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Martin Gommel
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Martin Gommel

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Irgendwo in Kosovo

Da meine Begleiter und ich die ganze Zeit über kreuz und quer durch Kosovo fuhren, fotografierte ich sehr viel aus dem Jeep heraus.

Dabei gelang mir diese Aufnahme, auf der ein alter Volkswagen zu sehen ist - diese sind in Deutschland (dank der Abwrackprämie) längst von der Straße verschwunden.

Mit Bildern wie diesem verbinde ich, obwohl keine Menschen darauf zu sehen sind, sehr viel.

Ich erinnere mich an den Fahrtwind, den ich spürte, wenn ich meine Hand aus dem Fenster hielt. An die langen Gespräche mit Sara und Zef, die mir Hintergründe der armen Familien erklärten.

An meine Fragen, meine Wut und Trauer. Und ich erinnere mich an die Minuten, in denen ich gedankenversunken aus dem Fenster schaute und wusste, dass es gut und wichtig ist, hier zu sein.
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Eine wichtige Aktion. Sehr wichtig. Danke.
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Martin Gommel

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Moscheen in Kosovo

Während wir eine Woche lang quer durch Kosovo fuhren, fielen sie mir auf: Die Moscheen. In den meisten Dörfern, Kommunen und Städten sind sie zahlreich zu sehen. Für mich, der aus Deutschland eigentlich nur Kirchen gewohnt ist, war dieser Anblick von besonderem Interesse. 

Da wir es uns zur Aufgabe gemacht hatten, so viele Familien wie möglich zu besuchen, war unser Zeitplan recht eng. Zu gerne hätte ich eine Moschee von innnen besucht, doch dafür war keine Zeit. 

So versuchte ich, aus dem Auto heraus hier und da zu fotografieren, um mir die Erinnerung an diese (in meinen Augen) schönen Orte des Gebetes zu erhalten.
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Martin Gommel

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Die atemberaubende Landschaft des Kosovo hat mir nicht selten die Sprache verschlagen. Immer wieder sah ich, wenn der Blick frei war, die mächtigen Berge, die stets mit Eis und Schnee bedeckt waren. 

An diesem Tag waren wir gerade unterwegs von einer langen Tour zurück zum Kinderheim, in dem ich untergebracht war, als sich nach einem Regenschauer die Sonne durch die Wolken kämpfte. 

Wir hielten kurz an und ich konnte ein paar Aufnahmen von der Weite und Schönheit der kosovarischen Natur machen. Ich lehnte mich weit ins Feld und drückte ein paar Mal ab. Genoss die Stille und den Anblick, lies alles auf mich wirken. 

Auch jetzt, wenn ich mich an diesen Moment erinnere, habe ich den Geruch des Sommerregens in der Nase und spüre die die angenehme Kühle auf der Haut. 
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Martin Gommel

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Kirche und Moschee nebeneinander 

In Kosovo durfte ich erleben, dass Religion kein Grund für Trennung, sondern ein Grund für gemeinsames Miteinander sein kann. 

In vielen Städten und Gemeinden leben Christen und Muslime friedlich zusammen – was ich aus Deutschland auf diese Art und Weise nicht gekannt hatte. 

Für mich ist Kosovo in dieser Hinsicht ein Vorbild, von dem wir im reichen Westen noch sehr viel lernen können. 
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Martin Gommel

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Kosovarische Idylle 

In starkem Kontrast zur Armut des Landes habe ich die wahnsinnig schöne Landschaft erlebt. 

Als ehemaliger Naturfotograf habe ich mich dort sofort an meine alten Fotos erinnert gefühlt - und mich nach ein paar Tagen komplett in die Berge verliebt (die ich nun sehr vermisse).

In den nächsten Tagen/Wochen werde ich immer wieder zwischen den Berichten über Familien ein, zwei Landschaftsfotos einwerfen. 

Denn auch das gehört zu Kosovo. 
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Gjakove. Ich besuche mit Zef und Sara eine kleine Commune für Roma, Ashkali und Ägypter – die Caritas hat hier einige Häuser für die Ärmsten gebaut. Nach einer kleinen Einführung mit er Leiterin führt uns der Sozialarbeiter, der hier Angebote für Kinder macht, zum Haus einer Familie.

Wir werden ins Wohnzimmer gebeten, und setzen uns auf eine Couch. Gegenüber sitzt ein älteres Ehepaar, dessen Sohn mit seiner Frau und deren einjährigem Sohn hier leben. Der Großvater, so werde ich informiert, putzt für 3 € (!) im Monat Wohnungen.

Nach kurzer Zeit spricht mich die junge Frau des Sohnes auf Hochdeutsch an. Ich bin etwas verwirrt und frage nach. Emine ist 19 Jahre alt, war vier Jahre in Österreich und ging dort zur Schule. Doch als ihre Mutter starb, kam sie zurück nach Kosovo.

Nun lebt sie hier mit ihrem Mann, dem gemeinsamen Sohn und den Schwiegereltern. Liebend gerne, würde sie nach Deutschland fliehen, doch sie hat kein Geld dafür. Und das packt sie in deutliche Worte, die mich im innersten erschüttern.

„Für mich ist das Leben hier scheiße. Ich habe kein Leben hier.“

In mir dreht sich alles. Ich höre ihr zu, schaue sie an, und, weil diesmal kein Übersetzer dazwischen ist, trifft mich das, was sie sagt, um ein zehnfaches.

„Mein Mann arbeitet mit Plastikmüll. Aber er kann so nicht arbeiten. Fuß ist krank.“

„Manchmal essen wir, wenn wir etwas zum Essen haben.“ Und manchmal auch nicht.

Ich höre zu, mache ab und an ein Foto und spiele in bisschen mit dem Kind. „Kommen Sie, ich zeige Ihnen, wo ich wohne“. Erst jetzt verstehe ich, dass sie nicht zusammen mit den Schwiegereltern wohnt, sondern neben deren Haus in einer kleinen Baracke.

Emine zeigt mir, wie sie wohnt und hebt eine dünne Matratze an. „Im Winter kommt Wasser rein. Wenn ich hier schlafe, wird alles nass. Ist für mich scheiße. Wenn Sie mir helfen können, bitte.“

Kopfschüttelnd und traurig mache ich ein paar Aufnahmen, laufe raus ins Feld und fotografiere die Baracke. Ich kann das alles gar nicht fassen und fühle mich wie in einem Albtraum gefangen.

Dann setze ich mich mit Sara, der Aktivistin noch einmal zu Emine. Sie weint. Ich lege meinen Arm um sie und verspreche ihr, über ihre Situation zu schreiben und die Fotos zu zeigen.

Als wir uns verabschieden, kann ich meine Tränen nicht zurückhalten. Ich laufe schnell weiter. In mir ist alles still und schwer.

Liebe Familie, liebe Emine. Es ist nun einige Wochen her, dass ich Euch kennengelernt habe und noch immer bin ich innerlich bestürzt, wenn ich an Euch denke. Ich bin noch immer sprachlos. Ich wünsche Euch Kraft, die kommenden Jahre durchzustehen. Friede mit Euch.
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Carmen Schmidt's profile photoFlorine Calleen's profile photo

Martin Gommel

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Spiderman 

An einem herrlichen Sommertag sind wir zu Besuch in einer von der Caritas aufgebauten Commune für Roma, Ashkali und Ägypter In Gjakove. Für die ärmsten der Armen wurden hier Häuser gebaut und die Menschen werden von Mitarbeitern der Caritas betreut.

Das Ganze wirkt auf mich wie eine deutsche Neubausiedlung, mit dem entscheidenden Unterschied, dass die Siedlung von Müll umgeben ist und in den Häusern nicht der Mittelstand, sondern der unterste Rand der Gesellschaft lebt.

Nachdem wir eine Familie besucht haben (deren Geschichte ich bald erzählen werde), treffen wir zwei Jungs, die zu uns gelaufen kommen. Einer der Beiden trägt ein altes Spiderman-Kostüm.

Ich frage den Jugendarbeiter der Commune, ob er den Jungen bitten möchte, einmal kurz über einen Kies-Hügel zu springen. Er freut sich sichtlich und nach zwei Anläufen gelingt mir diese Aufnahme.

Spiderman ist in der Luft.

Das Foto ist nach außen hin fast perfekt. Die Löcher des Kostüms sind aus dieser Perspektive nicht zu sehen, und damit auch die Armut nicht. Doch die Sandalen von Spiderman geben einen kleinen Hinweis auf die Umstände des Jungen.

Der kleine Spiderman kommt zu mir gerannt und auf einmal bin ich umzingelt von vielen Kindern, die alle das Foto sehen wollen. Ich zeige es ihnen und alle wollen mir mit spielen, lachen und reichen mir die Hand. Leider müssen wir weiter, verabschieden uns und steigen wieder ins Auto.

Während wir losfahren, öffne ich die Fensterscheibe und sehe Spiderman am Auto lehnen. Ich mache schnell ein Foto und sehe es erst jetzt: Er ist stolz, glücklich und strahlt übers ganze Gesicht.

Kleiner Spiderman, ich hätte Dich gern näher kennengelernt. Ich wünsche Dir, dass Du Dich eines Tages über die Armut, in der Du leben musst, erheben kannst. Ich wünsche Dir, dass Du niemals Dein Lächeln verlierst und alle Kraft hast, um den widrigen Umständen zu trotzen. Friede mit Dir, Deiner Familie und Deinen Freunden. 
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Martin Gommel

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Es ist heiß, während Sara (Übersetzerin und Aktivistin, die mein Projekt begleitet) und ich im Golf des Caritas-Mitarbeiters Zef nach Ferizaj, der drittgrößten Stadt Kosovos fahren. Nach einem kurzen Besuch bei der Zentrale der Caritas fahren wir in ein Armenviertel, in dem Gani mit seinem Sohn lebt.

Am Haus angekommen, öffnet uns Gani das Tor und ich sehe sofort, dass hier nicht viel Raum zum Leben ist. Nachdem er uns die Wohnräume seines Bruders gezeigt hat, der gerade aus psychischen Gründen im Krankenhaus ist, betreten wir ein ca. 10 Quadratmeter kleines Zimmer. Dort schlafen, essen und wohnen Gani uns ein Sohn.

Was ich sofort erkenne ist: Verwahrlosung. Der Vater ist so arm, dass er auch den Glauben an sich verloren hat. Die Wäsche liegt überall verteilt herum und das ganze Zimmer ist sehr schmutzig. Der kleine Raum ist feucht - obwohl es in den letzten Tagen nicht geregnet hat.

Gani erzählt uns, dass sich seine Ex-Frau vor Jahren von ihm trennte und nun mit seinem ältesten Bruder zusammenlebt. Nach der Trennung entschied ein Richter, dass die Ex-Frau das Zweite von beiden Kindern in die neue Ehe nehmen würde, und so wurden auch die Kinder getrennt.

Gani bekommt vom Staat 40 € für seinen Sohn und weil er selbst krank und somit arbeitsunfähig ist, kommen 80 dazu. Die beiden leben also 120 € im Monat – und werden immer wieder von der Caritas mit Nahrungsmitteln versorgt.

Weil der Vater unter Rheuma leidet, hat er insbesondere Nachts starke Schmerzen. Um diese zu lindern, lässt er sich sehr selten vom Arzt ein Schmerzmittel injizieren, das mit 5,50 € teuer ist und ihm 10 Tage gönnt, in denen die Pein nicht allzu schlimm ist.

Erneut sehe ich einen Menschen, der direkt darunter leidet, dass er nicht versichert ist. Dieser Mann hat körperliche Schmerzen, die deswegen nicht gelindert werden können, weil er es nicht bezahlen kann. Ich schlucke. Er tut mir sehr leid.

Gani hat Verwandte, die mittlerweile in Amerika leben, ihm aber nicht helfen. Im Verlauf des Besuches deutet er auf ein paar Fotos an der Wand, auf denen seine Verwandtschaft und Vorfahren zu sehen sind. Einen Moment lang habe ich den Eindruck, dass diese Foto-Kollektion ein Schatz ist, auf den er stolz ist.

Doch während er mir ein Foto zeigt, das in der Mitte durchgerissen ist, frage ich, wer auf der anderen Seite des Bildes zu sehen war. Ich hätte es mir eigentlich denken können. Seine Frau. Gani lacht in diesem Moment, doch ich weiß, dass sein Schmerz tief sitzen muss.

Ganis Sohn geht zur Schule, wie ich herausfinde. In die zweite Klasse. Doch er hat ein Problem mit den Augen, das über die Jahre immer schlimmer geworden ist. Auf einem alten Bild ist er mit ganz normalem Blick zu sehen.

Weil wir weiter müssen, verabschieden wir uns. Gani begleitet uns noch bis zum Auto und gibt jedem von uns lächelnd und dankend die Hand. Ich steige ins Auto und versinke in Gedanken. 

Lieber Gani. Es war gut, dass ich Dich und Deinen Sohn kennengelernt habe. Ich wünsche Dir Kraft und Mut, mit Eurer Armut umzugehen. Mögen Deine Schmerzen gelindert werden - sowohl Deine körperlichen, als auch Deine seelischen. Ich wünsche Euch das Beste. Friede mit Euch, Gani, Friede mit Euch.
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Martin Gommel

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Zu Beginn meiner Zeit in Kosovo besuchten wir eine muslimische Familie, die für mich bis heute an ein Wunder grenzt. Nachdem wir über eine wackelige Brücke über einen Fluss gefahren und den Jeep durch enge Wege gezwängt hatten, kamen wir vor dem Haus der Familie an und wurden sofort herzlich begrüßt.

Die Mutter servierte uns schwarzen Tee mit Zucker, der mir vorzüglich schmeckte. Auf der Couch lag ein Sohn der Eltern, der behindert war. Ich setzte mich zu ihm, versuchte, mit ihm zu lächeln und machte ein paar Fotos, die ich ihm zeigte.

Dieser Junge kam jedoch „normal“ auf Welt. Doch im Alter von 9 Monaten wurde er krank und bekam hohes Fieber. Das über lange Zeit nicht zurückging.

Weil die Familie kein Geld hatte, zum Arzt zu fahren (und den Arzt zu bezahlen), blieben beim Kind dauerhafte Schäden - und wir mutmaßten eine Hirnhautentzündung. Dieser Mensch kann nicht laufen und nicht sprechen, weil die Familie arm ist.

In Kosovo gibt es keine Versicherung, die im Falle eines Krankenhausbesuches diesen bezahlt. Wer kein Geld hat, muss leiden. Und wer kein Geld hat und ein krankes Kind, muss zusehen, wie das Kind leidet - und, wie in diesem Fall, behindert wird.

Dazu kommt, dass der Junge heute Medikamente braucht, die nicht billig sind. Ohne die Unterstützung der Caritas, die auch beim Hausbau geholfen hat, würde das Leben dieser Familie wesentlich düsterer aussehen.

Die Geschwister des Jungen (der übrigens viel lachte) machten auf mich aber überhaupt keinen düsteren Eindruck. Sie spielten mit mir im Hof Fangen, versteckten sich, während ich ihnen mit der Kamera unauffällig folgte, kicherten und: Strahlten übers ganze Gesicht. Auch die Eltern machten auf mich einen lebendigen und klaren Eindruck - immer wieder wurde mir schwarzer Tee angeboten.

Ich hatte mit allem gerechnet, doch nicht damit. Diese Familie schien ihre Armut akzeptiert und die Lust am Leben, die Freude an kleinen Dingen und somit auch die Würde ihrer selbst aufbewahrt zu haben. Es war, als ob ich in glücklichste Familie in Kosovo kennengelernt hatte.

Ich erinnere mich noch gut, wie ich noch tagelang über diese Begegnung rätselte und mich darüber wunderte. Auch heute denke ich noch oft an diese Familie, die leuchtenden Augen der Kinder und den Sohn, der nicht laufen kann.

Alleine die Vorstellung, eine meiner beiden Töchter würde krank werden und ich müsste dabei zusehen, wie sie sich eine Meningitis zuzieht, allein diese Vorstellung lässt mich erschaudern. Ich würde wohl meines Lebens nicht mehr glücklich werden.

Liebe Familie auf der anderen Seite des Flusses. Ihr habt mir so viel gegeben, dass ich Euch für immer dankbar sein werde. Inmitten der Not habt Ihr mich mit Freude und Gastfreundschaft überschüttet. Ich wünsche Euch eine Zukunft, in der Krankheit kein Grund zur Sorge sein muss. Eine Zukunft ohne Armut.
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Christian von Kietzell's profile photoHolger Dankelmann's profile photo

Martin Gommel

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Nachdem wir mit dem Jeep über steinige Wegen vor dem Haus dieser Familie geparkt und ausgestiegen waren, wurden wir hereingebeten und zogen zuerst die Schuhe aus.

Im Wohnzimmer zeigte uns die Mutter ihr Kind, das sich vor drei Wochen eine Verbrennung am Fuß zugezogen hatte. Heiße Milch. Ein Besuch beim Arzt kam für die Familie nicht in Frage, denn dafür ist bei armen Menschen kein Geld übrig.

Wie immer fragten wir, ob die Familie einverstanden ist, fotografiert zu werden. Während ich meine Kamera auspackte, bemerkte ich, dass meine Füße nass waren. Das Haus nässte als durch - was ich später auch am Schimmelbefall der Wände feststellte.

Ich lief einwenig um das Haus herum und fand auf der Hinterseite einen Platz, der mit Müll beladen war. Meine Begleiterin Sara erklärte mir, dass dies die Arbeit des Vaters war: Sammeln von Müll, sortieren, und dann wieder verkaufen.

Ich machte einige Fotos und schüttelte innerlich mit dem Kopf. Wie konnte das sein, dass Menschen von den Abfällen der Gesellschaft förmlich leben mussten?

Es stellte sich in Gesprächen mit dem Vater der Familie heraus, dass der zwölfjährige Sohn zwar zur Schule ging, aber dort, aufgrund seiner Roma-Zugehörigkeit immer wieder diskrimiert wurde. Für den Sohn war klar, dass der Schulbesuch zwecklos ist, da er danach ohnehin keine Chance auf eine „richtige“ Arbeit hätte und wie der Vater vom Müllsortieren leben würde.

Desweiteren machte uns der Vater auf eine Schwellung am Hals des Sohnes aufmerksam, die ihm seit 6 Monaten das Atmen erschwerte - und er nachts (zur Beunruhigung der Familie) streckenweise aufhörte, zu atmen. Ein normaler Kontrollbesuch im Krankenhaus wäre jedoch mit 30 € außerhalb des Möglichen der Familie.

In der prallen Sonne stand ich vor dem Haus dieser Familie, die jeden Tag förmlich mit dem Überleben kämpfte. Immer, wenn ich die Kamera hob, um ein neues Foto zu machen, fühlte ich überhaupt nichts und konnte den traurigen Anblick gar nicht nicht an mich heranlassen.

Wieder funktionierte ich nur. Wieder arbeitete ich, so gut ich konnte, um den Ort und diese Menschen so zu dokumentieren, wie ich ihn vorfand. Ich war da, und das war das Wichtigste.  

Erst als wir uns verabschiedet hatten und im Jeep saßen, fühlte ich die Bedrückung und das Schwere. Auf der Fahrt sprachen wir noch lange über die Verhältnisse und den Umgang der Familie mit ihrer Armut. Ich musste das einsortieren und verarbeiten. Wirken lassen.

Liebe Familie, die vom Müllsortieren lebt. Ich werde Euch in Erinnerung behalten. Möget ihr Kraft und Mut haben, Eure Armut auszuhalten und gleichzeitig weiter dafür zu kämpfen, ein besseres Leben zu erlangen. Friede mit Euch. Mit Dir, lieber Vater, liebe Mutter und Großmutter. Und Friede mit Euch Kindern.
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Martin Gommel

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Diese Familie, die wir besuchten, gehört zur Ethnie der Roma. Da die älteste Tochter unter schweren Depressionen und Panik litt (und immer noch leidet), verkaufte die Familie das Haus, um eine Flucht nach Österreich zu finanzieren.

Dort angekommen, lebten sie sechs Monate in einem Flüchtlingsheim, wurden dann aber mit einem Bus zurückgeschickt oder auch: Abgeschoben.

Zuhause angekommen, bekam die Familie von der Kommune zwar das Haus zurück, doch nun war es leer. Keine Möbel mehr und die Türen kaputt. Als der Vater zum Sozialbüro ging, um Hilfe zu erbitten, wurde ihm gesagt, dass dies nach einer Flucht nicht mehr möglich sei.

Als wir das Haus betraten, erschrak ich, denn die Zustände dort waren sichtlich katastrophal. Ein paar Essensreste lagen in einer Ecke: Das, was von der Versorgung der Caritas von vor einem Monat übrig war. Weil die Toilette nicht mehr funktionierte, mussten alle dafür in die Natur.

Diese Familie lebte nun seit einem Monat in diesem fatalen Zustand und uns wurde klar: Vor dem Wintereinbruch muss hier dringend etwas passieren. Der Winter verändert in Kosovo alles - und kann lebensgefährlich werden. Ohne Heizung, ohne warmes Wasser, ohne Decken und warme Kleidung kann das sehr schnell lebensgefährlich werden.

Meine Begleiter von der Caritas machten sich Notizen, sprachen mit der Familie, gaben ihr ein Carepaket (mit Nahrungsmitteln), und machten dem Vater Mut, wieder den Kontakt mit den Behörden aufzunehmen, um weiterzukämpfen.

Ich selbst fotografierte und versuchte, per Handzeichen und Mimik ein bisschen mit den Kindern, die sehr schüchtern waren, zu kommunizieren. Kurz: Ich funkionierte einfach und versuchte, nicht darüber nachzudenken, zu drückend und traurig war das alles.

Im Nachhinein wurde mir zum ersten Mal so richtig bewusst, was passiert, wenn wir reichen Länder in Europa Menschen zurückschicken. Sie haben doch alles bis auf den letzten Euro investiert, um zu uns zu kommen.

Wenn sie dann abgeschoben werden, sind die Lebensbedingungen ja nicht besser. Im Gegenteil: Es ist schlimmer, als je zuvor. Mit einer Abschiebung machen wir uns am Leid dieser Menschen mitschuldig.

Liebe Roma-Familie, ich wünsche Euch ein Leben, das lebenswert ist. Ich hoffe, dass sich Eure Situation vor dem Wintereinbruch bessern und Eure Tochter von den Depressionen geheilt werden kann. Bleibt und werdet stark. Friede mit Euch. Friede.
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