+Sascha Lobo schreibt in seinem Blog http://saschalobo.com/2011/10/16/die-abschaffung-der-ruckseite-des-blogs/ "Kathrin Passig schließlich fordere ich auf bitte ich, auf einer eigenen Plattform zu bloggen, exakt so, wie sie es auf Google Plus schon tut." Das freut mich, aber ich will nicht, und zwar aus folgenden Gründen:

Sascha schreibt: "Weil aber Google Plus wenig überraschend vollständig der Willkür des Internetkonzerns Google unterworfen ist, gilt es, die konzeptionell guten Dinge von Google Plus in die privat kontrollierten Blogs hinüberzuretten." Ein privat kontrolliertes Blog ist meiner Willkür unterworfen, und damit auf eine andere Art viel stärker gefährdet, zum Beispiel ohne Backup kaputtzugehen. Ich setze in vielen Lebensbereichen innerhalb des Internets und außerhalb auf Lösungen, bei denen hundertprozentige Autarkie für mich nicht die oberste Priorität hat; zum Beispiel heize ich mit Gas aus einer Leitung, die von anderen Menschen kontrolliert wird, und ich besitze keinen eigenen Kartoffelacker. Ich weiß, dass es nicht komplett abwegig ist, auf Unabhängigkeit und Katastrophensicherheit zu setzen, und ich will mich darüber auch nicht lustig machen. Aber meine Prioritäten sind halt andere.

Ich sehe für das, was ich hier mache, keinen Vorteil in einer Verlagerung auf eine eigene Blogplattform. Das war für die Riesenmaschine sinnvoll, weil wir da im eigenen Blog technisch einiges machen konnten, was anderswo nicht gegangen wäre, und weil Kommunikation mit den Lesern dort, na ja, nicht wirklich wichtig war. Was ich aber an Google+ schätze, ist die eingebaute Diskussion, beziehungsweise ist das ganze Ding eigentlich die Diskussion; die Trennung zwischen "Kuchen spricht" und "Krümel kommentieren" ist viel weniger ausgeprägt, als ich das in Blogs empfinde.

Wenn das hier ein Blogbeitrag wäre, würde ich mich viel stärker verpflichtet fühlen, einen ordentlichen Text draus zu machen und nicht nur so ein "ich schreib das mal schnell hin, dann sehen wir weiter"-Gerede. "Ja!", denkt der Leser jetzt vielleicht, "genau das will ich, ordentliche Texte!" Aber wie man an der bisherigen Abwesenheit meines wohldurchdachten Blogs sehen kann, ist das nicht die Alternative. Die Alternative ist, dass ich gar nichts schreibe. Außerdem halte ich die Unfertigkeit des hier Hineingeschriebenen für ein diskussions- und erkenntnisbeförderndes Feature und nicht für einen Bug. Und deshalb bleibe ich erst mal bei Google+.

(In noch größerer Eile als sonst hingeschrieben und deshalb noch unvollständiger; ich spüre weitere Begründungen in mir rumoren und ergänze die vermutlich später.)
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