als die revolution in #libya begann, vor jahren, im märz oder april (?), hab ich kaum etwas dazu geschrieben in twitter, obwohl ich nach tunesien und ägypten begonnen hatte, jeden tag 20 #arabspring -quellen zu verfolgen. das gefühl war: ein gottverlassenes land ohne jede medien-aufmerksamkeit, ein paar arme schweine in der wüste, ohne jede chance gegen die söldner-armee einer blut-diktatur, die keinerlei hemmungen hat, offen auf die leute zu schießen. es war mir peinlich, aus der sicheren distanz dazu irgendwie stellung zu nehmen, anders als beim #tahrir. und jetzt ist die #revolution tatsächlich geschehen, auch deshalb, weil es den NATO-ländern zu peinlich und auch im eigenen interesse zu dumm erschien, im arab spring immer auf der falschen seite zu stehen.

und diese #revolution, die im namen der richtigen grundsätze geschah, steht für sich, wie jede historisch richtige revolution. sie ist nicht entwertet, falls jetzt parteikämpfe ausbrechen, unangenehme machtstrukturen neu entstehen, privilegierte libyer und westliche konzerne vom öl profitieren usw. genausowenig wie die kubanische revolution entwertet ist, die französische revolution, die russische revolution. auch erfolglosigkeit ist kein argument: die pariser kommune, sogar die münchner räterevolution waren nicht wirkungslos.

was mir die ganze zeit ein rätsel war und ist, ist die unreife der reaktionen bei uns auf die #revolution. auf #revolution an sich - es scheint, ja, als ob allein schon der begriff von niemandem mehr benutzt wird. die unfähigkeit zu begreifen, was "revolution" ist: nämlich der für sich stehende, gleichsam zeitlos werdende moment der umwälzung im namen der richtigen forderungen & werte. dieser moment kann nicht nachträglich entwertet werden. man kann keine rechnungen anstellen, ob es nicht besser gewesen wäre, wenn die menschen sich weitere 40 jahre hätten beherrschen und demütigen und entwürdigen lassen, wenn auch vielleicht mit ölfinanziertem grundeinkommen.

dagegen: der immer schon vorauseilende geschichtszynismus auch und gerade der "antiimperialistischen" linken. gestern das selbstgefällig-moralische urteil über den mord an #gaddafi (ich hätte auch lieber einen prozess gesehen), als ob das die #revolution irgendwie entwerten würde: ein diktator, der sich selbst zum absoluten gewaltherrscher überhöht hat, zur medienfigur, und als eben diese symbolfigur getötet wurde, vielleicht getötet werden musste, damit unter dieser die blutige kreatur wieder sichtbar wird. wie ceaucescu, zum beispiel. das ist ein ausnahmefall, der sein historisches recht hat. und dabei stirbt der diktator immer noch einen tod in großaufnahme, der ihn als "große persönlichkeit" gelten läßt, im gegensatz zu den tausenden und abertausenden ohne namen, die irgendwo in der libyschen wüste starben und in syrien sterben, weil sie gegen die gewaltherrschaft aufstehen. und zwar aus den im grunde richtigen gründen, ganz egal, welche ideologischen fetzen sie sonst noch mit sich herumtragen. ganz egal, was sie tun, wenn der historische moment vorbei ist, in dem die wahrheit kurz sichtbar war.

bei denen es ist, als hätte es sie nie gegeben. die nicht mal einen tweet wert sind.
Shared publiclyView activity