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Für einen noch zu schreibenden Text über die künftige inhaltliche Qualitätssicherung bei Büchern brauchte ich ein paar Auskünfte über die heutige Situation und habe deshalb auf der re:publica +Gesine von Prittwitz von der Buch-PR-Agentur http://prittwitzundpartner.de interviewt. Weil ich nur Platz für ein paar Zitate haben werde, der Rest des Interviews aber auch ganz interessant ist, hier:

https://docs.google.com/document/d/1qFCO74SXSQNYu0tlb9Wnz8sAsURjGS1TqTu-f4o00ag/edit
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Stefan Dernbach's profile photoKohl René's profile photoKathrin Passig's profile photoMartin Seidler's profile photo
40 comments
 
Sehr interessant und bestätigt so einige Vorstellungen. Das mit den anzeigen und der redaktionellen Erwähnung ist ja auch andernorts so...
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Interessant der Hinweis auf die Zentralsteuerung des "Programms" entlang der letzten Marktergebnisse. Immer geht es um "wir brauchen so etwas wie ...". Die Konkurrenten glotzen sich gegenseitig an und machen alles einander nach. Läuft ein Buch gut mit blauem Himmel auf dem Cover, sagen die anderen: Wir brauchen ein Buch mit blauem Himmel vornedrauf etc. Das Geschäft bekommt Parallelen zu Zeitschriften und Mode.
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Irgendwie weiß und ahnt man das ja, aber wenn es so deutlich ausgesprochen wird, hinterlässt es ein großes Unbehagen.
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:-/
Wollte ich das alles so genau wissen?
Ist ja deprimierend.
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Ich fühle mich übrigens auch nicht wohl dabei, dass ich einerseits von schönen Vorschüssen lebe und genau von dem profitiere, was im Interview beschrieben wird, andererseits immer wieder nicht anders kann, als die Hand zu beißen, die mich füttert. Es sind alles so nette Menschen, mit denen man in den Verlagen zu tun hat, ich will nicht, dass sie unglücklich sind, und schon gar nicht meinetwegen. Andererseits kann man aus der "ich bin verkannt und unterbezahlt"-Perspektive vermutlich gar keine Kritik üben, weil es dann immer nach sauren Trauben klingt. Es wäre aber leider gelogen, wenn ich behaupten wollte, dass ich es deshalb tue. Es ist vermutlich wie immer eine unordentliche Mischung aus diversen konstruktiven Motivationen und niederen Trieben.
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Hochinteressantes Interview. Der Begriff »Aura Buch« scheint mir sehr treffend. Vielleicht wird auch das einer der positiven Aspekte der E-Book-Revolution sein -- dass die Aura des physischen Objekts im Regal schwindet, und wir uns wieder mehr auf den Inhalt konzentrieren.
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Die Aura ist noch da, aber die Bedeutung ist schon geschwunden. Das Buch war mal Leitmedium, heute ist es der Film. Oder womöglich sogar schon das Computerspiel. Das Buch sonnt sich noch eine Weile im alten Glanz, doch die wirtschaftliche Basis bröckelt schon weg.
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+Andreas Eschbach Die Bedeutung des Buchs als Darreichungsform mag schwinden, aber das geschriebene Wort scheint mir enorm an Relevanz zu gewinnen -- in einer fluideren Welt, in der es nicht mehr einige wenige leitmedien-hafte Kanäle gibt. Vor ein paar Jahrzehnten war man ehrfürchtig gegenüber den großen Intellektuellen, die täglich fünf, sechs, sieben Tageszeitungen lasen. Heute liest jeder einigermaßen aufmerksame Internet-Nutzer ein vielfaches davon.
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+André Spiegel Das sehe ich auch so, bloß ist es nicht dasselbe, ob man ein Buch liest oder die gleiche Menge Text in RSS-Feeds oder Zeitungen. Letzteres ist schnell, überfliegend, auf Überblick bedacht, Ausschau haltend nach dem relevanten Detail, sortierend, ausmerzend – Ersteres dagegen ist Einlassen auf ein Erzähl-/Erklärtempo, einen Stil, einen Sprachduktus, ein Zuhören, ein Sich-Einlassen ... und damit eine ganz andere Geisteshaltung. Sozusagen verliert das Monotasking gegen das Multitasking, die Konzentration gegen die Zersplitterung.
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+Andreas Eschbach Ich will das lieber optimistisch sehen und mich freuen, dass die gestiegene Bedeutung des geschriebenen Worts auch auf das Buch abfärben wird, sobald es sich von seinem physischen Träger gelöst haben und nicht mehr getrennt von den anderen Wort-Kanälen existieren wird.
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Damit wären dann ein paar Zacken der Ehrfurcht aus der Krone
Buch und ihrem Umfeld gebrochen.
Tiefe Ernüchterung kann auch heilsam sein.
Als "Autoreifen" möchte ich jedoch meine Texte nicht behandelt haben. Dann bleiben sie doch lieber in der hauseigenen Garage,
sprich Schublade.
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Was man gar nicht versteht: Wieso werden C-Bücher überhaupt produziert? Irgendeine Form von ökonomischen Denken muss doch auch in dem C-Segment enthalten sein, zumindest aus Sicht des Verlags.
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+Fritz Iversen Ich kam auf die Frage auch erst später und rate deshalb nur.

schlechte Theorie A: Weil Verlage kein homogenes Gebilde sind, sondern von buchinteressierten und geldinteressierten Menschen bewohnt werden. Die buchinteressierten machen die interessanten, schlecht verkäuflichen C-Titel, weil ihr Beruf sonst zu unattraktiv wäre, während den geldinteressierten die A-Titel genügen würden.

etwas bessere Theorie B: Die B- und C-Titel dienen der Aufrechterhaltung des Rufs von Verlag und Branche als Kulturinstitution und damit sowohl dem autorenanlockenden Status (siehe Interview) als auch indirekt dem Verkauf.
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+Fritz Iversen +Kathrin Passig Außerdem ist jedes Buch ein Los in der Trommel. Denn manche Bücher werden ja trotzdem zum Bestseller, ohne jedes Zutun des Verlags. (Ich weiß ausnahmsweise, wovon ich rede ;-D)
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+Fritz Iversen c-bücher sind bücher, die mit leidenschaft gemacht werden, obgleich man weiß, dass sie ökonomisch aussichtslos sind (ich will mal gnädig davon ausgehen, dass das immer noch die überwiegende zahl der c-bücher sind) und auf der anderen seite diejenigen nachmachertitel, die einem trend hinterherschwimmen, an den man selbst nicht glaubt, aber aus "ökonomischer vernunft" meint, sie machen zu müssen. ökonomisch beherrscht das paradigma der "verpassten chance" die gehirne, während die leidenschaftsbücher - immer noch - die herzen bewegen. ich denke, das wird sich auch bei anderen trägermaterialien nicht ändern. es würde allerdings kaum einer was verlieren, wenn er den blödsinn der nachmacherbücher ließe, sofern er nicht dran glaubt, dass seine nachmacherei besser als das original ist.
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Mmmh. Verlage lassen ja drucken. Im Druck gibt es Skaleneffekte. Ein Verlag, der viel drucken und setzen lässt, hat eine stärkere Position im Materialeinkauf.
Aus anderen Branchen weiß man auch, dass Marktdominanz eine Rolle spielen kann. Es gibt verschiedene Strategien, um sich als Unternehmen durchzusetzen bzw. am Leben zu erhalten: Preisführerschaft (2001), Qualitätsführerschaft (Suhrkamp, Hanser) oder Umsatzgröße (Rowohlt). Man sieht das ein wenig auf der Buchmesse: Je größer der Stand und je mehr Neuerscheinungen, desto größer auch die Aufmerksamkeit von Handel und Vermittler. Kleine Verlage mit 10 Büchern im Angebot kommen ja bei Thalia gar nicht mehr durch die Tür.
Das Spiel verändert sich allerdings, wenn Amazon, thalia.de etc. zu den wichtigsten Kanälen werden. Diese Kanäle sind ja keine Flaschenhälse wie die stationären Buchläden. Der Vedrängungswettbewerb über die Titelmenge ist da eigentlich kein Hebel mehr ... sondern das Empfehlungswesen. Dann könnten Qualitäten auch wieder eine Rolle spielen, aber auch Netz- bzw. Medienpräsenz der Autoren. Wenn ich Verlag wäre, würde ich mir ja einfach aus den Social Communities die frechsten Schreiber mit der größten Gefolgschaft herauspicken und mit Vorschuss an den Schreibtisch prügeln... damit müssten dann auch C-Kalkulationen profitabel machbar sein ...
Keine Ahnung. Sicherlich aber richtig, dass man die "intrinsische Motivation" der Verlage auch nicht unterschätzen sollte. Daneben gibt es einfach einen Spermienwettlauf der Bücher.
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C-Titel sind jene Neuerscheinungen, von denen sich der Verlag den geringsten Umsatz verspricht. Wenn's denn anders kommen sollte, freuen sich alle riesig! Warum also B- und C-Titel? Warum überhaupt so viele Bücher? Verlage brauchen ein gewisses Titelvolumen, um wahrgenommen zu werden. Nicht nur von potenziellen Lesern (und von der Konkurrenz), sondern vor allem durch Handelspartner wie Sortiment (vorneweg die Filialisten), Auslieferungen oder neue Player wie Amazon. - Masse sichert Marktanteile und Konditionen, nicht zu vergessen!
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+Pia Ziefle Ja, schon, aber du bist mit deinem Buch im Laden vorhanden, während im Offline-Laden ein Kampf um die begrenzten Regalmeter stattfindet. Das bedeutet, dass der Blick des Stöberers im Internet jederzeit auf dein Buch stoßen kann, wenn Amazon gerade entsprechend assoziiert ("Leser, die "Der Schwarm" gekauft haben, haben sich auch für "Die 7 tödlichen Irrtümer der Schwarmintelligenz", "Der alte Mann und das Meer" und "Das Fischstäbchen-Komplott" interessiert). Ähnlich wie im Buchladen bekommt man ja immer so ein automatisiertes Regal gezeigt. Trotzdem hast du natürlich Recht: Du musst dein Buch außerhalb des Ladens vorverkaufen, damit es im Laden gesehen wird.
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Der Input, der jetzt hier zu den C-Büchern gekommen ist, ist aber hochinteressant. +Gesine von Prittwitz sagt, es geht um Titelvolumen, um von den Handelspartnern (schönes Wort) wahrgenommen zu werden. +Florian Felix Weyh sagt, das ist die Ecke, wo die "unökonomische" Leidenschaft für Bücher lebt. Wenn ich das addiere, heißt das: An dieser Stelle liegt ein relativ günstiger Einstiegspunkt für "das gute Buch". Die Verlage brauchen da tatsächlich das Buch als solches, nicht als Umsatzbringer. Hier ist maßvolles Scheitern im Plan. Gott behüte die C-Bücher! Bloß nicht abschaffen!!!
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Eventuell muss das noch zu gruendende Label fuer das deutsche Qualitaets-Ebook so heissen: das C-Buch.
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Da denkt man ja an C+ und Computer und so. Zeh-Buch Verlag vllt? Oder zusammenziehen: Cuch Verlag. Zee Verlag ... Cuhrkamp Verlag ... Cischer Verlag ... Cagenbach ... Citronen Verlag ... okay, Schluss für heute.
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C-Titel sind auch die Titel, die irgendwie ins Programm rutschten - eher unauffällig noch eine Lcke füllten. Und Titel, die von irgendwem angezettelt/eingekauft wurden, der dann aber schon nicht mehr da war, als das Buch dann realisiert wurde - herrenlose Titel.
Und C-Titel sind auch ein bißchen Kanonenfutter. Es ist ja vieles umsatzgetrieben - und dann macht man mit den C-Titeln noch etwas mehr Umsatz.
Mit hat vor kurzem ein befreundeter Lektor gesagt: Diese vielen Büchder und den damit verbundenen Umsatz braucht man als Konzern, damit der Verlagskonzern umsatzmäßig mit dem Buchhandelskonzern auf Augenhöhe verhandelt.
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Google Docs sind auch irgendwie moderner, aktueller und cooler als Bücher.
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Hier etwas andere Erfahrungen: Wir wollen ein Buch auf einer ganzen FAZ-Seite vorstellen und dazu Fotos aus dem Buch verwenden. Der Verlag verweist uns bezüglich der Bildrechte an seine Agentur. Und die fordert dafür ein Honorar, das absolut indiskutabel ist.
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Ich vermute, die haben da auch keine große Wahl, weil sie die Bildrechte vom Fotografen für das Buch eingekauft haben und nicht für Zeitungsveröffentlichungen. Wenn wir in Deutschland ein Fair-Use-Recht hätten, wär das nicht passiert.
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"If you are a publisher, be afraid. Be very afraid."
 
"Und wenn du ein Autor bist, heul mit den Hunden."
Auf jeden Fall danke für das Interview, das doch einigen Leuten ihre Illusionen rauben dürfte.
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