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Thomas Gawehns
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Softwerker, der gerne reist und fotografiert und sich als Blogger, Läufer, Musiker und Autor versucht ...
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Laut Plan musste er mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren. Da hatte er keine Wahl. Wenn das mit der Alpenüberquerung etwas werden sollte, dann musste er im April in Form kommen. Ganz harmlos hatte das mit Radfahrerei angefangen. Zunächst ging es darum etwas für die Pumpe zu tun. Alle machten irgend etwas für ihre Pumpe. Laufen war doof, aber Rad, das war schon immer etwas. So kam er zu diesem erstklassigen Rennrad. Dünne Reifen hatte es. Damit war er auf Asphalt schnell wie der Wind und bei den Radwegen am Kanal ging es auch ganz gut. Da es keinen Gepäckträger hatte, transportierte er sein Bürooutfit im Rucksack. Der war wasserdicht. Jedenfalls war das die Aussage des Verkäufers. Eine Wassersäule von 1300 stand auf dem Etikett. Ausprobiert hatte er es noch nicht. Hoffentlich brauchte er es heute nicht. Laut Wettervorhersage waren Regen- und Graupelschauer angesagt. Bevor er aufstieg, sah er schon die Wolken am Horizont. Sie waren weit weg und, wenn er sich beeilte, schaffte er vorher. Zwar hatte er im Rucksack auch einen Poncho, der sah aber seltsam aus. Außerdem schwitzte er unter diesen regendichten Plastikplanen immer so. Aber eine Erkältung konnte er sich, zumal diesem Tag, gar nicht leisten konnte. Seine Stimme sollte doch gerade heute laut und deutlich klingen.

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Interessiert immerhin mittlerweile ein ganz klein wenig

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"Hallo, da seid ihr ja", sagte er, als Sabines Eltern eintraten. Sie kamen mit Mundschutz und einem Arzt in die Station. So genau konnte er sie gar nicht erkennen, aber es konnten ja nur Sabines Eltern sein.
"Unser armes Ding", sagte die Mutter. Der Vater presste ihre Hand.
"Gehen Sie nur näher. Sie sollte sie hören und sehen können. Den Kopf bewegen und reden geht noch nicht, aber das wird auch schon noch wieder kommen. Es war ein Wunder, das sie nur gebrochene Knochen hat."
Die beiden kamen an das Bett. Ihn beachteten sie nicht. Vermutlich sahen sie ihn auch nicht. Wer sieht schon einen Geist?
"Hallo Sabine. Da sind wir endlich. Wie konntest Du nur mit diesem ...", die Mutter schüttelte ihren Kopf und weinte.
"Marie, das mit den Vorwürfen wollen wir doch besser lassen. Unsere Kleine lebt und wird das alles überstehen. Nicht wahr?" Der Vater blickte von Frau zu Tochter zu Arzt.
"Die Wirbelsäule hat wie durch ein Wunder nichts ab bekommen. Es sind nur Rippen, Gesicht und Becken gebrochen. Das sieht zwar alles recht technisch aus, aber eigentlich braucht sie das alles gar nicht. Atmen geht alleine, Nerven sind nicht abgeklemmt. Das wird vermutlich alles wieder. Sie ist ja genau auf ihren Begleiter gefallen. Für den konnten wir nichts mehr machen. Der war nach der Einlieferung schon. Und nun ja auch schon beerdigt."
"Sie weint", sagte die Mutter. "Mein Liebes, das wird schon wieder. Und ...", die Mutter streichelte die Wangen ihrer Tochter, "... er war schon ... so leichtsinnig aber auch. Wie konntet ihr nur?"
"Bei anderen Sportarten hätte das auch passieren können. Unfälle kommen vor. Und er hat sich wohl ...", der Vater war sachlich und kühl, "Welch eine Kontrolle und Umsicht dieser Mann noch gehabt haben muss. Es sei denn es war Zufall, dass er sich so unter dich gelegt hat, dass unsere Kleine das alles übersteht."
"Ich habe die Arme ausgebreitet, als wäre ich ein Vogel. Fliegen, fliegen an mehr habe ich nicht gedacht. Da bin ich dann also tatsächlich ein ganz klein wenig geflogen, so dass Du das überlebt hast. So ein Wundermann war ich gar nicht", erklärte er, ohne dass jemand ihn hörte. Nur Sabine schien zu lächeln. Sollte sie ihn hören können?
"Ich bleibe nun immer bei Dir, um Dich zu beschützen. Wenn ich schon ein Geist bin, kann ich auch Dein guter Geist sein. Was meinst Du?"
Konnte sie ihn wirklich sehen?


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"Kommst Du?", Mona drängte schon wieder.
"Ja, ja. Gleich. Musst Du immer so drängen. Ich weiß gar nicht, welche Mütze besser aussieht. Was meinst Du? Diese hier hätte doch etwas." Er setzte sich eine schwarze Pudelmütze auf und grinste seine Freundin an.
"Du spinnst. Ist doch viel zu warm. Wir sollten dann aber bald"
"Na gut, dann also die einfache aus Baumwolle. Flach und schmucklos. Fast schon wie ein Kopftuch."
Grimmig zog er einen schwarzen Mützenschlauch auf seinen Schädel. Es war ein Schlauch aus Baumwolle, der an einem Ende mit einem zugenähten Knoten versehen war. Falls er seine Haare hinten zu einem Dutt zusammengebunden hätte, wäre es so wie ein Kopftuch. Bei Mona sah das herrlich aus. Sie hatte ja auch blonde Haare, die so lang waren, dass ein Dutt an ihrem Hinterkopf möglich war und sogar noch ein kleiner Pferdeschwanz verschämt unter Mütze zum Vorschein kam. Sein kleines Knötchen machte bei der Mütze nicht viel aus. Es sah aus wie eine Schlafmütze.
"Warum eigentlich überhaupt eine Mütze?"
"Du weißt doch, wie die Leute hier sind. Ich will kein Kopftuch tragen und wir haben doch Partnerlook ausgemacht." Sie kraulte seinen Vollbart und schaute ihn mit einem gekonnten Schmollmund an.
"Ja, ja", er liebte es ihr zustimmen zu können.
"Beeil Dich, der Bus wartet nicht", mahnte sie ihn. Ihre blauen Augen wiesen nach unten, zu seinen Füßen. Tatsächlich! Da war noch nichts. Er suchte nach den Flip-Flops.
"Wir wollen doch oben ein wenig herumlaufen. Es wird kalt und steinig sein. Warum haben wir denn sonst die gleichen Bergschuhe gekauft?"
"Da schwitze ich doch nur drin."
"Dann sind wir oben und unten im Partnerlook. Und es ist oben wirklich kalt und steinig."
"Kann man sich doch gar nicht vorstellen. Das wird da oben auch nicht unter zehn Grad sein. Aber ...", ein Blick in ihre blauen Augen reichte aus, " ... dann eben. Nun gut."

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Sie möchten, dass es die Welt sieht. Aber die schaut lieber weg. Ist ja auch kompliziert, wenn die Falschen mit Steinen werfen.

Steine werfen dürfen eben nur die Richtigen. Die Linken.

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Mit der rechten Hand fuhr sie in der Luft umher. Sie griff nach einem unsichtbaren Hebel und bewegte ihn nach vorne. Dann öffnete sie die Hand, nahm sie halbkreisförmig zurück und drückte dann auf einen unsichtbaren Knopf neben dem Hebel. Das alles geschah ohne dass sie die Augen von der Anleitung auf ihren Knien nahm. Sie studierte diese angestrengt. Es war diese Bewegung mit dem Hebel und den Knopf, auf die alles hinaus lief. Das hatte der Chef extra gesagt Noch einmal wiederholte sie die Bewegung.
Dann schaute sie auf die Birne in der linken Hand an. Bevor sie hinein biss, öffnete und schloss sie ihren Mund. Imaginär schluckte sie etwas hinunter, erst danach führte sie ihre linke Hand mit der Birne an ihren wieder geöffneten Mund und biss ab. Sorgfältig kauend widmete sie sich wieder der Anleitung und machte mit der rechten Hand wieder die wichtige Bewegung.
Das ganze wiederholte sich einige Male. Bevor die U-Bahn ihre Haltestelle erreichte, war die Birne verspeist und die Bewegung eingeübt. Bei der Einfahrt erhob sie sich und bereitete sich sorgfältig auf das Verlassen des Waggons vor. Ihre dünne Tasche mit der Anleitung hängte sie so um, dass der Riemen über ihre rechte Schulter hing und die Tasche an ihrer linken Seite war. Den kleinen, schwarzen Rucksack nahm sie auf den Rücken, die grüne Handtasche klemmte sie unter den rechten Arm.
Es reichte noch sich sorgfältig die Mütze aufzusetzen, bevor die Türen sich öffneten.

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Auf der Suche nach einem richtigen Strand bin ich 2014 nach Comino gefahren. Es gab zwar Strand, aber dann auch noch etwas viel interessanteres.


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Er sah ihn dort sitzen. Es war dieser Kollege, den er nur immer mal wieder begegnet. Den Namen kannte er gar nicht. Der war wohl auch aus dem Urlaub wieder zurück. Jedenfalls grinste der merkwürdig und deswegen musste er sich zu ihm setzen.
"Hallo, auch wieder da", grüsste er.
"Ja, hallo. Nun geht es wieder weiter. Müssen wir wohl wieder in die Mühle", der Kollege konnte aber gar nicht den müden, eher depressiven Gesichtsausdruck des Büromenschen aufsetzen.
Dann musste er wohl: "Nach so einem richtigen Urlaub kommt man doch entspannt zurück. Wie war denn Ihrer?"
Das war genau das gewünschte Stichwort. Sein Gegenüber schwärmte von der Fernreise, die diesmal nach Asien ging. Die Tempel in Kambodscha hatten sie sich angesehen. Und sogar einen kleinen Buddha aus Holz hatten sie günstig erstanden.
"In Bangkok die Märkte haben wir uns nicht noch einmal angetan", konterte er in einer Schwallpause.
"Sie waren auch in Asien?"
"Immer mal wieder nach Thailand auf eine von den Inseln im Süden. Da hat man ja alles. Das Wasser. Das Essen. Und für Kultur immer der Tag in Bangkok. Da aber dann nicht die Märkte mit den Booten. Im Fernsehen sieht das immer toll aus, aber der Gestank und die Mücken. Das ist gar nicht mein Ding."
Der Kollege schwärmte dann nicht mehr so richtig. Gegen die Mücken hatte er so ein Spray gehabt. Der Geruch war auch gar nicht so schlimm.

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Seine Knie wippten auf und ab. Seine Hände lagen auf seinen Oberschenkel, die sich im Takt seiner Füsse hoben und senkten. Die Sohlen der Arbeitsschuhe waren nach oben gebogen und so konnten sie sich leicht vor und zurück gerollt. So war kein Zucken, sondern ein gemütliches, nachdenkliches Rollen, das die Knie hob, wenn die Schuhspitze dem Boden berührte, und senkte, wenn die Ferse der Schuhe am Boden war. Er hatte ja noch etwas zu erledigen und konnte sich noch nicht mit übereinander gelegten Füssen entspannen. An diesem Nachmittag war er ein wenig früher unterwegs. Neben ihm lag ein schwarzer Rucksack, den er immer mal wieder anschaute. Dann ruhten seine Füsse. Wenn er zum Rucksack schaute, schluckte er. Deutlich wanderte der Adamsapfel nach oben und nach unten.
Es musste einfach klappen!

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Sie band gerade ihre weiße Schürze zusammen, als sie ihn bemerkte. Er lächelte im Gegensatz zu den anderen Besuchern des Bahnhofcafés. Alle anderen Gäste waren, wie immer am Montagmorgen, noch im Bett oder noch am Feiern. Dieser Gast aber saß gut gelaunt an seinem Tischchen. Neugierig, aber eher indirekt von der Seite, musterte sie ihn. Die Falten in seinem Gesicht verrieten eine eher depressive Weltsicht, wie sie in diesen Zeiten normal war. Trotzdem lächelten seine Augen und auch seine Mundwinkel. Sein Tisch war schon gewischt, bestellt hatte er anscheinend noch nichts.
Wie lange er dort wohl schon wartete? Was er wohl bestellen würde? Er sah aus wie jemand, der nur ein Kaffee trinken wollte. Hoffentlich bestellte er nicht nur einen schnellen Espresso.
Beiläufig kam sie an seinen Tisch.
"Guten Morgen, was darf es sein?"
"Hallo ...", er wurde aus seinen Träumen gerissen und machte erst ein erstauntes, dann aber wieder freundlich, lächelndes Gesicht.
"Entschuldigung, einen Cappuccino bitte"
"Kommt sofort".
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