Google+ und die anonymen Profile

Google+ löscht gerade nach und nach alle anonymen Profile. Das ist verdammt schade, muss ich mich da doch von ein paar Menschen verabschieden, die ich in den letzten Jahren liebgewonnen und auch teilweise persönlich kennengelernt habe. Ja Google, hinter Pseudonymen stecken auch Menschen. Wer mich kennt weiß, dass ich Anonymität, gerade im Internet, immer verteidigen werde. Über so manche Kommentare hier auf Google+ habe ich nur mit dem Kopf geschüttelt, die über anonyme Profile, um es diplomatisch auszudrücken, gelästert haben. Als dem GuttenPlag Wiki der Grimme Online Award verliehen wurde, schrieb ich über das Wiki, seiner Schwester, dem VroniPlag Wik und die positiven Auswirkungen von Anonymität:

Die Anonymität des GuttenPlag Wikis und des VroniPlag Wikis erlauben eine objektive, sachliche und vorurteilsfreie Sichtung der jeweiligen Doktorarbeiten und der Ergebnisse. [...] Die Anonymität bedeutet für die Macher des GuttenPlag Wikis und des VroniPlag Wikis den größtmöglichem Schutz. Die eigene Privatsphäre, die eigene Familie, die eigene Existenz wird bestmöglich geschützt. [...] Die positiven Folgen für unsere Gesellschaft und die Sicht auf das Internet mancher sogenannter Offline sind weitaus höher einzuschätzen. Dafür gebührt großer Dank.

Nur weil ich von Google+ begeistert bin, heißt das nicht, dass ich nun plötzlich anderer Meinung bin. Ich denke gerade aber über eine andere Sicht der Dinge nach. Wir werden wahrscheinlich erleben, dass die Circle-Funktion, so wie sie Google eingeführt hat, sich mit Anonymität beißt und auch massiv zum Spammen einlädt.

Wenn ich einen Beitrag teile, an meine (erweiterten) Kreise sende, dann bekommen den Beitrag auch die Personen zu sehen, die ich meinen Kreisen zugeordnet habe, ohne ihr eigenes Zutun. Sie bekommen eine Nachricht angezeigt, dass ich Etwas mit ihnen geteilt habe. Man mag mich korrigieren, wenn ich hier irre - aber die Meldung sehe ich mittlerweile täglich zuhauf.

Und genau da kommen wir zum Problem, welches Google offensichtlich sieht: Man will jetzt schon den Spammern entgegentreten - mit dem eigenen, realen Namen spammt es sich nicht so leicht, wie unter einem Pseudonym. Ich erinnere nur an unzählige Blogkommentare oder Replys auf Twitter mit einem bit.ly-Link.

Ehrlich gesagt bin ich da hin- und hergerissen. Eine Lösung wäre eventuell, die Circles-Funktion umzustellen. Man teilt seine Beiträge eben nur mit den eigenen Followern, ausgewählten Kreisen oder öffentlich - und eben nur an Leute, die einem selbst folgen, die sich eigenständig dafür entschieden haben. Die Circles-Funktion, so wie Google sie sich vorstellt, wird sicherlich noch an der einen oder anderen Stelle für lange Diskussionen sorgen.

So positiv ich und andere die Circles-Funktion aufgenommen haben - in der Praxis zeigen sich schon jetzt eben genau diese Schwierigkeiten. Anonyme Profile zu löschen, ist fast schon ein Kollateralschaden, der es nicht wert ist, in Kauf zu nehmen, um die Circles-Funktion, wie sie derzeit eingebaut ist, aufrecht zu erhalten.
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