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Bewegungskompetent durch Kinästhetik
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Stundenlang am Computer sitzen kann Schmerzen verursachen. Mit der Alexander-Technik lassen sich automatisierte falsche Bewegungen umprogrammieren

Von seiner anatomischen Grundausstattung ist der Mensch ein Bewegungstier. Für Büroarbeit ist der Körper nicht gemacht. In der Geschichte der Evolution spielt auch der Sessel keine Rolle. Was ohne ausreichende Bewegung passiert, ist folgendes: Ganze Muskelgruppen verkümmern, verlieren ihre stützende Funktion. Das wirkt sich auf die Bandscheiben und damit auf die Wirbelsäule aus.

Falsche Körperhaltung über lange Jahre verursacht Schmerzen. "Viele falsche Bewegungsmuster sind automatisiert und werden gar nicht mehr bewusst wahrgenommen", sagt Thomas Hirt, der schmerzgeplagten Rückenkranken eine Möglichkeit zur Veränderung bietet. Alexander-Technik ist die Methode, mit der er Veränderungen herbeiführt. Es ist eine Form der Körperarbeit, die ihre Wurzeln im Schauspiel hat, und in deren Zentrum die Selbstwahrnehmung steht.

Es ist eine überaus feinsinnige Methode. Mit der Alexander-Technik lassen sich Alltagssituationen verbessern – zum Beispiel auch das Sitzen am PC oder das Telefonieren mit dem Smartphone. Und zwar ganzkörperlich, wie Alexander-Lehrer Hirt betont. "Wenn die Finger die Tastatur berühren, verändert das die Situation des gesamten Körpers und seines Nervensystems", sagt er und sieht das in seinen Trainingsstunden an der Muskelspannung seiner Schüler. PC-Arbeit ist jedenfalls eine Herausforderung für das Gesamtsystem: Kleinste Bewegungen über einen langen Zeitraum hinweg, fixierte und dadurch starre Körperhaltung und ein verflachter Atem: All das schadet dem System.

Muskel-Nerven-Achse

Das posturale neuromuskuläre Reflexsystem, so der Fachbegriff, sei in seinen Auswirkungen komplett unterschätzt, ist er überzeugt und will die Macht dieser körperinternen Zusammenhänge erfahrbar machen.

Das fühlt sich erst einmal ziemlich federleicht an. Hirt bittet seine Klienten, sich an den Computer zu setzen. Einmal ganz ehrlich: Die meisten sitzen ziemlich bucklig am Bildschirm, "total kollabiert", nennt es Hirt. Was er dann macht: Er tippt ganz sanft auf die Schulter, erzeugt einen taktilen Reiz, über den sich der Körper aufrichtet.

"Geben Sie das Gewicht ab", bittet er und hält den Arm in seinen Händen. Je verspannter, umso schwerer sei das, erklärt er und das Ziel seiner Arbeit sei die Aufrichtung, die aber nur dann möglich ist, wenn sich eingefahrene Bewegungsmuster im Gehirn umprogrammieren – ein Prozess, der in 20 bis 30 Stunden schon möglich ist.

Gehirn umlernen

Durch Wiederholungen können Büroarbeiter lernen, ihren Kopf nicht in den Nacken fallen zu lassen, nicht ständig nach hinten zu kippen oder nach vorne zu "kollabieren". "Es geht mir darum, den Körper in eine Balance zu bringen", erklärt Hirt und zwar von Kopf bis Fuß, und in dieser Grundstruktur spielt auch die Atmung eine ganz entscheidende Rolle.

Das Ziel der Alexander-Technik sei jedenfalls eine Art von neuer Leichtigkeit, die sich durch die veränderte Sinneswahrnehmung und neu erlernte Bewegungsmuster mehr oder weniger von selbst einstellt. Denn beim Gehen, Stehen, Sitzen, Aufstehen, Atmen und sogar beim Sprechen können sich mit den Jahren viele Fehler eingeschlichen haben und unbewusst das System stören. Durch Körperarbeit lässt sich das verändern, es ist ein langsames, sich ständiges Erinnern, was unserer Anatomie gut tut. (Karin Pollack, 14.11.2016)

Quelle: http://derstandard.at/2000047280927/Schmerzursache-Haltung-korrigieren

#bewegungskompetent #bewegungskompetenz #kinästhetik #kinaesthetics
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Gesundheitsförderung
Abbau der Muskeln bremsen

Klaus Hilkmann

Muskelzellen können sich bis ins hohe Alter immer wieder erneuern. Voraussetzung ist allerdings, dass sie durch Bewegung entsprechende Anreize bekommen.

Oldenburg - Die Leistungsfähigkeit der Muskeln und Knochen nimmt im höheren Alter immer weiter ab. Die menschliche Genetik ist darauf ausgelegt, dass ab dem 40. Lebensjahr zunehmend Muskelmasse und Knochensubstanz abgebaut wird. Aktuelle wissenschaftliche Studien zeigen, dass sich der Alterungsprozess ab dem 50. Lebensjahr beschleunigt, wobei der Substanzverlust je nach Konstitution unterschiedlich schnell und stark verlaufen kann. Ähnlich wie bei anderen Organen verschlechtert sich auch in der Muskulatur und den Knochen die Funktionsfähigkeit der Zellen, was zu einem fortschreitenden Substanzverlust führt. Durch einen ungesunden Lebensstil wird dieser Prozess beschleunigt.

Verlust an Lebensqualität
„Wer sich schon in jungen Jahren zu wenig bewegt, baut nur wenig Muskelsubstanz auf“, erklärt Prof. Dr. Uwe Maus, Leitender Arzt der Universitätsklinik für Orthopädie und Unfallchirurgie im Pius-Hospital Oldenburg. Ohne gezielte Gegenmaßnahmen – etwa mit Kraft- und Ausdauertraining – haben Betroffene später das Problem, dass ihre körperliche Leistungsfähigkeit schlechter ist als die besser trainierter Altersgenossen.

Oft kommen weitere Negativ-Faktoren wie ein vorzeitiger Verschleiß des Haltungssystems und Übergewicht hinzu, was oft mit schwerwiegenden Folgeproblemen wie Gelenk- und Rückenschmerzen verbunden ist. Nicht zuletzt bedeutet ein (Muskel)schwacher Körper auch einen Verlust an Lebensqualität, weil viele Aktivitäten nur unter großen Anstrengungen oder gar nicht möglich sind. Die mit einer schwachen Muskulatur korrespondierende Passivität begünstigt zudem die Verletzungsgefahr etwa durch unkontrollierte Bewegungen und Stürze sowie das Entstehen vieler organischer Erkrankungen etwa des Herz-/Kreislaufsystems.

Entsprechenden Problemen kann man auch im hohen Alter mit der Stärkung der Muskulatur entgegenwirken. „Besonders gut eignet sich dosiertes Krafttraining, das möglichst genau auf die individuellen Fähigkeiten zugeschnitten sein sollte“, betont Maus. Um Verletzungen und schädliche Überlastungen zu verhindern, sollten untrainierte Frauen und Männer zunächst langsam anfangen und die Belastung kontinuierlich steigern. Wichtig ist gerade zu Trainingsbeginn die Begleitung und Kontrolle durch einen fachlich versierten Therapeuten. Im höheren Alter und beim Vorliegen von Begleiterkrankungen muss das Trainingsprogramm vorab mit dem Haus- oder Facharzt angesprochen werden.

Der positive Effekt des Muskeltrainings entsteht, weil die Muskelzellen bis ins hohe Alter in der Lage sind, sich immer wieder zu erneuern. Voraussetzung ist allerdings, dass sie durch Bewegung oder Krafttraining entsprechende Anreize bekommen, erklärt Maus: „Für eine anabole Stimulierung der Muskulatur bedarf es einer Anstrengung mit Übungen, die den Muskel fordern.“ Neben körperlicher Arbeit, Sport oder dem Training in einem Fitnessstudio können auch Alltagsaktivitäten wie etwa Treppensteigen förderlich sein.

Regelmäßig 30 Minuten
Auch mit einem gesunden Lebensstil inklusive körperlicher Aktivität und einer ausgewogenen Ernährung lässt sich der natürliche Substanzverlust nicht verhindern. Man kann ihn aber deutlich bremsen. „Es gibt Menschen, die mit 80 Jahren und mehr noch ohne größere Probleme einen Marathon oder lange Gebirgstouren absolvieren“, berichtet Dr. Maus. Auch für weniger ambitionierte Senioren ist für den Erfolg beim Muskelerhalt- und Aufbau ein regelmäßiges Training entscheidend. Für einen positiven Effekt sollte man mindestens zwei- bis dreimal in der Woche rund 30 Minuten für ein gezieltes Krafttraining einplanen. Nur so lassen sich die Reize erzeugen, mit denen die Muskelzellen zum Wachstum angeregt werden können.

Ein zusätzliches Ausdauertraining ist zwar zur Verbesserung der Fitness sinnvoll, kann aber nur wenig zur Stärkung der Muskulatur beitragen. Das Gleiche gilt für Fitness-Aktivitäten wie Aerobic oder Zumba, da auch hier der Fokus auf der Steigerung der Ausdauer liegt, erklärt Maus: „Entsprechende Aktivitäten können eine gute Ergänzung zu muskelstärkendem Krafttraining sein, dieses aber nicht ersetzen.“

Ein gesunder Mensch verliert ab 40 bis zu seinem 90. Lebensjahr normalerweise etwa die Hälfte seiner Muskelmasse. Aufgrund des erhöhten Proteinabbaus verfügt man mit zunehmendem Alter über weniger und kleinere Muskelfasern. Anstelle der Muskulatur bildet sich vermehrt Fett- und Bindegewebe. Als Folge nimmt die körperliche Leistungsfähigkeit ab, was sich auch negativ auf das Koordinationsvermögen auswirkt, so Prof. Dr. Uwe Maus: „Ohne eine starke Muskulatur lässt auch das Bewegungs- und Kontrollvermögen nach.“

Bei einer Sarkopenie verliert der Betroffene mehr Muskelmasse, als beim natürlichen Alterungsprozess normal wäre. Das Erkrankungsrisiko steigt mit zunehmendem Alter deutlich an. Fachgesellschaften gehen davon aus, dass in Deutschland bis zu 50 Prozent aller Frauen und Männer über 80 von einer Sarkopenie betroffen sind. Das Entstehen kann unter anderem durch chronische Erkrankungen wie einer Herz- oder Nierenschwäche, einer rheumatoiden Arthritis oder COPD begünstigt werden.

https://www.nwzonline.de/gesundheit/oldenburg-gesundheitsfoerderung-abbau-der-muskeln-bremsen_a_32,1,1285170964.html

#bewegungskompetent #bewegungskompetenz #kinästhetik #kinaesthetics
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Hilfe, mein Hals klemmt plötzlich!

Der Tag beginnt mit einer schmerzhaften Entdeckung: Der Kopf lässt sich nicht drehen. Ist etwas eingeklemmt? Das Genick in Gefahr? Immer mit der Ruhe!

Von Myriam Salome Apke

Wer mit steifem Hals aufwacht, den überfällt oft leichte Panik. Über Nacht muss da etwas kaputtgegangen sein! Also schnell das Smartphone schnappen und bei Google nach Erklärungen suchen? Besser nicht: Denn die vorgeschobene Nackenhaltung beim Blick auf das Display kann die Beschwerden noch verschlimmern. Was also tun? Verzagt im Bett zu bleiben hilft jedenfalls nicht.

1. Da ist kein Spiel mehr. Wenn der Hals klemmt, haben wir womöglich zu lange in einer bestimmten Körperhaltung verharrt. Dann verspannen sich die Muskeln und behindern das Spiel der Gelenke zwischen den Wirbelkörpern. Diese kleinen Gelenke liegen normalerweise von der Gelenkkapsel umhüllt unter Sehnen, die in Muskeln übergehen. Verspannt die Muskulatur aber, wird das freie Spiel der Gelenke gestört: Sie sitzen dann fest und können sich nicht mehr richtig drehen. Wir nehmen das als Steifheit oder Blockade wahr.

Regelmäßige Bewegung hilft, die Muskulatur zu lockern und so einem steifen Hals vorzubeugen: Ausdauersport – etwa Walken – sorgt zudem für eine gute Durchblutung, sodass der Körper warm wird und sich Verspannungen lösen. Auch gezielte Übungen helfen: Eine Hand auf das gegenüberliegende Ohr legen und den Kopf sanft zur Seite ziehen. Dadurch wird die Halsmuskulatur gedehnt. Dann mit dem Kopf gegen die Hand drücken und die Muskeln anspannen. Diesen Wechsel aus An- und Entspannung mehrfach wiederholen – zu beiden Seiten.

2. Die Zugluft hat uns kalt erwischt. Das ist der Klassiker: Da hat jemand Zug bekommen und kann den Hals nicht mehr bewegen. Aber wie kann es überhaupt sein, dass ein Lüftchen uns derart steif werden lässt? Grund dafür ist ein Selbstschutzmechanismus: Wenn die Halspartie durch kalte Luft allmählich auskühlt, wird dieser Reiz über die Haut als elektrischer Impuls von Nervenverbindungen in das Rückenmark und weiter ins Gehirn geleitet. Dort kommt die Botschaft "riskante Unterkühlung" an. Reflexhaft wird die Muskulatur in dem betroffenen Bereich aktiviert und verhärtet sich. Die Blutgefäße verengen sich, was die Durchblutung beeinträchtigt und die Wärmeabgabe nach außen reduziert. Das soll die Versorgung der lebenswichtigen inneren Organe sichern – tut aber weh. Gleichzeitig werden durch die Muskelverhärtung die Wirbelgelenke blockiert, um Schäden an der Halswirbelsäule zu vermeiden. Denn Wirbelgelenke, Halswirbel und Bandscheiben sind perfekt miteinander verzahnt. Tanzt von den dreien einer aus der Reihe, ist die Funktion der ganzen oberen Wirbelsäule gestört. Der Körper blockiert dann sicherheitshalber jegliche Bewegung, bis das Signal zur Entspannung kommt. Dann verschwindet auch der steife Hals. Wer diesem Alarmgeschehen zuvorkommen will, bindet bei Zugluft am besten einen Schal um.

3. Wir werden zur Schildkröte. Stehen wir seelisch unter Druck, begeben wir uns oft unbewusst in eine Haltung, die dieses Empfinden widerspiegelt: Wie eine Schildkröte ziehen wir den Kopf ein und die Schultern hoch. Für das Gefühl, geschützt zu sein, zahlt der Körper auf Dauer jedoch einen Preis: Die Muskeln im Schulter- und Nackenbereich verkürzen und verhärten sich durch die ständige Anspannung – Steifheit und Schmerz sind die Folge. Dabei ist Schmerz das Signal des Organismus, die Haltung zu wechseln und die verkrampfte Muskulatur zu lockern. Ein heißer Duschstrahl direkt auf die Schmerzstelle, die man dabei sanft dehnt, kann schon helfen, den steifen Panzer abzuwerfen.

http://www.zeit.de/2017/37/muskulatur-steifer-nacken-ruecken-genick-tricks

#bewegungskompetent #bewegungskompetenz #kinästhetik #kinaesthetics
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Cerebralparese: Kürzere Muskeln, längere Sehnen

Die Beeinträchtigung führt dazu, dass die von der Muskulatur erzeugte Kraft nicht entsprechend weitergeleitet wird

Graz – Wird das Gehirn bei der Geburt unzureichend mit Sauerstoff versorgt, führt diese Cerebralparese (CP) zu einer lebenslangen Beeinträchtigung in der Bewegung. Den Ursachen auf muskulärer Ebene sind Wissenschafter der Uni Graz und der Med Uni Graz auf den Grund gegangen: Die Vergleichsstudie zwischen gesunden und beeinträchtigten Kindern hat gezeigt, dass CP kurze Muskeln und längere Sehnen hervorruft. Dies kann dazu führen, dass die von der Muskulatur erzeugte Kraft nicht entsprechend weitergeleitet wird. Durch die Cerebralparese sind die neuronalen Abläufe gestört, die Körperpartien werden nicht mehr gezielt angesteuert, die Motorik ist mitunter stark beeinträchtigt – und das ein Leben lang. Die durch die frühkindliche Gehirnschädigung verursachte Bewegungsstörung ist bislang nicht heilbar. Die entsprechende Therapie dient vor allem dazu, das alltägliche Leben zu verbessern. Geringe Anspannung der Muskeln Markus Tilp und Annika Kruse vom Institut für Sportwissenschaft der Karl-Franzens-Universität Graz sowie Martin Svehlik von der Medizinischen Universität Graz haben nun beobachtet, was sich in der Beinmuskulatur von bis zu zwölfjährigen Kindern mit leichteren Fällen von Cerebralparese tut. Mithilfe von Ultraschall wurde das elementare Zusammenspiel von Muskel und Sehne beobachtet. "Dabei haben wir festgestellt, dass im Vergleich zu gesunden Kindern, die Muskeln kürzer, die Sehnen hingegen länger ausgebildet sind", sagt Tilp. Die dadurch gehemmte Wechselwirkung führt zu einer verringerten Festigkeit der Sehnen, so dass eine Anspannung des Muskels zu schwach ausfällt und eine störungsfreie Bewegung unterbleibt. "Selbst bei den leichten Fällen von Cerebralparesen war die Maximalkraft der Kinder um fast 50 Prozent geringer als bei gesunden Kindern", erläutert der Sportwissenschafter. In einem weiteren Schritt wollen die Forscher die Therapie des Stretchings, die häufig in Fällen von CP angewandt wird, unter die Lupe nehmen. Ziel ist es, die Wirkung der Behandlungsform zu klären oder ein zielführenderes Trainingsprogramm zu entwickeln.

Originalstudie: http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0268003317302723

Quelle: http://derstandard.at/2000067352670/Cerebralparese-Kuerzere-Muskeln-laengere-Sehnen

#bewegungskompetent #bewegungskompetenz #kinästhetik #kinaesthetics

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Quality-of-Life-Preis
Kinder mit Cerebralparese werten ihre Lebensqualität als gut

Mitleid für Kinder mit Cerebralparese? Völlig fehl am Platz. Denn fragt man die jungen Patienten selber, schätzen sie ihre Lebensqualität als gut ein. Die Pädiaterin Dr. Marion Rapp wurde für ihre Untersuchungen mit dem Quality-of-Life-Preis ausgezeichnet.

Von Pete Smith

BAD HOMBURG. Wenn ein Kind mit einer Cerebralparese zur Welt kommt, ist man als Außenstehender geneigt, den kleinen Patienten wie auch dessen Eltern zu bemitleiden. Je schwerer die Ausprägung der Behinderung, desto mehr erscheint einem die Lebensqualität der Betroffenen gemindert zu sein.

Diese Annahme jedoch ist falsch, wie die Autoren der SPARCLE-Studie 2007 nachwiesen, indem sie die jungen Patienten erstmals persönlich befragten. Auch deren Eltern vertraten mehrheitlich die Auffassung, dass der Schweregrad der Behinderung keinen Einfluss auf die Lebensqualität ihrer Kinder hat. Allerdings förderten ihre Aussagen in einer Folgestudie zutage, was den Betroffenen selbst nicht erwähnenswert schien: dass es vor allem die Schmerzen der Patienten sind, die deren Lebensqualität signifikant verschlechtern.

Pädiaterin erhält ersten Preis
Für ihre Erkenntnisse über die Lebensqualität von Kindern und Jugendlichen mit Cerebralparese hat die Pädiaterin und Kinderchirurgin Dr. Marion Rapp, Mitarbeiterin der Lübecker Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, den diesjährigen Quality-of-Life-Preis erhalten. Der von dem Bad Homburger Arzneimittelhersteller Lilly Deutschland gestiftete Preis zeichnet Forschungsprojekte aus, die Messinstrumente zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität einsetzen oder entwickeln.

Den zweiten Preis erhielt Dr. Julia Caroline Radosa, Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Universitätsklinikum des Saarlands, für ihre Studie über die Lebensqualität und Sexualfunktion nach laparoskopischer Myomtherapie, deren Ergebnisse auch in der aktuellen Leitlinie Hysterektomie berücksichtigt wurden. In Abwesenheit der Preisträgerin nahm ihr Bruder, Privatdozent Marc Radosa, Chefarzt der Gynäkologie an den Agaplesion Diakonie Kliniken Kassel, die Auszeichnung entgegen.

Die gesundheitsbezogene Lebensqualität (Health-Related Quality of Life, HRQoL) ist ein multidimensionales Konstrukt, das physische, psychische und soziale Elemente berücksichtigt und sich an der subjektiven Wahrnehmung Betroffener orientiert. Für ihre Befragung der Eltern von Kindern mit Cerebralparese fasste Marion Rapp die Definition einfacher: "Lebensqualität ist, was ein Mensch über sein Leben denkt und wie er sein Leben empfindet." Zweimal befragte sie insgesamt 551 Eltern (527 Mütter und 27 Väter) zur Lebensqualität ihrer Kinder, 2004/2005 und 2009/2010.

Schmerzminderung ist zentral
Einige Ergebnisse waren zu erwarten, andere durchaus überraschend: Je höher die Lebensqualität in der Kindheit, desto höher war sie auch im Jugendalter der Patienten. Starke akute Schmerzen (etwa Kopf-, Hüft- und Gelenkschmerzen) führten zu einer relevanten Verschlechterung der Lebensqualität, was sich sowohl auf das Wohlbefinden und die Stimmung der Patienten als auch auf ihre Selbstwahrnehmung und Autonomie, die Schule und ihre soziale Akzeptanz auswirkte. Auch Verhaltensauffälligkeiten der Kinder sowie Erziehungsstress ihrer Eltern waren mit einer niedrigeren Lebensqualität assoziiert. Conclusio der Autorin: "Es ist notwendig, bereits in der frühen Kindheit Interventionen vorzunehmen, um die Schmerzen und die psychischen Probleme von Kindern mit Cerebralparese sowie den Erziehungsstress ihrer Eltern zu reduzieren."

Die Bilanz aus 21 Jahren Quality-of-Life-Preis kann sich sehen lassen: Seit 1996 wurden mehr als 400 Arbeiten eingereicht, von denen die Juroren am Ende 45 auszeichneten. Konnte man die Teilnehmer in den Anfangsjahren noch an einer Hand abzählen, waren es auf dem Höhepunkt 2013 bereits 53 und aktuell 34 Wissenschaftler, die sich um den Preis bewarben. "Auch politisch wird die gesundheitsbezogene Lebensqualität immer wichtiger", sagte Jurymitglied Dr. Johannes Clouth, der den Quality-of-Life-Preis bei Lilly seit 1998 verantwortet und seine Aufgabe im nächsten Jahr an seine Kollegin Tatjana Senin abgibt. Die meisten Einreichungen, so Clouth, stammten erwartungsgemäß aus dem Bereich Onkologie. Dass sich inzwischen jedoch auch Arbeiten mit der Erforschung der Lebensqualität von Müllmännern oder Bäckern befassten, zeige aber, dass das Thema inzwischen in vielen Feldern Beachtung finde.

Quelle: https://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/arzneimittelpolitik/article/947172/quality-of-life-preis-kinder-cerebralparese-werten-ihre-lebensqualitaet.html

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Bewegt euch!
Von Monika Schönfeld

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Leistungsfähige Mitarbeiter sind das Kapital der Unternehmen. Die hat der Gastredner des Unternehmertags, Professor Dr. Ingo Froböse, am Donnerstagabend in der Aula am Gymnasium mit den Leistungssportlern eines Fußballvereins verglichen, der auch nichts anderes sei als ein mittelständisches Unternehmen. In Gesundheit müssen die Mitarbeiter und ihre Chefs investieren. Das erhält das Kapital.

»Wir haben kein Belastungsproblem, wir haben ein Regenerationsproblem«, sagt der Sportwissenschaftler. Im Leistungssport wie zum Beispiel im Fußball sei das erkannt worden. »Sportler werden durch die Pausen gut. Nach der Leistung werden sie gehätschelt und getätschelt, ein bisschen Badewanne hier, Massage da. Das geht soweit, dass sie Freizeitcoaches bekommen, um sie im System zu halten.« Was für Sportler gilt, gilt für jeden Menschen, der täglich Leistungen erbringen muss. »Wenn Sie jetzt nach Hause gehen, müssen sie es bis morgen früh schaffen zu regenerieren.«

Regeneration heiße nicht: Ab aufs Sofa, Fernseher an und eine gute Pulle auf den Tisch. Vielmehr bringe Bewegung den Effekt. »Lockeres Auslaufen« oder Cooldown auf Neudeutsch – wie Fußballer nach einem Länderspiel – das regt die Aktivität und den Stoffwechsel an, setzt Hormone fürs Wohlbefinden frei und pustet das Hirn durch. »Danach sind alle Probleme ein Stück kleiner geworden.« Auch im Urlaub, in dem sich der Mensch erholen will, gilt das. Nichts sei erholsamer als eine Woche Skiurlaub: Jeden Tag früh aufstehen, den ganzen Tag in Bewegung an frischer Luft, nachts erholsam schlafen.

„Wer an der Belastungsschraube dreht, muss auch an der Regenerationsschraube drehen.“ Ingo Froböse

In die Gesundheit könne nur investiert werden – und zwar kontinuierlich. Rücklagen bilden könne man nicht. »Wer an der Belastungsschraube dreht, muss auch an der Regenerationsschraube drehen.« Ausreden lasse er nicht gelten. Vor allem nicht die, es fehle die Zeit. »30 Sekunden zwei mal am Tag – das ist eine Vollkaskoversicherung gegen Rückenschmerzen«, macht er mit den 120 Gästen eine einfache Übung. »Sieht blöd aus«, sagt er, als alle auf der Stuhlkante sitzen und die Arme auf und ab bewegen, »ist egal, geht meinetwegen aufs Klo, wo euch keiner sieht.«

Bewegung macht schlau
Ebenso wenig gelten lässt Froböse das Argument, man sei zu alt für Sport und Bewegung. »Muskeln erneuern sich alle 15 Jahre. Das heißt, dass kein Muskel älter als 15 Jahre ist, also in der Pubertät. Und mit Pubertierenden kann man auf die Rolle gehen.« Muskeln muss man allerdings ständig trainieren. »Von nix kütt nix«, kann er locker im Kölschen Dialekt motivieren. Muskeln machen nicht nur schön, sondern stabilisieren die Wirbelsäule und garantieren Mobilität und damit Selbstständigkeit. »Muskulatur ist in jeden Alter trainierbar. Investieren Sie! Machen Sie Gymnastik oder Cross-Fit, egal wie Sie es nennen.« Knochen und Knorpel hängen am Tropf der Bewegung – und: Bewegung macht schlau. »Das bringt Sauerstoff ins Gehirn, ist auch ein Ventil für Stress.«

Bewegung muss nicht in Quälerei ausarten. »Machen Sie es so, dass Sie sich unterfordert fühlen. Wenn Sie sagen: Boah, war dat schön, dann machen Sie es morgen wieder. Machen Sie das, was Ihnen Spaß macht.« Den Zuhörern machte der Vortrag Spaß. Einer fragte nach Literatur zum Nachlesen. Die gibt’s reichlich – auch von Froböse.

Zur Person
Ingo Froböse, geboren 1957, leitet an der Deutschen Sporthochschule in Köln das Zentrum für Gesundheit durch Sport und Bewegung und ist Leiter des Instituts für Bewegungstherapie und bewegungsorientierte Prävention und Rehabilitation. Er hat Sportwissenschaft und Wirtschaftswissenschaft studiert, wurde 1986 promoviert, 1993 habilitierte er sich. 1995 wurde er zum Hochschullehrer berufen. Er selbst war in der Studienzeit deutscher Vizemeister über 100 Meter Sprint und aktiver Leichtathlet. Für Institutionen und Vereine ist er zudem beratend tätig und als Experte in Medien gefragt, oft mit Beiträgen im ARD-Morgenmagazin oder in n-tv, aber auch in Illustrierten wie Stern, der Brigitte, Fit for Fun oder Men’s Health.

Quelle: http://www.westfalen-blatt.de/OWL/Lokales/Kreis-Guetersloh/Schloss-Holte-Stukenbrock/3049054-Ingo-Froboese-beim-Unternehmertag-In-Gesundheit-muss-man-investieren-Bewegt-euch

#bewegungskompetent #bewegungskompetenz #kinästhetik #kinaesthetics



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Wer aktiv ist, wirkt jünger

Sie sind seltener krank und deutlich fitter: Menschen, die regelmäßig Sport treiben. Forscher haben für diese Erkenntnis 25 Jahre lang Hunderte Menschen begleitet.

Wer Sport treibt, ist motorisch gesehen im Schnitt zehn Jahre jünger als Menschen, die sich nur wenig bewegen. Das zeigt eine aktuelle Auswertung der Langzeitstudie Gesundheit zum Mitmachen von Sportwissenschaftlern des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT). Für die Untersuchung, die im Jahr 1992 begann, wurden unter anderem Aktive und Nichtaktive im mittleren Erwachsenenalter beobachtet.

Professor Klaus Bös, der die Studie gemeinsam mit Alexander Woll koordiniert, fasste das Resultat der Ergebnisse wie folgt zusammen: "An unseren Daten sieht man: Der 50-jährige Aktive ist so fit wie der 40-jährige Inaktive."
Anhand der Daten lasse sich feststellen, dass mit fortschreitendem Alter zwar die Zipperlein zunähmen – die Gesundheitssportler allerdings deutlich seltener davon betroffen seien. So lasse sich beispielsweise sagen, dass ein eher inaktiver Mensch – darunter verstehen die Wissenschaftler jemanden, der sich weniger als zweieinhalb Stunden pro Woche sportlich betätigt – beispielsweise ein viermal so hohes Risiko habe, an Diabetes zu erkranken.
Für die Studie wurden seit dem Jahr 1992 in Schönborn im Kreis Karlsruhe Probanden zwischen 35 und inzwischen 80 Jahren begleitet. Zu Beginn der Studie gab es 500 Teilnehmer, die Hälfte davon Männer, die andere Frauen.

Warum werden manche krank, andere nicht?

Zu Anfang wurden sie medizinisch untersucht: Körpermaße wurden genommen, Blutwerte ermittelt, es wurde eine Körperfettanalyse (BIA) durchgeführt und das Herz mithilfe eines EKG untersucht. Mediziner testeten unter anderem auch Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer und Koordination der Probanden sowie ihre kognitiven Fähigkeiten, wie beispielsweise Reaktionsschnelligkeit oder Hand-Auge-Koordination. Auch wurden die Teilnehmer zu ihrem Lebensstil befragt. Alle paar Jahre wurden die Untersuchungen wiederholt.
Mit der Studie soll die Frage beantwortet werden, wie sich die Aktivität, die Fitness und die Gesundheit der Probanden im Laufe der Jahre verändert. Warum werden einige krank, während andere unter ähnlichen Lebensbedingungen gesund bleiben, war eine der gestellten Fragen. Eine andere betraf die direkten und indirekten Effekte, die sportliche Aktivität unter anderem auf die Fitness haben kann.

Aktiv, aber nicht genug

Das Ergebnis zeigt, dass die körperliche Aktivität der Probanden über die Jahre zwar zugenommen hat. Doch nicht einmal die Hälfte erreichte die aktuellen Bewegungsempfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von zweieinhalb Stunden wöchentlich.

Die Fitness der Teilnehmer nahm im Laufe der Jahre eher ab, schreiben die Forscher. Der Leistungsverlust beschleunige sich dabei ab dem 50. Lebensjahr. Es habe sich außerdem gezeigt, dass der Leistungsunterschied zwischen regelmäßig Aktiven und Inaktiven mit zunehmendem Alter deutlicher werde.

Die Untersuchung berücksichtigte auch die wichtigsten Risiken, die für "die Hauptkrankheiten der modernen Zivilisationsgesellschaften verantwortlich sind": Fehlernährung, Rauchen, Stress und Alkohol. Die Forscher kommen zu dem Ergebnis, dass das Auftreten des metabolischen Syndroms – das gemeinsame Vorliegen von Übergewicht, Bluthochdruck, erhöhten Blutfettwerten und Diabetes Mellitus – beispielsweise mit hoher Wahrscheinlichkeit vermeidbar wäre, wenn Menschen Sport treiben würden. Wichtig sei, selbst aktiv zu werden – mit ausreichender Bewegung und gesunder Ernährung.

Quelle: http://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2017-10/gesundheit-sport-fitness-kit-langzeitstudie

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Mag. Theresia Ostermann

MH Kinaesthetics und Salutogenese
Ein Beitrag zur ganzheitlichen Gesundheitsförderung

Gesundheit fördern, statt Krankheit vermeiden ist ein klarer Paradigmenwechsel in der Gesundheitsdiskussion. Wie eine ganzheitliche Gesundheitsförderung über die Qualität der Bewegung erfolgen kann, wird in diesem Buch beschrieben. Eine kritische Auseinandersetzung mit verschiedenen Gesundheitstheorien erfolgt im ersten Teil des Buches. Dass Gesundheit praktisch gelebt werden kann, zeigen die Beschreibungen des Salutogenese-Modells und MH Kinaesthetics®.

MH Kinaesthetics® ist ein Lernsystem, in dem die Wahrnehmung der eigenen Bewegung geschult wird. MH Kinaesthetics® vermittelt Bewegungskompetenz vor allem bei Alltagsaktivitäten und wirkt sich positiv und nachhaltig auf die Gesundheit aus. Mittels qualitativer Interviews mit Expertinnen und dem Begründer werden die Zusammenhänge von Salutogenese und MH Kinaesthetics® in Bezug auf Gesundheit dargestellt.

ISBN 978-3-639-88828-7
156 Seiten
AV Akademikerverlag
Preis: 32,90€

https://www.akademikerverlag.de/catalog/details/store/de/book/978-3-639-88828-7/mh-kinaesthetics%C3%82%C2%AE-und-salutogenese
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‚Langsam Pflegen’ stabilisiert das Kohärenzgefühl der Personen und stellt eine zentrale Qualitätskategorie dar.

Ziel/Hintergrund
Gute Pflege entsteht mit und durch Beziehung. Vorrangiges Feld für die Beziehung ist die Interaktion bei der Assistenz in täglichen Aktivitäten. Ein konkreter Ausdruck dieses Ansatzes ist die zeitliche Strukturierung der Interaktion, bekannt unter dem Titel ‚slow nursing’ (langsames Pflegen). Vorliegende Arbeit geht der Frage nach, was dieses Konzept für Pflegende genau bedeutet.

Methoden
Es handelt sich um eine qualitative Studie. Ziel ist, die lebendige Erfahrung und die Kontexte langsamer Pflege einzufangen und zu verstehen. 16 Pflegende aus 2 stationären Einrichtungen aus Norwegen nahmen an der Studie teil. Es handelt sich um examinierte Fachpersonen mit mindestens 2 Jahren Erfahrung in speziellen Abteilungen für Menschen mit Demenz. Jede Pflegende wurde eine Woche lang täglich 4-5 Stunden beobachtet. Dabei wurden umfassende Feldnotizen gemacht. Anschließend fanden 1-stündige Fokusgruppeninterviews mit je 4 Personen statt. Beschrieben wird das qualitative Auswertungs- und Analyseverfahren.

Resultate
Drei zentrale Themen konnten identifiziert werden: im Moment präsent sein, eins nach dem anderen, Freude und Zufriedenheit befördern. ‚Im Moment präsent sein’ Absichtsloses Verweilen besteht aus Situationen, in denen man sich von der Bewohnerin oder vom Bewohner in Inhalt und Tempo leiten und die Interaktion/Kommunikation von der Bewohnerin oder vom Bewohner her initiieren lässt. Berührungen – in der Regel das Halten der Hände – spielen dabei eine zentrale Rolle, um Ängstlichkeit zu kompensieren. Dies trägt dazu bei, die Bewohnerin oder den Bewohner besser zu verstehen und von ihm verstanden zu werden. Auch scheint er die Situation und die ihn umgebenden Personen besser zu verstehen und situationsgerechter handeln zu können. Im Moment präsent sein führt zu häufigen klaren (luziden) Momenten, die der Verankerung im Hier und Jetzt (Orientierung) dienlich sind: die Orientierung insgesamt verbessert sich. Die Personen fühlen sich sicher und zuversichtlich und trauen sich dementsprechend mehr zu (Selbstvertrauen). ‚eins nach dem anderen’ Sich selbst zu entschleunigen und sich erlauben, sich Zeit zu lassen wurden von allen Pflegenden als zentrale Qualitätsmerkmale der Arbeit erlebt. Pflegende und Personen mit Demenz müssten sich im Gemeinsam-Sein zur Situation orientieren und herausfinden, was jetzt möglich sei. Wenn man sich die Zeit nehme, dann könne sich die Bewohnerin oder der Bewohner besser orientieren und auch ein besseres Selbstpflegeverhalten an den Tag legen. Umgekehrt: je mehr man dem Zeitdruck nachgebe, desto mehr spiegele sich dies negativ auf die Bewohnerin oder den Bewohner zu-rück mit einer deutlichen Reduzierung seiner Selbstpflegefä-higkeit. Sich bewusst und kontrolliert im Tempo, sowohl bei den Bewegungen wie auch im Sprechen zu reduzieren, sei daher ein wichtiges Zeichen von Qualität. ‚Freude und Zufriedenheit befördern’ Psychisches Wohlbefinden sei genauso wichtig wie das physische. Daher gehe es bei den pflegerischen Tätigkeiten da-rum, sie so angenehm wie möglich zu gestalten. Es gehe nicht primär um Sauberkeit oder Ankleiden, sondern um die sich im gemeinsamen Tun ergebende Freude oder Zufriedenheit. Wertschätzung, Anerkennung, Selbstvertrauen – all dies sei in der Körperpflege selbst zu leisten. Bezüglich der Aktivitäten außerhalb der Pflege wurde die Arbeit mit den Sinnen sowie Außenaktivitäten genannt: zum Beispiel barfuß über eine Wiese gehen und sich an frühere Zeiten erinnern, mit der Straßenbahn fahren und in einem Cafe sitzen. Nicht die – oft kalendarisch organisierten – Aktivitäten im Heim, sondern die Teilhabe am öffentlichen Leben sei das Entscheidende. Zusammenfassend: es geht darum, eine persönliche und einzigartige Umgangsweise mit jeder Bewohnerin und jedem Bewohner zu entwickeln, eine aufmerksame und zuhörende Haltung einzuüben sowie die Person mit Respekt und Achtung zu behandeln. Alles, was man unternehme, diene dem Ziel, dass die Bewohnerinnen und Bewohner ihr Leben verstehen, bewältigen und ihm einen Sinn abgewinnen könnten.

Diskussion
In der Diskussion beziehen die Autoren das ‚langsam Pflegen’ auf das Konstrukt ‚Kohärenzsinn’ nach Antonowski: dieser erhöht sich, wenn die Welt/Menschen verstehbar sind (Verstehbarkeit), man in der Welt wirksam handeln kann (Handhabbarkeit) und sich hieraus Herausforderungen ergeben, für die es sinnvoll ist, sich einzusetzen (Bedeutsamkeit). Eine langsame Pflege trägt dazu bei, dass alle drei Dimensionen unterstützt und gefördert werden. Die Person kann sich besser orientieren, in die gegenwärtige Situation hineinfinden, besser entwickeln, was sie hier tun und beitragen kann. Hierdurch ergibt sich mehr Freude/Zufriedenheit in dem Sinne, dass die Person sich bedeutsam erlebt und einen sinnvollen Alltag gestalten kann. Um dies zu erreichen ist es nötig, eine möglichst ‚offene Situation’ anzustreben, sich von vor-herbestimmten Abläufen und zeitlichen Vorgaben zu lösen und damit auf Kontrollierbarkeit des Tages zu verzichten. Dies wird unterstützt durch eine reflektierende Haltung, die immer wieder erlaubt, sich den Pflegeprozess von außen an-zusehen und sich nicht in Details zu verstricken.

Lillekroken, D., Hauge, S., Slettebø, A. (2015). The meaning of slow nursing in dementia care. Dementia DOI: 10.1177/1471301215625112

Quelle: http://dzd.blog.uni-wh.de/files/2016/09/NL2-2016_ruesing.pdf
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Tai Chi senkt den Cholesterinspiegel

Haben Sie schon einmal überlegt, mit Tai Chi anzufangen? Laut einer Studie aus Shanghai wäre das keine schlechte Idee. Denn chinesische Gymnastik entspannt nicht nur den Geist - sondern auch die Blutgefäße.

35 medizinische Studien haben die Wissenschaftler für ihre Überblicksarbeit im Fachblatt "JAHA" ausgewertet. Das Resultat: Tai Chi, Chi Gong, Ba Duan Jin und andere Formen der chinesischen Gymnastik sind vor allem Herz-Kreislauf-Patienten empfohlen.

Die Gymnastik steigert das Wohlbefinden und wirkt gegen Depressionen. Und sie wirkt sich auch auf die körperliche Gesundheit aus. Laut Analyse senkt sie den Blutdruck, die Blutfette und sogar den Cholesterinspiegel.

Fazit der Forscher: Hier könnte man sich an den Chinesen - bei denen Tai Chi ja eine Art Volkssport ist - durchaus ein Beispiel nehmen. Zehn Minuten Gymnastik pro Tag würden das Risiko für Schlaganfälle und Herzinfarkte deutlich senken.

Der WHO zufolge sterben jedes Jahr weltweit 17 Millionen Menschen an Herz-und Kreislauf-Erkrankungen. Laut einer früheren Auswertung aus dem "British Medical Journal" wäre vor allem der Cholesterinspiegel ein lohnender Ansatzpunkt. Schon 20 Prozent weniger Cholesterin im Blut würden genügen, um die Todesfälle unter Herz-Kreislauf-Patienten zu halbieren.

Quelle: http://science.orf.at/stories/1768319/

Übersichtsarbeit: Wang, Xue‐Qiang, et al. "Traditional Chinese Exercise for Cardiovascular Diseases: Systematic Review and Meta‐Analysis of Randomized Controlled Trials." Journal of the American Heart Association 5.3 (2016): e002562.

Volltext: http://jaha.ahajournals.org/content/5/3/e002562.full

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