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Gestern noch im Morgenland
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STUFEN

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf' um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden...
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

°

AUTOR: Hermann Hesse
FOTO: Alexander Kästel
ORT: #Mannheim #Rhein #Strandbad

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ES GIBT DICH

Dein Ort ist
wo Augen dich ansehen.
Wo sich Augen treffen
entstehst du.

Von einem Ruf gehalten,
immer die gleiche Stimme,
es scheint nur eine zu geben
mit der alle rufen.

Du fielest,
aber du fällst nicht.
Augen fangen dich auf.

Es gibt dich
weil Augen dich wollen,
dich ansehen und sagen
daß es dich gibt.

°

AUTOR: Hilde Domin
FOTO: Till Dominik Kretner
ORT: #Mannheim #BASF

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“Dort wo die Fassade aufhört
Fängt der Mensch an
Manchmal muss man über Mauern steigen
Oder auf Mülltonnen klettern,
um in Fenster zu sehen,
auf denen Regentropfen Sternbilder malen
Muss an der Fassade kratzen,
bis sie langsam bröckelt
und fällt
Und das,
was man dahinter findet
wird Geheimnis bleiben
und ein bisschen Wunder”

°

AUTOR: [Hinterhof Gedanken]
FOTO: Alexander Kästel
ORT: #Ilvesheim
ZUSAMMENGESTELLT: Tim & Alexander
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VORSICHTIGE HOFFNUNG


Weiße Tauben
im Blau
verbrannter Fensterhöhlen,
werden die Kriege für euch geführt?

Weiße Taubenschnur
durch die leeren Fenster
über die Breitengrade hinweg.
Wie Rosensträucher auf Gräbern
achtlos nehmt ihr das Unsre.
Auf den mit Tränen gewaschenen Stein
setzt ihr das kleine Nest.

Wir bauen neue Häuser,
Tauben,
die Schnäbel der Krane ragen
über unseren Städten,
eiserne Störche, die Nester für Menschen richten.
Wir bauen Häuser
mit Wänden aus Zement und Glas
an denen euer rosa Fuß
nicht haftet.
Wir räumen die Ruinen ab
und vergessen die äußerste Stunde
im toten Auge der Uhr
Tauben, wir bauen für euch:
ihr werdet
durch unsere Fenster fliegen
ins Blau.
Und vielleicht sind dann ein paar Kinder da
- und das wäre sehr viel - ,
die unter euch
in den Ruinen
unserer neuen Häuser,
der Häuser, die wir mit den hohen Kranen
den Tag und die Nacht durch bauen,
Verstecken spielen.

Und das wäre sehr viel.


°

AUTORIN: Hilde Domin
FOTO: Alexander Kästel
ORT: #Mannheim #Infrarot




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DER EINSIEDLER

Komm, Trost der Welt, du stille Nacht!
Wie steigst Du von den Bergen sacht,
Die Lüfte alle schlafen,
Ein Schiffer nur noch, wandermüd,
Singt übers Meer sein Abendlied
Zu Gottes Lob im Hafen.

Die Jahre wie die Wolken gehn
Und lassen mich hier einsam stehn,
Die Welt hat mich vergessen,
Da tratst Du wunderbar zu mir,
Wenn ich beim Waldesrauschen hier
Gedankenvoll gesessen.

O Trost der Welt, Du stille Nacht!
Der Tag hat mich so müd gemacht,
Das weite Meer schon dunkelt,
Lass ausruhn mich von Lust und Not,
Bis dass das ew’ge Morgenrot
Den stillen Wald durchfunkelt.

°

AUTOR: Joseph von Eichendorff
FOTO: Alexander Kästel
ORT: #Mannheim #Infrarot
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WAS ES IST

Es ist Unsinn
sagt die Vernunft
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Es ist Unglück
sagt die Berechnung
Es ist nichts als Schmerz
sagt die Angst
Es ist aussichtslos
sagt die Einsicht
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Es ist lächerlich
sagt der Stolz
Es ist leichtsinnig
sagt die Vorsicht
Es ist unmöglich
sagt die Erfahrung
Es ist was es ist
sagt die Liebe

°

AUTOR: Erich Fried
FOTO: Alexander Kästel
ORT: #Mannheim 
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NICHT JAUCHZEN, NICHT KLAGEN

Jauchze nicht, mein Herz, wenn flüchtig
dich berührt des Glückes Hauch ...
Alles Irdische ist nichtig
und die Freude ist es auch.

Klage nicht, mein Herz, wenn quälend
dich ein wildes Weh umfing -
Sieh, vorüber geht das Elend,
wie das Glück vorüber ging!

Trage beides! Denn vorüber
geht die Freude, geht das Leid, -
kämpfe mutig dich hinüber
in den Schoß der Ewigkeit.


°

AUTOR: Rainer Maria Rilke
FOTO: Alexander Kästel
ORT: #Mannheim





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VOM TOD

Du fragst nach dem Geheimnis des Todes.
Aber wie kannst du es jemals begreifen,
außer du suchst es im Herzen des Lebens?

Willst du wirklich den Geist des Todes erkennen,
öffne dein Herz weit für den Körper des Lebens.
Denn eins sind Leben und Tod,
so wie der Fluss und das Meer eins sind.

Erst wenn du vom Fluss des Schweigens trinkst,
wirst du wirklich singen.
Und wenn du den Gipfel des Berges erreicht hast,
wird dein Anstieg erst beginnen.
Und wenn die Erde deinen Körper zu sich ruft,
dann erst wirst du wahrhaft tanzen.

°

AUTOR: Khalil Gibran
FOTO: Till Kretner
ORT: #Mannheim

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DER TOD

Es erschreckt uns,
Unser Retter, der Tod. Sanft kommt er
Leis im Gewölke des Schlafs,

Aber er bleibt fürchterlich, und wir sehen nur
Nieder ins Grab, ob er gleich uns zur Vollendung
Führt aus Hüllen der Nacht hinüber
In der Erkenntnisse Land.

°

AUTOR: Friedrich Gottlieb Klopstock
FOTO: Alexander Kästel
ORT: #Mannheim

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Ein Lächeln ist oft das Wesentliche.
Man wird mit einem Lächeln bezahlt.
Man wird mit einem Lächeln belohnt.
Man wird durch ein Lächeln belebt.

(Aus: Bekenntnis einer Freundschaft)

°

AUTOR: Antoine de Saint-Exupéry
FOTO: Alexander Kästel
ORT: #Mannheim
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