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Ich erweitere das mal zu folgender These:

Ein Künstler schuldet der Gesellschaft nichts.

Insbesondere schuldet er ihr nicht sein Kunstwerk.

Ergänzende Bemerkung:
Wann schuldet man jemandem etwas?

Wenn man eine Verpflichtung eingegangen ist, zum Beispiel. Wenn ich mir von jemandem etwas ausleihe, schulde ich ihm die Rückgabe des betreffenden Gegenstandes. Wenn ich eine Anzahlung auf einen Auftrag angenommen habe, dann schulde ich die Ausführung dieses Auftrags.

"Etwas schulden" ist also etwas anderes als "es würde gern gesehen, wenn". Schulden sind einklagbar, Nettigkeiten nicht.
 
Frage zur Nacht:

Was schuldet ein Künstler der Gesellschaft?

(Bitte genau lesen. Künstler. In dieser Eigenschaft gemeint. Also bitte nicht Dinge diskutieren, die jeder der Gesellschaft, anderen, Gott, wem auch immer schuldet oder nicht. Danke.)
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Harald Wagener's profile photoStefan Münz's profile photoAlexander Müller's profile photoAndreas Eschbach's profile photo
19 comments
 
"Schuld" ist ein Begriff aus dem jüdisch/christlichen Kosmos. Es gibt aber immer mehr Leute, die diese Sprache nicht mehr verstehen. Viele Zeitgenossen verstehen eher Formulierungen wie diese: „wenn du tust, was du am besten kannst, und bei dem, was du nicht so gut kannst, bereit bist zu lernen, dann machst du nicht viel verkehrt.“ Gilt auch für Leute, die Kunst machen am besten können :-)
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Wikipedia: Schuld (Privatrecht)
Schuld bezeichnet die Leistungspflicht des Schuldners gegenüber dem Gläubiger einer Forderung (Verpflichtetsein). Die staatliche Durchsetzbarkeit dieser Pflicht wird als Haftung bezeichnet.
Der rechtliche Begriff „Schuld“ entspricht inhaltlich dem römisch-rechtlichen Begriff „obligatio“ und entstammt dem römischen Obligationenrecht, das die Regelung von Verpflichtungen zum Inhalt hatte. Im Deutschen wurde allerdings der Terminus Schuld verwendet, welcher von dem althochdeutschen „syllen“ (= „sollen“) abgeleitet ist.
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Ich wieder … ging die Sache über die ›schuldet Dankbarkeit für Vorleistungen‹-Schiene an. Zum Beispiel nach dem Motto ›stehen auf den Schultern von Riesen‹ (bzw. ›werden erdrückt von den Hintern anderer Riesen‹).
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+Alexander Müller Und wie würdest Du das definieren? Weil der Autor eine Sprache vorfindet, die er benutzen kann, schuldet er – was genau? Und was schuldet dann der Anwalt, der Liebesbriefschreiber, der Werbetreibende, der Politiker, der genau dieselbe Sprache benutzt?
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Deswegen schrieb ich ja, dass die genaue Antwort der künstlerischen Schuldfrage sehr davon abhängt, von wo ein Künstler herkommt, wie seine Stellung zur Gesellschaft ist. — Bezüglich Sprache ist man nicht unbedingt der Sprache als Ganzes, wie man sie vorfindet, Dank schuldig, sondern vor allem jenen Sprachquellen, von denen man vornehmlich labt.

Ansonsten hängt die Beantwortung der Frage entscheident davon ab, was man unter ›Kunst‹ versteht.
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+Alexander Müller Du denkst also, der Künstler schuldet der Gesellschaft etwas? Einfach, weil er Künstler ist? Was man wie feststellt? Gentest?
Denn: Wenn es der Künstler schuldet, wieso schulden es die anderen nicht?
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Ohh ich vergas kurz zu erläutern, dass ich als katholischer Atheist quasi eine säkulare Form der Erbsündenlast vertrete. ALLE Individuen schulden der Gesellschaft etwas, nur eben jedes Individuum auf seine Art etwas anderes.
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Was eine theologische Sichtweise ist, keine politische oder juristische.
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Haste ja vorher nich’ eingeschränkt, also sei nicht überrascht, wenn ich die Frage anders, weiter aufgefasst habe, als Du (impliziert) beabsichtigt hast. — Und ich würde meine Sichtweise als ›philosophisch‹ bezeichnen, denn mit Theologie habe ich nu eben nix am Hut.
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+Alexander Müller Stimmt, hab ich nicht. Allerdings habe ich geschrieben, "Schulden sind einklagbar". Wie man das machen wollte bei Deiner Sichtweise, ist mir restlos unklar.
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Ach ja, einer der interessanten Fälle, an denen man vortrefflich ersehen & darüber streiten kann, was Künstler der Gesellschaft schulden, ist »Star Wars«, siehe ›Han Shot First‹, oder »The People Vs. George Lucas«.
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Ich sehe gar nicht, was da diskutabel wäre. Hab ich was verpasst?
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+Alexander Müller Und hältst Du diese Sichtweise von der "säkularen Erbsünde" wirklich für gerechtfertigt? Mir kommt das, entschuldige, eher vor wie eine noch nicht entsorgte Altlast einer katholischen Grundprägung. (Sag ich als jemand, der nur von einem Protestantismus light gestreift wurde, was lästig genug war.)
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In Deiner ursprünglichen Fragestellung, Andreas, hast Du nicht eingegrenzt (eben Begriffe wie ›Schuld‹, ›Kunst‹ usw). Hier, bei Deiner Antwort, musstest Du das freilich tun.
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+Harald Wagener Es gibt ja Fälle, in denen Künstler ihr Werk für sich behalten. Über die weiß man naturgemäß weniger als über die anderen, aber es gibt sie (ich kenne selber welche).
Ein etwas bekannteres Beispiel ist Franz Kafka, der bekanntlich seine am Ende seines Lebens noch nicht veröffentlichten bzw. noch nicht fertiggestellten Manuskripte vernichtet haben wollte. Er hat diese Aufgabe seinem Nachlassverwalter übertragen, der sie nicht ausgeführt hat; er hätte es natürlich auch mit letzter Kraft selber machen können. Hätte er sich damit an der Gesellschaft vergangen, in der ja nicht wenige auch diese Werke heute schätzen?
Wenn man das bejahen wollte, müsste man eine hieb- und stichfeste Definition von Kunst liefern, denn andernfalls würde jeder Schreiber, der ein Manuskript, das er für misslungen hält, ins Feuer wirft (oder jeder, der eine Datei löscht), sich eines Vergehens schuldig machen: Es könnte ja immer sein, dass er sich geirrt hat und künftige Generationen die Größe seines Werks schätzen würden.
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Ich persönlich würde wohl sagen können, dass es ein Verlust für die Gesellschaft wäre oder sein könnte. Es gibt in der jüngeren Vergangenheit Beispiele wo nicht Künstler (wobei ich bei why the lucky stiff nicht sicher bin ob diese Abgrenzung stimmt) sondern Internet-"Grössen" Ihre Werke der Allgemeinheit (in den Grenzen des Möglichen) entzogen haben (http://en.wikipedia.org/wiki/Mark_Pilgrim_(software_developer)#.22Disappearance.22_from_the_Internet als ein Beispiel), was bei deren … Fans durchaus für Irritationen gesorgt hat. Ich glaube auch hier, dass diese Leute der Gesellschaft nichts schulden, und alle Menschen das Recht haben, über die Veröffentlichung ihrer (unvollständigen/vollständigen) (Kunst-)Werke selbst zu bestimmen. Bei Auftragsarbeiten kann es eventuell zu zivilrechtlichen Problemen kommen, die aber – vollständige Integrität der Schaffenden vorausgesetzt – eher in die Kategorie akzeptable Opfer fallen.
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Wie war das eigentlich mit J.D. Salinger ("Fänger im Roggen")? Der hat danach ja nichts mehr veröffentlich, aber ich meine gelesen zu haben, er habe trotzdem noch geschrieben. Weiß jemand Näheres und ob nach seinem Tod irgendwas darüber bekannt wurde?
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Ah, Wikipedia lesen kann ich eigentlich auch selber. Da steht:
In a rare 1974 interview with The New York Times, he explained: "There is a marvelous peace in not publishing ... I like to write. I love to write. But I write just for myself and my own pleasure." According to Maynard, he saw publication as "a damned interruption." In her memoir, Margaret Salinger describes the detailed filing system her father had for his unpublished manuscripts: "A red mark meant, if I die before I finish my work, publish this 'as is,' blue meant publish but edit first, and so on." A neighbor said that Salinger told him that he had written 15 unpublished novels.
Klingt, als wollte er einfach nicht zu seinen Lebzeiten veröffentlichen, weil ihm das damit verbundene Drumherum auf den Senkel ging.
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