? Sind meine Befürchtungen etwa zur Realität geworden?
In der nächsten Zeit schwirren meine Gedanken wie wild durch den Kopf. Plötzlich öffnet sich die Tür und Nease kommt heraus.
“Frau Hensley, ich weiß, wie Sie über die NASA und über extraterrestrisches Leben denken. Und diese Audiodatei wird Ihre Bedenken bestimmt erhärtet haben. Trotzdem mache ich Ihnen jetzt ein Angebot: Sie können bei uns erneut in der biologischen Abteilung einsteigen, nur dieses mal als Leiterin. Sie bekämen einen Lohn, der ein angenehmes Leben für Sie und ihren Sohn bedeutet und Sie könnten sich zudem ihre Arbeitszeit so einteilen, wie Sie wollen. Was halten Sie von diesem Vorschlag?”
“Ich… Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Warum ausgerechnet ich? Haben Sie keine anderen fähigen Biologen?”, antworte ich verdutzt. Es kann doch nicht sein, dass die NASA ausgerechnet mich bittet, wieder bei ihnen zu arbeiten. Die NASA und ich haben uns nicht gerade friedlich getrennt und es gibt sicher hunderte Leute, die für diesen Beruf alles täten. Aber die bieten ihn ausgerechnet mir an? Ich verstehe den Sinn dahinter nicht...
“Natürlich haben wir genügend Biologen! Aber Sie waren mit die Beste, die je bei der NASA angestellt war. Ihre Arbeit ging so zügig und gründlich voran, dass wir uns nur sehr ungern von Ihnen getrennt haben. Und genau deshalb wollen wir Ihnen nun die Möglichkeit geben, an Ihrem Projekt weiterzuforschen. Der Biologe, den wir nach Ihrer Kündigung auf die Forschung angesetzt haben, brachte uns kaum auf neue Erkenntnisse, im Gegensatz zu Ihnen! Sie haben alle paar Wochen einen Erfolg gefeiert…”, kommt seine Lobeshymne.
Meint er das ernst? War ich wirklich so gut in meinem Beruf? Es gab durchaus einige Durchbrüche, aber die gleich als “Erfolge” zu bezeichnen, scheint mir doch ein wenig weit hergeholt.
“Bitte, Herr Nease, geben Sie mir ein paar Tage Zeit, um darüber nachzudenken. Ich kann eine solche Entscheidung nicht einfach aus dem Bauch heraus treffen…”, bitte ich ihn.
“Sehr gerne. Nehmen Sie sich ruhig die Zeit, die Sie benötigen. Und reden Sie vielleicht auch mit Ihrem Sohn darüber. Immerhin betreffen auch ihn die Konsequenzen einer solchen Entscheidung.”
“Danke. Ich werde die beste Wahl treffen. Welche das ist, weiß ich aktuell aber noch nicht”, sage ich leise.
“Wir zählen auf Sie!”, antwortet Nease erfolgssicher.
“Mum!”, höre ich eine vertraute Stimme rufen. Mein Blick schwenkt in die Richtung, aus der die Stimme kam und ich sehe Neil auf mich zulaufen. Seine feuerroten Haare schwingen mit jedem Schritt auf und ab, es wirkt so, als würden sie vor lauter Wiedersehensfreude tanzen. Er fällt mir in die Arme und ich hebe ihn hoch.
“Und? Wie war die Schule?”, frage ich ihn.
“Lustig. Josh hat mit nem Strohhalm Papierkugeln an die Tafel gespuckt und der White hat nicht mal kapiert, was das war!” Wir lachen beide los.
“Sicher, dass es nicht du warst, der die Kugeln geschossen hat?”, frage ich herausfordernd.
Seine Miene wird etwas ernster.
“Nur ein oder zwei… Aber die anderen hat alle Josh gespuckt! Ehrlich!”, sagt er etwas verlegen. Ich lache laut los.
“Neil! Ich war auch mal jung. Wir waren damals sogar noch schlimmer!”, sage ich lachend.
“Ehrlich?”
“Ja, das kannst du mir glauben! Also Engel waren wir definitiv nicht!”
“Dr. Hensley!”, höre ich meinen Namen rufen. Nease sieht mir direkt in die Augen. Ich setze Neil wieder auf den Boden und widme mich wieder ernsteren Dingen.
“Dr. Hensley, wir bräuchten Sie nochmal kurz“, sagt Nease trocken.
“Gern. Aber was ist mit ihm?” Ich deute auf Neil.
“Miller! Nehmen Sie sich eines der Golfmobile und zeigen Sie dem jungen Mann doch mal das Gelände!”, sagt er zu einem seiner Angestellten. “Geht das für Sie in Ordnung, Dr. Hensley?”
“Ja, klar!”, antworte ich.
“Na, Kleiner! Wie heißt Du?”, fragt Miller Neil.
“Neil!”, kommt es wie aus der Pistole geschossen.
“Seien Sie bitte in einer Stunde wieder hier, Miller!”, fügt Nease hinzu.
“Bis später, Mum!”, ruft Neil und winkt mir währenddessen zu. Ich winke zurück.
“Viel Spaß!”, rufe ich ihm hinterher. Danach richte ich meine Worte wieder an Nease.
“Was gibt es denn noch?”, frage ich.
“Sie müssten noch einige Verschwiegenheitsklauseln unterschreiben, die wir zur Absicherung brauchen.”
“Warum? Ich dachte, sie müssen alles, was sie erhalten, an die Öffentlichkeit weitergeben. Warum muss ich da etwas unterschreiben, das verhindert, dass ich etwas sage, was morgen eh die ganze Öffentlichkeit weiß?”, frage ich etwas verwirrt.
“Wissen Sie, mein Vorgesetzter hat gerade mit dem Präsidenten telefoniert und hat ihm die Aufzeichnung vorgespielt. Der Präsident ist der Ansicht, dass solch ein prekäres Dokument nicht an die breite Masse kommen darf. Morgen wird es ganz offiziell in den Medien heißen, auf der Solas hätte es eine Explosion gegeben, die die komplette Raumstation vernichtet hat”, versucht Nease mir möglichst freundlich mitzuteilen.
Verdammt! In was bin ich hier nur reingeraten? Ich hätte heute morgen einfach nicht herkommen sollen, dann hätte ich diese ganzen Probleme jetzt gar nicht! Aber was passiert, wenn ich nicht unterschreibe? Werden die mir etwas antun? Oder gar Neil? Ich muss diese Erklärung unterschreiben! Es gibt keine andere Möglichkeit, wenn es gut für mich und meinen Sohn enden soll.“
“Ok, ich unterschreibe diesen Schwachsinn!“
Mein Gesprächspartner wirkt leicht verdutzt.
“In Ordnung, hier bitte!”
Ich setze meine Unterschrift auf die drei Zettel und setze mich auf einen Stuhl.
“Was glauben Sie, was das war?”, frage ich Nease.
“Sie meinen die Übertragung? Wir wissen es nicht. Einige Stunden bevor der Kontakt abgebrochen ist, haben die Sensoren ein Objekt geortet, welches sich der Solas angenähert hat, bis es plötzlich von den Bildschirmen verschwand. Es könnte ein Meteorit oder etwas ähnliches gewesen sein. Aber wir wissen es nicht genau. Aber jetzt lassen Sie uns bitte nochmal über das reden, was gerade geschehen ist.”
In der folgenden halben Ewigkeit versucht Nease mir klar zu machen, dass ich niemandem erzählen darf, was ich gehört habe. Dabei spinnt er die wildesten Theorien, wie die Bevölkerung auf so eine Nachricht reagieren könnte, dass es womöglich das Ende der NASA-Missionen bedeuten könnte, und so weiter und so fort... Je länger sein Vortrag dauert, desto mehr versinke ich in eigene Gedanken. Dieser Job, der mir angeboten wurde… ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Zum einen wäre die NASA ein sicherer Arbeitgeber und ich müsste mir nie wieder Sorgen um das Finanzielle machen. Außerdem habe ich meinen Beruf geliebt. Zum anderen ist sie eine Organisation, welche aktiv nach meinen schlimmsten Befürchtungen sucht und dabei nicht merkt, dass sie die Menschheit ans Messer liefert.
“Dr. Hensley?”
“Äh, ja?”
“Hören Sie mir denn noch zu?”, fragt Nease schüchtern.
“Natürlich, ich, äh.., ich hab gerade nur über Ihr Jobangebot nachgedacht.”
“Und sind Sie bereits zu einem Ergebnis gekommen?”
“Noch nicht. Bitte Nease, ich verstehe, worauf sie mit Ihrer Ansprache hinaus wollen. Und ich versichere Ihnen, ich werden niemanden auch nur ein Wort erzählen. Sie haben ja meine Unterschrift…”
“Dann hoffen wir, dass es so bleibt”, sagt Nease gelassen.
“Wie geht es jetzt eigentlich weiter? Sind noch andere Marsmissionen geplant? Auch jetzt, nachdem die Solas einen Zwischenfall hatte?”, frage ich nach einer halben Ewigkeit blanken Schweigens. In Wirklichkeit werden es keine dreißig Sekunden gewesen sein, doch die Anspannung in der Luft, nachdem die Aufnahme abgespielt wurde, ist noch nicht verflogen. In den Gesichtern der arbeitenden Personen sehe ich die schiere Verzweiflung. Sie haben die Solas gebaut, sie haben die Leute ausgesucht, die jetzt mit großer Wahrscheinlichkeit tot sind, sie haben den Funkspruch empfangen und konnten ihnen nicht helfen, sie sind einfach nur dagesessen und haben die Nachricht empfangen. Sie sind schuld daran, dass diese neunzig Menschen nun tot sind. Nur sie, niemand sonst, keine Regierung, keine andere Organisation, keine Privatperson. Nur sie…
“Die Arbeiten an der Atlas laufen derzeit auf Hochtouren. Wenn alles glatt läuft, können wir in einem halben Jahr bereits wieder Menschen ins All schicken, vorausgesetzt, der Senat verbietet es uns nicht, da die Solas ja zumindest offiziell technische Mängel hatte.”
“Und was, wenn er es verbietet?”
“Dann wird sich der Start noch mal um ein paar Monate verzögern. Aber wir werden die Atlas spätestens nächstes Jahr losschicken, das versichere ich Ihnen!”
“Haben Sie keine Angst, dass auf der Atlas dasselbe passieren könnte? Irgendetwas muss ja auf diesem Schiff gewütet haben. Irgendetwas hat diese Leute umgebracht, ist Amok gelaufen. Und Sie wissen nicht, was. Alles, was Sie sagen können ist, dass sich ein Objekt der Solas genähert hat, und das war es auch schon. Kein Hinweis auf eine außerirdische Lebensform, kein Hinweis auf psychische Probleme auf so engem..”
“Dr. Hensley! Alle dieser Astronauten wurden vor dem Abflug trainiert und haben diverse Untersuchungen vollziehen müssen, sowohl physische, als auch psychische”, unterbricht mich Nease. “Wenn auch nur einer von ihnen nicht mit der Enge der Solas zurecht gekommen wäre, hätten wir es bereits Monate zuvor festgestellt.”
“Aber irgendetwas muss es ja gewesen sein, das Chaos und Tod auf der Solas gestreut hat. Was war es also?”, frage ich schroff. Meine Stimmlage wird immer wütender, obwohl sich in mir selbst eine Angst entwickelt, die ich auf diese Art nur ein einziges mal in meinem ganzen Leben gespürt habe. Die Angst davor, dass durch meine Fehler das Leben anderer eine drastische Wendung nimmt und sich zum Schlechten verändert. Ich versinke in Gedanken. Vor meinen Augen erscheint Paul mit diesem schmerzverzerrtem Gesichtsausdruck. Dieser Gesichtsausdruck ist das letzte Bild, das ich von ihm gesehen habe. Alle anderen Erinnerungen stammen aus einer Zeit, in der die Welt noch in Ordnung war. Als er noch lebte, bevor ihm dieser Irre eine Kugel durch den Bauch gejagt hat. Dieser Gesichtsausdruck hat sich mir dermaßen tief ins Gedächtnis gebrannt, dass ich teilweise nachts schweißgebadet aufwache und an nichts anderes denken kann als an ihn. In der Zeit nach seiner Beerdigung war es besonders schlimm. Es gab keine einzige Nacht, in der ich durchschlafen konnte. Zu frisch war die Erinnerung an dieses grausame Ereignis und sein selbstloses Opfer, das er erbracht hat. Ohne ihn wären Neil und ich jetzt vielleicht ebenfalls tot. Ich hätte es zweifellos verdient, so war es doch meine Schuld, dass er erschossen wurde. Aber Neil? Neil konnte rein gar nichts dafür. Er war komplett unschuldig. Die einzige Person, die schuld daran ist, bin ich. Nur ich und dieser Verrückte. Nein, es war nur der Verrückte. Er hat uns mit der Waffe bedroht und daraufhin Paul erschossen. Aber es wäre nie so weit gekommen, wäre ich nicht dabei gewesen. Es ist meine Schuld. Aber was hätte ich tun sollen? Hätte ich diese Schmach einfach über mich ergehen lassen sollen? Nein, das konnte ich nicht. Dazu hatte ich nicht die Kraft, diesen Terror auch nur einen Tag länger zu überstehen. Ich musste es einfach tun.

“Mum!”
Neils Ruf versetzt mich wieder in die Gegenwart.
“Hey, Kleiner! Na, gefällt es Dir hier?”, fragt Nease. Ich habe gar nicht bemerkt, dass bereits eine Stunde vergangen war, seitdem er Neil auf eine Runde über das Gelände geschickt hatte.
“Ja! Echt cool!”, kommt seine Antwort.
“Dr. Hensley. Wir würden Sie nun, wenn es Ihnen recht ist, wieder nach Hause fahren? Ihre Unterschrift haben wir ja”, fährt Nease dazwischen.
“Sehr gerne. Und wegen Ihres Angebots… Ich denke weiter darüber nach!”
“Tun Sie das! Und treffen Sie die richtige Entscheidung!”
“Werde ich tun.”
Nease begleitet uns noch mit auf den riesigen Hof, wo wir in einen schwarzen SUV einsteigen, der uns nach Hause bringt. Auf der Rückfahrt erzählt mir Neil von den Dingen, die er während seiner Tour durch das NASA-Gelände gesehen hat. Am meisten beeindruckt war er von dem Modell der Raumstationen Solas und Atlas.
“Ich will auch mal mit so einer mitfliegen!”
“Wirst du irgendwann, wenn du darauf hinarbeitest! Da bin ich mir ganz sicher!”
“Wann wird eigentlich die Atlas hochgeschickt? Mit der will ich mitfliegen!”
“Moment mal! Dazu muss ich erstmal mein Einverständnis geben.”
“Das tust du doch, oder?”
“Mal sehen.” Ich weiß jetzt bereits, dass ich ihm diese Einverständniserklärung nur unter extremen Bedingungen geben werde. Und selbst da nur ungern.
Den Rest der Fahrt erzählt er mir, wie toll es doch bei der NASA ist und dass ich das Angebot unbedingt annehmen solle. Ich höre gar nicht so richtig zu, sondern denke über das Angebot nach. Ich bin in einem Zwiespalt. Mein Kopf sagt “Halte dich von der NASA fern, das bringt nur Unglück”, während mein Bauch sagt “Hey, nimm den Job an. Sonst schnappt ihn sich irgendein billiger Möchtegern-Biologe!”.

Am nächsten Morgen rufe ich bei Nease an und teile ihm mit, dass ich sein Angebot annehme.






Angst. Ich habe Angst. Angst vor dem Versagen, sowohl bei der Arbeit, als auch als Mutter. Angst vor dem Verlust. Angst vor dem Tod. Angst vor der NASA. Ja, sogar Angst vor mir selbst.
Wieso habe ich dieses Angebot angenommen? Klar, Neil und ich müssen uns jetzt keine Sorgen machen, so war es aber zuvor auch schon. Nein, ich frage mich, wieso ich so dumm war und meine Prinzipien verraten habe, obwohl ich doch aufgrund dieser überhaupt erst mein damaliges Arbeitsverhältnis bei der NASA gekündigt hatte. Wieso war ich so blauäugig und habe dieses Angebot angenommen? War es die Verlockung des Abenteuers? Mein Forscherdrang? Oder hatte ich doch unbewusst gehofft, ich könnte etwas gegen die außerirdische Bedrohung unternehmen? War es das? War ich so naiv zu glauben, eine einfache Biologin wie ich könnte etwas daran ändern? Diese Hoffnung war voreilig und dumm. Und jetzt sitze ich hier in einem lichtdurchfluteten Labor mit einem riesigen Tisch vor mir, auf dem sich diverse Pflanzen und Chemikalien befinden und auf dem ich meine Experimente durchführen soll. Einige Wochen vor meiner Kündigung habe ich eine Entdeckung gemacht, die es so noch nicht gegeben hat. Ich konnte beweisen, dass es Organismen gibt, Bärtierchen genannt, die trotz des Vakuums, der lebensfeindlichen Temperaturen und vor allem der kosmischen Strahlung einen zehntägigen Aufenthalt im Weltall unbeschadet überlebt haben. Dazu haben sie den Stoffwechsel eingestellt und sich zu tonnenförmigen Gebilden einschrumpft. Sobald sie aber wieder in normalen Bedingungen waren, dauerte es keine halbe Stunde, bis sie wieder ganz normal am Leben waren. Wie sie es geschafft haben, trotz der unmöglichen Verhältnisse zu überleben, ist meinen Forscherkollegen und mir aber immer noch ein Rätsel. Ein Mensch im Vergleich überlebt maximal 30 Sekunden im Vakuum.
Nach meiner Kündigung hat man einen Biologen daran gesetzt, der gerade erst sein Studium abgeschlossen hatte. Seine einzige Erkenntnis in den zwei Jahren war, dass man mit viel Druck eben jene Organismen töten konnte. Das war’s. Nichts weiter. Dafür hätte ich nicht mal ein Experiment benötigt, das wusste ich auch so. Kein Organismus überlebt es, wenn mehrere Tonnen auf ihm lasten, da können die Lebewesen noch so robust sein. Tot. Einfach tot. Zerquetscht, platt gemacht, zerdrückt, zerstampft.
Und für dieses Ergebnis benötigt ein von der NASA angestellter Biologe viele Monate. Der Typ ist eine Lachnummer, ich bin froh, dass er an ein anderes Projekt gesetzt wurde, so muss ich nicht mit ihm zusammenarbeiten.
Die nächsten Wochen vergehen wie im Flug. Neil und ich haben uns in der Wohnung, die die NASA uns bereit gestellt hat, gut eingelebt, Neil hat sogar wieder einige Freunde von damals getroffen. Aber er hat sich verändert. Der Tod seines Vaters und die darauffolgende Isolation haben ihn sehr mitgenommen. Mittlerweile sehe ich es als Fehler, dass ich mich nach Pauls Tod so sehr zurückgezogen habe, Neil aus seinem gewohnten Umfeld gerissen und aufs Land gezogen habe, wo er niemanden kannte. In der Stadt hätte er diesen Schicksalsschlag sicher gut verarbeiten können, da er seine Freunde gehabt und sich bis auf das Fehlen eines ihm sehr nahestehenden Menschen nichts verändert hätte. Aber draußen auf dem Land? Er hatte niemanden außer mich, mit dem er über seine Ängste, Sorgen und Wünsche hätte sprechen können, dem er sich anvertrauen hätte können, wenn er etwas besprechen möchte, ohne dass ich davon höre.
Nein. Es war ein Fehler. Ein großer Fehler. Und diesen Fehler kann ich niemals mehr berichtigen. Aber der erneute Umzug nach Washington war sicher ein Schritt in die richtige Richtung, wenn nicht für mich, dann wenigstens für Neil.

Eines Tages, es waren mittlerweile sechs Wochen vergangen, seit ich meinen ehemaligen Arbeitsplatz wieder angenommen habe, kommt Nease in Begleitung eines anderen Biologen, der mir noch von früher her bekannt vorkommt, zu mir.
“Na, haben Sie sich gut eingearbeitet?”, fragt er.
“Ja, ich arbeite wieder an den Bärtierchen.”
“Ich weiß. Deshalb bin ich auch hier. Das ist Dr. Miller, er wird beim nächsten Flug zum Mars der Wissenschaftsoffizier auf der Atlas sein.”
“Freut mich, Sie wiederzusehen, Dr. Hensley!”, sagt Miller und streckt mir die Hand aus. Ich greife zu und schüttle sie.
“Mich auch. Ich weiß nicht wieso, aber irgendwie hab’ ich dieses Labor vermisst”, lüge ich dreist.
“Das glaube ich Ihnen”, antwortet Nease. Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, er hat mir diese Lüge abgekauft. “Wir sind ebenfalls froh, Sie wieder dabei zu haben. Ihre Erkenntnis mit den Bärtierchen war phänomenal! Noch nie zuvor wurde ein Organismus ins All geschickt und hat den Ausflug unbeschadet überlebt. Aber das wissen Sie ja besser.”
“Und um die Hintergründe besser erforschen zu können, haben wir beschlossen, auch auf der Atlas an den Bärtierchen zu forschen. Vielleicht gelingt es uns ja, Überlebenstaktiken festzustellen und irgendwie für uns selbst nutzen zu können”, fügt Miller hinzu.
“Genau. Und deshalb wird Miller das nächste halbe Jahr mit Ihnen zusammenarbeiten, dass er dann auf der Atlas und dann auf dem Mars in den realen Bedingungen arbeiten kann, während Sie hier am Boden weiter forschen”, sagt Nease.
“Oh, ja gut. Ich kann hier immer Hilfe gebrauchen. Das freut mich”, antworte ich verlegen.
“Dann ist es ja gut”, meint Nease. “Dann fangen Sie am besten gleich an und bringen Dr. Miller auf den aktuellen Stand!”
Verdammt. Ich hab die Stelle gerade erst angenommen und nun soll ich mit jemandem zusammenarbeiten, der dann bei den Versuchen im All und auf dem Mars die großen Fortschritte macht, während es hier unten auf der Erde kaum vorangeht? Wahrscheinlich werden die mich eh nach einigen Wochen an ein anderes Projekt setzen und MEINE Bärtierchen, MEINE Entdeckung fällt so einem Quacksalber einfach so in die Hände? Nein! Das werde ich nicht zulassen! Ich muss etwas unternehmen.
Oh Gott. So kenne ich mich gar nicht. Wie konnte ich so etwas nur denken? Dieser Hass, den ich gerade von mir gegeben habe… Das war nicht ich selbst. Ich bin keine hasserfüllte Person. Nein! Miller wird den Platz übernehmen und ich suche mir etwas anderes. So einfach. Ich werde schon wieder etwas finden, daran zweifle ich überhaupt nicht.
“Alles in Ordnung, Dr. Hensley?”, fragt Miller, nachdem Nease gegangen war.
“Nennen Sie mich Laura.”
“Gerne. Ich bin Ronald.”
“Freut mich.”
Wir schütteln einander erneut die Hand. Ich zittere wie am Spieß.
“Ist wirklich alles in Ordnung?”, fragt Miller erneut.
Beinahe hätte ich ihm geantwortet
Natürlich ist nicht alles in Ordnung, Arschloch! Ich arbeite jahrelang an den Bärtierchen und du nimmst sie mir weg.
stattdessen sage ich leise:
“Ja. Es ist nur so, dass immer wieder alte Erinnerungen hochkommen und ich einfach damit fertig werden muss.”
Angst. Ich habe Angst. Nicht vor dem Verlust der Bärtierchen, sondern vor mir selbst. Nach Pauls Tod habe ich alles in mich aufgenommen, ohne Trauerbewältigung zu betreiben. Ich dachte, ich würde gut damit zurecht kommen, aber jetzt scheint sich mein Geist dafür zu rächen. Ich fühle in mir eine gewisse Aggression, wie ich sie noch nie zuvor gespürt habe. Kann ich meinen eigenen Gedanken noch trauen? Wird es mir alles zu viel? Die Übertragung der Solas, der Umzug nach DC, die Bärtierchen? Ich muss mich gegen diesen Hass wehren. Ich muss mich gegen mich selbst wehren. Ich kann nicht zulassen, dass diese Gedanken mich heimsuchen. Nein, das kann ich nicht, das darf ich nicht.
Wie es Neil wohl damit geht? Wir haben zwar öfter darüber gesprochen, aber manchmal habe ich das Gefühl, er würde mich abblitzen lassen. Hat er auch diese Probleme? Oder hat er den Verlust besser überstanden als ich?
Dieser Verlust hat unser aller Leben verändert. Wie ein klitzekleiner Wimpernschlag doch so massive Auswirkungen haben kann. Was wäre gewesen, wenn wir an jenem Tag einen anderen Weg genommen hätten? Paul würde noch leben, Neil wäre viel lebensfroher und bei den Bärtierchen wäre ich auch schon viel weiter, vielleicht hätte ich ihr Geheimnis sogar bereits gelöst. Am wichtigsten wäre aber, dass wir eine Familie wären, eine Familie, die am Wochenende einen gemeinsamen Ausflug macht oder im Sommer in den Urlaub fliegt. All das geht jetzt nicht mehr.
Der Tod verändert das ganze Leben, nicht nur bei sich selbst, sondern auch bei den Menschen, die um einen herum stehen. Niemand kann vor ihm entkommen und niemand kann sich ihm stellen. Irgendwann müssen wir alle sterben, die einzige Frage, die übrig bleibt, ist wann. Wann werde ich sterben? Werde ich Einfluss darauf haben können oder passiert alles so plötzlich?
Aber noch bin ich am Leben. Noch muss ich mich nicht mit meinem Tod herumschlagen, sondern kann mich vollkommen auf mich und die Menschen um mich herum konzentrieren.
“Also Laura, was ist Ihre These, wie die Bärtierchen im Weltall überleben?”, fragt Miller.
“Wissen Sie,
Arschloch
Ronald, die Bärtierchen sind hochkomplex. Sie können Ihren Stoffwechsel auf Null herabsetzen, und trotzdem überleben. Ich hab zwar meine Vermutungen, wie sie es schaffen, ohne dabei zu
verrecken
sterben, aber ich muss erst noch einige Experimente durchführen, bevor ich diese mit gutem Gewissen aussprechen kann.
Versuch’s halt selbst rauszufinden, du Wichser!
Sie können ja selbst ein bisschen mit ihnen experimentieren, wenn Sie wollen.”
Angst. Ich habe Angst. Angst vor mir selbst. Angst vor meinen Aggressionen. Angst davor, eines Tages etwas tun zu können, was ich später bereuen werde. Angst um Neil.



Tod. Er ist allgegenwärtig. Er ist das Natürlichste überhaupt. Er ist endgültig. Von einem Moment auf den anderen ist es vorbei. All die Erlebnisse, all die Geschichten, all die Augenblicke sind für immer verloren in der ewigen Dunkelheit des Nichts. Niemand entkommt ihm, niemand hat ihn je besiegt. Und er wird jeden Menschen eines Tages betreffen. Sei es der eigene Tod oder der einer nahestehenden Person. Zweiteres scheint mich zu verfolgen. Erst der Tod meiner Eltern und meines Bruders, zusammen mit Frau und Kindern vor fünf Jahren, die bei einer Gasexplosion an Weihnachten ums Leben kamen, dann Pauls Tod und jetzt auch noch Ronald? Zugegebenermaßen, er war nicht gerade ein Freund von mir, aber wir haben uns in den letzten vier Monaten, die wir zusammen gearbeitet haben, doch gut verstanden.
Das Schlimme dabei ist: Er wurde eiskalt im Schlaf ermordet. Irgendein Monster hat sich in der Nacht Zutritt zu seinem Apartment verschafft und ihn mit einer Pistole erschossen. Der Mörder hat noch nicht einmal etwas mitgehen lassen, alles ist an seinem Platz. Vom Täter fehlt jede Spur.
Erst am Abend zuvor haben wir eine Entdeckung gemacht und gefeiert.
“Morgen, Lena, wird die ganze Welt über die Bärtierchen staunen!”, hat er zu mir mit merklich hohem Blutalkohol gesagt. “Morgen sind wir Stars!”
Am nächsten Morgen war er kein Star. Er war tot. Und ich? Ich habe mich dazu entschieden, die Entdeckung vorerst für mich zu behalten. Ich werde warten, bis der Zeitpunkt günstig ist und dann an die Öffentlichkeit gehen. Vielleicht bei der Trauerfeier, vielleicht aber auch erst in ein paar Jahren. Aber was bedeutet dieser Tod jetzt für mich? Ich werde vorerst wieder alleine forschen müssen, aber ich wusste eh, dass dies früher oder später geschehen wird, denn immerhin hat Ronald nur mit mir zusammengearbeitet, dass er auf der Atlas, die in drei Monaten starten wird, weiterforschen kann. Danach wäre ich eh wieder alleine gewesen.
Alleine…
Die Temperatur im Labor, in dem ich gerade sitze, nimmt gefühlt mit jeder Sekunde ab. Die Geräusche aus dem Gang klingen so, als wären sie meilenweit entfernt. Obwohl ich nicht alleine bin, fühle ich mich doch so einsam wie seit Pauls Tod nicht mehr. Diese Einsamkeit ist ein Gefühl, das ich einerseits zu lieben gelernt habe, andererseits auch hasse. Wobei dieser Hass, verglichen mit der Angst, die Neil davor hat, allein gelassen zu werden, lächerlich wirkt. Als er in der zweiten Klasse war, sind Paul und ich für zwei Nächte nach New York geflogen, während Neil bei einem Freund untergebracht war. Als wir ihn wieder abgeholt haben, sah er komplett übermüdet aus und die Mutter seines Freundes hat uns erzählt, dass Neil derartige Angst davor hatte, allein gelassen zu werden, dass er kein Auge zumachen konnte.
“Frau Hensley? Alles in Ordnung?”
Nease sitzt neben mir. Wie lange schon? Es kam mir vor wie eine halbe Ewigkeit, seitdem er mir die Todesnachricht überbracht hatte.
“Ja… Ich… Ich musste gerade… musste gerade an Pauls Tod denken.” Lüge! Komm, sag ihm die Wahrheit! Wir wissen doch, was du erreichen willst!
Ich weiß es nicht. Ich will gar nichts erreichen! Ich will einfach nur in Ruhe mein Leben leben und Neil groß ziehen!
“Es tut mir leid, wenn Ronalds Tod alte Erinnerungen wachgerufen hat. Sie scheinen aber auch echt von Schicksalsschlägen verfolgt zu werden…”, antwortet er.
“Darum geht es gar nicht. Ich kann es einfach nicht fassen, dass ein Mensch zu so etwas Grausamen wie Mord fähig ist!”
Schon wieder gelogen! Du würdest Pauls Mörder ja selbst am liebsten den Kopf abschlagen!
Verdammt! Seitdem ich den Job bei der NASA angenommen habe, denke ich Dinge, die ich davor nicht für möglich gehalten hätte! Ich habe einen Hass entwickelt, der überhaupt nicht zu meinem Wesen passt!
“Wie geht es jetzt mit den Bärtierchen weiter?”, fragt Nease.
Genau! Wie geht es jetzt weiter?
“Ich weiß es nicht. Schätze mal, dass ich ab sofort wieder alleine weiterforsche...”
In diesem Augenblick klingelt Neases Handy.
“Entschuldigen Sie mich bitte!”
Er verlässt den Raum und schließt die Türe hinter sich. Ich höre seine leere Stimme reden, aber den Inhalt verstehe ich nicht. In diesem Moment verspüre ich ein Schauern, das mir eiskalt den Rücken hinunter läuft. Ich habe dieses Gefühl, dass der Anruf über mich handelt, dass er mein ganzes Leben durcheinander werfen könnte. Woher ich das Gefühl habe? Keine Ahnung. Manchmal meint man eben Dinge zu wissen, ohne sie wirklich wissen zu können.
Diese Vorahnung wurde bereits vielfach in fiktiven Werken aufgegriffen, aber irgendetwas muss dran sein… Es gibt so viele Dinge, die wir Menschen nicht verstehen und auch niemals verstehen werden. Für viele Dinge ist unser Gehirn einfach nicht leistungsfähig genug. Wir Menschen sind schwach und dumm. Es braucht nur eine intelligentere Spezies und wir wären am Ende. Wenn eines Tages Außerirdische auf die Erde kommen, wäre es ein Leichtes für sie, uns zu versklaven, ohne dass wir es überhaupt mitbekommen würden. Wir würden für sie schuften und uns sagen ‘Wir tun alles für uns selbst’. Vielleicht würden wir nicht mal etwas von der Existenz dieser Aliens merken…
Die monotone Stimme von Nease hebt sich noch einmal kurz und verstummt dann. Daraufhin betritt er wieder den Raum und setzt sich auf den mir gegenüber stehenden Stuhl.
“Frau Hensley, ich muss Sie um etwas bitten… Der NASA ist das Thema Bärtierchen sehr wichtig, vielleicht können wir ja eines Tages das Geheimnis der kleinen Wesen für uns Menschen nutzen. Und dafür…”
Er stützt sein Gesicht auf seine Hände,
“Dafür wär’ es gut, wenn man die Bärtierchen auf der Atlas weiter erforschen würde…”
Ja, du hast ihn soweit!
“Was wollen Sie damit sagen?”, frage ich überrascht.
“Wir… Wir bräuchten Sie dort oben im Weltall…”
YES! Geht doch!
“Moment? Sie wollen, dass ich mit der Atlas mit fliege? Ist das Ihr Ernst?”
“Wir haben leider niemanden, der sich mit den Bärtierchen so gut auskennt wie Sie.”
Sag ja! Sag ja! Sag ja!
“Mal angenommen, ich würde zustimmen… Was wäre dann mit Neil?”
“Wenn er will und Sie sind einverstanden, kann er auch mit fliegen, sofern er die dafür notwendigen Tests besteht.. Oder aber, er wird zu einer Pflegefamilie kommen, die ihn groß zieht.”
Ich merke, wie mir langsam die Tränen kommen.
“Lassen Sie mich bitte mit ihm darüber sprechen!”
“Natürlich, aber bitte geben Sie mir so schnell wie möglich Bescheid…”
“Das mache ich. Versprochen!”
In dem Moment, als die Türe hinter Nease ins Schloss fällt, kann ich meine Tränen nicht zurückhalten. Ich kann mir nicht vorstellen von Neil, dem einzigen hellen Licht in meinem Leben, getrennt zu werden. Ich wäre mehr als 50 Millionen Kilometern von ihm entfernt. Ich würde nicht miterleben, wie er aufwächst, seinen Schulabschluss macht, die Liebe seines Lebens findet, vielleicht sogar Kinder…
Stopp! Ich will mir gar nicht ausmalen, was ich alles verpassen könnte. Das würde mich nur langsam in den Wahnsinn treiben. Und das wäre für niemanden von Vorteil.

“Aber was soll man von einem Gott halten, der von einem Menschen das Wertvollste verlangt, das es in dessen Leben gibt? Für uns Menschen mag es grausam erscheinen, aber sind es nicht wir Menschen selbst, die wahrlich grausam sind?”
Der Straßenprediger sieht sich in der Menge um. Obwohl ich mich in einiger Entfernung zu ihm befinde, kreuzen sich doch einige Male unsere Blicke.
“Wir sind es, die für das wahre Leid auf der Welt verantwortlich sind. Wir Menschen sind unser eigener, größter Feind.”
Obwohl ich normalerweise nichts von diesen religiösen Quacksalbern halte, so muss ich doch zugeben, dass er nicht gerade Unrecht hat.
“Der Hass, der sich mittlerweile in unserer Gesellschaft fest verankert hat, sei es auf Menschen anderer Herkunft, anderer Religion oder eines anderen Gedankenguts, wird eines Tages noch zum Untergang unserer ganzen Spezies führen. Gott liebt uns, aber wenn wir uns nicht gegenseitig lieben, ist Gottes Liebe vergeben. Darum bitte ich Euch, meine Schwestern und Brüder, lasst uns Abrahams Opfer nicht auf unsere aktuelle Zeit übertragen, denn dieses Mal wird es niemanden geben, der Abraham davon abhalten wird, seinen Sohn Isaak zu töten. Dieses Mal wird uns niemand davon abhalten können, dass wir der Menschheit selbst den Dolch in den Rücken stoßen. Denn wenn die Bomben fallen wie Wassertropfen im Regen, wenn das letzte Tier abgeschlachtet und die letzte Stadt verwüstet ist, dann werden wir merken, wie wenig wir von grenzenlosem Hass haben.”
Die Menge jubelt laut auf und applaudiert. Mir wird es langsam zu viel. Ich will mich gerade abwenden, als der Prediger Worte in den Mund nimmt, die mir das Blut in den Adern gefrieren lassen.
“Lasst uns in der Familie beginnen, langsam die Liebe zu verbreiten. Wir dürfen uns niemals von unseren Geliebten abwenden! Denn ohne die sichere Geborgenheit innerhalb des Familienbundes irren wir ziellos durch das Leben, ohne einen Ort zu haben, an dem man zurückkehren kann, wenn man sich auf einem persönlichen Tiefpunkt befindet.”
Aus! Genug! Das reicht!
Ich eile nach Hause, in Gedanken sehe ich Neil vor mir, wie er in Cape Canaveral auf der Zuschauertribüne sitzt, von vielen Menschen umgeben, und doch mutterseelen allein, während ich in dem riesigen Ungetüm aus Stahl sitze, und für immer die Erde verlasse, und ihn für immer verlasse.

Zuhause angekommen blicke ich in Neils vor Freude strahlenden Augen, als ich ihn frage, ob er mitfliegen wollen würde. Die Antwort war mir von vornherein klar. Neil würde alles tun, um auch einen Platz auf der Atlas zu bekommen.
Verdammt! Ich werde mitfliegen, so viel steht mittlerweile fest, obwohl ich nicht einmal richtig darüber nachgedacht habe. Aber soll ich Neil mitnehmen? Soll ich riskieren, dass auch er womöglich bei einem Unglück, welches man nie ausschließen kann, ums Leben kommt? Oder soll ich seine restliche Kindheit zerstören, indem ich ihn alleine zurücklasse?
Je länger ich über dieses Dilemma nachdenke, desto schwieriger wird es, die richtige Entscheidung zu treffen…
Als Neil zu Bett gegangen ist greife ich zum Telefon und rufe Nease an.
“Und? Haben Sie sich entschieden?”, fragt er, sobald er den Hörer abgenommen hat.
“Ja. Ich werde mitfliegen.”
“Und Ihr Sohn?”
“Neil kommt mit”, antworte ich zögernd.
“Na also. Glauben Sie mir, das war die richtige Entscheidung.”
“Wir werden sehen…”
“Ach ja, noch etwas. Ich konnte für Sie den Posten des Wissenschaftsoffiziers rausschlagen. Sobald irgendetwas komisch auf Sie wirkt, können Sie Ihr Veto einlegen”, meint er sichtlich erleichtert.
“Sind Sie sicher, dass ich für den Posten qualifiziert bin?”
“Wer, wenn nicht Sie? Niemand auf der Atlas hat eine derartige Ausbildung, sowohl in Biologie als auch der Medizin.”
“Na dann…”, erwidere ich mit gekünsteltem Lächeln.
“Kommen Sie einfach morgen Vormittag mit Ihrem Sohn vorbei, dann werden wir die Einzelheiten regeln.”

Das war’s also. Dieses kurze Gespräch wird mein Leben so drastisch verändert haben wie kaum ein anderes. Ab jetzt wird sich alles ändern in Neils und meinem Leben. Wir werden unter den ersten Kolonisten auf dem Mars sein. Wir werden Monate auf einer riesigen Raumstation sein, die mit einem Affenzahn durch die ewige Leere des Weltalls rast und sich trotzdem im Vergleich zum gesamten Weg nur extrem langsam bewegt. Wir werden uns von allem, was wir hier auf der Erde aufgebaut haben, verabschieden müssen. Ja, wir werden die Erde wahrscheinlich nie wieder zu Gesicht bekommen.
Mir graust es vor dem Gedanken, dass ich mit großer Wahrscheinlichkeit auf einem anderen Planeten verenden werde. Ich werde in der kommenden Zeit viele Tode sterben, sei es beim Verabschieden von Freunden und Bekannten oder beim Verkaufen meines sämtlichen Eigentums.
Oh Gott, wieso habe ich das getan? War das wirklich ich? Es kommt mir so vor, als hätte eine ganz andere Person durch mich gesprochen, als ich mit Nease telefoniert habe. Aber das war ich. Ich ganz allein, und niemand anderes. Wie sollte das auch funktionieren?
Ich öffne die Tür zum Balkon und setze mich auf den Plastikstuhl. Durch meine Nase strömt die kalte Luft der Nacht. Die Geräusche der Stadt durchdringen meinen Körper. Zum ersten Mal in meinem Leben bin ich mir derart bewusst, wie sehr ich doch diesen Planeten liebe. Es ist zwar manchmal grausam, auf dieser Welt zu wohnen, aber die schönen Dinge übertrumpfen doch die schlechten.
Es war die richtige Entscheidung. Doch, dem bin ich mir sicher. Aber war es richtig, Neil auf diesen Höllentrip mitzunehmen? Um ehrlich zu sein, ich weiß es nicht.

Dunkelheit. Ich werde umschlungen von undurchdringlicher Dunkelheit. Das nervige Piepsen meines Raumanzugs, welches mich vor einem niedrigen Sauerstoffgehalt warnen soll, klingt, als wäre es meilenweit entfernt. Kondenswasser, welches wohl meines Atems entspringt, sammelt sich an dem Glas vor meinem Gesicht. Die Schwerelosigkeit lässt mich ziellos und beständig in dieselbe Richtung gleiten, immer weiter weg von einem kleinen, hellen Punkt irgendwo draußen im All. Langsam verwandelt sich das Piepen in einen durchgehend pfeifenden Ton. Der Sauerstoff ist verbraucht, alles, was mir jetzt noch bleibt, ist in meinen Anzug gepumpt worden. Aber es wird mir nichts nützen, denn in alle Richtungen ist nur die ewige Leere, nur darauf wartend, mich zu verschlingen wie ein Raubtier, das darauf wartet, dass seine Beute vor Erschöpfung zusammenbricht. Niemand wird mir jetzt noch helfen können, nur der bittersüße Tod. Während ich mich für das Sterben bereit mache, gleitet mein Leben an mir vorbei, der Moment meiner Geburt, die Schule, das Studium, Pauls und meine Hochzeit, Neils Geburt, Pauls Tod, der Anruf an Nease und dann… vieles, und doch nichts. Ich kann nicht erkennen, was es sein soll, es sieht für mich aus wie ein Gemisch aus Schwarz und Weiß, farblos und ohne Struktur.
Meine Brust beginnt vor Panik nach Luft zu schnappen, während mein Geist die Ruhe selbst ist. Ich habe abgeschlossen, bin bereit, mich meinem Schicksal zu stellen. Mein Schicksal. Wie wird es aussehen? Ich werde es bald wissen…
Langsam merke ich, wie mein Körper immer schwächer wird, bis ich die Kontrolle über ihn verliere. Ich höre meinen Herzschlag in meinen Ohren pochen, wie er immer langsamer wird. Wie ein Querschnittsgelähmter schwebe ich durch das Nichts, egal wie sehr ich es auch versuche, mich zu bewegen. Ich gleite hinaus in diese ewige Dunkelheit. Und nach einer kurzen Zeit beginnen sich meine Augen langsam zu schließen…

Nur, um sich plötzlich wieder zu öffnen. Anstatt Dunkelheit sehe ich grelles, orangerotes Licht, das sich seinen Weg über die Silhouetten einer urbanen Großstadtgegend bahnt. Ich versuche, meine Extremitäten zu bewegen und es funktioniert. Ich halte meine Hand vor mein Gesicht, um meine Augen vor dem Licht zu schützen. Dann blicke ich mich um. Ich sitze immer noch in dem hässlichen Plastikstuhl auf meinem Balkon. Ich muss wohl eingeschlafen sein… Um wach zu werden, strecke ich mich und versuche, aufzustehen. Es gelingt, aber währenddessen erblicke ich etwas, das mich fassungslos macht. Zu meinen Füßen liegen zwei Zigarettenstummel mit Ascheresten darum verstreut. Woher kommen die? Ich habe schon seit Neils Geburt nicht mehr geraucht. Paul war notorischer Raucher, aber mich haben Zigaretten schon seit langer Zeit angeekelt.
Meine Füße kicken die Überreste der Schande vom Balkon und ich gehe nach drinnen.

“Ich hoffe, dass es die richtige Entscheidung war…”, antworte ich auf Neases Frage, ob ich mir sicher sei, dass es für Neil die beste Entscheidung war.
“Das glaube ich schon. So wie ich es sehe, hängen Sie beide sehr aneinander. Da wäre es für beide sehr schwer, Abschied voneinander zu nehmen.”
“Natürlich flieg’ ich mit! Mum würde mich doch nie alleine lassen!” Neil blickt mich mit herausforderndem Blick an.
Er weiß es. Er weiß, dass ich ihn womöglich zurückgelassen hätte. Das wird er mir nie verzeihen. Verdammt.
“Das weiß ich doch!”, antwortet Nease. “Die Frage ist aber, ob du auch die ganzen Tests der NASA bestehst. Genauso wie bei deiner Mutter.”
“Welche Tests?”, Neil blickt nun Nease mit dem selben, herausforderndem Blick an.
“Wir müssen überprüfen, ob dein Körper auch den extrem gefährlichen Voraussetzungen im All und auf dem Mars standhält. Nicht dass du uns mitten im Flug zusammenklappst, weil du nicht mit der künstlichen Schwerelosigkeit zurecht kommst.“
“Das pack’ ich schon!”, antwortet Neil selbstsicher.
“Na, dann dürften die Tests ja kein Problem werden, Kleiner!”
Insgeheim hoffe ich darauf, dass Neil die Tests nicht besteht, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass ich mich von diesen Gedanken höchstwahrscheinlich bald verabschieden muss. Neil wird bestehen, daran bestehen keinen Zweifel.
“Wollen wir loslegen?”
“Gerne”, antworte ich auf Neases Frage.

Wir werden einer Angestellten der NASA mitgegeben, die uns zu diversen Stationen führt, an denen wir irgendwelche sinnlosen Tests durchführen, so etwas wie mit dem Finger auf die Nase zeigen, Fragen beantworten, wie man in bestimmten Situationen reagieren würde oder auf einer geraden Linie laufen. Dann werden wir einzeln zu einem Arzt geschickt, der sich ein wenig unterhält, ein paar Untersuchungen durchführt und uns danach wieder herausschickt. Anschließend muss sich Neil noch mit einem Psychologen unterhalten. Auf die Nachfrage, wieso er nur mit Neil sprechen will, meint die Angestellte, dass ich ja bereits vor meiner erneuten Einstellung bei der NASA eine psychologische Untersuchung hatte und dass sich diese nicht von der unterscheidet, die die werdenden Kolonisten machen müssen.

Ich habe bestanden. Nease sitzt mir gegenüber, während die Angestellte sich draußen mit Neil beschäftigt und ihm ein wenig über das Leben auf der Raumstation und dem Mars erzählt.
“Was Neil betrifft...Nun, seine Testergebnisse sind allesamt makellos, bis auf eines. Beim Situationstest ist er vollkommen durchgefallen.”
“Heißt das, er darf nicht mit?” frage ich zwiegespalten.
“Eigentlich ja.”
Mir fällt ein Stein vom Herzen. Ich bin so froh dass Neil in Sicherheit bleiben muss. Was habe ich mir dabei nur gedacht, ihm überhaupt zu erlauben, dass er mitfliegen darf?
“Aber, wir wollen mal nicht so sein.” Nease nimmt den Zettel in die Hand, auf dem ein dickes, rotes “ABGELEHNT” steht und setzt darauf einen grünen Stempel mit der Aufschrift “ZUGELASSEN”, zusammen mit seiner Unterschrift.
“Ich kann Sie beide doch nicht trennen! Familien müssen zusammenhalten und Sie beide sind das einzige, was aus Ihrer Familie noch übrig ist.”
Verdammt! Das gibt es doch nicht! Dieser dumme Affe! Warum konnte er sich nicht einmal an die Vorschriften halten? Ich kann nicht zulassen, dass Neil mitfliegt, aber ich kann es ihm auch nicht verbieten. Ich bringe es einfach nicht übers Herz, mich von ihm verabschieden zu müssen. Es ist zu spät. Neil und ich werden eine sehr lange Reise antreten. Und dabei werden wir gemeinsam sein. Wir müssen Hand in Hand durchstehen, was auch geschehen mag. Zusammen werden wir alle Probleme und Gefahren meistern und dabei einander helfen und sich gegenseitig ergänzen. Wir werden es schaffen. Oder nicht?


“Heute in vier Wochen werden wir die größte Reise unseres Lebens antreten. Neil Armstrong sagte, als er als erster Mensch einen Fuß auf den Mond setzte, sein berühmtes Zitat “Es ist nur ein kleiner Schritt für mich, aber ein großer für die Menschheit”. Wenn wir das Ziel unserer Reise erreicht haben, werden wir zwar nicht die ersten sein, die je einen Fuß auf einen fremden Planeten gesetzt haben, aber wir werden als erste Menschen überhaupt den Mars besiedeln.”
Raymond Hall, der Kapitän der Atlas, steht an einem Rednerpult und versucht, die werdenden Kolonisten mit seiner Rede auf die bevorstehende Reise vorzubereiten.
“Aber dieses Unternehmen wäre ohne die vielen Opfer, die die bemannte Raumfahrt in den letzten 75 Jahren gefordert hat, niemals möglich gewesen. Das aktuellste Beispiel sind natürlich die 90 Männer, Frauen und Kinder, die bei der Explosion der Solas, welche eigentlich bereits vor uns den Mars kolonisieren sollte, ums Leben gekommen sind. Ohne sie wären wir niemals so weit wie wir es heute sind. Darum lasst uns nun für einen kurzen Moment der Menschen gedenken, die für den Fortschritt ihr Leben gegeben haben.”
Es herrscht eine trügerische Stille im Saal. Als ich mich umsehe, blicke ich in die Gesichter von Menschen, mit denen ich mir für den Rest meines Daseins einen kleinen Ort irgendwo im unendlichen Universum teilen werde. So viele Leben werden sich in einem Augenblick ändern, so viele Verwandte, Freunde und Bekannte werden auf dem blauen Riesen zurückgelassen, während diese Menschen ein neues Leben im All beginnen, eingepfercht in einer kleinen Kolonie auf einem sonst toten Planeten. Diese Menschen werden die einzigen sein, mit denen ich in den nächsten Jahren Kontakt haben werde. Vielleicht wird eines Tages die Kolonie wachsen und weitere Kolonisten den Mars besiedeln, aber bis es soweit ist, müssen wir eine funktionierende Infrastruktur und angemessene Behausungen errichten, was viele Jahre in Anspruch nehmen kann. Bis es soweit ist, sind wir auf uns allein gestellt und können auf keine Hilfe von der Erde aus hoffen. Was, wenn auf der Reise das Selbe passiert wie auf der Solas? Was, wenn Menschen sterben und wir nichts dagegen tun können? Wir werden entweder allen Gefahren widerstehen, oder glorreich untergehen und sterben…
“Der Tod hat uns diese Menschen genommen, aber ihre Leben haben die vieler anderer Menschen stark beeinflusst. Diese Opfer dürfen nicht umsonst gewesen sein, also lasst uns unsere Mission durchziehen, und lasst uns erfolgreich sein! Wir sind die größte Chance der Menschheit, auf anderen Planeten zu existieren! Gemeinsam schaffen wir das!”
Der Saal tobt, während ich ruhig bleibe. Die Art, wie Captain Hall seine Rede präsentiert hat, klang in meinen Ohren eher wie die Motivationsrede, die Generäle normalerweise vor ihren Soldaten halten, bevor es in die scheinbar unmöglich zu gewinnende Schlacht geht. Aber ist es nicht auch so? Sind wir nicht alle Soldaten, die gegen die lebensbedrohlichen Bedingungen in der Weite des Weltalls kämpfen? Wie wahrscheinlich ist es, dass wir diese Schlacht bestehen? Laut Angaben der NASA ist es sehr unwahrscheinlich, dass die Mission scheitern wird. Aber genau das hieß es auch schon bei der Solas. Und wie das ausgegangen ist, weiß jeder.
Nachdem der Applaus langsam abgeebbt ist, sollen wir uns gegenseitig einander vorstellen. Neil läuft sofort zu einer Gruppe von Kindern, die in etwa in seinem Alter sind.
“Na, auch nicht so wirklich von der ganzen Sache überzeugt?”
Ich drehe mich um und blicke in die misstrauischen, aber freundlichen Augen eines Mannes mit braunen, ungeordneten Haaren und einer schwarzen Ledertasche unter dem Arm. Er stellt sich mir als Dr. William Hopkins vor, einer der Mediziner an Bord der Atlas. Sein Fachgebiet ist die Psychiatrie, erklärt er mir, und dass er unter anderem während des Fluges und danach in der Kolonie dafür zuständig ist, dass niemand “durchdreht”.
“Wissen Sie, wenn so viele Menschen auf so engem Raum untergebracht sind, ist es sehr wahrscheinlich, dass früher oder später jemand Psychosen und andere Symptome psychischer Krankheiten entwickelt, weshalb es sehr wichtig ist, diese zu verhindern, bevor sie entstehen.”
“Und was passiert, wenn man nicht bemerkt, dass ein Mensch eine Krankheit entwickelt und man es erst zu spät feststellt?”, frage ich interessiert.
“Dann muss der Bordjurist als Richter fungieren, und den Patienten in meine Obhut geben. Ich muss dann schauen, wie ich ihm helfen kann.”
“Was bedeutet das, dass der Jurist als Richter fungiert?”, frage ich weiter.
“Normalerweise muss ein Gericht entscheiden, ob ein Mensch in eine Psychiatrie eingewiesen wird. Da es aber auf der Atlas noch kein geltendes Gericht gibt, muss der Jurist diese Funktion ausüben”, antwortet er ruhig.
“Und was dürfen Sie dann alles machen? Dürfen Sie, sagen wir mal, jemanden an ein Bett fesseln?”
“Wenn ich die Unterbringung durch den Bordjuristen bekommen habe, dann darf ich theoretisch auch Patienten fixieren. Allerdings muss es immer die Ultima Ratio sein.”
“Und was denken Sie, inwiefern Sie gebraucht werden?”
“Ich habe die Berichte des Psychologen gesehen, der Sie alle zuvor untersucht hat. Soweit ich es beurteilen kann, dürften auf der Reise keine allzu großen Komplikationen entstehen. Zumindest, was den Geisteszustand der Crewmitglieder angeht. Aber jetzt würde mich mal interessieren, was Ihre Funktion auf der Atlas ist. Sind Sie auch im Medizinbereich? Oder, ne, Sie sehen eher aus wie eine Wissenschaftlerin.”
“Das stimmt. Ich bin Biologin und erforsche aktuell die Fähigkeiten bestimmter Organismen, die im Weltall überleben können, ohne irgendwelche Arten von Schäden davonzutragen.”
“Ach, Sie meinen die Bärtierchen?” Ich blicke ihn erstaunt an. Es kommt nicht oft vor, dass jemand über die kleinen Viecher Bescheid weiß.
“Sie kennen sie?”, frage ich.
“Natürlich! Wer würde denn nicht wissen, was die großen Bärtierchen sind?.”
“Das war Ironie, oder?”
“Ich weiß fast gar nichts über die. Ich hab nur Ihre Akte gelesen.”
Er lacht laut los, ich lache gezwungen mit.
“Das heißt, Sie wissen so ziemlich alles über mich?”, frage ich ihn, nachdem wir unser Lachen eingestellt haben.
“Kann man so sagen, ja.”
“Dann erzählen Sie mal. Was wissen Sie noch so über mich?”
“Abgesehen davon, dass Sie Ihren Mann verloren haben, sehe ich eigentlich nichts, das Ihren Geist beeinträchtigen könnte. Aber ich will hier unter den ganzen Leuten nicht allzu sehr ins Detail ge…”
In diesem Moment wird er von einem torkelnden jungen Mann angerempelt, welcher irgendeine Art von Flüssigkeit aus einem Becher über sein Hemd vergießt.
“Enntschullige bidde, waaar… Keineabsicht!”
Er will Hopkins Hemd mit einem Taschentuch reinigen, scheitert aber kläglich an der Verpackung des Papiertuches.
“Passt schon, Chris. Ich schick dir einfach die Rechnung. Dann kannst du schön während wir auf der Raumstation sitzen, dich auf der Erde darum kümmern, überhaupt so viel Geld zusammenzukratzen, wie dieses Hemd gekostet hat!”
Die letzten Worte hat er ihm förmlich ins Ohr gebrüllt.
“Das verspreche ich Dir. Ich werde dafür sorgen, dass Du keinen Fuß auf die Atlas setzt”, flüstert Hopkins dem Mann ins Ohr.
“Aba warum? Ich habdoch nichs gemacht!”, antwortet dieser.
“Du bist für diesen Job völlig ungeeignet! Nur, weil Du bei einem Preisausschreiben gewonnen hast, bist Du noch lange kein guter Raumfahrer! Und deine Arbeit als Mechaniker machst Du anscheinend auch nur mittelmäßig! Wir brauchen keine Möchtegernkolonisten auf der Atlas! Wir brauchen die besten der besten! Und Du gehörst definitiv nicht dazu!”
Hopkins Miene verfinstert sich immer weiter.
“Bidde, Mr. Hepkins. Warum sindse so gemein?”
Ein penetranter Geruch nach Alkohol und Zigaretten steigt mir in die Nase.
“Ich bin nicht gemein, Chris. Ich bin ehrlich. Und manchmal ist die Wahrheit eben unangenehm.”
“Boah, sind Sie ein Arsch!”
Hopkins hebt seine rechte Hand und droht damit, ihn zu schlagen.
“Nicht frech werden, Bürschchen!”
“Was geht hier vor sich?”
Eine mir bekannte Stimme ertönt hinter meinem linken Ohr. Es ist die Stimme von Captain Hall.
“Nichts. Wir scherzen nur ein bisschen herum!”, antwortet Hopkins wie aus der Pistole geschossen.
“Ach ja? Und wieso hat Mr. Stone dann Tränen in den Augen?”
“Er sagt, erwürde dafür sorgen dass ichnich mitfliegen darf!”, antwortet Chris.
“Und stimmt das, Dr. Hopkins?”
“Natürlich nicht, Captain! Wie gesagt, wir scherzen nur ein bisschen.”
”Haben Sie die Konversation der beiden vollständig mitgekriegt, Frau Hensley?”, richtet er sich an mich.
“Ja, Captain.”
“Und wie klang es in Ihren Ohren? Scherzen die beiden wirklich nur, oder meint der Doktor es ernst?”
“Ich weiß nicht, Cap. Tut mir leid!”
“Strengen Sie sich an! Das hier ist jetzt sehr wichtig!”
“Nun, wenn ich ehrlich sein darf, auf mich wirkt es eher so, als wollte Dr. Hopkins den jungen Mann hier loswerden. Nach Ironie klang es ganz sicher nicht.”
Stille. Das Geplauder und Gelächter der um mich herum stehenden Menschenmasse ebbte zwar nicht ab, aber es klang so, als hätte sich ein Schleier der Anspannung über Captain Hall, Dr. Hopkins, Chris Stone und mich gelegt. Obwohl meine Sinne getrübt sind, nehme ich doch den Gesichtsausdruck von Hopkins wahr. Wenn Blicke töten könnten, wäre ich jetzt schon längst unter der Erde. Aber in seinen Augen erkenne ich nicht nur Wut und blanken Hass, sondern auch einen Anflug von “Du wirst mir nicht entkommen. Eines Tages erwische ich Dich. Vielleicht nicht heute, vielleicht nicht morgen, aber irgendwann kannst Du nicht mehr fliehen. Und dann gnade Dir Gott, sofern es einen gibt!”
Mein Herz beginnt zu pochen. Die Schnellstraße der Gefühle, die ich die letzten Wochen und Monaten befahren habe, scheint plötzlich und ohne Vorwarnung in einen Abgrund überzugehen. Aber nun war es nicht mehr möglich, die Bremse zu drücken. Irgendetwas in mir wollte, dass ich mit voller Geschwindigkeit den Abhang hinunterstürzte. Irgendetwas hinderte mich daran, vernünftig zu handeln.
Vielleicht war es aber auch die Strecke zuvor, welche meine Wahrnehmung geschwächt hat, sodass ich den Absturz gar nicht habe kommen sehen. Viel zu lange habe ich versucht, sämtlichen zwischenmenschlichen Konflikten aus dem Weg zu gehen, jeden Streit zu vermeiden, und mich jedem, den ich kennengelernt habe, freundlich gegenüber zu verhalten. Aber ich war zu naiv, um zu glauben, dass dieser Zustand für immer anhalten könne. Eines Tages musste es soweit kommen, dass ich es mir mit jemandem verscherze. Und dieser Moment war jetzt.
“Ist es so, Dr. Hopkins?”
“Frau Hensley hat es vollkommen falsch wahrgenommen. Wenn ich Ironie verwende, klingt es bei mir immer todernst. Das weißt Du doch, Cap.”
“Naja, wundern würde es mich nicht, wenn Du es schon ein wenig ernst genommen hast. Immerhin hat Mr. Stone hier den Platz auf der Atlas durch ein Preisausschreiben gewonnen, im Gegensatz zu allen anderen, welche sich ihren Platz hart erkämpfen mussten.”
“Cap, sag Billy zu mir!”, fügt Dr. Hopkins nahtlos hinzu.
“Sie glauben ernsthaft diesem Schnösel, Captain? Ich sage Ihnen, der meinte es ernst. Ich check es meist schnell, wenn mir jemand ans Leder will…”, mischt sich Chris ein.
Er muss sich richtig zusammengerissen haben, denn von seinem zuvor offensichtlichen Alkoholpegel ist kaum noch etwas zu merken. Der Gestank hatte sich allerdings nicht verzogen.
“Bitte glauben Sie mir, Captain. Der Mann ist gefährlich und böse!”
“Was redest Du denn für einen Stuss, Chris? Komm, ich geb dir noch einen aus!”
Dr. Hopkins schlingt seinen Arm um Chris Stones Schulter und zieht ihn zur Bar. Widerwillig geht Chris mit, aber an seinem Gesichtsausdruck erkennt man, dass ihm nicht ganz wohl bei der Sache ist.
“Wir müssen ihn im Auge behalten”, richtet sich Captain Hall an mich, während er in die Richtung der beiden blickt.
“Dr. Hopkins?”, frage ich ihn.
“Chris.”

Der Abend zieht sich stark in die Länge. Obwohl sich viele spannende Gespräche mit netten Menschen ergaben, so lag doch ein Hauch der Anspannung in der Luft. Jeder wusste, dass die geplante Unternehmung mit einem großen Risiko verbunden war. Die Tragödie, welche die Solas heimgesucht hatte, konnte sich jederzeit wiederholen. Und wir könnten die nächsten sein, die ihre Leben für den Fortschritt gaben.
Wer oder was ist für das Unglück auf der Solas verantwortlich? War es einer der Kolonisten, welcher durchgedreht und Amok gelaufen war? War es ein Versagen der Technik? War es ein Virus, der die Menschen in hirnlose, Zombie-ähnliche Monster verwandelt hatte? War es ein außerirdisches Wesen, welches seinen unendlichen Hunger stillen wollte? Oder war es gar der Tod selbst, der mit seinem eiskalten Atem die Seele aus den Leibern seiner Opfer gezogen hat?
Ob die Menschen um mich herum von dem Hilferuf wissen, welchen ich vor gefühlt einer halben Ewigkeit zu hören bekommen habe? Ob sie wissen, dass es nicht eine Explosion war, die die Solas ausgelöscht hat, sondern irgendetwas anderes? Etwas Grausames, etwas, das nach Blut dürstet? Etwas, das seine langen, scharfen, nach Tod und Fäulnis stinkenden Klauen in die wehrlosen Körper seines Futters hinein bohrt, während diese vor Schmerz und Verzweiflung erstarrt sind?
Nein. Sie werden es nicht wissen. Sie werden schön der offiziellen Berichterstattung Glauben schenken, so wie der unwissende, ungebildete Rest der Welt. Vielleicht werde ich es ihnen eines Tages erzählen, wenn wir auf der Atlas, oder sogar auf dem Mars sind, aber noch nicht jetzt. Jetzt ist es zu früh.
Wobei, vielleicht sollte ich es doch tun. Vielleicht sollte ich sie warnen, dass das gesamte Unterfangen nicht so ungefährlich ist, wie es scheint. Was, wenn wirklich etwas geschieht und ich ihnen nicht Bescheid gesagt habe, was wirklich auf der Solas geschehen ist? Ich würde mir ewige Vorwürfe machen. Ich wäre dafür verantwortlich, dass diese Menschen gestorben sind. Dass sie ihre Leben geben mussten. Dass sie tot sind.
Nein. Ich wäre nicht Schuld. Sie haben sich selbst dazu entschieden, diese weite Reise anzutreten. Sie sollten sich der Risiken bewusst sein. Ich darf es ihnen nicht sagen. Ich habe einen Vertrag unterschrieben. Ich muss es für mich behalten, komme, was wolle.

Die bunte Abendsonne strahlt mir ins Gesicht, während ich tief die warme Sommerluft einatme. Das Zwitschern der Vögel klingt wie Musik in meinen Ohren. Die Natur versucht, meinen Körper zu umschlingen, während der bedrohliche Schatten aus Stahl, Stein und Staub über mir schwebt, an mir zerrt und letzten Endes doch den Kampf “Natur gegen Mensch” gewinnen wird. Aber in diesem Moment siegt die Natur. Ein letztes Mal darf ich sie so spüren wie sie ist. Ein letztes Mal die Geräusche, Gerüche und Gefühle wahrnehmen, die mein Leben geprägt haben und mich zu dem Menschen geformt haben, der ich jetzt bin. Selbst Neil, der normalerweise sehr ungeduldig ist und kein Auge für die Schönheiten des Lebens hat, scheint den Moment zu genießen, in dem Wissen, dass er sein restliches Leben lang nur Stahl und rotes Gestein sehen wird. Ich glaube, er bereut es mittlerweile, mit auf die größte Reise unseres Lebens zu gehen. Er weiß, dass es ab morgen kein Zurück mehr gibt, auch nicht, wenn er es unbedingt wollte.
Vor uns erstreckt sich die weite, unangetastete Landschaft. Die Erhöhung, auf der wir stehen, kenne ich, seitdem ich denken kann. Als Kind haben meine besten Freunde und ich in dem Wald darunter immer verschiedene Spiele gespielt und uns danach eben hier ausgeruht. Was sie jetzt wohl machen? Bei einem bin ich mir sicher. Keiner von ihnen wird morgen eine monatelange Reise zu einem anderen Planeten antreten.
Mir fällt auf, dass ich Neil nie dieses Stück Natur gezeigt habe, obwohl es mich extrem geprägt hat.
“Mom? Mir ist kalt!”
In Gedanken schwelgend habe ich gar nicht gemerkt, dass die Sonne sich bereits hinter dem Horizont verabschiedet hat und nun die Dunkelheit die Überhand gewinnt. Es wird nicht lange dauern, bis die angenehme Wärme verflogen ist, und die nächtliche Kälte das Land überzieht.
Die grausame Stille bei der Heimfahrt trübt die Aufregung über den morgigen Tag und sorgt dafür, dass mir der Angstschweiß auf der Stirn steht.
“Was ist los, Mom?”
“Nichts. Ich denke nur über morgen nach.”
“Wenn irgendein böses Monster dich bedroht, sag’s mir. Ich mach’ es platt!” Seine Stimme klingt ganz stolz.
Ja, es gibt ein Monster, du kleiner Idiot! Checkst du nicht, was da abgeht? Und zwar haben wir heute das letzte Mal die Erde gesehen, wie sie wirklich ist. Und alles, an das du denken kannst, sind irgendwelche Monster?
“Mach’ ich”, antworte ich leise.

In der Nacht habe ich wieder diesen Traum, den ich schon vor einigen Monaten hatte, aber in einer anderen Form. Ich werde umschlungen von undurchdringlicher Dunkelheit. Das nervige Piepsen meines Raumanzugs, welches mich vor einem niedrigen Sauerstoffgehalt warnen soll, klingt, als sei es meilenweit entfernt. Kondenswasser, das wohl meines Atems entspringt, sammelt sich an dem Glas vor meinem Gesicht. Die Schwerelosigkeit lässt mich ziellos und beständig in die selbe Richtung gleiten, immer weiter weg von einem kleinen, hellen Punkt irgendwo draußen im All. Langsam verwandelt sich das Piepen in einen durchgehend pfeifenden Ton. Der Sauerstoff ist verbraucht, alles, was mir jetzt noch bleibt, ist in meinen Anzug gepumpt worden. Aber es wird mir nichts nützen, denn in alle Richtungen ist nur die ewige Leere, nur darauf wartend, mich zu verschlingen wie ein Raubtier, das darauf wartet, dass seine Beute vor Erschöpfung zusammenbricht. Niemand wird mir jetzt noch helfen können, nur der bittersüße Tod.
Meine Brust beginnt vor Panik nach Luft zu schnappen, während mein Geist die Ruhe selbst ist. Ich habe abgeschlossen, bin bereit, mich meinem Schicksal zu stellen. Mein Schicksal. Wie wird es aussehen? Ich werde es bald wissen…
Ich blicke ein letztes Mal an meinem Körper herunter und sehe einen kleinen Handschuh vor meinen Augen. Mir wäre er viel zu klein, aber wem gehört er?
Plötzlich höre ich eine Stimme über das Funkgerät. Es ist die Stimme einer Frau, die ich schon so oft gehört habe.
“NEIL! Neil, kannst du mich hören? Neil, antworte bitte! Wo bist du?”
Es ist meine Stimme. Und sie klingt verzweifelt. Was ist passiert? Ist das eine Aufzeichnung eines älteren Funkgesprächs?
“Mom?”
Ich höre Neils leise und röchelnde Stimme aus meinem Mund kommen.
“Mom, hilf mir!”
“Neil! Neil, wo bist du? Sprich mit mir!”
“Mom, ich hab Angst!”
“Neil, bitte sag mir, wo du bist!”
“Ich weiß es nicht! Mom, dieses Piepen macht mir Angst! Bitte hilf mir!”
“Neil, du brauchst keine Angst zu haben! Wir kommen und holen dich.”
“Mom, ich will nicht sterben.”
Ich kann es nicht kontrollieren, die Worte kommen ganz von alleine aus meinem Mund.
“Das wirst du nicht! Wir holen dich!”
Ich merke, wie langsam meine Kräfte schwinden.
“Hab’ dich lieb, Mom!”
Ich atme ein letztes Mal aus.
“NEIL! NEIL! Tu mir das nicht an! NEIL!”
Ich höre meinen Herzschlag in meinen Ohren pochen, wie er immer langsamer wird. Wie ein Querschnittsgelähmter schwebe ich durch das Nichts, egal wie sehr ich es auch versuche, mich zu bewegen.
Durch das Funkgerät höre ich die Schreie einer Mutter, die das Wichtigste in ihrem Leben verloren hat: ihr Kind. Die Schreie bohren sich direkt durch meinen Körper. Es ist nicht mein bevorstehender Tod, der mich beunruhigt, es ist dieser durchgehende Ton der Verzweiflung.
Mit aufgestellten Haaren gleite ich hinaus in diese ewige Leere. Und nach einer kurzen Zeit beginnen sich meine Augen langsam zu schließen… Die Dunkelheit nimmt mich auf in ihr Reich, das Reich der Toten!

“NEIL!”
Schweißgebadet wache ich auf. Das Licht der Straßenlaternen scheint durch mein Fenster. Dieser Traum wirkte nicht wie ein Traum. Er wirkte echt, wie eine Vision. Die Reise zum Mars macht mich langsam aber sicher verrückt. Ich bekomme Ängste, die jede Mutter haben würde, aber Albträume, die nicht von der Realität zu unterscheiden sind? Das wäre mir neu!

Neil liegt in seinem Bett und schläft in Fötushaltung. Ich blicke zu ihm hinunter und bekomme ein unwohles Gefühl in meiner Magengegend. Es war die falsche Entscheidung, ihn mitzunehmen. Das weiß ich. Er wäre zwar alleine gewesen und wahrscheinlich bei einer Pflegefamilie aufgewachsen, aber er wäre am Leben und nicht irgendeinem unnötigen Risiko ausgesetzt.
“Ich werde dich beschützen! Komme, was wolle!”
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Teil 5.1

Alle Teile der Geschichte findet ihr auch in meiner Sammlung:
https://plus.google.com/collection/gBSKTE

Vielen Dank auch an meine Betaleser,
+Graustreif Brombeerkralle
+Erlkönig
+Oero Legend


”Haben Sie die Konversation der beiden vollständig mitgekriegt, Frau Hensley?”, richtet er sich an mich.
“Ja, Captain.”
“Und wie klang es in Ihren Ohren? Scherzen die beiden wirklich nur, oder meint der Doktor es ernst?”
“Ich weiß nicht, Cap. Tut mir leid!”
“Strengen Sie sich an! Das hier ist jetzt sehr wichtig!”
“Nun, wenn ich ehrlich sein darf, auf mich wirkt es eher so, als wollte Dr. Hopkins den jungen Mann hier loswerden. Nach Ironie klang es ganz sicher nicht.”
Stille. Das Geplauder und Gelächter der um mich herum stehenden Menschenmasse ebbte zwar nicht ab, aber es klang so, als hätte sich ein Schleier der Anspannung über Captain Hall, Dr. Hopkins, Chris Stone und mich gelegt. Obwohl meine Sinne getrübt sind, nehme ich doch den Gesichtsausdruck von Hopkins wahr. Wenn Blicke töten könnten, wäre ich jetzt schon längst unter der Erde. Aber in seinen Augen erkenne ich nicht nur Wut und blanken Hass, sondern auch einen Anflug von “Du wirst mir nicht entkommen. Eines Tages erwische ich Dich. Vielleicht nicht heute, vielleicht nicht morgen, aber irgendwann kannst Du nicht mehr fliehen. Und dann gnade Dir Gott, sofern es einen gibt!”
Mein Herz beginnt zu pochen. Die Schnellstraße der Gefühle, die ich die letzten Wochen und Monaten befahren habe, scheint plötzlich und ohne Vorwarnung in einen Abgrund überzugehen. Aber nun war es nicht mehr möglich, die Bremse zu drücken. Irgendetwas in mir wollte, dass ich mit voller Geschwindigkeit den Abhang hinunterstürzte. Irgendetwas hinderte mich daran, vernünftig zu handeln.
Vielleicht war es aber auch die Strecke zuvor, welche meine Wahrnehmung geschwächt hat, sodass ich den Absturz gar nicht habe kommen sehen. Viel zu lange habe ich versucht, sämtlichen zwischenmenschlichen Konflikten aus dem Weg zu gehen, jeden Streit zu vermeiden, und mich jedem, den ich kennengelernt habe, freundlich gegenüber zu verhalten. Aber ich war zu naiv, um zu glauben, dass dieser Zustand für immer anhalten könne. Eines Tages musste es soweit kommen, dass ich es mir mit jemandem verscherze. Und dieser Moment war jetzt.
“Ist es so, Dr. Hopkins?”
“Frau Hensley hat es vollkommen falsch wahrgenommen. Wenn ich Ironie verwende, klingt es bei mir immer todernst. Das weißt Du doch, Cap.”
“Naja, wundern würde es mich nicht, wenn Du es schon ein wenig ernst genommen hast. Immerhin hat Mr. Stone hier den Platz auf der Atlas durch ein Preisausschreiben gewonnen, im Gegensatz zu allen anderen, welche sich ihren Platz hart erkämpfen mussten.”
“Cap, sag Billy zu mir!”, fügt Dr. Hopkins nahtlos hinzu.
“Sie glauben ernsthaft diesem Schnösel, Captain? Ich sage Ihnen, der meinte es ernst. Ich check es meist schnell, wenn mir jemand ans Leder will…”, mischt sich Chris ein.
Er muss sich richtig zusammengerissen haben, denn von seinem zuvor offensichtlichen Alkoholpegel ist kaum noch etwas zu merken. Der Gestank hatte sich allerdings nicht verzogen.
“Bitte glauben Sie mir, Captain. Der Mann ist gefährlich und böse!”
“Was redest Du denn für einen Stuss, Chris? Komm, ich geb dir noch einen aus!”
Dr. Hopkins schlingt seinen Arm um Chris Stones Schulter und zieht ihn zur Bar. Widerwillig geht Chris mit, aber an seinem Gesichtsausdruck erkennt man, dass ihm nicht ganz wohl bei der Sache ist.
“Wir müssen ihn im Auge behalten”, richtet sich Captain Hall an mich, während er in die Richtung der beiden blickt.
“Dr. Hopkins?”, frage ich ihn.
“Chris.”

Der Abend zieht sich stark in die Länge. Obwohl sich viele spannende Gespräche mit netten Menschen ergaben, so lag doch ein Hauch der Anspannung in der Luft. Jeder wusste, dass die geplante Unternehmung mit einem großen Risiko verbunden war. Die Tragödie, welche die Solas heimgesucht hatte, konnte sich jederzeit wiederholen. Und wir könnten die nächsten sein, die ihre Leben für den Fortschritt gaben.
Wer oder was ist für das Unglück auf der Solas verantwortlich? War es einer der Kolonisten, welcher durchgedreht und Amok gelaufen war? War es ein Versagen der Technik? War es ein Virus, der die Menschen in hirnlose, Zombie-ähnliche Monster verwandelt hatte? War es ein außerirdisches Wesen, welches seinen unendlichen Hunger stillen wollte? Oder war es gar der Tod selbst, der mit seinem eiskalten Atem die Seele aus den Leibern seiner Opfer gezogen hat?
Ob die Menschen um mich herum von dem Hilferuf wissen, welchen ich vor gefühlt einer halben Ewigkeit zu hören bekommen habe? Ob sie wissen, dass es nicht eine Explosion war, die die Solas ausgelöscht hat, sondern irgendetwas anderes? Etwas Grausames, etwas, das nach Blut dürstet? Etwas, das seine langen, scharfen, nach Tod und Fäulnis stinkenden Klauen in die wehrlosen Körper seines Futters hinein bohrt, während diese vor Schmerz und Verzweiflung erstarrt sind?
Nein. Sie werden es nicht wissen. Sie werden schön der offiziellen Berichterstattung Glauben schenken, so wie der unwissende, ungebildete Rest der Welt. Vielleicht werde ich es ihnen eines Tages erzählen, wenn wir auf der Atlas, oder sogar auf dem Mars sind, aber noch nicht jetzt. Jetzt ist es zu früh.
Wobei, vielleicht sollte ich es doch tun. Vielleicht sollte ich sie warnen, dass das gesamte Unterfangen nicht so ungefährlich ist, wie es scheint. Was, wenn wirklich etwas geschieht und ich ihnen nicht Bescheid gesagt habe, was wirklich auf der Solas geschehen ist? Ich würde mir ewige Vorwürfe machen. Ich wäre dafür verantwortlich, dass diese Menschen gestorben sind. Dass sie ihre Leben geben mussten. Dass sie tot sind.
Nein. Ich wäre nicht Schuld. Sie haben sich selbst dazu entschieden, diese weite Reise anzutreten. Sie sollten sich der Risiken bewusst sein. Ich darf es ihnen nicht sagen. Ich habe einen Vertrag unterschrieben. Ich muss es für mich behalten, komme, was wolle.


Hat ein wenig gedauert, aber jetzt sollen die Teile wieder regelmäßiger kommen, dass die Story beendet ist, bis G+ nächstes Jahr dicht macht xD
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Beyond the Dark
Teil 5.1

Alle Teile der Geschichte findet ihr auch in meiner Sammlung:
https://plus.google.com/collection/gBSKTE

Vielen Dank auch an meine Betaleser,
+Graustreif Brombeerkralle
+Erlkönig
+Oero Legend


”Haben Sie die Konversation der beiden vollständig mitgekriegt, Frau Hensley?”, richtet er sich an mich.
“Ja, Captain.”
“Und wie klang es in Ihren Ohren? Scherzen die beiden wirklich nur, oder meint der Doktor es ernst?”
“Ich weiß nicht, Cap. Tut mir leid!”
“Strengen Sie sich an! Das hier ist jetzt sehr wichtig!”
“Nun, wenn ich ehrlich sein darf, auf mich wirkt es eher so, als wollte Dr. Hopkins den jungen Mann hier loswerden. Nach Ironie klang es ganz sicher nicht.”
Stille. Das Geplauder und Gelächter der um mich herum stehenden Menschenmasse ebbte zwar nicht ab, aber es klang so, als hätte sich ein Schleier der Anspannung über Captain Hall, Dr. Hopkins, Chris Stone und mich gelegt. Obwohl meine Sinne getrübt sind, nehme ich doch den Gesichtsausdruck von Hopkins wahr. Wenn Blicke töten könnten, wäre ich jetzt schon längst unter der Erde. Aber in seinen Augen erkenne ich nicht nur Wut und blanken Hass, sondern auch einen Anflug von “Du wirst mir nicht entkommen. Eines Tages erwische ich Dich. Vielleicht nicht heute, vielleicht nicht morgen, aber irgendwann kannst Du nicht mehr fliehen. Und dann gnade Dir Gott, sofern es einen gibt!”
Mein Herz beginnt zu pochen. Die Schnellstraße der Gefühle, die ich die letzten Wochen und Monaten befahren habe, scheint plötzlich und ohne Vorwarnung in einen Abgrund überzugehen. Aber nun war es nicht mehr möglich, die Bremse zu drücken. Irgendetwas in mir wollte, dass ich mit voller Geschwindigkeit den Abhang hinunterstürzte. Irgendetwas hinderte mich daran, vernünftig zu handeln.
Vielleicht war es aber auch die Strecke zuvor, welche meine Wahrnehmung geschwächt hat, sodass ich den Absturz gar nicht habe kommen sehen. Viel zu lange habe ich versucht, sämtlichen zwischenmenschlichen Konflikten aus dem Weg zu gehen, jeden Streit zu vermeiden, und mich jedem, den ich kennengelernt habe, freundlich gegenüber zu verhalten. Aber ich war zu naiv, um zu glauben, dass dieser Zustand für immer anhalten könne. Eines Tages musste es soweit kommen, dass ich es mir mit jemandem verscherze. Und dieser Moment war jetzt.
“Ist es so, Dr. Hopkins?”
“Frau Hensley hat es vollkommen falsch wahrgenommen. Wenn ich Ironie verwende, klingt es bei mir immer todernst. Das weißt Du doch, Cap.”
“Naja, wundern würde es mich nicht, wenn Du es schon ein wenig ernst genommen hast. Immerhin hat Mr. Stone hier den Platz auf der Atlas durch ein Preisausschreiben gewonnen, im Gegensatz zu allen anderen, welche sich ihren Platz hart erkämpfen mussten.”
“Cap, sag Billy zu mir!”, fügt Dr. Hopkins nahtlos hinzu.
“Sie glauben ernsthaft diesem Schnösel, Captain? Ich sage Ihnen, der meinte es ernst. Ich check es meist schnell, wenn mir jemand ans Leder will…”, mischt sich Chris ein.
Er muss sich richtig zusammengerissen haben, denn von seinem zuvor offensichtlichen Alkoholpegel ist kaum noch etwas zu merken. Der Gestank hatte sich allerdings nicht verzogen.
“Bitte glauben Sie mir, Captain. Der Mann ist gefährlich und böse!”
“Was redest Du denn für einen Stuss, Chris? Komm, ich geb dir noch einen aus!”
Dr. Hopkins schlingt seinen Arm um Chris Stones Schulter und zieht ihn zur Bar. Widerwillig geht Chris mit, aber an seinem Gesichtsausdruck erkennt man, dass ihm nicht ganz wohl bei der Sache ist.
“Wir müssen ihn im Auge behalten”, richtet sich Captain Hall an mich, während er in die Richtung der beiden blickt.
“Dr. Hopkins?”, frage ich ihn.
“Chris.”

Der Abend zieht sich stark in die Länge. Obwohl sich viele spannende Gespräche mit netten Menschen ergaben, so lag doch ein Hauch der Anspannung in der Luft. Jeder wusste, dass die geplante Unternehmung mit einem großen Risiko verbunden war. Die Tragödie, welche die Solas heimgesucht hatte, konnte sich jederzeit wiederholen. Und wir könnten die nächsten sein, die ihre Leben für den Fortschritt gaben.
Wer oder was ist für das Unglück auf der Solas verantwortlich? War es einer der Kolonisten, welcher durchgedreht und Amok gelaufen war? War es ein Versagen der Technik? War es ein Virus, der die Menschen in hirnlose, Zombie-ähnliche Monster verwandelt hatte? War es ein außerirdisches Wesen, welches seinen unendlichen Hunger stillen wollte? Oder war es gar der Tod selbst, der mit seinem eiskalten Atem die Seele aus den Leibern seiner Opfer gezogen hat?
Ob die Menschen um mich herum von dem Hilferuf wissen, welchen ich vor gefühlt einer halben Ewigkeit zu hören bekommen habe? Ob sie wissen, dass es nicht eine Explosion war, die die Solas ausgelöscht hat, sondern irgendetwas anderes? Etwas Grausames, etwas, das nach Blut dürstet? Etwas, das seine langen, scharfen, nach Tod und Fäulnis stinkenden Klauen in die wehrlosen Körper seines Futters hinein bohrt, während diese vor Schmerz und Verzweiflung erstarrt sind?
Nein. Sie werden es nicht wissen. Sie werden schön der offiziellen Berichterstattung Glauben schenken, so wie der unwissende, ungebildete Rest der Welt. Vielleicht werde ich es ihnen eines Tages erzählen, wenn wir auf der Atlas, oder sogar auf dem Mars sind, aber noch nicht jetzt. Jetzt ist es zu früh.
Wobei, vielleicht sollte ich es doch tun. Vielleicht sollte ich sie warnen, dass das gesamte Unterfangen nicht so ungefährlich ist, wie es scheint. Was, wenn wirklich etwas geschieht und ich ihnen nicht Bescheid gesagt habe, was wirklich auf der Solas geschehen ist? Ich würde mir ewige Vorwürfe machen. Ich wäre dafür verantwortlich, dass diese Menschen gestorben sind. Dass sie ihre Leben geben mussten. Dass sie tot sind.
Nein. Ich wäre nicht Schuld. Sie haben sich selbst dazu entschieden, diese weite Reise anzutreten. Sie sollten sich der Risiken bewusst sein. Ich darf es ihnen nicht sagen. Ich habe einen Vertrag unterschrieben. Ich muss es für mich behalten, komme, was wolle.


Hat ein wenig gedauert, aber jetzt sollen die Teile wieder regelmäßiger kommen, dass die Story beendet ist, bis G+ nächstes Jahr dicht macht xD
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